Erreichbar

Am Ende half nur die Kreditkarte, um mich wieder an die mobile Datenwelt anzubinden und der abgebuchte Betrag ist als ein relativ dickes Minus auf dem elektronischen Kontoauszug sichtbar. Das alte Telefon ist nicht mehr aufgetaucht und nach einer kurzen Internetrecherche haben wir mit dem “GSM-Shop” in Faro den günstigsten I-Phone-Händler in Portugal gefunden. Also ging es vor zwei Tagen mit dem Leihwagen die 80 Kilometer zurück nach Faro ins Smartphone-Paradies. Wir haben uns für das günstigste Modell entschieden, das ich immer noch recht teuer finde, doch Adel verpflichtet, oder besser gesagt, die Familie, jeder hat irgendein I-Gerät und viele nützliche Apps befinden sich im Familienaccount. Summa summarum bin ich jetzt wieder gewohnt erreichbar und das fühlt sich gleich viel besser an.

A meia praia – on the beach

Unsere englischen Freunde Trevor und Kay sind vor zwei Tagen gut gelandet und nun bei uns an Bord. Den gestrigen Tag haben wir bei hochsommerlichen 27 Grad am Strand verbracht, dabei mehrmals in der Brandung mit oder gegen die Wellen gekämpft, Strandtennis gespielt und natürlich dem faulen Nichtstun gefrönt. Schließlich war ja Sonntag und die kleinen Jobs an Bord können auf einen Werktag verschoben werden. Leider leckt das Überdruckventil am Heißwasserboiler noch immer, trotz einiger Interventionsversuche. Zudem ist an irgendeiner Stelle der Hydraulikbehälter für den Hydrogenerator undicht.

Das spätsommerliche Wetter hat viele Vorteile und einen entscheidenden Nachteil. Der Atlantik, zumindest das Stück bis zu den Kanaren, ist komplett windfrei. In meinen langen Seglerjahren habe ich noch niemals ein so großes Seestück mit “Nullsymbolen” bei den Windvorhersagemodellen gesehen. Immer am Ende des einwöchigen Trend- bzw. Vorhersagezeitraums wird Wind aus der richtigen Richtung avisiert, aber nur, um bei der nächsten Prognose am Folgetag revidiert zu werden. Egal, wir warten ab, die Motoren bleiben still, wir sind Segler mit Geduld und Zeit.

Die leckeren Spareribs sind vorbereitet…

Hilfe nach dem Kochen …

… danach der Baileys im Pub

Zudem haben wir mit Ralf und Inge und den Engländern eine sehr angenehme Gesellschaft, wir empfinden die gemeinsame Zeit als sehr wertvoll. Für den Abend koche oder grille ich was Leckeres (nein, ich will mich nicht selbst loben), danach wird geklönt oder es geht zur Livemusik in ein Pub.

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OH SCHRECK

mein Mobiltelefon ist weg. Bei der Ankunft am Flughafen in Faro war es noch da. Der spezielle I-Phone-Ortungsdienst hat es zuletzt am Liegeplatz unseres Schiffe geortet – Big Brother is watching you. Doch leider bleibt mein Handy unauffindbar. Ralf und Inge haben mit gesucht, die Capitania hat das Innere meiner Taschen von Innen nach Außen gewendet, es ist wie verhext auf dem Hexenkatamaran.

Man fühlt sich so unkomplett ohne Smartphone. Vorhin im talienischen Restaurant, das Paar am Nachbartisch liest sich die frisch erhaltenen Nachrichten vor, der Junge, der mit seiner Mutter zum Pizzaessen zwei Tische weiter sitzt, spielt irgendwelche Spiele auf seinem Handy, und bei der Capitania trudeln WhatsApp-Nachrichten ein. Nur ich bin ausgeschaltet.

Trotzdem gab es außergewöhnlich Leckeres zum Abendessen, Chateaubriand mit mehreren Saucen, dazu in einer Mischung aus Oliven-Knoblauch getränkte Spaghetti oder alternativ mit Kartoffelgratin. Ein excellent zubereiteter Gegensatz des Küchenteams vom “Italia” zum landesüblichen gekochten Rindfleisch.

Die Hexe liegt wohl behütet an ihrem Liegeplatz, vielen Dank an unsere lieben “Bootssitter”. Ab morgen sind unsere englischen (Segel)-Freunde Trevor und Kay mit von der Partie. Wir warten auf ein Wetterfenster um gemeinsam zu dem Kanaren zu segeln.

