Autor: Hexymama

  • Umgedreht

    Am Morgen werden noch einmal alle Wetterberichte bemüht, Gary und Tina kommen an Bord, um die verschiedenen Vorhersagen zu vergleichen und sogar der Eigner der Dragon wird per Telefon zugeschaltet, um die Chancen auf eine halbwegs segelbare Überfahrt zu diskutieren. Das Liegegeld ist bezahlt, jetzt werden alle verfügbaren Tanks gefüllt, denn zwischendurch sind schwachwindige Passagen vorhergesagt.

    Hoch am Wind laufen wir an der Ostküste von Lanzarote entlang, vor Arrecife ist eine Regatta, da heißt es aufpassen. Noch ist es reiner Nordwind, der mit 12 – 16 Knoten weht.

    12:00 Uhr: Der Wind hat so ungünstig gedreht, dass wir motoren, um aus der Abdeckung der Insel heraus zu kommen. Auch die Dragon motort, ist allerdings deutlich schneller dabei. Offensichtlich ist neben der Atlantikwelle, die gegen uns läuft, auch noch ein Strom aus Nord dabei.

    12:45 Uhr: Jetzt hat der Wind auf den Wetterbericht gehört und ein bisschen nach Nordwest gedreht, wir können wieder hoch am Wind segeln. Leider nicht so schnell wie die Dragon, die scheint aber auch noch zu motoren, denn wenn wir 5,5 Knoten fahren, sind die mit über acht Knoten unterwegs. Noch 587 Meilen bis Gibraltar.

    14:00 Uhr: Der verabredete Funkkontakt mit der Dragon passt gut, Gary ruft Punkt 14:00 Uhr auf Kanal 16 nach der Hexe, dann wechseln wir auf Kanal 77, tauschen Wellenhöhen und Winddaten aus, und verabreden uns für 16 Uhr.

    Kurz danach fragt mich Volker: „Warum riecht es denn im Gästerumpf so sehr nach Diesel?“ Theoretische Frage, ganz klar, denn woher soll ich das wissen. Wir haben heute morgen getankt, und auch die Kanister gefüllt, die stehen aber in der Backskiste auf der anderen Rumpfseite. Also steigt Volker in den Steuerbord-Motorraum, der Dieselgeruch wird immer stärker, und ich höre ihn fluchen: „Der gestern frisch eingebaute Dieselfilter läuft aus!“ Nein, das ist jetzt nicht wahr! Mit Mülltüte, Zewa und Taschenlampe bewaffnet, macht sich Volker daran, die Sauerei wegzumachen. Es ist ganz schön viel Diesel ausgelaufen, ich muss noch Zewa nachliefern. Sofort versuche ich, Paco anzurufen, der diese Filter eingebaut hat, aber es ist Samstag Nachmittag, da arbeitet auch der Volvo-Penta-Kundendienst auf Lanzarote nicht. Und jetzt?

    Über Funk berät sich Volker mit Gary, und todesmutig schraubt er anschließend den leckenden Vorfilter ab, schraubt ihn erneut wieder an, überprüft, ob die Dichtung an der richtigen Stelle sitzt, und wischt, wieder mal, die Motorbilge aus. Jetzt ein Test, Steuerbordmotor an, 10 Minuten laufen lassen, wieder nachsehen. Nun ist es weniger, aber immer noch kommt Diesel aus dem Filter. Nochmal wegwischen, war vielleicht ein Rest, nochmal eine halbe Stunde motoren. Nun ist es fast trocken. Volker inspiziert den Backbord-Motor, da ist alles in Ordnung. Wir warten noch eine halbe Stunde ab, und wieder tropft Diesel aus dem Vorfilter. Das wars, jetzt drehen wir um. Zurück nach Puerto Calero, da muss Paco, der Mecanico, noch mal dran. Und das jetzt, der Wind hat ein bisschen gedreht, das Meer ist nicht zu bewegt, und wir segelten mit 7-8 Knoten dahin. Ärgerlich!

    Seit 17:00 Uhr sind wir unterwegs nach Süden, raumer Wind, wir haben den Code D gesetzt und segeln mit 10 Knoten Speed nach Lanzarote zurück. So hatte Petra einen Tag voller Segelerlebniss, leider nicht die große Überfahrt.

    Wie es weiter geht? Mal sehen, ab Montag ist Starkwind aus Nord angesagt, dann…

  • Abgelegt

    Trotz nicht optimaler Vorhersage sind wir unterwegs. Wir wollen es probieren, ob wir die gut 600 Meilen bis Gibraltar schaffen. Im Moment ist der Wind noch nördlich, das bedeutet, dass wir unseren Kurs von 45Grad nicht segeln können, sondern eher 80 Grad fahren. Im Laufe der Nacht soll der Wind allerdings drehen und auch viel leichter werden, also schau mer mal! Ich werde versuchen, zwischendurch Berichte und Positionen über die Kurzwelle hochzuladen, mal sehen, ob das klappt. Also: Drückt die Daumen, dann wäre unser nächster Hafen Gibraltar.

