Mit einem Tag Verspätung

Die Segel sind abgeschlagen …

sind wir heute Morgen um kurz vor neun in Canet-en-Roussillon angekommen. Der Grund für die Zeitverzögerung war, dass der neue Mastfuß vom Mastenbauer Lorima gestern noch nicht angeliefert war. Wir sind dadurch lieber ein Tag länger in Argeles geblieben, haben uns nachmittags am Strand gesonnt und sind ein paar Meter geschwommen. Ich habe meine erste Fischbeobachtungstour mit Maske und Schnorchel zu einem abgelegenen Unterwasserfelsen unternommen. Ein kleiner Sardinienschwarm, eine kleine schwarze Muräne und kleine Doraden, gab es zu bestaunen. Die Strände sind schon voll mit Urlaubern und ein ehemaliger Lehrer verkauft geröstete Erdnüsse (chou-chou auf französisch) und Kaffee am Strand. Schon von weitem hört man seine Klingel und das gesungene “Chou-chou”.

Der Baum liegt auf stabilen Stützen …

Zurück nach Canet – jetzt steht die Kiste mit den neuen Teilen vorm Boot und Agreement, die Riggfirma, bereitet alles fürs Mastanheben vor. Die Wanten werden gelockert, das Vorsegel abgeschlagen, innen im Schiff werden die elektrischen Kabel gelöst, der Großbaum wird vom Mast getrennt, ebenso das Großsegel, es gibt also reichlich zu tun für die Riggspezialisten. Die Schwierigkeit beim Mastanheben ist, dass der Mast exakt in der Senkrechten bleiben muss und deshalb ist es ideal, wenn kein Wind auf den Mast drückt. Leider ist die Windprognose nicht ganz so gut, zum Mittag hin soll es mit 5-6 Windstärken wehen. Noch sind aber alle optimistisch, dass das Projekt durchgeht. Eine weitere Herausforderung ist, dass der Mustfuß ist mit dem Deck fest verklebt ist und dieser Kleber erst gelöst werden muss, noch wird überlegt, wie das vonstatten gehen soll.

… neben dem Mast

Der Chef von der Firma, die fürs Antifouling zuständig ist, war auch schon hier. Evtl. wird die Hexe sogar heute Mittag schon aufs Trockene gehoben. Dann muss morgen noch Thomas von Pochon kommen, und die Elektronik wieder auf Vordermann bringen, und morgen Abend kommt Jörg Drexhagen von Yachtfunk.com, und baut zwei Tage lang die SSB-Anlage ein. Es ist also ganz schön was los!

Egal wie, auf jeden Fall sollen wir spätestens am Samstag schon wieder segelklar im Wasser schwimmen, um am nächsten Montag in La Grande Motte einzutreffen. Also: Daumen drücken!

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Ein massiver Sturm

Flaches Wasser in der engen Durchfahrt am Cap Béar

Unsere kleine vorgestrige Segeltour führte uns bei leichten Winden mit vollem Großsegel und dem italienisch bunten Code D nach Argeles, endlich ruhiges Segeln mit einer kleinen moderaten Welle. Handsteuern war angesagt, nicht nur die Navigationselektronik ist ausgefallen, der Autopilot verweigert ebenso den Dienst. Erinnert uns an gute alte Zeiten, unser erstes gemeinsames Schiff, die Optima 101 hatte keine Selbststeueranlage und damit sind wir weit hoch in den Norden, bis nach Schottland gesegelt. Geht natürlich alles!

Die Fahrräder werden zusammengebaut

Während ich hier diese Zeilen schreibe, wühlt draußen ein ungewöhnlicher starker Sommersturm das Meer auf, im Nachbarhafen wurden vor 30 Minuten Böen bis über 120 Stundenkilometern gemessen. Argeles Port ist glücklicherweise von einer nicht ganz so hübschen, aber dafür schützenden Appartmentanlage umgeben, sodass wir trotz dieses massiven Sturmes relativ ruhig liegen. Klar, haben wir mit doppelt geschorene Festmacherleinen, der Kat bietet eine enorm große Windangriffsfläche. Bei Böen über 8 Beaufort fängt der Mast an, in tiefen Tönen zu brummen, aber alles ist besser, als jetzt auf dem Meer zu sein. Dort geht schlichtweg die Post ab. Seit vier Tagen heizen wir wieder, morgens und spät abends ist es richtig richtig frisch im Boot.

Mit Blumenstrauß im Gepäck

Gegen den Wind, ohne Boot, dafür mit dem Fahrrad ging es heute morgen für mich zum Blumen und Kuchen kaufen, denn die Capitania hat Geburtstag.  Gestern habe ich schon ein paar kleinere und größere Geschenke für Cornelia käuflich erstanden. Nur beim Sommerkleidkauf musste sie leider zur Anprobe mit, damit das bunte Stück garantiert passt, auch wenn damit ein Teil der Überraschung futsch war.

Cocktail und Kuchen

Heute Nachmittag gibt es als Apéritif einen kleinen sommerlichen Cocktail, den uns Larissa und Johannes nahegebracht hat. Ich schreib mal auf, was drin ist, wie man den mischt, ist Geschmacksache: Limoncello-Likör, frische Erdbeeren, diese werden mit dem Zauberstab passiert, ein kleiner Teil Wein oder Sekt, das Ganze richtig gut kühlen, dann geht es ohne Eiswürfel schmeckt sommerlich frisch und hat viele Vitamine! (Danach musste der Skipper ganz schnell einen kleinen Erholungsschlaf machen!) Für heute Abend hat das Geburtstagskind ein schönes Restaurant ausgewählt.

Ab morgen Mittag soll der Sturm nachlassen und dann segeln wir die letzten 10 Seemeilen bis nach Canet-en-Roussillon. Am Dienstag wird der Mastschuh und der Mastfuß getauscht, am Mittwoch wird die Hexe vom Kran aus dem Wasser gehoben, um neues Antifouling zu streichen. Dann schau mer weiter!

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Im Gewittersturm

Volker in luftiger Höhe

Blöd, so ein Umweg von 28 Meilen hin und 28 Meilen wieder zurück, aber so ist es. Um 11 Uhr fällt der Anker in der schönen Bucht von Carlo Forte, Volker wird in den Mast gezogen, selbst hier, sagt er, schwankt das in 28 m Höhe noch ganz schön, obwohl kein Wind und keine Welle in die Bucht kommen. Wir befreien den Block, schicken Fotos an Outremer und nutzen die Wartezeit zu einem kleinen Schläfchen. Irgendwie gab es heute Nacht nicht so viel davon.

Mit ausgeklügeltem Plan müsste es gehen

Danach reparieren wir mit unseren Kenntnissen und Bordmitteln die gerissene Leine, nach ausgiebigem Studium der Wetterberichte (und einem Genuss-Bad im blauen Meer) sind wir dann der Meinung, dass wir doch versuchen werden, direkt nach Frankreich zu fahren und nicht den Umweg über  Nord-Sardinien machen, um den Donnerstag abzuwettern. Seit 14:45 sind wir wieder unterwegs, 335 Meilen ,311° liegen vor uns. 17:00 Uhr Baro 1005, 3-4 Knoten Wind aus SW, Motorfahrt; die Wellen sind erstaunlich hoch.

Mein Abendessen ist leider kein so großer Erfolg, obwohl ich eine extra leckere Soße zu den Hühnchenflügeln mit Kartoffelgemüse gemacht habe, Volker hatte beim Anbraten schon das Gefühl, dass etwas mit dem Fleisch nicht stimmt. Hätte er es mal lieber gleich gesagt, dann hätten wir die direkt weggeworfen, und ich hätte was anderes zubereiten können. So haben wir nur die Kartoffeln mit Soße gegessen.

