Autor: Hexymama

  • Back to the roots

    Rosenstillleben im Hafen

    So hatte der Skipper sich seinen Geburtstag vorgestellt: Ein langes Wochenende in Holland auf einem Boot im Hafen von Workum, mit lieben Freunden, ganz viel Kuchen und Sonnenschein. Von dort aus sind wir vor fast genau fünf Jahren mit unserer letzten Hexe, der Dehler 41, zu dem immer noch andauernden Abenteuer unserer Reise aufgebrochen.

    Eigentlich hat Volker sich das ganz clever ausgedacht, der Wetterbericht sagte vorher, dass es am Ijsselmer zwar schönes Wetter geben solle, aber bei weitem nicht so warm wie im Rhein-Main-Gebiet. Die 36° am Donnerstag haben dann auch die Holländer überrascht.

    Beach Life

    Wir fanden es sehr schön, im Schatten alter Pinien am Workumer Strand zu liegen, ab und zu im extrem flache Wasser zu waten, mit und ohne Samy, und so langsam dem Abend entgegen zu dösen. Um 20 Uhr war es immer noch so warm, dass Volker keine Lust hatte, den Grill anzuwerfen, so haben wir uns mit klassischem deutschen Abendbrot gesättigt und ließen mit Seglerfreund Christian den Abend ausklingen.

    Camping!

    Am Freitag kamen unsere Freunde Rolf und Cerstin mit ihrem Wohnmobil auf dem Campingplatz an, auch Freundin Petra aus Düsseldorf hat sich durch den Stau gekämpft. Nach einem ersten Begrüßungssekt auf der Constantia (vielen Dank an Carl-Martin und Ursel, dass wir auf dem Boot wohnen durften!) sind wir mit Grillgut und Salaten zum Campingplatz umgezogen und haben Cerstin und Rolfs Gastfreundschaft weidlich ausgenutzt. Bis in den späten Abend haben wir den Sommerabend genossen.

    Coole Deko

    Am Samstag kamen auch Susanne und Jürgen aus Remscheid, die beiden haben uns vor fünf Jahren ein erstes Stück bis Cherbourg begleitet, diesmal kommen sie zu Ehren des Skippers. Nun kann die Kuchenschlacht losgehen, Petra hat Käsekuchen mitgebracht, Susanne Schokoladenkuchen, und Cerstin hat im Camper Zitronenkuchen und Erdbeer-Quark-Torte gezaubert. Irgendwann kann keiner mehr „Babb“ sagen, dabei ist noch nicht einmal die Hälfte der süßen Leckereien verputzt!

    Die Chefin beim Käseschneiden
    In der Käserei
    Zwei süße Kälbchen

    Zum Verdauen machen wir einen Besuch in der Workumer Käserei, decken uns mit altem und jungem Gouda ein, bewundern die Kälbchen und den übervollen Pflaumenbaum. Später gibt es Grillfeier Nr. 2, zum Ausklang des Abends verwöhnt Jürgen uns mit sanftem Gitarrenspiel, und um 24 Uhr ist auch dieser Geburtstag vorbei.

    Die Schlacht am Kuchenbüffet

    Es folgte ein Lazy Sunday, wieder auf dem Campingplatz, und dem Versuch, der Kuchenmengen Herr zu werden, was nur mäßig gelang, weil es einfach unglaublich viel davon gab, vier Kuchen für sieben Menschen! Und wahrscheinlich auch, weil unser Aktivitätsdrang eher nicht vorhanden war, also einfach zuwenig Kalorien verbraucht wurden. Am späten Nachmittag mussten Petra sowie Susanne und Jürgen die Heimreise antreten, während wir mit Cerstin und Rolf noch einen weiteren schönen Abend in Workum verleben durften.

    Sunset

    Vielen Dank an Euch alle, dass Ihr aus diesem Wochenende ein ganz unvergessliches gezaubert habt!

