La Revellata, der Leuchtturm vor Calvi, und tschüss!
Pünktlich um 12 Uhr fing es an, in die Bucht von Calvi hinein zu wehen, wir gehen Ankerauf, Segel hoch und machen uns auf den Weg nach Porquerolles, auf jeden Fall an die französische Küste. Im Moment rollt die Hexe ganz schön in den Wellen, die See hat Schaumkrönchen, der Wind kommt aus guten 120° mit 16 – 18 Knoten, wir segeln beständig über neun Knoten schnell. Morgen nach der Ankunft gibt es dann ein Update, wo wir wann gelandet sind.
Wie immer habe ich, sobald die Augen aufgeschlagen und der Kopf aufnahmefähig ist, nach dem Wetterbericht geschaut. Und das sieht trübe aus für Capraia, ab heute Abend regnet es die ganze Zeit bis Freitag Vormittag. Ich schaue mal die anderen Möglichkeiten an, in St. Florent, Calvi, Cannes regnet es zwar auch, aber nicht ununterbrochen, sondern ab und zu.Also studiere ich sämtliche Windprognosen, Windfinder, Weathertrack und vor allem Predict Wind. Sie alle sagen südöstliche Winde voraus, die Windgeschwindigkeiten liegen zwischen 12 und 18 Knoten. Ich schlage Volker also vor, heute nach St. Florent zu fahren, mit schönem achterlichen Wind, noch ohne Regen und Gewitter, und dann dort im Hafen oder vor Anker den Donnerstag abzuwettern. Er ist zwar nicht begeistert, willigt aber ein.
Um zehn Uhr legen wir ab, im Hafen ist von Wind kaum etwas zu spüren, aber bereits draußen beim Segelsetzen frischt der Wind auf lockere 14 Knoten auf, und Volker bindet vorsorglich Reff 1 ins Großsegel. Das war eine gute Idee, denn kaum waren wir an der Nordspitze der Insel, wurden aus den 14 schnell 18 Knoten und mehr.
Böenwalze
Im Canal de Corse kommt es dann aber noch dicker. Fette Gewitterwolken hängen über dem Wasser, wir setzen Reff 2 ins Großsegel, ehe die Front kommt, die Genua ist verkleinert, ich sitze am Radar und beobachte die Geschwindigkeit der Gewitterzellen. Eine geht direkt über uns hinweg, und es schüttet wie aus Eimern. Man sieht die Böenwalze herankommen. Eine andere Gewitterzelle bleibt glücklicherweise hinter uns.
Die Spitzengeschwindigkeit betrug 13,8 Knoten!
Hinter Cap Corse hätten wir bei dem dort herrschenden Wind eine Kreuz von zwanzig Meilen bis St. Florent. Darauf hat aber keiner von uns Lust, am wenigsten wohl der Hund, der ist verschnupft, weil er nicht ins Trampolin zum Spielen darf. Und der Wind nimmt zu und zu, und die Wellen werden immer höher und kommen immer schneller, in der Spitze hatten wir über 31 Knoten Wind. Dann laufen wir doch lieber ab nach Calvi. Ich setze die Route neu auf, wundere mich ein bisschen, dass es 216° sind und nur noch 27 Meilen, aber das ist ja schön.
Das Wasser tobt
Die Wellen sind echt unangenehm, ich schließe alle Schubladen mit dem kleinen Verschlusskopf, das brauchen wir sonst nie, und die Schiebetür zum Eignerbereich macht sich hin und wieder selbständig. Die Orchidee steht an einem gesicherten Platz, der Outremer-Pokal ist umgelegt, und der Wassersprudler ist im Schapp versorgt.