Pünktlich nach dem Abwasch kommt der Wind, zuerst nur leise, 14 Knoten, dann aber richtig, Jetzt haben wir zwei Reffs im Großsegel, eine kleine Genua, damit trotzen wir den bis zu 40 Knoten wahren Wind. Vorhin hat es auch geblitzt rundherum, das ist glücklicherweise weg, mal sehen, wie lange der Zauber hier geht. Bisschen Regen ist auch dabei, ich hole die Segelkleider, aber die legt man echt nur an, wenn man draußen im Regen steht, sonst ist das zu heiß.

Mittwoch 28. Juni 2017, auf See

02:15 Uhr, der Wind dreht auf Südsüdwest, rundherum Gewitterblitze, glücklicherweise relativ weit weg, und sie ziehen auch nach Norden ab. Wir spielen nur mit der Größe der Genua, die zwei Reffs bleiben schön im Großsegel, der Wind bleibt, manchmal nur 14 Knoten, sonst bis 30, und immer wieder zucken die Blitze am nächtlichen Himmel.

03:15 Uhr, Baro 1001, Wind wieder mehr Süd, die Blitze scheinen fortgezogen zu sein.

03:00 Uhr, der Frachter Perseus Liberty passiert uns an BB, ich habe über Funk mit ihm gesprochen, und er sagt zu, dass er genügend Abstand halten wird. Jetzt sind die Blitze überall, der Himmel ist hell erleuchtet, nun hören wir auch den Donner, das Gewitter ist genau über uns und wir können nur hoffen, dass sich nicht ein Blitz in unseren Mast verirrt. Handys, IPad, Laptop und Funkgeräte sind im Backofen zum Schutz. Ich sitze völlig angespannt am Kartentisch und beobachte das Geschehen wie die berühmte Maus vor der Schlange. Wir haben Glück, das Gewitter verzieht sich, ohne unserer Hexe ein Leid zugefügt zu haben. Im AIS sind auch keine weiteren Boote mehr zu sehen, nur weit weg ein Segler namens Alix, 28 m lang, der uns in den frühen Morgenstunden in einiger Entfernung kreuzen soll. Jetzt schlafen wir beide im Salon auf dem Sofa, wachen immer mal auf, überprüfen Segelstellung, Windeinfallswinkel, ob sich ein Schiff nähert, Volker lässt bei einer Flautenperiode den Motor laufen.

Um 07:15 Uhr, Baro 999,5, wir schütten ein Reff aus dem Großsegel aus, TWS um 14 Knoten, wir machen zwischen 8 und 10 Knoten Fahrt. Volker wäscht das Boot, der Regen der Nacht hat roten Saharasand mitgebracht.

ALs ich um 10:30 Uhr aufwache, ist Volker schon dabei zu reffen, die Genua muss verkleinert werden, und wir binden Reff 2 wieder ins Groß. Der Wind dreht immer ungünstiger, mittlerweile fahren wir 30°, wenn wir so weiterfahren würden, kämen wir übermorgen in Genua an.

Seit 13.:00 Uhr motoren wir, es sind nur noch 6 Knoten Wind aus WNW.

Da kommt was auf uns zu

Und dann fängt der aufregende Teil des Tages an. Vor uns hat sich der Horizont verdunkelt, da steht eine große graue Wolke, aus der Blitze zucken. Oh nein, nicht schon wieder! In meinen Grib-Files war für heute die Gewitterwahrscheinlichkeit als sehr gering eingestuft gewesen! Aber das war ja auch Schnee, nee Daten, von gestern. Die Wolke ist jedenfalls ein Fakt, wir können sie auch im Radar sehen, das heißt, dass da ganz viel Niederschlag drin ist. Wir versuchen, den schlimmsten Blitzteil zu meiden, indem wir nach Südwest wegfahren, um das zu umgehen. Das gelingt gut in Bezug auf die Blitze, aber der Niederschlag erwischt uns doch.

Windhose am Horizont

Es bilden sich überall Windhosen, das sieht spektakulär aus. „Lass uns die Segel wegpacken“, bitte ich und schnell wird das Großsegel geborgen, denn solche Gewitterwolken führen jede Menge Wind mit im Gepäck. Kaum ist das Segel unten, kommt der Regen, und mit ihm der Wind, man sieht die Wellen kommen, und den Niederschlag drauf. Bis 42 Knoten Wind zeigt der Windmesser an, meist über 35. Selbst unsere Plastik-Ente hat sich mit einem todesmutigen Sturz ins Cockpit dem Sturm entzogen. Gleich haben wir unser Cockpitzelt dicht gemacht (hoffentlich hält es das aus!), da stürmen schon die Wassermassen über die Stufen herein und mit ihnen kirschgroße Hagelkörner. Die arme Hexe! Nach einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei, der Wind fällt auf lockere 10 – 14 Knoten und wir können wieder bei Sonnenschein segeln.

Eine Lücke in den Gewitterwolken?

Leider ist das Glück von kurzer Dauer, die nächste Front kommt am Horizont und auf dem Radar. Die nächste Front reicht vom rechten bis zum linken Horizont, überall zucken Blitze in den dunklen Wolken, nicht schon wieder! Wir versuchen unsere Taktik des Umfahrens des schlimmsten Blitzbereichs, und entdecken eine Lücke, da wollen wir hindurch. Sieht zunächst auch gut aus, bis dahinter erneut Blitze zucken. Jetzt sind wir schon zu weit drin, wir müssen einfach durch und auf Hexes Schutzengel vertrauen.

Anfang …

… und Ende des Regenbogens

Es donnert auch, das Gewitter scheint direkt über uns zu sein. Natürlich haben wir, diesmal noch eher, also wirklich rechtzeitig, das Groß geborgen, und laufen unter Motor durch. Auch hier klappt das gut, diese Wolke führt zwar keinen Hagel, aber dafür heftigen Regen und bis zu 46 Knoten Wind im Gepäck. Diesmal werden wir belohnt, nachdem auch diese Front hinter uns liegt, bildet sich ein wunderschöner Regenbogen, ganz leuchtend, und man kann beide Enden sehen, also einen ganzen bunten Regenbogen. Das gibt es nicht so oft. Wieder Segel gesetzt und weiter gesegelt.

Dunkle Wolken dräuen

Noch eine Front, wieder mit Blitzen, wieder Groß bergen, abwettern und durch.

Mittlerweile ist es Abend geworden, langsam wird es dunkel, da erscheinen doch schon wieder Blitze am Horizont und eine deutlich sichtbare Regenwolke erscheint auf dem Radar. Eigentlich wollten wir gerade das Abendessen zubereiten, ich war dabei, die Bohnen vom tunesischen Markt zu schnippeln, die haben tatsächlich richtige Fädchen, die man ziehen muss, das kenne ich nur noch aus meiner Kindheit. Zunächst Zweifel, ob wir wirklich das Groß bergen müssen, deswegen werden wir diesmal nass beim Bergen, und dann kommen echte Wassermassen herunter, noch mehr als bei den letzten drei Malen, strömen durchs Cockpit und wieder hinaus. Jetzt ist bestimmt der letzte rote Sand weg vom Boot.

Um 22:00 Uhr gibt es endlich Abendessen, danach mal wieder einreffen, weil der Wind auffrischt. Die Nacht verbringen wir beide wieder im Salon, um schnell auf das Wettergeschehen reagieren zu können, gut dass unsere Couch groß genug ist für zwei. Da es keine feindlichen Schiffe gibt, habe ich den Timer meines Handys auf 20 Minuten eingestellt, dazwischen kann man richtig schlafen.

Donnerstag, 29. Juni 2017, 08:00 Uhr, Baro 1005, sonnig, leicht bewölkt, Wind NW 4-5, auf See

Nach einer holprigen Nacht ist ein sonniger Morgen angebrochen, der Wind weht, wie angekündigt, aus Nordwest.  Zunächst um 10 Knoten, Volker hat am frühen Morgen ausgerefft, wir fahren mit Vollzeug. Um 07:30 Uhr frischt der Wind auf 17 – 18 Knoten, wir drehen die Genua ein Stück weg und binden ein Reff ins Groß. Die Wellen haben mittlerweile eine stattliche Höhe erreicht, 3 – 4 m, wenn die Hexe zu schnell wird, knallt sie nach diesen Wassertürmen in die Wellentäler, das ist nicht schön. Amwind ist nicht der Königskurs des Katamarans, da segelt sie doch relativ  unruhig in den „Löwengolfwellen“.

