Autor: Hexymama

  • Geht das?

    Dies ist der erste Versuch, einen Blog über das Postie-Plugin auf unsere
    Website zu stellen.

  • Von Lagos nach Lanzarote in weniger als drei Tagen

    Samstag, 4. November 2017, Baro 1014, sonnig leicht bewölkt, Wind W 5

    Gestern hat Volker für unsere neue Crew, Trevor and Kay, eine ausführliche Sicherheitseinweisung gemacht, die Lage der Feuerlöscher ist bekannt, ebenso die Handhabung der Rettungsinsel. Wir haben ein Grabbag gepackt, und neben der Rettungsinsel verstaut, jeder hat seine Rettungsweste einmal angezogen, Lifelines liegen ebenfalls bereit, jeder weiß, wo sich das Epirb, die Fire Blanket, etc. befinden. Außerdem habe ich den beiden die Bedienung unserer Navigationsinstrumente erklärt, und die Sprache im Navionics vorsichtshalber auf Englisch umgestellt.

    Heute morgen waren wir alle in der Marina zum Duschen, die Selbstwendefock ist angeschlagen, letzte Einkäufe auf dem Bauernmarkt sind erledigt, pünktlich um 10:00 Uhr standen Ralf und Inge bereit, um die Leinen loszuwerfen, und um 10:40 Uhr war das Wasser im Kanal soweit gestiegen, dass wir loskonnten.

    Nach einer halben Meile wird das Großsegel gesetzt, Reff 1 ist eingebunden, die Genua wird, ebenfalls mit einem Reff, ausgerollt. Kurs 210°, 540 Meilen liegen vor uns. Die See ist sehr ruppig, und die Wellen werden wohl noch höher werden, wenn wir aus der Abdeckung des Cabo de São Vicente heraus sind, aber heute Nachmittag soll der Wind weiter nördlich drehen, wir werden sehen.

    Es ist zunächst tatsächlich eine ruppige und nasse Fahrt, Die Wellen kommen seitlich immer mal wieder über das Boot, die erste, während des Brunchmahls mit Kürbissuppe und Würstchen, erwischt fast das Cockpit, glücklicherweise hat Volker kurz zuvor die Zeltplanen heruntergelassen. Aber eine Menge Wasser fließt doch über den Boden, das wird immer wieder passieren in den nächsten zwei Stunden. Der Wind hat aufgefrischt auf 20 – 24 Knoten, die Wellen sind zwischen  anderthalb und zwei Meter hoch. Es ruckelt und scheppert im Schiff.

    16:30 Uhr ist Zeit für Intermar, ich mache zum ersten Mal mit, Federico, DE8AEW, hört mich gut und auch ein unbekannter Amateurfunker aus dem Saarland bestätigt, dass er mich laut und deutlich verstehen kann, ob das einer von meinen Kollegen aus der Prüfung war? Da gab es nämlich auch viele Saarländer. Nur Ralf konnte ich leider nicht empfangen, schade.

    18:00 Uhr: Baro 1016, der Wind hat ein bisschen geraumt und ist auf 15 – 16 Knoten zurückgegangen, Volker denkt über den Code D nach, aber erstmal kommen die Delfine, wieder tanzen sie mit den zwei Rümpfen, dass es eine Wonne ist. Der Code D bleibt im Sack.

    19:30, der Wind ist auf 13 – 15 Knoten zurückgegangen, kurz vor dem Abendessen wird das Großsegel ausgerefft, danach gibt es draußen am Cockpittisch Mezzelune mit Wildscheinkotelett-Sahnesoße. Trevor und Kay freuen sich über die Tatsache, dass so einfach Flaschen auf dem Esstisch stehen können. Das geht bei Wind und Wellen nur mit einem Katamaran!

    23:20 Uhr, Baro 1020, dunkle Wolken verdecken den Mond, und machen uns Arbeit. In der einen Wolke steckt ein bisschen mehr Wind, danach nimmt er auf unter neun Knoten ab und raumt, wir rollen die Genua ganz weg und wollen schon das Großsegel bergen, da kommt die nächste Wolke und bringt wieder Wind mit.

    Sonntag, 5. November 2017, 06:40 Uhr, Baro 1020, kurz vor Sonnenaufgang, leicht bewölkt, NNO um 5

    02:45 Uhr: Der Katamaran „Cristal“ fährt in einer halben Meile Entfernung an uns vorbei, offensichtlich auf dem Weg nach Madeira oder in die Karibik. Schon seltsam, da ist das Meer hier so groß und weit und leer, und plötzlich sind sich zwei Boote so nah, dass man aufpassen muss, dass es nicht zu einer Kollision kommt.