Glücklicherweise habe ich routinemäßig nach dem Ablegen alle Fenster gecheckt, da war doch tatsächlich ein kleines Fenster in der Gästetoilette offen, das wäre sonst bitter gewesen, weil irgendwann das Salzwasser in die Bilge und in die Flure kommt, und man den ganzen Rumpf auswaschen muss…
Der Wind geht schlafen und Samy darf ins Netz
Fünf Meilen vor dem Ziel betrachten wir die Bucht, um zu überlegen, wo man da bei welchen Windrichtungen am besten ankert, als Volker plötzlich zu mir sagt: „Das ist die Bucht von Ile Rousse, nicht Calvi!“ Oh nein! Da habe ich die falsche Bucht als Ziel eingegeben, und mich noch gewundert, warum der Kurs nicht ganz stimmt, und die Entfernung kürzer ist! Wenn man schon Zweifel hat, muss man das überprüfen, oh je oh je!
Sofort setze ich den neuen Kurs auf Calvi ab, und siehe da, es sind genau die erwarteten 230°, nicht 216°, und es sind einfach gut zehn Meilen mehr. Tut mir jetzt sehr Leid für Samy, nächstes Mal hinterfrage ich es, wenn ein Wegepunkt nicht zu passen scheint.
Von Land aus sieht man die Hexe friedlich am Ankerplatz schwojen
Ab diesem Zeitpunkt ging auch der Wind schlafen und drehte auf genau von vorne, sodass wir motoren mussten. um 17:10 fiel der Anker vor Calvi, wir haben uns umgezogen, das Beiboot klargemacht, den Hund spazieren geführt. Er hat es uns (oder mir) nicht übel genommen. Danke Samy!
Als wir heute Morgen relativ früh abgelegt haben, gab es einen Plan, heute nach Livorno zu motoren, weil leider wieder mal kein Wind weht, und morgen mit leichtem Ostwind die 40 Seemeilen nach Porto Venere vor La Spezia zu segeln. Doch anfänglich gab es Nordwind mit zehn Knoten, da mussten wir ganz schnell das Segel setzen, als er ein bisschen auf Nordost drehte… und plötzlich nur noch mit zwei Knoten wehte, als das Großsegel oben war.
Nach einer Stunde Motorfahrt kommt allerdings der Skipper und mault, dass er nicht so lange motoren will, und außerdem zeigte die Vorhersage für die italienischen Küstengebiete immer weniger Wind an, sodass die Gefahr von weiteren „Motorboot-Tagen“ herrschte. Auf solche Diskussionen habe ich ja überhaupt keine Lust, weil ich dann immer am fehlenden Wind Schuld bin, und kann doch leider gar nichts dafür. Wenn es nach mir ginge, hätten wir beständig zwölf bis vierzehn Knoten Wind aus 150 Grad, egal ob von Backbord oder von Steuerbord.
Also schlage ich vor, doch einfach den Kurs zu ändern und die kleine Insel Capraia anzusteuern, dann lassen wir eben die italienische Küste aus, lernen eine neue Insel kennen, und segeln in ein paar Tagen, hoffentlich mit Wind, nach Nizza oder Cannes. So machen wir das.
Capraia in Sicht!
Tatsächlich sind wir alle 26 Meilen unter Motor gefahren, der Wind kam aus wechselnden Richtungen mit einem bis viereinhalb Knoten, zehn Minuten lang durfte die Genua mit ziehen, aber dann war auch dieser Hauch vorbei. In Capraia angekommen, haben wir uns zunächst vor Anker gelegt, beim ersten Versuch hielt der Anker schlecht, beim zweiten Mal war es in Ordnung, aber hier ist viel Posidonia, und der Anker gräbt sich nicht richtig im Sand ein. Nach einem kleinen Erkundungsgang im Ort beschließt Volker plötzlich, dass wir doch besser im Hafen aufgehoben sind, zumal inzwischen noch ein Segler gekommen ist und sich sehr in unsere Nähe gelegt hat. Die Marina ist auch halbleer, ich telefoniere kurz mit dem Hafenbüro, klar können wir kommen, der Preis ist in Ordnung, nicht so günstig wie in Piombino, aber wir sind ja schließlich auch auf einer Insel hier.