Viele Frachter kreuzen unseren Weg

Seit der Nacht steuert der Autopilot nach dem Wind, das geht sehr gut, nur manchmal reagiert die Steuerung nicht schnell genug auf Winddreher, dann müssen wir eingreifen. Wenn wir heute Abend irgendwo im Hafen oder vor Anker sind, werde ich die Dämpfung verstellen müssen, dann sollte er empfindlicher reagieren. Hier ist verkehrstechnisch deutlich mehr los, vor allem Tanker und Frachter von Barcelona nach Frankreich oder Italien kreuzen unseren Weg.

Alles voller Salz, könnte man sammeln, für die Küche

Gruissan haben wir als Etappenziel aufgegeben, das wäre noch eine elende Kreuzerei, So ist es schon unruhig genug, die Viermeterwellen lassen die Hexe schaukeln, im Schrank sind sogar die großen Weingläser umgefallen, glücklicherweise ohne zu zerbrechen. Keiner weiß nicht mehr, wie oft wir die Genua ein- und wieder ausgerefft haben, das Großsegel ebenfalls, bis sich gegen drei Uhr der Wind beruhigt und auf Nordost dreht. Jetzt werden wir schneller, müssen auch nicht mehr gegen die Wellen anfahren, und um 16:30 fällt der Anker in der Bucht von Roses.

Land an der Bucht von Roses

Der erste Versuch scheitert leider, da war soviel Lehm und Gras, dass der Anker nicht gehalten hat, aber beim 2. Mal sitzt er auf Anhieb fest. Jetzt heißt es aufräumen, weg mit den Segelkleidern, ich bereite einen kleinen Imbiss aus Melone und Schinken, Oliven und Salzstangen vor, dazu ein bis zwei Glas Wein und Bier, um sieben Uhr legen wir uns für ein kurzes Schläfchen hin – und erwachen am nächsten Morgen um sechs!

Außer der Wassertemperatur werden keine Daten angezeigt

Allerdings bin ich um zwei Uhr aufgewacht, und wollte, als gute Navigatrice, überprüfen, ob wir noch am gleichen Ort liegen, also ob der Anker hält. Ich mache die Navigationselektronik an, und, oh Schreck, sehe nichts. Es kommen keine Daten auf den Geräten an, keine Tiefe, kein Wind, keine Position! Mache ich etwas falsch? Ich schalte alle Geräte nochmal aus und wieder an, das gleiche Resultat. Ich suche in den Handbüchern, prüfe die Verkabelungen, probiere alles mögliche aus, die Daten wollen sich nicht zeigen. Auf dem IPad kann ich sehen, dass wir noch an der gleichen Stelle liegen, an der wir geankert haben, also gehe ich um halb fünf frustriert wieder ins Bett. Morgen früh werden wir weiter sehen.

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Problemblues

Das ist der Übeltäter, ziemlich zerstört

Vor einer Stunde ist die Dyneemaleine gerissen, die das Großfall mit dem Großsegel verbindet – einfach so, nicht vorhersehbar, auf einem Amwindkurs. Das Großsegel rauschte führungslos nach unten und verharkte sich mit dem Stausack, dem Lazybag.

Dabei fing gestern alles so verheißungsvoll an, mit der Rückfahrt nach Frankreich. Der Zoll und die Einwanderungerungsbehörde standen pünktlich vorm Schiff und kurz nach dem Ablegen setzte ein konstanter Ostwind ein.

Das Kielwasser sprudelt bei der schnellen Fahrt

Mit vollem Großsegel und unserem Leichtwindsegel, dem Code D, ging es rauschend übers blaue Meer. Die Meilen tickten nur so weg und um 21 Uhr am Abend hatten wir einen neuen Durchschnittsrekord. Einhundertfünf gesegelte Meilen in 12 Stunden, ein Schnitt von 8,75 Knoten. Mit wechselnden, immerhin segelbaren Winden ging es durch die Nacht bis mich Cornelia heute morgen laut rufend, mit nervöser Stimme aus der Freiwache weckte.

Die Hexe von oben

Nachdem wir die Situation evaluiert hatten, war klar, dass ich ganz hoch in den Mast muss, um das abgerissene Ende mit dem Großfall dran nach unten zu ziehen. Es waren zu dem Zeitpunkt noch knapp 300 Seemeilen bis nach Canet en Roussillon. Nur der Gedanke, dass ich bei rollendem und schwankendem Schiff und nur mit einem Fall gesichert die 27 Meter nach oben gehe, rief bei der Capitania eine kleine Panik hervor. Machen wir es kurz, wir haben es versucht, ich war fast, und die Betonung liegt auf fast, ganz oben, bis ich den Halt verloren habe und dabei einmal um den Mast geschleudert wurde, Gott sei Dank ohne mich zu verletzen. Im letzten Moment konnte ich mich an dem äußersten Ende des Wants festhalten und mit einer extra Leine sichern. Versuchsabbruch, direkt. Wir sind jetzt auf dem Rückweg nach Sardinien, bitter die nächtlich erkämpften Meilen wieder zurück zu fahren. In einer ruhigen Ankerbucht soll es wieder nach oben gehen, diesmal ohne Schlingerbewegungen. Wir hoffen dann eine provisorische Reparatur hinzubekommen, die es uns erlaubt, nach Frankreich zurück zu fahren.

Mit all den großen und kleinen Problemen die wir so mit unserer Outremer haben, kommen wir uns so langsam wie Versuchskaninchen vor, die einen Prototyp ausprobieren und kein Serienschiff, sehr sehr ärgerlich.

Blick vom Masttopp auf unsere schöne Ankerbucht

Nun haben wir mit Bordmitteln den Block wieder mit dem Großfall und dem Segelkopf verbunden, probieren mal aus, ob es hält, und wenn alles gut geht, machen wir uns auf den Weg nach Frankreich, ab Freitag Abend tobt im Löwengolf der Mistral, da wollen wir irgendwo im Hafen oder einer gut geschützten Ankerbucht sein.

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Away from Africa

Obwohl der zweite Tag nach Ramadan in der arabischen Welt eigentlich noch ein Feiertag ist, standen Zoll und Immigration pünktlich um acht Uhr vor der Hexe, um unsere Pässe zu stempeln, und uns die Ausreisegenehmigung zu erteilen. Die armen Kerle müssen ja trotz der für heute angesagten 37° in ihren Uniformen rumlaufen, man kann ihnen nur wünschen, dass ihre Büros mit Klimageräten ausgestattet sind. Leider waren die Hafenmeister Muhrat und Mohammed noch nicht im Dienst, sodass wir uns nicht offiziell verabschieden konnten, nur unseren netten französischen Nachbarn haben wir Adieu gesagt.

Die ersten drei Seemeilen gab es überhaupt keinen Wind, seit Cap Blanche fahren wir mit unserem bunten Code D bei 15 – 22 Knoten Wind mit gutem Speed nach Nordwesten. Leider wird das nicht für die nächsten zwei bis drei Tage halten, für Dienstag ist wenig Wind aus unterschiedlichen Richtungen vorhergesagt, und ab Mittwoch früh soll der Mistral uns kräftig auf die Nase wehen. Wir lassen uns einfach mal überraschen.

Gestern war es tagsüber so heiß, dass wir keine großen Ausflüge unternommen haben. Am Vormittag kam Raouf auf einen Abschiedsschwatz an Bord, leider waren seine Damen mit den Vorbereitungen für die zahlreichen für heute erwarteten Verwandschaftsbesuche beschäftigt, wir hätten sie zu gerne ein bisschen bewirtet. Am frühen Abend haben uns unsere französischen Bootsnachbarn auf einen Apéro eingeladen, Volker war glücklich, dass er die kleine nette alte Hündin auf den Schoß nehmen konnte, wir haben extra Leckerli eingesteckt.

