Nach Lanzarote – Tag 2

Dienstag, 19. März 2019, 01:00 Uhr, Baro 1020, Wind NNO, 16 – 18 Knoten
Auf See, Position 23°52′ N 007°10’W
Im Laufe der Nacht nimmt der Wind mal ein bisschen ab, dann wieder ein bisschen zu, zwischen elf und zwanzig Knoten Wind blasen in die Segel, allerdings noch raumer, sodass wir anluven müssen, um vor dem Wind zu kreuzen, denn sonst schlagen die Segel bei diesem Wellengang. Der Kurs ist 255° statt 225°, aber so läuft es wenigstens. Um 06:50 Uhr zeigen sch erste Spuren des aufkommenden Morgens am leider wolkigen Himmel.
10.00 Uhr: Tagesetmal 182 sm, Baro 1018, Sonne + leichte Wolken, Wind NO 5
Das selbst gebackene Focaccia ist im Ofen und verbreitet köstlichen Geruch, die Morgentees und der Cappuccino sind gekocht, der Skipper flucht über den Vorwindkurs, wegen der flappenden Segel: Der Tag kann losgehen.
Ich kämpfe mit unserem Winlink Mail Account. Offensichtlich habe ich beim Absenden der Requests an Predict Wind zuviele Daten abgefragt, jedenfalls verstopfen mir die Antwortmails unser Postfach, es dauert Stunden, bis so ein File heruntergeladen ist, und angeblich sind noch zwölf drin!
12:48 Uhr Auf UKW Kanal 16 empfangen wir einen Pan-Pan-Ruf (Dringlichkeitsmeldung) der Segelyacht Leia; da kein Offizieller, damit meine ich die Küstenwache, sich schnell meldet, antworten wir und bitten um Mitteilung der Position und des Problems an Bord. Wie ich schon an dem Pan-Pan-Ruf gehört hatte, ist der Mensch an der Funke aus Deutschland. Wir verständigen uns auf Kanal 9. Die Ruderanlage der Leia ist kaputt und sie können nur noch mit der Notpinne steuern, bei den 2-3 Meter hohen Wellen wäre das sehr schwierig, sagt er. Außerdem haben sie nur noch Sprit für ca. 20 Stunden motoren. Die Leia ist ein 51-Fuß Monohull, sie kommen von Madeira und wollten eigentlich nach Gibraltar. Ihre Position ist ca. 50 Seemeilen nördlich von uns und 80 Seemeilen von der marokkanischen Küste. Fakt ist, dass wir nicht helfen können und die Mannschaft versuchen wird, Rabat in Marokko motorend zu erreichen. Wir können nur mit Auskünften unterstützen, wie man den nächsten Hafen, Rabat, ansteuern kann, und wir verständigen mit unserem Sat-Telefon den Vercharterer. „Na dann, alles Gute Leia, und eine sichere Fahrt nach Rabat, over and out!“
Mittlerweile hat Ralf übers Internet dankenswerterweise den Stau in unseren Winlink-Mail-Account aufgelöst, da waren über zwei MB drin, er sagt, wir wären in Lanzarote bereits angekommen, ehe das alles heruntergeladen sein könnte.
Um 13:40 Uhr haben wir gehalst und fahren jetzt auf Steuerbordbug, nicht mehr genau vorm Wind, das ist wesentlich angenehmer, 35 Meilen können wir das so machen, dann müssen wir wieder halsen, um in der Nacht nicht zu nah unter Land zu geraten und uns mit den marokkanischen Fischern anzulegen.
17:30 wechseln wir auf Backbord, halsen mal wieder vor dem Wind, der inzwischen aufgefrischt hat auf bis zu 24 Knoten, jetzt ist der Skipper zufrieden, „da gibt es nichts zu meckern!“, die Hexe rennt.
Ralf hat mich über Mail informiert, dass ich bei der Eingabe unserer Position im Position Report für Winlink Ost und West verwechselt habe, wir wären da irgendwo auf dem Tunesischen Festland, blöd, blöd, denn die Abendposition hatte ich auch schon gesendet, also musste ich sie erneut senden, diesmal mit 9° West statt Ost.
Um 19:00 Uhr refft Volker zwei Umdrehungen auf die Genua, der Wind hat weiter aufgefrischt. Um 21:00 Uhr binden wir Reff 1 ins Groß, weil es inzwischen mit 29 Knoten Wind weht. Das stimmt auch mit den Vorhersagen überein, danach segelt die Hexe zwar ein bisschen langsamer (vorhin habe ich 14,7 Knoten über Grund gesehen!) aber wir machen immer noch 7 – 11 Knoten Fahrt. Gut, dass wir rechtzeitig gerefft haben, so wird es eine relativ entspannte Nacht.

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