Als ich nach dem Anlegen zum Marinabüro gehe, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Ich war hier schon einmal! Vor ein paar Jahren, als ich bei Sabines Mädelstörn mitfahren durfte, haben wir genau hier angelegt, Fritzi ist in die Farmacia gegangen wegen ihres Quallenbisses, und abends sind wir auf den Hügel gestiegen, um dort vorzüglich zu essen. Also keine neue Insel für mich, aber für Volker und Samy. Und morgen werden wir sie erkunden!
Nun sind Larissa und Johannes schon den zweiten Tag an Bord, Nana hat sich gut eingelebt, sie liebt das Beiboot, denn das bringt sie zum Strand und zum Spazieren gehen.
Mit gutem Wind sind wir am Samstag von Piombino gestartet. Kaum waren die beiden nach vielen Staus endlich angekommen, habe ich mir beide Hunde geschnappt und sie Gassi geführt, während die anderen das Gepäck und die mitgebrachten Waren verstaut haben. Ja, unser Funkgerät ist mitgekommen, das bauen wir nachher ein, und probieren es aus; außerdem ganz viel Hundefutter für unseren schneubischen Esser, der mag nämlich nicht alle Sorten Trocken- oder Feuchtfutter; und – hurra – das SUP, das Stand-Up-Paddle-Board.
Noch vor dem Dunkelwerden fiel der Anker in der Bucht von Lacona, wir konnten zum Essen zum Italiener gehen, nicht so schwierig in Italien… Dort gab es lecker Pizza, Spaghetti alle Vongole verace und Cotoletta für Volker, wir waren so satt, dass nicht einmal eine Kugel Eis noch reinpassen wollte.
Erste Versuche auf dem SUP
Am nächsten Morgen sind wir früh zum Strand, es gab Markt auf dem kleinen Platz, und dann kam das Paddelboard dran. Alle haben sich mal dran versucht, die meisten mehr, ich weniger erfolgreich, aber auf Knien kann ich weit damit fahren. Das Video von Volkers Windsurfs ist online, und kann hier angeschaut werden.
Johannes hat seine neue Ganz-Gesichts-Tauchermaske ausprobiert, mit aufgeschnallter GoPro, so richtig begeistert war er noch nicht von dem Resultat, weil die Kamera natürlich einen anderen Ausschnitt nimmt als die Augen. Aber er arbeitet daran. Nachmittags wollten wir weiter nach Marciana Marina, leider mit nicht so viel Wind, sodass der Motor längere Zeit mitschieben musste.
Hinreißende Buchten…
Elba sieht ja wie ein Walfisch aus, mit einer mächtigen Schwanzflosse am östlichen Ende, bei Porto Azzurro, dem Bauch mit der Lacona Bucht und dem Kopf, der nach Westen zeigt. Und an diesem Kopf sind wir vorbei gesegelt, es gibt dort hinreißende kleine Orte, Sand- und Kieselstrände und wunderschöne kleine Buchten, in denen man tagsüber ganz gut und sicher ankern kann.
Um halb fünf fiel der Anker vor Marciana Marina, einem unserer Lieblingsorte auf Elba, mit den Hunden erkunden wir anschließend ein bisschen die Strandpromenade, lassen uns in einem Geschäft zum Kauf einer Flasche „Meloncino“ verführen, das ist ein Limoncello aus Melone.
Der Himmel kündigt den Wetterumschwung an
Nach einer ruhigen Nacht fängt es am Morgen an zu wehen, gleichzeitig wird das Meer unruhig, irgendwo muss es schon richtig viel Wind geben, die Hexe schaukelt und schaukelt. Auch als Larissa und ich in das Dinghy steigen für den Morgenspaziergang mit den Hunden, ist das eine ganz schön wackelige Angelegenheit. Wir kaufen Brot und leckeres Obst bei dem kleinen Gemüsestand, dann fahren wir zurück zur Hexe. Hier ist das Aussteigen auch eine Herausforderung, aber Taschen, Hunde und Menschen kommen trocken an Bord.