  • Samy in the sky

    Am Samstag sind wir von Lanzarote nach Frankfurt geflogen. Mit Samy in der großen Kiste im Gepäckraum, und ganz viel Bauchweh. Schon in den Tagen davor haben wir uns immer wieder Gedanken gemacht: „Wird Samy den Flug gut überstehen? Wird er bellen? Geht er problemlos am Flughafen in die Kiste?“. In der Nacht davor haben wir beide (der Hund eher nicht) schlecht geschlafen und waren schon vor der Abfahrt vom Boot nervös. Für den kurzen Trip mit dem Shuttlebus von der Autovermietung zum Flughafen musste Samy auch schon in die Box. Das hat er problemlos mitgemacht, ein besonders leckeres Leckerli hat ihn schnell überredet.

    Am Flughafen natürlich die für diese Jahreszeit typische Schlange an den Eincheck-Schaltern, obwohl wir mehr als zwei Stunden vor Flugbeginn dort waren. Nachdem wir endlich die Koffer abgegeben hatten, wurden wir von einem Airport-Mitarbeiter übers Gelände zum Security-Bereich geführt, ab dort durfte nur noch einer mit, und nach der Sicherheitskontrolle, Samy musste alleine und ohne Leine durch den Menschen-Scanner, kam er in die Box, und wir mussten ihn unter Fremden lassen.

    Dummerweise hatte unser Flug schon vor dem Start eine dreiviertel Stunde Verspätung, wir haben oben in der Lobby gewartet, Samy in der Kiste. Der Flug an sich war angenehm, kleine Turbulenzen, aber ansonsten sehr schön, mit guter Sicht über den Atlantik, Portugal, Spanien, Frankreich und schließlich Deutschland.

    In Frankfurt ging es zunächst schnell, klar waren wir auf einer Außenposition, aber wir haben gesehen, dass man zügig anfing, das Gepäck, und hoffentlich auch den Hund, auszuladen. Schließlich saßen auch wir im Bus, aber da gab es immer wieder Stau, weil die Busse über die Rollbahnen fahren, und entsprechend den ankommenden oder abfliegenden Flugzeugen die Fahrbahn freimachen mussten. Endlich waren wir bei der Gepäckausgabe, ich stehe am Sperrgepäck, schon kommt Samys Box, ich hebe ihn runter, öffne die Türe, und Samy kommt mir schwanzwedelnd entgegen als käme er aus dem Kofferraum eines Autos, und nicht von fast sieben Stunden in der Flugkiste.

    Da sind ganze Felsbrocken auf den Boden der Gepäckausgabe des Frankfurter Flughafens gestürzt!

  • ATMS

    Noch schlimmer als TMS (Tödlicher Männer-Schnupfen) ist der ATMS, der Absolut Tödliche Männer-Schnupfen), der neben den vom TMS bekannten Symptomen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Bettlägerigkeit und Gliederschmerzen, zusätzlich noch mit erhöhten Temperaturen einher kommt.

    Wenn ein Mann von solch einem Virus, denn um einen solchen handelt es sich zweifellos, befallen ist, so wird er sich wehren. Zunächst mit erweiterter Bettruhe bis in den späten Vormittag hinein, sodann mit einem kräftigenden Früh- oder Spätstück mit Eiern, Speck und süßen Teilchen, um dann mit einem wunderwirkenden Mittagsschlaf die Genesung fortzusetzen. 

    Am späten Nachmittag rafft Mann sich zu ungeahnten Aktivitäten auf, die später in einem ordentlichen Abendessen gipfeln, um anschließend ermattet auf der Couch zusammen zu sinken, und nur noch genügend Kräfte für die Dauer eines Spielfilmes aus der heimischen Videothek zur Verfügung zu haben.

    Von solch einem Virus ist der Skipper seit zwei Tagen befallen, und er hat sich erfolgreich mit den beschriebenen Gegenmaßnahmen gewehrt. Entsprechend gestärkt haben wir uns Samstag Nachmittag nach Arrecife gewagt, um die Entstehung der Salzteppiche zu beobachten, die dort rund um die kleine Kirche in der Innenstadt mit viel Liebe hervor gebracht werden. Anlässlich des Johannestages, der in Spanien am Abend mit großen Feuern gefeiert wird, finden außerdem Kirchenfeste, Prozessionen und weltliche Konzerte statt. Hier in Arrecife eben auch mit den Salzteppichen rund um die Kirche San Ginés.