  • Flugalarm!

    Am Montag wollte Larissa zu uns kommen. Da es montags keinen Direktflug von Frankfurt nach Lanzarote gibt, haben wir bei British Airways einen Flug via London gebucht, nur leider bei der Buchung nicht aufgepasst, dass man den Flughafen in London wechseln muss, und zwar von London City nach Gatwick. So ein Mist!

    Na gut, ich habe einen Shuttleservice gefunden, der sie vom Terminal in City zum Terminal South in Gatwick fahren soll. Und dreidreiviertel Stunden Aufenthalt sollten genügen, um die Stunde nach Gatwick gefahren zu werden, denn Larissa musste auch noch die von uns zu ihr nach Hause bestellte Hundebox (66 x 44 x 55 cm groß) zu den Kanaren mitbringen. Und die muss man tragen, weil sie keine Rollen hat, damit sie auf dem Boot nicht wegrutschen kann.

    Soweit so gut. Überaus rechtzeitig starten Larissa und Johannes am frühen Morgen in Darmstadt. Am Terminal 1 steigt Larissa aus, um festzustellen, dass British Airways ab Terminal 2 fliegt. Aber es gibt ja die Skytrain, die unsere Larissa samt Hundebox zum richtigen Terminal bringt. Dort ist auch schon Betrieb, der Check-in-Schalter hat gerade geöffnet, allerdings steht da bereits eine lange Schlange. Eine halbe Stunde später ist sie am Schalter, der freundliche Herr sagt: „Sorry, wir haben Sie nicht auf der Liste nach Lanzarote“. „Aber ich fliege zunächst nur nach London!“ „Wir fliegen über Dublin, nicht über London“. Das war leider der Schalter von AirLingus, der irischen Fluglinie, also auf an die Schlange vorm Nachbarschalter.

    Ohne Hundebox, aber auch ohne Frühstück schafft Larissa es gerade noch rechtzeitig zum Boarding, das bereits begonnen hat, also nicht mal mehr Zeit, irgendwo ein kleines Brötchen zu erstehen. Die Busse stehen bereit, die Passagiere im ungeheizten Zwischenraum, und es passiert nichts, nichts, nichts.

    „Der Flug BA8633 wird wegen des schlechten Wetters in London ca. zwei Stunden später starten, wir bitten um Geduld.“ Das ist ja wohl nicht wahr, fieberhaft versucht Larissa mit zahlreichen anderen Fluggästen herauszufinden, ob denn dann die Umsteigezeit noch reicht, und was passiert, wenn der Anschlussflieger bereits weg ist. „Im Notfall müssen Sie in London übernachten, dann stellen wir Ihnen ein Hotelzimmer zur Verfügung und buchen Sie auf einen Flug am nächsten Tag um“, sagt die freundliche Dame am British Airways Schalter. Halbwegs beruhigt steigt Larissa in den Flieger, dort dauert es noch lange Zeit, bevor das Flugzeug endlich abhebt. Es wird ein ungeheuer wackeliger Flug, schon beim Start, und später in der Luft werden die Passagiere durchgeschüttelt, und die Landung ist eine Bravourleistung des Piloten.

    In London angekommen geht alles sehr schnell, die Hundebox kommt direkt aufs Band, der Shuttle-Fahrer steht bereit und fährt, so schnell es eben geht nach Gatwick. Noch sind es zwanzig Minuten bis zum Start, aber jetzt kommt die ganz herbe Enttäuschung: Larissa darf nicht mehr mit, die Maschine hat schon die Parkposition verlassen!

    Und herb geht es weiter: „No, am nächsten Morgen gibt es keinen Flieger nach Lanzarote, zumindest nicht British Airways und auch nicht bei einer Star Alliance Partner Airline.“ Und: „No, das Hotel zahlen wir Ihnen nicht, und Sie müssen sich auch selber darum kümmern.“ „No, ein Taxi kann ich Ihnen auch nicht rufen.“ Was ist das denn für ein Service??? Das ist ja wohl eine Katastrophe!!! In Frankfurt hat man ihr das alles versprochen, sonst wäre Larissa am nächsten Morgen aus Frankfurt mit dem Direktflieger gekommen.

    Angeblich gibt es Hotelschalter am Terminal, aber dort sind alle Zimmer ausgebucht. Klar, wenn in London so schlechtes Wetter ist, gibt es hier mehrere gestrandete Passagiere. Über Booking finde ich von Bord aus noch ein freies Zimmer in einem anderen Hotel am Airport, buche dieses für Larissa, und schicke ihr die Buchungsbestätigung aufs Handy. Leider ist am 30.4. gerade ihr Datenvolumen aufgebraucht, das fehlte jetzt auch noch!