    12:00 Uhr, Baro 1019, es ist leider bewölkt, und unser Watt & Sea hat endgültig alles Hydrauliköl verloren, sodass wir ihn nicht weiter betreiben können und keinen Strom mehr aus dem Wasser ziehen. Da wir nach Süden fahren, sind die großen Solarpaneele nicht direkt von der Sonne beschienen, deshalb haben wir unsere tragbaren Sonnenstrahlenfänger an die Reling gehängt. Jetzt müssen nur noch die Wolken, wie eigentlich vorhergesagt, verschwinden, dann bekommen wir genug Strom, um auch mal unsere Laptops oder das Satellitenhandy zu laden. Schließlich muss ich ja Logbuch schreiben, und mit meiner neuen Kurzwellensoftware über das Pactor-Modem Wetterberichte abrufen.

    Am Nachmittag frischt der Wind weiter auf, in Böen bis zu 28 Knoten und die Wellen werden größer und bäumen sich, vor allem in der Nacht bis auf gute drei Meter auf, wir fahren mit einem Reff im Großsegel, und die Genua, je nach Lage im 1., nachts komplett im 3. Reff. Zum Abendessen, wie immer im Cockpit, gibt es Gulasch indischer Art mit Reis. Diese Nacht ist anstrengend, man muss andauernd den Kurs korrigieren, damit Großsegel und ausgebaumte Genua gut stehen, und alles wackelt und scheppert.

    Montag 6. November 2017, Baro 1015,

    05:30: In der Nacht hat zunächst  Volker von 21:00 Uhr bis nach Mitternacht die erste Wache übernommen, denn es war so viel Wind und Welle, dass er erstmal selber aufpassen wollte, wie sich die Hexe verhält und auch dauernd die Segel nachgestellt hat. Danach kurze Wachen, anderthalb bis zwei Stunden, aufgeteilt zwischen Volker, Trevor und Kay, und mir.

    Ein dauerndes Brummen irritiert Volker, und er hat Bedenken, ob das jetzt der Autopilot ist, der sich verabschiedet, aber ich glaube, es sind nur Windgeräusche am Aufbau des Bootes. Das würde uns jetzt gerade noch fehlen, dass sich der Autopilot verabschiedet, und wir alles mit Hand steuern müssten!

    Zwischen 04:00 und 05:00 Uhr lassen die Wellen glücklicherweise ein bisschen nach, sie werden kleiner und nicht mehr so gewalttätig, dass das ganze Boot scheppert. Als ich um 05:00 von Trevor die Wache übernehme, ist es daher schon angenehmer, auch wenn der Wind zwischendurch doch mal auf 27 Knoten anwächst.

    09:30 Leider ist es wieder mehr bewölkt als sonnig, und unsere Energiebilanz eher negativ. Dabei brauchen wir doch den Sonnenschein auf unseren Solarpaneelen. Und die Wellenhöhe nimmt auch nicht ab, das ist ein elendes Geschaukel, wenn der Wind unter 18 Knoten ist.

    Irgendwann am Vormittag werden die Wellen dann doch kleiner, der Wind bleibt bei 17 bis 22 Knoten,.

    Nach 48 Stunden haben wir 431,5 Seemeilen auf der Logge! Das waren 204 in der ersten Hälfte und 227 in der zweiten, sensationell!

    Nachdem alle auch am Vormittag ein bisschen  geschlafen haben, gibt es um 11:30 ein spätes Frühstück mit Pizza und den Resten des gestrigen Gulaschs. Einmal besuchen uns wieder Delfine, bleiben aber nur kurz. Beinahe hatte Trevor später einen Fisch an der Angel fürs Abendessen, aber der hat sich anscheinend selbst befreit. Glück für ihn, Pech für uns. Außerdem waren zahlreiche Frachter unterwegs, mit zweien musste ich funken, um sie auf uns aufmerksam zu machen, damit sie uns nicht überrennen.

    15:00 Uhr  Baro 1011, mehr Sonne als Wolken, gut für die Energiebilanz, denn auch die Computer brauchen ab und zu einen kleinen Schluck aus der Steckdose. Und die Sonne geht ja schon vor 18:00 Uhr unter, die Tage sind kurz. Gut für die Nachtwachen, dass der Vollmond die Nächte erhellt.

    Vor dem Abendessen wird das Reff im Großsegel ausgeschüttet, der Wind hat auf 15 Knoten abgenommen. Zum Abendessen gibt es den Klassiker, Spaghetti Bolognese mit Salat, danach wieder die übliche Wachenfolge, Volker beginnt, um 22:30 übernehme ich, Trevor kommt auch, wir schauen zu zweit, da kann sich immer wieder einer hinlegen.

