Autor: Hexymama

  • Vor Sardinien

    Jetzt haben wir wieder Netz, hier die Fortsetzung unseres Logbuchs vom Samstag, 17. Juni:

    Um 08.00 Uhr hat der versprochene Wind gefrühstückt und bläst die Backen auf, wir haben, diesmal rechtzeitig, gerefft, das Groß im 2. Reff und zwei Umdrehungen in der Genua. Manchmal surft die Hexe, dann kommen wir sogar mit dieser Besegelung auf über neun Knoten Geschwindigkeit.

    Die französische Marine grüßt die Hexe

    08:45 Uhr: Der Wind frischt weiter auf, 27 Knoten werden leicht erreicht, wir drehen die Genua noch ein Stück weg, ich hab schon die 16,3 Knoten Geschwindigkeit über Grund auf der Anzeige gesehen.

    Leider geht es mir heute nicht so gut, entweder habe ich irgendein Essen nicht vertragen, oder ein kleiner Magen-Darm-Virus hat sich eingeschlichen, seekrank bin ich ganz sicher nicht. Aber der Blick von der Toilette in unserem Bad über die sich auftürmenden Wellen ist richtig gut, manchmal kommt sogar eine bis ran und spült die Fensterscheiben. Ich leg mich einfach hin, Volker übernimmt das Segeln, refft die Genua wieder aus.

    Eine Libelle zu Besuch, über 100 Meilen von der Küste entfernt

    Um 11:45 Uhr möchte Volker auch das Groß ausreffen, als wir in den Wind drehen, sehe ich allerdings, dass der Windanzeiger plötzlich über 20 Knoten anzeigt, warum stimmt das nicht mit dem wahrem Wind überein? Das Problem hatten wir auf der alten Hexe schon mal, da waren die kleinen Paddelrädchen der Logge bewachsen und drehten sich daher nicht mehr. Dadurch wird die Geschwindigkeit durch das Wasser nicht mehr ermittelt und durch diese fehlende Information zeigt das System eine falsche Windgeschwindigkeit an. Wir segeln zunächst so weiter, mit der Genua im Schmetterling, und reffen um 13.00 Uhr dann doch aus.

    Vorhin war einmal ein einzelner Delfin bei uns, spielte zwei Minuten und verschwand wieder. Ebenfalls verschwunden ist leider unsere Backbord Achterleine. Die hat Neptun sich mit einer Welle aus der Tasche geholt, Frechheit!

    Sonnenbad auf dem Trampolin

    14:00 Uhr: Nach dem Mittagessen (nur für Volker heute) macht er es sich auf dem Trampolin bequem. Und dann kommen die Delfine, vier an der Zahl, sie tanzen in Zweierformationen zwischen den Rümpfen, umspielen den einen Rumpf, dann den anderen, machen elegante, manchmal auch sehr tolpatschige Sprünge, besonders, wenn sie versuchen, sich in der Luft zu drehen, endet das oft in einem Bauchplatscher. Schnell können sie durchs Wasser gleiten, 7 – 8 Knoten Geschwindigkeit sind gerade gut, und dann kreuzen sie noch vor den Rümpfen hin und her. Fast eine Stunde sind sie bei uns geblieben.

    18:30 Uhr, Baro 1009, sonnig, Wind NW um 10 Knoten. Der Wind hat weiter nachgelassen, wir setzen den Genaker, machen aber leider nur noch 4,5 Knoten über Grund. Dafür sind seit heute Nachmittag die Wellen kleiner geworden, nix schlägt mehr innen an den Rumpf. Nur Volker ist pessimistisch: „Spätestens ab Sonnenuntergang lässt hier der Wind komplett nach, das wird bestimmt eine Motornacht!“

    Sonnenuntergang

    Unsere Vermutung bezüglich des Windes bewahrheitet sich leider, pünktlich zum Sonnenuntergang geht dem Wind die Puste aus. Der Motor muss ran. Ringsherum ist pottenschwarze Nacht und ein sensationeller Sternenhimmel zieht auf, atemberaubend. Ich gehe schlafen, überprüfe vorher noch, dass die AIS-Alarme eingeschaltet sind.

    23:30 Uhr, Baro 1010, Wachwechsel. Ich verstelle die Helligkeit der Digitalanzeigen an den Steuerständen. Beim Autopilot macht man das mit der Taste, die ihn auch auf Standby schaltet. Anschließend überprüfe ich, dass der eingestellte Kurs noch stimmt, übersehe dabei aber leider, dass der Autopilot ausgeschaltet ist. Zehn Minuten später zeigt der Windmesser gut segelbare 9 bis 10 Knoten Wind, mit einem Windeinfallswinkel von 70° Grad, ideal! Ich wecke Volker, jetzt ist der Wind auf 14 Knoten. Der Skipper kommt willig aus den Federn, steckt die Nase in den Wind, schaut auf dem Kompass und wundert sich, warum wir wieder nach Frankreich zurücksegeln.  Oje, dumm gelaufen!

