Autor: Hexymama

  • Fünfkommadrei

    Beautiful Gibraltar

    So viele Kilometer sind Samy und ich gestern Morgen gelaufen. Für elf Uhr hatte ich bei der hiesigen Filiale der größeren, in La Linéa angesiedelten Tierklinik einen Termin ausgemacht, um abzuklären, was es mit Samys offensichtlichen Ohrenschmerzen und dem Gekratze auf sich hat. Um halb zehn sind wir von Bord gegangen, mit einem kleinen Umweg zur Hauptstraße in der Fußgängerzone, beim Bäcker vorbei. Eigentlich wollte ich auch noch einen Café trinken, aber ich dachte, ich suche erstmal die richtige Adresse. Am Ende der Fußgängerzone hab ich bei der Tierklinik angerufen und nach der genauen Adresse gefragt, damit Tante Google mich hinführen kann. „Watergardens No. 6“ das sollte die Adresse sein. Also gebe ich das in Google Maps ein, dachte, ich sei zwei Minuten entfernt. „Pustekuchen“, sagt Tante Google, „Zeit zu laufen 16 Minuten.“ Oh, gut dass ich so früh war.

    Mit dem Handy in der Hand laufe ich weiter, das Problem hier ist, dass an den zahlreichen Roundabouts, Kreiseln, es keine Fußgängerübergänge gibt, sie sind mit Gittern, gefühlt kilometerweit, abgesperrt. Es wird immer später, aber als ich angeblich kurz vor dem Ziel bin, beschleichen mich Zweifel, und ich frage einen Mann auf seiner Vespa. „Oh no“, sagt der, da müsse ich die Straße dort zurückgehen, dann nach rechts, bis ich zu einem Denkmal komme, mit einem Mann und einer Frau, dort nach rechts, und da sei es dann. Okay, schnell ziehe ich Samy weiter, denn mittlerweile ist es kurz vor elf. Auf dem Weg treffe ich noch eine Frau mit Hund, die mir bestätigt, dass dies prinzipiell die richtige Richtung ist. Und ein weiterer freundlich Mann erklärt mir, da vorne müsse ich rechts, und dann käme ich zu Water Gardens. Leider ist auf der rechten Straßenseite der Fußgängerweg gesperrt und wir müssen wieder eine Umleitung gehen. Direkte Strecke wären es 1,7 km gewesen, nach 3,7 km waren wir am richtigen Ort.

    Eine junge sehr freundliche spanische Tierärztin hat Samy untersucht (der ist ein echter spanischer Feigling), unglaublich, er musste am Ende einen Maulkorb bekommen, damit sie mit dem Wattestäbchen einen Abstrich aus seinem Ohr nehmen konnte, so hat er sich angestellt.

    Nun hoffen wir, dass die Medizin hilft, einen weiteren Abstrich hat die Ärztin eingesandt und will mir telefonisch Bescheid geben, was eventuell noch zu machen ist. Dann sind wir die 1,7 Kilometer zurück gelaufen, diesmal aber auf direktem Weg.

    Sunset Beer

    Gestern Abend haben wir uns lang Entbehrtes gegönnt, und waren gleich in zwei englischen Pubs. Im Trafalgar haben wir das Sunset Bier direkt am Kreisel genossen, dann sind wir ein bisschen in die Fußgängerzone gelaufen, und fanden „The Angry Friar“, dort durften wir sogar mit Samy hinein, erst an die Bar, dann an einen kleinen Tisch für ein echtes englisches Pub Meal. Chicken Curry für mich and Würstchen mit mashed potatoes für Volker, das musste sein.

    Ein echtes englisches Pub

    Die Atmosphäre war großartig, zuerst haben wir uns mit den drei Herren auf Kurzurlaub von der Insel am Nebentisch unterhalten, später mit drei Damen, nachdem die Herren gegangen waren. Alle waren gegen den Brexit und voller Spannung wurde die Abstimmung im Parlament verfolgt. Als es beim ersten Ergebnis nur vier Stimmen Unterschied gab, war man hier im Pub sehr erstaunt, und erleichtert, als die zweite Abstimmung ein deutlicheres Ergebnis brachte. Die „Gibraltar-Engländer“ würden auf jeden Fall lieber in der EU verbleiben, mal sehen, wie es weiter geht, der Zeitdruck ist jedenfalls erst einmal kleiner geworden.