    23:45 Uhr: beim Routine-Rundumblick entdecke ich die ersten Lichter von La Graciosa sowie von die Küstenstraße von Lanzarote, an der die Lichter wie eine Perlenkette dem Seefahrer entgegen leuchten.

    Noch 33 Seemeilen bis Puerto Calero.

  • Auf dem Weg nach Gibraltar – Tag 2

    Sonntag, 15. Oktober 2017, Baro 1020, sternenklar, Wind O 3 – 4
    Auf See – Gibraltar 16. Oktober 04:00, 250 sm

    Der zweite Tag auf See war – leider – geprägt von wenig Wind. Das heißt Vorsegel setzen, Motor aus, Vorsegel bergen, Motor an, Vorsegel setzen, Motor aus, usw. undsoweiter, undsoweiter. Zum Schluss haben wir sogar kurzzeitig das Großsegel geborgen, weil es nur noch herumgeschlagen ist. Erst lange nach dem Abendessen kam erst ein bisschen, dann ordentlicher Wind. Volker hat wieder das Großsegel gesetzt, die letzten vier Stunden machen wir gute Fahrt, um vier Uhr nachts fällt der Anker vor La Linea, direkt neben dem Flughafen von Gibraltar, und wir ins Bett.

    Montag, 16. Oktober 2017, Baro 1021, leicht bewölkt, diesig, SO 6-7

    Nach ein paar ruhigen Stunden vor Anker in der Bucht von La Linea fahren wir zur Tankstelle in Gibraltar, um für 46 Penny pro Liter Diesel zu bunkern. Es ist schon beeindruckend, in der Bucht liegen so viele Tanker und Frachter vor Anker, bei der Port Control ist immer was los, ich muss dort um Erlaubnis bitten, zur Tankstelle fahren zu dürfen, weil diese direkt neben der Landebahn des Flughafens ist. „Your air draught, please“, fragt der Mensch am Funk, und meint den Tiefgang in der Luft, wegen der landenden Flugzeuge.

    Dann segeln wir durch die Straße von Gibraltar mit zwei Reffs im Großsegel und achterlichem Wind machen wir 8 – 9 Knoten Fahrt. Nach Tarifa beginnt der Tanz, 35 Knoten Wind und ein bis zwei Meter achterliche Welle lassen die Hexe über die Wellen reiten, der Skipper jauchzt vor Freude und fotografiert. Die Hexe surft mit über 18 Knoten die Wellen runter, die Gischt spritzt. Dabei haben wir vorhin gemütlich gefrühstückt, und ich sitze am Schreibtisch und lerne. Cooles Segeln!

     

  • Auf dem Weg nach Gibraltar – Tag 1

    Samstag, 14. Oktober 2017, Baro 1021, sonnig, Wind NO 3-4

    Gestern Abend waren Tatjana und Jeremy von der Outremer „Infinity“ mit ihren beiden sehr lieben kleinen Söhnen zu Gast, und wie immer werden Seglergeschichten (und Klagen über die Probleme des Outremer-Cats) ausgetauscht. Während wir bei dem Thema „Reisen mit Kindern“ sind, erzählen sie von dem anderen Katamaran, der bei ihnen am Steg liegt, auf dem sogar ein Junge lebt, der gerade ein Fernabi macht. Volker springt wie elektrisiert auf: „Das muss doch Bernhard sein!“ „Ja, bestätigt Jeremy, „der Mann heißt Bernhard und sie Beate“. Das ist doch die Familie, die wir bereits vor drei Jahren in Cartagena getroffen haben, und die wir eigentlich hier vermutet und bereits gesucht hatten. Nun haben sie aber einen anderen Kat, „Aurora“ und nicht mehr „Kentipi“, deshalb haben wir sie nicht gefunden. Volker läuft sofort rüber, um sie auf die Hexe einzuladen, und so wird es ein langer schöner Abend mit vielen Erzählungen.

    Am Morgen wollen wir uns nur kurz verabschieden, es werden zwei Stunden daraus, zuerst einmal wollen wir natürlich die Aurora besichtigen, super Kat mit viel Platz, clever ausgebaut. Wobei Bernhard schon wieder im absoluten Bastelmodus ist, auf Booten ist ja immer etwas zu tun, und auf zehn Jahre alten noch viel mehr. Sohn Alexander lernt fürs Abi, er macht sein 8 Jahren Fernschule, nur zu den Prüfungen muss er nah Hamburg. Wir treffen auch noch die Eigner der Katherine, einer wunderschönen 20 m langen X-Yacht, auch diese dürfen wir anschauen, tolles Boot, Volker würde sofort tauschen…

    16:00 Uhr, Baro 1019, sonnig, Wind ONO 5

    Heute morgen haben wir zweimal einen Wal gesehen, direkt vor dem Bug ragte eine schwarze Rückenflosse aus dem Wasser. Mit achterlichem Wind segeln wir – leider lange gegen die Strömung – dahin, die Fock zunächst im Schmetterling, dann dreht der Wind weiter auf Ost, und seitdem fahren wir mit einem Windeinfallswinkel von 155-160° und 16 – 19 Knoten Windgeschwindigkeit durch das sonnenbeschienene Mittelmeer.