    Da es mit dem Segeln dann doch nichts ist, geht er, genau so schnell wie er rausgekommen ist, zurück in die Federn, steht aber um 01:00 Uhr schon wieder auf der Matte. Bettgehzeit für die Capitania.

    Um 03:00 wache ich ganz schuldbewusst auf, weil ich denke, es würde schon gleich hell werden und ich hätte viel zu lange geschlafen. „Nein, nein“, beruhigt Volker mich, „alles o.k.“.

    Volker kann noch ‘ne Mütze voll Schlaf vertragen und heuert vom Kommandostand ab – ich übernehme die Wache. Überprüfe zunächst mal im AIS, dass sich keine feindlichen Schiffe nähern, schalte ich kurz das Radar ein, falls hier kleinere Boote ohne AIS herumschippern sollten, aber alles ist ruhig. Der Passagierdampfer „Sovereign“ wird erst in zweieinhalb Stunden in über 17 Seemeilen Entfernung unseren Weg kreuzen. Den werden wir noch nicht mal sehen. Auch beim Rundumblick von der Brücke ist alles klar, es gibt fast keine Welle, und die mittlerweile aufgegangene Mondsichel spiegelt ihr Licht im glatten Wasser, weiterhin Motorfahrt.

    05:25 Uhr: Genau um diese Zeit entdecke ich ein ein AIS-Signal von einem 18 Meter langen und 6 Meter breiten französischen Schiff auf dem Bildschirm, das den seltsam anmutenden Namen „AD 5 Solosailor“ trägt.  In der aufkommenden Morgenröte kann ich nur ein großes Segel ausmachen, das Schiff ist über drei Seemeilen entfernt und fährt weiter in Luv, wie wir unter Maschine.

    Sonntag, 18. Juni 2017, Baro 1010, sonnig, Wind NO um sieben Knoten, auf See

    Der Segelkollege AD 5 Solo Sailor
    Die Regattayacht Imoca 60

    06:30 Uhr: Der Skipper ist aufgewacht, wir haben Halbwind, 6-8 Knoten, versuchen mit dem Gennaker zu segeln, mal sehen, wie lange die Brise anhält. Die französische Yacht hat jetzt ebenfalls den Genaker gesetzt und segelt seitlich versetzt hinter uns her. Der Skipper nimmt das Fernglas in die Hand und bestätigt mir seine vorangegangenen Vermutungen, dass es sich um eine Imoca 60 Regattayacht, handelt, mit der Segelhelden, u.a. solo und non-stopp um die Erde segeln. So ein Schiff sieht man nicht alle Tage, beinahe zwei Stunden können wir, mit optimal getrimmten Segeln, die französische Konkurrentin hinter uns halten. Die ändert dann die Richtung und rauscht mit Südkurs davon.

    09:30 Uhr: Der Windeinfallswinkel wird zu spitz, obwohl wir mit dem Genaker schön Fahrt machen, wird der Kurs zu ungünstig, wir nehmen in weg und rollen die Genua aus. Hoch am Wind geht es weiter.

    Frühstückstisch, gedeckt

    10:15 Uhr, jetzt soll es Frühstück geben, aber der Skipper beschließt, vorher noch die festsitzende  Logge zu ziehen, damit wir wieder wahre Windgeschwindigkeit und -einfallswinkel sehen können. Das Ganze ist immer ein bißchen tricky, denn in dem Moment, in dem man die Logge samt Paddelrädchen aus dem Gehäuse rauszieht, hat man ein kreisrundes Loch im Bootsrumpf, aus dem fontäneartig Salzwasser ins Schiffsinnere spritzt. Man muss dann blitzartig den Blindstopfen als Ersatz in das Loch stecken und festschrauben, damit das Schiff nicht geflutet wird. Das Paddelrädchen ist schnell von Muschelbewuchs und Dreck befreit, und alles geht den umgekehrten Weg. Also Blindstopfen raus und flugs die Logge wieder reingesteckt. Anschließend sind ca. zwei Liter eingedrungenes Salzwasser aus der Bilge zu lenzen.. Leider tröpfelt es noch nach, der Skipper flucht, die Dichtung hat sich verkantet – Problem erkannt – Problem gebannt. Danach sind wir hungrig und bereiten einen reich gedeckten Frühstückstisch im Cockpit vor.

