Nach einem so schönen Segeltag wie gestern bescherte uns der Wettergott heute leider einen Tag ohne Wind, also mussten wir motorsegeln, mit Großsegel und Motor sind wir spät gestartet, haben das von uns so geliebte Argeles mit seinem entzückenden Nebenort Le Racou verlassen, um nach Spanien zu kommen. Rechtzeitig wurde die spanische Gastlandflagge gehisst, wieder die spektakulär schmale Meerenge bei Cap Creuse durchfahren, und schon waren wir vor der Bucht von Cadaquès.
Cadaquès war ursprünglich nur ein eher unbedeutendes Fischernest mit Weinbau vor einer spektakulären Kulisse. Die Kirche, der heiligen Maria gewidmet, stammt aus der Gotik, ist aber mit einem monströsen Barockaltar verziert, und sieht von außen kein bisschen gotisch aus.
Bougainvillea-Pracht
Die Gassen sind eng und pittoresk, mit ungeheuren Bougainvilleas bewachsen, und die Pflaster sind aus kleinen Natursteinen, die das Gehen, vor allem das steile Hinuntergehen nicht einfacher machen. Der große spanische Maler Salvadore Dalí hat hier Teile seiner Jugend verbracht, und ist nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten im Alter hierher zurückgekehrt. Alles in der Stadt orientiert sich an ihm, obwohl doch auch so viele andere bedeutende Künstler aus allen Sparten diesen Ort besucht und bewundert haben.
Ein Blick über die Bucht …… und noch ein Blick
Wir haben an einer der teuersten Bojen unseres Segler-Lebens (90 €) festgemacht, den Ort erkundet und ihn gleich ins Herz geschlossen. Hund Nana fand ihn nicht so toll, weil es wenig Auslauf für Hunde gab, aber das Bad im Mittelmeer nach dem Festmachen hatte schon für so viel Aufregung im Hundeleben gesorgt, dass sie nach dem Hundespaziergang am Abend jetzt völlig erschöpft im Cockpit liegt und schläft.
Alle diskutieren aufgeregt…
Nach der Ortserkundigung am Nachmittag waren wir noch auf einen Apéritif in einer kleinen Bar am Hafen, als plötzlich ein heftiger Knall das ganze Lokal aufschreckte: Ein kleines weißes Auto hatte beim Ausparken aus Versehen heftig zurückgesetzt und war gegen die Mauer der Hafenbar gefahren, wo dummerweise auch noch eine der Gäste mit den Beinen nach außen auf eben dieser Mauer saß. Nun sah es so aus, als wolle die Fahrerin direkt ganz schnell wegfahren, heldenhaft stürmte ein Spanier vor und stahl den Zündschlüssel aus dem Schloss. Daraufhin entspann sich für uns Zuschauer eine dramatische Situation: Die nicht gnaz leichtgewichtige junge Fahrerin sprintet hinter dem eher schmalen aber offensichtlich sportlichen Schlüsselräuber, um ihm das vermeintliche Diebesgut wieder abzujagen, sie drehen sich im Kreise, es gelingt natürlich nicht, und ein paar Passanten greifen ein. Schnell ist auch die Gendarmerie da und regelt den Fall, glücklicherweise ist ja nicht wirklich jemand zu Schaden gekommen, außer das Auto der Fahrerin. Aber das hat dann ein Polizist weggefahren…
… Nana fertig
Wir verbringen den restlichen Abend mit Spaghetti carbonara an Bord, und schauen zu, wie sich die Hexe im Wind um die Boje dreht, mal haben wir die schön erleuchtete Stadt als Ausblick vom Cockpit, mal stockdunkle Nacht.
Vorausschicken sollte ich vielleicht, dass wir normalerweise gute Erfahrungen mit DHL gemacht haben, außer, dass sie oft nicht richtig klingeln, oder auch mal beim Nachbarn anfragen, ob der ein Paket annimmt, und dann rennt man wieder am nächsten Tag zum Paketshop…
Aber jetzt leisten sie sich wirklich die Oberkatastrophe!
Die Ankarolina
Im Zuge des Hausausräumens zu unserem Umzug haben wir eine Ankarolina, die noch in unserem Keller schlummerte, auf Ebay angeboten und auch schnell einen Käufer gefunden. Eine Ankarolina (hübscher Name, man könnte auch seine nächste Tochter so nennen) ist ein Polyester-Gurtband, das man anstelle einer Ankerleine verwenden kann. Sie ist auf einer großen Rolle, die man leicht an der Reling befestigen kann, und in der Regel läuft das Band dann beim Auswerfen des Ankers wunderbar ab.
Volker hat den Artikel dann sorgfältig in ein schon etwas größeres Paket verpackt, ich habe über den Ebay-Service die Paketmarke gekauft und wir haben es am 24. Juli zur zentralen Stelle der Post in Darmstadt gebracht. Über Oberhausen ist die Sendung dann nach Hagen gekommen, und da blieb sie. Bis heute.
Ich bitte immer die Käufer von Ebay, dass sie mir Bescheid geben, wenn die Artikel ankommen. Nach ein paar Tagen habe ich mich gewundert, dass sich der Käufer der Ankarolina nicht gemeldet hat, dann kam eine Mail, ob ich mal nachfragen könne, wo die Sendung bleibt. In der Sendungsverfolgung hieß es nur: „Aufgrund einer Beschädigung verzögert sich der Transport der Sendung.“ Dem Empfänger gibt man darüber keine Auskunft, weil ja der Absender der Vertragspartner ist.