Morgen werden wir dann wieder mit neuem Elan und alten Träumen weiter nach meinen verlorenen Telefon suchen.

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Bestanden

Kalt, richtig kalt war es nach der Landung in Frankfurt. Alles, was an warmer Kleidung auf dem Boot lagerte, hatten wir mit im Rucksack, Kapuzenshirt, dicke Lederjacke, gewappnet gegen nur 10 Grad Plus. Gut, dass Larissa in unserer kleinen Wohnung die Heizkörper schon aufgedreht hat und es dadurch richtig muckelig warm ist, als wir in Darmstadt ankommen.

Doch auch fernab vom Boot lässt uns das Thema “Segeln” nicht los, im Moment gibt es jeden Tag eine Menge Neuigkeiten vom Volvo Ocean Racem, der Regatta, die auf ganz heißen 65 Fuß großen, kompromisslos gebauten Segelyachten rund um den Globus führt. Die 13. Auflage der Hatz um die Welt ist am vergangenen Samstag in Alicante gestartet, die erste Kurzetappe führt nach Lissabon. Quasi nur ein kurzer Sprint für die Mannschaften. Anschauenswerte, action-geladene Videos findet man auf www.yacht.de oder auf www.volvooceanrace.org.

Die Bescheinigung

Genauso spannend waren die letzten beiden Tage für die Capitania, die nochmal ganz viel Stoff für die Prüfung zum Amateurfunker gepaukt hat. Heute morgen um 9 Uhr wäre es dann soweit gewesen, wenn nicht ein Megastau zwischen Darmstadt und Frankfurt die Autobahn lahmgelegt hätte. Ein Stau, der vorher in keinem Staupilot nicht gemeldet war. Mit 15 Minuten Verspätung kam Cornelia im Prüfungszentrum an und die Prüfungskommission hat glücklicherweise ein Auge zugedrückt.

Es hat sich gelohnt, Cornelia hat, wie alle anderen Teilnehmer auch, die Prüfung bestanden. Sie hat jetzt die Harec, die erweiterte Amateurfunklizenz A. Das neue Rufzeichen lautet:

DL2HEX

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Lagos

ist eine lebendige Stadt, mit einem historischen Ortskern, einer bewegten Geschichte und es hat sich in den letzten Jahren zu einem sehr beliebten Urlaubsziel an der westlichen Algarve entwickelt. Neben den verwinkelten Gassen im historischen Ortskern gilt es die spektakulären Ponta-de-Piedade-Klippen, den Sandstrand “Praia da Ana” und den Yachthafen zu besichtigen. Wer abends gerne ausgeht, kommt sicher auf seine Kosten. In vielen Kneipen gibt es regionale oder internationale Livemusik; Freunden der gepflegten Trinkkultur seien die zahlreichen englischen Pubs ans Herz gelegt, die bereits zur frühen Happy Hour gut besucht sind. Ausflüge ins nahe Umland sind mit dem Leihwagen kein Problem.

Zahlreiche Steinmännlein grüßen in die neue Welt

Eins unserer persönlichen Highlights ist der Besuch am Cabo São Vicente, dem südwestlichsten Landzipfel Europas. Steilküsten und eine grandiose Aussicht, gepaart mit der imaginären Vorstellung dass das nächste erreichbare Land am fernen westlichen Horizont Amerika ist, verleihen diesem Kap eine besondere Bedeutung.

Ein weiterer Ausflug hat uns mitten in die Wolken geführt, oberhalb von Monchique war es auf dem Berg eiskalt, zwei Kilometer weiter unten konnten wir die Piri-Piri-Hähnchen genießen, für die diese Gegend berühmt ist.

Die maurische Festung von Silves

Erstmals haben wir vor zwei Tagen Silves besichtigt, ein kleiner Ort mit einer enorm großen und gut erhaltenen maurischen Festung, die auf einer Anhöhe gelegen ist und deshalb zudem noch einen schönen 360-Grad-Ausblick bietet. Wie überall in Portugal ist auch hier der Eintrittspreis mit unter drei Euro als sehr moderat zu bezeichnen.

