Crewwechsel

Cornelias Zahn hat uns im Nachhinein noch ganz schön auf Trab gehalten. Am frühen Freitag Abend fing es mit Nachblutungen aus der Wunde an, die sich bis gestern Mittag hingezogen haben. Seitdem ist die Capitania wieder innerlich dicht und alle halbwegs entspannt.

Heute Morgen war leider der Abreisetag der Kinder, eine Woche Ferien geht so schnell vorbei. Heute Abend kommt unsere Freundin Petra an Bord, für sie einen Katamaranpremiere. Seglerisch ist sie mit vielen Wassern gewaschen.

Samstag Mittag hat auch der Carrefour Supermarkt unsere Einkäufe geliefert. Zwei volle Einkaufswagen haben wir eingekauft, damit der “Vorratskeller” für die weitere Reise zu den Kanaren gut gefüllt ist. Der Tiefkühler und die Backbordbilge sind jetzt gut gefüllt. Nicht, dass wir da jetzt ab morgen nonstopp hinsegeln. Nur Segeln geht auch garnicht, zumindest nicht rund-um-die-Uhr. Der Wind, der Wind, der macht uns Sorgen für das weitere Vorankommen und in uns sträubt sich alles, auf Teufel komm raus unter Motor die Restmeilen abzuspulen. Es gibt jedoch ein wenig Grund zur Hoffnung, ab Ende nächster Woche soll ein beständiger Ostwind einsetzten. Die verschiedenen Vorhersagequellen sind sich einig. Es ist aber noch ein paar Tage hin und die Unsicherheit bei Windvorhersagen über fünf Tage ist relativ hoch. Wir behalten das im Auge

Gerade bin ich aufs neu angekommene Nachbarschiff gesprungen. Die esteponische Mannschaft ist mit Rum, Wodka und Massen von Bier zu einem Riesenbesäufnis aufgebrochen und die Mooringleinen waren nur über die Klampen ge-, aber nicht belegt. Der Motorkahn kam immer näher an unseren Katamaran heran. Mit einem beherzten Sprung bin ich sicher auf der eingezogenen Gangway gelandet, hab die losen Leinen dichtgeholt und belegt. Ich bin mal gespannt, was das heute Nacht für ein Spektakel wird. Morgen soll die Reise weitergehen, nächster Anker-Etappenstop soll Denía sein, das gut 50 Meilen entfernt im Südosten liegt. Ich stell mich mental schon mal auf Motorfahrt ein.

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Fahrradcity

Heute war unser erster Ausflugstag in die drittgrößte Stadt Spaniens. Valencia hat einiges zu bieten. Zuerst einmal für die Segler, der Hafen selbst ist groß, vom Hafeneingang bis zum Ende des Hafenbeckens sind es sicher über 1,5 Kilometer. 2007 wurde der America’s Cup in Valencia ausgetragen. Es war die 32. Auflage dieses geschichtsträchtigen Wassersport-Spektakels und wurde souverän von dem Schweizer Alinghi-Team gewonnen. Noch immer ist dieser “Spirit of Tradition” auf der Hafenmeile spürbar.

Nicht nur der Hafen ist groß, die ganze Stadt hat gigantische Flächenausmaße und um in die Altstadt zu kommen, muss man schon die Metro oder den Bus nehmen. Nicht weit vom Yachthafen entfernt befindet sich das Wissenschafts- und Kunstzentrum mit dem meereskundlichen Ozeaneum. Die futuristisch-verspielte Architektur und die schiere Größe dieser Gebäude lassen die Bilder der Sydney Opera geradezu klein erscheinen. So etwas haben wir vorher noch nie bestaunt, eine umwerfende Architektur, die dem Betrachter geboten wird, die uns sprachlos macht. Wir waren mit dem Fahrrad die knapp fünf Kilometer dorthin geradelt und haben uns über die gut ausgebauten Fahrradwege gefreut. Ganz Valencia ist mit zweispurigen Fahrradwegen durchzogen und Fahrradfahren ist eine echte Freude, auch viele geführte Stadtrundfahrten, werden mit dem Drahtesel angeboten. Noch nie habe wir eine Stadt gesehen die so konsequent für den Fahrradverkehr konzipiert wurde.

