Autor: Hexymama

  • Bye bye Tunesien

    Freitag, 5. Mai 2017, Baro 1009, sonnig diesig, warm, Wind NO 13-15 Knoten

    Bizerte 11:25 (tunesischer Zeit) – Porto Corallo 6.5. 10:00, ca. 140 sm
    Nach all den Eindrücken des fremden Kontinents und nach einem abschließenden Besuch bei der nahe gelegenen Werft W-Magic, den der nette Hafenmeister Mourad Chamari organisiert hat, bekommen wir unsere Pässe wieder, die Polizisten gehen einmal durch unser Boot, auch in beide Rümpfe, und wir dürfen ablegen. Das gestaltet sich relativ schwierig, wir versuchen zuerst über die Vorleine zu drehen, Das geht gar nicht, über die Vorspring dreht es nur ein bisschen, ich gabe das Rad ab an Volker, und endlich dreht die Hexe aus dem Längsseitsplatz heraus, aber nicht genug, es ist relativ eng, bis Volker es kurz vor dem Ende des Hafenbeckens schafft, sie in die richtige Richtung zu drehen. Harald und Rolf sind angeradelt gekommen, um uns zu verabschieden und zu fotografieren, da bin ich gespannt auf die Bilder. Es war eine schöne Zeit mit Euch beiden, danke für alles!

    Um 12:00 Uhr stehen Großsegel und Genua, Volker sitzt an der Pinne, wir kreuzen aus der Bucht heraus, mal sehen, wann der Wind weiter östlich dreht. 12:45 Uhr wenden wir, Kurs 317 Grad, der Wind nimmt ab auf 7-9 Knoten.
    Am Nachmittag frischt der Wind auf, es sind wieder konstant 15 Knoten, bei einem wahren Windeinfallswinkel von 50-60 Grad und voller Besegelung läuft die Hexe locker über 8,5 Kknoten Speed. Wir kämpfen mit den lauten Geräuschen, die der Mast in den Wellen macht, ich nehme das mal auf, damit wir es Outremer zeigen können.

    20:00 Uhk MESZ, Baro 1011, Wind NO 15-17 Knoten
    Wir haben auf die Selbstwendefock gewechselt, seitdem läuft die Hexe viel ruhiger, kurz, als der scheinbare Wind über 22 Knoten ansteigt, überlegen wir, auch ein Reff ins Groß zu binden, aber mit der Fock läuft sie eigentlich stabil. Gut, dass wir das nicht gemacht haben, denn schon zehn Minuten später wird der Wind wieder weniger. Es ist total feucht, zum einen natürlich von der Spray der Wellen, aber auch durch die diesige Luft. Zum Abendessen kocht Volker uns Carbonara, das kommt immer gut und gibt Kraft für die Nacht.

    22:00 Uhr, Baro 1013, Wind NO 17-20 Knoten
    Jetzt reffen wir lieber doch das Groß, der scheinbare Wind bleibt beständig über 20 Knoten, so sind wir gut aufgestellt für die Nacht, wenn es nicht noch stärker weht.
    Und natürlich weht es noch stärker, 23:30 ist der TWS bei über 24 Knoten, und die Hexe ist sooo schnell. Unangenehm ist vor allem das unruhige Meer, das Boot knallt immer wieder in die Wellen, es knarrt und scheppert. Wir binden Reff 3 ein, danach wird sie ein bisschen langsamer, aber der Wind weht inzwischen auch in Böen bis gut 27 Knoten.
    Um 00:30 schläft der Wind ganz plötzlich ein, die Wellen natürlich noch nicht, ich warte zehn Minuten, dann wecke ich Volker: “Wir müssen ausreffen”. Das hilft leider nur kurz, dann wird der Wind zuerst ganz schwach, um danach auf die Nase zu drehen. Wir motoren mal wieder, aber gut, so kann wenigstens der Wassermacher laufen und wir verdünnen das schrecklich gechlorte Wasser aus Tunesien.
    Um 03:30 piept es zweimal an meinem Ohr, ich hatte mich auf Geheiß des Skippers in die Steuerbordkabine gelegt, ich gehe hoch, um ihm zu sagen, dass meines Erachtens der Wassermacher gepiept hat, da frischt der Wind mal wieder auf 25 Knoten wahr auf, und wir reffen das Groß. Das geht gut so bis 05:00 Uhr, dann sind wir nur noch drei Meilen von der Küste weg, und wir zischen mit sechs Knoten drauf zu, ich wecke den Skipper, der sich gerade mal für eine halbe Stunde hingelegt hat, damit wir wenden können.

    Samstag, 6. Mai 2017, Baro 1013, bedeckt, Wind NO 15-20 Knoten
    An der Naturschutzinsel Isola Serpentara motoren wir noch vorbei, leider gibt es dort keine Ankerbucht, in der wir mal eine Pause einlegen könnten, nach Passieren der Insel wird gesegelt. Unser Etappenziel heißt Porto Corallo, ich hab auch schon angerufen, mein bestes Italienisch ausgepackt, und die Auskunft bekommen, dass es einen Liegeplatz für uns gibt. Un 10:00 Uhr morgens machen wir dort die Leinen fest, längsseits “all’inglese”, (auf englische Art) wie die Italiener es nennen, an einem großen Steg, putzen Boot, essen die Reste der Spaghetti carbonara und fallen todmüde ins Bett.

  • Durchs wilde Tunesien…

    Wir sind eingeladen, nein, d.h. eigentlich ist Harald eingeladen und Wirt dürfen mitfahren, das Werk in El Haouaria anzuschauen, in dem die französische Katamaranwerft Catana ihre Cruising-Line “Bali” baut. 100 km seien das zu fahren, kein Problem, höchstens anderthalb bis zwei Stunden. Haralds  Mitsegler Rolf schafft es, trotz widriger Umstände ein Leihauto zu ergattern, ganz neu ist es nicht, Beulen hat es auch ein paar, aber das scheint – wie schon in Portugal – niemanden wirklich zu interessieren. Der Tank ist leer, Sprit müssen wir erstmal kaufen, was davon am Abend übrig bleibt, ist bestimmt nicht für den nächsten Kunden.

    Okay, aus den 100 km sind bei näherem Hinsehen 190 geworden, und auch mit zwei Stunden kommen wir nicht hin, aber egal, wann hat man schon mal die Gelegenheit, so durch ein völlig fremdes Land zu fahren?

