Kategorie: Leben an Bord

  • Dienstag, 9. Juni 2026, Tag 3


    Auf See, Baro 1028, Wind NO 3-4 Beaufort, die See 1-1,5 m

    In den letzten Nachtstunden hat der Wind abgenommen auf 6-7 Knoten und geraumt, dann hat er wieder zugenommen und ist spitzer geworden, aber seit es im Osten hell wird, sind wir wieder bei 13 Knoten und Wind aus Nordost. Außerdem hat es ganz leicht zu regen begonnen, das macht Manöver ziemlich unangenehm, aber Volker freut sich, wenn das Boot ein bisschen entsalzen wird. Es regnet auch nicht mehr lange.

    Sie ist kaum zu sehen hinter den dicken Tropfen von den übergekommenen Seen

    Um kurz nach sieben Uhr bekommen wir doch tatsächlich mal wieder Besuch: Eine kleine Taube setzt sich aufs Martingall! Hoffentlich  sucht die sich bald einen Weg zurück zu den Azoren, sonst müssen wir wieder aufpassen, dass sie nicht am Tage ins Boot kommt, weil das mit der Toilette nicht so klappt … Aber die Wellen vor dem Bug waren ihr doch zu unangenehm und nach einem Power Nap hat sie uns wieder verlassen.

    Um 11:00 Uhr wird ausgerefft auf Reff 1, die Genua steht voll. Bei nunmehr um die 12-15 Knoten Wind segeln wir schnell mit über neun Knoten Fahrt.

    Ich habe den halben Tag am Laptop verbracht und mich durch sämtliche Segelwetterberichte gekämpft. Am Laptop und auf dem Handy wurden immer wieder andere Vorhersagen durchgecheckt, dann die wesentlichen Modelle wie GFS, ECMWF und PWE in PredictWind rechnen lassen, in Ventusky nachgesehen, bei Windy die Route geprüft, Volker schaut immer nochmal bei Passage Weather. Fahren wir ohne Stopp direkt weiter nach Norden, oder ist es besser, auf Santa Maria bis Donnerstag Morgen zu warten, weil dann die allgemeine Windrichtung besser passt? Tatsächlich ist es so, dass wir im Vergleich zwischen heute und Donnerstag fast zur gleichen Zeit ankommen sollten. Und wir würden fbeihnahe anderthalb Tage weniger motoren müssen. Na, wenn das keine Argumente sind, weiß ich es auch nicht.

    Das kleine grüne Boot ist die Worlddancer

    Eben haben wir ein anderes Segelboot überholt, die Worldancer 2, ein Stahlboot unter deutscher Flagge.  Volker hat mit einer weiblichen Stimme über Funk gesprochen, sie wollen auch nach Vila do Porto auf Santa Maria. 

    Zum Abendessen gibt es eine Variante der Krautfleckerln, mit kleinen Nudeln statt Kartoffeln, aber das schmeckt auch sehr lecker!

    Mit Sonnenuntergang wird der Wind immer schwächer, aber noch können wir segeln, trotz Reff 1 im Großsegel sind wir bei 80º Windeinfallswinkel mit über sieben Knoten Fahrt fast so schnell wie der Wind, der mit acht bis neun Knoten weht.

    Es ist eine dunkle Nacht, die schmale Mondsichel wird erst nach zwei Uhr früh aufgehen, vielleicht kommen wir da gerade am Ankerplatz vor Praia Formosa an. Morgen wollen wir dann einen Liegeplatz in der Marina von Vila do Porto finden, und – hoffentlich – am Donnerstag früh weiterfahren Richtung Brest.

  • Drei Ausflüge auf Madeira

    Nachdem wir diese hübsche Insel wetterbedingt erst einmal nicht verlassen wollten, haben wir uns ein Auto geliehen, um Ausflüge zu machen.

    Ich liebe Madeira, aber ich finde, dass es sehr „geknautscht“ ist. Auf auf der Fläche von nur 741 Quadratkilometern wechseln sich 140 km Küstenlinie, saftige Täler mit luftigen Höhen ab. Auf kurzen Strecken erhebt sich das Land vom Meer an der höchsten Stelle auf über 1.800 Meter. Es ist wunderschön, aber auch zeitraubend, sich durch endlose Haarnadelkurven zu schwingen. Deswegen haben die Madeirer Tunnelsgebaut, mehr als 150 davon mit ingesamt mehr als 80 Kilometern, beeindruckend!

    Am Sonntag sind wir um den westlichsten Punkt herum gefahren, vorbei an der Stelle, wo wir vorher umgekehrt sind, und weiter auf gewundenen Straßen und durch ebendiese Tunnel. Zunächst ging es bis zum Leuchtturm von Ponta do Pargo, der am westlichsten Punkt von Madeira die Schiffer auf die Insel aufmerksam macht. Bei schönstem Wetter sind wir bis zum Leuchtturm gelaufen und schauten übers Wasser Richtung Azoren. 