Davon ab hat heute die Capitania ihren “bösen” Zahn gezogen bekommen. Mit dem Behandlungsniveau von GYB Dental war sie mehr als zufrieden und mit 50 Euro war die Zahnextraktion günstig. Den Zahn haben wir jetzt mit an Bord, vielleicht kleben wir ihn vor den Mast. Es gibt eine alte Seglersage, dass das Glück bringen soll und abergläubisch sind die Wassersportler fast alle..

Gestern kurz nach dem Festmachen stand Überraschungsbesuch hinterm Boot. Rolf mit Ehefrau Cerstin kamen zu einem Stipp-Besuch. Rolf haben wir über unseren Segelfreund Harald in Bizerte kennengelernt und er hat unseren Reiseweg über Vesselfinder und unseren Blog verfolgt. So kam es zu dem überraschenden Wiedersehen. Die beiden sind nicht auf dem Wasser, sondern mit ihrem Wohnmobil auf dem Weg, um in Marokko zu überwintern. Wir haben uns mehr als gefreut und ein paar nette gemeinsame Stunden an Bord verbracht. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege wieder auf der Strecke bis Gibraltar.

Sandkunst am Strand

Der Spätsommer legt sich zurzeit mächtig ins Zeug und bei Temperaturen bis 29 Grad fühlt man sich eher an den Hochsommer erinnert. Und auch in den nächsten 14 Tagen soll der Wetterfrosch ganz oben auf der Leiter bleiben und die Jacken können getrost im Kleiderschrank auf den nächsten Einsatz warten. So soll es sein, so soll es ruhig bleiben, wir genießen jeden sommerlichen Tag. Morgen geht es mit unserem “bordeigenen Führer” in den alten Teil von Valencia, wir sind gespannt.

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Vor Anker

Lütten Vogel hat uns am Anfang ein Stück begleitet

Während wir hier rum dümpeln, machen mal wieder Arztgeschichten die Runde. Es wird aus dem Nähkästchen geplaudert, mit welcher Fadengröße man die beste Wundnaht machen, oder welche Kuriositäten einem im Berufsalltag schon begegnet sind. Bewegungsstudien werden angestellt, Allegra ist ganz klarer Spitzenreiter im Glieder verbiegen. Cornelia und ich haben eher eine Altersstarre, zumindest im Gliederverrenken.

Leonard probiert die Möglicjkeiten

Familiengespräche eben und wann hat man schon mal soviel Zeit mit den Kindern zusammen. Nur Larissa und Johannes fehlen. Seit wir Barcelona am Sonntag verlassen haben, gab es noch keinen Hafenaufenthalt. Nonstop zusammen, fast nonstop an Bord.

Frühstück an Deck

Gestern Abend haben wir einen kleinen Landausflug unternommen und den malerischen historischen Ortskern von Peñiscolà erkundet. Der Kern selbst ist von meterdicken Mauern umgeben und stammt aus der Zeit von 1.000 v. Chr, und gehörte im Laufe der Zeit den Kathargern, den Phöniziern, den Griechen, den Römern und den Arabern. Ganz oben thront ein Kloster, das von den Templern erbaut wurde, im schlichten Stil, trotzdem neben der Alhambra eines der meist besuchten Bauwerke Spaniens. Davon merken wir nicht mehr so viel Anfang Oktober…

Kastell mit Leuchtturm

Direkt nebenan ist der Leuchtturm und just als wir darauf zugingen, nahm das Leuchtfeuer seine allnächtliche Arbeit auf. Gerne hätten wir mehr Zeit in Peñiscolà verbracht, das uns mit seiner Architektur sehr an Calvi auf Korsika erinnert hat. Überhaupt kann man die Segeleigenschaften unserer Outremer garnicht genug loben. Am Wind segeln, mit guten Tagesetappen und Geschwindigkeiten ist eine Freude.