Bald darauf haben wir den welligen Platz verlassen und sind sieben Seemeilen bis Portoferraio– motort, denn die Wellen sind zwar schon da, nur der Wind lässt noch auf sich warten. Um 12:00 Uhr sind die Leinen fest in Portoferraio.
Der Seegang hat uns immer wieder mal wach gehalten in der Nacht zum Montag, es hat gegluckert und geschaukelt, wenn die Wellen mit dem Südwind direkt in die Bucht gelaufen sind. Seit heute Morgen lässt der Wind nach und wechselt beständig die Richtungen. Die Hexe fährt Karussell mit uns, aber der Anker scheint das mitzumachen.
Mittags waren wir schön mit Samy spazieren, der Südwind hatte sich gelegt, und der Seegang war schwächer geworden. Noch war der angekündigte Wind aus Nordost nicht so stark, die ersten Böen kamen um 17 Uhr, hielten sich aber in Grenzen.
Handy in Reis
Nach einem kurzen erfrischenden Bad sitze ich gerade mit eingeseiften Haaren auf den hinteren Stufen, da höre ich einen Volker-Schrei: „Nein, das ist jetzt nicht wahr!!!“ Das Iphone war ihm aus der Hand geglitten, auf dem Steuermannstuhl aufgeschlagen und, platsch, ins Wasser gehopst. Ins Meerwasser, versteht sich. Wasser mögen unsere elektronischen Freunde ja schon nicht so gerne, aber Salzwasser ist so etwas ähnliches wie ein Todesurteil.
Nach kurzen Schrecksekunden springt Volker ins Wasser, um das Handy hochzutauchen, vielleicht können wir ja wenigstens die Sim-Card retten. Er findet es auch beim ersten freien Tauchgang, ich spüle es unter Süßwasser aus, dann hole ich die Sim-Card raus, spüle sie ebenfalls und trockne sie sorgfältig ab. Das Telefon trocknen wir so gut es geht von allen Seiten in der Sonne, dann kommt es in eine kleine Tupperdose mit Reis. Macwelt sagt, das kann helfen, muss aber nicht. Einen Versuch ist es allemal wert.Von einem früheren solchen Malheur haben wir noch ein älteres einfaches Nokia, das kommt eben mal schnell an den Ladestecker, die Sim-Card rein, telefonieren kann Volker wieder. Aber kein Whatsapp, und vor allem kein Spiegel-Online, wenn er nachts wach liegt, oder am Morgen oder auch am Tag oder Abend die Nachrichten studieren möchte, bitter bitter. Für die nächste Zeit weiß ich auf jeden Fall, wo ich nach meinen Telefon zuerst schaue, wenn ich es mal vermisse…!
Eine Böenwalze kommt
Am Abend fahren wir mit Samy zum Strand, man kann da auch im Dunkeln gut anlanden, muss nur ein Stückchen durchs Wasser waten, aber das ist ja noch warm. Ich sehe schon, wie Volker nervös während des Essens im dortigen Lokal immer wieder zu unserem Boot hinüber schaut. Irgendetwas scheint nicht in Ordnung, er will aber nicht so recht heraus damit, was ihm Sorge bereitet. Erst als wir uns auf den Rückweg zur Hexe machen, sage ich: „Der Segler hat sich aber nah an uns heran gelegt.“ „Ja, und genau deswegen fahren wir jetzt dorthin und scheuchen ihn weg!“, sagt Volker.
Gesagt, getan. Wir klopfen an das Boot, versuchen dem Mensch auf Englisch, Französisch und Italienisch klar zu machen, dass das überhaupt nicht geht, dass er über unserer Kette liegt, und er sich bitte woandershin legen soll. Er liege ganz sicher, habe 25 m Kette draußen und zwei Ankeralarme, er würde aufpassen. Aber Volker lässt nicht los, er solle sich doch einen anderen Platz suchen, hier seien zwei Kilometer Strand, da müsse man doch nicht bei vorhergesagtem Starkwind so nah bei einem anderen Boot ankern.
