Autor: Hexymama

  • Heilende Hände

    Samy ist in den paar Tagen, an denen Tochter Larissa und Freund Johannes uns auf Lanzarote  besucht haben,  in den Genuss einer Hundemassage und -behandlung gekommen. Nicht nur der Sturz von der Mauer, sondern auch sein Alter und seine gesamte Physiognomie hatten ihn immer mal wieder mit Schmerzen im Bewegungsapparat geplagt. Nun war Larissa an Bord und hat Samy sowohl osteopathisch als auch physiotherapeutisch sanft behandeln können. Siehe da, am Ende scheint er schmerzfrei zu sein, und läuft wie ein junger Hund durch die Gegend. Hier der Bericht der Expertin:

    https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=2164016373889042&substory_index=0&id=2030155987275082

    Außerdem ist unser Film über die Anti-Fouling-Aktion und den großen Kran in Arrecife online:

  • Spaßsegeln

    Die Herren in der Konferenz

    mit Martina und Jens, sowie Ulrike mit Hündin Nelly. Spaßsegeln nennen wir kleine Segeltörns mit Freunden für ein paar Stunden. Wir liegen am letzten Steg vor der Ausfahrt in der Marina, und Jens und Martina konnten sich mit ihrer Maje direkt hinter uns legen, sodass wir uns problemlos morgens zum Frühstück und abends zum Drink treffen können.

    Jetzt muss Jens sein Boot aus der Box fahren, dass wir vorbei kommen, dann legt sich die Maje ganz vorne an den Steg, wir hinten dran und warten auf Ulrike. Die erscheint pünktlich um elf Uhr, Hündin Nelly bewegt sich schon ganz selbstverständlich an Bord.

    Die Ladys chillen auf dem Vorschiff

    An diesem Tag machen wir alle Windstärken durch. Beim Ablegen ist noch ganz wenig Wind, wir versuchen es mit Segeln, nach einer Viertelstunde resigniert der Skipper und wir motoren ein Stückchen Richtung Papagayo-Bucht. Der Wind kommt wieder, diesmal etwas raumer, gut, dass die Männer den Code D schon vorbereitet haben, jetzt darf er ausgerollt werden, wunderschön steht das bunte Segel in der Sonne. Auch dieses Vergnügen ist von kurzer Dauer, kein Wind mehr, das Leichtwindsegel wird weg gerollt, der Motor muss ran.

    Volker und der Code D

    Kaum sind wir in der Nähe der Punta Papagayo, schon sieht man weiße Schaumkämme, „Katzenpfoten“ nennt Martina die, und auf einmal kommt der Wind zurück, die Genua wird ausgerollt, Papagayo-Bucht ist gestrichen, wir segeln bei 14 – 15 Knoten Wind schnell nach Los Lobos.

    Dort ankern wir eine Stunde, trinken Café, Martina und Ulrike hängen die Füße ins Wasser, Jens traut sich und springt ins türkisblaue Nass, aber auch nicht zu lange, trotz strahlenden Sonnenscheins ist das Wasser noch ziemlich kalt.

    Ankerplatz vor Los Lobos

    Auf dem Rückweg frischt der Wind auf bis über 22 Knoten, unser maximaler Speed liegt bei beeindruckenden 13,5 Knoten, so schrumpfen die zwölf Seemeilen bis zum Hafen schnell. Doch nach acht Meilen wird der Schalter umgelegt, der Wind ist weg, typisch für Puerto Calero, sehr angenehm zum Anlegen. Leider war da doch nicht so wenig Wind, aber diesmal hat Volker erst Jens und Martina abgesetzt, damit sie ihre Maje aus der Box fahren konnten, dann hat er bravurös angelegt, und die Maje kam wieder hinter uns an den Steg. Ein wunderschöner Segeltag für unsere Freunde und uns, mit vielen verschiedenen Windszenarien, alle waren begeistert.

  • Weinprobe am Vormittag

    Der Charco in Arrecife

    Gestern Abend haben wir einen Besuch auf der SY Christina, dem wunderschönen Segelboot von unseren Freunden Elke und Uli in Arrecife gemacht, denn Uli hatte freundlicherweise für Volker ein „Scheuervlies“ besorgt, das wollte wir abholen, dann mit den beiden und Ulrike, der liebenswerten und quirligen Deutschlehrerin aus Oldenburg, die seit über 20 Jahren auf der Insel lebt, zum Abendessen an den Charco gehen. Der Charco ist ein kleiner Binnensee beim Zentrum von Arrecife, mit netten Restaurants und Tapasbars am Rand.