    Einen zweiten Stopp legten wir in Porto Moniz ein, dort. gibt es natürliche Schwimmbäder in der Vulkanlandschaft, und sie werden an diesem schönen Tag gerne von zahlreichen Menschen genutzt. Leider hatten wir keine Badesachen dabei, und das Nacktbaden ist auf dem erzkatholischen Madeira nicht so gerne gesehen, vor allem nicht an solchen Plätzen.

    Wir fahren weiter, wollen durch einen großen Tunnel wieder auf die Südseite der Insel gelangen, aber davor ist ein Monsterstau, darauf haben wir keine Lust und wir fahren wieder den gleichen Weg zurück. Auf einer kleinen Straße zur Küste hinunter versperren uns einfach zwei Kühe und zwei Kälbchen den Weg. Sie wollten sich leider nicht streicheln lassen. Das war unser erster Ausflug am 3. Juni zum Westteil von Madeira.

    Bei unserem ersten Versuch Madeira zu verlassen, hat Volker das Display seines Handys so geschrottet, dass man gar nichts mehr damit anfangen konnte. Oh je! Zum Glück hatten wir noch ein altes Nokia an Bord, auf das ich ihm mit stundenlanger Geduld und der Sim-Karte aus unserem IPad zumindest die Adressen und seinen WhatsApp Account wieder herstellen konnte. Aber am Montag macht der Apple Laden, den es glücklicherweise in Funchal gibt, wieder auf und wir fuhren hin. Das ist immerhin fast eine dreiviertel Stunde Fahrt bis zu einem riesigen Einkaufszentrum, in dem an diesem Montag kaum was los war.

    Im Apple Laden gibt es zwar schöne neue Apfel-Spielzeuge, aber für das alte 12er IPhone leider keine Scheiben mehr. Wir bekommen allerdings den Tipp, es doch mal bei dem IServices-Laden ein paar Geschäfte weiter zu versuchen. Ja, hier kann man das Display erneuern, wir schauen erst einmal auf ein paar generalüberholte IPhones 15 oder 16 an, aber schließlich entscheidet Volker, dass es sich doch rentiert, das 12er reparieren zu lassen. In einer halben Stunde sollen wir wieder kommen, da ist die Scheibe ist drin, aber es funktioniert noch nichts. Jetzt bekommt das alte Telefon noch einen Glasschutz, wieder zehn Minuten Warten, dann können wir es mitnehmen, und es soll acht Stunden dauern, bis alles wieder da ist, sonst muss es ganz zurückgesetzt werden. Es war natürlich nix da, als Volker es in den frühen Morgenstunden zur Hand nimmt, auch mehrere Wiederbelebungsversuche meinerseits hatten keinen Erfolg. Schließlich setzte ich es ganz zurück, danach baute ich es aus der Cloud wieder auf, und siehe da: Es funktioniert wieder. Der Skipper ist glücklich und ich erleichtert!

    Da wir nun schon in der Nähe der Insel-Hauptstadt sind, machen wir einen Ausflug dorthin, erfreuen uns an dem Atem einer richtigen Stadt, mit einem schönen Altstadtkern, erholsamen Parks und einer großzügigen Uferpromenade. Auf einer der großen Straßen hängen Riesen-Bananen, von Kindern angemalt, sehr schön. Wir laufen weiter, und wollen noch zu der beliebten Markthalle, aber die ist leider geschlossen, hä? Oh ja, es ist Fronleichnam, das war irgendwie an uns vorüber gegangen. So endet der Ausflug des zweiten Tages.

    Am dritten Ausflugstag, wir sind schon beim 5. Juni, gibt erst erst einmal Kunst. Von der Marina aus kann man das große graue Gebäude auf dem Hausberg sehen, in dem das Museum für moderne Kunst beheimatet ist. Natürlich war erst einmal Mittagspause, als wir dort ankamen, aber dann waren wir total beeindruckt: Für nur fünf Euro Eintritt gab es eine Vielzahl von perfekt gehängten oder platzierten Werken, auf drei großzügigen Etagen. Ein Großteil der Ausstellung widmet sich dem aus Madeira stammenden aber inzwischen in den USA lebendem Künstler „Rigo 23“. Hier gibt es mehr Fotos als Text dazu:

    Danach nehmen wir uns den Nordosten der Insel vor. Wir fahren wieder durch die Tunnels in der Mitte, diesmal in der anderen Richtung ohne Stau, dann an der wunderschönen Küstenstraße entlang, wieder hoch und runter und hoch und runter. In Santana wollen wir uns die kleinen Dreieckshäuser ansehen, und an dem einzigen noch gut erhaltenen Originalhaus empfängt uns ein freundlicher Besitzer, der als Kind schon mit seinen Eltern nach Venezuela ausgewandert war, weshalb die Verständigung für uns natürlich sehr viel einfacher wurde mit Spanisch statt Portugiesisch, wobei man sagen muss, dass hier fast jeder auch gut Englisch spricht.  Von diesen Hütten ist nur noch diese eine in einem schönen Zustand, die anderen, die es nur hier in diesem Dorf gibt, sind leider ganz verfallen. Bei dem Besucherzentrum gibt es Replikas, aber der Besitzer, dessen 90jährige Mutter in einem Anbau hinter dem Hüuschen lebt, ist stolz auf sein Original und will es auf jeden Fall schön erhalten.