Zum Abendessen haben wir versucht, unsere letzten Dinar unters Volk zu bringen, sind aber wieder nur auf 55, mit Trinkgeld auf 60 Dinar gekommen (ca. 20 Euro), selbst mit Schnitzel und Seafood und einem – natürlich alkoholfreien – Cocktail wird das hier nicht mehr. Am Samstag haben wir noch Proviant, Obst, Gemüse und Fleisch für die Überfahrt eingekauft, und selbst um 10 Uhr morgens war es schon so heiß, dass wir uns ein Taxi vom Markt zur Marina geleistet haben. Gut, das war nicht sehr weit, man läuft zu Fuß ca. 12 – 20 Minuten, aber der Fahrer wollte in der Marina weniger als einen Dinar haben, wie geht das denn?

Wenn ich das hier abschicke, sind wir an der Südspitze von Sardinien, dort werden wir noch einmal den Wetterbericht checken und dann sind wir wieder einmal nicht erreichbar. Wir wünschen allen unseren Lesern eine gute Zeit und melden uns, wenn wir in Frankreich angekommen sind.

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Viel Tunesien

Die Flagge vom Segelclub Hoorn neben der tunesischen

Der Skipper: Viel kürzer als ursprünglich gedacht, war der heutige Segelausflug mit unserem tunesischen Freund Raouf und seiner Familie. Der Wetterbericht versprach leichte Winde um 7-10 Knoten, das Meer sollte entsprechend ruhig und wellenlos sein. Alle formellen Anforderungen, damit wir mit einer tunesischen Familie für ein paar Stunden segeln können, waren im Vorfeld seitens der engagierten Hafenverwaltung geregelt worden. Und ich dachte schon beim morgendlichen Blick über die Bucht, ob es überhaupt genügend Wind zum Segeln an diesem sommerlich heißen Samstag geben wird.

Die Herren

und die Damen

Kurz nach 13 Uhr stand die ganze Familie, Vater, Mutter, zwei Töchter und Sohn segelbereit auf dem Steg. Nach einem kurzen Bootsrundgang warfen wir alle Leinen los und nahmen Kurs auf die Hafeneinfahrt. Meine Befürchtungen bezüglich des Windes erwiesen sich als unbegründet, die Wellenspitzen trugen weiße Schaumkrönchen, also mehr als genug Wind zum Segeln, und das kann die Outremer ja bekanntlich gut.

Kleine Lehrstunde

Stolze Rudergängerin Sarah

Souverän steuert Nesrine die Hexe

Kaum waren die weißen Tücher oben und eingetrimmt, zeigte die Logge schon sportliche 10,5 Knoten an, die Bootsbewegungen waren entsprechend. Unsere Fahrt ging vorerst nach Ost, ein flotter Ritt bei nordwestlichen Winden. Alle Mann und Frau probierten sich an der Pinne, wir hatten Spaß, es wurde viel gelacht und viel fotografiert – erste Seemeilen auf einem Segelboot, für (fast erwachsene) Kinder.

Auch Sohn Rafi ist froh

Konzentriert an der Pinne

Bis zu dem Zeitpunkt, an den bei der Mutter der Familie, Houda, sich leider die Geisel der Seekrankheit bemerkbar macht. Man weiß nie, wann und bei wem dieser Feind der Seefahrenden zuschlägt, es kann jeden treffen. Wellen von der Seite verursachen unangenehme Schiffsbewegungen und tun ihr übriges dazu.

Noch lachen Houda und Raouf

Die Ursachen können bekanntermaßen vielfältig sein. Wir haben einfach gewendet und sind gegen gute 4-5 Windstärken zurück zum Hafen gesegelt. Der Vorteil der Seekrankheit ist, dass man von ihr ganz schnell geheilt ist, wenn man erst mal wieder festen Boden unter den Füßen hat, dazu braucht es keinen Arzt.
Heute Abend sind wir bei der Familie zum Essen eingeladen, ich hoffe, dass wir trotz Seekrankheit ein leckeres Essen zubereitet bekommen. Wir haben über diesen Umstand schon beim Segeln gescherzt und dass heute der Skipper für die Wellen und die Folgen vollumfänglich verantwortlich ist, nur zur Ergänzung.:-)))

Kamele auf dem großen Platz

Die Capitania: Glücklicherweise ging es Houda wieder gut, sobald sie festen Boden unter den Füßen hatte. Damit war unser Abendessen gesichert! Pünktlich um Viertel for sieben Uhr stand Abderraouf oder „Raouf“, wie er gerufen wird, mit seinem VW Caravelle am Marina Office. Er ist einfach der geborene Fremdenführer, also gab es eine kleine Tour entlang der schönsten Strände und Strandpromenaden von Bizerte. Und überall wohnt einer, den Raouf kennt, ein Bruder, ein Onkel, der Sohn des Onkels, ein Cousin, oder er winkt einem ehemaligen Arbeitskollegen, der vor uns über die Straße geht. Überhaupt, die Straßen: Wenn es sich ein bisschen staut, wird aus einer einspurigen Landstraße schnell eine dreispurige, die Autos fahren einfach nebeneinander her, dazwischen wuseln Mopeds, Motorräder und Vespas, hier muss man höllisch aufpassen beim Autofahren.

Sonnenuntergang am Cap Blanche

Wir fahren bis zum Cap Blanche, nordwestlich von Bizerte, hier gibt es sensationelle Sonnenuntergänge, und während der Feriensaison ist es richtig voll, sagt Raouf.

Dann sind wir angekommen am Haus der Familie mitten in Bizerte, 10 Minuten zu Fuß vom Strand. Unten wohnt der Bruder mit Familie, in der Mitte die Mutter und das obere Stockwerk ist für die Familie Kefi, allerdings hat Raouf es um eine weitere Etage erweitert. So haben die Eltern ganz oben eine Etage für sich mit Schlafzimmer, Büro und riesiger Dachterrasse, während im unteren Stockwerk ein rosa dekoriertes Zimmer den jungen Damen gehört, ein Zimmer mit blauen Wänden und Vorhängen ist für Rafi, den 16-jährigen Sohn, außerdem haben eine geräumige Küche und ein großzügiges Wohn-/Esszimmer Platz.

Blick von der Dachterrasse bis übers Meer

Es ist warm im Gebäude, und noch hat der Muezzin nicht gerufen, dass die Fastenzeit des Tages zu Ende ist, wir warten auf der Dachterrasse auf die mittlerweile vertrauten Klänge, mit denen der Sonnenuntergang besiegelt wird, danach strömen in allen Häusern die Menschen zum Esstisch, trinken erst einmal einen großen Schluck Wasser nach der Abstinenz des Tages, dann wird der Hunger gestillt.

Und der Tisch steht voll mit tunesischen Köstlichkeiten, Salade meschoui, eine scharfe Speise aus geschmorten Paprika, Tomaten, Knoblauch und Olivenöl, verfeinert mit Thunfisch und verziert mit hartgekochten Eiern, ein feiner Salat aus ganz klein geschnittenen Gurken, Tomaten und Zwiebeln, Tellern voller Bricks, jenen kunstvoll gefalteten gefüllten Teigtaschen, an denen Volker sich gar nicht sattessen kann, so lecker sind sie, natürlich jede Menge Brot, und in der Mitte ein wahrhaft königliches Couscous, dem Gast zuliebe mit überaus köstlichem Lammfleisch anstelle der sonst eher üblichen Variante mit Fisch. Mehr solle er essen, sagt Raouf zu Volker, es wird nicht aufgestanden, ehe alle Schüsseln leer sind. Nun gut, das schaffen wir nicht ganz, dafür gibt es zum Nachtisch auch noch frisches Obst, Weinbergpfirsische und Feigen, so süß und fein, wie sie bei uns niemals reifen könnten.