    19:00 Uhr, Baro 1019, leicht bewölkt, Wind ONO 3-4

    Spi steht, der Wind hat wieder geraumt, der Skipper kocht Spaghetti bolognese mit Wermut. Um 21:20 Uhr versuche ich mein Glück mit einer Funkrunde mit Ralf von der Malwieder, aber wir hören beide nichts, wie wir bei einem anschließenden Telefonat feststellen. Es mag anachronistisch anmuten, dass wir miteinander funken wollten, obwohl wir ja auch das Telefon benutzen könnten, um miteinander zu sprechen. Aber Tatsache ist, dass ich mit meinem Funkgerät immer noch nichts höre, und ich dachte, es liegt vielleicht daran, dass ich die falschen Frequenzen zur falschen Zeit benutze. Und irgendwann muss es ja mal funktionieren, spätestens, wenn wir fernab jeglicher Handyzelle sind und Wetterberichte oder -beratung von Freunden bekommen sollen.

    23:00 Uhr, Baro 1020, kurz nach dem Cabo de Gata, Wind O 6

    Kurz bevor wir den Wegepunkt erreichen, frischt der Wind plötzlich so auf, dass wir den Spinnacker bergen müssen. Leider wird das zu einem katastrophalen Manöver. Luvschot und -achterholer sind los, nur das Spifall ist oben am Mast belegt, ich muss hochsteigen aufs Dach, derweil verdreht sich leider der Spi so sehr um den Mast, dass er garnicht mehr runter kommen mag. Volker zieht mit allen Kräften und flucht, der Spi rührt sich nicht. der sitzt wie festgeklebt am Vorstag, keine Chance. Petra zieht mit, der Spi rührt sich nicht. Volker will in den Mast, da lege ich ein Veto ein, nicht nachts und bei 20 Knoten Wind und Welle, lieber erstmal nachdenken. Wir ziehen die Fock zehn Zentimeter raus, der Spi hält fest. Dann auf einmal gibt er ein kleines bisschen nach, und dann können wir noch einen Meter runterziehen, und dann haben wir gewonnen.  Petra und ich entwirren die 190 qm im Cockpit mit viel Geduld, nun ist er wieder in seiner Tasche, wir haben geschiftet, sind auf Kurs Richtung Gibraltar, noch 153 sm bis dorthin.

  • Petri Dank

    Haus auf den Klippen
    Beeindruckende Felsformation am Cabo de la Nao

    Die Sonne ist gerade – leider hinter Wolken – aufgegangen, da sind wir auch schon unterwegs, um unseren Weg nach Süden fortzusetzen. Die Nacht war ziemlich unruhig, eine doofe Welle kam 90° zum Wind, und damit auch seitlich auf den Kat zu, und hat ihn immer hin und her geschaukelt. Jetzt ist leider gar kein Wind, wir motoren zum Cabo de la Nao, bewundern die schönen Häuser auf den Klippen dort. Petra und ich würden uns auch mit dem traditionell spanischen Baustil anfreunden, wenn nur die Aussicht gut ist, Volker dagegen zieht die Anwesen in dem modernen hellen Stil vor.

    Spanien oder New York?

    Ebenfalls unter Motor geht es zunächst an der Costa Blanca entlang, schon vor Benidorm beginnen die Bausünden mit den Hochhäusern oder schrecklich eintönigen Appartmentanlagen. Benidorm selbst ist ja schon wieder speziell mit seinen architektonisch ausgestalteten Wolkenkratzern, so ein bisschen, als läge New York an der spanischen Küste.

    Der erste selbstgefangene Fisch

    Seit dem Cabo de la Nao ist die Angel draußen, wenn hier so viele Fischer rumfahren, muss doch auch bei uns mal einer anbeißen. Gerade wollen wir anfangen zu segeln, da ruft Petra: „Schau mal, die Angel…!“. Wir holen die Angelschnur ein, schnell, schnell, es ist aber nicht schwer, schon wollen wir uns auf eine Enttäuschung gefasst machen. Und siehe da, hat doch ein kleiner Thunfisch angebissen, wer weiß, wie lange wir den schon mitgeschleppt haben, den armen Kerl, er ist schon ziemlich fertig. Nun gießen wir ihm einen Schluck Gin hinter die Kiemen, Volker nimmt ihn auf der Badeplattform aus und Petra filetiert den Fisch anschließend für den abendlichen Grill. Na das ist ja was, unser erster selbstgefangener Fisch auf der Hexe!