    12:00 Uhr, Baro fest auf 1010, 14 Knoten Wind, Amwindkurs, glatte See, das ist segeln vom Feinsten. Dabei lacht die Sonne vom Himmel, rundherum sind keine Boote zu sehen, im Moment auch keine Frachter, nur einen Schwertfisch und einen Mantarochen hat Volker aus dem Wasser springen sehen.

    14:00 Uhr: Der Wind dreht auf Südost und wird immer schwächer, wir rollen die Genua weg und machen den Motor an, denn mit drei Knoten Speed und das in die falsche Richtung, kommen wir ja nie an.

    18:00 Uhr, wir motoren immer noch, es sind zwei Knoten Wind. Tatsächlich ist gerade mal ein Frachter zu sehen, die „Oriental Jasmine“, die in anderthalb Seemeilen passiert mit Kurs nach Marseille. Ansonsten ist nichts los…

    Der Genaker in der Abendsonne

    19.00 Uhr, der Motor geht aus. Der Gennaker zieht uns bei wenig Wind langsam durch das aufgewühlte Mittelmeer. Die hohen Dünungswellen passen so gar nicht zur leichten Brise. Das Segelvergnügen ist nur von kurzer Dauer und um

    21.30 Uhr geht der Volvo Penta Motor wieder an, gut, dass wir vor der Fahrt die Dieseltanks gefüllt haben.

    Volker hat heute mittag so viele Frikadellen und die Rillettes und Kekse gegessen, dass ich mir mein Abendessen alleine mache, aus den Resten von gestern und Pilzen und Zwiebeln gibt es eine leckere Gemüsepfanne, das wäre sowieso nichts für den Skipper gewesen.

    Sonnenuntergang

    Während ich schlafe, versucht Volker es mal wieder mit segeln,  aber bei Windgeschwindigkeiten um fünf Knoten genau von hinten geben wir auf, bergen Genua und Großsegel, und motoren durch die Nacht.

    01:30 Uhr, Baro gestiegen auf 1013, wieder ist es eine über dem Wasser sehr dunkle Nacht. Dank meiner Sternenapp kann ich mich am Himmel orientieren, Milchstraße, den großen Bär und Kassiopeia hätte ich auch so erkannt, aber Waage und Schlangenträger an Steuerbord, und Andromeda und Pegasus an Backbord neben der Kassiopeia habe ich dank der App kennengelernt. Ab und an flutscht mal eine Qualle phosphoreszierend unter den Rümpfen heraus, falls man tagsüber mal an ein kühles Bad gedacht hätte, sollte man zumindest gut Ausschau halten, in der Nacht sehen die Dinger ganz schön groß aus.

    03:10 Uhr, im Osten geht der sichelförmige goldgelbe Mond auf, ab jetzt wird der viertelstündliche Rundumblick leichter, wenn der Mondenschein das Wasser erhellt. Allerdings schiebt sich von unten gerade ein Wolkenband darüber, hoffentlich macht mir das keinen Strich durch die Rechnung. Die Nacht ist angenehm warm, aber wie alle Nächte im Süden, unglaublich feucht, dEck und Brücke sind nass, leider auch die Sitzbänke an den Steuerstellen, sodass man doch eher drinnen sitzt. Der Passagierdampfer „Mediterranée“ zieht hell erleuchtet an Backbord vorbei

    05:00 Uhr Wachwechsel, der Skipper ist aufgewacht und schickt mich zu Bett.

    Montag, 19. Juni 2017, Baro 1015, leicht bewölkt, Wind variabel, auf See

    Mit der Windsteuerung klappt das wunderbar

    07:00 Uhr: Während ich noch in der Steuerbordkabine liege, geht der Steuerbordmotor an, Zeichen, dass ein Manöver geplant ist. Ich hüpfe aus dem Bett, richtig, Volker ist gerade dabei, das Großsegel zu setzen. Auch die Genua wird ausgerollt, und dann geht er zu Bett. Aber nicht, ohne dass er von unten, auf der Seite liegend, mit geschlossenen Augen, ab und zu Anweisungen ruft: „Abfalllle!“, „Drei Grad anluven“. Um ihm und mir das in der nächsten Stunde zu ersparen, stelle ich den Autopilot auf Windsteuerung, und siehe da, der Genaker steht hervorragend ruhig und aus der Kabine kommen auch keine Kommentare mehr. Man muss nur ab und zu aufpassen, dass der Kurs-über-Grund nicht zu weit verändert wird, dann fährt man mit der Windsteuerung auf langen Strecken einfach perfekt.