Dann habe ich bei DHL angerufen, ich habe ihnen Mails geschrieben, dann sollte ich den Wert der Sendung angeben, die Dokumente könne man gerne über den Server hochladen. „Der Server ist leider überlastet, bitte probieren Sie es zu einem späteren Zeitpunkt.“ Nach 12 solchen Meldungen habe ich die Papiere in einen Umschlag gesteckt und zur Post gebracht. Ich habe das DHL auch per Mail mitgeteilt, und um Auskunft gebeten, was denn an dem Paket beschädigt ist, und ob man es nicht doch zustellen kann.
Gestern Abend kam eine Mail von dem Käufer, dass immer noch nichts angekommen ist. Wir hatten auch noch keine Auskunft bekommen, nicht per Mail, nicht per Post, nicht per Telefon. Daraufhin habe ich heute Morgen nochmal mit der Reklamationsstelle von DHL gesprochen, aber das war, als beiße man auf Granit. „Nein, wir können da nichts für Sie tun, die Bearbeitung von Reklamationen dauert drei bis vier Wochen.“ „Nein, ich kann nicht herausfinden, was mit dem Paket eigentlich ist.“ Nein, Sie können nicht selber dort anrufen, das geht nicht.“ „Sie müssen noch abwarten.“
Unglaublich, und das bei der Post, die sich doch als Experten für Kommunikation verstehen…
Eigentlich sollten wir uns jetzt vorbereiten auf den Flug morgen Abend. Aber wir haben tatsächlich noch einmal die Abreise zum Boot verschoben. Trotz der Regentage der letzten Woche warten wir noch ein bisschen, damit wir mit Larissa und Johannes gemeinsam im VW-Bus nach LGM fahren werden. In der Outremer-Werft sind Ferien, es ist keiner da, mit dem wir über die Fertigstellung der Nacharbeiten sprechen könnten. Für uns ist es einfacher so, Montag, 21.8. geht es dann wirklich los, und in den folgenden zwei Wochen werden wir – nicht allzu lange – Tagestouren unternehmen, uns aber mit Larissa, Johannes, und Australian Shepherd Hündin Nana nach Süden fortbewegen, mal sehen, wie weit wir kommen.
19 Lektionen!
Mir kommt die weitere Woche Ruhe im sommerlich beschaulichen Darmstadt sehr gelegen, ich habe mich bereits für den 24. Oktober zur weitergehenden „A“-Prüfung als Funkamateur angemeldet, und ich habe mir einen strengen Trainingsplan auferlegt. Es sind 19 Lektionen in meinem Buch, (das leider auf dem Boot liegt, aber glücklicherweise gibt es einen Online-Lehrgang desselben Autors,) für jede Lektion habe ich zwei Tage Zeit, dann bleibt mir noch knapp ein Monat, um zwei Test-Prüfungen pro Tag zu machen.
Davon gibt es ganz viele verschiedene Fragen
Die Fragen im Fragenkatalog für die Technik der Klasse A sind schon sehr speziell. Für jemand wie mich, die ich eher aus der sprachlich-künstlerischen Richtung komme, noch spezieller. Seit Lehrgang fr Klasse E ist zwar das Ohm’sche Gesetz und die Umkehrung von Gleichungen und angeschlossene Rechenarten kein Geheimnis mehr, Aber für die Klasse A gibt es doch sehr viel weitergehende Fragen zur Physik und Elektrotechnik. Was man mit Verstärkern, Spulen, Dioden und Transistoren so alles machen kann, und was man da auch ausrechnen muss, schier unglaublich!
Formelsammlung und Rechenzettel zum Kopfzerbrechen
Nebenbei wollen wir auch bis zu den Kanaren segeln, aber wenn wir nicht in ganz schlechtes Wetter geraten, sollte mein Plan trotzdem aufgehen. Schaun mer mal. Auf jeden Fall freuen wir uns schon sehr darauf, wieder in Spanien unterwegs zu sein, Volker übt schon Vokabeln.
Die Fahrräder stehen bereit
Zur sportlichen Ertüchtigung waren wir heute morgen mit den Fahrrädern anderthalb Stunden unterwegs, nicht wie letzten Sonntag quer durch den Wald, sondern eher entlang der Straßen bis Wixhausen über Kranichstein, dann über Arheilgen zurück. In den Feldern und im Wald sind die Wege noch so matschig, und die Pfützen groß und tief, das hätte mir zumindest keinen Spaß gemacht.
So, das war das Update für alle, die uns demnächst wieder auf dem Wasser wähnen, wir wünschen allen Lesern noch einen schönen Sonntag Abend, und eine wettertechnisch bessere nächste Woche.
