Au weia!

Der Seegang hat uns immer wieder mal wach gehalten in der Nacht zum Montag, es hat gegluckert und geschaukelt, wenn die Wellen mit dem Südwind direkt in die Bucht gelaufen sind. Seit heute Morgen lässt der Wind nach und wechselt beständig die Richtungen. Die Hexe fährt Karussell mit uns, aber der Anker scheint das mitzumachen.

Mittags waren wir schön mit Samy spazieren, der Südwind hatte sich gelegt, und der Seegang war schwächer geworden. Noch war der angekündigte Wind aus Nordost nicht so stark, die ersten Böen kamen um 17 Uhr, hielten sich aber in Grenzen.

Handy in Reis

Nach einem kurzen erfrischenden Bad sitze ich gerade mit eingeseiften Haaren auf den hinteren Stufen, da höre ich einen Volker-Schrei: „Nein, das ist jetzt nicht wahr!!!“ Das Iphone war ihm aus der Hand geglitten, auf dem Steuermannstuhl aufgeschlagen und, platsch, ins Wasser gehopst. Ins Meerwasser, versteht sich. Wasser mögen unsere elektronischen Freunde ja schon nicht so gerne, aber Salzwasser ist so etwas ähnliches wie ein Todesurteil.

Nach kurzen Schrecksekunden springt Volker ins Wasser, um das Handy hochzutauchen, vielleicht können wir ja wenigstens die Sim-Card retten. Er findet es auch beim ersten freien Tauchgang, ich spüle es unter Süßwasser aus, dann hole ich die Sim-Card raus, spüle sie ebenfalls und trockne sie sorgfältig ab. Das Telefon trocknen wir so gut es geht von allen Seiten in der Sonne, dann kommt es in eine kleine Tupperdose mit Reis. Macwelt sagt, das kann helfen, muss aber nicht. Einen Versuch ist es allemal wert.Von einem früheren solchen Malheur haben wir noch ein älteres einfaches Nokia, das kommt eben mal schnell an den Ladestecker, die Sim-Card rein, telefonieren kann Volker wieder. Aber kein Whatsapp, und vor allem kein Spiegel-Online, wenn er nachts wach liegt, oder am Morgen oder auch am Tag oder Abend die Nachrichten studieren möchte, bitter bitter. Für die nächste Zeit weiß ich auf jeden Fall, wo ich nach meinen Telefon zuerst schaue, wenn ich es mal vermisse…!

Eine Böenwalze kommt

Am Abend fahren wir mit Samy zum Strand, man kann da auch im Dunkeln gut anlanden, muss nur ein Stückchen durchs Wasser waten, aber das ist ja noch warm. Ich sehe schon, wie Volker nervös während des Essens im dortigen Lokal immer wieder zu unserem Boot hinüber schaut. Irgendetwas scheint nicht in Ordnung, er will aber nicht so recht heraus damit, was ihm Sorge bereitet. Erst als wir uns auf den Rückweg zur Hexe machen, sage ich: „Der Segler hat sich aber nah an uns heran gelegt.“ „Ja, und genau deswegen fahren wir jetzt dorthin und scheuchen ihn weg!“, sagt Volker.

Gesagt, getan. Wir klopfen an das Boot, versuchen dem Mensch auf Englisch, Französisch und Italienisch klar zu machen, dass das überhaupt nicht geht, dass er über unserer Kette liegt, und er sich bitte woandershin legen soll. Er liege ganz sicher, habe 25 m Kette draußen und zwei Ankeralarme, er würde aufpassen. Aber Volker lässt nicht los, er solle sich doch einen anderen Platz suchen, hier seien zwei Kilometer Strand, da müsse man doch nicht bei vorhergesagtem Starkwind so nah bei einem anderen Boot ankern.

Das Gelbe sind die Schiffsbewegungen von heute Nacht

Wir fahren erbost zur Hexe zurück, aber der Einhandsegler macht keine Anstalten, den Anker zu lichten. Jetzt wird Volker richtig böse, ich erkenne das immer daran, wenn sich seine Stimme überschlägt und ganz heiser klingt. „Go away, go away…“ Schließlich holt der andere den Anker hoch, zuerst sieht es so aus, als habe er sich tatsächlich in unserer Kette verhakt, wir stehen schon bereit, einen Zusammenstoß abzumildern, dann fährt er mit Vollgas an uns vorbei und ankert schließlich weit draußen in der Bucht. Wahrscheinlich wollte er jetzt auch nur seine Ruhe haben.