    Unbekannte Wesen?

    Es ist leicht bewölkt, aber der Wind scheint sich bei ca. zehn Knoten zu stabilisieren, ideale Bedingungen. Ich bereite schon mal alle Geräte darauf vor, möglichst schnell ins hoffentlich starke (Inter-)Netz zu kommen, wenn wir in der Nähe von Sardinien sind, damit wir Mails, SMS und Wetterberichte bekommen, Nachrichten von daheim, und dank der Wetterberichte entscheiden können, ob wir in Carloforte bleiben, weil kein Wind ist, oder ob wir weiter segeln nach Bizerte. Wie es aussieht, ist heute Nacht der Wind günstiger als in den nächsten Tagen, also geht es weiter, und wir verabschieden uns in zwei Stunden wieder aus dem Netz. In Bizerte können wir im extra eingerichteten Besprechungsraum extensiv surfen, dann folgt auch der Rest des Logbuchs.

  • Auf Testfahrt übers weite Meer

    Samstag, 17. Juni 2017, Baro 1004, sonnig, warm, Wind NW zunächst noch leicht

    Sonnenaufgang über LGM

    Um fünf Uhr weckt mich Volker, jetzt wollen wir endlich ablegen. Nach den arbeitsreichen Tagen der letzten zwei Wochen haben wir jetzt zwei Wochen frei, bevor wir uns am 3. Juli in Canet-en-Roussillon einfinden müssen, damit dort die Hexe aus dem Wasser kommt. Es sollen zwei neue Lagen schwarzes Antifouling gestrichen werden, weil sich das graue, das wir bisher drauf hatten, unerwarteterweise viel zu schnell mit Bewuchs zugesetzt hatte. Außerdem soll dort das Mastproblem gelöst werden, aber bis dahin machen wir eine erweiterte Probefahrt. Ziel ist noch einmal Bizerte in Tunesien, das hat uns so gut gefallen, und es gibt noch viel anzuschauen. Auf dem Weg können wir alle Systeme an Bord ausprobieren und hoffentlich keine Fehler mehr finden.

    Entfernung bis Südsardinien: 320 Seemeilen!

    Im Moment ist der versprochene Wind offensichtlich noch im Bettchen, im Löwengolf sind für heute 5 – 6 Windstärken angekündigt, hier sind 1 – 2. Aber das kommt sicher noch, Volker will Wind! Die erste Stunde sind wir motort, jetzt ab der Espiguette-Boje, segeln wir mit leichtem raumen Wind und über sechs Knoten Fahrt. Volkers Schrubb-Aktion mit dem Dinghi an unserem bewachsenen Unterwasserschiff hat sich gelohnt!

    Nach der Hitze gestern: Der Skipper mit Mütze

    Wir werden bald das Telefonnetz verlieren, weitere Berichte kommen erst wieder ab Sardinien. Wir wünschen ein schönes sonniges Sommerwochenende!

  • Gewitter in LGM

    Und das nicht nur heute Abend, als sich die Wolken hoch auftürmten und es eine Stunde lang ganz schön viel Süßwasser auf die Boote fiel. Glücklicherweise blieben Blitz und Donner in der Ferne, nach den Erfahrungen mit den Blitzschäden auf unserem Boot brauchen wir das so schnell nicht wieder. Am liebsten nie wieder.

    Der Schwarzwassertank

    Gewitter gab es heute Morgen auch bei Outremer, als nämlich um 10 Uhr noch immer niemand an Bord aufgetaucht war zum arbeiten, hat Volker dort für ein kleines Unwetter gesorgt. Das hatte dann aber auch seine Folgen: Malik vom Plumbing kam, um die Schwarzwassertankanzeigen zu richten, jemand von Volvo, um das Motorenproblem zu beheben, für Laurent hatten wir noch einen Kratzer und ein Loch im Gelcoat entdeckt, auch Régis, der Elektriker, hatte im Bad zu tun.

    neue Luke
    Die Luken sind abgeklebt

    Matthieu musste zuerst die fälschlicherweise aus einer nicht zu unserem Boot gehörenden Charge eingebauten Fenster wieder aus-, und unsere alten Fenster vorübergehend wieder einbauen, um sich sodann dem Schleifen der Rumpffenster von innen zu widmen. Kurz, auf einmal war die Hexe voller Menschen, die sich um ihre Sorgen und Probleme kümmerten.