Küche, alt, aber schon mit aufgebrochener WandEsszimmer und Küche, jetzt
Unsere neue Bleibe ist so gut wie eingerichtet. Morgen kommen noch die starken Jungs, um meinen schweren alten Sekretär in die neue Wohnung umzuziehen, sowie die vielen Ordner, die darinnen Platz finden sollen, damit ich während eines Heimaturlaubs schnell alle neu eingetroffenen Rechnungen, Bankbelege, etc. einsortieren kann. Die Unterlagen für die Betriebe muss man ja auch zehn Jahre aufheben, dafür und für die alten Möbel aus Großvaters Bestand haben wir ein Lager geschaffen. Unser neues Zuhause ist hell und leicht und es ist wirklich ein Beweis für die Handwerkskunst unserer Renovierungsprofis Blaszczyk und seiner Helfer. Wer mal jemand braucht, kann sich an uns wenden, wir geben die Kontaktdaten gerne weiter…
Bad, jetztBad, vorher
Während ich dies hier schreibe, sitze ich am späten Abend an der geöffneten Balkontür, schaue aufs nächtliche Darmstadt, hier hört man fast keinen Verkehrslärm, von nebenan dringen die Stimmen der Shisha rauchenden Studenten von der Terrasse der Burschenschaft, in der Straße dahinter läuft jemand melodisch pfeifend durch die Gegend, Idylle pur.
Wohnzimmer, schon verputztWohnzimmer, jetzt
Keine Angst, liebe Leser, wir werden jetzt nicht zu sesshaften Stadtmenschen mutieren, aber wir freuen uns natürlich sehr, dass alles so gut geklappt hat und dass wir jetzt als Wohnsitz und für Heimaturlaube eine schöne Wohnung haben. Am Wochenende geht es aber wieder los Richtung Süden, im VW-Bus, denn es hat sich doch noch eine Menge Zeug angesammelt, das mit auf den Kat will, hoffentlich ist das nicht zu schwer! Larissa und Johannes mit Hündin Nana werden mit von der Partie sein und eine Woche Urlaub bei uns machen, dann können wir ausprobieren, ob die Hexe noch segeln kann. Und die beiden nehmen dann ihren Bus wieder mit nach Hause, und wir werden frei sein zu segeln, wohin wir wollen.
Laut Bericht von Outremer sind fast alle Punkte unserer Mängelliste abgearbeitet und erledigt, der Rest soll bis Freitag fertig sein, wir sind gespannt und werden berichten.
Mein Skipper hat Geburtstag, deshalb gratuliere ich ihm hier noch einmal an dieser Stelle. Im Moment sind wir ja auch leider nicht auf dem Boot, und er ist furchtbar beschäftigt, selbst heute Morgen ist er schon um sieben Uhr in der neuen Wohnung gewesen, um mit den überaus geschickten polnischen Jungs von unseren Renovierungsprofi Lukasz Blaszczyk Möbel aufzubauen und letzte Hand anzulegen. Heute Abend kommen schließlich Schlafgäste, und die ersten sollen schon mal in der neuen Wohnung übernachten. Bis dahin muss alles fertig sein, die Gardinen angebracht, der Schrank und das Sidebord sollen aufgestellt sein, und sauber gemacht werden muss danach ja auch noch. Das konnte man sich am Anfang gar nicht vorstellen, wie schön die Wohnung wird, als noch alles staubig war und nach Baustelle aussah.
Ich bedanke mich an dieser Stelle für Euer Daumendrücken bei der Amateurfunkprüfung, es hat geholfen, ich habe bestanden, und mein neues Rufzeichen ist DO1HEX, sobald ich wieder auf dem Boot bin, werde ich es ausprobieren.
sind wir heute Morgen aus La Grande Motte abgefahren. Hier sind für die nächsten Tage schönster Sonnenschein angesagt, Badewetter in Südfrankreich, die Strände sind voller Menschen und das Meer lockt am Abend nach getaner Arbeit. In Darmstadt hingegen sind es in den nächsten Tagen nur 21 – 23 Grad, erst ab Dienstag wird es auch dort wieder richtig warm.
Die ausgebauten Küchenschränkeim Backbord-Rumpfim Salon
Aber mehr noch sind wir natürlich in Sorge um unsere Hexe, denn ab jetzt wird hier richtig gearbeitet. Heute morgen wurden schon die beiden Küchenschränke ausgebaut, im Salon vorne Verkleidungen abgeschraubt, um den knarzenden Geräuschen auf den Grund zu gehen, ebenso der knarzenden Klappe über dem Backbord-Motorraum. Ein Türrahmen soll noch ausgebaut werden. Gestern Abend haben wir noch alles aus- und weggeräumt. Wir hatten ein richtig schlechtes Gewissen, das Boot in diesem Zustand alleine zu lassen, vielleicht fliegt Volker ja zwischendurch mal zurück, um nach den Rechten zu sehen.
Wir jedenfalls sind auf der Autobahn, bald in Darmstadt, freuen uns natürlich auf unsere Kinder, die wir bald sehen, zur Larissas Bachelorverleihung kommen auch Allegra und Christian, und Leonard sehen wir am 21. zu seiner Diplomverleihung in Berlin.
Das ist kein schönes Zuhause mehr: Eine ausgebrannte Motoryacht wurde in LGM gehoben
So richtig wissen wir nicht mehr, ob wir jetzt nachhause fahren, oder ob wir gerade von zuhause weggefahren sind. Ist Zuhause in Darmstadt, wo wir jetzt demnächst das Haus aufgeben werden und in eine Wohnung ziehen, die ja noch gar nicht richtig zuhause ist, obwohl wir sie mit der Hilfe von Handwerker Lukasz uns richtig schön gemacht haben; oder schwimmt unser Zuhause doch eher in Südfrankreich auf Salzwasser?
Vielleicht haben wir einfach zwei „Zuhauses“, jedes hat so seine Qualitäten.