Segeltechnisch war heute ein echter Supertag, der thermische Seewind hat sehr früh eingesetzt und uns schönen segelbaren Wind beschert. Bei 11 Knoten wahrem Wind lief das Schiff bis zu 8,3 Knoten hoch am Wind und das „bretteben“, also gerade ohne Krängung.

Die neue Angel zum ersten Mal im Einsatz

Jeden Abend, so gegen 20 Uhr geht der der Seewind schlafen, trotz Luvküste können wir auf sandigem Untergrund sicher ankern. Noch fehlen uns gut 25 Seemeilen bis zu unserem nächsten Etappenziel Valencia.

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Irgendwo

Lautsprecherdurchsagen hallen über das vom Mondlicht beschienene Wasser. Eine aufgeregte männliche Stimme versucht anscheinend in seiner Funktion als Entertainer in einem strandnahen Club das Publikum zu erheitern. Eine Fledermaus fliegt mit hellen Piepstönen aufgeregt um unser Boot. Am Heck plätschern hin und wieder leise kleine Wellen, die sich an unserem ankernden Schiff brechen. Ansonsten ist es still, kein Auto, keine nächtlichen Schwärmer am Strand. Der Mond steht dreiviertel voll vorm Bug.

Der heutige Segeltag ist längst passé. Es war eines dieser Segelerlebnisse, die haften bleiben, die Eindruck machen, die etwas ganz Besonderes sind. Ein konstanter leicht Wind aus Südost hat heute den Kat zum Laufen gebracht. Die Wasseroberfläche war dabei spiegelglatt. Ruhiges Wasser, schnelle Fahrt = viel Freude, bei allen an Bord. Gesegelt wurde bis zum frühen Abend, 54 gesegelte Seemeilen standen am Ende des Tages auf der Logge. Mittlerweile sind die Luft und das Wasser so warm, das Leonard und ich noch ein paar Meter ums ankernde Schiff geschwommen sind. Eine Freude bei 23 Grad Wassertemperatur.

Nur die arme Capitania kann einem wirklich leid tun, seit drei Tagen hat sie Zahnweh. Ein Backenzahn, um genauer zu sein, der schon zum Ziehen im Oktober vorgesehen war. Morgen wollen wir jetzt ‘ne Zahnklinik in Valencia suchen, um den Eingriff vorzuziehen.

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Barcelona – unsere Stadt

Kein Thema wird in den. letzten beiden Tagen, medial so aufgebauscht, wie die Wahl zum Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien. Nur mal ganz ehrlich, selbst hier in der Hauptstadt Barcelona merken wir von alldem wenig. Wir haben gerade bei Spiegel.de gelesen dass es über 337 Verletzte gibt, wir sind geschockt. Sogar Gummigeschosse seien in Barcelona eingesetzt worden. Heute Nachmittag sind wir stundenlang durch die verschiedenen Altstadtviertel gebummelt, auch am Justizpalast vorbei. Das Leben hier geht seinen Gang, gestern gab es ein fantastisches Konzert im Rahmen des “Jazz and Food“-Festivals, mitten in der City, das Baceloneta-Viertelsfest fand seinen lautstarken Höhepunkt mit einem mittelalterlichen Knall- und Feuer-Spektakel, und Touristen flanieren weiterhin in Massen durch die Gassen.

Wähler stehen friedlich Schlange vor den Wahllokalen, zumindest dort, wo wir vorbeikamen. Von den ganzen Presseaufregern ist nichts zu spüren. Wir haben mit einigen Spaniern oder, wenn man so will, Katalanen gesprochen, und jeder hat uns mehrfach glaubhaft seine absolut pazifistische Grundhaltung und die der ganzen Bewegung versichert. Egal ob Austrittsbefürworter oder Gegner. Wenn über irgendetwas in diesem Zusammenhang ausführlich berichtet werden müsste, ist es meines Erachtens über das Versagen sowohl der Führung der Madrider Regierung, als auch der katalanischen Regionalregierung, im Vorfeld und jetzt, um den seit langem schwelenden Konflikt zu verhindern. Die sind mit ihrer Sprachlosigkeit, Arroganz, Machtgehabe und Sturheit schuld an der vertrackten Situation. Die Menschen werden nur vor deren Karren gespannt. Soweit der kleine Politikexkurs,  ab morgen geht es wieder ganz unpolitisch mit dem Blog weiter – nur das musste mal raus.