    In dem Vulkan-Krater wird Wein angebaut

    Zum Apéritif bot uns Elke an Bord ein Glas Weißwein ihres Lieblingswinzers auf Lanzarote an, ein halbtrockener Weißwein mit einem ganz besonderen Geschmack, der sogar dem Biertrinker Volker auf Anhieb gefallen hat.  So fröhlich eingestimmt, haben wir beim Abendessen verabredet, dass wir uns heute um zwölf Uhr bei der Bodega Guiguan bei Tinajo treffen sollten, um dort deren Weine zu verkosten, und unser aller Vorräte aufzufüllen.

    Schön gestylte Weinflaschen mit köstlichen Tropfen

    In dem kleinen Weingut wurden wir sehr freundlich empfangen (Ulrike kommt öfter mit Gästen her, ist den Winzern also bestens bekannt), und wir haben viel Interessantes über die Weinherstellung bei Guiguan erfahren. Auf Lanzarote wachsen die Reben auf vulkanischen Böden, meist werden einzelne Weinstöcke in Kuhlen angepflanzt, die Wurzeln tief in der Erde, so werden die Pflanzen vor dem Wind geschützt und das schwarze vulkanische Gestein speichert die Sonne und die Wärme auch für die kühlere Nacht, außerdem wird so die Feuchtigkeit im Boden gehalten.

    Guiguan liegt im Anbaugebiet Tinajo, dort werden zum Teil andere Pflanzen kultiviert als in dem bekannteren Gebiet La Geria, Pflanzen, die mit weniger Wasser auskommen. So baut man bei der Bodega für den Weißwein nur die weiße Malvasia Vulcanica-Traube an, Moscatel für den Süßwein, Listán Negro für den Rosé, für den Rotwein mischt man zusätzlich etwas Syrah zum Listán Negro.

    Sauber in Kisten verpackt lagern die Flaschen im Boot

    Den Großteil der Trauben für 50 – 55.000 Liter, die pro Jahr gekeltert werden, stammen aus eigenen Weingütern, ca. zwanzig an der Zahl, eventuell wird noch etwas dazu gekauft. Bei den Weißweinen werden die Trauben optimal reif, geerntet, bei dem halbtrockenen sogar etwas überreif, damit sich daraus die natürliche Süße ergibt, nicht aus dem Zusatz von Zucker oder Chemie. Der Fermentationsprozess wird mit Kälte gestoppt, so sind die Weine einfach natürlich und behalten ihren sehr charakteristischen Geschmack. Bei dem edelsüßen Weißwein wird nach dem Ende der Gärung die Hälfte der Trauben für einige Zeit in die Sonne gelegt, und wieder zugefügt, vor der Filtration; so ergibt sich eine weitere Süße, ebenfalls völlig ohne Zusätze.

    Die Herren verkosten mit Genuss

    Wir waren jedenfalls alle überzeugt, der Chef des Weingutes, das seit 1948 von den Vätern auf die Söhne übertragen wird, schenkte auch gerne ordentliche Portionen zum Probieren in die Gläser, sodass Volker und Ulrike, die unsere Chauffeure waren, gleich zu Anfang um kleinere Portionen gebeten haben. Ab jetzt lagert in den Rümpfen der „Hexe“ eine nette Auswahl dieser herrlichen Weine, und auch der Bauch der „Christina“ ist gut gefüllt für weitere Fahrten. Die Weine der Bodega Guiguan  gibt es nämlich nicht in den Super- oder Weinmärkten der Insel, wohl in ausgewählten Restaurants und ansonsten nur bei der Bodega selbst. Prost!

  • Abgestürzt

    Agaven und Aloe
    schräge Palmen
    üppig blühende Bougainvillea

    Der heutige Morgenspaziergang mit Samy ist ein bisschen kürzer ausgefallen als sonst. Wie immer gehen wir an der schönen oberen Hafenpromenade entlang, die wunderbare Farbe der Bougainvillea erfreut mein Herz täglich aufs Neue, ehe wir auf das weite Feld Richtung Puerto del Carmen kommen, wo der Hund rennen und ich den Blick über unendliche Weiten Richtung Afrika schweifen lassen kann.

