Autor: Hexymama

  • Alle Winde

    Nach einem segelfaulen Tag beschließen wir beim morgendlichen Hundespaziergang, dass wir nicht in die Marina Port Gardian hier in Saintes-Maries gehen, sondern lieber ein bisschen segeln wollen, und uns mittags noch einmal über die Wetterlage informieren werden, dann können wir entscheiden, wo wir die Nacht verbringen.

    Nach dem Frühstück hat der Wind leicht aufgefrischt, wir holen den Anker auf, und setzen direkt Segel. Unsere kleinen Freunde mit Segellehrer haben das bemerkt und kommen uns zu verabschieden. Der Arm der Kleinen, die am Vortag in unser Schlafzimmer gestürzt ist, hat sich gebessert, sie merkt gar nichts mehr, und begeistert winken die Jungs und Mädels uns zum Abschied zu.

    Die ersten zwei Stunden herrscht leichter Wind, der Skipper hat schon wieder Angst vor der Mittelmeerflaute, doch der Cross Med, der hiesige Wetterbericht über Funk, warnt vor nordwestlichen Winden 5 – 6, südlich von Narbonne sogar 7. Um 14:00 Uhr hat jemand den Schalter umgelegt, erst sind es angenehme 10-11 Knoten, dann werden es flotte 16, später bis 20 Knoten Wind, wir reffen die Genua, dann auch das Großsegel ins zweite Reff (weil Reff 1 momentan aufgrund eines Leinenfehlers nicht funktioniert), damit wir weiterhin am Wind komfortabel segeln können. Die See ist plötzlich vom glatten Spiegel zu einer doch sehr ruppigen Oberfläche mutiert, wir müssen sehen, dass wir nicht zu schnell werden, sonst fällt das Boot so in die Wellen, dass das ganze Rigg wackelt.

    15:00 Uhr wenden wir in die Bucht rein, auf dem Steuerbord-Bug zeigt der Windanzeiger sofort weniger Wind an, erstaunlich. Auf jeden Fall sind die Wellen niedriger und nicht so ruppig, je weiter wir in die Bucht reinkommen, Volker refft die Genua aus.

    Am Ende haben wir auch beide Reffs im Großsegel wieder ausgeschüttet, ein bisschen Wasser in die Luftfender gefüllt, damit die beim Anlegen nicht vom Wind empor geblasen werden. Natürlich war der Wind im Hafen weniger, die Gebäude haben die ärgsten Böen abgehalten, so war auch das Anlegen kein Problem.

    Und nach Gassigehen (Cornelia) und Boot entsalzen (Volker) gibt es einen kleinen Snack mit Bier und Rosé, Prost!

  • Plitsch-Platsch

    So, jetzt sind in Frankreich endgültig Ferien, bei Outremer sind alle Hallentore sind zu, die Rolläden an den Büros heruntergelassen, nur bei Gunboat wird noch an der Baunummer 1 gearbeitet

    Die wichtigsten Dinge unserer neuen Mängelliste sind soweit erledigt, dass wir segeln können. Heute morgen hat Volker noch mit der Flasche im Hafenbecken getaucht, um die Propeller von dem Muschelbewuchs zu befreien, das Unterwasserschiff ist auch soweit sauber, nun steht einem Ausflug aufs Meer nichts mehr im Wege. Nach letzten Einkäufen legen wir ab, segeln zunächst mit dem schönen Nordwind nach Südwesten, bis der sich zur Mittagsflaute entwickelt. Um 1300 Uhr drehen wir ab nach Osten, bei 90° Windeinfallswinkel und 6 – 7 Knoten Wind segeln wir mit 5,6 Knoten dahin, sehr schön. Leider nimmt der Wind immer mehr ab.

    Hinterher trocknen Kleid und Bikini an der Reling

    In der Nähe der Espiguette-Boje machen wir einen Landausflugsstop, Samy ist zum ersten Mal dabei, er weiß noch nicht genau, wie er das findet im Beiboot. Im Gegensatz zu Nico muss man ihn erstmal sehr ermuntern, darin einzusteigen. Beim Anlanden und Aussteigen stolpere ich zur Unterhaltung der Strandbesucher über meine eigenen Füße und liege – plitisch-platsch – der Länge nach im flachen Wasser. Ich kann gerade noch die Sonnenbrille festhalten, ein Schuh rutscht mir vom Fuß, wird aber am Strand angespült. Köstlich erfrischt kann ich nun mit Volker und Hund spazieren gehen.

    Im Laufe des Nachmittags hat der Wind auf Süd gedreht, wir nutzen das aus und segeln noch die zehn Meilen bis Les-Saintes-Maries-de-la-mer. Aber kaum haben wir die erste Meile hinter uns, schläft der Wind ein, the skipper is not amused!