    Larissa findet einen Shuttlebus zum Hotel, checkt ohne Probleme ein, und findet sogar eine Badewanne vor. Dort kann sie die Kälte abschütteln, auf 2° und Regen war sie für die Nacht doch nicht vorbereitet. Mit List und Tücke hat sie auch die etwas altmodische Heizung des Hotelzimmers zum Wärmen überredet. Dann noch schnell eine halbe Pizza im Hotelrestaurant, und früh ins Bett, denn am nächsten Morgen heißt es um halb vier Aufstehen.

    Natürlich ist sie schon vor mehreren Weckern wach, und, wieder mit Hundetransportbox unter dem Arm, rechtzeitig in der Hotel-Lobby, um auf den Shuttlebus zu warten. Einchecken klappt, der EasyJet hebt mit 40 Minuten Verspätung ab, und landet pünktlich auf Lanzarote, dank des Rückenwindes. Überglücklich und todmüde steht Larissa am Gepäckband, um auf die Hundebox zu warten, wir haben sie bereits erblickt und einander zugewunken, ja, sie ist da! Die Box lässt auf sich warten, schließlich findet sie sich am Sperrgutband… halb zerstört, eingerissen, auf jeden Fall nicht mehr zum Fliegen zu gebrauchen. Und dafür hat Larissa das sechs Kilo schwere und sperrige Ungetüm hierher geschleppt! Das war dann der krönende Abschluss einer seltsamen Anreise.

  • Hexentag des Tages

    Der Skipper am Anfang des Tages

    Der Hexentag des Tages heißt “Samy under Sails”, denn der Hund war großartig auf der Überfahrt nach Lanzarote! Hier das Logbuch:

    Samstag, 21. April 2018, Baro 1015, Sonne-Wolken, 16°, Wind WSW um 5
    Santa Cruz de Teneriffe 09:00 –  Puerto Calero auf Lanzarote 22.4.2018 02:45, 148 sm

    Eigentlich wollten wir um 07:00 Uhr ablegen, aber da war dermaßen furchtbares Wetter, die Wolken hingen bis zum Meer, es regnete, eklig, dass wir beschlossen haben, noch ein bisschen abzuwarten. Es hetzt uns ja auch keiner. Ob wir nun morgen früh um vier oder um acht oder um zwölf in Lanzarote ankommen, ist schon egal.

    Der Regen ist vorbei

    Um 09:00 war es aber dann doch soweit, Leinen los in Santa Cruz, sonst schlagen wir hier noch Wurzeln! Langsam motoren wir durch den Hafen, winken Gary und Tina von der Dragon ein „Adieu!“. Draußen ist Leeküste, kein Schwell, ideal zum ersten Segelsetzen nach so langer Zeit, und zum ersten Mal für Samy. Zunächst ein Schrecken: Die Großschotklemme scheint nicht zu halten, die Leine läuft einfach so durch. Doch bei näherer Inspektion findet Volker den Fehler, es war nur ein wenig Dreck auf der Schot, jetzt funktioniert auch das. 09:30 sind die Segel gesetzt, das Groß im 1. Reff, denn wir erwarten außerhalb des Inselschattens 17 – 20 Knoten Wind, die Genua steht voll, und mit einem Raumschotkurs beschleunigt die Hexe schnell auf über acht Knoten Fahrt.

    Als wir aus der Abdeckung der Insel heraus sind, baut sich eine ordentliche Welle von backbord auf, und kurzfristig schwächelt der Wind mit elf Knoten, zehn Minuten muss der Motor mit schieben, dann kommen wieder 25 Knoten Wind.

    Den Regen kann man im Radar sehen

    Um 13:00 Uhr geht erneut eine Front durch, diesmal kann ich auf dem Radar den Regen sehen. Die erste Wolke zieht vorne vorbei, aber der zweite Teil erwischt uns, der Himmel schüttet eimerweise Wasser aufs Boot. Ich glaube, mein Skipper ist gar nicht so traurig darüber, vielleicht ist jetzt der schwarze Sand aus Santa Cruz richtig abgewaschen. Volker hat nämlich gestern dreimal das Schiff gewaschen, kaum war er fertig, kamen die nächsten Schauerböen, mit ordentlich schwarzen Steinchen aus den Lavabergen, oder vom Parkplatz.

    Unglaubliche Wassermengen

    Nach vierzig Minuten ist auch dieser Seeschauer vorbei, der Skipper bekommt sein Mittagessen, und wir wechseln die Genua auf die andere Seite zum Schmetterling. Nach Durchzug der Front hat der Wind weiter auf achtern gedreht. Allerdings muss man die Wolkenfelder am Heck im Auge behalten.