    Heute treffen wir nämlich an der schmalen steilen Engstelle davor eine Engländerin mit einem ganz kleinen weißen Hundemädchen. Der kleine Giftzwerg stellt sich vor Samy und keift ihn an. Samy dreht sich um, um ganz schnell wegzurennen, nimmt aber leider nicht den Weg, sondern stürzt über die Klippe in die Tiefe, auf einen darunter stehenden Strandbuggy!

    Samy ist müde nach der Aufregung

    Bis ich runter gerannt bin, ist er offensichtlich schon wieder aufgestanden, von dem Gefährt runter geklettert, und sucht humpelnd und ein bisschen verwirrt nach einem Ausgang aus der Absperrung. Nach ausgiebigem Streicheln und vorsichtigen Durchbewegens der Pfoten und Beinchen machen wir uns ganz langsam auf den Heimweg. Das Brotkaufen im Supermarkt und der Morgenkaffee auf der Terrasse am Hafen fallen besser heute aus. Samy ist tatsächlich ein bisschen schockiert über sich selbst, und mir zittern die Knie.

    Gestern haben wir das Video von der Atlantikpassage Gibraltar nach Lanzarote fertig geschnitten, viel Spaß damit!

  • Nach Lanzarote – Tag 4: Ankunft

    Donnerstag, 21. März 2019, Baro 1015, auf See
    02:00 Uhr Wind NO um 6, Vollmond, Position 30°25′ N, 012°19′ W, noch 118 sm bis Puerto Calero

    Wir haben wieder gehalst, der Vollmond erleuchtet die Nacht wunderbar. Er begleitet uns durch de ganze Nacht. Ab 04:00 Uhr nimmt der Wind ab auf 20 – 24 Knoten, die Wellen werden ruhiger, dann kann man auch besser schlafen.
    Um 07:20 MEZ haben wir wieder nach Backbord gehalst, jetzt merkt man, dass wir eigentlich in einer anderen Zeitzone sind, denn noch erhellt der Mond die Nacht, während in Gibraltar bereits um 07:24 die Sonne aufgegangen ist, und vorher deutliche Dämmerungszeit war. I m Osten wird es hier nun um 07:35 Uhr langsam rötlich am Himmel.
    Der Wind bleibt uns treu, 30 – 23 Knoten heute morgen, um 10:00 Uhr haben wir ein neues Tagesetmal von 206 sm, und schon wieder ist der Skipper zufrieden. Der Wetterbericht für die nächsten Stunden sagt ebenfalls ordentlichen Nordostwind voraus, sodass berechtigte Hoffnung besteht, dass wir nach unserer Zeit vor 20:00 Uhr ankommen sollten. Hier ist ja UTC, also eine Stunde früher, da bleibt genug Zeit, um mit Samy spazieren zu gehen, sich umzuziehen, und rechtzeitig um 20 Uhr in einem der schönen Restaurants in Puerto Calero zu sitzen und das erste Bier zu trinken. Auf der Überfahrt trinken wir immer nur “Zero San Miguel”, also das alkoholfreie Bier, zum Sundowner.
    Zum Frühstück gibt es heute wieder selbst gebackene Foccacia und Rührei mit Speck, so sind wir für den letzten Tag gerüstet. Mit ordentlich Wind, um die 20 – 24 Knoten, geht es weiter. Um 16:30 Uhr MEZ liegt Arrecife querab, jetzt sind es noch 12 Meilen bis zur Marina Puerto Calero. Seit einigen Stunden haben wir Handy-Empfang, der Skipper hat sein Internet wieder, ich glaube, das hat er während der Überfahrt am meisten vermisst. Und die Whatsapps fliegen durch den Äther. Samy wittert Land, freut sich, dass kein Seegang mehr ist, und er sich alleine draußen bewegen kann, ohne Leine, sich einfach so im Trampolin wälzen!
    Vor 18:00 Uhr sind die Leinen fest am gewohnten Liegeplatz in Puerto Calero, eine super Überfahrt mit 640 Seemeilen!

