Spezialprodukte aus Lanzarote: die rote Schildlaus und die Aloe Vera

Die Aloe-Vera-Pflanze

Neben, oder auch für den Tourismus hat sich auf Lanzarote eine eher handwerkliche Fertigung von Insel-eigenen Produkten entwickelt, eigentlich hat man altes Wissen wieder ausgegraben und in ein neues Gewand gestellt. Überall findet man Läden, manchmal gar ein bisschen hochtrabend Museum genannte Verkaufsstellen, die alle möglichen Produkte anbieten, die man aus heimischen Rohstoffen fertigen kann. Zum Beispiel die Aloe Vera: Eigentlich sieht die Pflanze ja aus wie eine Kaktee, gehört aber zur Familie der Grasbaumgewächse wie die Taglilie, in der Ordnung der Spargelartigen, ist also entfernt mit unserem Spargel verwandt.

Samy macht Werbung fürs Hundeshampoo

Auf Lanzarote wird die Echte Aloe zu Hautpflegeprodukten aller Art, Shampoo (sogar Hundeshampoo gibt es!), Gels, Cremes, Fruchtsäften, etc. verarbeitet.

Volker z.B. schwört nach ausgiebigem Sonnenbad auf sein Aloe-Vera-Gel, das sonnenverbrannte Hautreizungen schnell lindert. Außerdem sollte eigentlich in jeder Küche eine solche Pflanze stehen. Hat man sich zum Beispiel an der heißen Herdplatte verbrannt, oder zu früh an die noch viel zu warme Pfanne gefasst, so soll man bei eventuellen Verbrennungen nur ein Stück eines Armes der Pflanze abschneiden und mit der Schnittfläche auf die Haut legen, das kühlt und hilft.
Immer.

Werbeblatt für das Museum

Daneben gibt es auf Lanzarote die rote Schildlaus, die einen wunderbar intensiven Farbstoff liefert, mit dem schon in vorchristlicher Zeit Gewänder eingefärbt wurden. In Mala, dem Hauptanbaugebiet der Cochenille wurde ein kleines Museum errichtet, das sich mit der Geschichte und dem Anbau der roten Schildlaus beschäftigt. Und natürlich gibt es einen kleinen Laden, in dem die entsprechenden Produkte verkauft werden, sogar zum Färben der Haare kann man es verwenden. So mutig war ich nicht, aber ich habe uns eine Marmelade aus Aloe Vera mit Cochenille geholt, lecker.

Leider schon fast leer: die Marmelade

Die Cochinilla, zu Deutsch Cochenilleschildlaus, liefert karminroten Farbstoff, der sich hervorragend zum Färben von Stoffen, aber auch für Malerfarben und Lebensmittel eignet. Ursprünglich in Südamerika heimisch, wo die Inkas die Farbe zum Herstellen der herrschaftlichen roten Gewänder nutzten, verbreitete sich der Anbau der Schildlaus in praekolumbianischer Zeit bis nach Mexiko, die Azteken und die Majas liebten die rote Farbe. Später brachten die spanischen Konquistadoren die Cochenillen mit von ihren Reisen. Auch dem spanischen Königshof gefiel die intensive rote Farbe, und es wurde ausprobiert, in welchem Teil des spanischen Weltreichs der Anbau der Läuse am besten gedieh. Die kleine Insel Lanzarote hatte ein ideales Klima, denn die Opuniten, das sind die Kakteen, auf denen die Läuse siedeln, brauchen trockenes, warmes Klima, das fand man in Mala, im Nordosten Lanzarotes aufs trefflichste.

Opuntie – unbefallen von der Schildlaus

Die Opuntien werden gezüchtet, erst wenn sie drei Jahre alt sind, werden die Läuse darauf angesiedelt, sie befallen die großen „Ohren“ des Kaktus, der Fruchtstand der Kakteen wird entfernt, damit sie nicht zu viel Kraft verlieren, auch werden die Pflanzen beschnitten, damit sie immer wieder weiter wachsen. Die flugfähigen Männchen finden und befruchten die deutlich kleineren aber dickeren Weibchen, um kurz nach der Paarung zu sterben, auch nicht schön. Die Weibchen werden in aufwändigen Ernten von den Blättern gepflückt, während die nächste Generation dort aufwächst, so geht das bis zu fünf Mal im Jahr.

rotes Badesalz

Die Schildläuse werden gesiebt und getrocknet, gemahlen, das gewonnene Mehl mit Wasser versetzt, gekocht und wieder getrocknet. Durch Zusätze anderer Stoffe können die verschiedensten Schattierungen von „Rot“ erzielt werden. Es ist ein langwieriger Prozess, aber die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. Noch immer wird diese Farbe eingesetzt zum Färben von Wolle, Stoffen, Malerfarben, in Kosmetika und in der Lebensmittelindustrie. Als E120 ist der Cochenillen-Farbstoff einer der licht- und wärmebeständigsten, farbstabiler als viele synthetische Farbstoffe. Campari war bis 2006 das Paradebeispiel für die Cochenille-Verwendung. Neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass der Farbstoff Karmin unter Umständen allergische Reaktionen erzeugen kann, außerdem macht die tierische Herkunft das Produkt Campari für strenge Vegetarier und Veganer völlig ungeeignet. Vielleicht als Folge dessen hat man dort auf synthetische Farbstoffe umgestellt. Auf Lanzarote werden trotzdem noch viele Cochenille-Produkte hergestellt, exportiert, oder in den Läden verkauft.

Shampoo und Badegel

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Auch als Erfrischungs-Getränk lecker

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