    Auf der Rückfahrt durchfahren wir gefühlte hundert Haarnadelkurven bergan, bis wir auf der luftigen Höhe von 1.376 m angekommen sind, und über nicht ganz so viele Kurven wieder ins Tal Richtung Funchal und dann nach Calheta und freuen uns auf ein Abendessen und unser Sofa zum Beine hochlegen.

    Das wars von Madeira, gestern haben wir noch ein letztes Bad im Meer an der Strandpromenade genossen, seit heute morgen sind wir mit der Hexe unterwegs. Wo und wann wir anlanden werden, wird sich zeigen, aber es kommt alles in den Blog.

  • Madeira, wir bleiben?

    Vier Nächte haben wir in der schönsten Bucht von Madeira, der Ensenada de Abra geankert, bevor wir überhaupt nur ein bisschen Lust hatten, weiterzufahren. Die bunten Gesteinsformationen, die in der Sonne leuchten, die zahlreichen kleinen und größeren Höhlen, die Islas Desertas im Süden, das Gefühl unendlicher Weite und trotzdem gut geschützt zu liegen,  gegen Winde aus West bist Ost, das alles findet sich dort. Es gäbe bestimmt noch ein paar mehr Gründe, die man aufführen könnte, warum die Ensenada de Abra ein echtes Highlight ist, auch für Segler die schon an vielen schönen Plätzen dieser Welt geankert haben.

    Nur mit dem Großsegel schippern wir gemütlich mit Schiebewind in Richtung Funchal. Segeln vom Feinsten, ganz ohne Welle. Doch hat man erstmal das Kap Ponta do Garajau erreicht, ist es vorbei mit den Segelfreuden. Zu hoch sind die Berge mit ihren Windschatten, nichts geht mehr ohne Motor, das ist fast im ganzen Süden von Madeira so. Kurz vor Camara de Lobos gräbt sich der Anker wieder ein, der nächste Zwischenstopp für die folgenden zwei Tage. 

    Mit dem Dinghy geht es in den wohl bekannnten bunten Ort von Camara de Lobos. Die kleinen Gassen in der Altstadt sind gut gefüllt mit Touristen, die schöne historische Kirche lädt zu einem besinnlichen Zwischenstop ein, und die jährlich neu gestalteten Trashart-Dekoration  hängt wieder schön drapiert über unseren Köpfen. Es kommen einem gleich Begriffe in den Kopf wie Streetart oder Upcycling, denn was da in den Gassen hängt, ist wiederverwendetes Plastik, Pappe, oder Naturmaterial. Da gibt es hier ein paar Bilder dazu:

    Am zweiten Tag kaufen wir nochmal kräftig Lebensmittel ein, denn der Windbericht verspricht gute (wenn auch starke) Winde, um nach Brest zu segeln. Wir sind euphorisch, dass es endlich ein Wetterfenster für unsere Fahrt nach Norden gibt. Zuerst sollen wir gut 200 Seemeilen in Richtung der Azoren segeln, bevor wir von einem nahenden. tTiefdruckgebiet mit westlichen Winden profitieren sollen, eigentlich perfekte Vorhersagen für uns. Wir gehen Ankerauf, klarieren alles an Bord für mehrere Tage auf See, binden ein Reff ins Großsegel, um die ersten Böen abpuffern zu können, wenn wir aus der Landabdeckung von Madeira rauskommen. Aber zuerst gilt es, ca. 15 Seemeilen im südlichen Windschatten von Madeira unter Motor zu hinter uns zu bringen.

     Kaum am westlichen Ende der Insel angekommen, präsentiert sich das Meer mit weiß gespickten Schaumkronen und hohen Wellen. Der Wind steigert sich innerhalb einer halben Stunde auf bis zu 32 Knoten in Böen, die Gischt fliegt waagerecht übers Boot, das auf bis fast 13 Knoten Speed hoch am Wind beschleunigt. Klar ist, wir haben zu viel Segelfläche, wenden und laufen mit dem Wind ab. 

    Keine 20 Minuten später sind wir wieder im ruhigen Windschatten der Insel. So als ob nichts gewesen wäre, dümpelt die Hexe in der Flaute. Ich guck die Capitania an und sage, dass ich gerne noch einen 2. Versuch, mit dem 2. Reff im Großsegel wagen würde. Ein schüchternes „Ja“ kommt  über ihre Lippen …

    15 Minuten danach sind wir wieder im stürmischen atlantischen Hexenkessel unterwegs. Die Schiffsbewegungen sind jetzt etwas ruhiger, unsere Gedankenwelt nicht. Diese Art der Segelei sollen wir über 24 Stunden aushalten, Spray und Gischt überall, hoch am Wind segelnd, gegen hohe Wellen anbolzen? Brauchen wir das wirklich, müssen wir uns das nach all den Jahren Segeln unbedingt antun? Ist es das wert, bei den Bedingungen nach Norden zu schippern? Die Antwort ist nicht ganz schnell gefunden, doch sagen wir es mal so, die Vernunft siegt. Wir drehen um.