Es sieht direkt gut aus!

Die Nacht zum Dienstag war in Ordnung, der Wind kaum über zwanzig Knoten, die Bucht von Lacona ist ideal gegen alle nördlichen Winde geschützt. Heute Morgen hat Volker das Windsurfbrett ausgepackt, auch hierfür ist die Bucht gut geeignet. Surfen scheint wie Radfahren oder Flöte spielen zu funktionieren: Wenn man es einmal gut kann, verlernt man es nicht mehr. Ich habe ein paar Szenen gefilmt, die stelle ich demnächst auf Youtube.

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Versteckspiel

Vorhersage für Montag Abend

Zeitgleich mit dem Durchzug von Sturmtief Knud an Nord- und Ostsee kündigt sich auch im tyrrhenischen Meer eine herbstliche Turbulenz an und lässt uns seit ein paar Tagen sehr gespannt alle möglichen Windvorhersagen beobachten. Jedoch, alle Wettervorhersagequellen sind sich einig, es wird ordentlich zwischen Montag früh und Mittwoch Nachmittag kacheln. Windspitzen von über 70 Stundenkilometern sind vorhergesagt und und so stellt sich bei uns die Frage, Quo Vadis – wohin?

Heute Mittag schaukeln die Boote friedlich in den Wellen

Wie schon beschrieben hat Elba alle paar Meilen eine gut geschützte Ankerbucht parat, doch bei wechselnden Windrichtungen wird es schwierig. Der angesagte Sturmwind soll im Laufe seines Herannahens so die Richtung ändern, dass er aus nahezu jeder Himmelsrichtung weht. Los geht es am Montagmorgen mit südlichen Winden, die schnell nach West eindrehen und sich bis Dienstagabend auf nord- bis nordöstliche Richtungen einpendeln. Die stärksten Böen sollen aus dem nördlichen Quadranten kommen, deshalb haben wir uns für die Lacona Bucht im Süden von Elba entschieden, die einen guten Schutz vor West- über Nord- bis Ostwinden bietet. Lediglich nach Süden hin ist die tief eingeschnittene Bucht offen, die wehen heute Nacht, aber noch mit milden 10 – 15 Knoten. Die umliegenden Berge scheinen nicht so hoch zu sein, dass man vor Fallwinden keine Angst haben muss.

Vorhin haben wir einen Erkundungsgang an Land gemacht, um auszuloten, wo wir auch abends sicher mit dem Dinghy anlanden können, um mit Samy eine Runde zu drehen. Frische Lebensmittel haben wir in heute in aller Frühe in Marciana Marina gebunkert. Der Ankergrund wird in den entsprechenden Revierführern als sehr gut beschrieben, und wir haben extra viel Ankerkette gesteckt. Wir liegen auf 7 Meter Wassertiefe und 45 Meter Kette sind raus.

Trotzdem ist eine gewisse Anspannung spürbar…

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Segelbar.

Über 10 Knoten auf der Logge

Er war vorhergesagt, er kam auch und wir haben ihn genutzt. Der Wind, der uns in den letzten Tagen hin und wieder an der Nase rumgeführt hat und auf den wir nun mehr als eine Woche gewartet hatten, kam heute, endlich, wie vorhergesagt. Schon früh um 9 Uhr fing es an, aus Südost zu wehen und um 10 Uhr gingen wir ankerauf. Das Großsegel war schnell gesetzt, die Motoren verstummen, langsam nimmt die Hexe Fahrt auf und am Heck gluckert das Meereswasser fröhlich vor sich hin. Gleich kommt noch die Genua dazu und die Logge springt flugs auf 8 Knoten Fahrt. Wir wollen mal wieder in den Inselsüden und dazu Elba entgegen des Uhrzeigersinns umsegeln. Die Capitania programmiert einige Wegepunkte um die Insel rum und gibt die zu segelnden Kurse vor. Der Wind frischt auf, erste Böen erreichen 18 Knoten, unser Kat segelt mit 10 Knoten dahin. Freudige Gesichter an Bord.

De felsigen Strände um S. Andrea

Nach dem Passieren von Capo Benefola setzen wir den Kurs auf den westlichsten Zipfel von Elba ab. Plötzlich verfärbt sich in Luv das Wasser scheinbar schwarz, und weiße Schaumkronen kontrastieren damit. Starkwind ist im Anzug, wir rollen die Genua weg und drehen das Schiff in den Wind, alles klar zum Reffen des Großsegels. Keine fünf Minuten später ist das erste Reff eingelegt und selbst damit stürmt der Kat mit fast 10 Knoten dahin. 20 Minuten später heißt “rien ne va plus”, nachdem wir an Marciana Marina vorbeigerauscht sind, schläft der Wind innerhalb weniger Momente komplett ein und dreht dann um 180 Grad. Die Motoren werden zum Leben erweckt, wenn der Wind nicht so will, wie er soll, ist auf Elba der nächste Ankerplatz nie mehr als ein paar Meilen entfernt.