Das Gelbe sind die Schiffsbewegungen von heute Nacht
Wir fahren erbost zur Hexe zurück, aber der Einhandsegler macht keine Anstalten, den Anker zu lichten. Jetzt wird Volker richtig böse, ich erkenne das immer daran, wenn sich seine Stimme überschlägt und ganz heiser klingt. „Go away, go away…“ Schließlich holt der andere den Anker hoch, zuerst sieht es so aus, als habe er sich tatsächlich in unserer Kette verhakt, wir stehen schon bereit, einen Zusammenstoß abzumildern, dann fährt er mit Vollgas an uns vorbei und ankert schließlich weit draußen in der Bucht. Wahrscheinlich wollte er jetzt auch nur seine Ruhe haben.
Es sieht direkt gut aus!
Die Nacht zum Dienstag war in Ordnung, der Wind kaum über zwanzig Knoten, die Bucht von Lacona ist ideal gegen alle nördlichen Winde geschützt. Heute Morgen hat Volker das Windsurfbrett ausgepackt, auch hierfür ist die Bucht gut geeignet. Surfen scheint wie Radfahren oder Flöte spielen zu funktionieren: Wenn man es einmal gut kann, verlernt man es nicht mehr. Ich habe ein paar Szenen gefilmt, die stelle ich demnächst auf Youtube.
Idyllisch ist es in der Ankerbucht von Porto Azzurro
Am Mittwoch haben wir die Leinen losgemacht und uns – schon ein bisschen schweren Herzens, von Portoferraio verabschiedet. Unser nächstes Ziel hieß Porto Azzurro, das hatte ich noch aus unserem Mädelstörn in guter Erinnerung. Ein hübscher kleiner Ort. Natürlich hält der Wind nicht durch für die 16 Seemeilen, wir segeln ein bisschen, dann motoren wir wieder, und schließlich fällt der Anker in der gut geschützten Bucht von Porto Azzurro. Mit Samy machen wir uns bald auf, den kleinen Ort zu erkunden, es ist gerade 16 Uhr, da erwachen diese italienischen Touristenorte erst so langsam aus dem Mittagsschlaf.
Ganz untypisch – klare Formen ohne Gold und Putten
Aber die hübsche Kirche können wir besichtigen, und ein leckeres Eis gibt es auch. Nach dem Abendessen (Gegrillt, was sonst?) an Bord fahren wir erneut in den Ort, laufen mit Samy die Uferpromenade und am Hafen entlang. Volker sinniert, ob man das alte Gefängnis in dem Fort besichtigen kann, aber nein, das wird immer noch als solches genutzt, und somit nicht zur Besichtigung freigegeben.
Das Städtchen ist voller Restaurants und Bars, wirklich eins schöner als das andere, in einer Bar lassen wir uns auf einen Drink nieder und verfolgen die erst Halbzeit der Champions League als Konferenz von fast allen Spielen (nur Ajax und Hoffenheim waren nicht dabei) auf Großbildschirm.
Ein hübsches Örtchen mit schönem Hafen
Nach dem Tanken in der Marina von Porto Azzurro am Donnerstag, heute Morgen, segeln wir langsam aus der Bucht raus, um festzustellen, dass es doch wieder mal keinen Wind gibt. Volker ist sehr ungehalten über die seglerische Situation im Mittelmeer im allgemeinen und auf Elba im besonderen, und will nicht weiter nach Süden motoren, und wenn da noch so schöne Buchten warten, weil wir ja dann, wie er sagt, „den ganzen Rötel wieder zurück motoren müssen.“ Also machen wir einen Badestopp in der wunderschönen Bucht von Ortano, in der nur zwei Schlauchboote vor Anker liegen. Kaum haben wir jedoch ein Plätzchen gefunden, kommen weitere Segelboote und ein Motorboot, aber es ist ruhiges Wetter, da kann man bei Tag schon mal eng vor Anker liegen.