    17:00 Uhr: Ein Frachter mit Ziel Lissabon kreuzt unseren Weg, gerade noch zu sehen, und das AIS sagt, dass in 10 Meilen Entfernung eine 12m-Yacht ebenfalls passiert hat, aber die konnten wir nicht sehen, schon gar nicht bei den doch ganz ordentlichen Wellen. Der Wind frischt zwischendurch immer mal auf gute 22 Knoten auf, dann geht er wieder auf 16 – 17 Knoten herunter, nur die Wellen bleiben und schaukeln die Hexe durch.

    Ein kleines Stückchen ist am Unterliek des Vorsegels abgescheuert, da müssen wir wohl mal einen Segelmacher finden, der das repariert. Ich glaube, in dem Fall streikt meine Singer-Nähmaschine.

    Samy macht sich total gut, allerdings haben wir ihm auch zugestanden, dass er sich das Salonsofa erobert. Anfänglich war er noch ziemlich nervös, aber seit er auf das Sofa darf, liegt er entspannt schlafend meist auf seiner blauen Decke. Nur als der Skipper sich auch hingelegt hat, musste er sich ein bisschen näher ran kuscheln.

    1:00 Uhr, Baro 1012, dunkel. Ab und zu kreuzt ein Frachter oder ein Tanker unseren Weg, auch zwei Segelboote, die haben wir aber nur auf dem AIS gesehen. Eine kleine zunehmende Mondsichel steht hoch am Himmel, wenn keine Wolken mehr kommen, soll sie uns bis 02:00 Uhr begleiten.

    Samy liegt auf dem Sofa, lässt die Segelei über sich ergehen, wir haben ihn schon mehrfach übers Boot geführt, besonders hinten zu der Stelle, an der er am ersten Tag gepinkelt hat, aber jetzt macht er nichts, gar nichts. Tatsächlich hat er durchgehalten bis Puerto Calero. Klar, es wäre uns lieber gewesen, er hätte zwischendurch etwas gemacht, denn vier Tage bis Gibraltar kann er nicht anhalten… Aber er ist sooo brav, wir sind ganz gerührt, wie gut er sich an seinem ersten Segeltag verhalten hat. Im Hafen bekommt er den ersehnten Spaziergang gepaart mit Leckerlis und einem großen Lob.

    Der neue und alte Liegeplatz der Hexe in Puerto Calero

    Insgesamt war es ein schöner Tag, am Ende sogar mit richtig gutem Wind aus 120°, Topspeed war 14,8 Knoten, wir sind zufrieden, und nach Hundespaziergang und Boot aufklaren gibt es um fünf Uhr in der Früh ein Bier unter dem Sternenhimmel am Steuerstand, dann fallen wir müde ins Bett.

  • Ein Tag so…

    Unabhängig voneinander haben wir beide in der Nacht wachgelegen und die Für-und-Widers bedacht, ob wir uns wieder einen Hund anschaffen sollen. Am frühen Morgen liegen wir nebeneinander und Volker fragt: „Was denkst Du?“ „Ei, ja, was denkst Du denn?“ „Klar, warum nicht?“

    Samy – selbstbewusste Schönheit

    Eindeutige Kommunikation zwischen Ehepaaren, noch vor dem Aufstehen, bedeutet: Wir fahren jetzt dorthin, holen den Hund, und schauen mal, ob er von uns geholt werden möchte. Und ob der wollte! Die ganze Meute der kleinen Hunde war aufgeregt, als wir die Papiere fertig machen lassen, damit wir Samy mitnehmen können, zuerst einmal ein paar Tage zur Probe. Den Hundepass bekommen wir normalerweise erst nach einer Probezeit von vierzehn Tagen, aber wir verhandeln auf den kommenden Sonntag, denn am Dienstag könnte das Wetter gut sein, um nach Gran Canaria oder Lanzarote zu segeln, und das machen wir nur mit gültigen Papieren.

    Und Samy hat, ganz gegen seine Gewohnheit, heftig gebellt heute morgen, als wollte er sagen: „Heute müsst Ihr mich aber wirklich mitnehmen“. Gestern beim Abschied hat er schon soooo traurig geschaut, nach dem Motto: „Wie, Du nimmst mich jetzt nicht mit?“ Dabei muss man sagen, den Hunden im Refugio Internacional de los Animales geht es gut, sie werden hervorragend versorgt, der Tierarzt kümmert sich um sie, und die angestellten Tierpfleger sind den ganzen Tag damit beschäftigt, für der Tiere Wohl zu sorgen.

    Selva hätten wir auch genommen

    Wir bezahlen 105,00 €, gehen noch eine Runde mit Samy und drei anderen Hunden spazieren, alle süß, alles Kandidaten für einen Platz an der Hexensonne, Sancho, der quirlige junge Mix, Olga, ein bisschen älter, klein, aber oho, und Selva, keine Schönheit, von der man noch nicht viel weiß, weil sie gerade erst ins Heim gekommen ist, die aber, so denke ich, unglaublich intelligent ist; man könnte sie alle mitnehmen.