Danach sind wir alle zurück auf die Dachterrasse gestiegen, die Mädels haben schnell noch abgewaschen, und wir haben dort mit köstlichem Tee und verschiedenen Erfrischungsgetränken einen wahrhaft himmlischen Abend verlebt, einander die verschiedenen Kulturen näher gebracht. Wie funktionieren Krankenhäuser in Tunesien (Houda ist als MTA zuständig für die Narkosen im hiesigen Krankenhaus, es gibt für alle Stationen ansonsten nur einen einzige Anästhesisten); gibt es einen Staubsauger bei uns an Bord; die Mädels studieren BWL und Jura, aber ihre kleinen möblierten Wohnungen haben sie nur während des Semesters, im Sommer werden sie für viel mehr Geld an Touristen vermietet; welche Länder haben uns am meisten beeindruckt, und sie laden sich noch schnell meine Sternen-App herunter, damit sie des Abends auf der Terrasse die umgebenden Sternbilder benennen können, usw., usw. Um Mitternacht schwirrt uns der Kopf und Raouf fährt uns nachhause zum Boot.

Nicht nur Fremdenführer in Bizerte oder Tunis, Raouf hat viele Jobs

Dabei gibt es gleich den nächsten Grund zum Staunen: Obwohl es mittlerweile nach 24 Uhr ist, sind die Straßen und die Plätze und die Rasenflächen voller Familien mit Kindern, sie haben sich Decken und Proviant mitgebracht, und picknicken in den Parkanlagen entlang der Strandpromenade, gut, dass es keinen Alkohol gibt, die Leute gehen so direkt vor den Autos über die Straße, dass es uns Angst und Bange wird. Die Stadt ist voller promenierender Menschen, und noch bis weit nach zwei Uhr hören wir die Lifemusik von der Bar an der Ecke. Es ist das Ende von Ramadan, jetzt wird richtig gefeiert.

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Ausflugstag

Soviel vorweg, heute ist für mich, für uns, ein ganz besonderer Tag und an solchen Tagen muss man etwas ganz Besonderes machen. Aber erst einmal will ich mit dem Anlass herausrücken, Larissa, meine Tochter hat am heutigen Tage Geburtstag und wird junge 22 Jahre alt. Ein Grund zum Feiern für Sie und ein besonderer Tag für den stolzen Vater. Auch wenn wir gerade gut 1.700 Kilometer voneinander getrennt sind.

Gestern waren wir beim hiesigen Hafenmeister und haben mit ihm die verschiedenen Möglichkeiten besprochen, um regionale Sehenswürdigkeiten und die nahegelegene Zwei-Millionen-Einwohnerstadt Tunis besichtigen zu können. Kein Problem, er kennt einen regionalen (Fremden)-Führer, der uns Menschen, Sehenswürdigkeiten und Historie nahe bringt.

Volker mit unseren zwei Fremdenführern Nesrin und Kefi

Pünktlich um 9 Uhr stand Kefi Abderraout mit seiner charmanten ebenfalls 22 Jahre jungen Tochter Nesrem  und seinem Vw-Bus vor dem Hafenmeistergebäude. Schon ging es los,, auf die Autobahn in Richtung Tunis. Auf der Fahrt dorthin haben wir soviel Informationen über unser europäisches und das tunesische Leben ausgetauscht, dass mir der Kopf von all dem französischen Vokabular schon so geraucht hat. Unsere beiden Führer können auch bestes Englisch sprechen, nur zur Info. Erster Stopp war das Nationalmuseum von Bardo, die Sammlung gilt als eine der größten Mosaikensammlungen der Welt.

Kacheln …

Odysseus, dem Gesang der Sirenen lauschend

Neptun

Was man dort an historischen Mosaikbildern zu sehen bekommt, ist faszinierend, soviele abertausende kleine Steinpuzzelchen, die zusammengefügt ein einzigartiges Bild ergeben, haben uns schon sehr eindruckt.

Einschusslöcher vom Attentat

Nicht minder mitgefühlt haben wir, als Kefi uns ein unschönes Kapitel des Museums zeigte. An einigen Stellen sieht man Einschusslöcher in der Wand, weil genau dieses historisch einzigartige Museum das Ziel eines perfiden Anschlags war, den zwei Terroristen im Frühjahr 2015 ausübten und bei dem 20 unschuldige Menschen den Tod fanden. Die Einschüsse im Fahrstuhl, Treppengeländer, Mobiliar und in den Marmorböden wurden zur Erinnerung so belassen, wie sie sind, am Eingang des Museums gibt es eine Gedenkstätte. Soll man trotzdem Bardo besuchen? Auf jeden Fall, weder der historische Ort kann etwas für dieses feige Attentat, es gibt sowieso keine verbriefte Sicherheit, nirgendwo auf dieser Welt. Den Rest muss jeder für sich selbst entscheiden.

I love Tunis

Die französische Botschaft in Tunis – verrammelt wie im Krieg

Von dort aus machten wir eine kleine Stadtrundfahrt durch die mit reichlich Verkehr gut gefüllten Straßen von Tunis. Da wollen wir beim nächsten Besuch (und wenn kein Ramadan ist) mal ein paar Tage verbringen, genauso haben wir mit Kefi und Nesrem einen Ausflug in die 500 Kilometer entfernte südliche Wüste besprochen, aber das ist Zukunftsmusik.

Blick von Karthago über die Bucht

Nach dem knapp zweistündigen Besuch im Museum ging es weiter nach Karthago, dem Ort, in dem Hannibal geboren wurde und von dem er aufbrach, um Rom zu erobern. Karthago und die angrenzende Gegend war die Kornkammer der Römer. Allein der Plan vom Handelshafen lässt erahnen, wie wichtig Karthago für das römische Reich war. Römische Ruinen gibt es jedenfalls dort zuhauf und einen grandiosen Blick über Tunis mit der angrenzenden Meeresbucht gratis dazu.

Direkt nebenan steht eine große, ehemals christliche Kathedrale mit arabischen Stilelementen, die in der heutigen Zeit für Trauungen, Konzerte und regionale Veranstaltungen genutzt wird. Von außen sieht das Bauwerk vertraut aus, vom europäischen Gesichtspunkt her, innen hat es jedoch einige Überraschungen zu bieten.

Der amerikanische Friedhof

Von dort aus haben wir einen amerikanischen Militärfriedhof mit informativen Schautafeln über die Invasion der deutschen Wehrmacht in Nordafrika und der Gegenoffensive des Alliierten, während des zweiten Weltkrieges besucht. Hohe Verluste an Menschenleben gab es leider auf beiden Seiten in diesem Teil Nordafrikas, der Friedhof ist für einige ein stiller Ort des Gedenkens.

Zum Abschluss ging es in die wunderschöne Stadt, Sidi Bou Said, klingt fremd, ist fremd, aber auch genau so einzigartig schön.

Der Hafen von Sidi Bou Said

Sidi Bou Said Altstadt

Was für ein Blick

Bizerte bietet viel tolle fotogene Ecken, aber Sidi Bou Said ist eine echte Perle, mit einem Ortskern zum Verlieben, mit der besten Aussicht, die eine Stadt bieten kann – hin zum Meer in eine hufeisenförmige Bucht.

Neben all den besuchten Orten bietet Tunesien soviel an neuen Eindrücken und Impressionen, allein bei einer banalen Autofahrt, dass man irgendwann, gefühlt nicht mehr aufnahmefähig ist, so wie ich im Moment, in dem ich das hier “zu Papier“ bringe. Um 17 Uhr waren wir zurück an Bord, nicht ohne von unseren beiden liebenswerten Fremdenführern zu einem Abendessen in den nächsten Tagen zu sich nach Hause eingeladen zu werden. Da freuen wir uns schon sehr darauf und haben natürlich die Einladung sehr gerne angenommen.

Viele weitere Bilder haben wir hochgeladen in den Ordner “Tunis” unter der Bildergalerie.