Seit Monaten lerne ich schon (fast) täglich für die Amateurfunkprüfung, am 25. Juli kommt der Tag der Wahrheit, um neun Uhr muss ich in Eschborn sitzen. Damit wir anschließend sofort losfunken können, haben wir bei Jörg Drexhagen von Yachtfunk.com bereits alle notwendigen Teile bestellt. Seit Mittwoch Mittag war Jörg bei uns an Bord und und hat alles akribisch eingebaut. Er kam – im Gegensatz zu dem Ersatzteil von Lorimar –anderthalb Tage zu früh, deshalb musste der Einbau unter verschäften Bedingungen erfolgen.
Am ersten Tag waren auch die Jungs von Agréement auf dem Boot, wieder kam ein Kranwagen, hat den Mast angehoben, von Lorimar war (mit Verspätung, Volker hat berichtet) der neue Mastfuß eingetroffen. Leider sitzt der alte Mastfuß soooo fest auf dem Deck der Hexe, dass keiner, und sei es mit großen Hebelkräften denselben bewegen konnte. Zu guterletzt hat man die ebenfalls mitgelieferte Teflonplatte auf den alten Mastfuß gesetzt, den Mast darauf gestellt, jetzt heißt es ausprobieren, ob vielleicht durch diese Maßnahme das Geräusch verschwunden ist.
Jörg hat in diesem ganzen Gewusel absolut die Ruhe behalten, hat seine Ausschnitte in den Geräteteil unseres Kartentischs geschnitten, Kabel verlegt, das Funkgerät eingebaut, einen Spannungswandler hinter das Salonsofa gesetzt.
Am Abend sind wir mit dem Beiboot zu „Chez Janine“ gefahren, und haben uns an leckeren Tapas ergötzt.
Am nächsten Morgen hatte sich Thomas von Pochon angekündigt, um sich um unser Elektronik-Problem zu kümmern. Nun musste Jörg auch noch den Kartentisch mit einem anderen teilen, aber dank guter Vorbereitung hat auch das hervorragend geklappt, es musst ja auch noch der Antennentuner und die sieben Meter hohe Peitschenantenne eingebaut werden. Da wir inzwischen auf dem Trockenen standen, ein großer Kran hatte uns am Morgen aus dem Wasser gehoben, konnten wir abends leider nicht mit dem Beiboot zu Janine, aber ich habe am Spätnachmittag die Gegend mit dem Fahrrad erkundet, und festgestellt, dass in Laufdistanz „La Voile bleue“, das blaue Segel einen gemütlichen Garten und frischesten Fisch anbietet. Hier haben wir vor vielen Jahren schon mal gut zu Mittag gegessen, dort habe ich uns für den Abend einen Tisch reserviert. Nachdem wir Jörg um 19:30 Uhr überreden konnten, jetzt mal Schluss zu machen, haben wir dort wiederum einen netten Abend mit köstlichem Essen in einer sehr entspannten Atmosphäre genossen.
Heute hat Jörg die Kupferfarbe auf den Boden unserer Motorbilge gepinselt, das Mikrophon aufgehängt, dann kam für uns eine Einweisung in Sailmail, und die verschiedenen Frequenzen, auf denen man die Funkrunden oder Wetterberatungen verfolgen kann, nun ist Jörg auf dem Weg nach Hause, wir sind um 16 Uhr mit neuem schwarzen Antifouling wieder ins Wasser gesetzt worden, und im Moment auf dem Weg nach Gruissan. Wenigstens noch fünfundzwanzig Meilen in Richtung La Grande Motte, wo wir ja am Montag sein sollen, und schließlich ist morgen der schöne Samstagsmarkt in Guissan.
Blöd, so ein Umweg von 28 Meilen hin und 28 Meilen wieder zurück, aber so ist es. Um 11 Uhr fällt der Anker in der schönen Bucht von Carlo Forte, Volker wird in den Mast gezogen, selbst hier, sagt er, schwankt das in 28 m Höhe noch ganz schön, obwohl kein Wind und keine Welle in die Bucht kommen. Wir befreien den Block, schicken Fotos an Outremer und nutzen die Wartezeit zu einem kleinen Schläfchen. Irgendwie gab es heute Nacht nicht so viel davon.
Mit ausgeklügeltem Plan müsste es gehen
Danach reparieren wir mit unseren Kenntnissen und Bordmitteln die gerissene Leine, nach ausgiebigem Studium der Wetterberichte (und einem Genuss-Bad im blauen Meer) sind wir dann der Meinung, dass wir doch versuchen werden, direkt nach Frankreich zu fahren und nicht den Umweg über Nord-Sardinien machen, um den Donnerstag abzuwettern. Seit 14:45 sind wir wieder unterwegs, 335 Meilen ,311° liegen vor uns. 17:00 Uhr Baro 1005, 3-4 Knoten Wind aus SW, Motorfahrt; die Wellen sind erstaunlich hoch.
Mein Abendessen ist leider kein so großer Erfolg, obwohl ich eine extra leckere Soße zu den Hühnchenflügeln mit Kartoffelgemüse gemacht habe, Volker hatte beim Anbraten schon das Gefühl, dass etwas mit dem Fleisch nicht stimmt. Hätte er es mal lieber gleich gesagt, dann hätten wir die direkt weggeworfen, und ich hätte was anderes zubereiten können. So haben wir nur die Kartoffeln mit Soße gegessen.