    Glücklicherweise frischt danach der Wind auf, wir können Segel setzen, und fahren auf Amwindkurs weiter. Hinter dem Boot tauchen Delfine auf, gut, dass wir die Angel eingezogen haben, nicht auszudenken, wenn so einer anbeißen würde, wie schrecklich! Außerdem sind das riesige Tiere, offensichtlich auf der Jagd, denn sie haben keine Lust, mit den beiden Katamaran-Rümpfen zu spielen, was die Delfine sonst immer gerne machen. Die Hexe wird immer schneller , sobald der Wind mit mehr als acht Knoten weht, springt sie an und läuft und läuft.

    So schön empfängt uns der Ort
    Getigerte Mama- mit schwarzen Kinder-Katzen
    Ferienhäuser

    So erreichen wie doch noch die Illa de Nueva Tabarca, das hatten Petra und ich heute morgen als Etappenziel ausgesucht, aber nach der Flaute am Vormittag schon gar nicht mehr erhofft.  Um halb sieben fällt der Anker vor der Insel, wir schalten noch die Elektronik und die Motoren aus, Ankerlicht und Courtesy Lights zum Heimkommen an, und schon sitzen wir im Beiboot, um neues Land zu erkunden.

    Schnorchler im klaren Wasser
    Die Kirche

    Nueva Tabarca ist nicht ganz zwei Kilometer lang und an der breitesten Stelle 380 m breit, das können wir locker erkunden. Wir binden das Beiboot an dem Steg eines geschlossenen Restaurants an, und beginnen den Rundgang durch das Dorf. Als erstes fällt uns auf, wieviele Katzen hier leben, vor allem ganz schwarze wie unser Mikesch, und ein paar getigerte. Sie sind auch nicht unterernährt, weil – leider – sehr viel Müll herum liegt, die Tonnen laufen über, aber auch der Plastikdreck fliegt überall herum, sogar an den zahlreichen Stränden. Die Kirche, Peter und Paul gewidmet, wird gerade für über 600.000 € renoviert, man kann sie nicht besichtigen. Das Wasser ist sehr klar, ein Paar ist trotz der späteren Stund am Schnorcheln, ich vermute, dass sie Seeigel suchen.

    Der Leuchtturm von Tabarca
    Bald ist Sonnenuntergang

    Die Saison ist vorbei, vielleicht kommen tagsüber und am Wochenende noch ein paar Touristen auf die Insel, jetzt sind alle Kneipen und Restaurants geschlossen, nur vereinzelt laufen ein paar Menschen herum, oder gehen mit Hunden spazieren. Wir laufen noch zum anderen Ende der Insel bis zum Leuchtturm, der auch gerade das Licht angemacht hat. Die Vegetation besteht aus Hartholzgewächsen mit Nadeln wie Rosmarin und Kakteen, aber selbst diese sind halb vertrocknet. Trotzdem ist es schön hier, fernab der Lichter, die nun drüben am Festland angegangen sind. Still ist es hier.

  • Agua de Valencia

    Montag, 9. Oktober 2017, Baro 1014, wolkig, später sonnig, warm, Wind NW um 2, später S um 4
    Valencia 109:45 – vor Denía 16:45, 39 sm

    Wir haben einen schönen letzten Abend in Valencia verlebt, nachdem die Kinder ab- und Petra angeheuert hatte. Kurz entschlossen hat Volker für den Abend doch im La Otra Parte reserviert, glücklicherweise, da am Montag Feiertag in Valencia ist, war am Abend, entgegen zu sonstigen Sonntag Abenden, die Hölle los. Alle Restaurants waren gut besetzt, auf uns wartete bei den besten Tapas von Spanien schon ein Tisch für drei, und die Bedienungen haben sich alle gefreut, dass wir wieder einmal vorbei gekommen sind (Telefonnummer für Reservationen per WhatsApp 96.355.05.99). Unsere Lieblingsbedienung hat sich gleich erkundigt, wo denn unsere Kinder sind, und war ganz traurig, dass sie schon nach Hause mussten. Almodova, so heißt sie, hat Kunstgeschichte studiert, findet aber in Spanien keine Arbeit, also geht sie kellnern. Das machen leider wohl ganz viele Intellektuelle, nicht gut.