    So halbwegs geht es dann doch noch mit dem Segeln, über zwei Stunden haben wir für die zehn Seemeilen gebraucht, aber um sieben Uhr liegen wir an einem schönen Ankerplatz direkt vor Les-Saintes-Maries. Jetzt schnell das gute Kleidchen an, den Hund gefüttert, und ab ins Beiboot. Es ist ein relativ langer Weg bis in die Marina, aber bei der glatten See ist das kein Problem. Wir finden einen Platz am Meldesteiger für unser kleines Bötchen, dann spazieren wir durchs Städtchen.

    Heute ist Ferragosto, Mariä Himmelfahrt, und überall gibt es Veranstaltungen, die Stadt ist voller Touristen. In der Kirche spielt Zigeunermusik, draußen davor können wir eine Band mit einer Flamenco-Tänzerin bewundern, wir sind nicht ganz sicher, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt, aber sie tanzt gut. Es ist ein tolles Abendlicht, nur leider habe ich die Telefone auf dem Boot gelassen, nach meinem nachmittäglichen Sturz ins Wasser, und so müssen alle diese Bilder in das schwarze Fotoalbum mit dem silbernen Knopf…

    Wir finden eine kleine Kneipe, in der noch ein paar Tische frei sind, setzen uns nach dem Spaziergang zu einem Drink und ein paar Tapas, und bekommen eine großartige Street Break dance-Show zu Hiphop-Musik geboten. Drei Jungs, super durchtrainiert, mit akrobatischen Einlagen und richtig guter Choreographie. Zwanzig Minuten „Straßentheater“, super, die Gäste des Restaurants und die vorbeigehenden Passanten sind beeindruckt.

    In der Arena git es heute Abend eine Stier-Schwimmbad-Show (was immer das ist), die Leute strömen in Massen dorthin, und angeblich Feuerwerk um 23 Uhr. Während unseres Nachhausewegs mit dem Beiboot gab es allerdings auch schon ein Feuerwerk, cool, das hat den Weg erhellt, und uns für andere Boote sichtbar gemacht. In Saintes-Maries-de-la-mer wird was geboten!

  • Nasser Empfang

    Tatsächlich haben wir es heute früh getan: Wir sind losgefahren, Richtung Süden, nach La Grande Motte, zur Hexe.Wahrscheinlich hat niemand von unseren Freunden mehr dran geglaubt, dass wir in diesem Sommer wirklich noch den Absprung schaffen, so oft haben wir die Abreise verschoben. Einige, wenn sie uns zufällig in der Stadt getroffen haben, schauten uns mit ungläubigen Gesichtern an: “Seid Ihr immer noch da, oder schon wieder?”

    Um sechs Uhr war es in Darmstadt noch angenehm temperiert, bei meinem vorerst letzten Hundespaziergang auf der Mathildenhöhe konnte man, im Trägerhemd und mit kurzem Rock, gut und flott laufen. Auch der Samy fand es angenehm und rannte ein bisschen über die Wiesen. In Deutschland war es sonnig und trocken, erst ab zehn Uhr, schon in Frankreich, kamen die ersten Wolken und nun, um zwölf, regnet es ununterbrochen aus einem grauen Wolkenhimmel, die Temperaturen sind auf 21° zurück gegangen, eben beim Pipistop fühlte sich das an wie ein Kälteschock!

    Laut Wetterbericht hört es aber, zumindest in LGM, ab 17 Uhr auf, und das Thermometer klettert wieder auf sommerliche Temperaturen. Auch morgen erwarten uns Sonnenschein und 29°, das ist ein freundliches Angebot nach dem feuchten Empfang.

    Wir sind sehr gespannt, wie es an Bord aussieht, ob alle Mängel erledigt sind, und werden entsprechend berichten!

  • Die Mathildenhöhe in Darmstadt

    Im Morgensonnenschein

    Jeden Morgen, wenn ich mit Samy spazieren gehe, erfreue ich mich an der Schönheit dieses Ortes. Natürlich auch vormittags oder nachmittags, aber morgens ist es besonders schön.

    Spaziergänger auf dem Dachfirst

    Über allem thront der Hochzeitsturm mit seinen fünf Fingern, daneben das Ausstellungsgebäude mit der auf dem Dachfirst balancierenden Figur, und vorne dran erstrahlt die Russische Kappelle mit ihren Goldtürmchen im sommerlichen Sonnenschein.