Der knuffige kleine Badeort

Ein paar Minuten später liegen wir vorm malerischen schönen Badeort Sant’ Andrea, der Anker hat sich in den sandigen Untergrund eingegraben. Wir baden bei sommerlichen 30 Grad Außentemperatur im azurblauen Meer. Nachmittags gehen wir durch den kleinen Ort, damit Samy zu seinem Gassigehrecht kommt, erklimmen einen schmalen Küstenpfad, der uns in die Höhenlage von Sant’ Andrea führt. Dort genießen wir die Aussicht über das Meer, den Strand und die signifikanten Felsformationen – ein Idyll.

Marciana Marina im Abendsonnenschein

Jetzt liegen wir zum wiederholten Male vor unserem Lieblingsort auf Elba vor Anker, Marciana Marina hat es uns angetan. Gleich geht es zum Aperitivo!

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Portoferraio nach Porto Azzurro und zurück

Idyllisch ist es in der Ankerbucht von Porto Azzurro

Am Mittwoch haben wir die Leinen losgemacht und uns – schon ein bisschen schweren Herzens, von Portoferraio verabschiedet. Unser nächstes Ziel hieß Porto Azzurro, das hatte ich noch aus unserem Mädelstörn in guter Erinnerung. Ein hübscher kleiner Ort. Natürlich hält der Wind nicht durch für die 16 Seemeilen, wir segeln ein bisschen, dann motoren wir wieder, und schließlich fällt der Anker in der gut geschützten Bucht von Porto Azzurro. Mit Samy machen wir uns bald auf, den kleinen Ort zu erkunden, es ist gerade 16 Uhr, da erwachen diese italienischen Touristenorte erst so langsam aus dem Mittagsschlaf.

Ganz untypisch – klare Formen ohne Gold und Putten

Aber die hübsche Kirche können wir besichtigen, und ein leckeres Eis gibt es auch. Nach dem Abendessen (Gegrillt, was sonst?) an Bord fahren wir erneut in den Ort, laufen mit Samy die Uferpromenade und am Hafen entlang. Volker sinniert, ob man das alte Gefängnis in dem Fort besichtigen kann, aber nein, das wird immer noch als solches genutzt, und somit nicht zur Besichtigung freigegeben.

Das Städtchen ist voller Restaurants und Bars, wirklich eins schöner als das andere, in einer Bar lassen wir uns auf einen Drink nieder und verfolgen die erst Halbzeit der Champions League als Konferenz von fast allen Spielen (nur Ajax und Hoffenheim waren nicht dabei) auf Großbildschirm.

Ein hübsches Örtchen mit schönem Hafen

Nach dem Tanken in der Marina von Porto Azzurro am Donnerstag, heute Morgen, segeln wir langsam aus der Bucht raus, um festzustellen, dass es doch wieder mal keinen Wind gibt. Volker ist sehr ungehalten über die seglerische Situation im Mittelmeer im allgemeinen und auf Elba im besonderen, und will nicht weiter nach Süden motoren, und wenn da noch so schöne Buchten warten, weil wir ja dann, wie er sagt, „den ganzen Rötel wieder zurück motoren müssen.“ Also machen wir einen Badestopp in der wunderschönen Bucht von Ortano, in der nur zwei Schlauchboote vor Anker liegen. Kaum haben wir jedoch ein Plätzchen gefunden, kommen weitere Segelboote und ein Motorboot, aber es ist ruhiges Wetter, da kann man bei Tag schon mal eng vor Anker liegen.

Die Bucht von Ortano, bezaubernd

Um 15 Uhr lichten wir denselben, ein leichter Wind hat aufgefrischt, und wir kreuzen vor dem Wind Richtung des nordöstlichen Endes von Elba. Der Ort Cavo hat es uns schon auf dem Hinweg angetan, aber da stehen so viele Bemerkungen in der Seekarte, dass dort ankern verboten ist, dass wir es uns nicht getraut haben. Jetzt liegen schon wieder einige Segler vor Anker, das können wir doch auch. Kaum haben wir uns genähert, fährt einer nach dem anderen weg, den letzten bekommen wir gerade noch zu fassen, ein kleines deutsches Segelboot, man beruhigt uns, ja hier könne man problemlos ankern.

