Fünfkommadrei

Beautiful Gibraltar

So viele Kilometer sind Samy und ich gestern Morgen gelaufen. Für elf Uhr hatte ich bei der hiesigen Filiale der größeren, in La Linéa angesiedelten Tierklinik einen Termin ausgemacht, um abzuklären, was es mit Samys offensichtlichen Ohrenschmerzen und dem Gekratze auf sich hat. Um halb zehn sind wir von Bord gegangen, mit einem kleinen Umweg zur Hauptstraße in der Fußgängerzone, beim Bäcker vorbei. Eigentlich wollte ich auch noch einen Café trinken, aber ich dachte, ich suche erstmal die richtige Adresse. Am Ende der Fußgängerzone hab ich bei der Tierklinik angerufen und nach der genauen Adresse gefragt, damit Tante Google mich hinführen kann. „Watergardens No. 6“ das sollte die Adresse sein. Also gebe ich das in Google Maps ein, dachte, ich sei zwei Minuten entfernt. „Pustekuchen“, sagt Tante Google, „Zeit zu laufen 16 Minuten.“ Oh, gut dass ich so früh war.

Mit dem Handy in der Hand laufe ich weiter, das Problem hier ist, dass an den zahlreichen Roundabouts, Kreiseln, es keine Fußgängerübergänge gibt, sie sind mit Gittern, gefühlt kilometerweit, abgesperrt. Es wird immer später, aber als ich angeblich kurz vor dem Ziel bin, beschleichen mich Zweifel, und ich frage einen Mann auf seiner Vespa. „Oh no“, sagt der, da müsse ich die Straße dort zurückgehen, dann nach rechts, bis ich zu einem Denkmal komme, mit einem Mann und einer Frau, dort nach rechts, und da sei es dann. Okay, schnell ziehe ich Samy weiter, denn mittlerweile ist es kurz vor elf. Auf dem Weg treffe ich noch eine Frau mit Hund, die mir bestätigt, dass dies prinzipiell die richtige Richtung ist. Und ein weiterer freundlich Mann erklärt mir, da vorne müsse ich rechts, und dann käme ich zu Water Gardens. Leider ist auf der rechten Straßenseite der Fußgängerweg gesperrt und wir müssen wieder eine Umleitung gehen. Direkte Strecke wären es 1,7 km gewesen, nach 3,7 km waren wir am richtigen Ort.

Eine junge sehr freundliche spanische Tierärztin hat Samy untersucht (der ist ein echter spanischer Feigling), unglaublich, er musste am Ende einen Maulkorb bekommen, damit sie mit dem Wattestäbchen einen Abstrich aus seinem Ohr nehmen konnte, so hat er sich angestellt.

Nun hoffen wir, dass die Medizin hilft, einen weiteren Abstrich hat die Ärztin eingesandt und will mir telefonisch Bescheid geben, was eventuell noch zu machen ist. Dann sind wir die 1,7 Kilometer zurück gelaufen, diesmal aber auf direktem Weg.

Sunset Beer

Gestern Abend haben wir uns lang Entbehrtes gegönnt, und waren gleich in zwei englischen Pubs. Im Trafalgar haben wir das Sunset Bier direkt am Kreisel genossen, dann sind wir ein bisschen in die Fußgängerzone gelaufen, und fanden „The Angry Friar“, dort durften wir sogar mit Samy hinein, erst an die Bar, dann an einen kleinen Tisch für ein echtes englisches Pub Meal. Chicken Curry für mich and Würstchen mit mashed potatoes für Volker, das musste sein.

Ein echtes englisches Pub

Die Atmosphäre war großartig, zuerst haben wir uns mit den drei Herren auf Kurzurlaub von der Insel am Nebentisch unterhalten, später mit drei Damen, nachdem die Herren gegangen waren. Alle waren gegen den Brexit und voller Spannung wurde die Abstimmung im Parlament verfolgt. Als es beim ersten Ergebnis nur vier Stimmen Unterschied gab, war man hier im Pub sehr erstaunt, und erleichtert, als die zweite Abstimmung ein deutlicheres Ergebnis brachte. Die „Gibraltar-Engländer“ würden auf jeden Fall lieber in der EU verbleiben, mal sehen, wie es weiter geht, der Zeitdruck ist jedenfalls erst einmal kleiner geworden.

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