    Die Mathildenhöhe mit Hochzeitsturm und Russischer Kappelle

    Hier ist das Zentrum des Jugendstils zuhause, viele Gebäude auf dem Hügel und rundherum in der Künstlerkolonie stammen von Joseph Maria Olbrich, dem großen Jugendstil-Architekten. So auch der Hochzeitsturm, in dem man sich heute noch das Ja-Wort geben kann, hoch über der Stadt mit großartiger Aussicht. In der Eingangshalle sieht man das Mosaik „Der Kuss“ und hier gibt es allerlei Schönes zu kaufen, so auch den Hochzeitsbecher, oder Darmstadt Memories, bei uns beliebt an Heiligabend, wenn wir uns die Geschenke verdienen müssen.

    Außen am Turm prangt eine wunderschöne Sonnenuhr, und immer wieder sieht man festlich gekleidete Gesellschaften, die vor dem Eingang das gegebene Jawort mit einem Glas Sekt begießen. Oder ein launiger Butler begrüßt die Gäste und stellt den Turm vor.

    Das Ausstellungsgebäude ist seit 2012 ein riesiger Bauplatz, die Kosten für den Umbau sowie für die Sanierung sind auch deutlich höher als erwartet. Nun soll der Umbau bis zum Sommer 2019 fertig gestellt sein, wir sind gespannt.

    Die Russische Kapelle von hinten, mit Feierzelten

    Die Russische Kappelle ist ein wahres Kleinod, eine prachtvolle kleine Kirche, die der russische Zar Nikolaus II. errichten ließ, damit er auch bei Besuchen bei der Familie seiner Frau, Zarin Alexandra, geborene Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt,  nicht auf den Besuch in einem orthodoxen Gotteshaus verzichten musste. Tatsächlich ist die Kappelle auf aus Russland importierter Erde errichtet. Noch heute werden dort orthodoxe Gottesdienste abgehalten, sonntags sowie an einigen Wochentagen begegnen mir vor allem Frauen mit duftigen Schleiern auf dem Kopf auf dem Weg dorthin. Der Rasen rund um die Kappelle und das angrenzende Wasserbassin in schönem Mosaik ist grün, im Gegensatz zum Rest der Wiese auf der Mathildenhöhe, weil der Küster der russischen Kirche jeden Morgen die Rasensprenger bemüht. Eine Augenweide!

    Der Schwanentempel

    Mein Favorit jedoch ist der kleine Schwanentempel, der ein bisschen im Schatten der Kappelle steht, am Ende einer großen Treppe, die von dem Olbrichweg mit seinen Jugendstil-Künstlerhäusern zur Mathildenhöhe führt. Der Regen, der vom Dach dieses Tempels abläuft, wird durch den Mund von weißen Marmor-Schwänen geführt, ich finde diesen Tempel einfach zauberhaft.

    Abends treffen sich die Darmstädter gerne im Platanenhain, es gibt ein kleines Freiluft-Café dort, und genug Raum unter den Bäumen für viele Boulespieler. Auch wir lieben diesen Platz und gehen am späten Nachmittag gerne auch mal nur zu Zweit dorthin, um unsere Fertigkeiten mit den kleinen Kugeln zu üben.

    Die Mathildenhöhe bei Nacht
  • Irrwege im Paketdienst

    Einmal, nur ein einziges Mal, habe ich unsere Adresse angegeben für eine Sendung. Ansonsten bestelle ich immer alles zu Larissas Adresse, denn in dem Haus sind nicht so viele Parteien, und immer jemand zuhause, der die Pakete für den Rest annimmt.

    Doch von vorne. Seitdem unser SSB-Gerät eingebaut ist, haben wir ein Problem damit, dass es sich manchmal, ganz plötzlich, unter Abgabe eines hässlichen lauten Tons abschaltet, und die Funkeinheit „einfriert“. Es hat eine Weile gedauert, bis herauskam, dass noch mehrere Boote diesen Fehler hatten, und Icom, der Hersteller, sich bereit erklärt hat, die fehlerhaften Teile in dem Gerät auszutauschen. Dafür muss aber die Einheit nach Hamburg geschickt werden. Von den Kanaren aus schien uns das viel zu riskant, denn auch die Wiedereinfuhr würde erhebliche Probleme beim Zoll aufwerfen. Also haben wir es so geplant, dass wir zu unserem Heimaturlaub im Sommer die Blackbox mit nach Hause nehmen, und sie von Darmstadt aus versenden, und auch dorthin zurück geliefert bekommen.