Wie gesagt, es ist viel los in meiner “Lieblingsstadt”, in den Cavabars wird gefeiert und von der Dachterrassenbar des Museo des Catalunya hatten wir einen fantastischen Blick über die hell erleuchtete City. Barcelona ist beispielsweise eine der Städte, in der wir  beide für eine Weile leben könnten; der Lebensrhythmus der Stadt liegt uns. Viel Spaß beim Anschauen der Bilder und wer noch nicht hier war, bekommt einen hoffentlich positiven ersten Eindruck von Barcelona.

von der Dachterrasse

Die Geisterbahn

Regen am Sonntag

Hutmacher

Der furchterregende Drache

In der Bar

Hähnchenbraterei mitten auf der Gasse

Leihfahrräder

Konzert

Der Hubschrauber ist bis nächsten Sommer verpackt

im Schuhladen

Gothik außen…

… und innen

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Mitten im Herz

von Barcelona liegt die Hexe, in der Marina Vell, die wir schon gut von früheren Besuchen mit unserer Dehler 41 kennen. Cornelia hat ja schon geschrieben, dass der Liegeplatz für Katamarane sündhaft teuer ist, weil der normale Liegeplatzpreis einfach verdoppelt wird. Gott sei Dank war, bzw. ist das der erste Yachthafen, den wir besucht haben, der das so handhabt. Bisher sind wir Liegegeldmäßig gut weggekommen, wie wir denken. Alle Häfen lagen zwischen 59 bis 125 Euro für unseren breiten Hexenkatamaran.

Gestern nutzten wir die zentrale Lage der Marina Vell gleich aus und haben uns ins Nachtleben von Barcelona gestürzt. Den Sundowner gab es am Strand, anschließend haben wir “unser” kleines Eckrestaurant “Rebellon” in dem  Barceloneta-Viertel gesucht und wiedergefunden. Kurz danach gab es auf einem kleinen Platz ein Konzert mit spanischer Volksmusik und in der Pause Kuchen und Rum für alle, ein wilder Mix.

Unser letzter Besuch an diesem Abend führte uns schon fast traditionell ins Fastnet, einem Irish Pub, das rückkehrgünstig gerade mal 80 Meter vom Hafen weg liegt. Hier im Viertel ist gerade Nachbarschaftsfest mit Kirmes. Wir liegen genau hinter der Geisterbahn (da fühlt die Hexe sich wohl, hihi). Die scheint es schreckensmäßig auch in sich zu haben. Als wir gestern daran vorbei flanierten, kam gerade ein laut heulender kleiner spanischer Junge mit seinem Vater aus der Geisterbahn rausgefahren.

Osteopatia del mar

Heute Morgen hatte zumindest ich einen bisschen schweren Kopf und bin erst spät und verkatert aus dem Bett gekrochen. Es bleib gerade noch Zeit, um sich ein bisschen frisch zu machen, denn wir hatten einen Termin bei Kathryn McConkey, einer hervorragenden und talentierten Osteopathin. Bereits vor einem Jahr hat sie mich mit einer Behandlung von stechenden Schulterschmerzen befreit. Seitdem wir zuhause unseren Umzug hinter uns gebracht haben, tut der rechte Ellenbogen immer wieder mal weh und die Capitania lies kein Zweifel dran, dass, wenn in Barcelona angekommen, ein Besuch bei Katy zum Pflichtprogramm gehört. Die Capitania hat selbst mal wieder Rücken. Nach insgesamt einstündiger Behandlung sind wir wieder zurechtgerückt und gezuppelt.