Die beiden haben große Probleme mit ihrem Anker, und sobald wir fest liegen, fährt Volker mit dem Beiboot rüber, um den schon etwas älteren Herrschaften zu helfen. Das trägt ihm eine Einladung zum Freibier ein, die wir aber leider nicht wahrnehmen können, denn als Volker, wieder an Bord und warm geschafft, noch einmal ins Wasser springt und nach dem Anker taucht, sieht er, dass der mitnichten gegriffen hat, sondern lose auf dem Seegras liegt. Also wieder hoch mit dem Ding, zwei Stunden bleiben uns noch im Hellen, dann ankern wir halt noch einmal vor San Giovanni und können heute Abend erneut die hervorragende Küche des unscheinbaren Restaurants dort, „Pizzeria 2001“ genießen. Auch gut!

 

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Das Gewitter kam

Die Fortanlage mit Leuchtturm

… wie angekündigt, um 5 Uhr morgens, wegen der umliegenden Berge hat es, wie man so schön sagt, ordentlich im Karton gerumpelt. Die Entfernung zur Hauptgewitterzelle betrug stellenweise weniger als 5 Kilometer, der Donner erfolgte unmittelbar auf die Blitze. Das uns dieses Wetterphänomen so garnicht liegt, haben wir schon öfter geschrieben, daran hat sich Stand gestern auch nix geändert. Wind gab es keinen dazu und auch der Regen fiel sehr moderat aus. Am späteren Morgen klarte es sogar auf und wir konnten mit unserem Beiboot zum gut 2 Kilometer entfernten Portoferraio tuckern. Nur auf den Fährverkehr zum Terminal muss man richtiggehend achtgeben. Stellenweise wechseln sich dort bis zu vier Fähren, die vom italienischen Festland nach Elba schippern, ab.

Dunkle Wolken kündigen ein neues Gewitter an

Unser erster Erkundungsgang führte uns durch das historische Zentrum, steil bergauf zu der mittelalterlichen Fortanlage Stella. Dort gibt es zwei Museen, eins zeigt die Residenz, in der Napoleon gelebt hat während seines ersten Exils, das andere ist die mittelalterliche Festung selbst. Beide waren jedoch gerade für die lange Mittagspause von 12-16 geschlossen. Man muss ja nicht alles von innen anschauen… Der Blick von außen, über die Dächer der Stadt, den Hafen, die umliegenden Berge und das gegenüberliegende Fort Falcone ist schlichtweg atemberaubend. Eine neue, aus Westen herannahende dunkel schwarze Gewitterzelle ermahnte uns, schnell aufzubrechen, wenn wir noch mit trockener Haut zum Ankerplatz zurückkommen wollen.

Elbas Bienen

Anett hat sich dann mit Cornelia auf einen Hafentag verabredet und ein paar Stunden später lagen die Hexe und Pastis friedlich Heck an Heck im malerischen Stadthafen von Portoferraio. Das Abschiedsabendessen stand an, denn die Pastiscrew will den Wind, der für die kommenden Tage vorhergesagt ist, ausnutzen, um langsam nach Südfrankreich zurück zu schippern. Heute haben sie uns noch mit einem Abschiedsgeschenk überrascht, der Nationalflagge von Elba, die flattert jetzt unter der italienischen Gastlandflagge munter im Wind, dann hieß es mal wieder Abschied zu nehmen und Farewell bis zum nächsten Wiedersehen.

Pause!

Wir haben uns an den Aufstieg zum Fort Falcone gemacht. Samy hat bei der Wärme und der Steigung ziemlich gelitten, seine Zunge hing fast auf dem Boden, als wir oben ankamen. Immerhin durfte er ins Fort mit rein, das wohl auch  in beiden Weltkriegen eine wichtige Rolle spielte. Doch viel schöner als der militärische Aspekt sind die weitläufigen Außenanlagen mit ihren Ausblicken und dem schönen Baumbestand. Ein Ort, an dem man wirklich fast vergessen könnte, dass es dort früher kriegerische Auseinandersetzungen gab.