    Dumm war natürlich, dass wir bei der Abreise vom Boot vergessen haben, unsere SSB-Unit, die Blackbox, die hinter unserer Sitzbank verstaut ist, auszubauen und mitzunehmen. Und natürlich fiel uns das erst nach ein paar Tagen auf, als wir die To-Do-Liste abarbeiteten. Outremer hat sich freundlicherweise bereit erklärt, die Box auszubauen und uns zuzuschicken. Damit ich sie nicht noch mehr verwirre, habe ich nicht darum gebeten, dass es an Larissas Adresse gehen soll.

    Am 21.6. bekomme ich die Nachricht von Outremer, dass das Paket morgen verschickt werden soll. Super, denke ich, dann haben wir ja noch genug Zeit. Aber das Paket kommt und kommt nicht. Am 29. Juni frage ich bei Outremer nach, und sage, dass ich ein bisschen beunruhigt bin. Daraufhin bekomme ich den Nachweis mit der Tracking-Nummer. Bei meinen Recherchen muss ich feststellen, dass angeblich bereits zweimal versucht wurde, das Paket zuzustellen. Nur dass wir beide Male zu der genannten Uhrzeit zuhause gewesen sind. Ich rufe bei der DPD an, bekomme die Auskunft, dass das Paket am nächsten Morgen erneut zugestellt werden soll, die genaue Uhrzeit würde ich über die Paketverfolgung am Ausliefertag erfahren.

    Zwischen zehn und zwölf Uhr sitzen wir abwechselnd draußen vor der Tür, damit der Auslieferer keine Ausrede haben kann, aber es kommt kein DPD-Wagen in unsere Straße. Empört rufen wir wieder an, erst beim zweiten Anruf wird klar, dass das Paket gar nicht in den Wagen geladen wurde. Na, dann kann es ja auch nicht ausgeliefert werden. Wir bieten an, es in Raunheim abzuholen, aber das geht nicht, die Abläufe sind so mechanisiert, da kann man nicht eingreifen. Aber offensichtlich ein Paket vergessen!

    Natürlich wird uns versichert, dass es am nächsten Tag zugestellt werden soll, wieder sollen wir auf der Website die genaue Uhrzeit bekommen. Ganz früh am nächsten Morgen schaue ich nach, da steht: „Wir konnten Sie dreimal nicht erreichen, das Paket wird an den Versender Outremer zurückgeschickt. Bitte setzen Sie sich mit dem Versender in Verbindung.“ Das schlägt dem Fass doch den Boden aus!

    Nach weiteren Telefonaten wird uns versichert, dass unser Paket am nächsten Morgen kommt, „Nein, heute geht das nicht mehr, wir bekommen das nicht auf den Wagen“. Fast haben wir schon resigniert, da hält Volker das Paket pünktlich um 11:10 in der Hand und wundert sich, dass es so leicht ist. Kein Wunder, es ist das Pactor-Modem drin, und nicht die Blackbox, Schicksal. Es war auf jeden Fall gut gemeint…

  • Der vorläufig letzte…

    …Blogbeitrag von unterwegs. Dunkel legt sich die Nacht über uns, Wolken bedecken den Himmel, nur vereinzelt sind Sterne zu sehen. Anders als in den südlicheren Gefilden der Kanaren wird es jede Nacht draußen richtig gehend feucht und das ganze Deck ist nass. Der Wind hat uns heute bis nach Rosas gepustet, ein sehr schöner Segeltag geht zu Ende und mit dem Einzug der Nacht geht der Wind schlafen. Cornelia hat gerade ihre abendliche Amateurfunkrunde beendet, und hatte Funkkontake nach Wien, zu einem Segler auf Rügen, und einem Amateutfunker aus Düsseldorf. Die abendliche Funkrunde wird von Michael aus Östereich moderiert und wenn er spricht, verstehen wir ihn so gut, als wenn er neben uns stehen würde. Er muss eine sehr starke Amateurfunkanlage haben und kann seine Antenne ausrichten. Es ist schon erstaunlich, wie weit man mit unserer kleinen Sende- und Empfangsanlage kommt. Wir sind sehr froh, dass es diese Funkrunden gibt. Es vermittelt uns ein gutes Gefühl, dass wir auch mitten auf dem Meer, fernab von jeder Küste, mit Landfunkstellen kommunizieren können und auch bei einem möglichen Notfall jemand erreichbar ist.
    Wir sind jetzt am Anfang unserer vorerst letzten Nacht auf See und irgendwie macht sich ein bisschen Wehmut breit. Seit wir von Lanzarote weg sind, waren das Meer und die Wettergötter gut zu uns. Es gab keine Kämpfe gegen die Unbillen der Natur, nur ein paar Gefechte gegen die Tücken der Technik. Fast 1300 Seemeilen liegen seit den Kanaren jetzt in unserem Kielwasser, knapp 6500 Seemeilen sind wir mit unsere Hexe seit März 2017 gesegelt. Noch wissen wir nicht, wann unsere Segelreise weiter geht, wir hoffen bald von Outremer zu erfahren, wie viel Zeit für die Garantiearbeiten am Schiff benötigt wird.
    Im Moment fahren wir in eine dunkle Nacht hinein, der abnehmende Mond wird erst um 02:00 Uhr aufgehen, bis dahin müssen das Radar und das AIS unsere Augen sein. Und weil das mit dem Funken so viel Spaß emacht hat, stellt die Capitania diesen Bericht nicht über einen Handy-Hotspot, sondern über das Pactor-Modem via Airmail rein.