Beim anschließenden Altstadtbummel fiel mir einen Metzgerei ins Auge, die ich morgen “plündern” muss, damit in den nächsten Tagen leckere Würste und Wildschweinfilet auf den Grill kommen. Die Stadt ist touristisch gut besucht, trotz Nachsaison, wenn es so etwas hier in Barcelona überhaupt gibt. Am Nachmittag habe ich einiges an weißer Bootsfläche poliert, damit der Kat glänzt, wenn die Kinder am Wochenende zu Besuch kommen 🙂

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An der Costa Brava

Mittwoch, 27. September 2017, Baro 1017, sonnig, warm, Wind SSO um 3 – 4
Llafranc 09:30 – vor Mataró, 18:40, 46 sm

Adieu Llafranc

Eine ruhige Nacht konnten wir in der Bucht von Llafranc verbringen, keine Welle, kaum Wind, und keine vorbeifahrenden Schiffe oder lärmenden Discos am Strand. Beim Abendessen im Cockpit schauen wir auf die Lichter der Stadt, es sieht hübsch aus, in den Restaurants ist auch noch was los, ansonsten eher ruhig.

Heute soll der Wind ab Mittag mehr werden, allerdings eher südlich, aber dann kreuzen wir halt ein bisschen Richtung Barcelona. Das Meer ist flach, der Wind kommt, allerschönstes Segeln entlang der spanischen Küste. Klar, die Orte sind meist hässlich, weil voller Hochhäuser, wir segeln an Lloret-de-Mar vorbei, Urlaub würden wir hier nicht machen wollen, aber wem’s gefällt, der ist hier gut aufgehoben. Die Partymeilen sind ja legendär. Wir suchen uns für heute Abend einen schönen Strand, das Meer bleibt ruhig, so die Vorhersage, da ist es kein Problem, dass es an der Costa Brava keine verträumten Buchten gibt.

Das neue Skipper Outfit bei kalten Küstenwinden

Halb sechs wollten wir Schluss machen, halb sieben ist es geworden, aber nun liegen wir gut nordöstlich der Hafenmole von Mataró, die Hexe schaukelt sanft in den Abendwellen, die Sonne ist hinter den Bergen schlafen gegangen, hoffentlich nicht zulange. Mataró ist eine geschäftige Stadt, man sieht die Autos fahren, die Eisenbahn fährt in regelmäßigen Abständen vorbei und leise man hört die Lautsprecheransagen des Bahnhofs. Rechts ist ein großes Schwimmbad, oben eine riesige Mall. Von weither läutet eine Glocke zum Abendgottesdienst. Ganz anders als gestern Nacht, Großstadt, wir kommen.

Am Nachmittag habe ich noch mit den beiden Marinas in Barcelona über deren horrende Preise diskutiert, leider erfolglos, schließlich haben wir uns für die zwar etwas teurere, aber dafür sensationell zentral liegende luxuriösere Marina Vell entschieden. Dort liegt man sicher dank der vielen Wachmänner, und ist in fünf Minuten in der Stadt, zum Bummeln, Schauen, Staunen; bei der Osteopathin Katy ebenso wie später in der Cava Bar, olé!

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Und wieder einmal: Olà!

Dienstag, 26. September 2017, Baro 1019, sonnig, Wind NNW um 20 Knoten
Cap d’Agde 08:30 – Llafranc 20:40, 95 sm

Ehrlich gesagt bin ich gar nicht traurig, dass wir gestern Nachmittag entschieden haben, die Nacht in Cap d’Agde zu verbringen. Heute morgen sieht das alles für mich viel netter aus mit Sonne statt dicker Regenwolken, und jetzt freue ich mich richtig auf den Ritt über die See nach Spanien. 08:15 macht das Hafenbüro auf, 08:10 stehe ich schon dort und möchte den Liegeplatz bezahlen. Im Hafenbüro sieht es wild aus, dort wird renoviert und ab morgen ist das Office auch neben der Zone technique, da hätte ich ganz schön weit laufen müssen. Vorher habe ich in dem kleinen Laden Baguette, Eier und ein bisschen Obst erstanden, es kann losgehen.