  • Nach Lanzarote – 3. Tag

    Mittwoch, 20. März 2019, Baro 1018, Wind NO um 6
    Auf See, Position 07:45 32°38’235 N, 010° 34’766 W
    Tagesetmal 187 sm
    In der Nacht haben wir 77 Ah verbraucht, ab dem Sonnenaufgang laden die Solarpanele heute gut rein, die zwei tragbaren liegen im Trampolin, angewinkelt zur Morgensonne. Die Segelführung ist unverändert, wir kreuzen vor dem Wind, um 06:40 haben wir gehalst, um 13:00 Uhr sind wir noch 17 sm von der Ideallinie entfernt, wir fahren einen Schnitt von knapp unter acht Knoten. Wir werden dann ca. 25 Seemeilen über die Ideallinie fahren, dann erneut halsen, usw.
    Um 17:00 Uhr frischt der Wind auf von 17 auf 25 Knoten, wir halsen gerade noch rechtzeitig, fahren tatsächlich fast auf der Ideallinie. Gut, dass wir trotz der zwischendurch nur 18 Knoten Wind das Groß nicht ausgerefft haben, so müssen wir jetzt nicht in den Wind drehen und bei 2 – 3 Meter Welle reffen.
    Es gibt Abendessen für Hund und Crew um 19:00 Uhr, eine halbe Dose für Samy, Schnitzelchen und Broccoli für uns.
    Um 20:00 Uhr frischt der Wind noch weiter auf, 27 – 32 Knoten, aber die Richtung ist gut, mit 150 – 160° von Steuerbord. Die Wellen sind schon echte Karwenzmänner, die haben bestimmt drei Meter Höhe, sie rauschen knatternd und scheppernd unter dem Schiff durch und schaukeln es (und uns) ganz schön durch.
    Ein Seevogel hat sich zum Ausruhen auf unser Luv-Schwert gesetzt, aber nach zwanzig Minuten fliegt er oder sie weg, kommt dann wieder und setzt sich auf den viel unbequemeren Relingstab, bevor er entültig verschwindet.
    Der Wind bleibt die ganze Zeit stark, die Wellen auch, das Fensterputzen heute morgen hätten wir uns sparen können, aber so hatten wir wenigstens einen halben Tag lang gute Sicht.
    Um 22:00 Uhr haben wir ein Halbtagesetmal von 103 sm, das macht den Skipper zufrieden. Wir drehen noch zwei Umdrehungen auf die Genua, die letzten zwei Stunden hatten wir eine durchschnittliche Geschwindigkeit von über zehn Knoten, Topspeed waren 18,7 Knoten, mit einem Reff in Genua und Groß nicht schlecht. Volker geht mit Samy ins Trampolin, damit der Hund seine Geschäfte erledigen kann, mir zuliebe an der Leine, bei 14 Knoten Geschwindigkeit kommt es selbst Volker ziemlich schnell vor. Und wenn man unten im Bad auf der Toilette sitzt und raus schaut, denkt man, man säße im ICE.
    So vergeht die Nacht mit Wachen und Schlafen, und der letzte Tag der Überfaht bricht an.