    Vor dem Ca la Mar

    Nach dem Abendessen sind wir noch für einen Spaziergang durch das hinten dran gelegene Viertel  gelaufen, haben die Empfehlung der Kinder ausprobiert und im Ca La Mar ein letztes Glas getrunken. Leider hat es mit dem Spanisch nicht so richtig geklappt, ich hatte mich erinnert, dass wir einen „XXX de Valencia“ trinken sollten, und bestelle das, der Ober sagt noch „Copa de Valencia“? „Ja“, sage ich, „mit Weißwein?“, fragt er, ich zucke nur die Schultern, wenn er meint…

    Was kam, war ein trockener Weißwein, gut, aber anders als beschrieben. „Agua de Valencia“ hätten wir bestellen müssen, nächstes Mal.

    Gestern Nachmittag hatten noch zwei Motorboote neben uns festgemacht, mit estischen Flaggen, Volker hat die bereits alkoholisierte Crew mittags schon mit Mengen alkoholischer Getränke weggehen sehen. Leider hatten sie offensichtlich diese Getränke bereits verinnerlicht, als wir gegen Mitternacht zum Boot zurück kamen, und es wurde sehr laut nebenan. Vor allem kam ein halb bekleideter Käptän und richtig laute schreckliche Humtata-Musik aus fetten Lautsprechern. Volker hat sie dann mal zurechtgewiesen, dass sie gerne ihre Musik drinnen abspielen können, aber dann bitte die Türen zumachen sollten. Haben sie auch brav gemacht, draußen war sowieso noch viel Lärm von den anderen Feiernden. Nachts um drei riss der Kapitän der Motoryacht mal wieder in Badehose die Arme hoch und röhrte wie der berühmte Hirsch, aber glücklicherweise ging das vorbei. Und heute morgen, als wir gegen 09:00 Uhr ablegten, hatten die Jungs auch schon wieder Bierflaschen in der Hand und am Mund, sensationell!

    Delphine voraus

    Wir sind zum Harbour Office gefahren, haben die Liegeplatzgebühren bezahlt und sind nach Süden motort. Nachdem wir zum ersten Mal seit dem Ablegen in LGM Delphine gesehen haben, die aber leider nur ganz kurz geblieben sind, kam auch der Wind, und wir konnten nach Süden kreuzen. Jetzt liegen wir vor Denía vor Anker und genießen die Aussicht.

  • An der Costa Brava

    Mittwoch, 27. September 2017, Baro 1017, sonnig, warm, Wind SSO um 3 – 4
    Llafranc 09:30 – vor Mataró, 18:40, 46 sm

    Adieu Llafranc

    Eine ruhige Nacht konnten wir in der Bucht von Llafranc verbringen, keine Welle, kaum Wind, und keine vorbeifahrenden Schiffe oder lärmenden Discos am Strand. Beim Abendessen im Cockpit schauen wir auf die Lichter der Stadt, es sieht hübsch aus, in den Restaurants ist auch noch was los, ansonsten eher ruhig.

    Heute soll der Wind ab Mittag mehr werden, allerdings eher südlich, aber dann kreuzen wir halt ein bisschen Richtung Barcelona. Das Meer ist flach, der Wind kommt, allerschönstes Segeln entlang der spanischen Küste. Klar, die Orte sind meist hässlich, weil voller Hochhäuser, wir segeln an Lloret-de-Mar vorbei, Urlaub würden wir hier nicht machen wollen, aber wem’s gefällt, der ist hier gut aufgehoben. Die Partymeilen sind ja legendär. Wir suchen uns für heute Abend einen schönen Strand, das Meer bleibt ruhig, so die Vorhersage, da ist es kein Problem, dass es an der Costa Brava keine verträumten Buchten gibt.

    Das neue Skipper Outfit bei kalten Küstenwinden

    Halb sechs wollten wir Schluss machen, halb sieben ist es geworden, aber nun liegen wir gut nordöstlich der Hafenmole von Mataró, die Hexe schaukelt sanft in den Abendwellen, die Sonne ist hinter den Bergen schlafen gegangen, hoffentlich nicht zulange. Mataró ist eine geschäftige Stadt, man sieht die Autos fahren, die Eisenbahn fährt in regelmäßigen Abständen vorbei und leise man hört die Lautsprecheransagen des Bahnhofs. Rechts ist ein großes Schwimmbad, oben eine riesige Mall. Von weither läutet eine Glocke zum Abendgottesdienst. Ganz anders als gestern Nacht, Großstadt, wir kommen.