Zum Schluss nochmal ein Appell, auf geht’s, ihr Segler, segelt nach Tunesien, taucht ein in eine andere Welt, lasst Euch von Land und Leuten genau so beeindrucken wie wir, es lohnt sich!

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Angekommen

So, wir sind weitergefahren, nachdem wir um 13:30 Uhr den ersten zaghaften Netzempfang hatten, haben wir uns die diversen Wetterberichte geholt. Für die nächsten Tage sah es auch nicht besser aus als für heute Nacht, also sind wir wieder durch den Canale di San Pietro gesegelt und motort, haben Ort und Marina Carloforte rechts liegen lassen, ein junger Mann in einem Rib kam zu uns und fragte, ob wir einen Liegeplatz in der Marina brauchen, „grazie, oggi no“, und dann ging es weiter Kurs 142° hundertzwanzig Meilen Richtung Afrika.

18:00 Uhr sind wir zwischen der Kuh- und der Stierinsel, die vor dem sardischen Südzipfel liegen, hindurchgesegelt, und dabei zweimal ganz kurz einen kleinen Wal gesehen, der sich leider aber direkt wieder verabschiedet hat. Abendessen gab es heute für uns beide, Spaghetti bolognese am Cockpittisch

lauter feindliche Schiffe (das schwarze sind wir)

03:15 Der Mond ist aufgegangen. Im Canale di Sardegna ist deutlich mehr los als auf dem Weg hierher. Frachter, eine Fähre, viele Fischer, man muss ganz schön aufpassen, denn nicht alle haben AIS, und gerade die Fischerboote sind eine Herausforderung, weil man nie genau weiß, in welche Richtung die als nächstes Fahren auf der Jagd nach ihrer silbernen Beute. Und was für wohlklingende Namen die großen Tanker und kleineren Fischer haben: „Andrea Doria II“ (ein Fischer!), „Daniele M.“, „MSC Regina“, „Thalassa Patris“, „Ikaria Island“ oder „Blandine“.

Die Orchidee steht für die Überfahrt in der Spüle (Monoseglervorsicht)

Jetzt muss ich auch mal etwas Positives zu unserer neuen Hexe sagen, bei allen Problemchen und großen Problemen, die wir mit ihr haben, ist es mega komfortabel, vor allem weite Strecken mit dem Kat zu fahren. Man kann richtig im Bett schlafen, wenn man müde ist, man kann das Essen zubereiten, ohne sich beständig festhalten zu müssen, und man kann zwischendurch entspannt sitzen und Logbuch schreiben oder Testprüfungen machen oder stricken, oder, oder. Zum Sonnenbaden kann man sich mit der Fernbedienung für den Autopilot vorne ins Netz legen, den Delphinen zuschauen. Und sie segelt gut. Trotz des dicken Bewuchses an unserem Rumpf sind wir bei Windgeschwindigkeiten zwischen 11 und 13 Knoten und einem wahren Windeinfallswinkel von 40-45° mit 6 – 7 Knoten Fahrt unterwegs, wie wird das erst mit dem neuen Antifouling werden?! Gerade so eine Nacht wie heute ist auf einem Kat deutlich entspannter als auf einem Mono. Ich jedenfalls bin sehr froh, dass wir uns entschieden haben, unsere große Reise auf zwei Bootsbeinen zu unternehmen, und erfreue mich jeden Tag an dem wunderschönen neuen Zuhause, dass es für mich auch schon ist. Bei dem Skipper bin ich mir da nicht so sicher, ich glaube, der ist noch skeptisch…

Dienstag, 20. Juni 2017, Baro 1016, sonnig einzelne Wolken, Wind O 3-4, auf See

Sonnenaufgang mit Frachter

06:00 Sonnenaufgang, unter Segeln seit 04:00 Uhr (und der Segelwind hält diesmal erstaunlicherweise bis zur Marina Bizerte!).

06:30 der Tanker „Quartz“ fährt eine Meile hinter uns vorbei, der Name war eher außergewöhnlich als wohlklingend. Ich hab ihn auch lieber nicht im VHS gerufen, „Quartz, Quartz for Hexe, Hexe“, wie klingt das denn?

08:25 Uhr, der Frachter „Ozden S“ (auch kein wohllautender Name) wird (nicht nur im AIS) sichtbar und: Land in Sicht! In 225° ist ein höherer Berg schemenhaft zu erkennen, das scheint mir aber in Algerien zu liegen.

Colombo Express im AIS

Thalassa Patris im AIS auf dem Weg nach Piraeus

Atlantic Ocean, 400 m lang

10:00 Uhr, jetzt ärgern sie uns aber! Drei Frachter, u.a. „Thalassa Patris“ sind auf Kollisionskurs um uns herum, Volker weicht ihnen aus, denn wir fahren unter Motor. Als diese Kolosse alle vorbei sind, rollen wir die Genua aus und segeln, bis Bizerte durch.

Colombo auf dem Weg nach Rotterdam

Thalassa in Realitüt

Atlantic Ocean, voller Container

Haben wir uns in den vergangenen Tagen über zu wenig Wind beklagt, wird es jetzt fast ein bisschen zu viel. Unser Windmesser zeigt zwar nur maximal 16 Knoten an, aber wir wissen genau, dass das hier eher 20 – 22 Knoten sind als 14 – 15. Den Windmesser müssen wir genauso mal kalibrieren wie die Logge, nachdem das Unterwasserschiff gemacht ist, denn die zeigt für die in der Routenplanung festgelegten 476 Seemeilen am Ende nur 252,74 Meilen. Das kann ja gar nicht stimmen! Aber wir haben natürlich die Logge auch erst am zweiten Tag wieder in Betrieb genommen, also kann es prinzipiell doch stimmen. Auf jeden Fall werden wir es überprüfen.

Vorbereitet für Tunesien

Volker steuert mit der Pinne, das ist bei so einem Wind und einem Amwindkurs richtig Arbeit. Nach einem Telefonat mit dem Hafenmeister, Monsieur Chamari ist klar, dass sie uns dort erwarten, wir brauche  noch nicht einmal vorher übers VHF zu rufen, sie sehen schon, wenn wir ankommen. Die tunesische Coastguard hat uns über Kanal 16 gerufen, zufällig war ich am Naviplatz, und überprüfe, welches Segelboot sie wohl meint, denn sie ruft nach einem Segelboot auf unserer Position. Also melde ich mich, gebe Bootsnamen, Länge, etc. an, Nationalitäten, und dass die Marina Bizerte uns erwartet.

Bizerte – Vorort

Tatsächlich steht der Hafenmeister schon am Kai, als wir in den Hafen einfahren und dirigiert uns zu unserem Liegeplatz, wo wir bald gut vertäut fest liegen. Wie gehabt, kommen sofort Zoll und Polizei an Bord, wir füllen die Papiere aus, Volker biete dem Polizisten ein Wasser an, aber der lehnt entrüstet ab: „On est au mois de Ramadan!“, okay, sorry, stimmt ja. Aber am Samstag Abend ist Ramadan vorbei, Sonntag und Montag herrscht hier wohl der Ausnahmezustand. Auch abends sei es voller Menschen in der Stadt, sagt der freundliche Zollbeamte, da ist richtig Fest. Nun, wir sind erst einmal froh, es sicher und gut bis hierher geschafft zu haben, es war eine schöne Überfahrt, mit Wind am Anfang und Ende, und ein bisschen zu viel Motorfahrt, aber insgesamt fanden wir sie sehr harmonisch und wenig anstrengend.

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Vor Sardinien

Jetzt haben wir wieder Netz, hier die Fortsetzung unseres Logbuchs vom Samstag, 17. Juni:

Um 08.00 Uhr hat der versprochene Wind gefrühstückt und bläst die Backen auf, wir haben, diesmal rechtzeitig, gerefft, das Groß im 2. Reff und zwei Umdrehungen in der Genua. Manchmal surft die Hexe, dann kommen wir sogar mit dieser Besegelung auf über neun Knoten Geschwindigkeit.