    Aber was für eine Freude ist es, zurückzusegeln. Das Schiff fliegt förmlich übers Wasser, Gleitfahrt bis 14 Knoten, man könnte schreien vor Segelfreude, was für ein Unterschied zum vorherigen Amwindkurs. Kurz darauf machen wir die Leinen in Calheta fest, dem schönen und vertrauten Hafen im Süden Madeiras. Entsalzen steht auf dem Program, wir, das Boot, das Rigg und der Geräteträger, einfach alles erhält eine wohlverdiente Süßwasserdusche.
    („Eine Stunde segeln, drei Stunden Boot waschen“, beschwert sich der Skipper.)

  • Ankunft auf Madeira

    Nach dem eher aufregenden Start waren die nächsten Stunden unserer Überfahrt nach Madeira eher unspektakulär. Segeln und motoren wechseln sich ab.

    Taube Andrea hat uns am Abend vorder Ankunft auf Madeira verlassen. Zunächst hat sie ein paar Flugübungen gemacht, dann hat sie sich getraut. Ob sie lieber auf das nahe Fischerboot mit Ziel Frankreich wollte, oder sich auf den Ilhas Desertas, den verlassenen Inseln, niederlassen will, steht in den Sternen, vielleicht ist sie ja zu den Kanaren zurückgeflogen, von wo sie abstammt.

    Wir jedenfalls haben nach 48 Stunden auf See um  11:47 in Quinta do Lorde an der Tankstelle angelegt, es waren 230 sm, davon sind wir ca. 16 Stunden gesegelt, aber eben auch 32 Stunden unter Motor gefahren. Für den nächsten, größeren Schlag wurden alle Kanister voll gemacht und die beiden Tanks wieder aufgefüllt, das waren satte 511 Euro, billig ist das Diesel hier auch nicht mit 1,87 € pro Liter.

    In der Marina wollten wir für 106 € pro Nacht nicht bleiben, sie ist nicht besonders einladend und in dem großen Hyatt Hotel ist man als externer Gast in den Restaurants auch nicht willkommen, wir sind wieder auf unseren bereits erprobten Ankerplatz in der Ensenada da Ambra gefahren, und haben mit dem Beiboot einen Ausflug zur Marina gemacht, um ein bisschen einzukaufen und uns die Beine zu vertreten. Auf dem Weg mussten natürlich wieder einige Höhlen von See aus besichtigt werden, das ist so gar nicht meins, ich finde das immer ein bisschen unheimlich.

     In dieser Nacht haben wir sehr ruhig geschlafen, außer uns war nur ein französischer Einrumpfer in der Bucht, und ein Stück weiter draußen lag eine Superyacht mit Namen Capricorn ebenfalls vor Anker.

    Viele tapfere Menschen wandern  on der Nähe der Marina bis zum Miradouro São Lourenço, einige schon früh um vier mit Stirnlampen, andere abends zum Sunset. Das sind auf dem Hinweg ca. dreieinhalb Kilometer und 220 Höhenmeter. Die „Fußfaulen ;-)) nehmen, statt alles wieder zurück zu laufen, das Wassertaxi ab dem Café bei m Leuchtturm.

    Wir machen das heute mittag bei einen Ausflug mit dem Dinghy, um die Schönheiten der Bucht aus der Nähe anzuschauen. Anfangs gab es einen größeren Schreck, an einer Stelle kurz vor dem Land, wo das Wasser so schön sprudelte und über die vorliegenden Felsen wieder ablief, ging der Motor aus, im Rückwärtsgang. Die Schaltung lies sich aber nicht mehr in neutral zurückstellen, und so konnte der Motor nicht gestartet werden. Und wir trieben immer näher auf die Strudel und Felsen zu. Jetzt schnell die Paddel nehmen und weg von dem Sog. Es war gar nicht o einfach, weil natürlich Strömung und Wind das Paddeln schwer machten, aber schließlich konnten wir an einer der zahlreichen ausgelegten Bojen festmachen, und Volker schaffte es natürlich, nachdem er den Deckel vom Motor abgenommen hatte, die Schaltung auf Neutral zu stellen. 

    Zuerst hatte ich die Schnauze voll von der Idee der Dinghy Tour, aber Volker war nicht zu erweichen, und es hat sich auch wirklich gelohnt. Die Felsformationen auf Madeira gleichen denen auf Lanzarote nicht, obwohl die Insel ebenfalls vulkanischen Ursprungs ist. Aber hier gibt es zwischendurch bunte Schichten aus dunklen Basaltformationen, rotem Tuffgestein und helleren Trachyt-Ablagerungen, wie uns nach unserem Grübeln die KI erklärt hat. 