    Samy – in ganzer Länge

    Wir aber haben uns entschieden, Samy soll mit uns kommen. Samy ist zwölf Jahre alt, sein Herrchen ist verstorben, deshalb kam er ins Heim. Samy ist hübsch und ein ruhiger Charakter. Und er hat unser Herz gefangen. Warum sollte er sein Alter im Tierheim verbringen? Ein paar schöne Jahre noch mit uns sind viel besser. Findet er auch.

    Nach obligatorischen Abschiedsfotos verlassen wir mit Samy das Heim, er steigt gerne ins Auto, muss überzeugt werden, dass er im Fußraum sitzt und nicht auf dem Beifahrersitz, irgendwann legt er sich hin. In La Laguna besorgen wir uns in der örtlichen Zoohandlung ein Körbchen, Dog-Shit-Beutel, eine Wasserschale und Spielbälle.

    neues Terrain
    zum Erkunden

    Problemlos lässt Samy sich in Santa Cruz aufs Boot heben, erkundet es neugierig, in jede Schublade, die ich aufziehe, steckt er seine Nase und folgt uns auf Schritt und Tritt. 

    Gute Nacht!

    Erst als der Skipper sich zum späten Mittagsschlaf auf die Couch legt, macht der Hund es sich im Körbchen bequem. Im Moment kämpfen wir noch damit, Samy zu erklären, dass das Sofa den Menschen gehört und nicht dem Hund…

  • Ein bisschen Kultur

    Die letzten zwei Tage in Darmstadt haben wir genutzt, um mal wieder ins Theater zu gehen. Unser Spanisch wird ja jeden Tag besser, aber ob das für einen ganzen Theaterabend ausreichend wäre, wage ich zu bezweifeln. Das machen wir lieber auf deutsch. So sind wir Freitag Abend ins Darmstädter Mollerhaus gezogen, ein Ein-Personen-Stück stand auf dem Programm: “Inneres Ensemble”, von und mit Anouschka Sarafzade. Um es gleich vorweg zu nehmen, ein großartiges Stück!

    Eine Schauspielerin und eine Leinwand und ganz wenige Requisiten, aber viele Kostüme.
    Bei der Generalprobe eines Stücks ist die Regisseurin vollkomen genervt: Die Schauspielerinnen machen, was sie wollen, keine Szene läuft ungestoppt durch, und sie sucht immer nach dem roten Faden des Ganzen. Am Anfang ist auf der Leinwand im Video ein Zuschauerraum zu sehen, langsam füllt er sich mit den Frauen, alles verschiedene Facetten der Autorin oder der Regisseurin, “eine Reise durch die Vielfältigkeit des eigenen Ichs”, nennt es Sarafzade. Prominent ist die lustige Figur der “Pausenfüllerin”, es gibt die Handwerkerin, die Nichtskönnerin, die Schlussdramatikerin, und und und…

    In Real und auf der Leinwand

    Immer spielt die Schauspielerin mit der Leinwand, läuft in die gefilmte Szene hinein oder die Regisseurin redet mit dem gefilmten Schauspieler-Ich, sehr spannende siebzig Minuten. Das Publikum war begeistert, wir auch, ein schöner Abend und sehr empfehlenswert, sollte das Stück auf Tournee in Eure Stadt kommen.
    Gestern Abend, nachdem die Koffer für unsere Skiwoche gepackt waren, haben wir uns noch in das Darmstädter Jazz-Institut im Achteckigen Haus aufgemacht, und uns bei der Musik der Gruppe “Don’s Bag” mit Gast Jan Belling am Saxophon einen entspannenden Abend zu gönnen. Klassische Jazzstücke aus den sechzigern und Jazzsounds zu Prince, ebenfalls ein gelungener Abend.

    Seit sieben Uhr sind wir mit dem Auto unterwegs, durch dicke Nebelfelder in den Niederungen und sonnige Höhenlagen, die Wiesen sind noch leicht mit Schnee bedeckt, nach Österreich zum Skifahren.

  • Kein Ende in Sicht

    Gestern war Rundfahrtag, über 200 zurückgelegte Kilometer standen auf dem Tagestacho von unserem kleinen Leihflitzer, einem Citroen C3. Wir haben Nicole einen Teil der Schönheiten von Teneriffa gezeigt. Angefangen haben wir mit Igueste, einem kleinem Ort im äußersten Nordosten, der anscheinend abseits aller Haupttouristenströme und dafür umso idyllischer erscheint. Die kleine Schlucht führte diesmal Wasser, die Wiesen erschienen in einem satten Grün, alles was blühen kann, tat es auch. Der Weg aus Igueste raus ist der umgekehrte wie rein.

