Baro 1024, bedeckt, ca. 18º, Wind NO in Böen bis 30 Knoten, die See 3m
Glücklicherweise kam der Skipper um Mitternacht auf die Idee, doch ein 2. Reff ins Großsegel zu binden. Die Aktion selbst war zwar nicht so schön, weil das Boot zum Reffen ja in den Wind gedreht werden muss, und das macht bei 25 Knoten und Wellen über zwei Meter nicht so richtig Spaß. Aber inzwischen sind wir eingespielt, ich bin nur immer ein bisschen bang, wenn Volker aufs Deck muss bei dem schwankenden Schiff. Auch die Genua ist etwas eingedreht, die Hexe war gerüstet für die Nacht. Und das war eine gute Entscheidung, denn ab fünf Uhr gingen die Böen auf 27 Knoten, und um acht waren es dann auch mal 30 Knoten. Dafür gibt es fast immer zweistellige Zahlen für die Geschwindigkeit des Bootes, oft über 16 Knoten Fahrt, Volker hat sogar einmal die 18 gesehen.
Die Bewegungen der See sind eine Herausforderung an mich, bei jedem Schritt muss ich mich irgendwo festhalten, um nicht überall anzustoßen, Volker kann das besser, er turnt ja – wenn es nötig ist – schon mal auf dem Dach herum.
Auf unserer Überfahrt in die Karibik habe ich mich jeden Morgen per Kurzwelle in die Intermar Runde eingewählt, das war nicht immer einfach und mit vielen Störgeräuschen oft nervig, aber es hat uns sehr geholfen, weil der jeweilige Net-Control Mensch zu allererst ausführliche Wetterinformationen gegeben hat. Nun ist das eine Männerdomäne, wenn da plötzlich eine weibliche Stimme im Funk ist, wird die auch besonders zuvorkommend behandelt. Wir bekamen oft direkte Wetterinformationen für unsere Strecke als allererstes genannt, im Morgen- und Abendnetz. Und dann habe ich auch bei Predict Wind mit Gribfiles Wetterinformationen abholen können und auf unsere Strecke einlesen. Wir konnten auch per email kurze Berichte auf unseren Blog stellen. Das war schon gut! Das Abholen der Gribfiles und das Aussenden der Blog-Texte über die Kurzwelle hat aber hohe Anforderungen an die Geduld gestellt. Es dauerte oft sehr lange, bis die Daten an der richtigen Stelle ankamen. Und manchmal hat die Übertragung nicht geklappt oder ist mitten drin abgebrochen, dann musste ich das halt noch einmal anfangen. Heute habe ich es auch probiert, aber heute gibt es einen weltweiten Contest in der Kurzwelle, da habe ich auf der Intermar-Frequenz nur Amerikaner gehört.
Man mag zu Elon Musk als Person unterschiedliche Meinungen haben, aber mit den Satelliten für Starlink liebe ich ihn. Jetzt kann ich zu jeder Tages- und Nachtzeit meine Wetterinformationen abrufen, wir bleiben in Kontakt mit Familie und Freunden zuhause. Ich habe auch nicht ungefähr 500 Mails mehr, wenn ich den Computer nach einer Zeit auf See wieder anschalte, sondern kann sie jeden Tag abrufen und beantworten. Und wir können jederzeit Filme anschauen, das ist alles Luxus pur. Es kostet halt nur ein bisschen Geld. Es gibt bei Starlink einen Reisetarif für terrestrische Reisen und Küstengewässer für 95€ im Monat, und wenn man auf hoher See ist, außerhalb der 12 Meilen-Zone, kann man den Ocean-Modus dazu buchen, da wird nach Verbrauch pro GB 1,91€ abgerechnet. Den Ocean-Modus kann man jederzeit pausieren oder auch abschalten. Man hat es selbst in der Hand, wieviele Gigabytes man sich leisten will.
Ab Mittag werden die Böen ein bisschen weniger, aber die Wellen sind weiterhin hoch, und die Hexe schaukelt sich nach Süden. Inzwischen ist auch die Sonne heraus gekommen, da sieht ja alles gleich viel schöner aus, und es wird warm, deutlich zu spüren, dass wir einige Breitengrade weiter südlich gesegelt sind.