Pünktlich nach dem Abwasch kommt der Wind, zuerst nur leise, 14 Knoten, dann aber richtig, Jetzt haben wir zwei Reffs im Großsegel, eine kleine Genua, damit trotzen wir den bis zu 40 Knoten wahren Wind. Vorhin hat es auch geblitzt rundherum, das ist glücklicherweise weg, mal sehen, wie lange der Zauber hier geht. Bisschen Regen ist auch dabei, ich hole die Segelkleider, aber die legt man echt nur an, wenn man draußen im Regen steht, sonst ist das zu heiß.
Mittwoch 28. Juni 2017, auf See
02:15 Uhr, der Wind dreht auf Südsüdwest, rundherum Gewitterblitze, glücklicherweise relativ weit weg, und sie ziehen auch nach Norden ab. Wir spielen nur mit der Größe der Genua, die zwei Reffs bleiben schön im Großsegel, der Wind bleibt, manchmal nur 14 Knoten, sonst bis 30, und immer wieder zucken die Blitze am nächtlichen Himmel.
03:15 Uhr, Baro 1001, Wind wieder mehr Süd, die Blitze scheinen fortgezogen zu sein.
03:00 Uhr, der Frachter Perseus Liberty passiert uns an BB, ich habe über Funk mit ihm gesprochen, und er sagt zu, dass er genügend Abstand halten wird. Jetzt sind die Blitze überall, der Himmel ist hell erleuchtet, nun hören wir auch den Donner, das Gewitter ist genau über uns und wir können nur hoffen, dass sich nicht ein Blitz in unseren Mast verirrt. Handys, IPad, Laptop und Funkgeräte sind im Backofen zum Schutz. Ich sitze völlig angespannt am Kartentisch und beobachte das Geschehen wie die berühmte Maus vor der Schlange. Wir haben Glück, das Gewitter verzieht sich, ohne unserer Hexe ein Leid zugefügt zu haben. Im AIS sind auch keine weiteren Boote mehr zu sehen, nur weit weg ein Segler namens Alix, 28 m lang, der uns in den frühen Morgenstunden in einiger Entfernung kreuzen soll. Jetzt schlafen wir beide im Salon auf dem Sofa, wachen immer mal auf, überprüfen Segelstellung, Windeinfallswinkel, ob sich ein Schiff nähert, Volker lässt bei einer Flautenperiode den Motor laufen.
Um 07:15 Uhr, Baro 999,5, wir schütten ein Reff aus dem Großsegel aus, TWS um 14 Knoten, wir machen zwischen 8 und 10 Knoten Fahrt. Volker wäscht das Boot, der Regen der Nacht hat roten Saharasand mitgebracht.
ALs ich um 10:30 Uhr aufwache, ist Volker schon dabei zu reffen, die Genua muss verkleinert werden, und wir binden Reff 2 wieder ins Groß. Der Wind dreht immer ungünstiger, mittlerweile fahren wir 30°, wenn wir so weiterfahren würden, kämen wir übermorgen in Genua an.
Seit 13.:00 Uhr motoren wir, es sind nur noch 6 Knoten Wind aus WNW.
Da kommt was auf uns zu
Und dann fängt der aufregende Teil des Tages an. Vor uns hat sich der Horizont verdunkelt, da steht eine große graue Wolke, aus der Blitze zucken. Oh nein, nicht schon wieder! In meinen Grib-Files war für heute die Gewitterwahrscheinlichkeit als sehr gering eingestuft gewesen! Aber das war ja auch Schnee, nee Daten, von gestern. Die Wolke ist jedenfalls ein Fakt, wir können sie auch im Radar sehen, das heißt, dass da ganz viel Niederschlag drin ist. Wir versuchen, den schlimmsten Blitzteil zu meiden, indem wir nach Südwest wegfahren, um das zu umgehen. Das gelingt gut in Bezug auf die Blitze, aber der Niederschlag erwischt uns doch.
Windhose am Horizont
Es bilden sich überall Windhosen, das sieht spektakulär aus. „Lass uns die Segel wegpacken“, bitte ich und schnell wird das Großsegel geborgen, denn solche Gewitterwolken führen jede Menge Wind mit im Gepäck. Kaum ist das Segel unten, kommt der Regen, und mit ihm der Wind, man sieht die Wellen kommen, und den Niederschlag drauf. Bis 42 Knoten Wind zeigt der Windmesser an, meist über 35. Selbst unsere Plastik-Ente hat sich mit einem todesmutigen Sturz ins Cockpit dem Sturm entzogen. Gleich haben wir unser Cockpitzelt dicht gemacht (hoffentlich hält es das aus!), da stürmen schon die Wassermassen über die Stufen herein und mit ihnen kirschgroße Hagelkörner. Die arme Hexe! Nach einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei, der Wind fällt auf lockere 10 – 14 Knoten und wir können wieder bei Sonnenschein segeln.
Eine Lücke in den Gewitterwolken?
Leider ist das Glück von kurzer Dauer, die nächste Front kommt am Horizont und auf dem Radar. Die nächste Front reicht vom rechten bis zum linken Horizont, überall zucken Blitze in den dunklen Wolken, nicht schon wieder! Wir versuchen unsere Taktik des Umfahrens des schlimmsten Blitzbereichs, und entdecken eine Lücke, da wollen wir hindurch. Sieht zunächst auch gut aus, bis dahinter erneut Blitze zucken. Jetzt sind wir schon zu weit drin, wir müssen einfach durch und auf Hexes Schutzengel vertrauen.