Halb neun sind die Leinen los, viertel vor neun alle Fender und Leinen weggeräumt und das Großsegel geht hoch. Nur noch schnell die Genua ausgerollt, zunächst mit einem kleinen Reff, bald aber ganz, und die Hexe sprintet los, 9, 10, 11 Knoten schnell, kein Problem. Die kurzen Wellen machen die Fahrt zwar zu einer holprigen Geschichte, aber das macht uns ja nichts aus. Mit Seekrankheit haben wir glücklicherweise nichts zu tun.

Der Spi steht

12:00, Baro 1018, schon 36 sm abgesegelt. Der Skipper hat geschlafen, Windgeschwindigkeiten zwischen 18 und 24 Knoten bei einem Windeinfallswinkel von 150 – 160° machen die Fahrt angenehm. Volker hat zwar schon mal über den Spi nachgedacht, aber noch ist der Wind zu böig und zu stark.

14:00 Uhr, der Wind hat sich bei 15 Knoten stabilisiert, wir setzen unseren schönen Spinaker, der zieht uns gut nach Süden, aber weil der Wind direkt von hinten kommt, und wir aufpassen, dass wir keine Patenthalse fahren, müssen wir alle halbe Stunde schiften, halsen, um nahe an der Ideallinie zu bleiben. Nix mit chillig segeln, oder so. Immerhin schaffe ich heute zwei Prüfungsdurchgänge für meine Amateurfunkprüfung (1 x gut bestanden, einmal knapp durchgefallen!!!) und die halbe Lektion 13 (bei 19 bin ich durch…)

Dramatischer Sonnenuntergang vor Estartit

18:00 Uhr, Baro 1018, der Wind wird so schwach, dass wir den Spi wegnehmen müssen. Jetzt kommt das Spiel: Motor an, Wind frischt auf, Motor aus, Vorsegel ausgerollt, Wind geht weg, Motor an, Vorsegel weggerollt, und so weiter.  Dann suchen wir eine gut geschützte Ankerbucht. Die Wellen kommen aus Nord bis Nordost, also muss die Bucht dagegen Schutz bieten. Die Inseln vor Estartit wären eine Möglichkeit, sind uns aber ein zu weiter Umweg. Die Bucht bei Aiguafreda bei dem schönen Hotel scheint sehr eng, und ist voller Bojen. Wir fahren rein, bergen Segel (unter Qualen, weil die Rutscher am Mast genau das nicht tun, nämlich rutschen) und wieder raus, nee das ist nix. Mittlerweile wird es dunkel, nicht so lecker, wenn man einen Ankerplatz in unbekannten Felsbuchten sucht. Auch die nächste Bucht liegt voller Fischerboote mit ihren Bojen, da trauen wir uns garnicht erst rein. Der Bucht mit der Marina von Llafranc leuchtet verführerisch, aber bei dem Hafen darf man nicht ankern, nur südlich davon, in der kleinen Bucht vor dem Ort, da scheint ausreichend Platz zu sein, der nicht von nächtlichen Fischern okkupiert wird.

Der Anker fällt auf 13 Meter Wassertiefe, Volker brät uns ein Steak, wir beobachten durchs Fernglas den kleinen netten Ort, Feierabend!

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Meinungs-Verschiedenheit?

Ein Wind weht aus Süd und beide Motoren schieben uns aufs Meer hinaus. Bevor die Segel am 27 Meter hohen Carbonmast nach oben steigen, gibt es erst mal lecker Rührei mit dick Butter auf dem Baguette. Das hat schon beinahe Tradition, jedenfalls wenn wir spät ablegen. Die Hafeneinfahrt lag kurz nach halbelf hinter uns, Wind war Mangelware, dafür knurrte der Magen. Gestern fiel das Abendessen wegen Müdigkeit aus.