  • Gegenstrom

    Sonntag, 10. März 2019, Baro 1028, sonnig, Wind SW 2 – 3, auf See

    In der Bucht von Gibraltar ist was los!

    Erst um 10:50 hat der Wind soweit aufgefrischt, dass wir einen Segelversuch wagen können. Sechs Knoten aus 50 – 60 Grad reichen, damit die Hexe zumindest mit fünf Knoten Speed voran kommt. Und es ist plötzlich so schön still, nur die Heckwellen plätschern leise. Rechter Hand weichen jetzt langsam die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada den niedrigeren Hügeln um Malaga.

    Volker segelt, ich nutze die Ruhe, um noch ein Stündchen zu schlafen. Leider ist es danach mit dem Segeln vorbei, ich komme mir schon vor wie Sabine von der Atanga, die in ihrem Blog auf dem Weg von den Osterinseln nach Pitcairn auch am Tag 11 nur noch fragt: „Wo ist der Wind?“ (www.atanga.de).

    Zum Frühstück gab es Rührei zu aufgebackenen Brötchen vom Davo-Bäcker aus Cartagena, sechs kleine Brötchen hatte ich gekauft, in der Tüte waren zehn, das ist dort immer so. Da man ja sonst nicht viel zu tun hat, habe ich zum Mittag kleine Empanadas gebacken, den Teig gab es fertig ausgerollt und zugeschnitten im Supermarkt. Ich bestreiche die Teigplätzchen mit einem Hauch Philadelphia und Pesto Genovese, habe aus Resten von Tomate, Zwiebeln und Hamburger eine kleine Salsa gekocht, ebenfalls eher sparsam darauf gegeben, die kleinen runden Fladen zu netten Halbmonden geformt, mit Eigelb bestrichen und ab in den Ofen. War eine leckere Zwischenmahlzeit, jetzt halten wir es bis heute Abend aus.

    Nach dem Essen kommen wie heute Morgen die Delfine, diesmal sind sie in Spiellaune, es werden immer mehr, sicher 15 Tiere springen zwischen unseren Rümpfen hin und her, ehe sie sich nach knapp zehn Minuten wieder verabschieden. Es ist erstaunlich, welche Auswirkungen diese possierlichen Tiere haben, Unlust oder schlechte Laune sind sofort vergessen, mit einem breiten Lächeln im Gesicht schaut man ihnen zu. Kommen sie vorbei und bleiben ein bisschen, schon ist der Tag noch etwas schöner! Um !6:00 Uhr kommt schon wieder eine große Schule Delfine, sie springen und tanzen kurz mit dem Boot, dann verabschieden sie sich mit tollkühnen Schwüngen zwischen den Rümpfen, und weg sind sie.

    Danach hatte ich mich noch einmal kurz hingelegt, und als ich wieder an Deck erscheine, meint Volker: „Sollen wir nicht vor Estepona ankern heute Nacht, bis 01:00 Uhr müssten wir dort sein?Dann müssen wir uns nicht noch eine Motor-Nacht um die Ohren schlagen, fahren morgen ausgeruht nach Gibraltar, schlafen dann noch eine ganze Nacht, dann machen wir uns auf die große Strecke.“ Klar, können wir machen, es gibt einen Ankerplatz nordöstlich von der Hafeneinfahrt, da wird es auch ruhig sein, heute Nacht kommt nur etwas Nordwind, aber dagegen sind wir dort gut geschützt. Zwanzig Grad abfallen, Wind ist sowieso keiner da, so kann die Fock ein bisschen mitziehen, wir haben nämlich Strömung gegenan.

    18:15 Uhr: Schon wieder ein Kurzbesuch von bestimmt zehn Delfinen, zwei Minuten spielen, dann geht es weiter mit der Jagd nach Abendessen, vermute ich. Samy bekommt auch Abendessen, nachdem schon wieder so schön im Trampolin gekackt hat, und Pipi gemacht; wir sind nur nicht sicher, ob  er so raffiniert ist, dass er es auf mehrere Male verteilt, weil er weiß, dass er dann ein Leckerli bekommt, oder ob das halt so ist.