    mit Farbe mischen
    Salz verteilen
    glätten

     

     

     

     

    Hunderte Menschen mischen das zur Verfügung gestellte Salz mit irgendwelchen Farbpartikeln, um es dann auf dem blanken Boden der Straßen zu Bildern zusammen zu setzen. Holzkeile werden mit Nägeln auf den Pflastersteinen befestigt, sozusagen als Trennwände zwischen den einzelnen Farbschichten, dann wird das mühsam mit den Farben gemischte Salz dazwischen verteilt, und am Ende entstehen bunte Bilder, Motive von Kinderhand, aber auch religiöse, bildliche und künstlerische Werke, die am nächsten Tag wieder dem Zahn der Zeit, in diesem Fall die alljährliche Prozession zu Johanni, weichen müssen. Kunst für den Augenblick.

    kleine Studie von mir

    Das „ordentliche Abendessen“ gab es mit vielen Freunden bei schönstem Abendhimmel am Strand im Restaurant Emmax, wieder sehr, sehr lecker. Am Nebentisch saß ein Spanier, der kleine Skizzen von den Menschen an unserem Tisch anfertigte, zuerst von den irisch-deutschen Kindern Oisin und Cuisle, dann von der ganzen Familie, schließlich sogar von mir.

    Das Queen-Revival-Konzert am Strand von Playa Honda haben wir uns zugunsten der heimischen Couch geschenkt, für die baldige Gesundung ist die Zurückhaltung besser.

  • Hoch hinaus

    Bis zur Spitze ist es noch ein gutes Stück

    Eigentlich wollten wir am Montag direkt nach dem Autotausch und vor dem Frühstück aufbrechen zu einer kleinen Segeltour, mal weg von der Insel und ihren zahlreichen Verlockungen zum Bleiben und Sesshaftsein. (Über den Ausflug haben wir schon im letzten Blogbeitrag berichtet)Aber am Morgen war einfach gar kein Wind, nix, nada. Da kam Volker die Idee, dass er das auch positiv ausnutzen könnte, und endlich den Mast von Sand und Saharastaub abwaschen, und gleichzeitig das Edelstahl an den Wanten und an der Saling polieren.

    Von den Jungs, die nebenan die Catlanza VII, den Ausflugskat nach der Inspektion wieder aufriggen und segelfertig machen, haben wir uns ihren Wasserschlauch geliehen, mit unserem verbunden, damit dieser lang genug war, um vom Steg übers Vorschiff bis in die fast 27 m hohe Mastspitze zu reichen.

    Mein Helfer, die Elektro-Winch

    Mit Autosol, Poliertüchern und Schwamm bewaffnet steigt Volker in den Bootsmannstuhl und ich ziehe ihn nach oben. Also, das stimmt nicht ganz, glücklicherweise muss ich ihn nicht mit meiner Arme Kraft nach oben kurbeln oder gar ziehen, dafür haben wir eine Elektro-Winch, die das für mich erledigt, zwar jammert sie auch manchmal und quietscht, aber versieht brav ihren Dienst. Dreimal musste sie Volker hoch in den Mast ziehen, dann konnte ich ihn langsam wieder ablassen, während er zuerst die Nut des Großsegels und den Mast an sich mit dem Wasserschlauch abspritzt, beim zweiten Mal die Steuerbord-Wanten poliert und nachwischt, und beim dritten und letzten Mal das Ganze auf der Backbordseite wiederholt.

    An der Saling werden auch die Lampen poliert

    Nun ist der rote Saharastaub aus den Nuten entfernt, unser Mast strahlt wieder in neuem Glanze. So kann ein weiterer Punkt auf der ständigen To-Do-Liste abgehakt werden.

  • Fuerteventura and back

    Samys Lieblingsplatz beim Segeln

    Als Samy merkt, dass wir Vorbereitungen zum Ablegen treffen, geht er ins Trampolin und schubbert sich erstmal kräftig. Nach dem Segelsetzen liegt er gemütlich dort vorne, lässt sich den leichten Wind um den Bauch wehen und schläft. Das ist wirklich sein Platz, wenn wir unterwegs sind. Mit einer leichten Brise aus Nordost, um die sieben Knoten, segeln wir gemütlich dahin.