    Am Nachmittag habe ich noch mit den beiden Marinas in Barcelona über deren horrende Preise diskutiert, leider erfolglos, schließlich haben wir uns für die zwar etwas teurere, aber dafür sensationell zentral liegende luxuriösere Marina Vell entschieden. Dort liegt man sicher dank der vielen Wachmänner, und ist in fünf Minuten in der Stadt, zum Bummeln, Schauen, Staunen; bei der Osteopathin Katy ebenso wie später in der Cava Bar, olé!

  • Und wieder einmal: Olà!

    Dienstag, 26. September 2017, Baro 1019, sonnig, Wind NNW um 20 Knoten
    Cap d’Agde 08:30 – Llafranc 20:40, 95 sm

    Ehrlich gesagt bin ich gar nicht traurig, dass wir gestern Nachmittag entschieden haben, die Nacht in Cap d’Agde zu verbringen. Heute morgen sieht das alles für mich viel netter aus mit Sonne statt dicker Regenwolken, und jetzt freue ich mich richtig auf den Ritt über die See nach Spanien. 08:15 macht das Hafenbüro auf, 08:10 stehe ich schon dort und möchte den Liegeplatz bezahlen. Im Hafenbüro sieht es wild aus, dort wird renoviert und ab morgen ist das Office auch neben der Zone technique, da hätte ich ganz schön weit laufen müssen. Vorher habe ich in dem kleinen Laden Baguette, Eier und ein bisschen Obst erstanden, es kann losgehen.

    Halb neun sind die Leinen los, viertel vor neun alle Fender und Leinen weggeräumt und das Großsegel geht hoch. Nur noch schnell die Genua ausgerollt, zunächst mit einem kleinen Reff, bald aber ganz, und die Hexe sprintet los, 9, 10, 11 Knoten schnell, kein Problem. Die kurzen Wellen machen die Fahrt zwar zu einer holprigen Geschichte, aber das macht uns ja nichts aus. Mit Seekrankheit haben wir glücklicherweise nichts zu tun.

    Der Spi steht

    12:00, Baro 1018, schon 36 sm abgesegelt. Der Skipper hat geschlafen, Windgeschwindigkeiten zwischen 18 und 24 Knoten bei einem Windeinfallswinkel von 150 – 160° machen die Fahrt angenehm. Volker hat zwar schon mal über den Spi nachgedacht, aber noch ist der Wind zu böig und zu stark.

    14:00 Uhr, der Wind hat sich bei 15 Knoten stabilisiert, wir setzen unseren schönen Spinaker, der zieht uns gut nach Süden, aber weil der Wind direkt von hinten kommt, und wir aufpassen, dass wir keine Patenthalse fahren, müssen wir alle halbe Stunde schiften, halsen, um nahe an der Ideallinie zu bleiben. Nix mit chillig segeln, oder so. Immerhin schaffe ich heute zwei Prüfungsdurchgänge für meine Amateurfunkprüfung (1 x gut bestanden, einmal knapp durchgefallen!!!) und die halbe Lektion 13 (bei 19 bin ich durch…)

    Dramatischer Sonnenuntergang vor Estartit

    18:00 Uhr, Baro 1018, der Wind wird so schwach, dass wir den Spi wegnehmen müssen. Jetzt kommt das Spiel: Motor an, Wind frischt auf, Motor aus, Vorsegel ausgerollt, Wind geht weg, Motor an, Vorsegel weggerollt, und so weiter.  Dann suchen wir eine gut geschützte Ankerbucht. Die Wellen kommen aus Nord bis Nordost, also muss die Bucht dagegen Schutz bieten. Die Inseln vor Estartit wären eine Möglichkeit, sind uns aber ein zu weiter Umweg. Die Bucht bei Aiguafreda bei dem schönen Hotel scheint sehr eng, und ist voller Bojen. Wir fahren rein, bergen Segel (unter Qualen, weil die Rutscher am Mast genau das nicht tun, nämlich rutschen) und wieder raus, nee das ist nix. Mittlerweile wird es dunkel, nicht so lecker, wenn man einen Ankerplatz in unbekannten Felsbuchten sucht. Auch die nächste Bucht liegt voller Fischerboote mit ihren Bojen, da trauen wir uns garnicht erst rein. Der Bucht mit der Marina von Llafranc leuchtet verführerisch, aber bei dem Hafen darf man nicht ankern, nur südlich davon, in der kleinen Bucht vor dem Ort, da scheint ausreichend Platz zu sein, der nicht von nächtlichen Fischern okkupiert wird.

    Der Anker fällt auf 13 Meter Wassertiefe, Volker brät uns ein Steak, wir beobachten durchs Fernglas den kleinen netten Ort, Feierabend!