    Sonnenuntergang auf See, sieht auch nicht viel anders aus der der Sonnenaufgang, sagt Allegra

    Auch wir bekommen Abendessen, Filetsteak von Feinkost-Lidl Cartagena und Kartoffelpuree aus den Salzkartoffeln von gestern, dazu ein paar von den süßsauer eingelegten Zwiebeln vom Markt, lecker! Nur der versprochene Nordwind kommt nicht, und noch immer schiebt der Strom uns keineswegs, sondern verlangsamt unsere Fahrt. Die Idee des Ankerns vor Estepona haben wir aufgegeben, so wie das hier läuft würden wir nicht vor drei bis vier Uhr ankommen, und hätten morgen nochmal zwanzig Meilen mehr. So fahren wir doch die Nacht durch, sind morgen hoffentlich mit der ersten Morgendämmerung in Gibraltar. Dann schlafen wir uns eben dann aus, macht auch nix.

  • Der vorerst letzte Tag im Mittelmeer?

    Pünktlich, wie vorhergesagt, geht der Wind um 16:30 Uhr schlafen, von gut 13 auf 10 auf 6 Knoten, bis es nur noch zwei bis drei sind. Der Code D muss weg, und der Motor muss uns weiter schieben. Um 18:00 Uhr nehmen wir die alte Gewohnheit wieder auf, und trinken unser 0-Alkohol-Bier als Sundowner, diesmal zusammen mit Samy, der in Spiel- und Schmuselaune ist, auf dem Vorschiff. Danach gibt es Abendessen, klassisch deutsch heute, mit Schnitzel, Kartoffeln und Salat. Um 21:20 Uhr lege  ich mich hin, leider will der Schlaf sich nicht einstellen, also ruhe ich nur Augen und Rücken aus, und löse Volker um 23:00 Uhr wieder ab. Der hat zwischendurch mal einen Segelversuch gestartet, das ging ungefähr 15 Minuten gut, und auch jetzt schauen wir, ob der Wind mehr als sechs Knoten aus 65° zustande bringt, aber auch das dauert keine zehn Minuten. Bei zweieinhalb Knoten Wind segelt auch die schnellste Outremer nicht.

    Gerade sind wir am Cabo de Gata vorbei gefahren, das Cap ähnelt wirklich einem Katzenkopf, aber bei Nacht kann man das natürlich nicht erkennen, wir wissen es von früheren Törns her. Der Leuchtturm vom Kap schickt alle vier Sekunden seine weißen oder roten Blitze aus, je nachdem aus welchem Winkel man es betrachtet. Die spanische Küste ist gut zu sehen mit all den Straßen- und sonstigen Lichtern. Über uns leuchten die Sterne vom wolkenlosen Nachthimmel, nur die schmale Sichel des zunehmenden Mondes hat sich leider schon wieder verabschiedet.

    Da wir außer den großen beleuchteten Tankern, Frachtschiffen und Fähren keine Boote auf dem Wasser sehen würden, läuft natürlich das AIS, das einen Warnton erklingen lässt, wenn es ein Signal erhält, das in 12 Minuten näher als zwei Meilen zu unserer Schiffsposition wäre. Alle zehn Minuten macht das Radar zwanzig Umdrehungen, und würde ebenfalls warnen, wenn es ein Signal in der Überwachungszone feststellen müsste. Der Windmesser zeigt, 0,8 Knoten wahren Wind an, das ist gar nichts mehr.

    Sonnenaufgang auf See

    So geht es im Zwei-Stunden-Takt durch die Nacht, kurz vor sieben färbt sich der Himmel im Osten ganz rot, um halb acht geht die Sonne auf, und die Nacht ist um.

    Delfine kommen vorbei, sind aber offensichtlich auf der Jagd, denn sie bleiben nicht lange, auch nicht die Mutter mit dem Kleinen.

    Leider hat der neue Wetterbericht nicht mehr Wind gefunden, wir motoren weiter.