    Wie immer startet bei „Kap Hoorn“ der Wind, von jetzt auf gleich weht es mit 16 Knoten aus West, das Meer ist weiß von den kleinen Schaumkrönchen, an Ankern vor Papagayo oder Los Lobos ist bei dieser Windrichtung gar nicht zu denken.

    Schnell haben wir ein neues Ziel im Auge: Puerto del Rosario liegt fast in der Mitte von Fuerteventura und bietet angeblich eine gute Ankerbucht mit Schutz vor allen Winden außer dem südöstlichen Quadranten. Bis dorthin kreuzen wir geschwinde vor dem Winde, das kann die Hexe gut, und das Meer ist flach, sehr angenehm.

    Tatsächlich hatte ich heute Glück, in der Funkrunde von Intermar um 16:30 UTC konnte ich jemand hören, kurz ehe der Moderator offensichtlich wegen fehlender Beteiligung aufgeben wollte. Ich konnte mich mal wieder melden, nicht, dass die denken, die Hexe würde gar nicht mehr mitspielen!

    Due Hexe und ihr Dinghy

    Um 18:00 Uhr fällt der Anker in der Bucht neben dem Hafen von Puerto del Rosario, Volker macht sofort das Beiboot klar, damit wir noch im Hellen die Stadt erkunden können. In den einschlägigen Seglerforen hieß es, dass man an der Slipbahn des Club Nautico das Dinghy parken kann, das machen wir auch, auf Anraten von ein paar gerade heimkehrenden Kanuten, ganz am Rande bei den Felsen fest.

    Treppenaufgang zur Innenstadt

    Von See aus gesehen ist Puerto del Rosario eher hässlich, viel Industrie, dazwischen Ferienwohnungssiedlungen, und wieder Industrie. In dem großen Hafen legen die Versorgungsschiffe, aber auch Kreuzfahrtschiffe an, allerdings werden die Touristen dann zu anderen Zielen auf der Insel gefahren, die Stadt bietet wohl nicht so viele Sehenswürdigkeiten. Wir aber wollen der Hauptstadt von Fuerteventura die Gelegenheit geben, doch noch unser Wohlwollen zu erlangen.

    blühender Baum in der Fußgängerzone
    akkurat beschnittene Benjamini
    Puerto del Rosario ist bekannt für seine Wandmalerien

    Zur Innenstadt geht es über ein paar Treppen nach oben, dort verläuft eine kleine Fußgängerzone, die mit wundervoll blühenden Bäumen bestückt ist. An den größeren Straßen hingegen stehen riesige Benjamini, adrett in Form geschnitten. Es gibt ein größeres Einkaufszentrum, Supermärkte, auffallend viele Fahrschulen, und einen wunderhübschen Platz vor der Kirche. Drinnen sitzen Gläubige und beten Fürbitten, aber nicht mit einem Pfarrer aus Leib und Blut, sondern mit einer Mikrophonstimme, eher seltsam.

    Hahnenkampf-Denkmal an der Uferpromenade

    Nach einem kleinen Feierabendbier in der Fußgängerzone laufen wir an der Hafenmole zum Strand, dort fallen uns drei schwarz gekleidete Polizisten der Policía local auf. Wir freuen uns jetzt auf unser Abendessen an Bord, und auf die beschauliche Ruhe, die so ein Abend am Anker bieten kann. Eher könnte. Denn: Kurz bevor wir mit unserem Dinghy die Hexe erreicht haben, gibt es ein wildes Hupkonzert und Blaulichtgewitter an der Slipbahn aus eben jenem Polizeiwagen. Was wollen die denn? Kurz sind wir unschlüssig. Was sollen wir jetzt machen? Zurückfahren? Nee, wenn die was wollen, sollen sie doch kommen! Der Platz ist in allen Seekarten eindeutig als Ankerplatz ausgewiesen, es kann höchsten sein, dass man das Dinghy nicht dort parken darf. Aber irgendwo muss man es ja schließlich lassen, wenn man an Land geht.