Anfang …… und Ende des Regenbogens
Es donnert auch, das Gewitter scheint direkt über uns zu sein. Natürlich haben wir, diesmal noch eher, also wirklich rechtzeitig, das Groß geborgen, und laufen unter Motor durch. Auch hier klappt das gut, diese Wolke führt zwar keinen Hagel, aber dafür heftigen Regen und bis zu 46 Knoten Wind im Gepäck. Diesmal werden wir belohnt, nachdem auch diese Front hinter uns liegt, bildet sich ein wunderschöner Regenbogen, ganz leuchtend, und man kann beide Enden sehen, also einen ganzen bunten Regenbogen. Das gibt es nicht so oft. Wieder Segel gesetzt und weiter gesegelt.
Dunkle Wolken dräuen
Noch eine Front, wieder mit Blitzen, wieder Groß bergen, abwettern und durch.
Mittlerweile ist es Abend geworden, langsam wird es dunkel, da erscheinen doch schon wieder Blitze am Horizont und eine deutlich sichtbare Regenwolke erscheint auf dem Radar. Eigentlich wollten wir gerade das Abendessen zubereiten, ich war dabei, die Bohnen vom tunesischen Markt zu schnippeln, die haben tatsächlich richtige Fädchen, die man ziehen muss, das kenne ich nur noch aus meiner Kindheit. Zunächst Zweifel, ob wir wirklich das Groß bergen müssen, deswegen werden wir diesmal nass beim Bergen, und dann kommen echte Wassermassen herunter, noch mehr als bei den letzten drei Malen, strömen durchs Cockpit und wieder hinaus. Jetzt ist bestimmt der letzte rote Sand weg vom Boot.
Um 22:00 Uhr gibt es endlich Abendessen, danach mal wieder einreffen, weil der Wind auffrischt. Die Nacht verbringen wir beide wieder im Salon, um schnell auf das Wettergeschehen reagieren zu können, gut dass unsere Couch groß genug ist für zwei. Da es keine feindlichen Schiffe gibt, habe ich den Timer meines Handys auf 20 Minuten eingestellt, dazwischen kann man richtig schlafen.
Donnerstag, 29. Juni 2017, 08:00 Uhr, Baro 1005, sonnig, leicht bewölkt, Wind NW 4-5, auf See
Nach einer holprigen Nacht ist ein sonniger Morgen angebrochen, der Wind weht, wie angekündigt, aus Nordwest.Zunächst um 10 Knoten, Volker hat am frühen Morgen ausgerefft, wir fahren mit Vollzeug. Um 07:30 Uhr frischt der Wind auf 17 – 18 Knoten, wir drehen die Genua ein Stück weg und binden ein Reff ins Groß. Die Wellen haben mittlerweile eine stattliche Höhe erreicht, 3 – 4 m, wenn die Hexe zu schnell wird, knallt sie nach diesen Wassertürmen in die Wellentäler, das ist nicht schön. Amwind ist nicht der Königskurs des Katamarans, da segelt sie doch relativunruhig in den „Löwengolfwellen“.
Viele Frachter kreuzen unseren Weg
Seit der Nacht steuert der Autopilot nach dem Wind, das geht sehr gut, nur manchmal reagiert die Steuerung nicht schnell genug auf Winddreher, dann müssen wir eingreifen. Wenn wir heute Abend irgendwo im Hafen oder vor Anker sind, werde ich die Dämpfung verstellen müssen, dann sollte er empfindlicher reagieren. Hier ist verkehrstechnisch deutlich mehr los, vor allem Tanker und Frachter von Barcelona nach Frankreich oder Italien kreuzen unseren Weg.
Alles voller Salz, könnte man sammeln, für die Küche
Gruissan haben wir als Etappenziel aufgegeben, das wäre noch eine elende Kreuzerei, So ist es schon unruhig genug, die Viermeterwellen lassen die Hexe schaukeln, im Schrank sind sogar die großen Weingläser umgefallen, glücklicherweise ohne zu zerbrechen. Keiner weiß nicht mehr, wie oft wir die Genua ein- und wieder ausgerefft haben, das Großsegel ebenfalls, bis sich gegen drei Uhr der Wind beruhigt und auf Nordost dreht. Jetzt werden wir schneller, müssen auch nicht mehr gegen die Wellen anfahren, und um 16:30 fällt der Anker in der Bucht von Roses.
Land an der Bucht von Roses
Der erste Versuch scheitert leider, da war soviel Lehm und Gras, dass der Anker nicht gehalten hat, aber beim 2. Mal sitzt er auf Anhieb fest. Jetzt heißt es aufräumen, weg mit den Segelkleidern, ich bereite einen kleinen Imbiss aus Melone und Schinken, Oliven und Salzstangen vor, dazu ein bis zwei Glas Wein und Bier, um sieben Uhr legen wir uns für ein kurzes Schläfchen hin – und erwachen am nächsten Morgen um sechs!