  • Adieu Barcelona

    Montag, 4. Mai 2018, Baro  1011, sonnig, warm, Wind S 3-4

    Machen doch tatsächlich die Supermärkte an einem Montag Morgen in Barcelona erst um 09:00 Uhr auf! Ich kaufe Obst, Salat und Oliven auf dem Markt, dann muss ich warten, bis endlich die Tür zum Lebensmittelgeschäft aufgeschlossen wird, denn Samy braucht noch Hundefutter für die letzte Etappe. Die Kommunikation mit Osteopathenfreundin Katie ist auch suboptimal, so steht sie erst am Tor der Marina, als wir bereits die Leinen los haben. Die Begegnung muss bis zum nächsten Mal im Sommer warten. Um 11:00 Uhr haben wir den Code D gesetzt, der Wind hat aufgefrischt, 9 – 10 Knoten, wir segeln mal wieder mit über sieben Knoten Fahrt dahin. Bis La Grande Motte sind es 167 Meilen, spätestens Dienstag Abend wollen wir dort sein.

    Adieu Barcelona

    Barcelona hat uns – wieder einmal – sehr gut gefallen. Mit Ralf und Inge waren wir auf dem großen Markt bei den Ramblas, und übereinstimmend der Meinung, dass wir viel günstiger auf unserem kleinen Markt in der Barceloneta einkaufen können, für die Hälfte des Preises. Aber natürlich ist es wunderschön anzuschauen, wie die Händler hier ihre Waren präsentieren, diese unglaubliche Vielfalt an bunten Früchten, und natürlich die Fischstände mit allem, was das Meer zu bieten hat. Durch das lange Wochenende ist es noch voller als sonst, und wir verdrücken uns schnell wieder in die verwinkelten Straßen der Altstadt. Hier gibt es doch jedes Mal etwas Neues zu entdecken, da ein Frisör mit historischen Möbeln und Geräten, da ein neuer Designer, hier eine neue Bar und die schönen Plätze und die schmalen Gassen mit den hochgebauten Häusern. „Schau mal, in der Gasse kann man sich vom Nachbarn gegenüber eine Zitrone übers Fenster leihen!“, sagt Volker über so ein ganz enges Gässchen, durch das kaum ein Kleinwagen fahren könnte.

    Wir gehen zum Park Olimpico, damit Samy ein bisschen Auslauf hat, spazieren am Strand entlang zurück zum Hafen, ich liebe am meisten die Barceloneta, das Viertel zwischen Hafen und Olimpic Park, in dem es viele kleine Läden, Tapas-Bars, Bäcker, Gemüsegeschäfte, und Cafés gibt. Hier ist immer was los, morgens und am Nachmittag sind die alten Leute unterwegs, die weißhaarigen Damen treffen sich auf einen Kaffee und eine Zigarette auf dem großen Platz, gegen Abend wird das Publikum jünger, und die Bars und Restaurants füllen sich.

    Am Sonntag hatten wir wirklich Pech mit dem Wetter, es war morgens schon grau und nicht warm, als Ralf und ich auf dem Platz einen kleinen Café trinken, aber nach dem gemeinsamen Frühstück fing es an zu regnen. Trotzdem haben wir uns aufgemacht, um uns mal die noch im Aufbau befindliche neue Marina anzuschauen, ob das denn eine Alternative zu den eher gehobenen Preisen von der One Ocean Port Marina Vell wäre. Im Moment ist sie das definitiv noch nicht, und wenn sie mal wirklich schön ausgebaut ist, liegt sie halt doch weit ab vom Zentrum. Vor allem, wenn man, wie wir, wegen des Hundes nicht mit dem Bus fahren kann. Blöd! Auf dem Heimweg zum Boot fing es dann definitiv an zu schütten, den Nachmittag konnten wir nur unter Decken mit Film auf dem Laptop verbringen, so viel Wasser fiel aus dem Himmel. Erst nach 18 Uhr verzogen sich die Wolke, Zeit für einen weiteren Spaziergang mit der Malwieder-Crew, diesmal zum großen Hafen, wo auch die königlichen Yachtclubs ihren Platz haben und an den großen Motoryachten vorbei.