    Schneebedeckte Berge im Hintergrund der Costa del Sol
  • Bei leichtem Wind

    Wir sind tatsächlich wieder unterwegs! Nach vier Wochen Cartagena, mit der kurzen Unterbrechung eines Tagestörns mit unseren holländischen Freunden, haben wir heute Morgen um 10:00 Uhr abgelegt, bei leichtem Wind von achtern. Um 11:40  Uhr haben wir unseren lustigen Spinnaker gesetzt, und sogleich gleitet die Hexe übers flache Wasser. Bei acht Knoten Wind wenigstens mit fünf Knoten Fahrt, besser als motoren auf jeden Fall.

    Der Windwinkel ändert sich und wird ungünstiger für das große Vorwindsegel, der Spi kommt weg, muss natürlich wieder gepackt, also vorbereitet werden fürs nächste Mal, das ist immer mein Kampf mit den 190 Quadratmetern, erst ordnen, dann eine Fünfzimmerwohnung in einen halben qm Sack einräumen!

    Um 12:40 ist der Gennaker hochgezogen und ausgerollt, nun zieht er bei zehn Knoten Wind und beschleunigt die Hexe auf 7 – 8 Knoten Fahrt. Und das bei prallem Sonnenschein und glatter See, Segeln vom Feinsten.

    Cartagena haben wir wieder einmal sehr genossen, im Zentrum kennen wir mittlerweile alle Gassen, wissen, wo man Nähmaschinennadeln kauft, welches der beste Bäcker ist, wo man die leckersten Oliven bekommt, wir kennen die besten Tapasbars und die nettesten Cafés. Mit Heike und Klaus von der Summer Morning war ich auf dem Markt einkaufen, am Vorabend waren wir mit den beiden und mit Jane und Michael aus Australien in verschiedenen Tapasbars unterwegs. Es war wie immer ein sehr netter Abend. Gestern Abend hatten wir zum Abschied Beate und Bernhard mit Sohn Alexander an Bord, mit gegrillten Hamburgern bleiben wir – hoffentlich – in guter Erinnerung. Wir werden uns bestimmt nochmal irgendwo auf der Welt treffen, vielleicht 2020 in der Karibik?

    Nun sind wir also unterwegs Richtung Gibraltar, mal sehen, wie lange uns der Wind treu bleibt, heute Nacht soll es eher schwachwindig werden, wir schauen mal, wie weit wir kommen.

  • Bootsstrohwitwe

    Die Zeit als so eine geht – endlich – ihrem Ende zu. Aus der Heimat kommen insgesamt gute Nachrichten, sehr schön!

    Samy schmollt

    Zuerst sollten es ja nur drei Tage sein, Sonntag wollte Volker wieder zurück fliegen, aber wie das so ist in der deutschen Heimat, da kommt immer wieder etwas dazwischen. Ein Termin bei der Physio fürs Kind, ein vereiterter Zahn… aber für morgen, Mittwoch, ist ein Flug gebucht und eingecheckt ist Volker auch schon. Jetzt kann ich schon mal anfangen, mich zu freuen. Allein zu sein muss man auch üben, im Kopf rede ich dauernd, aber es ist keiner da, der zuhört, außer Samy natürlich, aber der schaut mich manchmal verständnislos an. Ich bewundere die Einhandsegler, die das viele Monate lang machen.

    Türgriffe an einer Apotheke
    Graffiti an einer Hauswand in der Nähe des Teatro Romano
    Platz mit Kirche

    Die Tage hier in Cartagena  sind – trotzdem – schnell vorbei gegangen. Nach der Tagesfahrt nach Murcia hab ich zwar keine großen Ausflüge mehr unternommen, mit dem Auto war ich nur zweimal im Industriegebiet zum Einkaufen bei Decathlon und Carrefour, aber der Tag geht trotzdem schnell vorbei. Mit Samy erkunde ich immer weitere kleine Straßen und Plätze in Cartagena, mit Samy und Beate haben wir lange Spaziergänge gemacht, z.B. zum ausgetrockneten Fluss nahe des Stadions von Cartagena. Dort haben wir ein Tor fallen hören, die Fangesänge waren eindeutig, Cartagena spielt wie Darmstadt in der zweiten Liga.

    Sunsetdrinks

    Am Sonntag war das Picknick der Cartagena Liveaboards, danach hat die Polarix auf einen Drink eingeladen, gestern waren wir auf ein Glas auf der Hexe, immer so zur Sunset-Zeit, sehr nett.