    Wir sind mit dem Dinghy bis zum östlichen Ende der Insel gefahren, wo auf einer  kleinen vorgelagerte Insel, der Ilha do Farol der einsame Leuchtturm steht. Die Leuchtturmwärter mussten mit dem Boot hierher gebracht werden, es gibt auch Wohngebäude, jetzt wird der Leuchtturm allein mit Solar betrieben und es werden auch keine dort wohnenden Wärter mehr gebraucht.

    Tatsächlich sieht das alles, die Felsen, die Buchten, das Gestein so wunderschön aus, dass ich hunderte Fotos gemacht habe. Und die Strudel, die beim Aufschlagen der Wellen an den kleinen und großenGesteinshöhlen entstehen, sind einfach nur sensationell, und davon gibt es dann kleine Filme. Der Osten von Madeira ist in der Tat, ein echtes Naturparadies!

  • Nord, Nord, Nord

    mal auch Nordwest, aber niemals Nordost. Diese wenigen Worte beschreiben präzise die Windrichtungen in den Langfristvorhersagen, und damit offenbart sich unser Dilemma mit unserer Reiseplanung. Die nördlichen Winde wehen von Nordspanien, ausnahmslos. Damit ist der Weg Richtung Madeira/Azoren erstmal für uns versperrt, denn nur von dort könnten wir in den atlantischen Tiefdruckexpress einsteigen, der uns in den Norden bringen könnte, dem diesjährigen Sommerreiseziel. 

    Vielleicht fehlt uns nur die Lust auf 3-4 Tage hart am Wind, gegen 2-3 Meter hohe Wellen, bei 5-6 Beaufort zu segeln. Egal wie, „Hätte, hätte, Fahrradkette“, wie man so schön sagt, es bleibt uns  nur „Abwarten und Teetrinken“. 

    Oder darf es doch ein alkoholisches Getränk sein, so wie gestern Abend. Da waren wir mit Jörn und Jana in unserem neuen Lieblingsrestaurant lecker Tapas essen. Die Auswahl und die Qualität der Tapas,im La Ermita in Tías ist wirklich unerreicht. Ich könnte da jeden Tag hin, Cornelia reichen gelegentliche Besuche. Danach gab es im vertrauten Upperdeck noch ein paar leckere weiße Cavasangria, mit Früchten und ausreichend Alkohol. (Ich hab lieber ein Glas Rioja genommen, und die Früchte am Ende aus Volkers Glas gepickt.)

    Seit drei Tagen sind wir wieder auf Lanzarote, und die Sonne hat in der Zeit unserer Abwesenheit ganze Arbeit geleistet. Die Farbe der zuvor grünen Insellandschaft ist dem traditionell vertrauten, rot-braunen Farbton gewichen. Das Wetter hat sich gebessert, der nasskühle Winter ist endlich Geschichte. Jedoch, so richtig sommerlich ist es noch nicht, aber bei 23 Tagestemperatur gibt es nicht wirklich einen Grund zu jammern. (Nur der Wind könnte sich auch mal ausruhen!)

    Gestern waren wir bei Lidl einkaufen, und nachdem die Capitania in Deutschland kiloweise Erdbeeren vernichtet hat, waren wir total happy, dass nun auch dort im Sortiment kanarische Erdbeeren aus Teneriffa angeboten werden. Wir wollten leckere Marmelade davon kochen, nur Gelierzucker gibt es auf Lanzarote nicht, man macht hier keine Marmelade selbst, sagte die freundliche Verkäuferin, aber Gelatinepulver gibt es, nun muss sie nur noch fest werden.

    Gestern war ich mal wieder im Wasser zum Rümpfe Reinigen und ich muss sagen, dass das Coppercoat von mal zu mal einen besseren Bewuchsschutz bietet. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich jetzt öfter mit einem Schleifschwamm die Oberfläche und damit das Kupfer reaktiviere. So macht die Unterwasserschiffpflege Spaß und geht auch schneller vonstatten.

    Ansonsten braucht der Aufbau mal wieder eine Politur, und  das ist mein Arbeitsprogramm der nächsten Tage. Die Capitan hat sich auch Arbeit, bzw. Material mitgebracht. Ein Reißverschluss vom Cockpitzelt hat leider Zahnausfall und muss ersetzt werden. Ansonsten steht die Hexe hübsch da, nachdem ich gestern, den Saharastaub der letzten Wochen mit einem gründlichen Waschgang entfernt habe.

    Gestern war hier nicht wie in Deutschland Vatertag, nur einen Bollerwagen mit ‘ner Kiste Bier für eine Vatertagstour habe ich hier auch nicht. Es gab stattdessen einen ausgiebigen Mittagsschlaf und ein großes Eis zur Kaffeezeit, sehr schön.