    Dank Gretas Lineal kann ich auch gerade schneiden

    Wir beide waren derweil auch nicht faul, Volker hat vom Dinghi aus das Unterwasserschiff zwischen den Rümpfen vom Bewuchs befreit: „Dein Boot ist ganz schön groß, wenn man es pflegen muss!“, sagt er zu mir, in so einem Fall ist es halt immer mein Boot. Ich habe derweil die Antirutschunterlagen für unseren Teppichboden zurecht geschnitten, jetzt liegt der auch fest auf dem Boden und niemand muss mehr mit dem Teppich ausgleiten. Gut, dass unser Patenkind Greta uns zu Abreise ein Darmstadt-Lineal geschenkt hat, ich brauche das andauernd, nochmal vielen Dank, Greta!

    Der Sommerschnitt

    Am Nachmittag habe ich mich dann von dem ganzen Zauber verabschiedet und bin zu meiner Friseurin gegangen, ein letztes Mal soll Silvie von Sébastians Stéphan-Salon Hand anlegen und verpasst mir meinen Sommerhaarschnitt, ich bin sehr zufrieden, Volker findet es zu kurz, aber es wächst ja bekanntlich wieder. Und bis ich das nächste Mal zu Silvie gehen kann, dauert ja noch eine lange Weile, da muss man schon mal auf Vorrat abschneiden…

    Regen und Sonne zugleich

    Jetzt hat der Wind gedreht, die letzten Tropfen fallen aus ein paar schwindenden Wolken und im Westen lacht die Sonne. Vielleicht finden wir ja gleich den Weg zum Fuße des Regenbogens…

  • Beach-Rugby-Turnier

    Gestern, am Samstag, ist nicht nur Larissa nach Hause gefahren, sondern auch Volker.

    Ehestreit? Trennung?

    Keine Sorge.

    Da wir jetzt u.a. wegen des Mastproblems doch noch eine Weile in Frankreich bleiben werden, fand Volker, dass wir dann auch ein Auto brauchen, um beweglich zu sein, wenn wir nicht auf dem Boot sein können. So hatte ich plötzlich einen freien Samstag, den ich zunächst zum Bootputzen und Wäschewaschen genutzt habe. Als dann aber alles glänzte, und auch die Bettdecken auf der Leine baumelten, bin ich zum nahen Strand gelaufen und habe mich, zum ersten Mal in diesem Jahr, ins salzige Mittelmeerwasser getraut. Wunderbar! Es fühlte sich richtig gut an, endlich wieder ganz weit rauszuschwimmen, und es war auch nicht so kalt wie befürchtet.

    ein ganz junger Fan

    Am Strand fand ein großes Rugby-Turnier statt, die Möglichkeit für mich, gemütlich zuzuschauen und vielleicht endlich mal die Regeln zu verstehen. Vorher habe ich noch schnell im Internet nachgeschaut, wie das in Theorie aussieht, was man darf und was nicht, und siehe da, nach ein paar Spielen war ich schon ziemlich viel weiter.

    Bei dem hiesigen Beach-Rugby-Turnier wurde in Mannschaften von fünf Menschen gespielt, Männer und Frauen gemischt, und nur zweimal fünf Minuten.

    Das Tor ist wie ein “H” geformt

    Nur? „Ja, beim Zuschauen erscheint das wenig, aber auf dem Spielfeld ist es absolut genug!“, klärte mich ein offensichtlich Eingeweihter auf. „Das ist ganz schön anstrengend, in dem weichen Sand bei diesen Temperaturen zu rennen!“, Das wäre schon mal geklärt! Ziel des Spieles ist es, den eierförmigen Ball hinter einer Linie abzulegen, die über die ganze Spielfeldbreite geht, und kurz vor dem gegnerischen Tor angesiedelt ist. Wenn das geschafft ist, kann man irgendwie auch noch versuchen, den Ball von einer bestimmten Position aus in dieses  seltsam geformte Tor zu treten, das hat aber, zumindest bei den Spielen, die ich gesehen habe, keiner geschafft. Einen Torhüter scheint es nicht zu geben, zu sehen war jedenfalls keiner.

    Voller…
    … Körpereinsatz

    Zu der Linie, um dort den Ball abzulegen,  kommt man nur durch Rennen, gepasst werden darf der Ball, der getragen oder gekickt wird, nur nach hinten, niemals nach vorne. Das Vorankommen geht – wie gesagt – nur durch Laufen mit dem Ball im Arm, und dieses versucht die gegnerische Mannschaft mit vollem Körpereinsatz zu unterbinden.

    Die Mannschaften in rot oder schwarz, die Schiedsrichter gestreift oder oben ohne

    Wenn man mal verstanden hat, worum es geht, ist das Spiel nicht schwierig zu verfolgen, und so kann ich auch auf meinem Zuschauerplatz am Strand ein paar bedeutende Bemerkungen fallen lassen, smile!