Die Bucht von Ortano, bezaubernd
Um 15 Uhr lichten wir denselben, ein leichter Wind hat aufgefrischt, und wir kreuzen vor dem Wind Richtung des nordöstlichen Endes von Elba. Der Ort Cavo hat es uns schon auf dem Hinweg angetan, aber da stehen so viele Bemerkungen in der Seekarte, dass dort ankern verboten ist, dass wir es uns nicht getraut haben. Jetzt liegen schon wieder einige Segler vor Anker, das können wir doch auch. Kaum haben wir uns genähert, fährt einer nach dem anderen weg, den letzten bekommen wir gerade noch zu fassen, ein kleines deutsches Segelboot, man beruhigt uns, ja hier könne man problemlos ankern.
Die beiden haben große Probleme mit ihrem Anker, und sobald wir fest liegen, fährt Volker mit dem Beiboot rüber, um den schon etwas älteren Herrschaften zu helfen. Das trägt ihm eine Einladung zum Freibier ein, die wir aber leider nicht wahrnehmen können, denn als Volker, wieder an Bord und warm geschafft, noch einmal ins Wasser springt und nach dem Anker taucht, sieht er, dass der mitnichten gegriffen hat, sondern lose auf dem Seegras liegt. Also wieder hoch mit dem Ding, zwei Stunden bleiben uns noch im Hellen, dann ankern wir halt noch einmal vor San Giovanni und können heute Abend erneut die hervorragende Küche des unscheinbaren Restaurants dort, „Pizzeria 2001“ genießen. Auch gut!
heißt es heute morgen, denn die Opferanoden für unsere Motor-Schrauben sind pünktlich – wie avisiert – angekommen, unglaublich! Dominique von Accastillage diffusion hat sich sehr bemüht, mehrfach mit Volvo telefoniert, und es hat wirklich geklappt.
Wir haben die zwei Tage in Bastia sehr genossen, sind ganz viel herumgelaufen, durch kleine Gassen, große Einkaufsstraßen, steile Wege nach oben auf die Festung, haben mindestens fünf Kirchen besucht, drei Kerzen angezündet. Mit Patrick und Annett haben wir am ersten Abend hervorragend am Vieux Port gegessen, gestern Abend einem französischem Sänger gelauscht, der offensichtlich mit Wortspielen arbeitete, oder mit lokalen Größen, jedenfalls haben wir die einzelnen Worte oft verstanden, nicht aber den Sinn dahinter, oder warum das Publikum lachte und es spontanen Applaus gab.
Pastis und Hexe – side by side
In der ersten Nacht kam um ca. 4 Uhr in der Früh ein kleiner Sturm auf, der unsere Boote gefährlich nah zum Ufer schob, wir haben die Motoren angemacht und die Moorings dichter geholt, um den Abstand zu den Steinen am Ufer zu vergrößern. Seitdem hangeln wir uns mit dem Beiboot zum Land, das geht auch gut, ohne Planke.
Jetzt sind wir auf dem Weg nach Elba, mal mit Genua hoch am Wind, mal mit Motor, mal mit Code D, alles auf flachem Wasser und im Sonnenschein. Am frühen Abend wollen wir in Marciana Marina ankommen, in der Bucht ankern, Patrick und Anett sind auch schon da, und die Vagabonda, eine HallbergRassy unter schweizer Flagge sind ebenfalls auf dem Weg dorthin.
Bilder von Bastia:
renovierte HäuserIst aber kein Trinkwasserda fehlt ein Eimer Farbemit BalkonDer große PlatzHafen mit erleuchteter Kirche
die Kanalisation ist frei gelegtdie Kanalisation ist frei gelegtTausch-Büchereischmale Gassender große FährhafenBlick auf den Hafenim Vieux PortSteinchen-KunstEin schöner Platz
Gestern war Sportprogramm angesagt, das fing schon morgens früh an. Ich bin mit Samy zur Marina gefahren, wir sind dort durch den Ort gestromert, haben uns an den Auslagen der Bäckerei erfreut, und auch über den kleinen Supermarkt, der von allem etwas hat, sodass der Urlauber zufrieden gestellt wird. Das kleine Seeräubernest ist in der ersten Reihe ein bisschen herausgeputzt, aber schon in der zweiten Reihe ist seit Jahrzehnten nichts mehr gemacht worden, die Hinterhöfe verfallen.