Eine gut geschützte Bucht

Zurück an Bord kam bei uns die Crew der “Jackhammer” eine J 121, also eine schnelle Regattayacht, vorbei und beäugte neugierig unseren Kat. Gesprächsstoff, Aufklärungsbedarf über schnelles Katamaransegeln gab es genug und so haben wir uns gleich auf einen Sundownerdrink verabredet. Seefahrt und der Genuss alkoholischer Getränke hat halt eine lange TraditionApropos Tradition: Der gute alte Nelson hat Portoferraio einstmals als sichersten Hafen der Welt bezeichnet. Und er hat damit nicht ganz Unrecht, denn der tief ins Landesinnere eingeschnittene Fjord, an dessen Ende der Hafen liegt, ist bestens gegen Seegang aus allen möglichen Himmelsrichtungen geschützt. Ich kann mir nur vorstellen dass der Wind, der über die westlichen Berggipfel wehen kann, von “negativer” Relevanz sein könnte. Aber im Moment ist es hier eher ruhig.

Und noch ein paar Impressionen vom Fort Falcone:

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Achtundvierzig Stunden

Hafen und Ankerplatz vor Marciana Marina, die Hexe ganz rechts außen

Vor zwei Tagen haben wir unseren Kurs nach Elba abgesteckt und als ersten Anlaufort Marciana Marina ausgesucht. Das kleine Dorf liegt im Norden von Elba und hat uns sogleich in seinen Bann gezogen. Wir haben uns dazu entschlossen, nicht in den Hafen zu gehen, sondern davor zu ankern, was laut Seekarte auch gestattet ist. Auf acht Meter Wassertiefe fiel der Anker, der sich sogleich in das sandige Meeresbett eingegraben hat. Trotz beider Motoren auf Vollgas zurück bewegte sich die Hexe keinen Zentimeter mehr rückwärts – so kann man sicher und ruhig vor Anker schlafen.

Der abendliche Marktplatz in MM

Nach unserer Ankunft ging es mit dem Beiboot gleich in den Ort, wo wir direkt von der Pastis Crew in Empfang genommen wurden und zu einer kleinen Aperitifkneipe aufgebrochen sind, um ein erstes alkoholisches Getränk zu uns zu nehmen. Den beiden war es auch zu verdanken, dass wir nach einem kleinen Ortsrundgang im direkten Anschluss in ein hervorragendes Restaurant auf dem super idyllischen Marktplatz eingefallen sind. Dort hat sich unsere kleine Truppe auf sechs Personen erweitert, wir haben am Abend zuvor, noch in Bastia, das sehr sympathische schweizerische Seglerpaar Jules und Gloria kennengelernt, die mit ihrer Hallberg Rassy für gewöhnlich durch das italienische Mittelmeer inklusive der ganzen Inselwelt schippern. Wir haben geklönt, erzählt, geschnackt und dazu hervorragend gegessen.

Ein Laden voller verrückter Deko

Man muss wissen, dass ein normales Abendessen in Italien eigentlich aus vier Gängen besteht. Man startet mit den Antipasti, in der Regel eine kalte Vorspeise. Der zweite Gang, “Primo Piatto” , das können Spaghetti mit allen möglichen Soßen sein, Muscheln, oder andere Meeresfrüchte. Der Secondo ist die eigentliche Hauptspeise, also Fleisch, Fisch oder anderes. Zum Secondo müssen die Beilagen (Contorni) in preislicher Hinsicht apart geordert werden. Der vierte Gang sind dann die süßen Leckereien, die Dolci. Wir 6 haben nur die mittleren zwei Gänge geordert und wurden bestens versorgt. Der Wein floss, Bier gab es ebenfalls zur Genüge und der Abend schritt schnell voran. Cornelia und ich sind noch zu fortgeschrittener Stunde eine letzte Runde mit Samy gegangen. Was für ein toller Abend!

Haus in Marciana Marina

Am nächsten Morgen sind wir früh aus den Federn raus und ich mit voller Tauchmontur ab ins 25 Grad warme Mittelmeerwasser. Ich hatte vor einigen Tagen gesehen, dass die Opferanoden von unseren Bronzepropellern total aufgebracht, bzw. schon abgefallen sind. Der Bootsausrüster in Bastia/Korsika hat einen Satz neue Anoden per Express aus dem französischen Mutterland bestellt. Super Service, vielen Dank.

Kunst im Gehsteig

Nach 45 Minuten Tauchzeit, war der Austausch erfolgreich abgeschlossen und die große Entsalzungsaktion mit der Süßwasserheckdusche für die gesamte Tauchausrüstung folgte.