Außer der Wassertemperatur werden keine Daten angezeigt
Allerdings bin ich um zwei Uhr aufgewacht, und wollte, als gute Navigatrice, überprüfen, ob wir noch am gleichen Ort liegen, also ob der Anker hält. Ich mache die Navigationselektronik an, und, oh Schreck, sehe nichts. Es kommen keine Daten auf den Geräten an, keine Tiefe, kein Wind, keine Position! Mache ich etwas falsch? Ich schalte alle Geräte nochmal aus und wieder an, das gleiche Resultat. Ich suche in den Handbüchern, prüfe die Verkabelungen, probiere alles mögliche aus, die Daten wollen sich nicht zeigen. Auf dem IPad kann ich sehen, dass wir noch an der gleichen Stelle liegen, an der wir geankert haben, also gehe ich um halb fünf frustriert wieder ins Bett. Morgen früh werden wir weiter sehen.
Obwohl der zweite Tag nach Ramadan in der arabischen Welt eigentlich noch ein Feiertag ist, standen Zoll und Immigration pünktlich um acht Uhr vor der Hexe, um unsere Pässe zu stempeln, und uns die Ausreisegenehmigung zu erteilen. Die armen Kerle müssen ja trotz der für heute angesagten 37° in ihren Uniformen rumlaufen, man kann ihnen nur wünschen, dass ihre Büros mit Klimageräten ausgestattet sind. Leider waren die Hafenmeister Muhrat und Mohammed noch nicht im Dienst, sodass wir uns nicht offiziell verabschieden konnten, nur unseren netten französischen Nachbarn haben wir Adieu gesagt.
Die ersten drei Seemeilen gab es überhaupt keinen Wind, seit Cap Blanche fahren wir mit unserem bunten Code D bei 15 – 22 Knoten Wind mit gutem Speed nach Nordwesten. Leider wird das nicht für die nächsten zwei bis drei Tage halten, für Dienstag ist wenig Wind aus unterschiedlichen Richtungen vorhergesagt, und ab Mittwoch früh soll der Mistral uns kräftig auf die Nase wehen. Wir lassen uns einfach mal überraschen.
Gestern war es tagsüber so heiß, dass wir keine großen Ausflüge unternommen haben. Am Vormittag kam Raouf auf einen Abschiedsschwatz an Bord, leider waren seine Damen mit den Vorbereitungen für die zahlreichen für heute erwarteten Verwandschaftsbesuche beschäftigt, wir hätten sie zu gerne ein bisschen bewirtet. Am frühen Abend haben uns unsere französischen Bootsnachbarn auf einen Apéro eingeladen, Volker war glücklich, dass er die kleine nette alte Hündin auf den Schoß nehmen konnte, wir haben extra Leckerli eingesteckt.
Zum Abendessen haben wir versucht, unsere letzten Dinar unters Volk zu bringen, sind aber wieder nur auf 55, mit Trinkgeld auf 60 Dinar gekommen (ca. 20 Euro), selbst mit Schnitzel und Seafood und einem – natürlich alkoholfreien – Cocktail wird das hier nicht mehr. Am Samstag haben wir noch Proviant, Obst, Gemüse und Fleisch für die Überfahrt eingekauft, und selbst um 10 Uhr morgens war es schon so heiß, dass wir uns ein Taxi vom Markt zur Marina geleistet haben. Gut, das war nicht sehr weit, man läuft zu Fuß ca. 12 – 20 Minuten, aber der Fahrer wollte in der Marina weniger als einen Dinar haben, wie geht das denn?
Wenn ich das hier abschicke, sind wir an der Südspitze von Sardinien, dort werden wir noch einmal den Wetterbericht checken und dann sind wir wieder einmal nicht erreichbar. Wir wünschen allen unseren Lesern eine gute Zeit und melden uns, wenn wir in Frankreich angekommen sind.
So, wir sind weitergefahren, nachdem wir um 13:30 Uhr den ersten zaghaften Netzempfang hatten, haben wir uns die diversen Wetterberichte geholt. Für die nächsten Tage sah es auch nicht besser aus als für heute Nacht, also sind wir wieder durch den Canale di San Pietro gesegelt und motort, haben Ort und Marina Carloforte rechts liegen lassen, ein junger Mann in einem Rib kam zu uns und fragte, ob wir einen Liegeplatz in der Marina brauchen, „grazie, oggi no“, und dann ging es weiter Kurs 142° hundertzwanzig Meilen Richtung Afrika.
18:00 Uhr sind wir zwischen der Kuh- und der Stierinsel, die vor dem sardischen Südzipfel liegen, hindurchgesegelt, und dabei zweimal ganz kurz einen kleinen Wal gesehen, der sich leider aber direkt wieder verabschiedet hat. Abendessen gab es heute für uns beide, Spaghetti bolognese am Cockpittisch
lauter feindliche Schiffe (das schwarze sind wir)
03:15 Der Mond ist aufgegangen. Im Canale di Sardegna ist deutlich mehr los als auf dem Weg hierher. Frachter, eine Fähre, viele Fischer, man muss ganz schön aufpassen, denn nicht alle haben AIS, und gerade die Fischerboote sind eine Herausforderung, weil man nie genau weiß, in welche Richtung die als nächstes Fahren auf der Jagd nach ihrer silbernen Beute. Und was für wohlklingende Namen die großen Tanker und kleineren Fischer haben: „Andrea Doria II“ (ein Fischer!), „Daniele M.“, „MSC Regina“, „Thalassa Patris“, „Ikaria Island“ oder „Blandine“.