    Mit dem aufgehenden Vollmond segeln wir zurück nach Puerto Calero

    Nach einigen Überlegungen gehen wir Ankerauf und motoren davon, auf nächtliche Auseinandersetzungen haben wir keine Lust. Wenn Fuerteventura uns nicht haben will, dann fahren wir halt wieder zu unserem geliebten Lanzarote, da sind wir immer willkommen… Um 01:00 nachts liegen wir wieder an unserem Platz mit 59 Seemeilen im Kielwasser.

  • Spezialprodukte aus Lanzarote: die rote Schildlaus und die Aloe Vera

    Die Aloe-Vera-Pflanze

    Neben, oder auch für den Tourismus hat sich auf Lanzarote eine eher handwerkliche Fertigung von Insel-eigenen Produkten entwickelt, eigentlich hat man altes Wissen wieder ausgegraben und in ein neues Gewand gestellt. Überall findet man Läden, manchmal gar ein bisschen hochtrabend Museum genannte Verkaufsstellen, die alle möglichen Produkte anbieten, die man aus heimischen Rohstoffen fertigen kann. Zum Beispiel die Aloe Vera: Eigentlich sieht die Pflanze ja aus wie eine Kaktee, gehört aber zur Familie der Grasbaumgewächse wie die Taglilie, in der Ordnung der Spargelartigen, ist also entfernt mit unserem Spargel verwandt.

    Samy macht Werbung fürs Hundeshampoo

    Auf Lanzarote wird die Echte Aloe zu Hautpflegeprodukten aller Art, Shampoo (sogar Hundeshampoo gibt es!), Gels, Cremes, Fruchtsäften, etc. verarbeitet.

    Volker z.B. schwört nach ausgiebigem Sonnenbad auf sein Aloe-Vera-Gel, das sonnenverbrannte Hautreizungen schnell lindert. Außerdem sollte eigentlich in jeder Küche eine solche Pflanze stehen. Hat man sich zum Beispiel an der heißen Herdplatte verbrannt, oder zu früh an die noch viel zu warme Pfanne gefasst, so soll man bei eventuellen Verbrennungen nur ein Stück eines Armes der Pflanze abschneiden und mit der Schnittfläche auf die Haut legen, das kühlt und hilft.
    Immer.

    Werbeblatt für das Museum

    Daneben gibt es auf Lanzarote die rote Schildlaus, die einen wunderbar intensiven Farbstoff liefert, mit dem schon in vorchristlicher Zeit Gewänder eingefärbt wurden. In Mala, dem Hauptanbaugebiet der Cochenille wurde ein kleines Museum errichtet, das sich mit der Geschichte und dem Anbau der roten Schildlaus beschäftigt. Und natürlich gibt es einen kleinen Laden, in dem die entsprechenden Produkte verkauft werden, sogar zum Färben der Haare kann man es verwenden. So mutig war ich nicht, aber ich habe uns eine Marmelade aus Aloe Vera mit Cochenille geholt, lecker.

    Leider schon fast leer: die Marmelade

    Die Cochinilla, zu Deutsch Cochenilleschildlaus, liefert karminroten Farbstoff, der sich hervorragend zum Färben von Stoffen, aber auch für Malerfarben und Lebensmittel eignet. Ursprünglich in Südamerika heimisch, wo die Inkas die Farbe zum Herstellen der herrschaftlichen roten Gewänder nutzten, verbreitete sich der Anbau der Schildlaus in praekolumbianischer Zeit bis nach Mexiko, die Azteken und die Majas liebten die rote Farbe. Später brachten die spanischen Konquistadoren die Cochenillen mit von ihren Reisen. Auch dem spanischen Königshof gefiel die intensive rote Farbe, und es wurde ausprobiert, in welchem Teil des spanischen Weltreichs der Anbau der Läuse am besten gedieh. Die kleine Insel Lanzarote hatte ein ideales Klima, denn die Opuniten, das sind die Kakteen, auf denen die Läuse siedeln, brauchen trockenes, warmes Klima, das fand man in Mala, im Nordosten Lanzarotes aufs trefflichste.