Nach dem ausführlichen Frühstück frischte der Südwind auf segelbare drei Beaufort auf. Erst mit Großsegel und Genua, dann als der Wind immer mehr raumte, ging der Code D nach oben. Nichts hält ewig, das trifft wieder einmal mehr für den  unbeständigen Mittelmeerwind zu. Der war nach zwei Stunden weg, dafür setzte ein kräftiger Herbstregen ein. Gut für die vertrocknete Mittelmeerfauna, nicht so nett für uns. Der Wind drehte mit dem Regengebiet auf West durch, frischte auf, Zeit zu reffen.

Mittlerweile gab es bei den verschiedenen Wetterdiensten eine Sturmwarnung für die kommende Nacht. Paardiskussion an Bord, weiterfahren oder nicht. Ich wollte das Schiff mal wieder richtig ausprobieren, heizen, wellensurfen. Die Capitania hatte auf pechschwarze Nacht mit Sturm und Regenschauern absolut keine Lust. Schade, denn der Wind soll auf günstige Nordrichtung drehen. Meistens sind wir uns einig, (nicht nur) was das Segeln angeht, diesmal nicht.

Cap d’Agde, wolkenverhangen

Jetzt liegen wir im regnerisch-grauen Cap d’Agde und können vor morgen früh 8 Uhr nicht weg, weil die Kasse im Hafenbüro schon geschlossen war und erst morgen wieder aufmacht. Die Bootspapiere jedoch, die haben sie der Capitania, – wie hier üblich – abgenommen, komplizierte Verwaltung.

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Wochenendpause

Die Mathildenhöhe begrüßte uns mit schönstem Sonnenschein

Am letzten Donnerstag haben wir uns kurzfristig und spontan ein Leihauto genommen und sind für vier Tage nach Darmstadt gefahren. Es waren noch ein paar Dinge zu erledigen (außerdem brauchten wir mal eine Boots-Katastrophen-Pause). In unserem Firmengebäude gab es Anfang letzter Woche einen kleinen Rohrbruch und zudem wird das Außengelände von einem Bautrupp aufgehübscht. Außerdem hatten wir im Vorfeld vergessen, uns für die Briefwahl zu registrieren. So waren wir heute ganz früh mit der normalen Wahlbenachrichtigung zu dem für uns zuständigen, bereits gut besuchten Wahllokal unterwegs. Auf dem Rückweg nach LGM haben wir noch einen kleinen kulinarisch-leckeren Zwischenstopp bei unseren Freunden Eric und Nany eingelegt, die in der Drôme-Region ein schönes altes Landhaus bewohnen. Danke für Eure Gastfreundschaft!

In Nanys Garten blühen die Krokusse (?)

Das Wetter im Rhein-Main-Gebiet war in den letzten Tagen sehr angenehm, die Temperaturen im Prinzip ähnlich wie in Südfrankreich. Klimatisch also keine große Umstellung für uns, allein das fallende Laub der Bäume und das fortgeschrittene Kalenderdatum sind deutliche Anzeichen des beginnenden Herbstes.

Morgen wollen wir mit unserer Hexe abermals in Richtung Spanien aufbrechen. Am nächsten Sonntag kommen Allegra mit Lebenspartner Christian und Leonard in Barcelona an Bord. Sie werden mit uns bis Valencia segeln. Im Vorfeld angespannt sind wir wegen der möglichen Wahl zur Unabhängigkeit der katalanischen Region am 1. Oktober und eventuell daraus resultierenden Eskalationen, bzw. Unruhen. Der spanische Staat hat angekündigt, dass er auf keinen Fall eine Abstimmung, bzw. einen unabhängigen Staat dulden wird. Meiner Meinung nach muss man mit allem rechnen. Wir werden die Situation tagesaktuell verfolgen und Alternativen ins Auge fassen. Die Windvorhersagen für die 180 Seemeilen lange Reise sind nicht ganz so prickelnd. Überwiegend soll es windstill bleiben. 180 Seemeilen in sechs Tagen sind jedoch nicht wirklich anspruchsvoll und die Dieseltanks von unserer Hexe sind gut gefüllt. Wir hoffen sehr, dass unser Kat uns ab jetzt nur noch Anlass zur Freude gibt und wir von weiteren Problemen verschont bleiben.

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