    Die Percussion ist gut vertreten

    Heute bin ich beim Spätnachmittagspaziergang aufmerksam geworden, weil auf einem Platz in der Stadt lauter Instrumentalisten in Uniform herum liefen, außerdem schwer bewaffnete Polizei. Als ich mit Samy vom Biomarkt zurück komme, beginnt gerade das Konzert der Infanteria de Marina, mit viel Pauken und Trompeten, und irgendwie wird die Geschichte dieser Infanterie erzählt, die auf die Zeiten von Isabella von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon zurück geht. Leider reicht mein Spanisch nicht aus, um alle Details zu verstehen, und Samy hat auch keine Lust mehr. Wir schenken uns die weiteren musikalischen Darbietungen und gehen zum Boot.

    große Gästekabine
    Vorschiffskabine

    Am Mittwoch also kommt Volker und am Donnerstag unsere Freunde aus Hoorn, die Kabinen sind bereit, und wenn bitte noch der angekündigte Westwind um 180° dreht, könnte es weiter gehen …

  • Ausflug nach Murcia

    Jetzt bin ich seit Donnerstag Mittag allein an Bord, nein, natürlich nicht ganz allein, Samy ist ja bei mir. Außerdem verfüge ich über den Luxus eines kleinen Leihwagens. Ein Opel Corsa in schlichtem Grau, da musst Du Dir echt die Autonummer merken, um das Fahrzeug wieder zu finden!

    Gestern haben wir nur einen kleinen Probe-Ausflug gemacht, zum Decathlon (erfolgreich, ein Midlayer-Shirt für kalte Segeltage und -nächte), zu Desigual (erfolglos, neue Kollektion, keine Winterröcke mehr, die ich wollte) und Carrefour (ebenfalls eher erfolgreich, mit frischem Gemüse, Wein und Käse) an den Outskirts von Cartagena.

    Heute Morgen haben wir es gewagt und sind nach Murcia gefahren, 45 km nordöstlich von Cartagena, die Hauptstadt der Region, Studentenstadt und mit fast 500.000 Einwohnern die siebtgrößte des Landes. Ich war gespannt, hatte Lust auf etwas Neues. Von Beate war ich gewarnt, dass es eigentlich keine schöne Stadt ist, aber sie hat wohl Pech gehabt, ich war total begeistert!

    Tante Google lotst mich anders als die Straßenschilder zum Centro Ciudad, ich glaube den Straßenschildern und letztendlich dem guten alten Katholizismus: Wo die Kathedrale ist, befindet sich die Mitte der Stadt. Ich finde einen Parkplatz, ein Dunkelhäutiger weist mich ein, ich gebe ihm zwei Euro, er freut sich, und zeigt mir die Himmelsrichtung, in die ich gehen muss.

    Der Turm der Kathedrale kommt in Sicht

    Nach zehn Minuten stehe ich vor der überwältigenden Kathedrale, Samy und ich machen erstmal Kaffeepause. Bei den Nachbarn am Tisch darf ich den Hund lassen, um für eine kurze Zeit die Kathedrale zu erkunden, dann mäandern wir unseren Weg durch die Fußgängerzone der Stadt, mit wunderschönen Geschäften, Cafés und kleinen Restaurants. Vor lauter Schauen und Staunen vergesse ich das Essen und bin nach 13 Uhr kurz vor dem Kreislaufkollaps, da rettet uns ein nettes kleines Restaurant, wieder in der Nähe der Kathedrale vor dem Hungertod und der Pfotenabnutzung.

    Auf dem Heimweg finden wir noch einen sensationellen Platz mit einem Mega-Springbrunnen, dann streikt Samy nach über zehn Kilometern gelaufenem Weg heute.

    Hier unsortiert die Bilder von heute:

    Arena
    Green Life
    Graffiti-Kunst
    More
    Graffiti
    und noch eine
    mit dem grünen Daumen
    quadratisch
    Ensemble
    Fassade
    noch ‘ne Kirche
    theater ganz…
    Theatereingang
    Theater
    Kunst im öffentlichen Raum
    mal so.
    Mal so
    Installation aufm Platz
    neue Prachtbauten

    Orangenbäume überall
    Der Turm der Kathedrale kommt in Sicht
    Häuserfront
    noch ‘n’ Turm
    neue Prachtbauten
  • Lieferkrimi

    Die Lieferung der Batterien ist irgendwann zur echten Thriller-Story geworden.