Angenehm trubelige Stunden mit Carsten Paukert und seinen superlieben drei Töchtern liegen jetzt ebenfalls hinter uns. Das  Zusammentreffen mit den vier fühlte sich so vertraut an, als wäre es gestern gewesen und nicht drei Jahre her, dass wir uns hier in Lagos getroffen hätten. Wundervoll. Die Vier werden jetzt zusammen mit einem Freund ein Alusegelboot von Lissabon nach Faro überführen. Wir wünschen ihnen „Fair winds from behind“.

Morgen geht unser Flieger nach Frankfurt. Cornelias Prüfungstermin  für das große Amateurfunkzeugnis rückt näher, Dienstag ist es soweit und die Anspannung bei der Capitania steigt spürbar. Zumal es sich bei diesem letzten Prüfungsteil um den “ungeliebten” Technikteil handelt, die Schaltpläne, die sie erkennen und die Formeln, die sie dazu berechnen muss, fordern ihr alles ab.  Mit meinem schlechten mathematisch-physikalischen Verständnis bin ich heilfroh, dass Cornelia das Amateurfunkzeugnis macht und ich aus dieser Nummer raus bin.

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Viel zu schnell,

Die Gischt spritzt an den Rümpfen empor

vergeht mal wieder die Zeit, ganze drei Tage liegen wir mit unserer schnellen Hexe im Hafen von Lagos. Die Fahrt  hierher, besonders die ersten Stunden waren ein echter Seglertraum und das Vertrauen in unser Schiff ist deutlich gewachsen. Böen bis 38 Knoten von achtern haben unser 18-Tonnen-Boot vielfach auf über 18 Knoten beschleunigt. In den ersten Segelstunden haben wir einen Durchschnitt von über 10 Seemeilen pro Stunde rausgesegelt. Die Segelstellung war dabei denkbar simpel, wir hatten zwei Reffs im Großsegel und die Genua zur Hälfte ausgerollt auf der gegenüberliegenden Seite – ein konservatives Setup, unserer Meinung nach den Umständen angemessen.

Am Heck kocht die See

Trotz beachtlicher Wellen hat sich das Schiff sehr gutmütig verhalten, und wir haben uns sehr sehr sicher darauf gefühlt, besonders meine seglerischen Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Insgesamt war es eine der besten Überfahrten überhaupt, der Wind hat auch fast bis zum Ende durchgestanden und jetzt liegen wir im wunderschönen Lagos.

Nach ein bisschen Verhandeln mit der Marinaleitung haben wir für die nächsten Tage einen Liegeplatz bekommen. Ralf und Inge von der “Malwieder” haben uns willkommen geheißen und am Wochenende kommt noch mehr Leben in die Bude. Carsten Paukert und seine drei quirligen Töchter kommen für eine Nacht zu an Bord. Das ist die Segelfamilie, die wir schon vor fast drei Jahren hier in Lagos kennengelernt haben und mit denen wir  eine superschöne Zeit verbracht haben. Also ihr Lieben, wir freuen uns sehr auf Euch, der Süßigkeitenschrank ist gut gefüllt, für Paule steht Bier kalt und ab morgen lacht die Sonne wieder.

Noch ein, was uns sehr betroffen gemacht hat: An allen Gebäuden weht die portugiesische Nationale auf Halbmast, gestern habe ich dann einen Museumswächter gefragt, warum das so ist. Seine Antwort war, dass dies wegen der vielen Toten bei den schweren Waldbränden so wäre. Abschließend sagte er noch einprägsam und treffend, dass es nie gut ist, wenn Fahnen auf Halbmast wehen müssen – sehr zutreffend.

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Auf dem Weg nach Gibraltar – Tag 2

Sonntag, 15. Oktober 2017, Baro 1020, sternenklar, Wind O 3 – 4
Auf See – Gibraltar 16. Oktober 04:00, 250 sm

Der zweite Tag auf See war – leider – geprägt von wenig Wind. Das heißt Vorsegel setzen, Motor aus, Vorsegel bergen, Motor an, Vorsegel setzen, Motor aus, usw. undsoweiter, undsoweiter. Zum Schluss haben wir sogar kurzzeitig das Großsegel geborgen, weil es nur noch herumgeschlagen ist. Erst lange nach dem Abendessen kam erst ein bisschen, dann ordentlicher Wind. Volker hat wieder das Großsegel gesetzt, die letzten vier Stunden machen wir gute Fahrt, um vier Uhr nachts fällt der Anker vor La Linea, direkt neben dem Flughafen von Gibraltar, und wir ins Bett.