Ankerbucht mit Hexe (links) und Pastis (rechts) und vielen Einrumpfern
Als ich dann mit Samy wieder beim Beiboot war und den Motor anlassen wollte,spielte der nicht mit, er wollte trotz all meiner Anstrengungen nicht anspringen, also bin ich bis zum Ankerplatz zurück gerudert. Ich war natürlich nass geschwitzt und musste sofort eine große Runde schwimmen. Das Wasser ist so wunderbar, 26° und ganz klar. Nach dem Frühstück habe ich meine täglichen Rückenübungen absolviert, mittags sind wir mit Patricks Standup-Paddleboard zum Strand und haben das Stehen auf dem wackeligen Brett geübt, bis meine Beine Pudding waren, dann habe ich das Board kniend zur Pastis zurück gebracht. Am Nachmittag sind wir noch auf den Hügel gewandert, den Zöllnerpfad hinauf, und den noch steileren und engeren Schmugglerpfad hinunter. Und danach mussten wir natürlich noch einmal schwimmen, ehe wir uns mit Patrick und Annett zum Feierabendbier im Ort getroffen haben. Volles Programm eben.
Hier noch ein paar Bilder aus Macinaggio:
altes Gemäuer integriert in das neue CaféBougainvillea vor Efeudie erste Reihe in Macinaggiobunte FischernetzeDas Edel-LokalDie kleine Kirche
Das große Bett im Salon ist bereitet, und Samy freut sich auch schon drauf!
Seit 13:30 hat der Wind aufgefrischt, er bläst jetzt mit 15 – 16 Knoten, und wir segeln mit 7,5 – 8 Knoten Geschwindigkeit übers leere Meer.Bis zum Abend werden es noch mehr, 21 – 22 Knoten Wind. Vor dem Abendessen mit Nudeln, Schweinelendchen und Champignon-Trüffelrahmsauce wird gehalst und dabei wechseln wir vom Code D auf die ausgebaumte Genua, dann können wir näher an der Ideallinie segeln. Nach dem Abendessen folgen die üblichen Arbeiten wie Ablassen des Code D und Wegräumen, das Fall wieder aufschießen. Im Salon bereiten wir die Liegeweise vor, sodass wir während der Nächte hier ausruhen können. Volker geht noch einmal mit Samy „Gassi“, naja, also aufs Vorschiff, aber der Hund dreht sich zwar, es kommt jedoch noch nichts raus. Morgen früh geht das bestimmt.
Sonnenuntergang am 1. Abend
So wird der Alltag beim längeren Segeln von vielen Kleinigkeiten bestimmt, ich bin am ersten Tag immer ein bisschen „durch den Wind“. Ohne dass mir schlecht ist, habe ich doch keinen Hunger, und selbst zum Wassertrinken muss ich mich zwingen. Das liegt nicht an den Umständen, es war schönes Segeln heute, Wind von hinten, Sonnenschein bis zum Untergang um 20 Uhr. Jetzt ist es pottendunkel auf dem Wasser, man sieht die Lichter von Toulon, den großen Frachtern und den Fähren. Glücklicherweise sind wir so weit draußen, dass hier keine unbeleuchteten Fischerboote herum schippern, hoffen wir zumindest. Die ca. einen Meter hohen Wellen würden es für kleine Boote sehr unangenehm machen.