    Punkt neun Uhr starten wir an der Marina und sind nach wenigen Kilometern auf der Autobahn Richtung Tunis. Wie schon vom Meer aus gesehen, ist die Landschaft lieblich, hier oben im Norden sind es im wesentlichen Oliven- und Orangenplantagen sowie Schafherden, die das Bild bestimmen. Bei den Schafherden sind immer auch Schäfer mit Hunden. Manchmal laufen aber auch nur eine Kuh und drei Schafe und eine Ziege und ein paar Hühner über das Feld, das offensichtlich zu einem einstöckigen kleinen weißen Haus gehört.

    Volker sagt: „Ich warte nur drauf, dass hier einer mit so nem Eselskarren vorbeikommt“, und richtig, kurz vor Tunis kommt nicht nur einer, sondern mehrere Typen mit Esels- oder Pferdekarren, auf denen irgendwelche landwirtschaftlichen Produkte transportiert werden.

    Tunis ist eine Millionen-Metropole, trotzdem führt die Autobahn einfach hindurch, wir sehen rechts die protzigen Paläste der Banken, fahren über eine große Allee, einförmige sechsstöckige Wohnblocks wechseln mit fantasievollen Geschäftshäusern und, vor allem auf der Einfahrtsstraße mit großzügigen Wohnpalästen.

    Nach Tunis geht die Fahrt weiter Mitt 110 Stundenkilometern über den „Transafrican Highway“ (klingt toll, oder?), bis wir diesen leider verlassen müssen, die letzten 100 km auf die deutlich kleineren Straßen mitten durch zahlreiche Ortschaften hindurch fahren. Das dauert zwar länger, ist aber in hohem Maße interessant. Als erstes werden wir mal von der Polizei angehalten, die wollen unsere Pässe sehen. Ob wir arabisch sprechen? Nein, das leider nicht, aber französisch. Auch gut, jetzt kommt der Chef, fragt, wohin wir unterwegs sind, wir zeigen es ihm auf unserer Karte, und er beschreibt uns den Weg für die nächsten drei Abbiegungen. Gut, damit haben sie die gute Tat für den Tag getan.

    In einer der nächsten Ortschaften ist Markt, aber nicht irgendwo auf einem Platz, sondern beidseits der Hauptstraße, wir fahren ungefähr 20 cm an frischen Tomaten, Brot, lebenden Hühnern, rosafarbener Unterwäsche vorbei, nein, fahren natürlich nicht, sondern schleichen. Wir sind eben einfach in einer anderen Welt angekommen. Zwischen den Ortschaften endlose Felder, hier neben den Olivenbäumen auch viel Weizen, und immer wieder stehen am Straßenrand kleine Hütten, an denen irgendetwas verkauft wird: Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, und einiges, das wir nicht zuordnen können. Je weiter wir an die Spitze der Halbinsel kommen, desto mehr Weinbau gibt es, riesige Felder, wir erfahren später das der Mucadet von Kelibia eine besondere Spezialität ist.

    Noch einmal werden wir von der Polizei angehalten, aber diesmal wollen sie nur die Autopapiere sehen, und ohne weitere Routenempfehlungen dürfen wir weiterfahren. Es ist schon nach zwölf Uhr mittags, bis wir bei der Werft ankommen, der oberste Chef von Catana und der Chef der tunesischen Fabrik erwarten uns schon, und laden uns zum Essen ein, denn jetzt haben auch die Arbeiter Pause, und sie wollen uns die Produktion lieber zeigen, wenn dort auch Menschen tätig sind.

    Da sagen wir natürlich nicht nein, wir fahren ein paar Kilometer mit dem Auto bis zum Meer, und tauchen schon wieder in eine andere Welt ein. Ein von außen unscheinbares Restaurant öffnet sich auf eine große Terrasse mit einem schier unglaublichen Blick über die Bucht von El Haouaria. Auf dem Wasser fährt langsam ein Fischer mit seinem Schleppnetz vorbei, und wir werden verwöhnt mit den Köstlichkeiten des Meeres, Sepia, Pulpo, Krabben mit Oliven, sauer eingelegtem Gemüse und scharfer roter Harissa gibt es als Vorspeise mit Brot zum Dippen. Aber der Clou ist der Hauptgang: Seegrille, so was ähnliches wie eine Languste dazu Spaghetti, zum Hinknien lecker!

    Interessant ist danach die Führung durch die Fertigung der Bali, in nur sieben Wochen fertigen sie hier die Bali 40, viele Frauen sind dabei, mit und ohne Kopftuch, und alle sind enorm gut drauf, sie lächeln strahlend, wenn man sie grüßt, die Stimmung scheint richtig gut zu sein, obwohl der Monatslohn im Vergleich zu europäischen Einkommen sehr niedrig ist.

    Gegen 16 Uhr verabschieden wir uns mit vielen Dankesworten, wir wollen einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Damit wir nicht die gleiche Strecke wie auf dem Hinweg nehmen müssen, fahren wir über Kelibia und Korea an der nordöstlichen Küste Richtung Hammamed, dem Seebad Tunesiens. In Kelibia möchte Harald den Hafen anschauen, so etwas haben wir noch nicht gesehen. Das ist ja schlimmer als der Friedhof der Kuscheltiere, was hier an verfallenden Booten herumliegt! Und überall Müll, Dreck und vor allem Plastik. Nicht nur hier am Hafen, in den Orten, dazwischen überall liegt Plastikmüll. Nur nicht entlang des Highway, dort sehen wir Menschen, die den Dreck einsammeln, damit es ordentlich aussieht. Aber die laufen auch zu Fuß einfach so über die Autobahn,

    Nach dem Schock tuckern wir heim über zahlreiche Ortschaften, befahren nochmal den Transafrican Highway, um uns leider in Tunis in den Feierabendverkehrsstau zu stellen. Unsere Köpfe sind voller Bilder, das wird eine ganze Weile in Anspruch nehmen, diese Vielfalt zu verarbeiten.

  • Ein neuer Kontinent

    Sanft gewellte Hügel mit kleinen weißen Ortschaften

    Um 11:00 Uhr sind wir in der Marina in Bizerte angekommen, nach drei Tagen auf See. Mit dem ersten Licht des Tages konnte man schon die Küste sehen, ich fand das sehr aufregend, Afrika liegt voraus, ein Kontinent, auf dem wir noch nie waren. Es war eine schöne Überfahrt (das Logbuch dazu gibt es demnächst unter der Rubrik „Logbücher“), und wir schauen auf die grünen Hügel im Norden von Tunis. Weiße Ortschaften liegen dazwischen, in der Ferne kann man die Stadt Bizerte sehen.