Montag, 16. Oktober 2017, Baro 1021, leicht bewölkt, diesig, SO 6-7

Nach ein paar ruhigen Stunden vor Anker in der Bucht von La Linea fahren wir zur Tankstelle in Gibraltar, um für 46 Penny pro Liter Diesel zu bunkern. Es ist schon beeindruckend, in der Bucht liegen so viele Tanker und Frachter vor Anker, bei der Port Control ist immer was los, ich muss dort um Erlaubnis bitten, zur Tankstelle fahren zu dürfen, weil diese direkt neben der Landebahn des Flughafens ist. „Your air draught, please“, fragt der Mensch am Funk, und meint den Tiefgang in der Luft, wegen der landenden Flugzeuge.

Dann segeln wir durch die Straße von Gibraltar mit zwei Reffs im Großsegel und achterlichem Wind machen wir 8 – 9 Knoten Fahrt. Nach Tarifa beginnt der Tanz, 35 Knoten Wind und ein bis zwei Meter achterliche Welle lassen die Hexe über die Wellen reiten, der Skipper jauchzt vor Freude und fotografiert. Die Hexe surft mit über 18 Knoten die Wellen runter, die Gischt spritzt. Dabei haben wir vorhin gemütlich gefrühstückt, und ich sitze am Schreibtisch und lerne. Cooles Segeln!

 

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Auf dem Weg nach Gibraltar – Tag 1

Samstag, 14. Oktober 2017, Baro 1021, sonnig, Wind NO 3-4

Gestern Abend waren Tatjana und Jeremy von der Outremer „Infinity“ mit ihren beiden sehr lieben kleinen Söhnen zu Gast, und wie immer werden Seglergeschichten (und Klagen über die Probleme des Outremer-Cats) ausgetauscht. Während wir bei dem Thema „Reisen mit Kindern“ sind, erzählen sie von dem anderen Katamaran, der bei ihnen am Steg liegt, auf dem sogar ein Junge lebt, der gerade ein Fernabi macht. Volker springt wie elektrisiert auf: „Das muss doch Bernhard sein!“ „Ja, bestätigt Jeremy, „der Mann heißt Bernhard und sie Beate“. Das ist doch die Familie, die wir bereits vor drei Jahren in Cartagena getroffen haben, und die wir eigentlich hier vermutet und bereits gesucht hatten. Nun haben sie aber einen anderen Kat, „Aurora“ und nicht mehr „Kentipi“, deshalb haben wir sie nicht gefunden. Volker läuft sofort rüber, um sie auf die Hexe einzuladen, und so wird es ein langer schöner Abend mit vielen Erzählungen.

Am Morgen wollen wir uns nur kurz verabschieden, es werden zwei Stunden daraus, zuerst einmal wollen wir natürlich die Aurora besichtigen, super Kat mit viel Platz, clever ausgebaut. Wobei Bernhard schon wieder im absoluten Bastelmodus ist, auf Booten ist ja immer etwas zu tun, und auf zehn Jahre alten noch viel mehr. Sohn Alexander lernt fürs Abi, er macht sein 8 Jahren Fernschule, nur zu den Prüfungen muss er nah Hamburg. Wir treffen auch noch die Eigner der Katherine, einer wunderschönen 20 m langen X-Yacht, auch diese dürfen wir anschauen, tolles Boot, Volker würde sofort tauschen…

16:00 Uhr, Baro 1019, sonnig, Wind ONO 5

Heute morgen haben wir zweimal einen Wal gesehen, direkt vor dem Bug ragte eine schwarze Rückenflosse aus dem Wasser. Mit achterlichem Wind segeln wir – leider lange gegen die Strömung – dahin, die Fock zunächst im Schmetterling, dann dreht der Wind weiter auf Ost, und seitdem fahren wir mit einem Windeinfallswinkel von 155-160° und 16 – 19 Knoten Windgeschwindigkeit durch das sonnenbeschienene Mittelmeer.

19:00 Uhr, Baro 1019, leicht bewölkt, Wind ONO 3-4

Spi steht, der Wind hat wieder geraumt, der Skipper kocht Spaghetti bolognese mit Wermut. Um 21:20 Uhr versuche ich mein Glück mit einer Funkrunde mit Ralf von der Malwieder, aber wir hören beide nichts, wie wir bei einem anschließenden Telefonat feststellen. Es mag anachronistisch anmuten, dass wir miteinander funken wollten, obwohl wir ja auch das Telefon benutzen könnten, um miteinander zu sprechen. Aber Tatsache ist, dass ich mit meinem Funkgerät immer noch nichts höre, und ich dachte, es liegt vielleicht daran, dass ich die falschen Frequenzen zur falschen Zeit benutze. Und irgendwann muss es ja mal funktionieren, spätestens, wenn wir fernab jeglicher Handyzelle sind und Wetterberichte oder -beratung von Freunden bekommen sollen.