    Die Vorgeschichte: Ein aufgeregter Telefonanruf informierte uns darüber, dass Larissa vom Pferd gefallen ist und sich mindestens zwei Bänder gerissen hat, worst case für eine junge Frau, die gerade beginnt, sich eine Existenz als Pferde- und Hunde-Physiotherapeutin und -Osteopathin aufzubauen. Die Pferde wohnen ja nicht mal eben in „Mit-dem-Stock-Laufdistanz“. Und Hündin Nana sowie Pferd Merlin möchten auch bewegt werden, richtiger Mist, um es vorsichtig auszudrücken. Genügend Gründe für den Papa, nervös zu werden, und für mich, ihm einen Flug zu buchen.

    Selbst Samy ist angesteckt und wartet

    Aber zuerst müssen die Batterien kommen! Gregorius von Autosolar hat gemeint, vielleicht brauchen sie auch nur einen Tag, aber am Mittwoch sind sie bestimmt da. Gut, der Dienstag geht vorbei, leider keine Batterie-Lieferung, am Mittwoch Morgen beobachten wir die zahlreichen Lieferdienste, die den Hafen anfahren, zum Teil mit bekannten, zum Teil unbekannten Namen, aber immer mit mindestens VW-Bus-großen Lieferwagen. Nix!

    Um 11 Uhr telefoniere ich mit Gregorius, der gibt mir die Telefonnummer der Spedition, die wiederum sagen, „ja, die Batterien sind in Murcia angekommen, aber wann sie umgeladen und ausgeliefert werden, dafür musst Du eine andere Telefonnummer anrufen“. Mache ich, aber der Typ am Telefon ist unfreundlich und sagt. er habe keinen Auftrag mit dieser Nummer oder meinem Namen, und legt dann einfach auf. Ich probiere es erneut bei Gregorius, der ist gerade zu Tisch. Wieder eine halbe Stunde warten, dann das nächste Telefonat. Gregorius verspricht, sich darum zu kümmern, und will mich zurückrufen, sobald er mehr weiß. Warten…

    Inzwischen ist es nach 15 Uhr, wer weiß, wann die bei Autosolar Feierabend machen, ich probiere es erneut, dort anzurufen. Freundlich wird mir beschieden: „Gregorius ist gerade am Telefon, und er hat alle Informationen, aber gib mir Deine Nummer, er ruft zurück“. Das ist mir nach einer halben Stunde zu lange, endlich komme ich zu ihm durch, „Mach Dir keine Sorgen, die Batterien kommen heute noch, sie werden heute Nachmittag geliefert!“ Wow, tatsächlich? Noch während wir daran zweifeln, steht der Lieferwagen der Spedition Dachser beim Boot und lädt eine Palette mit vier Batterien aus! Bernhard kommt sofort herbei geeilt (unser großer Dank geht an Beate und Bernhard!) und noch vor der Dämmerung sind die alten Batterien an Land und die neuen vorbildlich eingebaut, der Strom kann wieder fließen, Bernhard rechtzeitig, geduscht und gekämmt zur Abendeinladung, und Volker am nächsten Tag am Flughafen sein.

    Just in Time! Super Service von Autosolar.es!

  • Schöne Zeit

    Downtown Denia

    Denia kennen wir schon von unserem ersten Zwischenstopp vor knapp vier Jahren und schon damals hat uns der schöne Yachthafen mit seinen gepflegten Anlagen, Restaurants und der ewig langen Seepromenade sehr gut gefallen. Das quirlige Stadtzentrum ist gut 20 Gehminuten vom Hafen entfernt und allabendlich eine beliebte Flaniermeile für die Spanier und die Touristen.