    Wie vereinbart rufe ich den Hafenmeister an, er hat uns schon auf dem AIS verfolgt, sagt „Bienvenue“ und erwartet uns mit drei Jungs, die sofort an Bord springen, um die Moorings zu nehmen. Allerdings sind diese so voller Muscheln, dass Volker sagt, hier bleibe er nicht, das verkratzt ja das ganze Gelcoat! Ob wir uns längsseits hinlegen wollen, fragt der Hafenmeister, immer noch freundlich, „Oui, s’il vous plaît“, sagt Volker. Mit den Jungs fahren wir an den nächsten Steg, und legen dort an, alles ist wieder gut.

    Sofort kommt auch die Immigration mit einem Polizisten in schussfester Weste, diese beiden sind ebenfalls sehr freundlich, heißen uns willkommen in ihrem Land, und wir füllen die zahlreichen Papiere aus. Eine Stunde später haben wir einen Stempel im Pass, und sind sozusagen angekommen.

    Geschmückt für den 1. Mai

    Auch hier ist der 1. Mai Feiertag, offensichtlich gibt es Aufmärsche oder Ähnliches in der Stadt, man hört nur skandierendes Singen. Und in regelmäßigen Abständen rufen die Muezzin von den Türmen der Gotteshäuser zum Gebet, hier gibt es viele davon, und so entsteht am Hafen eine schier unglaubliche Kakophonie!

    Mit einem Eimer Farbe wäre diesem schönen Gebäude schon geholfen
    Der alte Hafen

    Am Nachmittag kommen Harald und Rolf mit ihrer Catana an, nachdem auch sie einklariert haben, gehen wir zu viert in die Stadt, und sind beeindruckt. Ob es am Feiertag liegt oder immer so ist, es sind unglaublich viele Menschen unterwegs, sitzen in den Cafés am alten Hafen, laufen mit uns durch die Straßen, eine unglaubliche Zahl von Katzen labt sich an den essbaren Abfällen.

    Zwei Eimer Farbe braucht es hier schon

    Überhaupt Abfälle! Überall fliegt Plastik herum, Müll liegt an allen Ecken und Kanten, da kann man noch nachbessern. Die Geschäfte haben geöffnet, und zahlreiche fliegende Händler bieten auf den Gassen ihre Waren feil.

    Schuhe zum selber zusammensuchen

    Das beste sind die fliegenden Schuhverkäufer, denn die haben einfach einen großen Haufen mit allen Arten von Schuhen, aber nicht etwa paarweise schön ausgelegt, sondern sozusagen zum Zusammensuchen.

    Ladies Paradise

    Es gibt zahlreiche Geschäfte mit orientalischen Frauenkleidern, ca. zwei Drittel der Frauen tragen Kopftuch und lange Röcke, die anderen sind westlich gekleidet, in Jeans und mit offenen Haaren.

    Busy Streets

    Offensichtlich gehen auch die Geschäfte an dem Feiertag ziemlich gut, erst nach langem Suchen finden wir einen Geldautomaten, der noch bestückt ist, die anderen waren alle schon leer gezogen. Am heutigen Abend essen wir bei uns an Bord, voller neuer Eindrücke.

  • Wir sind los!

    Freitag, 28.4.2017, Baro 1016, sonnig, eher kühl, Wind NW 5-6
    LGM 08:00

    Bei strahlendem Sonnenschein legen wir früh ab, der Wetterbericht ist gut, nordwestlicher Wind, bis heute Abend ausreichend stark. Zuerst ist die See ziemlich kabbelig, und die Hexe schankt ganz schön durch die Gegend, aber als der Wind zunimmt, wird sie stabiler, und wir fliegen mit ständig über 10, oft über 12 Knoten Speed übers Wasser.
    Das hätte ich allerdings nicht gedacht, dass wir uns in Faserpelz, dicke Jacken, Segeljacken, warme Unterwäsche und Stiefel einhüllen müssen, Ende April im Mittelmeer, selbst bei achterlichem Wind ist es so kühl, dass man dazu auch noch Handschuhe braucht. Weiße Schaumkronen sind auf dem Meer und bald verlässt uns das Handynetz, deshalb hier der kurze Bericht. Wer will, kann uns ja über Marine Traffic verfolgen, die Hexe unter französischer Flagge.

    10:35 wir gehen auf Kurs 144 Grad Richtung Südsardinien, Segelführung: ein Reff im Großsegel, die Genua drei Umdrehungen weggedreht. Der Wind ist genau achterlich, wir probieren die gereffte Genua auszubaumen, mit unserer alten Spischot. Der Hubschrauber der französischen Küstenwache fliegt ganz nah über uns hinweg, der wollte sicher mal schauen, was da für ein schönes Boot unterwegs ist.

    12:15: Wir binden ein zweites Reff ins Großsegel, denn der Wind frischt immer weiter auf, die Genua ist auch gerefft, und wir düsen, düsen, düsen im Sauseschritt….

    Volker meint, jetzt unbedingt mal den Watt and Sea-Generator ausprobieren zu wollen, dazu muss er ihn aber hinten am Backbordschwimmer befestigen, und wird kräftig geduscht. Es kommen immer wieder mal Wellen über die ersten Stufen der Plattformen.

    Der Wind nimmt weiter zu, wir versuchen es mit einem dritten Reff, aber irgendwie sieht der Segelkopf nicht gut aus, und wir befürchten schon, da sei etwas gerissen. Also nehmen wir das Groß ganz herunter, scheitern aber dabei, es auf Vorwindkurs ordentlich einbinden zu können, und gehen gegen den Wind. Hui, jetzt wird es aber nass! Nun merkt man auch erstmal, wie hoch die Wellen sind, wenn ich versuche, die Hexe genau mit der Nase im Wind zu halten, und dabei die Wellen so auszusteuern, dass sie nicht über das ganze Boot brechen. Eine erwischt mich doch, ich schmecke das Salz auf den Lippen, und freue mich schon drauf, es aus denHaaren zu bürsten.

    Jetzt, da das Großsegel geborgen ist, können wir sehen, dass alles in Ordnung ist, Glück gehabt, dann können wir ja weiter Richtung Tunesien, statt auf die Küste zu, oder nach Porquerolles! Wir rollen nur die Genua ein Stückchen raus, der Windmesser zeigt über 30 Knoten wahren Wind, so ist es deutlich ruhiger, und Volker bekommt endlich sein wohlverdientes Mittagessen. Vorher muss noch das Boot geputzt werden! “Die ist ja völlig versalzen”, klagt der Skipper, greift kurzerhand zum Schlauch und spritzt das Boot beim Segeln ab. Gut, dass wir gerade den Watermaker angestellt hatten, das ist ja Luxus!