  • Angeschlossen

    Die Sonne ist im Moment unser größter Freund, wenn sie endlich mal so viele Stunden scheint, wie man es für Lanzarote eigentlich erwarten kann. So sah es vorher aus:

    Da geht was

    Die guten Nachrichten mal vorab, Jan hat direkt am Anfang der letzten Woche die Solarpaneele angeschlossen. Und alles hat von Anfang an, so wie geplant, bestens funktioniert. Wir sind jetzt wirklich komplett energieautark, wenn denn die Sonne scheint. Jedoch selbst bei starker Bewölkung fließen immerhin noch 400-500 Watt in unsere Batterien. Doch wenn die Sonne am blauen Himmel steht, gibt es Sonnenenergie satt und soviel Ertrag, dass selbst die Waschmaschine Energieneutral betrieben werden kann. Es gehen dann immer noch mehr Ampere in die Batterien, als entnommen werden. Genau da wollten wir hin, mit unserer Planung und dem neuen Solarfeld. Selbst bei fast vollen Batterien fließen kraftvolle 1600 Watt, bzw. 60 Ampere Strom in die richtige Richtung. Da brauchen wir, so wie es aussieht, in Zukunft kein Landstromkabel mehr, Energieautonomie pur.

    Wir haben schon mal spaßeshalber rumgealbert, dass wir jetzt mit der Hexe ja eigentlich Strom ins Hafennetz einspeisen könnten, wenn denn die Bezahlung dafür stimmen würde.

    Aber, funktionieren oder nicht, scheint an Bord nahe beieinander zu liegen, denn vor ein paar Tagen war es mal wieder so lausig kalt und stürmisch, dass die Capitania die große Dieselheizung anschalten wollte. Ein lautes Klack, das typische Geräusch des Schalters beim Einschalten, doch es  folgt kein vertrautes Brummen unserer Webasto-Heizung, denn die tut absolut keinen Mucks. Noch nicht einmal einen abgebrochenen Startversuch. Wir gucken uns etwas ratlos an, wiederholen das Prozedere mit dem gleichen negativen Ausgang. Die Capitania bemerkt nur lapidar, dass  es ja gut sei, dass sie das mit der Heizung jetzt nochmal ausprobiert hat, bevor wir in Richtung Norden segeln. Ich kann der Situation erstmal nichts Positives entnehmen. Ich begebe mich auf Fehlersuche, nur um  mir kurz darauf achselzuckend einzugestehen, dass ich am Ende meines Lateins bin, da entweder der Fehlerspeicher der Dieselheizung weitere Startversuche vereitelt, oder die Stromversorgung durch die Sicherung unterbrochen ist. Wir packen die elektrischen Schaltpläne aus, doch irgendwie hat es die Heizung anscheinend nicht in die Schaltpläne bei Outremer geschafft.

    Die nächste Stufe sind ein paar Telefonate und Textnachrichten, mit Kevin von der Heizungsfirma in Holland, die die Webasto-Heizung im letzten September überholt hatten. Ich solle mal einen Hartreset durchführen, die Heizung mit dem Schalter anschalten und den Hauptstecker abziehen, doch das führt leider zu nix. Cornelia hat mittlerweile das Werkstatthandbuch im Internet gefunden und da steht, dass insgesamt drei Sicherungen verbaut sein müssen, und dass die große 20-Ampere-Sicherung für eine Minute gezogen werden soll, damit der Reset erfolgt und der Fehlerspeicher von der Webasto 90 Pro gelöscht wird. Nur wo verstecken sich diese vermaledeiten Sicherungen, die ich trotz intensiver Suche nicht finde. Es ist zum Haare raufen.

    Ich rufe Jan an, er kommt und findet Gott sei Dank, nach langer Suche die Sicherungen in einem eigenen Kasten im Motorraum, wo auch die Heizung hängt. Wir kontrollieren alle Sicherungen, keine davon ist durchgebrannt. Dann ziehen wir  die Hauptsicherung für eine Minute ab. Anschließemd startet die Heizung wieder, beginnt zu heizen und schaltet sich nach zwei Minuten ab. Der Vorgang wird natürlich mehrfach wiederholt, immer mit demselben Ausgang. 

    Teileliste für Webasto-Heizung

    Auf Anraten von Uli sollen wir bei diesen Thema ruhig einmal die künstliche Intelligenz im Internet befragen, er hätte damit sehr gute Erfahrung gemacht. Wir fragen also so: „Webasto Pro 90 Dieselheizung startet und schaltet sich nach zwei Minuten wieder ab“. Die KI gibt folgende Lösungsmöglichkeiten vor: Luft in der Dieselleitung, Dieselpumpe defekt, Umwälz-Wasserpumpe funktioniert nicht, Brennervlies verunreinigt. 

    Wie geht es weiter? Das mit dem Brennervlies, der Dieselpumpe und der Luft in der Leitung schließen wir aus. Warum? Die Heizung läuft für zwei Minuten, mehrmals, also bekommt sie Diesel und man hört die Dieselpumpe ticken. Das Brennervlies ist im September erneuert worden und verschmutzt nicht so schnell mit Ablagerungen aus der Verbrennung. 