  • Der Outremer Cup

    ist vorbei, gestern gab es noch mal zwei schöne Wettfahrten, die glücklicherweise nicht wie die anderen ein Flautenpoker waren. Es wehte ein konstanter thermischer Seewind zwischen neun und elf Knoten, der unsere Hexe gut in Fahrt brachte. Die Regattamannschaft an Bord gab alles bei den Segelmanövern und wir wurden mit einem 1. und einem 3. Platz bei den Wettfahrten belohnt. Besonders der erste Durchgang, bei dem wir den ersten Platz belegen konnten, war eine perfekte Wettfahrt. Nach einem perfekten Start führten wir das Feld an, segelten eine fehlerfreie Kreuz zur Luvtonne, der Code D ging nach oben und mit über neun Knoten ging es ab zur Leetonne. Dort wurde fehlerfrei schnell gehalst und mit einigen hundert Metern Abstand waren wir das erste Boot im Ziel. Das bedeutete für uns eine Superleistung, war es doch unsere erste Regatta mit der neuen Hexe und die erste Wettfahrt mit einem Katamaran überhaupt. Gefeiert wurde anschließend ein bisschen im Hafen, doch für einen Großteil unserer tollen Crew war es bald danach an der Zeit, den Heimweg anzutreten – das lange Himmelfahrtswochenende ging zu Ende.

    Bei der anschließenden Siegerehrung wurden wir gleich zweimal aufgerufen. Zum einem haben wir die französische Jury beim Kochwettbewerb überzeugt und einen herausragenden 3. Platz gewonnen und zum anderen wurden wir stolze Dritte in der Gesamtwertung.

    Gestern Abend hatten wir dann noch ein sehr schönes Abendessen mit Astrid, Jörg, Liz, Bill, Maren und Mattgias, und dann war echt die Luft raus. Wir waren soooooo müde und sind einfach nur noch ins Bett gefallen, denn heute morgen standen die Outremer-Handwerker schon wieder um sieben Uhr am Schiff.

    Der Salon ist abgeklebt

    Jetzt ist das Team von Outremer wieder am Start, um die Arbeiten fortzusetzen und das Schiff ist wieder wie einen Baustelle. Es soll ja weiter gehen…

    (Weitere Bilder folgen, wenn ich wieder an den Photoapparat und die Kabel komme.)

  • Regattabilder

    Auch der zweite Tag der Regatta war gestopft voll mit Eindrücken, Wettfahrten, einem sensationellen Mittagessen, gekocht von den Star-Köchen aus dem Restaurant “Frenchie” in Paris, und einer jetzt schon legendären Party am Abend. Zuviel zum Erzählen, deshalb hier viele Bilder:

  • Die Jungfernfahrt der Hexe

    So, das komplette Logbuch steht unter dem 28.4.2017 “Wir sind los!”. Und der Film ist fertig geschnitten, und auf Youtube hochgeladen, wer will, kann ihn hier anschauen:

    Die Jungfernfahrt der Hexe

  • Ohne Land

    Sonnenuntergang auf See

    Seit Dienstag Mittag waren wir sozusagen auf See, erst am Freitag um 17:00 Uhr hatten wir wieder festen Boden an den Festmacherleinen. 75 Stunden haben wir auf unserem schwimmenden Zuhause verbracht, davon zwei Nächte vor Anker. Seit wir keinen Bordhund mehr haben, müssen wir ja nicht mehr dreimal am Tag spazieren gehen, also bleiben wir einfach an Bord und joggen von Rumpf zu Rumpf.

    Land: Die Ile des Embiez

    Gefühlt ist das völlig in Ordnung, so sehr, dass wir gestern Abend, abgesehen von dem kurzen Besuch beim Hafenmeister und im nahe gelegenen Supermarkt, einfach an Bord geblieben sind, in der plötzlich aufgetauchten Abendsonne mit einer Flasche Champagner und den gerade erstandenen leckeren Erdbeeren die Überfahrt gefeiert haben. Und eigentlich wollten wir uns dann nur für ein Stündchen ausruhen, anschließend ein bisschen über die Insel laufen, und irgendwo nett zu Abend essen. Volker ist um Mitternacht aufgewacht, da war es selbst für französische Restaurants schon zu spät, und ich selber erst um vier Uhr früh, um gleich nochmal einzuschlafen. Keine Ahnung, wann wir das letzte Mal zwölf Stunden geschlafen haben, aber es war wohl nötig.