    Zum Abschiedsessen bekommen wir einen Platz in einer wunderbaren kleinen Tapasbar, der Hund darf mit hinein, wir erfreuen uns ein letztes Mal vor der Heimreise an Chipirones, Berenjenas und Oliven.

  • Sailing home Teil 3: Wenig Wind

    Mittwoch, 30. Mai 2018, Baro 1012, sonnig, Wind SSW um 4, Cartagena 09:30

    Der Gang zum Lieblingsbäcker „Davo“ darf nicht fehlen am Morgen vor dem Ablegen, natürlich bekomme ich zu meinen zwei Baguettes und dem Schokocroissant mit weißer (!) Schokolade und dem Engelshaar noch zwei runde Brötchen geschenkt, dann schnell die Leinen los und raus aus dem Hafen, Segel hoch und schon läuft die Hexe wieder los. 280 Seemeilen bis Barcelona liegen vor uns, der Liegeplatz ist reserviert, bis Freitag früh sollten wir dort sein.

    Unser Weg führt uns um das Cabo de Palos an der Isla Hormiga, ein paar ins Meer geworfenen Steinhaufen mit einem Leuchtturm vorbei. Plötzlich kommt uns ein Fischerboot mit sehr großer Geschwindigkeit entgegen, und hält voll auf uns zu, ohne auch nur ein bisschen von seinem Kurs abzuweichen. Er muss doch sehen, dass wir auf Vorwindkurs sind und nicht so leicht ausweichen können! Egal, ein bisschen luven geht immer, irgendwann ist er neben uns und Volker klatscht ihm Beifall, allerdings glaube ich nicht, dass das den Schumi-Fahrer interessiert.

    Anfänglich sind wir noch mit Code D unterwegs, dann frischt der Wind auf 20 Knoten auf und wir müssen das bunte Vorsegel einrollen. Die Genua kommt raus zum Schmetterling. Glücklicherweise bleibt der Wind mit 13 – 15 Knoten, nachmittags frischt er wieder auf auf bis zu 20 Knoten, die Genua wird ein bisschen eingedreht, damit sie nicht schlägt, wenn die Hexe sich in den Wellen nach der einen oder anderen Seite dreht. Wir genießen das Segeln bei Sonnenschein.

    Nach unserem üblichen Sundowner verabschiedet sich leider auch der Wind, wir machen den Motor an, dann versucht Volker es noch einmal mit dem Code D, dann motoren wir wieder, dann wieder Code D nach dem Film um 00:30, seit 01:00 zieht die „bleierne Genua“ den Kahn.

    Zum Abendessen gibt es Krautfleckerln, wir schlagen uns die Bäuche voll, bis nichts mehr reingeht. Volker wünscht sich Abendkino, wir haben auf dem PC einen Film von Peter, den wir noch nicht angeschaut haben, „Rossini“, oder „wer mit wem schlief“. Köstlich, eine Persiflage auf die deutsche Filmemacher-Szene in dem italienischen Restaurant Rossini. mit allen, die in der deutschen Filmwelt Rang und Namen haben, Gütz George, Gudrun Landgrebe, Jan-Josef Loefers, Veronika Ferres, Heiner Lauterbach und und und… Es hat uns viel Spaß gemacht, auch wenn wir von einem blöden Fischer unterbrochen wurden, der, während er ganz bei uns in der Nähe war, in voller Fahrt von über acht Knoten fortwährend seinen Kurs geändert hat.

    Donnerstag, 31. Mai 2018, Baro unverändert 1012, Wind S 6 Knoten, auf See

    um 00:30 gehe ich ins Bett, Volker bewacht den Code D, den er aber kurze Zeit später wieder birgt. Um 02:30 werde ich wach, gehe nach oben, und löse den Skipper ab, der es sich sofort auf unserer breiten Salon-Liegewiese bequem macht. Für die Überfahrt haben wir den Tisch abgesenkt, und können dort gemütlich liegen. Das Cabo de la Nao haben wir längst passiert, um 03:45 werden wir außerhalb der 12-Meilen-Zone sein.