    Es bleibt nach unserer Ansicht nur noch die Umwälzpumpe, die unten an der Heizung hängt. Da sag ich zu Jan: „Wir sollten mal mit dem Hammer auf die Pumpe hauen, vielleicht hilft das.“ Er lacht und sagt, dass seine Oma auch auf alles, was nicht funktionierte, ebenfalls mit dem Hammer draufgehauen hat. Ein paar Hammerschläge später läuft unsere Dieselheizung mit dem typischen Gebrumm wieder, genau so, wie sie soll. Alle bisherigen Versuche, eine neue Umwälz-Wasserpumpe nach Lanzarote zu bekommen, sind leider gescheitert. Aber jetzt läuft die Heizung ja erst einmal. Da hatte die Capitania doch mal wieder Recht, dass es gut war, dass sie die Heizung anschalten wollte.

    Zum Schluss noch: Gestern Abend ging es dann richtig rund im Hafen. Böen mit 38 Knoten pfiffen kreischend durch den Mastenwald, was für eine Geräuschkulisse. Bei einer Messstation in Arrecife wurden für über zwei Stunden Windböen von 56 Knoten gemessen, das sind 11 Beaufort, ein Orkan.

    Ich habe auf der Stegseite, auf die wir gedrückt werden, noch ein paar zusätzliche Fender rausgehangen. Auch auf anderen Booten wurden nochmal Leinen und Fender justiert. Irgendwann in der Nacht war das Spektakel vorbei und damit endet hoffentlich eine weitere sturm- und regenreiche Zeit hier auf Lanzarote, mit untypischem Kanarenwetter. Länger anhaltende Besserung ist vorhergesagt, endlich!

  • Semana Santa ( Heilige Woche)

    in der vergangenen Woche ist viel passiert: Alle Solarpaneele sind im Rahmen montiert, und zusätzliche Kabel sind verlegt worden. Larissa und Johannes waren zu Besuch, der Capitania geht es besser, und wir haben eine kleine Ausfahrt mit der Hexe gemacht.

    Hier auf den Kanaren werden nicht nur die traditionellen, uns bekannten Osterfeiertage gefeiert. Eine ganze Woche lang wird das nahende Osterfest zelebriert, mit Prozessionen, Gottesdiensten und zahlreichen Feiertagen. Wer kann, hat frei und arbeitet nicht. 

    Dazu stellte sich auch das passende Wetter ein, bei Tagestemperaturen zwischen 23 und 27 Grad lässt es sich gut aushalten. Die Strände und Buchten sind voll mit Einheimischen und Touristen. Viel Glück in dieser Hinsicht hatte natürlich auch meine Tochter Larissa und ihr Ehemann, die sich genau diese Woche zu einem Besuch bei uns an Bord ausgesucht hatten.

    Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob Johannes auch so denkt. Denn genau in seine paar Urlaubstage fiel der Anbau der Sonnenpaneele und das Ziehen der neuen, notwendigen Kabels. Doch Johannes hat ein gutes handwerkliches Talent und dank ihm und Max gingen die anstehenden Arbeiten, gut voran. Jetzt müssen die Paneele nur noch vom Elektriker fach- und sachgerecht angeschlossen werden. Das soll sogar noch in dieser Woche passieren.

    An den arbeitsfreien Tagen haben Larissa und Johannes zahlreiche Ausflüge über die Insel unternommen und die Schönheiten Lanzarotes für sich entdeckt. Am Samstag waren sie sogar mit Cornelia zusammen auf dem schönen Kunstmarkt in Haria, und die beiden Damen kamen mit neuem Ohrschmuck zurück.

    Am selben Tag blieb sogar noch genügend Zeit für einen kurzen Ausflug mit der Hexe zur Ankerbucht. Die Wassertemperatur liegt wieder bei erträglichen 20-21 Grad und der blaue Atlantik lud zum Baden ein. Die Jugend war sogar über 20 Minuten lang im kühlen Nass. Die kleine Ausfahrt beginnt:

    Larissa hat, nach ein paar Übungsmanövern, den Kat dann bravourös an unserem Liegeplatz angelegt. Hat sie da das Talent von mir geerbt?

    Cornelia kämpft sich wacker langsam in ihre  alte Form zurück. Sogar abendliche Ausflüge ins Restaurant oder ins Upperdeck sind hin und wieder möglich. Seit heute macht sie sogar morgens wieder leichte Yogaübungen. 

    Übrigens, der Ostermontag ist seltsamerweise in Spanien kein Feiertag. Wenn man im Netz nachschaut, warum der Ostermontag gefeiert wird, findet man man auch nur die Antwort, dass dieser Feiertag, als eine Ergänzung zum Ostersonntag, die christlichen Osterfeierlichkeiten verlängert. Dafür ist in Spanien der Gründonnerstag bereits arbeitsfrei.

  • Und schon wieder …

    fing die Capitania ab Mitte März an, mit eindeutigen Erkältungsanzeichen rumzulavieren. Schleimlöser, Inhalieren, Hustentropfen, das ganze Programm. Röchelnd, schnäuzend und hustend, die Krankheitssymptome bannen sich immer mehr ihren Weg. 