    Gigantische Brandung

    Anschließend fuhren wir durch unzählige Haarnadelkurven ins Anagagebirge hinauf, um dann von der über 800 Meter hohen Anhöhe einen weiten Blick, sowohl nach Osten als auch nach Westen zu genießen. Taganana wurde besichtigt, in Almaciga hielten wir auf ein Bier an und bewunderten die infernalische Brandung, die sich über die Felsen im Meer an den Strand brachen.

    Lorbeerwald über die Straße

    Danach ging es ab in den immerfeuchten Lorbeerwald und in die Hochebene von Las Mercedes.

    Schnitzel – alle

    Abends fuhren wir nach Los Cristianos in den Inselsüden, um dort im Restaurant Primavera die besten Schnitzel der Welt zu essen. Das XXL-Schnitzel ist der Hammer, so eine fein-gewürzte Panade, so zart das Fleisch, außerdem der Kartoffelbrei, mmmhhhh. Die Ladies hatten Seehecht mit  Ratatouille-Gemüse und waren genau so begeistert wie ich. Nicole fuhr uns nach Hause, es gab noch einen Absacker für mich, bevor ich ins Bett bin, Cornelia und Nicole tagten noch bis ein Uhr nachts.

    Ganz anderes Thema – der Sturm vom vergangenen Sonntag hat einige Schäden auf den Kanaren angerichtet. Auf Gran Canaria wurden einige Yachten auf Land geworfen, in La Gomera haben sich Stege losgerissen, auf Teneriffa wurde eine 8- köpfige Wandergruppe am Strand von Wassermassen eingeschlossen und musste nach einer unfreiwilligen Nacht im Freien gerettet werden, auf zahlreichen Straßen gab es Beeinträchtigungen für den Autoverkehr durch Schlamm-und Gerölllawinen.

    Und noch lässt uns der Sturmwind nicht aus seinen Klauen heraus, denn seit heute Nachmittag weht es wieder mit Sturmstärke und der Schwell im Hafen lässt alle Schiffe tanzen.

  • Ein kapitaler Fehler

    Mittwoch, 21. Februar 2018, Baro 1014, sonnig mit einzelnen Wolkenfeldern, Wind NW um 6, später nix, später 6-7
    San Sebastian de Gomera 07:15 – 17:45 Puerto de Mogan

    Um sechs Minuten vor sieben weckt Volker mich: „Los, raus aus dem Bett, wir legen ab!“ Das habe ich ja schon lange nicht mehr gehört, für alle diejenigen, die früher mit uns gesegelt sind, ist das allerdings ein wohl bekannter Ruf. Wir haben 74 Meilen vor uns, von La Gomera bis Puerto de Mogan auf Gran Canaria, wo schon unsere Freundin, die Hutmacherin Susanne wartet.

    Good morning; Gomera

    Conny und Hermann von der September winken uns zum Abschied, und werfen die Leinen los. Nach dem Ablegen müssen schnell die vielen Fender und Leinen verstaut werden, dann kommt das Großsegel hoch, und schon sind wir drin in der Acceleration Zone, es frischt auf, 24 Knoten Wind und mehr in Böen. Mit nur einem kleinen Vorsegel fliegt die Hexe mit über elf Knoten Geschwindigkeit über die Wellen. Die Wellen spritzen über den Bug, schlagen gegen die Rümpfe, das könnte ein schönes Schauspiel sein, hätten wir nicht einen kapitalen Fehler gemacht.

    Der Teide, heute ohne Wolken

    Normalerweise checken wir vor dem Ablegen, dass alle Abflüsse in den Waschbecken verschlossen sind, und alle kleinen und großen Fenster zu. Nur dass wir diesmal das kleine Fenster in der Toilette des Gästerumpfs vergessen haben. Und das bei diesen Wellen! Natürlich steht in dem kleinen Raum alles unter Wasser und natürlich hat sich das Salzwasser schon seinen Weg gebahnt , über den Flur in die Bilge, und natürlich nicht nur in eine, sondern in allen dreien schwabbelt fröhlich ein kleiner See. Mit Schwamm, Tüchern und Schüssel machen wir es erstmal halbwegs trocken.

    Nur noch die Hand der Capitania ist zu sehen …

    Um 08:45 lässt der Wind nach, die Wellen werden kleiner, und um 09:15 muss der Motor mit schieben. So unterschiedlich sind die Konditionen auf den Kanaren. Zeit für uns, um den Bilgeninhalt: Überlebensanzüge, unser immerwährender Weihnachtsbaum, Kisten mit Lebensmitteln, Dosen, Dauerbrot, Marmeladen, Einweckgläsern und ähnlichem abzuwaschen. Die Bilgen selbst werden ebenfalls mit Süßwasser gereinigt und getrocknet, dann muss noch der Raum mit der Gästetoilette komplett entsalzen werden.