  • Nach Lanzarote – Tag 2

    Dienstag, 19. März 2019, 01:00 Uhr, Baro 1020, Wind NNO, 16 – 18 Knoten
    Auf See, Position 23°52′ N 007°10’W
    Im Laufe der Nacht nimmt der Wind mal ein bisschen ab, dann wieder ein bisschen zu, zwischen elf und zwanzig Knoten Wind blasen in die Segel, allerdings noch raumer, sodass wir anluven müssen, um vor dem Wind zu kreuzen, denn sonst schlagen die Segel bei diesem Wellengang. Der Kurs ist 255° statt 225°, aber so läuft es wenigstens. Um 06:50 Uhr zeigen sch erste Spuren des aufkommenden Morgens am leider wolkigen Himmel.
    10.00 Uhr: Tagesetmal 182 sm, Baro 1018, Sonne + leichte Wolken, Wind NO 5
    Das selbst gebackene Focaccia ist im Ofen und verbreitet köstlichen Geruch, die Morgentees und der Cappuccino sind gekocht, der Skipper flucht über den Vorwindkurs, wegen der flappenden Segel: Der Tag kann losgehen.
    Ich kämpfe mit unserem Winlink Mail Account. Offensichtlich habe ich beim Absenden der Requests an Predict Wind zuviele Daten abgefragt, jedenfalls verstopfen mir die Antwortmails unser Postfach, es dauert Stunden, bis so ein File heruntergeladen ist, und angeblich sind noch zwölf drin!
    12:48 Uhr Auf UKW Kanal 16 empfangen wir einen Pan-Pan-Ruf (Dringlichkeitsmeldung) der Segelyacht Leia; da kein Offizieller, damit meine ich die Küstenwache, sich schnell meldet, antworten wir und bitten um Mitteilung der Position und des Problems an Bord. Wie ich schon an dem Pan-Pan-Ruf gehört hatte, ist der Mensch an der Funke aus Deutschland. Wir verständigen uns auf Kanal 9. Die Ruderanlage der Leia ist kaputt und sie können nur noch mit der Notpinne steuern, bei den 2-3 Meter hohen Wellen wäre das sehr schwierig, sagt er. Außerdem haben sie nur noch Sprit für ca. 20 Stunden motoren. Die Leia ist ein 51-Fuß Monohull, sie kommen von Madeira und wollten eigentlich nach Gibraltar. Ihre Position ist ca. 50 Seemeilen nördlich von uns und 80 Seemeilen von der marokkanischen Küste. Fakt ist, dass wir nicht helfen können und die Mannschaft versuchen wird, Rabat in Marokko motorend zu erreichen. Wir können nur mit Auskünften unterstützen, wie man den nächsten Hafen, Rabat, ansteuern kann, und wir verständigen mit unserem Sat-Telefon den Vercharterer. „Na dann, alles Gute Leia, und eine sichere Fahrt nach Rabat, over and out!“
    Mittlerweile hat Ralf übers Internet dankenswerterweise den Stau in unseren Winlink-Mail-Account aufgelöst, da waren über zwei MB drin, er sagt, wir wären in Lanzarote bereits angekommen, ehe das alles heruntergeladen sein könnte.
    Um 13:40 Uhr haben wir gehalst und fahren jetzt auf Steuerbordbug, nicht mehr genau vorm Wind, das ist wesentlich angenehmer, 35 Meilen können wir das so machen, dann müssen wir wieder halsen, um in der Nacht nicht zu nah unter Land zu geraten und uns mit den marokkanischen Fischern anzulegen.
    17:30 wechseln wir auf Backbord, halsen mal wieder vor dem Wind, der inzwischen aufgefrischt hat auf bis zu 24 Knoten, jetzt ist der Skipper zufrieden, „da gibt es nichts zu meckern!“, die Hexe rennt.
    Ralf hat mich über Mail informiert, dass ich bei der Eingabe unserer Position im Position Report für Winlink Ost und West verwechselt habe, wir wären da irgendwo auf dem Tunesischen Festland, blöd, blöd, denn die Abendposition hatte ich auch schon gesendet, also musste ich sie erneut senden, diesmal mit 9° West statt Ost.
    Um 19:00 Uhr refft Volker zwei Umdrehungen auf die Genua, der Wind hat weiter aufgefrischt. Um 21:00 Uhr binden wir Reff 1 ins Groß, weil es inzwischen mit 29 Knoten Wind weht. Das stimmt auch mit den Vorhersagen überein, danach segelt die Hexe zwar ein bisschen langsamer (vorhin habe ich 14,7 Knoten über Grund gesehen!) aber wir machen immer noch 7 – 11 Knoten Fahrt. Gut, dass wir rechtzeitig gerefft haben, so wird es eine relativ entspannte Nacht.