    Während wir noch so fröhlich vor uns hin wischen, kommen Delfine und spielen um den Bug, diesmal sind es ganz kleine, sie springen in den Wellen und tanzen um das Boot, dass es wieder die reine Freude ist. Volker spritzt ein wenig Süßwasser auf sie, das scheint sie aber nicht weiter zu beeindrucken.

    18:00 42.29.515 N 005.21.315 O, Baro 1012, Wind 28-30 Knoten NW, sonnig, Wellen geschätzt 3-4 m hoch. Wenn diese Wellen zwischen den zwei Rümpfen hindurchlaufen, macht das Lärm im Boot, sie heben die Hexe an, und setzen sie wieder ab, im Surf geht das, nur mit der Genua, auf speedige 12 Knoten, um im Wellental auf 6-7 Knoten abzunehmen. Das Gute dabei ist, dass wir trocken im Salon sitzen, und durch die Fenster rundherum dem Spektakel der Wellen zuschauen.

    Seit den beiden Frachtern vor Marseille haben wir auch kein Schiff mehr gesichtet, nur im Ais sehe ich die Fähre nach Calvi, die mit nur neun Knoten offensichtlich auch noch einen Umweg fährt, und hinter uns kommt der Frachter “Seaexpress” mit 13 Knoten.

    21:00 Volker hat leckere Spaghetti Bolognese gekocht, wir essen ganz gesittet am Tisch, nur mit Antirutsch-Untersetzern für Töpfe und Teller, weil die Wellen immer mal ganz unvorherzusehende Schiffsbewegungen auslösen.

    22:45 Ich lege mich für eine Weile zum Schlafen in die Kajüte, nicht ohne vorher die Anzeigegeräte auf Nachtmodus umzustellen, und für Volker eine Folge von “Auf Achse” in den DVD-Player einzulegen. Auch in unserer Kabine habe ich ein Tochterinstrument, das stelle ich auf den “Rot-Schwarz-Modus” um, sieht gut aus und blendet gar nicht beim Schlafen, man kann aber – in einer kurzen Wachpause – geschwind mal draufschauen, ob alles in Ordnung ist.

    01:45 Ich wache von einem durchdringendem Gepiepe auf, springe aus dem Bett, laufe zu Volker in den Salon, die Bilgenpumpe im Steuerbordmotorraum ist angesprungen. Das mögen wir aber gar nicht! Die Wellen sind nicht mehr ganz so hoch wie vorhin, als das komplette Cockpit überflutet war von achterlich einsteigendem Meerwasser, also traut sich Volker, den Motorraum zu öffnen, dann ein Schrei: “Beim Ruderlager steht alles voll Wasser, Salzwasser!”

    “Nein!”, denke ich, und “Das ist nicht wahr!”, sagt Volker. Mit Küchengeräten wie Kaffeebecher, Tupperkanne und Glas wird geschöpft, so gut es geht, anschließend mit dem geschenktem Zewa in Massen getrocknet, 02:45 ist die Motorbilge soweit trocken, das Vorsegel mal wieder geschiftet, jetzt kann Volker eine Runde schlafen gehen.

    Samstag, 29. 4.2017, Baro 1014, sonnig, Wind  NW 12-15 Knoten, abnehmend 4-8, auf See

    08:00 Die Motorbilge steuerbord wird zum zweiten Mal gelenzt, Volker holt einen großen Eimer voll Seewasser heraus und macht mit Zewa alles trocken. Die achterlich anlaufenden Wellen lecken schon mal an der zweiten Stufe, aber höher kommen sie jetzt glücklicherweise nicht mehr.

    08:20 Das Großsegel wird im zweiten Reff gesetzt, mit der beinahe vollständig ausgerollten Genua segelt die Hexe ruhig und stetig dahin. nach dem Frühstück reffen wir komplett aus, leider ist der Wind jetzt nur noch schwach und wir motoren ein bisschen, und ein bisschen mehr. Der Skipper geht schlafen, und ich stelle plötzlich fest, dass der Steuerbordmotor die Batterien nicht lädt, deshalb war auch die Dusche nur lauwarm!

    Mit Trial and Error finden wir heraus, dass beide Motoren die Bordbatterien nicht laden. Jetzt geht die Sucherei los: Welches Gerät ist genau dafür zuständig? Kann ich über den PC-Anschluss im Mastervolt-System den Fehler erkennen? Wir wälzen Handbücher, versuchen es am PC, am Shunt, endlich finde ich eine Fehlermeldung am Mastercharger, aber leider nicht den entsprechenden Fehlercode, und eigentlich sind wir mit der ganzen Fragestellung überfordert. Volker meint, wir könnten doch einfach mal die Batterien abklemmen, vorher den Watt and Sea und die Solarpanele ausschalten und dann mal sehen, was passiert. Ich bin ein bisschen skeptisch, weil ich mir sofort vorstelle, dass wir ohne Bordstrom die ganze Nacht von Hand steuern müssten, und das draußen, dabei ist es gestern Nacht doch empfindlich kalt gewesen, und. Ich war froh, dass der Autopilot brav seinen Dienst getan hat, während ich nur alle  10-12 Minuten mal einen Rundumblick in die sternenklare, aber sehr einsame Nacht geworfen habe.

    20:00 Uhr, das Barometer ist leicht gefallen auf 1012, auch der Sonnenuntergang ist nicht so klar wie gestern, vielleicht bekommen wir morgen schlechtes Wetter, ich bin eher für “hoffentlich nicht”. Wir können segeln, es sind 8-9 Knoten Wind, der Genaker steht, passend für die Küste in den italienischen Farben.

    Es ist kein schlechtes Wetter gekommen, aber leider hat der Wind ab 21 Uhr mal wieder abgenommen, und wir sind durch die Nacht motort. Zum Abendessen gab es die Reste von gestern, bei Spaghetti Bolognese kocht Volker immer Portionen für vier gute Esser, oder für zwei Tage. Danach wieder abwechselnd Wachen, ohne feindliche Boote, ein einsames Stück Mittelmeer. Nur die Tierwelt kommt uns besuchen, wie der Skipper im Blogbeitrag “Eine Schwalbe” so schön beschrieben hat.