Jetzt auch Hexen-Fans: Gloria und Jules

Danach hatten wir eine nette Plauderstunde mit Jules und Gloria bei uns an Bord und dann war es an der Zeit für ein spätes Frühstück, Tauchen macht soo hungrig… Nachmittags sind wir mit geliehenem Lastenroller und leerer Tauchflasche zum örtlichen Tauchcenter aufgebrochen, das einige hundert Meter außerhalb von Marciana Marina liegt.

Eine Ecke schöner…

Abends gab es ein hervorragendes dreigängiges Abendessen an Bord bei unseren neugewonnenen Schweizer Freunden, die heute zum italienischen Festland zurückgesegelt sind. Cornelia und ich haben noch eine letzte Runde mit Samy durch den wundervollen Ort gedreht.

… als die andere

Danach sind wir in Ermangelung von Wind ganze acht Seemeilen weiter motort. Jetzt liegen wir vor Portoferraio, der Inselhauptstadt von Elba, in unmittelbarer Nähe zur “Pastis” vor Anker. Für Morgen soll das ewige Blau des Himmels einem gewittrigen Grau weichen. Elba ist landschaftlich sehr schön, sehr grün, sehr bergig und sehr abwechslungsreich, wir genießen es sehr.

Zwei Felsen laden Volker zum Tauchen ein

Die kleine Insel Scoglioletta vor Portoferraio

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Adieu Korsika

Bastia

heißt es heute morgen, denn die Opferanoden für unsere Motor-Schrauben sind pünktlich – wie avisiert – angekommen, unglaublich! Dominique von Accastillage diffusion hat sich sehr bemüht, mehrfach mit Volvo telefoniert, und es hat wirklich geklappt.

Wir haben die zwei Tage in Bastia sehr genossen, sind ganz viel herumgelaufen, durch kleine Gassen, große Einkaufsstraßen, steile Wege nach oben auf die Festung, haben mindestens fünf Kirchen besucht, drei Kerzen angezündet. Mit Patrick und Annett haben wir am ersten Abend hervorragend am Vieux Port gegessen, gestern Abend einem französischem Sänger gelauscht, der offensichtlich mit Wortspielen arbeitete, oder mit lokalen Größen, jedenfalls haben wir die einzelnen Worte oft verstanden, nicht aber den Sinn dahinter, oder warum das Publikum lachte und es spontanen Applaus gab.

Pastis und Hexe – side by side

In der ersten Nacht kam um ca. 4 Uhr in der Früh ein kleiner Sturm auf, der unsere Boote gefährlich nah zum Ufer schob, wir haben die Motoren angemacht und die Moorings dichter geholt, um den Abstand zu den Steinen am Ufer zu vergrößern. Seitdem hangeln wir uns mit dem Beiboot zum Land, das geht auch gut, ohne Planke.

Jetzt sind wir auf dem Weg nach Elba, mal mit Genua hoch am Wind, mal mit Motor, mal mit Code D, alles auf flachem Wasser und im Sonnenschein. Am frühen Abend wollen wir in Marciana Marina ankommen, in der Bucht ankern, Patrick und Anett sind auch schon da, und die Vagabonda, eine Hallberg  Rassy unter schweizer Flagge sind ebenfalls auf dem Weg dorthin.

Bilder von Bastia:

renovierte Häuser

Ist aber kein Trinkwasser

da fehlt ein Eimer Farbe

mit Balkon

Der große Platz

Hafen mit erleuchteter Kirche

 

 

 

 

 

 

 

 

die Kanalisation ist frei gelegt

die Kanalisation ist frei gelegt

Tausch-Bücherei

schmale Gassen

der große Fährhafen

Blick auf den Hafen

im Vieux Port

Steinchen-Kunst

Ein schöner Platz

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Sportprogramm

Macinaggio

Gestern war Sportprogramm angesagt, das fing schon morgens früh an. Ich bin mit Samy zur Marina gefahren, wir sind dort durch den Ort gestromert, haben uns an den Auslagen der Bäckerei erfreut, und auch über den kleinen Supermarkt, der von allem etwas hat, sodass der Urlauber zufrieden gestellt wird. Das kleine Seeräubernest ist in der ersten Reihe ein bisschen herausgeputzt, aber schon in der zweiten Reihe ist seit Jahrzehnten nichts mehr gemacht worden, die Hinterhöfe verfallen.