  • Neue Videos

    Während heute draußen viele Jungs beschäftigt waren, unseren Mast – diesmal komplett – herauszuheben, und an Land fachgerecht zu verstauen, habe ich die Zeit genutzt, und Volkers Videos von letzter Woche geschnitten und ins Netz gestellt.

    Im ersten Video erklärt er, wie man unseren Code D, das schöne große bunte Vorsegel fachgerecht führt, wie es geschotet wird, und wie schnell wir damit sein können. Dabei kann man auch mal sehen, wie das Boot sich bewegt, wenn ruppige kleine Wellen es durchrütteln. Leider war es ziemlich bewölkt, die Sonne wollte sich überhaupt nicht zeigen.

    Im zweiten Video kam der Seenebel, pottendichter Seenebel, aus dem Nichts heraus auf, und auch das ist spannend zu sehen, denn die Hexe segelt immer noch schnell. Und mit AIS und Radar sehen wir auch hoffentlich alle Hindernisse, die sich uns in den Weg stellen bzw. darin herum schwimmen könnten.

  • Costa Brava – einmal anders

    Zuerst sieht es komplett nach Motorfahrt aus, aber dann kommt doch ein bisschen Wind, der Gennaker darf aus dem Sack, und flott geht es bei zehn Knoten Wind mit acht Knoten Fahrt voran. Am Cap de Begur fällt unser Kurs weiter nach Westen ab, nach einer kurzen Motorfahrteinlage steht der schöne neue Spi und zieht uns bei achterlichem Wind an Palamos vorbei. Nana findet das alles großartig, am liebsten würde sie ununterbrochen ums Boot laufen, aber das darf sie nur in Begleitung, nicht auszudenken, was alles passiert, wenn jetzt der Hund ins Wasser fallen würde, gleichzeitig Spi und Großsegel geborgen werden müssten, um sie überhaupt so schnell wiederzufinden. Nein, da sind wir  doch lieber vorsichtig.

    In der Bucht von S’Agaró, nordöstlich von Sant Feliu de Guixols, fällt der Anker, die Kinder springen mit Nana ins Beiboot, um sie nach dem langen Segeltag Gassi zu führen. Es ist aber gar nicht so einfach, hier an Land zu kommen. Ein geldgieriger Wassertaxi-Besitzer schickt sie wieder weg, nein, hier darf man nicht einfach mit dem Beiboot an Land, man muss für 20 Euro ein Wassertaxi bestellen, das einen an Land bringt. So ein Humbug! Larissa kommt ganz genervt zurück mit dem Beiboot, daraufhin bringt Volker die beiden samt Hund, sozusagen als privates Wassertaxi an Land, und holt sie eine halbe Stunde später wieder ab. Am Abend, als die Badegäste beim Apéritif sitzen, kann Larissa auch einfach mit dem Beiboot hinfahren und es auf den Strand ziehen.

    Volker und ich übernehmen die Spätabendrunde und laufen einmal die komplette Strandpromenade entlang. Es gibt einen hübschen kleinen Park mit bewässerten Rasenflächen und gepflegten Wegen. Am Strand neben dem eher teuren Restaurant „S’Agarò“stehen putzige Holz-Umkleidehäuschen, und die exklusive Wohnanlage am äußersten Ende kann man zwar zu Fuß und mit Hund an der Leine betreten, aber den Autos sind Schranken mit darüber wachenden Wächtern vorgeschaltet.

    Auch die Hotels, Restaurants und Bars strömen einen eher gediegenen, etwas hochpreisigeren Charme aus. Dennoch sind sie alle mehr als gut besucht, kein Wunder, es ist ja auch Hochsaison und Spanien hat noch zwei Wochen Ferien, wie und zwei junge Mädchen versichern, die am Nachmittag mit ihrem Stand-Up-Paddleboard an unserem Boot vorbei gekommen waren.

    Tante Wikipedia (englisch) weiß dann mehr, nämlich dass in den 1920er Jahren ein reicher Industriellen-Sohn aus Girona seinen Vater überzeugen konnte, hier Land zu kaufen, und es, anders als große Teile der Costa Brava, wie z.B. Lloret del mar, in einer dem Zauber der Gegend angemessenen Art und Weise zu bebauen und zu vermarkten. Auch bei dem flüchtigen Abend-Blick hatten Volker und ich, selbst ohne Tante Wikis Wissen, das Gefühl, dass es sich hier um eine ganz besondere kleine Enklave handelt.

    Jetzt sind wir wieder an Bord, und leise Pianomusik dringt an unsere Ohren, auf jeden Fall angenehmer als die wummernden Bässe der Diskotheken von Cap d’Agde, auch wenn das spießig klingt…