    Opuntie – unbefallen von der Schildlaus

    Die Opuntien werden gezüchtet, erst wenn sie drei Jahre alt sind, werden die Läuse darauf angesiedelt, sie befallen die großen „Ohren“ des Kaktus, der Fruchtstand der Kakteen wird entfernt, damit sie nicht zu viel Kraft verlieren, auch werden die Pflanzen beschnitten, damit sie immer wieder weiter wachsen. Die flugfähigen Männchen finden und befruchten die deutlich kleineren aber dickeren Weibchen, um kurz nach der Paarung zu sterben, auch nicht schön. Die Weibchen werden in aufwändigen Ernten von den Blättern gepflückt, während die nächste Generation dort aufwächst, so geht das bis zu fünf Mal im Jahr.

    rotes Badesalz

    Die Schildläuse werden gesiebt und getrocknet, gemahlen, das gewonnene Mehl mit Wasser versetzt, gekocht und wieder getrocknet. Durch Zusätze anderer Stoffe können die verschiedensten Schattierungen von „Rot“ erzielt werden. Es ist ein langwieriger Prozess, aber die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. Noch immer wird diese Farbe eingesetzt zum Färben von Wolle, Stoffen, Malerfarben, in Kosmetika und in der Lebensmittelindustrie. Als E120 ist der Cochenillen-Farbstoff einer der licht- und wärmebeständigsten, farbstabiler als viele synthetische Farbstoffe. Campari war bis 2006 das Paradebeispiel für die Cochenille-Verwendung. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass der Farbstoff Karmin unter Umständen allergische Reaktionen erzeugen kann, außerdem macht die tierische Herkunft das Produkt Campari für strenge Vegetarier und Veganer völlig ungeeignet. Vielleicht als Folge dessen hat man dort auf synthetische Farbstoffe umgestellt. Auf Lanzarote werden trotzdem noch viele Cochenille-Produkte hergestellt, exportiert, oder in den Läden verkauft.

    Shampoo und Badegel
    einfache Body Milk aus Aloe Vera
    Auch als Erfrischungs-Getränk lecker
    Die große ökologische Farm in Orzola haben wir im Vorbeifahren gesehen
  • El Día de Canarios

    Am 30. Mai feiern die Kanaren den Tag der ersten Sitzung ihres autonomen Parlaments am 30. Mai 1983. In vielen Ortschaften sind Bühnen aufgebaut, dort wird kanarische Folklore gespielt, (nicht ganz einfach für mitteleuropäische Ohren, zumindest bei dem Sänger in Puerto del Carmen). Männer und vor allem Frauen tragen kanarische Tracht, weite bunte Röcke und weiße Blusen mit Spitzen verziert. Auffällig ist der breite schwarze Stoffgürtel, den die meisten Frauen tragen, sowie die Basthüte mit einem schwarzen Band. Aber die Hutformen sind ganz unterschiedlich, und die älteren Frauen tragen unter dem Hut auch noch eine helle Haube, aus Stoff, der bis über ihre Schultern reicht, wohl eher als Sonnenschutz gedacht.

    Die Lucha Canaria, den traditionellen kanarischen Ringkampf haben wir in Puerto del Carmen leider verpasst, ebenso wie die Regatta mit den Lateinersegelbooten. Sehr schade!

    Das ganze Wochenende ist irgendwie Feiertag, der Freitag war ein Brückentag, wir waren abends am Charco, dem kleinen See in Arrecife, die Gassen rundherum voller Menschen, die Restaurants voll bis zum letzten Platz mit vielen Familien mit kleinen und großen Kindern, eine sehr schöne Stimmung.

    (Fotos folgen)

  • Ausflugssonntag

    Wild zerklüftete Lava-Landschaft

    Gestern Abend war Vollmond, da gibt es hier auf Lanzarote seit vielen Jahren, eine Vollmond-Disco-Party, die von Jürgen, einem Deutschen, der schon seit 30 Jahren auf Lanzarote lebt, auf seiner Finca im Norden der Insel veranstaltet wird. Ulrike aus Arrecife hatte uns die Einladung weiter geleitet. So machten wir uns gestern am frühen Abend auf, dieses einsam gelegene Gehöft zu finden, uns wurde gesagt, dass man auf jeden Fall im Hellen ankommen muss, um sich mit der Gegend vertraut zu machen. Tatsächlich liegt die Finca gut versteckt in den Bergen um Orzola, mitten in Massen erstarrter Lava. Kleine Fähnchen weisen den Weg zu der richtigen Abzweigung in den Schotterweg. Jeder bringt etwas zu Essen und zu Trinken mit, etwas Warmes zum Anziehen, denn im Norden der Insel ist es deutlich kühler als im Süden, das Thermometer fiel in der kurzen Strecke um sieben Grad!