    Denias Burg

    Alle paar Meter gibt es in der Fußgängerzone, neben den üblichen Geschäften, Tapasbars mit verlockenden regionaltypischen Tapas, die zu einem Einkehrschwung einladen. Da der Frühling in Spanien bereits Einzug gehalten hat, sind die Sitzplätze im Freien schon gut frequentiert, auch wir lassen uns vom mediterranen Flair gerne anstecken und genießen leckere Chipirones, das sind kleine panierte und frittierte Tintenfische, vorzüglich…

    Die Palmen sind schön beleuchtet

    Gestern Abend waren wir dann in einem der durchweg hübschen und modern gestalteten Hafenrestaurants, dem “Republica”, herausragend gut essen. Wir bekamen einen Sitzplatz mit schöner Aussicht auf das Meer und den heimelich warmen offenen Kamin. Das Essen war hervorragend und mein gut 400 Gramm schweres “Roasted Pork” war so opulent, dass noch was für Samy übrig blieb.

    Zum ersten Mal 2019 in kurzen Hosen

    Wir haben alle anstehenden Jobs, die es noch so an Bord zu tun gab, bei schönstem Sonnenschein erledigt, und ich konnte das bei milden 20 Grad sogar in Shorts tun. Heute haben wir uns nach einigem Abwägen dazu entschieden, trotz widersprüchlicher Wetterberichte abzulegen. Der eine sagte heftigen Gegenwind, der andere segelbaren Nordwestwind voraus. Fakt ist, dass beide Vorhersagen nicht stimmen, es ist gar kein Wind zurzeit und wir motoren. Heute Nacht wollen wir in der Nähe von Alicante ankern und morgen bis Cartagena weiter segeln, und endlich Beate und Bernhard dort wieder zu sehen.

    Alle ehemaligen Probleme an Bord scheinen gelöst zu sein, die Motorräume sind endlich knochentrocken, die Heizung läuft nicht mehr aus, wir sind sehr froh, dass es so ist, toi, toi, toi…

    Kunst auf der Promenade
    “Good vibes” Café
  • Tag 3: Bis Denia

    Freitag, 8. Februar 2019, Baro 1022, bewölkt, später sonnig, Wind 2 – 18 Knoten
    auf See, 17:30 Marina de Denia

    Beim ersten Tageslicht habe ich in meiner Wache den Teig für ein Hefe-Baguette angesetzt, am Ende der Wache wurde es, schön geformt auf ein Backblech gelegt. Ich durfte mich anschließend hinlegen, das Brot musste aufgehen, dann gab es zum späten Frühstück frisch gebackenes Brot, lecker.

    Bis 15:00 Uhr wehte der Wind mit 3 – 10 Knoten von vorne, dann,  ca. 15 Seemeilen vor dem Cabo de la Nao frischt er auf, immer noch von vorne, und es baut sich eine unangenehme Welle auf. Zunächst motoren wir gegenan, aber das ist ganz furchtbar, wir rollen lieber die Genua bis Reff 1 aus und kreuzen. So richtig Spaß macht das aber auch nicht, nach fast zwei Stunden beschließen wir, dass wir nach Denia ablaufen, wir wollen nicht die ganze Nacht, so sagt es der Wetterbericht, gegenan kreuzen und das Boot in die Wellen fallen lassen.

    17:30 machen wir die Leinen in der Marina de Denia fest. Am heutigen Samstag verbringen wir einen angenehmen Tag mit kleinen Instandhaltungsarbeiten, Wäsche und Ausruhen. So wie es in den Wetterberichten aussieht, können wir am Montag mit Ostwind nach Cartagena fahren. Vamos a ver!