    Sonntag, 30. April 2017, Baro 1014, sonnig, Wind NW zwischen 6 und 12 Knoten, auf See

    Bei Sonnenaufgang ist schon Land zu sehen, die südlichen Zipfel von Sardinien grüßen den Morgen.  Begonnen haben wir den Tag mit der Suche nach dem Fehler, warum die Batterie von den Motoren nicht geladen wird. Schließlich waren sie die ganze Nacht an, und trotzdem lädt nur der Watt and Sea. ich hole alle Handbücher heraus, die irgendwie etwas mit dem Ladegerät zu tun haben, versuche zu verstehen, wovon die reden, das klappt auch nach ein bisschen Einlesens, Volker probiert es mehr mit der angewandten Technik. Durch gemeinsame Überlegungen finden wir in den Handbüchern des Mastervoltsystems einen Hinweis, dass der Fehler auftreten kann, wenn die Konfiguration des Chargemaster im Bussystem nicht gesperrt ist. Gut, das ist einfach, ich klinke meinen PC am Kartentisch in das Bussystem ein, und sperre die Konfiguration. Perfekt! Die Batterien zeigen eine Ladespannung von über 25 Ampere an! Da fällt uns jetzt aber ein Stein vom Herzen, gut dass er nicht real war, der hätte glatt den Rumpf des Bootes durchschlagen. Das bedeutet nämlich, dass wir weiter segeln können nach Tunesien, und nicht hier in S. Pietro in die Marina bleiben, oder gar zurück nach LGM segeln müssen!

    Später segeln  wir durch den Canale di San Pietro, bezaubernd, ich glaube, wir müssen noch einmal hierher zurückkommen. Unter Genaker geht es aus der Straße des heiligen Peters raus, Kurs 142 Grad Richtung Tunesien. Es ist strahlender Sonnenschein, zum Feierabend kommen uns auch wieder die Delphine besuchen.

    Der Tag war wunderschön, das Segeln hervorragend, Wind immer so um 10 Knoten von raumschots, das Meer flach, Frühstück mit Rührei im Cockpit, Abendessen mit gegrillter Entenbrust und Cevapcici sowie Caprese ebenfalls im Cockpit, aber die Nacht wird aufregend!

    Im AIS sieht man schon am Abend so viele Boote, an bestimmten Stellen bilden sich richtige Straßen, das wird nicht so eine gemütliche Nacht wie die letzte! Immer wieder piept der Alarm, dass sich ein feindliches Boot in drei Meilen Entfernung befindet. Und einmal kommt uns die Puffy so nahe, dass ich Volker aus dem Schlaf klopfe, weil ich uns schon komplett von ihr untergetaucht sehe, Schreck lass nach. Wieso die plötzlich so nah war, obwohl sie uns in 500 Meter Entfernung passieren sollte, weiß ich im Nachhinein auch nicht mehr zu sagen, aber das war Adrenalin pur.

    Montag, 1. Mai 2017, Baro 1015, sonnig, Wind N 6-10 Knoten, auf See

    Afrika, da vorne ist wirklich der afrikanische Kontinent! Jahrelang haben wir unseren Kindern, wenn sie uns gefragt haben, wohin wir denn heute segeln, gesagt: „Nach Afrika“. Und wie lange wir wohl brauchen? „Stiebie Stundie“, was soviel hieß wie „Keine Ahnung, wenn wir da sind, wissen wir’s“. Und genauso sind wir jetzt nach Afrika gesegelt, wir wussten ja vorher auch nicht, wie lange wir wohl brauchen würden. Um 10:00 Uhr machen wir die Leinen fest in Bizerte, der freundliche Hafenmeister empfängt uns mit drei Jungs.

  • Die Fastenzeit,

    die für uns irgendwie keine war, ist vorüber und wir sind gerade über eine Datei, bzw. einen Reisebericht von uns aus dem Jahr 2002 gestolpert. Zu der Zeit waren wir superstolze Besitzer einer schnellen Dehler 39 und sind damit fast regelmäßig zwischen England, insbesondere der Ostküste und Holland hin- und hergependelt. In 2002 sogar viermal. Unsere Lieblingsdestination war dabei, der wunderschöne Fluss “River Orwell”. Ein Fluss, der eingebettet ist in eine lieblich-hügelige Landschaft mit Feldern, großzügigen englischen Gärten und sehr alten Eichenwäldern. Für die Segler: Die berühmten Oyster-Yachten werden am River Orwell gebaut.

    Jedenfalls waren wir so vernarrt in diesen Fluss, dass es für uns an längeren Wochenenden oder in den Ferien nur ein Ziel gab. Sicherlich mit dazu beigetragen hat die nordseetypische Gezeit, das ewige Zusammenspiel von Ebbe und Flut, das besonders die Landschaft am Fluss alle paar Stunden optisch sehr verändert. Mal ist der Flusslauf nur sehr schmal und flach, um sich dann mit der auflaufenden Flut, alle paar Stunden, zu einem richtig breiten Flussbett hin zu verwandeln. Bei Ebbe hingegen sieht man alte Wracks, ausrangierte Torpedos und halbversunkene Schiffe im Schlamm. Wer einmal durch den beinahe mystischen uralten Eichenbestand zum historischen  “Butt and Oyster” Pub gewandelt ist und die Szenerie, die sich einem dort, gerade bei Ebbe, bietet, gesehen hat, wird sicher von diesem sehr schönen Stück England genauso fasziniert sein wie wir. Und wer jetzt noch Lust hat weiterzulesen, kann in unserem alten Reisebricht von vor 15 Jahren nachlesen, wie es denn mit der Segelei ist, wenn man sich für ein verlängertes Wochenende nach England aufmacht. Wir hatten jedenfalls heute Morgen viel Spaß beim Durchlesen unseres “historischen” Logbuchs.

    Hier gibt es das Logbuch zum Download als hochaufgelöste Datei (37 MB) und hier die Sparversion mit 3 MB.

  • Schiffstaufe

    Sonntag, 02.04.2017, Bart 1013, bewölkt, kalt, Wind NW um 3
    La Grande Motte 11:00 – LGM 13:50 ca. 6 sm

    Poisson du jour

    An diesem regnerischen Sonntag geht es weiter mit dem Eingewöhnen in das neue Boot. Nachdem wir gestern Abend vorzüglich im Entre Potes gegessen haben, sind wir gestärkt und bereit, uns den neuen Aufgaben zu stellen.