    Gemütliche Ecken in dem schönen Garten

    Auf der Finca angekommen, mussten wir nur den Klängen der Musik folgen. Nach und nach traf die deutsche Gemeinde Lanzarotes ein, in einer Ecke saßen die Pfeife rauchenden älteren Herren, einige Damen waren gerne in phantasievolle, an die Hippie-Bewegung erinnernde Kleider geschlüpft, Jürgen begrüßte alle Ankommenden aus dem Musikschuppen heraus, und Marianne, die Hausherrin, empfing uns Neulinge ganz besonders herzlich. Anschluss war schnell gefunden, so plauderten wir einige fröhliche Stunden mit Residenten und Gästen der Insel. Dabei kam das Tanzen bei uns ein bisschen zu kurz, aber es gab so viel zu erfahren und auszutauschen.

    Zu später Stunde fuhren wir im Schein des Vollmonds zurück zum Boot, und haben in unserer Lieblingsbar, dem Upper Deck hier im Hafen, noch einen kleinen Absacker genossen.

    Ein landendes Flugzeug

    Nachdem Volker sich heute mit einem frühen Mittagsschlaf wieder in Form gebracht hat, fuhren wir mit unserem kleinen Leihauto zum Hundestrand in Matagorda, direkt am Flughafen. Dort starten und landen die Flugzeuge direkt über unseren Köpfen, ziemlich spektakulär. So hat Samy sein Sonntagsprogramm abbekommen, ein großer Spaziergang am Sandstrand.

    Das Café Berlin in Puerto del Carmen
    Café Berlin

    Danach gab es ein Goodie für Volker: Käsekuchen im Café Berlin, dazu alkoholfreies Weizenbier (ja, die Kombination geht!).

    Die Fahrradständer stehen schon bereit

    Jetzt musste ein bisschen Sport her, also haben wir uns angeschaut, wo nächsten Samstag Start und Finish des Lanzarote Ironman stattfinden. Wir waren schon bei dem Gedanken an die 3,8 km Schwimmen vollkommen erschöpft, nicht zu reden von den 180 km Radfahren, Berge rauf und Berge runter.

    Restaurant Emmax in Playa Honda

    Das Leckerli für mich gab es direkt an der Marathonstrecke des Ironman, die von Puerto del Carmen über Playa Honda bis fast nach Arrecife reicht. Im Restaurant Emmax in Playa Honda, das von zwei Deutschen, (der eine Chef, Moritz, ist sogar Darmstädter) geführt wird, konnten wir uns bei einem frühen, sehr köstlichen Abendessen Gedanken über die armen Sportler machen, die nächsten Samstag hier den letzten harten Teil des Triathlons absolvieren werden. Wir jedenfalls hatten einen ganz tollen Sonntag, den wir jetzt locker auf dem Boot ausklingen lassen.

  • Rund Lanzarote

    Bei vollkommen grauem Himmel verlassen wir die achte Kanareninsel La Graciosa nach dem Hundespaziergang. Es ist viel Wind, der uns vom Steg wegdrückt, besser als umgekehrt. Draußen wird das Großsegel im ersten Reff gesetzt, vor dem Wind fahren wir nach Süden. Die Wellen schaukeln das Boot gehörig durch, auch die Genua ist nicht vollständig ausgerollt, es sind gut 24 Knoten Wind, die erste Acceleration Zone des Tages, das sind die für die Kanaren typischen Gebiete mit starken Winden. Trotzdem macht Petra uns Mädels einen schönen Kaffee, Volker bekommt Tee, das Frühstück gibt es als Selbstbedieungsbuffet. Wir sehen die Bucht von Famara, die Halbinsel mit dem Sportlerhotel und dem Ort La Santa, dann wird es einsam an der Küste. Schwarzes Lavagestein bedeckt die Berge und die Küstenregion. Im Timanfaya Nationalpark können wir ein Gebäude ausmachen, bei Recherchen auf Google scheint es sich um eine Station mit großen Antennen zu handeln, die man bei den Busfahrten durch den Nationalpark nicht zu sehen bekommt.