  • Zweiter Versuch, zweiter Tag

    Donnerstag, 7. Februar 2019, Baro 1020, zunächst diesig, ab Mittag sonnig, wärmer
    auf See
    Nach den Delfinen gehen wir unseren „Auf-See-Aktivitäten“ nach, Volker putzt das Boot, staubsaugt den Salon, setzt Segel und birgt sie. Ich versuche, den Fehler in meinen SSB- oder Pactor-Gerätschaften zu finden, denn ich konnte mich nicht mit den Winlink-Stationen verbinden, habe gestern Abend, nachdem wir wieder Telefonnetz hatten, lange mit Ralf von der Malwieder konferiert. Heute Morgen hat es – wie durch Zauberhand – funktioniert, und mein Problem mit Zygrib, dass ich ein neues Login, also einen neuen Personal Code brauchte, ist inzwischen nach dem dritten Anlauf auch in Ordnung, von PredictWind habe ich über das Pactor-Modem einen neuen Wetterbericht abgeholt, wir sind auf die Nacht vorbereitet. Morgens ist es noch sehr diesig, alle Konturen verschwinden, aber ab mittags kommt – wie versprochen – die Sonne raus, und es wird schön warm, wir setzen uns mit Samy ins Trampolin.
    Tatsächlich können wir um 18:00 Uhr den Motor ausmachen, wir segeln bei neun Knoten raumen Wind, wieviel angenehmer als gestern um die gleiche Zeit gegen dreizehn Knoten anzumotoren. Es ist ganz still im Boot, nur die Dieselheizung macht ein freundliches Geräusch. Samy bekomt Olivenöl unter sein Abendessen gemischt, damit ihm das eher ungewohnte Gassigehen und Häufchen-machen auf dem Vorschiff etwas leichter fällt. Wir hingegen bekommen extrem leckeren Hackfleisch-Gemüse-Auflauf, und schon während des Essens legt der Wind weiter zu, wir fliegen mit zehn Knoten durch die Nacht. Jetzt sind wir schneller als der andere Segler, den ich auf dem AIS sehen kann. Er motort schneller, aber wir segeln fixer! Schon denken wir ans Reffen, aber Volker beschließt, dass das warten kann, erstmal schnel und segelnd ein Stück vorwärts kommen!
    Damit wir auch batteriemäßig gut versorgt für die Nacht sind, befestigt Volker den Watt&Sea, den Wassergenerator, am Backbordheck, zum ersten Mal in der Geschichte dieses Bootes auf eigenen Wunsch mit Schwimmweste und eingepickter Lifeline, das hat mich ausgesprochen beruhigt! Der Wassergenerator zeigt ein blaues Licht, ein Zeichen, dass ab jetzt die Batterien gut geladen werden.
    Aufräumen, spülen, dann richten wir das Bett im Salon für die Nacht, das ist eine riesengroße Fläche, und bei nächtlichen Überfahrten darf sogar der Hund mit dort schlafen. Ich habe eine neue Wettervorhersage über SSB-Radio und Pactormodem geholt, Windstärke und -richtung stimmen Volker so optimistisch, dass wir unser Etappenziel Valencia aufgeben, und doch Kurs nehmen auf das Cabo de la Nao; dann weiter an Benidorm und Alicante vorbei bis nach Cartagena durchsegeln wollen.
    Um 18:45 flaut der Wind rasant ab, der Motor darf wieder mitschieben, aber vorher muss der Watt&Sea hochgeklappt werden (wieder mit Schwimmweste und Leine!). Nun motoren wir weiter durch die Nacht, es ist relativ viel los hier, der Segler motort immer noch vor uns her, einige Frachtschiffe und Tanker sind auf dem AIS zu sehen, mit Ziel Marseille, Valencia, Gibraltar, sogar Bizerte in Tunesien sehe ich auf den Informationen des AIS. Alle zwanzig Minuten klingelt der Timer, damit der Wachhabende einen Rundumblick wirft, allerdings meine ich, dass ich auf dem Bildschirm mit Radar und AIS mehr sehe als in der tiefschwarzen Nacht da draußen. Das Radar dreht alle zehn Minuten und würde uns warnen, wenn ein feindliches Schiff zu nahe kommt, ebenso wie das AIS. Der Sternenhimmel ist beeindruckend, und es ist nicht mehr so kalt wie die Nächte in LGM.
    00:30 Uhr, ich löse Volker ab, das Barometer zeigt 102 Hektopascal, leicht gestiegen gegenüber heute morgen. Der Wind kommt immer noch mit 5 – 6 Knoten aus zwanzig Grad, leider nicht segelbar.
    Um 03:00 Uhr übernimmt Volker die Wache, Wind und See sind unverändert, als ich um 05:30 Uhr ihn wiederum ablöse. Barometer weiterhin 1022, Sternenhimmel, und die kleinen Islas Columbretes sind fast querab, ich kann bei meinem ersten Außenrundgang ein schwaches Licht erkennen. Noch 175 Meilen bis Cartagena.