    Um 11:00 Uhr gibt es endlich Frühstück mit Rührei und Buttertoast, ich freue mich auf meinen Cappuccino, doch bevor ich den ersten Schluck nehmen kann, muss ich ihn leider wegschütten. Ich hatte aus Versehen des Skippers liebstes Gewürz, Maggi, statt in die Rühreier in meine Kaffeetasse geschüttet, brrrr!

    Die Hexe on her way

    Um 11:30 Uhr passieren  wir die südwestlichste Ecke von Teneriffa, der Wind frischt ein kleines bisschen auf, Volker rollt die Genua aus, aber ein Motor muss mit schieben bis nach 14:00 Uhr, zu spitz ist der Winkel des eher schwachen Windes. Dann erst kommt der versprochene Nordwester mit 15 Knoten aus 60°, mit kurzen kabbeligen Wellen, und sofort freut sich unsere Hexe, der Motor darf schlafen, neun Knoten Geschwindigkeit fühlen sich spielend an, der Neigungswinkel beträgt zwischen drei und sechs Grad. Leider spritzen die Wellen natürlich auch wieder Salzwasser an Deck, nur vorne, aber da hat Volker doch alles schon schön entsalzen…

    Die lange Motorfahrt hat unsere Wasservorräte aufgeheizt, wir nutzen es für eine Dusche unter Segeln. Das ist gar nicht so einfach. Die Dusche ist eher am Bug des Schiffes, dort ist es unruhiger als am Heck, und es wackelt dermaßen, dass ich mich zum Haarewaschen und Einseifen auf den kleinen Rand setze, denn mit einer Hand muss man sich tatsächlich festhalten, um nicht umzufallen.

    Delfine.…

    Zweimal haben wir Delfine gesehen auf unserer heutigen Überfahrt, das erste Mal kurz nach dem Frühstück, ein riesiger Schwarm kam vorbei und spielte lange Zeit mit den Rümpfen, später kamen noch einmal welche, die waren aber offensichtlich mit der eigenen Jagd auf Futter beschäftigt, und relativ schnell weg.

    Die zweite Accelertion Zone vor Gran Canaria hat uns auch wieder aufgerüttelt, wir mussten Großsegel und Genua nacheinander reffen; aber insgesamt war es ein schöner Segeltag, auch wenn Volker das Boot heute zweimal entsalzen musste. Ich habe schon beim ersten Mal gesagt: „Na hoffentlich machst Du das heute nicht noch einmal, kurz vor Gran Canaria!“

    Eine Meile vor dem Hafen ist der Wind plötzlich wie abgestorben, wir motoren hin, aber ich finde, es sieht zum Ankern nicht sehr anheimelnd aus. Ich telefoniere mit der jungen Frau im Harbour Office, ob wir nicht doch eine Nacht dort bleiben können. Am Anlegesteg des Ausflugsboots ist nach 18 Uhr Platz bis morgens früh um 08:30. Das lassen wir uns nicht entgehen, kaum hat das Ausflugsboot abgelegt, sind unsere Leinen dort fest, und ich habe eine neue Freundin im Harbour Office.

  • Seemannsgarn?

    Die Spitze des Teide winkt zum Abschied

    Das Schiff schießt los, der Wind drückt mächtig in die Segel, Schaumkronen färben das blaue Meer weiß. Morgens beim Ankeraufholen herrscht noch bleierne Flaute, nur die Dieselmotoren bringen uns weiter, in Richtung La Gomera. Als ein leichter Westwind einsetzt, gehen die Segel hoch, doch die Brise ist so leicht, dass die Hexe ihrem Namen keine Ehre macht, passender wäre „schleichende Plastikente“.

    Nur die Rückenflosse ist zu sehen,
    wenn man genau hinschaut

    Zudem wechselt das flaue Lüftchen alle paar Minuten die Richtung, ich sitze im Schalensitz und steuere mit der Pinne jede Winddrehung aus. „Es wäre schön, wenn es endlich Wind gibt!“, sage ich wiederholt zur Capitania, die mich zu mehr Geduld auffordert. Doch nochmal müssen 2 mal 75 Pferdestärken mit schieben. Dann kommt der nächste Segelversuch und einige Meter voraus zieht ein Rudel Pilotwale seine Bahn. Wir kommen uns sehr nahe, und Cornelia schießt ein paar Fotos der gemächlich dahin schwimmenden dunklen Tiere – das regelmäßige Atmen beim Auftauchen ist deutlich zu hören.