    Zunächst versuchen wir eine andere Art des Ablegens von unserem Platz, indem wir über die Backbord-Achterleine drehen, statt über die Steuerbord-Vorleine. Das geht, aber nicht ganz so gut wie die Alternative.

    Jetzt soll Trevor die Hafenmanöver fahren, die Jean-Pierre mich hat fahren lassen, einen Vollkreis, an dem langen Gummiponton anlegen, in Sackgassen wenden. Draußen in der Bucht fährt dann erstmal Kay erst einmal einen 360-Grad-Kreis, dann versuchen wir ein Boje-über-Bord-Manöver nach dem anderen, legen später längsseits an der Capitainerie an und manövrieren das Boot im Hafenbecken. Auch das Anlegemanöver an unserem Steg , das diesmal Trevor steuert, klappt hervorragend, es ist ein gutes Gefühl, dass mehrere das Boot  einigermaßen beherrschen. Und es ist wichtig, ganz oft ganz viele verschiedene Wege des An- und Ablegens auszuprobieren, das Vorwärts- und das Rückwärtsfahren zu üben, damit irgendwann alles wie im Schlaf abgerufen werden kann.

    Die Taufgesellschaft
    beim Feiern
    und Staunen
    Endlich, der erste Gast-Hund an Bord!

    Ute, Wolfgang und Aljoscha kommen uns auf ihrem Weg in die Osterferien nach Malaga besuchen und bringen dankenswerterweise noch ein paar Utensilien mit, die wir zuhause vergessen haben, und die Larissa ihnen gestern noch vorbeigebracht hat. Allen an dieser Stelle herzlichen Dank dafür.

    Jetzt sind so viele Menschen an Bord, dass wir denken, es wäre ein guter Moment für die Bootstaufe, schließlich wollen wir ja nicht mit einem ungetauften Katamaran über die Meere segeln!

    Wir taufen Dich …
    … auf den Namen “Hexe”

    Wir gönnen der Hexe ein paar Schlucke zur Feier des Tages, den Rest des Champagners trinken wir aber lieber selber aus, schließlich war das ein Geschenk von Trevor und Kay, die ja sozusagen als Schiffspaten fungieren, indem sie uns auf unseren ersten Törn begleiten. Jetzt ist unsere vierte Hexe eine offizielle „Hexe“ geworden!

  • Auf eigenen zwei Beinen

    Samstag, 01.04.2017, Baro 1018, bewölkt, vereinzelte Schauer, kalt, Wind NNO um 4
    La Grande Motte 10:30 – La Grande Motte 15:00, ca. 35 sm

    Kay, cold

    Am Montag soll der Monteur für den Motorservice kommen, d.h. wir müssen noch ein paar Maschinenstunden machen, denn die Motoren sollen mindestens 25 Stunden gelaufen sein vor der ersten Revision. Kein Problem, wozu haben wir schließlich die vielen Winter- und Frühjahrstörns in Holland und auf der Nordsee gemacht? Damit wir über entsprechende Kleidung für Schlechtwetter verfügen, klar. Auch Trevor und Kay, unsere lieben englischen Freunde, die gestern Nachmittag noch bei strahlendem Sonnenschein in Montpellier gelandet sind, haben an alles gedacht und die warme und wetterfeste Segelkleidung mitgebracht.

    Unter Skippern

    Bevor wir starten, weist Volker unsere Gäste, vor allem Trevor in die Bedienung der elektrischen Anlage ein, und wir erklären die Navigationselektronik, wie wir unser Ablegen vorbereiten, und was beim Segelsetzen zu beachten ist.

    Heute morgen bin ich schon im Geiste die diversen An- und Ablegemanöver durchgegangen, nun wird sich zeigen, ob das bei Jean-Pierre Gelernte hängen geblieben ist. Zunächst lasse ich mich von Volker verwirren, und drehe das Boot genau falsch herum, das funktioniert nicht so gut, aber tatsächlich dank krasser Ruderlage doch. Wir kommen trotz Wind von der Seite unbeschadet vom Liegeplatz weg, motoren langsam aus dem Hafen und lassen uns dann ganz viel Zeit, um in Ruhe und ohne gravierende Fehler die Segel zu setzen.

    Hexe mit Stagsegel und grauem Himmel

    Bei den herrschenden 16 Knoten Wind versuchen wir es mit einem Reff im Großsegel und dem eher kleinen Stagesegel, trotzdem sehen wir bei 230 Grad über Grund und halbem Wind schnell die 10 Knoten Geschwindigkeit, Volker ist zufrieden. Kurz vor Sète ist genug Seeraum, keine Sperrgebiete, der Wind hat nachgelassen, nun wird die KUtterfock eingeholt, das Reff aus dem Großsegel ausgeschüttet, und die Genua ausgerollt. Jetzt geht es bei wahren 50 – 60 Grad am Wind zurück Richtung LGM, immerhin noch mit über sieben Knoten, und dank der komplett flachen See liegt die neue Hexe total ruhig im Wasser.

    Der Watt+Sea im Einsatz

    Der Watt+Sea-Generator hängt am Backbordrumpf, zunächst scheint er nicht zu laden, aber das kann er auch nicht, die Batterien sind voll. Erst als wir einige Verbraucher ans Netz hängen, kann man sehen, dass er seinen Dienst tut. Wir versuchen uns mit allen Features vertraut zu machen, Volker stellt sich sogar auf den Baum, ich spiele mit der Elektronik, es gibt ja so viel zu lernen und einzustellen.

    Vor LGM bereiten wir ganz in Ruhe das Manöver zum Segelbergen vor, erst wird die Genua eingerollt, das machen Kay und ich an der elektrischen Winch, dann müssen die Stopper vom Großfall geöffnet werden, Volker und Trevor gehen auf das Bimini, Kay lässt das Fall ab. Sehr erstaunlich für unsere Segelmanöver läuft das Ganze äußerst ruhig ab, hier ist aber auch genug Raum.

    Wer steht denn da?

    Nachdem die Segel geborgen sind, werden noch die Schwerter auf Hafenhöhe, d.h. grad so tief wie die Schwerter abgesenkt, dann übernehme ich das Rad und steuere in die Einfahrt. Ein bisschen nervös bin ich schon, ob das von Jean-Pierre gelernte Anlegemanöver klappt, aber heute habe ich Glück, außerdem hilft der Wind mit und drückt die Hexe, nachdem die rechte Vorlegen fest ist, sanft auf den Liegeplatz, uff, geschafft. Und trotzdem sind dank der Hafen- und Segelmanöver bereits 25 Seemeilen auf der Logge.