Die französische Marine grüßt die Hexe

08:45 Uhr: Der Wind frischt weiter auf, 27 Knoten werden leicht erreicht, wir drehen die Genua noch ein Stück weg, ich hab schon die 16,3 Knoten Geschwindigkeit über Grund auf der Anzeige gesehen.

Leider geht es mir heute nicht so gut, entweder habe ich irgendein Essen nicht vertragen, oder ein kleiner Magen-Darm-Virus hat sich eingeschlichen, seekrank bin ich ganz sicher nicht. Aber der Blick von der Toilette in unserem Bad über die sich auftürmenden Wellen ist richtig gut, manchmal kommt sogar eine bis ran und spült die Fensterscheiben. Ich leg mich einfach hin, Volker übernimmt das Segeln, refft die Genua wieder aus.

Eine Libelle zu Besuch, über 100 Meilen von der Küste entfernt

Um 11:45 Uhr möchte Volker auch das Groß ausreffen, als wir in den Wind drehen, sehe ich allerdings, dass der Windanzeiger plötzlich über 20 Knoten anzeigt, warum stimmt das nicht mit dem wahrem Wind überein? Das Problem hatten wir auf der alten Hexe schon mal, da waren die kleinen Paddelrädchen der Logge bewachsen und drehten sich daher nicht mehr. Dadurch wird die Geschwindigkeit durch das Wasser nicht mehr ermittelt und durch diese fehlende Information zeigt das System eine falsche Windgeschwindigkeit an. Wir segeln zunächst so weiter, mit der Genua im Schmetterling, und reffen um 13.00 Uhr dann doch aus.

Vorhin war einmal ein einzelner Delfin bei uns, spielte zwei Minuten und verschwand wieder. Ebenfalls verschwunden ist leider unsere Backbord Achterleine. Die hat Neptun sich mit einer Welle aus der Tasche geholt, Frechheit!

Sonnenbad auf dem Trampolin

14:00 Uhr: Nach dem Mittagessen (nur für Volker heute) macht er es sich auf dem Trampolin bequem. Und dann kommen die Delfine, vier an der Zahl, sie tanzen in Zweierformationen zwischen den Rümpfen, umspielen den einen Rumpf, dann den anderen, machen elegante, manchmal auch sehr tolpatschige Sprünge, besonders, wenn sie versuchen, sich in der Luft zu drehen, endet das oft in einem Bauchplatscher. Schnell können sie durchs Wasser gleiten, 7 – 8 Knoten Geschwindigkeit sind gerade gut, und dann kreuzen sie noch vor den Rümpfen hin und her. Fast eine Stunde sind sie bei uns geblieben.

18:30 Uhr, Baro 1009, sonnig, Wind NW um 10 Knoten. Der Wind hat weiter nachgelassen, wir setzen den Genaker, machen aber leider nur noch 4,5 Knoten über Grund. Dafür sind seit heute Nachmittag die Wellen kleiner geworden, nix schlägt mehr innen an den Rumpf. Nur Volker ist pessimistisch: „Spätestens ab Sonnenuntergang lässt hier der Wind komplett nach, das wird bestimmt eine Motornacht!“

Sonnenuntergang

Unsere Vermutung bezüglich des Windes bewahrheitet sich leider, pünktlich zum Sonnenuntergang geht dem Wind die Puste aus. Der Motor muss ran. Ringsherum ist pottenschwarze Nacht und ein sensationeller Sternenhimmel zieht auf, atemberaubend. Ich gehe schlafen, überprüfe vorher noch, dass die AIS-Alarme eingeschaltet sind.

23:30 Uhr, Baro 1010, Wachwechsel. Ich verstelle die Helligkeit der Digitalanzeigen an den Steuerständen. Beim Autopilot macht man das mit der Taste, die ihn auch auf Standby schaltet. Anschließend überprüfe ich, dass der eingestellte Kurs noch stimmt, übersehe dabei aber leider, dass der Autopilot ausgeschaltet ist. Zehn Minuten später zeigt der Windmesser gut segelbare 9 bis 10 Knoten Wind, mit einem Windeinfallswinkel von 70° Grad, ideal! Ich wecke Volker, jetzt ist der Wind auf 14 Knoten. Der Skipper kommt willig aus den Federn, steckt die Nase in den Wind, schaut auf dem Kompass und wundert sich, warum wir wieder nach Frankreich zurücksegeln.  Oje, dumm gelaufen!

Da es mit dem Segeln dann doch nichts ist, geht er, genau so schnell wie er rausgekommen ist, zurück in die Federn, steht aber um 01:00 Uhr schon wieder auf der Matte. Bettgehzeit für die Capitania.

Um 03:00 wache ich ganz schuldbewusst auf, weil ich denke, es würde schon gleich hell werden und ich hätte viel zu lange geschlafen. „Nein, nein“, beruhigt Volker mich, „alles o.k.“.

Volker kann noch ‘ne Mütze voll Schlaf vertragen und heuert vom Kommandostand ab – ich übernehme die Wache. Überprüfe zunächst mal im AIS, dass sich keine feindlichen Schiffe nähern, schalte ich kurz das Radar ein, falls hier kleinere Boote ohne AIS herumschippern sollten, aber alles ist ruhig. Der Passagierdampfer „Sovereign“ wird erst in zweieinhalb Stunden in über 17 Seemeilen Entfernung unseren Weg kreuzen. Den werden wir noch nicht mal sehen. Auch beim Rundumblick von der Brücke ist alles klar, es gibt fast keine Welle, und die mittlerweile aufgegangene Mondsichel spiegelt ihr Licht im glatten Wasser, weiterhin Motorfahrt.

05:25 Uhr: Genau um diese Zeit entdecke ich ein ein AIS-Signal von einem 18 Meter langen und 6 Meter breiten französischen Schiff auf dem Bildschirm, das den seltsam anmutenden Namen „AD 5 Solosailor“ trägt.  In der aufkommenden Morgenröte kann ich nur ein großes Segel ausmachen, das Schiff ist über drei Seemeilen entfernt und fährt weiter in Luv, wie wir unter Maschine.

Sonntag, 18. Juni 2017, Baro 1010, sonnig, Wind NO um sieben Knoten, auf See

Der Segelkollege AD 5 Solo Sailor

Die Regattayacht Imoca 60

06:30 Uhr: Der Skipper ist aufgewacht, wir haben Halbwind, 6-8 Knoten, versuchen mit dem Gennaker zu segeln, mal sehen, wie lange die Brise anhält. Die französische Yacht hat jetzt ebenfalls den Genaker gesetzt und segelt seitlich versetzt hinter uns her. Der Skipper nimmt das Fernglas in die Hand und bestätigt mir seine vorangegangenen Vermutungen, dass es sich um eine Imoca 60 Regattayacht, handelt, mit der Segelhelden, u.a. solo und non-stopp um die Erde segeln. So ein Schiff sieht man nicht alle Tage, beinahe zwei Stunden können wir, mit optimal getrimmten Segeln, die französische Konkurrentin hinter uns halten. Die ändert dann die Richtung und rauscht mit Südkurs davon.

09:30 Uhr: Der Windeinfallswinkel wird zu spitz, obwohl wir mit dem Genaker schön Fahrt machen, wird der Kurs zu ungünstig, wir nehmen in weg und rollen die Genua aus. Hoch am Wind geht es weiter.