23:00 Uhr, Baro 1020, kurz nach dem Cabo de Gata, Wind O 6

Kurz bevor wir den Wegepunkt erreichen, frischt der Wind plötzlich so auf, dass wir den Spinnacker bergen müssen. Leider wird das zu einem katastrophalen Manöver. Luvschot und -achterholer sind los, nur das Spifall ist oben am Mast belegt, ich muss hochsteigen aufs Dach, derweil verdreht sich leider der Spi so sehr um den Mast, dass er garnicht mehr runter kommen mag. Volker zieht mit allen Kräften und flucht, der Spi rührt sich nicht. der sitzt wie festgeklebt am Vorstag, keine Chance. Petra zieht mit, der Spi rührt sich nicht. Volker will in den Mast, da lege ich ein Veto ein, nicht nachts und bei 20 Knoten Wind und Welle, lieber erstmal nachdenken. Wir ziehen die Fock zehn Zentimeter raus, der Spi hält fest. Dann auf einmal gibt er ein kleines bisschen nach, und dann können wir noch einen Meter runterziehen, und dann haben wir gewonnen.  Petra und ich entwirren die 190 qm im Cockpit mit viel Geduld, nun ist er wieder in seiner Tasche, wir haben geschiftet, sind auf Kurs Richtung Gibraltar, noch 153 sm bis dorthin.

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Am Freitag, dem 13.

Die Hafeneinfahrt von Cartagena begrüßt die Hexe

laufen wir garantiert nicht aus dem Hafen aus, sage ich heute Morgen zur Capitania. Über die Seefahrt und den Aberglauben haben wir ja schon mal geschrieben und ich lass mir meinen Aberglauben nicht nehmen. Zumindest nicht, wenn er mir gelegen kommt. Seit zwei Tagen liegt der Kat sicher längsseits am Steg in Cartagena vertäut. Logenplatz, direkt vor dem Veranstaltungs- und dem Ausstellungsgebäude mit Panoramablick zur Hafenausfahrt und zum Verlieben, wer will da schon schnell weg?

Das Leben auf den Straßen am späten Abend

Über Cartagena haben wir ebenfalls ausführlich berichtet, es ist jetzt über zweieinhalb Jahre her, dass wir hier einen längeren Aufenthalt verbracht haben. Was hat sich im Hafen seitdem geändert? Es ist viel voller geworden, die Weiterempfehlungen in den in-und ausländischen Segelforen scheinen zu wirken. Besonders bei Katamaransegelern erfreut sich die Marina „Yacht Port Cartagena“ einer großen Beliebtheit, weil nur der gleiche Tarif wie für einen Einrumpfer berechnet wird. Alles was zählt, ist die Schiffslänge und nicht die Breite. Der Preis pro Tag für unser Schiff ist mit 48 Euro wirklich sehr günstig, natürlich immer in Relation.

In den Schaufenstern wird es Winter

Die Stadt ist so, wie sie war, attraktiv, historisch, lebendig und noch einige weitere positive Adjektive würden mir einfallen. Sollte aber jeder für sich selbst entdecken.

Wir haben in den letzten Tagen hart am Boot gearbeitet, verbessert, poliert, repariert. Zur Erholung sind wir nachmittags mit dem Beiboot zum Baden und Schnorcheln in eine kleine malerische Bucht unter einer Festung gefahren. So viele Fischarten wie hier haben wir im ganzen Mittelmeer nicht gesehen, oder hat das vielleicht etwas mit dem nahen nährstoffreichen Atlantik zu tun?

“Unsere” Bucht

Die Hexe ist auslaufklar, der Wind soll ab morgen auf östliche Richtungen umschwenken und auffrischen. Heute Abend haben wir noch eine Familie mit zwei Kindern zu Gast, die mit ihrer Outremer 45 auf dem Weg nach Australien sind, um dort ein neues (berufliches) Leben anzufangen. Wir sind sehr auf ihre Lebensgeschichte gespannt!