    Als wir dann heute Morgen mit dem Sonnenaufgang wach wurden, hatten wir natürlich Hunger. Und der Casino-Supermarkt machte erst um 8:30 Uhr auf! Um fünf vor halb stand Volker schon mit Portemonnaie und Einkaufstasche vor der Tür, und 10 Minuten später lag ein frisches Baguette auf dem Frühstückstisch.

    Jetzt sind wir wieder unterwegs, mit Genaker und Wind von hinten segeln wir an den Calanques entlang. Leider ist die Sicht schlecht, sodass man die schöne Küste gar nicht, und die vorgelagerten Inseln kaum erkennen kann. Wieder werden wir die Nacht irgendwo vor Anker verbringen, morgen geht es dann weiter Richtung LGM.

  • Vorbei an der Tavolara

    Mittwoch, 10. Mai 2017, Baro 1009, diesig, Wind NE um 3 Beaufort
    Ankerplatz vor Arbatax 09:45 – Ankerplatz im Golfo di Arzachena im Maddalena-Archipel

    Es war eine ruhige Nacht, der Schwell der Wellen hat sich beruhigt, Boote sind auch keine mehr durch die Bucht gefahren nach der großen Fähre “Moby Tommy”, die gestern Abend für eine halbe Stunde in Arbatax festgemacht hatte. Trotzdem war ich oft wach, das ist so bei der ersten Nacht vor Anker, da schaue ich lieber öfter nach, ob draußen alles in Ordnung ist, obwohl wir natürlich einen Ankeralarm eingestellt haben.

    Sardische Steilküste

    Direkt nach der kleinen Insel werden die Segel gesetzt, Vollzeug natürlich, denn es ist nur wenig Wind vorausgesagt für heute, hier an der ostsardischen Küste. Anderthalb Stunden geht das, bei ca. neun Knoten am Wind zu kreuzen, um 11:30 ist Schicht, der Wind weht nur noch mit 3-4 Knoten. Das Meer ist glatt und die Küste leider sehr diesig, sie ist wunderschön, rau und zerklüftet, am Ende der Bucht von Arbatax stand sogar ein roter Fels im Wasser, der uns an die “Lange Anna” vor Helgoland erinnerte.

    The italian Gena

    13:30 Uhr der Wind hat gedreht und weht nun mit 5-7 Knoten von raumschots, Zeit für den italienischen Genaker. Leider sind es mehr fünf als sieben Knoten, mit den achterlichen Wellen ist das ein ziemliches Geschaukel, eine Herausforderung für das Material, Segel, Schoten, Baum, alles schlägt stark hin und her.

    Die Tavolara mit Wolke

    Wie vorhergesagt frischt der Wind am späten Nachmittag auf, um 19:00 Uhr ist er in Blen deutlich über 15 Knoten, der Genaker muss weg, dafür rollen wir die Genua zum Schmetterling aus. 19:30 Uhr refft Volker die Genua ein Stück weg, wir fahren genau mit Vorwindkurs auf die nordöstliche Spitze der Tavolara zu. Hinter der Tavolara geht der Wind kurz schlafen, um danach mit noch größerer Macht wieder anzuspringen, heissa, jetzt aber schnell reffen!

    Das Großsegel wird auf Reff 2 verkleinert, wieder verheddern sich die Reffleinen dabei, blöd, dass Reff 3 auf der anderen Seite liegt, sonst könnte man es besser anziehen, während man das Groß ablässt. Inzwischen ist es dunkel geworden, wir fahren durch die Einfahrt nach Olbia, da kommen immer die großen Fähren rein, so auch hier. Dank AIS können wir diese aber sehen, wissen, wie sie heißen, und ich rufe im VHF, bekomme die Antwort, dass sie hinter uns durchgehen, der eine ferner, der andere näher.

    Sunset bei Olbia

    Nun heißt es, sich auf die kleinen Inseln der Costa Smeralda zu konzentrieren, der eine Steinhaufen hat laut Karte ein Leuchtfeuer mit der Kennung weiß 2, 10 Sekunden, aber da leuchtet nichts mit zweimal weiß, in dem Abstand. Nur der große Leuchtturm an der Einfahrt zu Maddalena leuchtet weiß, aber mit anderer Kennung. „Da ist er“, sagt Volker, „aber der ist unbeleuchtet!“ So ein Mist, wenn da mal kein Vollmond ist, wird das wirklich schwierig.