    Der andere Segler vor unserem Bug

    Wir kreuzen wieder vor dem Wind, zur Freude des Skippers wird es eine Regatta. In der Ferne sehen wir ein Segelboot, nach genauerer Betrachtung mit dem Fernglas einen Kat, eine schnelle TS42 von Masaudon. Kurz vor der zweiten Acceleration Zone im Süden haben wir den Seafox eingeholt, schließlich auch überholt. Seit 14 Uhr segeln wir in dem schönsten Sonnenschein, den man sich wünschen kann, und sooo schnell, lockere zehn Knoten, aber auch 12,5 haben wir schon gesehen.

    Im Süden ist kurzfristig der Wind weg, wir sehen noch 3 Knoten auf der Anzeige, aber des Skippers Adleraugen haben schon ausgemacht, dass es vor der Marina Rubicon weiße Schaumkronen auf dem Wasser gibt, und er befürchtet, dass das Anlegen dort ziemlich katastrophal werden könnte. Also segeln wir weiter nach Puerto Calero. Das allerdings wird ein Härtetest für Boot und Crew! 20 – 27 Knoten Wind und eine ruppige Zweimeterwelle lassen die Hexe tanzen, wir fühlen uns wie auf einem Ruckelkarussell  auf dem Jahrmarkt. Die Wellen schäumen durchs Trampolin und die Gischt fliegt hoch an die Frontscheiben. Deshalb haben wir dann auch nicht in unserer Box, sondern längsseits auf der anderen Seite des Hafens gegen den Wind angelegt, und sind erst am nächsten Morgen auf unseren Liegeplatz gefahren. Ein großartiger Segeltag!

  • Schnell, auf der Kreuz…

    Der typische Seglertag: Morgens ein kurzer Blick aufs Wetter, den Zustand der Mannschaft, entschieden! „Geht schnell mit dem Hund, bringt Brot mit, redet mit dem Hafenmeister, und kommt schnell wieder!“, so die Anweisungen des Skippers früh um acht. Wir sind gerade nach dem Spaziergang vor dem Hafen-Supermarkt angekommen, der Anruf: „Das Boot ist fertig, seid Ihr gleich hier, damit wir ablegen können?“ Glücklicherweise ging es beim Hafenmeister schnell, und auch an der Supermarktkasse gab es um die frühe Uhrzeit noch keinen Stau. Viertel nach neun, waren die Leinen los, wir fahren aus dem Hafen, schnell die Fender weg, die Segel hoch, los geht’s.

    Der Track sah fast aus wie ein Tannenbaum

    Hoch am Wind segeln wir bis Arrecife, dann fängt die Kreuz an. Mehr als zehn Wenden haben wir gefahren, aus der ursprünglichen Strecke von 33 Seemeilen wurden 57 Seemeilen, auf dem einen Bug immer voll gegen die Wellen, der andere Bug war etwas angenehmer. Trotzdem war die Hexe schnell, stets über sieben Knoten. Die letzten vier Meilen mit dem Wind fragt man sich, war es vorher kalt?

    Um kurz nach vier sind wir am reservierten Liegeplatz in der Caleta de Sebo auf La Graciosa, wo uns der Securitas-Mann in Empfang und die Leinen annimmt. Volker entsalzt das Boot, während Petra und ich mit Samy durch das kleine Dorf marschieren. Es gibt mehrere Restaurants, zwei Supermärkte, einen Gemüseladen, am nächsten Morgen entdecken wir sogar eine Metzgerei, eine Apotheke und eine Bäckerei. Nach dem Abendessen machen wir noch einen Bummel durch den Ort und trinken Bier und Rotwein in der Dorfkneipe, den Rotwein aus so kleinen süßen Gläsern, dass wir diese als „Tintenzwerge“ tituliert haben.