  • Nach Lanzarote – Tag 1

    Die Intermarfunkrunde um 11:00 UTC, 12:00 Uhr MEZ bekomme ich nicht gut rein, ich höre mal kurz ein Rufen: „CQ CQ hier ist…“, aber das wars dann auch schon, vielleicht hab ich ja bei der Abendrunde um16:30 UTC mehr Glück. Wir versenden noch Whatsapps an Familie und Freunde, ich stelle den kleinen Blog, dass wir abgelegt haben, online, irgendwann haben wir nur noch marokkanisches Netz, dann wird das teuer. Unsere Kommunikation beschränkt sich jetzt auf den SSB-Funk, Emails und Wetter per Pactor, und zur Not das Satellitentelefon.
    Um 14:00 Uhr sind wir am Ende des Verkehrstrennungsgebietes, jetzt gilt es, gut aufzupassen, dass wir beim Abbiegen nicht in den Weg von einem Tanker oder Frachter kommen, denn wir haben zwar das Großsegel oben, aber wir motorsegeln, der Wind reicht mit 4 Knoten nicht annähernd zum Segeln. Auch ist die Strömung noch sehr gegen uns.Mit den Tankern, Frachtern und Autotransportern ist es ein kleines Zickzacklaufen, aber schließlich haben wir die großen Verkehrswege hinter uns gelassen und freie Fahrt. Wir füllen 70 l in die beiden Dieseltanks, denn die Fahrt mit den zwei Motoren auf 2200 Umdrehungen schluckte beträchtlich Diesel.
    Um 16:00 Uhr dreht der Wind weiter, und frischt auf 11 – 12 Knoten auf, der Code D darf in die Sonne, jetzt wird gesegelt! Schnell fährt die Hexe trotz Gegenstrom mit über elf Knoten über Grund, der Skipper ist glücklich.
    In der Intermarfunkrunde höre ich Uwe klar und deutlich, und auch DL4TJ, der zwischendurch übernimmt, kommt klar an, und bestätigt mir, dass wir selber hervorragend zu hören sind. Währenddessen nimmt der Wind weiter zu, 16, manchmal auch über 17 Knoten, da sind wir immer noch vorsichtig und rollen den Code D lieber weg. So steht es in den Empfehlungen von Outremer, mit größerer Crew könnte man da sicher noch was reizen, aber wir zwei segeln dann eher konservativ. Aber auch mit der Genua läuft die Hexe über zehn Knoten Speed, was wollen wir mehr?
    Vor der Dunkelheit wollen wir den Wassergenerator anbringen, denn dazu muss Volker ganz unten auf die Backbord-Badeplattform. Ich habe immer ein bisschen Angst, dass er dabei über Bord geht, deshalb geht das hier draußen nur mit Schwimmweste und Lifeline. Der Hund wird im Cockpit festgemacht, damit er nicht mit kommt, Volker holt den Watt&Sea aus der Backskiste. Das schwere Ding ist bald gut angebracht, zu Wasser gelassen, ich schaue nach, ob es lädt, aber nein, es funktioniert nicht, und außerdem ist in dem kleinen Stecker vom Hydrauliköl etwas kaputt. So ein Mist, bei der Fahrt nach Süden wäre dies eine wichtige Energiequelle gewesen!
    Mit Genua und Groß fahren wir bis zum Abend, zum Essen gibt es Chicken Nuggets und Reis, danach wird das „Wachbett“ bereitet im Salon, dann beginnen die Nachtwachen. Volker hatte kurz darüber nachgedacht, ob wir nicht doch den Code D wieder setzen, aber als ich da unten im Bettchen lag und auf die Windanzeige schielte, war ich froh, dass wir es nicht getan hatten. Der Wind weht konstant mit 16 – 20 Knoten, etwas raumer als bisher, aber doch zuviel für das Leichtwindsegel.

  • Jetzt aber

    Montag, 18. März 2018, Baro 1019, sonnig, leicht bewölkt, Wind O, um 2 Beaufort, Gibraltar 10:00

    Dem humpelnden Hund geht es besser heute morgen, und Expertin Larissa hat ja gesagt, er soll die Pfote wenig belasten. Also segeln wir einfach heute los, dann muss Samy nur auf dem Boot ein kleines bisschen laufen, ansonsten darf er ausruhen.

    Der Wetterbericht sagt für heute bis mittags Westwind, also gegenan durch die Straße von Gibraltar, dann dreht der Wind auf Nordost, ab Dienstag soll er dann stärker weerden, 20 – 26 Knoten, die Wellen sollen moderat bis maximal drei Meter bleiben.

    Drückt uns die Daumen, ich lade das Logbuch täglich hoch, und die Position gibt es wieder über Winklink DL3HEX.

  • Planänderung

    Gestern waren wir noch davon überzeugt, dass wir heute Nacht, zwar bis Sonntag bei wenig Wind,  aber doch immerhin unter Motor Europa hinter uns lassen würden, entlang der marokkanischen Küste Richtung Kanaren segeln würden. Aber dann hat ein heimtückischer Virus den Skipper hinterrücks befallen und seit gestern Abend liegt er danieder. Statt die irischen Pubs am gestrigen St. Patrick’s Day unsicher zu machen, waren wir brav an Bord, und haben alte Filme geschaut.

    Heute ging es schon ein bisschen besser, aber mit so einem Skipper wollte ich keine Nachtschichten machen, vor allem nicht auf dem Atlantik, man weiß ja nie, was dort passiert…

    Ab morgen weht der Wind in der Straße von Gibraltar aus Westen, eine denkbar schlechte Situation, um nach Westen zu fahren, selbst mit einem gesunden Skipper, also müssen wir mindestens bis Dienstag warten. Dann werden wir die gesamte Wettersituation neu einschätzen, und mitteilen, wann und wohin wir weiter fahren. Bis dahin wünschen wir allen ein schönes Wochenende!