Ankerbucht mit Hexe (links) und Pastis (rechts) und vielen Einrumpfern

Als ich dann mit Samy wieder beim Beiboot war und den Motor anlassen wollte,  spielte der nicht mit, er wollte trotz all meiner Anstrengungen nicht anspringen, also bin ich bis zum Ankerplatz zurück gerudert. Ich war natürlich nass geschwitzt und musste sofort eine große Runde schwimmen. Das Wasser ist so wunderbar, 26° und ganz klar. Nach dem Frühstück habe ich meine täglichen Rückenübungen absolviert, mittags sind wir mit Patricks Standup-Paddleboard zum Strand und haben das Stehen auf dem wackeligen Brett geübt, bis meine Beine Pudding waren, dann habe ich das Board kniend zur Pastis zurück gebracht. Am Nachmittag sind wir noch auf den Hügel gewandert, den Zöllnerpfad hinauf, und den noch steileren und engeren Schmugglerpfad hinunter. Und danach mussten wir natürlich noch einmal schwimmen, ehe wir uns mit Patrick und Annett zum Feierabendbier im Ort getroffen haben. Volles Programm eben.

Hier noch ein paar Bilder aus Macinaggio:

altes Gemäuer integriert in das neue Café

Bougainvillea vor Efeu

die erste Reihe in Macinaggio

bunte Fischernetze

Das Edel-Lokal

Die kleine Kirche

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Ein Tag auf der Insel

Die korsische Gastlandflagge wird gehisst

Backbord querab erscheint in eine Dunstglocke gehüllt Elba an der östlichen Kimm. Verheißungsvoll sind die dunklen Umrisse der italienischen Ferieninsel deutlich erkennbar, aber dennoch so weit entfernt und segelnder Weise heute nicht mehr erreichbar, denn die Tagesthermik macht schon am späten Nachmittag eine offensichtlich bis zum nächsten Tag andauernde Pause. Auch die kleinere Insel Capraia konnte man zwischendurch gut erkennen, vielleicht machen wir da einen Halt auf unserem Weg nach Elba. Ein wundervoller Segeltag liegt hinter uns, der eher verhalten und motorend begann.

Die Hexe vor Cap Corse, danke Patrick!

Um ca. 11 Uhr gingen wir und unsere Freunde von der Pastis ankerauf und steckten den Kurs auf  Cap  Corse, dem nordöstlichsten Zipfel von Korsika ab. Anfangs konnten wir bei leichten nördlichen Winden langsam und kreuzend segeln, doch nach einer Stunde war es mit der Segelei leider vorbei und unter Motor ging es nach Norden.

Die Pastis mit ihrem schwarzem Code 0

Zwei Stunden danach setzte ein segelbarer thermischer Wind ein, der schnell soweit auffrischte, dass wir schon wieder aufmerksam auf den Windmesser schielten und ans Reffen dachten. In den folgenden Segelstunden lieferten wir uns einen packenden seglerischen Schlagabtausch mit der Pastis, den wir am Ende knapp gewannen. Zwei Boote gegeneinander bzw. miteinander segelnd sind halt gleich eine Regatta. 

Die kleine, Cap Corse vorgelagerte Insel Giraglia

Kurz vor unserem Tagesziel Macinaggio, mit eben jenem Blick auf Elba, hatte der Wind endgültig ausgeweht und die letzten drei Seemeilen sind wir bis zur Ankerbucht motort. Dort hat Cornelia ihre ersten Geh-, bzw. Stehversuche auf einem Stand-Up-Paddleboard, zumindest kniend absolviert und ich war mit Samy eine große Runde auf dem Zöllnerpfad spazieren, den wir morgen wandernd noch weiter erkunden wollen.

Blick von der Festung auf die Bucht von St. Florent

Es fehlt der Vollständigkeit halber, dass wir heute am frühen Morgen schon die hochgelegene Festung in St. Florent erklommen haben, ich danach einen Propeller und einen kompletten Rumpf von jeglichem Bewuchs frei tauchend befreit habe.

Gegrillt haben wir abends noch mit Patrick und Annett, dann war irgendwie alle Energie raus und wir sind dem Ruf des Sofas gefolgt. So ein Tag!

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Weiter auf dem Weg nach Korsika

Das große Bett im Salon ist bereitet,
und Samy freut sich auch schon drauf!

Seit 13:30 hat der Wind aufgefrischt, er bläst jetzt mit 15 – 16 Knoten, und wir segeln mit 7,5 – 8 Knoten Geschwindigkeit übers leere Meer.Bis zum Abend werden es noch mehr, 21 – 22 Knoten Wind. Vor dem Abendessen mit Nudeln, Schweinelendchen und Champignon-Trüffelrahmsauce wird gehalst und dabei wechseln wir vom Code D auf die ausgebaumte Genua, dann können wir näher an der Ideallinie segeln. Nach dem Abendessen folgen die üblichen Arbeiten wie Ablassen des Code D und Wegräumen, das Fall wieder aufschießen. Im Salon bereiten wir die Liegeweise vor, sodass wir während der Nächte hier ausruhen können. Volker geht noch einmal mit Samy „Gassi“, naja, also aufs Vorschiff, aber der Hund dreht sich zwar, es kommt jedoch noch nichts raus. Morgen früh geht das bestimmt.