Am Feiertag gab es eine lokale Regatta

Großer Aufwand für das Foto-Shooting zum VW “Neo”

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Petri Dank

Haus auf den Klippen

Beeindruckende Felsformation am Cabo de la Nao

Die Sonne ist gerade – leider hinter Wolken – aufgegangen, da sind wir auch schon unterwegs, um unseren Weg nach Süden fortzusetzen. Die Nacht war ziemlich unruhig, eine doofe Welle kam 90° zum Wind, und damit auch seitlich auf den Kat zu, und hat ihn immer hin und her geschaukelt. Jetzt ist leider gar kein Wind, wir motoren zum Cabo de la Nao, bewundern die schönen Häuser auf den Klippen dort. Petra und ich würden uns auch mit dem traditionell spanischen Baustil anfreunden, wenn nur die Aussicht gut ist, Volker dagegen zieht die Anwesen in dem modernen hellen Stil vor.

Spanien oder New York?

Ebenfalls unter Motor geht es zunächst an der Costa Blanca entlang, schon vor Benidorm beginnen die Bausünden mit den Hochhäusern oder schrecklich eintönigen Appartmentanlagen. Benidorm selbst ist ja schon wieder speziell mit seinen architektonisch ausgestalteten Wolkenkratzern, so ein bisschen, als läge New York an der spanischen Küste.

Der erste selbstgefangene Fisch

Seit dem Cabo de la Nao ist die Angel draußen, wenn hier so viele Fischer rumfahren, muss doch auch bei uns mal einer anbeißen. Gerade wollen wir anfangen zu segeln, da ruft Petra: „Schau mal, die Angel…!“. Wir holen die Angelschnur ein, schnell, schnell, es ist aber nicht schwer, schon wollen wir uns auf eine Enttäuschung gefasst machen. Und siehe da, hat doch ein kleiner Thunfisch angebissen, wer weiß, wie lange wir den schon mitgeschleppt haben, den armen Kerl, er ist schon ziemlich fertig. Nun gießen wir ihm einen Schluck Gin hinter die Kiemen, Volker nimmt ihn auf der Badeplattform aus und Petra filetiert den Fisch anschließend für den abendlichen Grill. Na das ist ja was, unser erster selbstgefangener Fisch auf der Hexe!

Glücklicherweise frischt danach der Wind auf, wir können Segel setzen, und fahren auf Amwindkurs weiter. Hinter dem Boot tauchen Delfine auf, gut, dass wir die Angel eingezogen haben, nicht auszudenken, wenn so einer anbeißen würde, wie schrecklich! Außerdem sind das riesige Tiere, offensichtlich auf der Jagd, denn sie haben keine Lust, mit den beiden Katamaran-Rümpfen zu spielen, was die Delfine sonst immer gerne machen. Die Hexe wird immer schneller , sobald der Wind mit mehr als acht Knoten weht, springt sie an und läuft und läuft.

So schön empfängt uns der Ort

Getigerte Mama- mit schwarzen Kinder-Katzen

Ferienhäuser

So erreichen wie doch noch die Illa de Nueva Tabarca, das hatten Petra und ich heute morgen als Etappenziel ausgesucht, aber nach der Flaute am Vormittag schon gar nicht mehr erhofft.  Um halb sieben fällt der Anker vor der Insel, wir schalten noch die Elektronik und die Motoren aus, Ankerlicht und Courtesy Lights zum Heimkommen an, und schon sitzen wir im Beiboot, um neues Land zu erkunden.

Schnorchler im klaren Wasser

Die Kirche

Nueva Tabarca ist nicht ganz zwei Kilometer lang und an der breitesten Stelle 380 m breit, das können wir locker erkunden. Wir binden das Beiboot an dem Steg eines geschlossenen Restaurants an, und beginnen den Rundgang durch das Dorf. Als erstes fällt uns auf, wieviele Katzen hier leben, vor allem ganz schwarze wie unser Mikesch, und ein paar getigerte. Sie sind auch nicht unterernährt, weil – leider – sehr viel Müll herum liegt, die Tonnen laufen über, aber auch der Plastikdreck fliegt überall herum, sogar an den zahlreichen Stränden. Die Kirche, Peter und Paul gewidmet, wird gerade für über 600.000 € renoviert, man kann sie nicht besichtigen. Das Wasser ist sehr klar, ein Paar ist trotz der späteren Stund am Schnorcheln, ich vermute, dass sie Seeigel suchen.