Die Orchidee steht für die Überfahrt in der Spüle (Monoseglervorsicht)
Jetzt muss ich auch mal etwas Positives zu unserer neuen Hexe sagen, bei allen Problemchen und großen Problemen, die wir mit ihr haben, ist es mega komfortabel, vor allem weite Strecken mit dem Kat zu fahren. Man kann richtig im Bett schlafen, wenn man müde ist, man kann das Essen zubereiten, ohne sich beständig festhalten zu müssen, und man kann zwischendurch entspannt sitzen und Logbuch schreiben oder Testprüfungen machen oder stricken, oder, oder. Zum Sonnenbaden kann man sich mit der Fernbedienung für den Autopilot vorne ins Netz legen, den Delphinen zuschauen. Und sie segelt gut. Trotz des dicken Bewuchses an unserem Rumpf sind wir bei Windgeschwindigkeiten zwischen 11 und 13 Knoten und einem wahren Windeinfallswinkel von 40-45° mit 6 – 7 Knoten Fahrt unterwegs, wie wird das erst mit dem neuen Antifouling werden?! Gerade so eine Nacht wie heute ist auf einem Kat deutlich entspannter als auf einem Mono. Ich jedenfalls bin sehr froh, dass wir uns entschieden haben, unsere große Reise auf zwei Bootsbeinen zu unternehmen, und erfreue mich jeden Tag an dem wunderschönen neuen Zuhause, dass es für mich auch schon ist. Bei dem Skipper bin ich mir da nicht so sicher, ich glaube, der ist noch skeptisch…
Dienstag, 20. Juni 2017, Baro 1016, sonnig einzelne Wolken, Wind O 3-4, auf See
Sonnenaufgang mit Frachter
06:00 Sonnenaufgang, unter Segeln seit 04:00 Uhr (und der Segelwind hält diesmal erstaunlicherweise bis zur Marina Bizerte!).
06:30 der Tanker „Quartz“ fährt eine Meile hinter uns vorbei, der Name war eher außergewöhnlich als wohlklingend. Ich hab ihn auch lieber nicht im VHS gerufen, „Quartz, Quartz for Hexe, Hexe“, wie klingt das denn?
08:25 Uhr, der Frachter „Ozden S“ (auch kein wohllautender Name) wird (nicht nur im AIS) sichtbar und: Land in Sicht! In 225° ist ein höherer Berg schemenhaft zu erkennen, das scheint mir aber in Algerien zu liegen.
Colombo Express im AISThalassa Patris im AIS auf dem Weg nach PiraeusAtlantic Ocean, 400 m lang
10:00 Uhr, jetzt ärgern sie uns aber! Drei Frachter, u.a. „Thalassa Patris“ sind auf Kollisionskurs um uns herum, Volker weicht ihnen aus, denn wir fahren unter Motor. Als diese Kolosse alle vorbei sind, rollen wir die Genua aus und segeln, bis Bizerte durch.
Colombo auf dem Weg nach RotterdamThalassa in RealitütAtlantic Ocean, voller Container
Haben wir uns in den vergangenen Tagen über zu wenig Wind beklagt, wird es jetzt fast ein bisschen zu viel. Unser Windmesser zeigt zwar nur maximal 16 Knoten an, aber wir wissen genau, dass das hier eher 20 – 22 Knoten sind als 14 – 15. Den Windmesser müssen wir genauso mal kalibrieren wie die Logge, nachdem das Unterwasserschiff gemacht ist, denn die zeigt für die in der Routenplanung festgelegten 476 Seemeilen am Ende nur 252,74 Meilen. Das kann ja gar nicht stimmen! Aber wir haben natürlich die Logge auch erst am zweiten Tag wieder in Betrieb genommen, also kann es prinzipiell doch stimmen. Auf jeden Fall werden wir es überprüfen.
Vorbereitet für Tunesien
Volker steuert mit der Pinne, das ist bei so einem Wind und einem Amwindkurs richtig Arbeit. Nach einem Telefonat mit dem Hafenmeister, Monsieur Chamari ist klar, dass sie uns dort erwarten, wir brauchenoch nicht einmal vorher übers VHF zu rufen, sie sehen schon, wenn wir ankommen. Die tunesische Coastguard hat uns über Kanal 16 gerufen, zufällig war ich am Naviplatz, und überprüfe, welches Segelboot sie wohl meint, denn sie ruft nach einem Segelboot auf unserer Position. Also melde ich mich, gebe Bootsnamen, Länge, etc. an, Nationalitäten, und dass die Marina Bizerte uns erwartet.
Bizerte – Vorort
Tatsächlich steht der Hafenmeister schon am Kai, als wir in den Hafen einfahren und dirigiert uns zu unserem Liegeplatz, wo wir bald gut vertäut fest liegen. Wie gehabt, kommen sofort Zoll und Polizei an Bord, wir füllen die Papiere aus, Volker biete dem Polizisten ein Wasser an, aber der lehnt entrüstet ab: „On est au mois de Ramadan!“, okay, sorry, stimmt ja. Aber am Samstag Abend ist Ramadan vorbei, Sonntag und Montag herrscht hier wohl der Ausnahmezustand. Auch abends sei es voller Menschen in der Stadt, sagt der freundliche Zollbeamte, da ist richtig Fest. Nun, wir sind erst einmal froh, es sicher und gut bis hierher geschafft zu haben, es war eine schöne Überfahrt, mit Wind am Anfang und Ende, und ein bisschen zu viel Motorfahrt, aber insgesamt fanden wir sie sehr harmonisch und wenig anstrengend.