    Der Skipper ist um 04:30 ins die Koje gegangen, ich stelle mir einen Timer, um regelmäßig auf  dem kleinen Bildschirm Kurs, Wind und die anderen Schiffe zu überprüfen, bin aber immer vorher aktiv, weil irgendwer im Funk ruft. Um 05:50 werde ich von einem Funkanruf mit „Hexe, Hexe, this is Vehintisiete,, do you read me?“ Schnell springe ich auf und antworte, wir gehen auf den Arbeitskanal 06, und mir wird erklärt, dass die Vehintisiete Kabel repariert, und ich zwei Meilen davon wegbleiben muss. Ich hatte die beiden Schiff schon im AIS gesehen, da waren sie aber noch über 15 Meilen weg, und ich wollte erst einmal abwarten. Na, klar, nun ändere ich meinen Kurs wie versprochen auf 20°, das bringt die Hexe in dem gebotenen Abstand an den Arbeiten vorbei. Um 06:40 sind die beiden Arbeitsboote querab, und ich kann wieder auf den ursprünglichen Kurs gehen. Gerade da geht auch die Sonne strahlend über dem Wasser auf, ein wunderschöner Anblick.Das Meer ist still, der Windmesser zeigt 2,5 Knoten an, keine Chance zu segeln.

    Leider bleibt das so den ganzen Tag, am Morgen kommen einmal vier kleine Delfine und spielen kurz an unserem Bug, doch schon bald sind sie wieder verschwunden. Der eine stößt sich noch an der Rumpfspitze, als er plötzlich nach links wegschwimmt.15:30 Uhr: Samy ist gelangweilt, der Skipper auch, noch 100 Meilen bis Barcelona.

    Um 16:30 Uhr starten wir einen Segelversuch mit dem Code D, der Wind hat auf acht Knoten aufgefrischt, juchhe! Wir segeln über das spiegelglatte Meer mit über sechs Knoten. Winzig kleine Portugiesische Galeeren schwimmen vorbei, ich weiß schon, warum ich vorhin das Angebot des Skippers, schwimmen zu gehen, nicht angenommen habe, brrr!

    Zum abendlichen Sundowner kommen Delfine aus mindestens drei verschiedenen Delfinrudeln zu Besuch, immer nur für kurze Zeit, aber wegen des klaren Wassers kann man sie wunderbar sehen und filmen. Dieser Moment des Tages ist für uns etwas ganz Besonderes geworden. Ich freue mich sehr auf die kleine Stunde, in der wir einfach nur so dasitzen mit unserem alkoholfreien Bier und miteinander sprechen. Das klingt blöd, denn a) haben wir ja den ganzen Tag Zeit, und b) sind wir sowieso immer zusammen. Klar, aber normalerweise ist jeder mit irgendetwas beschäftigt, allem voran dem Schlafen, da wir es ja versetzt tun müssen, ist damit schon ein großer Teil des Tages ausgelastet. Ansonsten ist es das Lesen, Filme schneiden, Logbuch schreiben, Boot putzen, und was einem noch so an Aktivitäten einfallen mag. Nur das Angeln haben wir diesmal ausgelassen, weil es mir Leid tut, nur für mich allein so einen Fisch aus dem Wasser zu ziehen. Das holen wir mit den nächsten Gästen nach.

    Zum Abendessen hat Volker die Reste der Lasagne aufgetaut sowie, auf meinen Wunsch hin, einen Rote-Beete-Salat gemacht, wir essen bei Sonnenschein im Cockpitzelt, anschließend erfreuen  wir uns an dem Film „Fack you Göthe“ aus unser Mediathek. Um 23 Uhr verziehe ich mich ins Bett, und Volker macht freundlicherweise den Motor von dem anderen Rumpf an, damit es in der Kabine nicht so laut ist.

    Freitag, 1. Mai 2018, 02:30, Baro 1015, sternenklar, kein Wind
    auf See, Position 40°45.83 N / 001°44.29 E, unter Motor Kurs 31°

    Ich wache auf von dem Gebimmel des Raymarine-Gerätes, weil der überholende Frachter näher als zwei Meilen an uns herankommen wird. Jetzt kann der Skipper schlafen, ich übernehme die Wache. Das Meer ist womöglich noch glatter als gestern,  der nicht mehr ganz volle Mond erhellt das spiegelnde Wasser. Barcelona ist noch über siebzig Kilometer entfernt, trotzdem sieht man schon einen leichten Lichtschein am Horizont.

    08:00 Uhr, noch zehn Meilen bis Barcelona. Jetzt wird es voll auf dem Meer. Gleich zwei Fischerboote liegen auf Kollisionskurs zu uns, jetzt heißt es wirklich aufpassen, nicht nur auf die Fischer, auch große Fähren verkehren hier, Frachter, Tanker, sie alle wollen in den großen Hafen von Barcelona. Wie wir auch.