Der Leuchtturm von Tabarca

Bald ist Sonnenuntergang

Die Saison ist vorbei, vielleicht kommen tagsüber und am Wochenende noch ein paar Touristen auf die Insel, jetzt sind alle Kneipen und Restaurants geschlossen, nur vereinzelt laufen ein paar Menschen herum, oder gehen mit Hunden spazieren. Wir laufen noch zum anderen Ende der Insel bis zum Leuchtturm, der auch gerade das Licht angemacht hat. Die Vegetation besteht aus Hartholzgewächsen mit Nadeln wie Rosmarin und Kakteen, aber selbst diese sind halb vertrocknet. Trotzdem ist es schön hier, fernab der Lichter, die nun drüben am Festland angegangen sind. Still ist es hier.

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Agua de Valencia

Montag, 9. Oktober 2017, Baro 1014, wolkig, später sonnig, warm, Wind NW um 2, später S um 4
Valencia 109:45 – vor Denía 16:45, 39 sm

Wir haben einen schönen letzten Abend in Valencia verlebt, nachdem die Kinder ab- und Petra angeheuert hatte. Kurz entschlossen hat Volker für den Abend doch im La Otra Parte reserviert, glücklicherweise, da am Montag Feiertag in Valencia ist, war am Abend, entgegen zu sonstigen Sonntag Abenden, die Hölle los. Alle Restaurants waren gut besetzt, auf uns wartete bei den besten Tapas von Spanien schon ein Tisch für drei, und die Bedienungen haben sich alle gefreut, dass wir wieder einmal vorbei gekommen sind (Telefonnummer für Reservationen per WhatsApp 96.355.05.99). Unsere Lieblingsbedienung hat sich gleich erkundigt, wo denn unsere Kinder sind, und war ganz traurig, dass sie schon nach Hause mussten. Almodova, so heißt sie, hat Kunstgeschichte studiert, findet aber in Spanien keine Arbeit, also geht sie kellnern. Das machen leider wohl ganz viele Intellektuelle, nicht gut.

Vor dem Ca la Mar

Nach dem Abendessen sind wir noch für einen Spaziergang durch das hinten dran gelegene Viertel  gelaufen, haben die Empfehlung der Kinder ausprobiert und im Ca La Mar ein letztes Glas getrunken. Leider hat es mit dem Spanisch nicht so richtig geklappt, ich hatte mich erinnert, dass wir einen „XXX de Valencia“ trinken sollten, und bestelle das, der Ober sagt noch „Copa de Valencia“? „Ja“, sage ich, „mit Weißwein?“, fragt er, ich zucke nur die Schultern, wenn er meint…

Was kam, war ein trockener Weißwein, gut, aber anders als beschrieben. „Agua de Valencia“ hätten wir bestellen müssen, nächstes Mal.

Gestern Nachmittag hatten noch zwei Motorboote neben uns festgemacht, mit estischen Flaggen, Volker hat die bereits alkoholisierte Crew mittags schon mit Mengen alkoholischer Getränke weggehen sehen. Leider hatten sie offensichtlich diese Getränke bereits verinnerlicht, als wir gegen Mitternacht zum Boot zurück kamen, und es wurde sehr laut nebenan. Vor allem kam ein halb bekleideter Käptän und richtig laute schreckliche Humtata-Musik aus fetten Lautsprechern. Volker hat sie dann mal zurechtgewiesen, dass sie gerne ihre Musik drinnen abspielen können, aber dann bitte die Türen zumachen sollten. Haben sie auch brav gemacht, draußen war sowieso noch viel Lärm von den anderen Feiernden. Nachts um drei riss der Kapitän der Motoryacht mal wieder in Badehose die Arme hoch und röhrte wie der berühmte Hirsch, aber glücklicherweise ging das vorbei. Und heute morgen, als wir gegen 09:00 Uhr ablegten, hatten die Jungs auch schon wieder Bierflaschen in der Hand und am Mund, sensationell!

Delphine voraus

Wir sind zum Harbour Office gefahren, haben die Liegeplatzgebühren bezahlt und sind nach Süden motort. Nachdem wir zum ersten Mal seit dem Ablegen in LGM Delphine gesehen haben, die aber leider nur ganz kurz geblieben sind, kam auch der Wind, und wir konnten nach Süden kreuzen. Jetzt liegen wir vor Denía vor Anker und genießen die Aussicht.

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