Bis Samstag, 8. September 2018, hält der Wind, teilweise sind wir nachts so schnell Surfs über zwölf Knoten sind keine Seltenheit. Doch leider weiß der Wind offensichtlich, dass er um kurz nach 02:00 Uhr einschlafen soll, er macht das auch, auf 6 – 8 Knoten. Wir haben aber noch keine Lust zu motoren, versuchen es mit dem Code D und einem etwas spitzeren Winkel, so machen wir immerhin vier Knoten Fahrt. Das hält nicht sehr lange, um 03:30 ist der Code D weggepackt und wir motoren.
Die Mondsichel war so fein, dass man sie nicht fotografieren konnte
Der Sternenhimmel ist phänomenal, da kein Mond scheint und dem Sternenlicht die Show stiehlt, kann man so viele Sterne sehen, wie sonst selten, einfach großartig!
Um 06:20 fängt es im Osten an zu dämmern, eine ganz dünne Mondsichel hängt über dem sich rötlich verfärbenden Horizont. Sehr schön!
Am Morgen wechseln wir häufig zwischen Motor, Genua und Code D, beim Frühstück um 10:30 dreht der Wind OSO, jetzt segeln wir zur Abwechslung mal wieder auf Backbordbug hoch am Wind bei acht Knoten mit der Genua.
Das war nur einer von mehr als fünfen…
Das geht gut bis 15:00 Uhr, danach ist muss der Motor mit schieben. Wir planen unseren Aufenthalt auf Elba, schauen nach Marinas und Ankerbuchten, zwischendurch stellt Volker mit Entsetzen fest, dass wieder Salzwasser in der Steuerbord-Motorbilge ist. Die ausgestoßenen Schimpfwörter lasse ich hier lieber weg…
Um 16:30 Uhr kommen drei Delfine vorbei, eigentlich haben sie offensichtlich einen anderen Job, aber für einen kurzen Höflichkeitsbesuch nehmen sie sich ein paar Minuten.
Jetzt gehen bei uns die Diskussionen los. Sollen wir nicht doch lieber in Ile Rousse ankern? Das wären 20 Seemeilen weniger als bis zur Bucht von Saint Florent im Norden Korsikas. Dann fahren wir morgen die 20 Meilen. So war der Plan. Jetzt meint Volker aber, dass Ile Rousse mit den vielen Felsen in der Dunkelheit ganz schön schwierig ist, und ob wir nicht doch besser nach Calvi fahren. Das kennen wir, da wissen wir, wo man ankern kann. Auf der anderen Seite wollen wir aber Annett und Patrick von der Pastis in Saint Florent treffen.
Sonnenuntergang am 2. Abend
Seit 18 Uhr können wir die Berge von Korsika sehen, und seit 19:30 Uhr haben wir Netz und können Informationen abseits unserer Seekarten einholen. Plan ist Stand jetzt, dass wir bis zur Bucht von St. Florent segeln, da werden wir so ca. um 02:00 Uhr ankommen, und dort den Anker werfen, dann haben wir morgen einen freien Tag, und können in Ruhe den Ort anschauen.
So haben wir es gemacht, um 01:00 Uhr ist der Anker gefallen.
Um 1030 Uhr waren wir fertig, nicht mit den Nerven, aber mit Einkäufen und dem Boot. Bei leichtem Wind verlassen wir La Grande Motte für eine längere Zeit – hoffentlich. Wir lassen den Wind unseren Kurs bestimmen, bis zu Boje „Espiguette“ müssen wir motoren, danach wird das Großsegel ausgerollt, der Code D gesetzt: Die Hexe segelt mal wieder.
Gestern Abend hat Mia von Splendid C’s zu einer Pot-Party eingeladen, jeder bringt einen Pot mit, sprich etwas zu essen, Gemüse oder Fleisch oder Vorspeisen oder Wein, und es wird ein wunderschöner Abend. Wir haben alles aufgegessen und getrunken und heute morgen fit, um die Leinen loszumachen.
Mal sehen, wie weit wir kommen, bis morgen Mittag soll es Wind geben, danach schläft er laut Vorhersage ein.