  • Unterwegs im Zeichen der Lilie

    Als wir heute morgen die Augen aufschlagen, ist es, dank der Umstellung auf die Sommerzeit in der Nacht, schon sieben Uhr. „Zeit zum Aufstehen“, beschließt Volker. In den letzten zwei Tagen haben wir beide ununterbrochen gewuselt, Handwerker organisiert, Verträge fertig gemacht, Larissa instruiert, damit sie in unserer Abwesenheit die Handwerker an den verschiedenen Baustellen instruieren und kontrollieren kann, die letzten Überweisungen ausgeführt, notwendige Papiere ausgefüllt und zur Post gebracht, und, und, und…

    … voll bis unters Dach!
    Der VW-Bus ist…

    Den VW-Bus haben wir gestern schon bis in die letzte Ritze gefüllt, er steht im Wendehammer der kleinen Siedlung bereit, nun wird noch schnell ein Kaffee zum Mitnehmen gekocht,und in den wunderbaren Starbucks-Becher gefüllt, die Lebensmittel aus dem Gefrierfach soll Larissa abholen, eine Fünf-Tage-Grableuchte steht für Nico im Garten, dann schließe ich die Haustür ab, und es geht auf die Autobahn, Hexe, wir kommen!

    Im Rhein-Main-Gebiet ist am Wochenende der Frühling ausgebrochen, in Darmstadt und entlang der Autobahn Richtung Karlsruhe blüht jeder Strauch, der dies kann. sowie die Obstbäume in den Feldern, dabei strahlt die Sonne vom Himmel, sehr prächtig. Um Straßburg herum füllen sich leider die heute morgen noch sehr leeren Straßen, was vielleicht auch an der Uhrzeit liegt, inzwischen sind offenbar die Sonntagsausflügler ebenfalls unterwegs. Hier ist die Natur noch nicht so weit, das Blütenmeer ist einem zaghafteren Frühlingserwachen gewichen, um ab dem südlichen Zipfel des Schwarzwalds wieder in voller Pracht  und mit grünenden Bäumen dazustehen.

    Das Steuer fest in der Hand

    Die Autobahngrenze nach Frankreich ist immer noch einspurig und mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung von 20 kmh versehen, danach geht es mal mit 110, mal mit 130 kmh gemütlich über die leeren Autobahnen. Wir fahren durch das Land der tausend Seen „les milles étangs“, weiter zwischen Mulhouse und Besançon durch die milde Hügellandschaft entlang der Doubs, Richtung Westen. Je weiter wir ab dem Abbiegen auf die A39 nach Süden kommen, desto grüner wird die Landschaft, es herrschen auch angenehme Temperaturen, aber das ist ja an diesem Wochenende in ganz Europa so ähnlich. An einer Tankstelle bekommen wir ein Elsässer Baguette und Schoko-Suisses (so etwas ähnliches wie Schoko-Croissants, nur noch leckerer) für Volker, dann geht es weiter durch die Région de Bresse, und kurz vor Lyon sieht die Windschutzscheibe aus wie im Hochsommer, voller Fliegen- und Mückenleichen!

  • Merry old England

    Ganz am Ende unserer Zeit auf dem Trockenen sind wir in die Luft gegangen, um unsere lieben englischen Freunde Trevor und Kay in der Nähe des Flusses Humber zu besuchen. Zunächst bescherte uns das Wetter ein paar Stunden Schlaf, weil wegen Sturms der frühe Flug von Amsterdam nach Humberside ausgefallen war, und wir nicht um sechs Uhr am Flughafen sein mussten. In einem kurzen Telefonat mit KLM konnten wir problemlos auf den späteren Flug umbuchen. Allerdings war immer noch viel Wind, und es wurde immer mehr. Der Start in Frankfurt war schon ganz schön wackelig, bis wir über den Wolken waren, aber die Landung in Amsterdam war eine Glanzleistung des Piloten, bei Nebel und 6-8 Windstärken sicher auf dem Boden aufzusetzen. Schade, dass es zu einem solchen Anlass keinen Applaus mehr gibt, ich erinnere mich noch an Flüge, bei denen alle Passagiere nach der gelungenen Landung laut geklatscht haben. Dieser Flugkapitän jedenfalls hätte es verdient.
    Auch der Start in Amsterdam war eine Herausforderung an das Können des Piloten, wegen des Sturms stand nur eine Startbahn zur Verfügung, wir mussten 15 Minuten warten, bis wir die Starterlaubnis bekamen. Währendessen wackelten selbst an dem Standplatz die Flügel der Maschine so arg, dass man hätte meinen können, man befinde sich bereits in der Luft. Bis wir dann tatsächlich abgehoben hatten, war der Himmel aufgeklart, und wir konnten die Wellen vor Ijmuiden sehen, Bohrinseln in der Nordsee und große Frachter. An der Humbermündung gab es noch mehr Schiffsverkehr, wir hatten ja auch schon an Höhe verloren und konnten so auch kleinere Boote erkennen, hier war deutlich weniger Wind als in Holland.
    Am Flughafen warteten bereits Trevor und Kay auf uns, und, um Volker eine Freude zu machen, verbringen wir die erste Nacht in England auf der Moonbow, ihrem Segelboot, das gut vertäut im Hafen von Grimsby auf die Sommertörns wartet. Ein leckeres Mahl im indischen Restaurant, ein Besuch im nahe gelegenen Pub runden den Abend ab. Überhaupt, die Pubs! So viele! Und so schön! Schade, dass drei Tage nur 72 Stunden haben, sonst hätten wir noch viel mehr dieser hübschen Lokale aufsuchen können.
    Am Dienstag machen wir einen Ausflug nach Lincoln, besuchen die überaus sehenswerte riesige Kathedrale, deren Chor so aussieht, als hätte man die Szenen im großen Saal von Hogwarts dort gedreht, sensationelle Holzarbeit. Auch die Steinmetzarbeit ist beeindruckend, und die alten Bleiglasfenster. Die Burg ersparen wir uns heute, der stürmische Wind macht es draußen eiskalt. Wir laufen durch die wunderschöne Altstadt, vorbei an kuriosesten Läden, echt englisch! Es geht steil bergab, und Volker bekommt langsam Hunger und Durst. Wir können ihn überreden, noch so lange abzuwarten, bis wir die steilen Straßen wieder raufgekraxelt sind. Oben finden wir ein Pub mit Namen “Magna Charta”, die ist nämlich hier in Lincoln unterzeichnet worden und ein Exemplar der alten Handschrift wird in der Kathedrale ausgestellt.
    Zu Trevors Geburtstag gab es am Abend eine kleine Grillfeier, bei der wir auch Freund Steve wiedersahen und seine neue Frau treffen konnten. Trevors Bruder Dee war mit Tochter und Enkelsohn erschienen und nach dem Essen spielten wir Liederraten mit Hilfe von kleinen Tröten, gar nicht so einfach, aber sehr lustig.
    Am Mittwoch war kein Ausschlafen angesagt, dafür sorgt Enkelsohn Reuben, ein echter Frühaufsteher, der schon um sechs Uhr wieder auf den Beinen war. Für uns war das auch in Ordnung, nach einem ausgiebigen Breakfast machten wir uns wieder auf den Weg. Für mittags war Regen angesagt, deshalb legten wir den Stadtrundgang in einer weiteren mittelalterlichen Stadt auf den Vormittag, um am Nachmittag “The Deep”, das meereskundliche Museum in Hull noch einmal zu besuchen.
    Beverley ist eine hübsche Stadt, mit einem beeindruckenden Münster, nicht ganz so groß wie die Kathedrale von Lincoln, aber ebenfalls im gothischen Stil erbaut, und mit einem fast identischen Grundriss. Und in der Altstadt reiht sich Pub an Pub, ein ideales Pflaster für einen gemütlichen Kneipenrundgang, den wir uns aber gespart haben. The Deep ist toll, auch beim zweiten Besuch, verdiente eher einen eigenen Beitrag, aber am besten schaut man es sich live an.
    Am Donnerstag ging es dann wieder über Amsterdam nach Hause, diesmal mit einem längeren Aufenthalt dort, aber deutlich angenehmeren, weil viel ruhigeren Flügen. Es waren wunderbare drei Tage, (many thanks to Kay and Trev) und wir freuen uns schon sehr darauf, unsere beiden lieben Freunde bald auf unseren neuen Hexe begrüßen zu dürfen.