Frühstückstisch, gedeckt

10:15 Uhr, jetzt soll es Frühstück geben, aber der Skipper beschließt, vorher noch die festsitzende  Logge zu ziehen, damit wir wieder wahre Windgeschwindigkeit und -einfallswinkel sehen können. Das Ganze ist immer ein bißchen tricky, denn in dem Moment, in dem man die Logge samt Paddelrädchen aus dem Gehäuse rauszieht, hat man ein kreisrundes Loch im Bootsrumpf, aus dem fontäneartig Salzwasser ins Schiffsinnere spritzt. Man muss dann blitzartig den Blindstopfen als Ersatz in das Loch stecken und festschrauben, damit das Schiff nicht geflutet wird. Das Paddelrädchen ist schnell von Muschelbewuchs und Dreck befreit, und alles geht den umgekehrten Weg. Also Blindstopfen raus und flugs die Logge wieder reingesteckt. Anschließend sind ca. zwei Liter eingedrungenes Salzwasser aus der Bilge zu lenzen.. Leider tröpfelt es noch nach, der Skipper flucht, die Dichtung hat sich verkantet – Problem erkannt – Problem gebannt. Danach sind wir hungrig und bereiten einen reich gedeckten Frühstückstisch im Cockpit vor.

12:00 Uhr, Baro fest auf 1010, 14 Knoten Wind, Amwindkurs, glatte See, das ist segeln vom Feinsten. Dabei lacht die Sonne vom Himmel, rundherum sind keine Boote zu sehen, im Moment auch keine Frachter, nur einen Schwertfisch und einen Mantarochen hat Volker aus dem Wasser springen sehen.

14:00 Uhr: Der Wind dreht auf Südost und wird immer schwächer, wir rollen die Genua weg und machen den Motor an, denn mit drei Knoten Speed und das in die falsche Richtung, kommen wir ja nie an.

18:00 Uhr, wir motoren immer noch, es sind zwei Knoten Wind. Tatsächlich ist gerade mal ein Frachter zu sehen, die „Oriental Jasmine“, die in anderthalb Seemeilen passiert mit Kurs nach Marseille. Ansonsten ist nichts los…

Der Genaker in der Abendsonne

19.00 Uhr, der Motor geht aus. Der Gennaker zieht uns bei wenig Wind langsam durch das aufgewühlte Mittelmeer. Die hohen Dünungswellen passen so gar nicht zur leichten Brise. Das Segelvergnügen ist nur von kurzer Dauer und um

21.30 Uhr geht der Volvo Penta Motor wieder an, gut, dass wir vor der Fahrt die Dieseltanks gefüllt haben.

Volker hat heute mittag so viele Frikadellen und die Rillettes und Kekse gegessen, dass ich mir mein Abendessen alleine mache, aus den Resten von gestern und Pilzen und Zwiebeln gibt es eine leckere Gemüsepfanne, das wäre sowieso nichts für den Skipper gewesen.

Sonnenuntergang

Während ich schlafe, versucht Volker es mal wieder mit segeln,  aber bei Windgeschwindigkeiten um fünf Knoten genau von hinten geben wir auf, bergen Genua und Großsegel, und motoren durch die Nacht.

01:30 Uhr, Baro gestiegen auf 1013, wieder ist es eine über dem Wasser sehr dunkle Nacht. Dank meiner Sternenapp kann ich mich am Himmel orientieren, Milchstraße, den großen Bär und Kassiopeia hätte ich auch so erkannt, aber Waage und Schlangenträger an Steuerbord, und Andromeda und Pegasus an Backbord neben der Kassiopeia habe ich dank der App kennengelernt. Ab und an flutscht mal eine Qualle phosphoreszierend unter den Rümpfen heraus, falls man tagsüber mal an ein kühles Bad gedacht hätte, sollte man zumindest gut Ausschau halten, in der Nacht sehen die Dinger ganz schön groß aus.

03:10 Uhr, im Osten geht der sichelförmige goldgelbe Mond auf, ab jetzt wird der viertelstündliche Rundumblick leichter, wenn der Mondenschein das Wasser erhellt. Allerdings schiebt sich von unten gerade ein Wolkenband darüber, hoffentlich macht mir das keinen Strich durch die Rechnung. Die Nacht ist angenehm warm, aber wie alle Nächte im Süden, unglaublich feucht, dEck und Brücke sind nass, leider auch die Sitzbänke an den Steuerstellen, sodass man doch eher drinnen sitzt. Der Passagierdampfer „Mediterranée“ zieht hell erleuchtet an Backbord vorbei

05:00 Uhr Wachwechsel, der Skipper ist aufgewacht und schickt mich zu Bett.

Montag, 19. Juni 2017, Baro 1015, leicht bewölkt, Wind variabel, auf See

Mit der Windsteuerung klappt das wunderbar

07:00 Uhr: Während ich noch in der Steuerbordkabine liege, geht der Steuerbordmotor an, Zeichen, dass ein Manöver geplant ist. Ich hüpfe aus dem Bett, richtig, Volker ist gerade dabei, das Großsegel zu setzen. Auch die Genua wird ausgerollt, und dann geht er zu Bett. Aber nicht, ohne dass er von unten, auf der Seite liegend, mit geschlossenen Augen, ab und zu Anweisungen ruft: „Abfalllle!“, „Drei Grad anluven“. Um ihm und mir das in der nächsten Stunde zu ersparen, stelle ich den Autopilot auf Windsteuerung, und siehe da, der Genaker steht hervorragend ruhig und aus der Kabine kommen auch keine Kommentare mehr. Man muss nur ab und zu aufpassen, dass der Kurs-über-Grund nicht zu weit verändert wird, dann fährt man mit der Windsteuerung auf langen Strecken einfach perfekt.

Unbekannte Wesen?

Es ist leicht bewölkt, aber der Wind scheint sich bei ca. zehn Knoten zu stabilisieren, ideale Bedingungen. Ich bereite schon mal alle Geräte darauf vor, möglichst schnell ins hoffentlich starke (Inter-)Netz zu kommen, wenn wir in der Nähe von Sardinien sind, damit wir Mails, SMS und Wetterberichte bekommen, Nachrichten von daheim, und dank der Wetterberichte entscheiden können, ob wir in Carloforte bleiben, weil kein Wind ist, oder ob wir weiter segeln nach Bizerte. Wie es aussieht, ist heute Nacht der Wind günstiger als in den nächsten Tagen, also geht es weiter, und wir verabschieden uns in zwei Stunden wieder aus dem Netz. In Bizerte können wir im extra eingerichteten Besprechungsraum extensiv surfen, dann folgt auch der Rest des Logbuchs.

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Auf Testfahrt übers weite Meer

Samstag, 17. Juni 2017, Baro 1004, sonnig, warm, Wind NW zunächst noch leicht

Sonnenaufgang über LGM

Um fünf Uhr weckt mich Volker, jetzt wollen wir endlich ablegen. Nach den arbeitsreichen Tagen der letzten zwei Wochen haben wir jetzt zwei Wochen frei, bevor wir uns am 3. Juli in Canet-en-Roussillon einfinden müssen, damit dort die Hexe aus dem Wasser kommt. Es sollen zwei neue Lagen schwarzes Antifouling gestrichen werden, weil sich das graue, das wir bisher drauf hatten, unerwarteterweise viel zu schnell mit Bewuchs zugesetzt hatte. Außerdem soll dort das Mastproblem gelöst werden, aber bis dahin machen wir eine erweiterte Probefahrt. Ziel ist noch einmal Bizerte in Tunesien, das hat uns so gut gefallen, und es gibt noch viel anzuschauen. Auf dem Weg können wir alle Systeme an Bord ausprobieren und hoffentlich keine Fehler mehr finden.

Entfernung bis Südsardinien: 320 Seemeilen!

Im Moment ist der versprochene Wind offensichtlich noch im Bettchen, im Löwengolf sind für heute 5 – 6 Windstärken angekündigt, hier sind 1 – 2. Aber das kommt sicher noch, Volker will Wind! Die erste Stunde sind wir motort, jetzt ab der Espiguette-Boje, segeln wir mit leichtem raumen Wind und über sechs Knoten Fahrt. Volkers Schrubb-Aktion mit dem Dinghi an unserem bewachsenen Unterwasserschiff hat sich gelohnt!

Nach der Hitze gestern: Der Skipper mit Mütze

Wir werden bald das Telefonnetz verlieren, weitere Berichte kommen erst wieder ab Sardinien. Wir wünschen ein schönes sonniges Sommerwochenende!

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