  • Des Skippers philosophische Betrachtungen

    Breit über den Horizont dehnt sich das spiegelglatte blaue Meer aus, Bewegungen an seiner Oberfläche ­- Fehlanzeige. Nicht einmal eine leichte Windkräuselung ist erkennbar. Dazu schiebt sich die Sonne langsam und träge über die östliche Kimm und taucht die platte See in eine Variation aus gelb-orange. Der Motor brummelt in seinem Abteil stoisch-gleichmäßig vor sich hin, wie er es schon seit gestern Abend tut, die Bootsgewschwindigkeit ist dabei so konstant, als wäre sie über einem Tempomat eingestellt. Der Windmesser zeigt 0,8 – 1,0 Knoten Windgeschwindigkeit und unseren Rythmus passen wir den äußeren Umständen an. Wir schlafen und wachen, alle 20 Minuten gibt es einen Rundumblick, und danach geht es wieder in die waagerechte zum nächsten Schlummer. Selbst Samy verlegt sich nur hin und wieder auf einen anderen Fleck und und gibt sich ansonsten dem meditativen Nichtstun hin.
    Genuss, Monotonie, Langeweile, totale Entspannung, Gleichförmigkeit, von allem ein bisschen steckt in unserem heutigen Tagesablauf. Auch für die nächste Nacht wollen die Götter des Windes kein Blaskonzert veranstalten und topographisch-thermische Windeffekte entfallen heute ebenfalls. Unser kleiner Lebenskosmos wird sich also auch weiterhin mit konstanten 10-12 Sundenkilometern fortbewegen und anstelle der Sonne wird heute Abend der volle Mond am östlichen Himmelsfirmament aufgehen. Auch schön.

  • Viel zu kurz

    Viele schöne Erinnerungen, Freundschaften und Erlebnisse verbinden uns mit Cartagena, das wir im Januar 2015 erstmalig mit unserer alten Hexe besucht haben. Die Schönheit der Stadt mit ihrer allgegenwärtig spürbaren Historie, der sichere ganzjährig belebte Yachthafen, die weitläufigen Grünanlagen und Boulevards, die zum Bummeln und Verweilen einladen, machen aus Cartagena ein stimmiges Gesamtparket für einen langen Aufenthalt. Wir haben diesmal leider nur eine Nacht dort verbracht und segeln schon wieder, von einem kräftigen achterlichen Wind angetrieben, weiter nach Barcelona. Beate, Bernhard und Alexander, wir danken Euch ganz herzlich für die Mithilfe bei der kleinen Notreparatur mit unserem unglückseligen Lümmelbeschlag, für eure Gastfreundschaft, auch von Samy, fürs leckere Abendesse sowieso und wünschen Euch für Eure Sommerreise viele positive Erlebnisse und “fair winds from behind”.
    Vor unserem Bug liegen 280 zu segelnde Seemeilen mit viel Wind am heutigen Tag und wechselnden Windprognosen bis zu unserer voraussichtlichen Ankunft am Freitagmorgen. Wir haben im One Ocean Port/Marina Vell einen Liegeplatz für zwei Nächte bis Sonntag reserviert. Dort werden wir Ralf und Inge-Lore von der SY “Malwieder” treffen, worauf wir uns sehr freuen.Die beiden gehen diesen Herbst auf Weltumsegelung, aber wir hoffen, dass wir uns nach Barcelona nochmal, in Lagos oder auf den Kanaren, im Frühherbst wiedersehen.
    Zur Zeit sind wir mit zügigen acht bis zehn Knoten unterwegs, der Wind ist deutlich stärker als vorhergesagt, Cornelia bemerkt gerade, dass soviel Wind in keinem Wetterbericht vorhergesagt ist. ich versuche es trotzdem mal zu erklären, weiß aber nicht ob ich Recht damit habe. Für die Abweichungen sind meines Erachtens häufig lokale Einflüsse ausschlaggebend. Über der auf Backbord liegenden Küste bilden sich im Moment Cumulus -Wolken, was zum einen darauf hin deutet, dass sich die Luft überm Land sehr stark erwärmt und dass zum anderen vom Meer feuchte kühle Luftmassen nachströmen. Die Cumuluswolken sind nach oben hin blumenkohlartig ausgebildet und steigen immer höher, dadurch entsteht am Küstensaum (und nah dahinter) ein massiver Unterdruck. In der Folge wird die Luft vom Meer immer schneller in den Unterdruck gezogen, ergo gibt es mehr Wind auf dem Meer. Gut für uns , schlecht für die Urlauber an den Stränden, die wahrscheinlich vom kalten auflandigen Wind ausgekühlt werden. Dieses Phänomen hat eben absolut garnix mit irgendwelchen großen Wettersystemen zu tun, und nach dem nächsten Kap kann der Wind genauso schnell weg sein, wie er gekommen ist.
    Danke für eure Geduld:-)