  • Am Rosenmontag …

    … bin ich nicht geboren, da waren 30° und meine Mutter hätte sich vielleicht über Rosenmontagstemperaturen gefreut. Im Jahr 2017 hatten wir jedenfalls Glück mit dem Wetter, am Faschingssonntag war so schöner Sonnenschein und milde Temperaturen, dass ganz viele Menschen an der Uferpromenade in Mainz flanierten, wir auch, erstaunlich viele kostümiert, sehr viele Clowns in den verschiedensten Ausprägungen, und, dem Straßenkarneval entsprechend, auch einige in Tierkostümen, weil man darunter warme Kleidung verbergen kann, und meist noch eine Kapuze für den Tierkopf hat.

    Hexe mit Gorilla ?

    Volkers Gorillakostüm hatte leider keine Kapuze, nur eine furchterregende Maske, die hat er am Rosenmontag Morgen lieber im Hotel gelassen, während ich stolz mit meinem großen Hexenhut durch die Straßen stolziert bin. So aufgeregt waren wir, dass wir schon viel zu früh aus dem Hotel und auf den Straßen waren, da war noch gar nichts los, nur ein paar einzelne Narren besorgten noch Kreppel beim Bäcker oder ein stärkendes belegtes Brötchen beim Metzger.

     

    Die Zuschauer gegenüber…
    …und die auf den Balkonen

    Zwischen Dom und Gutenberg-Museum fanden wir den idealen Platz. Mit einem Geländer zum Anlehnen, einem Getränkewagen für den Nachschub und Toiletten für die Entsorgung. Außerdem stand man hier relativ windgeschützt und, wenn die Sonne sich zeigte, mitten im warmen Sonnenschein.

    Um 11.11 Uhr war der Zug gestartet, bis er sich hierher gewunden hatte, zeigte das Handy 12:30 an, aber es war keine Minute langweilig, es gab so viel zu sehen. All die verkleideten Menschen wirklich jeden Alters, die vorbeiliefen, oder sich in der Nähe auch einen Platz suchten. Richtige Profis waren dabei, die hatten nicht nur Rucksäcke mit Kissen und Proviant mit, sondern auch Kabelbinder, um die Rucksäcke am Geländer aufzuhängen. Andere brachten sogar kleine Campingstühle mit, damit sie nicht so lange stehen mussten. Logenplätze sind natürlich die Balkons der umliegenden Wohnungen, da muss man bei manchem hoffen, dass die Statik ausreicht!

    Der Einfallsreichtum ist groß

    Und dann kamen sie, die ersten Wagen, geschmückt, voller Närrinnen und Narrhallesen, manche mit Musik aus der Dose, andere machten selber Musik, von den Wagen wurden die „Kamelle“ geworden, Bonbons, Schokolade, Schlüsselanhänger, Pixi-Büchlein, dem Erfindungsreichtum waren keine Grenzen gesetzt. Die Profis unter den Zuschauern hielten einfach große Handtaschen auf, das half beim Fangen.

    Am besten haben mir die Gugge-Musik-Bands gefallen, die am Abend vorher auch schon durch die Stadt gezogen waren, und dort auf den Plätzen oder in den Straßen ihre ein bisschen schräge, aber immer sehr rhythmische Musik gemacht. Ich habe die Bands gefilmt, muss aber den Film noch schneiden, wenn er fertig ist, lade ich ihn hoch.

    Über 150 Wagen mit einer Gesamtlänge von 9 Kilometern fuhren auf der 7,2 Kilometer langen Strecke an den Zuschauern vorbei, große Karnevalsvereine und kleine Gruppierungen, Marching Bands, Tanzgruppen Funkenmariechen, eine Augenweide! Sogar ein Achtspänner, eine von acht Pferden gezogene Kutsche war dabei, natürlich die politischen Motivwagen, die Donald Trump, Kanzlerin Merkl, die Rente mit 90 und vieles andere aufs Korn nahmen.

    Star Wars

    Anschließend gab es noch eine große Party zwischen Domplatz und Fastnachtsbrunnen, die legendäre Rosenmondnacht. Viele, vor allem jüngere Menschen haben hier gefeiert, sicher bis in den späten Abend. Wir haben noch ein bisschen mitgetanzt, hatten dann aber genug gesehen, und waren von den vielen Eindrücken ganz müde, sodass wir uns zu einer kleinen Spätnachmittagsruhe ins Hotel begeben haben, um den Schiffen auf dem Rhein beim Vorüberfahren zuzuschauen. So ein schöner Rosenmontag!