Sonnenuntergang am 1. Abend

So wird der Alltag beim längeren Segeln von vielen Kleinigkeiten bestimmt, ich bin am ersten Tag immer ein bisschen „durch den Wind“. Ohne dass mir schlecht ist, habe ich doch keinen Hunger, und selbst zum Wassertrinken muss ich mich zwingen. Das liegt nicht an den Umständen, es war schönes Segeln heute, Wind von hinten, Sonnenschein bis zum Untergang um 20 Uhr. Jetzt ist es pottendunkel auf dem Wasser, man sieht die Lichter von Toulon, den großen Frachtern und den Fähren. Glücklicherweise sind wir so weit draußen, dass hier keine unbeleuchteten Fischerboote herum schippern, hoffen wir zumindest. Die ca. einen Meter hohen Wellen würden es für kleine Boote sehr unangenehm machen.

Bis Samstag, 8. September 2018, hält der Wind, teilweise sind wir nachts so schnell Surfs über zwölf Knoten sind keine Seltenheit. Doch leider weiß der Wind offensichtlich, dass er um kurz nach 02:00 Uhr einschlafen soll, er macht das auch, auf 6 – 8 Knoten. Wir haben aber noch keine Lust zu motoren, versuchen es mit dem Code D und einem etwas spitzeren Winkel, so machen wir immerhin vier Knoten Fahrt. Das hält nicht sehr lange, um 03:30 ist der Code D weggepackt und wir motoren.

Die Mondsichel war so fein, dass man sie nicht fotografieren konnte

Der Sternenhimmel ist phänomenal, da kein Mond scheint und dem Sternenlicht die Show stiehlt, kann man so viele Sterne sehen, wie sonst selten, einfach großartig!

Um 06:20 fängt es im Osten an zu dämmern, eine ganz dünne Mondsichel hängt über dem sich rötlich verfärbenden Horizont. Sehr schön!

Am Morgen wechseln wir häufig zwischen Motor, Genua und Code D, beim Frühstück um 10:30 dreht der Wind OSO, jetzt segeln wir zur Abwechslung mal wieder auf Backbordbug hoch am Wind bei acht Knoten mit der Genua.

Das war nur einer von mehr als fünfen…

Das geht gut bis 15:00 Uhr, danach ist muss der Motor mit schieben. Wir planen unseren Aufenthalt auf Elba, schauen nach Marinas und Ankerbuchten, zwischendurch stellt Volker mit Entsetzen fest, dass wieder Salzwasser in der Steuerbord-Motorbilge ist. Die ausgestoßenen Schimpfwörter lasse ich hier lieber weg…

Um 16:30 Uhr kommen drei Delfine vorbei, eigentlich haben sie offensichtlich einen anderen Job, aber für einen kurzen Höflichkeitsbesuch nehmen sie sich ein paar Minuten.

Jetzt gehen bei uns die Diskussionen los. Sollen wir nicht doch lieber in Ile Rousse ankern? Das wären 20 Seemeilen weniger als bis zur Bucht von Saint Florent im Norden Korsikas. Dann fahren wir morgen die 20 Meilen. So war der Plan. Jetzt meint Volker aber, dass Ile Rousse mit den vielen Felsen in der Dunkelheit ganz schön schwierig ist, und ob wir nicht doch besser nach Calvi fahren. Das kennen wir, da wissen wir, wo man ankern kann. Auf der anderen Seite wollen wir aber Annett und Patrick von der Pastis in Saint Florent treffen.

Sonnenuntergang am 2. Abend

Seit 18 Uhr können wir die Berge von Korsika sehen, und seit 19:30 Uhr haben wir Netz und können Informationen abseits unserer Seekarten einholen. Plan ist Stand jetzt, dass wir bis zur Bucht von St. Florent segeln, da werden wir so ca. um 02:00 Uhr ankommen, und dort den Anker werfen, dann haben wir morgen einen freien Tag, und können in Ruhe den Ort anschauen.

So haben wir es gemacht, um 01:00 Uhr ist der Anker gefallen.

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