    An der Einfahrt zur Maddalena werden nicht nur die Wellen kleiner, auch der Wind scheint ein bisschen nachzulassen. Im VHF wurden mehrfach Gale-Warnungen bis Windstärke acht durchgegeben, für Sizilien, Sardinien, Korsika und die italienische Küste. „Ich bin dafür, dass wir heute Nacht in der Maddalena ankern, und morgen früh in Ruhe weiterfahren“, gebe ich dem Skipper zu bedenken. Der lässt sich – nach einer Denkpause – darauf ein, und so suchen wir uns eine Bucht, in der wir gegen Winde aus Süd und Ost geschützt sind. Das Wasser ist zwar ruhig, aber es kommen trotzdem auch hier noch fette Böen über die Berge, locker über zwanzig Knoten, doch der Anker hält fest auf acht Meter Wassertiefe, und wir fallen todmüde um ein Uhr ins Bett nach all den Manövern den ganzen Tag lang!

  • Hätte hätte Fahrradkette

    Dienstag, 9. Mai 2017, Baro 1004, sonnig, warm, Wind W 5-6, später NO 2
    Porto Corallo 09:00 – 09:30 – 17:30 – Ankerplatz vor Arbatax 23:30, 34 sm

    ja, das Meer is blau, so blau

    Beizeiten laufen wir aus, zusammen mit einigen Booten aus der aus einundzwanzig Schiffen bestehenden russischen Flotille, die uns gestern Mittag von unserem Liegeplatz vertrieben hat. Wir haben gerade das Großsegel gesetzt, da kommt ein Militärboot auf uns zu, sagt etwas zu Volker, ich soll auf Kanal 10 hören. Nein, das ist jetzt nicht wahr! Sie haben für eine militärische Übung den ganzen Küstenabschnitt gesperrt und wir müssen alle zurück in den Hafen, oder 25 Meilen rausfahren. Da wären wir zwei Stunden früher rausgefahren, wenn wir das gewusst hätten. Und wenn wir gewusst hätten, dass es bis zum Abend dauert, bis wir rauskönnen, hätten wir wahrscheinlich auch die 25 Meilen in Kauf genommen, das hätte uns drei Stunden gekostet und nicht den ganzen Tag!

    Ein kinder-…

    Am Liegeplatz bekommen wir die Auskunft, dass es wohl so bis 13 Uhr dauern soll.  So frühstücken wir halt erst einmal gemütlich. Dann ein Update: Die Boote dürfen die Marina nicht vor 17 Uhr verlassen. Wir kramen ein bisschen rum, ich gehe nochmal zum Hafenmeister, um herauszufinden, ob wir denn nach Süden fahren könnten, dann segeln wir eben nach Cagliari.

    … und erwachsenenfreundlicher Strandabschnitt

    Aber nein, das geht auch nicht, jetzt heißt es sogar, die Übung geht bis 19 Uhr! Volker packt die Fahrräder raus, wir radeln die zwei Kilometer ins Feriendorf und den Hügel hoch, dort gibt es eine sensationelle Aussicht über das Meer. Nach einer kurzen Verschnaufpause am Strand, wo sich auch die Besatzungen der russischen Boote eingefunden haben, radeln wir zurück zum Hafen.

    16:30 dürfen wir doch schon fahren, die freundliche Signora im Hafenbüro ruft extra nochmal beim Militär an, und schwupp, sind unsere Leinen los.
    15-16 Knoten Wind aus West, wir wollen nach Norden, Halbwind, wir setzen Vollzeug, und schon läuft sie los, die Hexe. Der Wind nimmt zu auf 20, 21, 22 Knoten, “das muss sie mal aushalten”, sagt Volker, verkleinert dann aber doch die Genua, luvt ein bisschen an und freut sich über 12 Knoten Geschwindigkeit. Bei 24 Knoten Wind binden wir  ein Reff ins Groß, damit wir eine Viertelstunde später in der Flaute dümpeln. Ausreffen, klar. Dann sind es noch vier Knoten Wind, genau von vorne, ein Motor muss ran.

    Und es wird eine weitere Motorfahrt, der Wind hat sich komplett verabschiedet, mit 4 Knoten von vorne macht auch das Kreuzen keinen Spaß, wir (und die 21 russisch bemannten Boote) motoren in Richtung Arbatax, dort biegen wir ab in die Bucht. Wir schauen uns nach einem guten Ankerplatz um, es ist immer noch Schwell aus Südost, in der Mitte liegt eine kleine Felsinsel, aber die bietet nicht wirklich Schutz vor den Wellen, und so fällt der Anker schließlich, um halb zwölf, fast im ausgewiesenen Ankerfeld vor Arbatax in der Nähe eines Sandstrandes.

    Wären wir am Morgen vor dem dappischen Militärmanöver draußen gewesen, hätten wir wahrscheinlich den ganzen Tag schön segeln können. Hätte hätte Fahrradkette, war eben nicht so.