    So friedlich empfängt uns der Hafen
    von San Sebastian de la Gomera

    So langsam zeichnet sich La Gomera immer deutlicher am Horizont ab, und dann kommt endlich Wind, erst wenig und dann immer mehr. Bald ist es zu viel Wind, die Hexe stürmt mit 12 Knoten hoch am Wind dahin und poltert über die Wellen. Weiße Gischt fliegt über den Bug und deckt das ganze Schiff ein, die Wellen passen irgendwie nicht zum Wind, zu kurz, zu abgehackt. Schnell verkleinern wir als “erste Hilfsmaßnahme” die Genua, fieren den Großsegeltraveller nach Lee und öffnen die Großschot, der Druck muss raus, noch 3,5 Seemeilen bis zum Ziel. Der Wind wird immer stärker, wir entscheiden uns, das Großsegel ganz zu bergen und mit der  gerefften Genua allein weiter zu segeln. Und dann ist plötzlich 500 Meter vor der Hafeneinfahrt der Wind komplett weg, nix mehr, nada, nicht ein Lüftchen. In unserem Heckwasser brodelt noch der Hexenkessel und wir schweben auf komplett plattem Wasser. Alle Segel weg, Fender raus, das Hafenoffice angefunkt.

    So sah die Küche am nächsten Morgen aus…

    Peter von der Florentine hat uns einen tollen Liegeplatz im Hafen reserviert. Längsseits geht es an den Steg, der Marinero nimmt die Leinen an, Peter steht mit Stiefsohn Jakob da, großes Empfangskomitee. Die Capitania legt das Schiff cool und souverän an den Steg. Den Rest des Tages spinnen wir Seglergarn, verdrücken das eine oder andere Bier, Grillen, was der Lotus hergibt und feiern in Kathrin’s Geburtstag rein. Weit nach Mitternacht geht’s mit ganz müden Augen endlich ins Bett.

  • Adieu, Santa Cruz

    Dienstag, 23. Januar 2018, Baro  1022, sonnig, Wind NO um 4
    Santa Cruz 09:20 – Playa de las Americas 16:00, 44 sm

    Adieu, Santa Cruz

    Heute haben wir Besuch an Bord, als wir endlich die Leinen in Santa Cruz loswerfen: Petra und Joachim, Freunde von Sepp wollen mit uns bis Los Cristianos segeln. Nach anderthalb Monaten, die die Hexe hier festgelegen hat, ist es die erste Fahrt im neuen Jahr, bei schönem Nordostwind und reichlich Sonne. Rosemary und François von der Zigzag winken uns zu, als wir aus dem Hafen herausfahren. Die beiden kommen vielleicht morgen oder übermorgen für eine Nacht nach San Sebastian, bevor sie zur weiten Fahrt in die Karibik aufbrechen.

    das war nur ein Bruchteil der Herde

    Das Ablegemanöver klappt hervorragend, trotz Seitenwind dreht die Hexe brav um die Springleine, den helfenden Marinero mit seinem Boot hätten wir eigentlich doch nicht gebraucht, aber es wer weiß das schon vorher. Direkt nach der Hafenausfahrt geht das Großsegel hoch, bei zunächst leichtem Wind und ein bisschen zickigen Wellen segeln wir nach Süden. Ich bin gerade dabei, das Frühstück vorzubereiten, die beiden haben frische Croissants und Brötchen mitgebracht, da kommt der Ruf „Delfine, Delfine, ganz viele!“. Tatsächlich sind es vielleicht hundert Tiere, die in der nächsten Stunde mit unserem Boot spielen, egal, ob wir langsamer werden oder schneller, sie spielen um die Rümpfe, kommen von hinten, seitlich, springen übers Wasser, toll! So viele Tiere auf einmal haben wir noch nie gesehen, manche sind einfarbig, andere getüpfelt, sehr lustig.

    Wir frühstücken in Ruhe, fast bei Flaute, mit Rührei und frischen Coissants, pünktlich danach frischt der Wind auf, und die Hexe wird schneller.

    Punta roja vor dem Teide

    Um 14:00 Uhr passieren wir  Punta roja, ein roter großer Fels im Meer, der die Südostspitze von Teneriffa markiert, danach segeln wir nachWesten weiter. Um 15:15 fahren wir an Punta Salema vorbei, jetzt wird das Meer deutlich ruhiger. Hier unten sind mehr Segelboote unterwegs, allerdings viele unter Motor auf dem Weg nach Nordosten.

    Auch wir müssen die letzten Meilen motoren, es ist fast kein Wind mehr und Petra muss ihr Leihauto am Flughafen zwischen 17 und 18 Uhr abholen, sonst hätten wir vielleicht das ganze ausgesessen. Der Anker fällt um q6:00 Uhr direkt vor der Playa de las Americas neben Los Cristianos, Volker fährt die beiden zum Strand und weg sind sie.

    Wir liegen hier ruhig und gemütlich und freuen uns auf die Überfahrt morgen nach La Gomera.