    Blumenmeer – ein kurzer Ausflug mit Axel und Petra

    Ab dem 19. März ist dann meine Liebste wieder richtig krank, mit hohem Fieber und Schüttelfrost. Genau an dem Tag, an dem unsere lieben Freude Axel und Petra hier an Bord zu Besuch kommen. Die nächste Nacht ist die Hölle, am nächsten Morgen geht es Cornelia noch schlechter. Sorgenvoll kreisen meine Gedanken um sie. Es bleibt keine Wahl, der Entschluss steht fest, ich muss Cornelia in fachlich-medizinische Hände übergeben. Nach ein bisschen Widerstand (Volker hat mich gefragt, was ich tun würde, wenn er so krank wäre), gibt sie sich geschlagen und stimmt zu. 

    Im Krankenhaus angekommen, bestimmen die gravierenden Symptome den vorgegebenen Weg. Die Ärzte weisen Cornelia auf die Intensivstation ein, dort wird sie rund um die Uhr medizinisch überwacht und ganze vier Tage lang betreut. Nicht nur die Atemwege sind betroffen, es hat sich eine Sepsis ausgehend von einer Nierenentzündung in ihrem Körper ausgebreitet, die, dank der schnellen und zielgerichteten Entscheidung des Intensivmedziners, mit Anitbiotikahämmern aus der WHO Reserveliste behandelt wird. Dann bessert sich glücklicherweise ihr Zustand langsam und damit mein Seelenleben auch. 

    Doch es dauert noch weitere sechs Tage, bis meine Liebste wieder zurück an Bord ist. Was für ein Wahnsinn, aber auch was für ein Glück, dass solch kompetente Ärzte im Hospiten in Puerto del Carmen die Weichen in die richtige Richtung gestellt und damit das Leben der Capitania, buchstäblich gerettet haben. 

    Unser tiefer Dank gilt Dr. Carlos und Dr. Enrico (sie haben sich so vorgestellt, die Nachnamen kennen wir wirklich nicht), dem gesamten engagierten Pflegepersonal, unserem Freund Peter, der uns aus den Bahamas allzeit ärztlich beratend zur Seite gestanden hat, unseren beratenden und mitfühlenden (Doktoren)-Kindern und unseren Freunden, die uns liebevoll ihre Anteilnahme spüren ließen.

    Jetzt müssen wir uns erstmal erholen, die Capitania mehr körperlich und ich mich mehr vom Schlafmangel und der Aufregung der letzten Tage. Segeln steht in der nächsten Zeit eher noch nicht auf dem Programm, dafür ist es zu früh.

    Doch es gibt auch Gutes zu vermelden: Der Geräteträger für die neuen Sonnenpaneele ist lackiert und installiert und sieht, wie ich finde, total schick und elegant aus. Bald kommen die Solarzellen an ihren vorgesehenen Platz, und dann sind wir, wenn alles stimmt wie berechnet, komplett energieautark. 

  • So schlecht

    Um es kurz zu machen, das Wetter ist weiterhin schlecht und in den nächsten acht Tagen wird sich nichts ändern. Kalt, regnerisch und ab morgen für drei Tage wieder stürmisch. Abends  mal schön irgendwo in einem Restaurant zum Essen draußen sitzen, kann man vergessen, bei 15 Grad und Wind macht das keinen Spaß. Puerto Calero ist abends normalerweise ein Ort, an dem Touristen schön gedressed an der Promenade lang schlendern, seit Tagen ist alles halb verwaist. Der zweimal wöchentlich stattfindende Wochenmarkt findet entweder garnicht oder nur mit ein paar tapferen Ausstellern statt. 

    Cornelias Husten hat sich bei dem Mistwetter weiter manifestiert und trägt ebenfalls nicht zur Stimmungsaufhellung bei. Ich frage mich ja, wie es geht, dass das Wetter in Deutschland so schön und hier so schlecht ist, obwohl die Kanaren 22 Breitengrade weiter südlich liegen. Und nicht nur Deutschland, sondern auch der gesamte Mittelmeerraum profitiert von einer Wetterlage, die dieses warme, sonnige und frühlingshafte Wettermodell begünstigt. Nur der Atlantik hat hier das Nachsehen. Tiefdruckgebiet reiht sich an Tiefdruckgebiet, und kalte nördliche Luftströmungen vermiesen uns hier das eigentlich übliche warme Wetter. Von uns aus kann hier alles grünen oder blühen, wie es will, wir würden ein warmes und  trockenes Lanzarote in den üblichen Brauntönen bevorzugen. Wenn wir das Kopfkino anschalten, buchen wir schon unsere Rückflüge in den warmen und sonnigen Norden, verkehrte Welt! 

    Weniger weit als gedacht, wegen – ich weiß es nicht – ist leider auch der Geräteträger für die neuen Solarpaneele. Das Grundgerüst ist schon seit zwei Wochen geschweißt, die Stützen sind noch nicht angefertigt und der Anstrich ist noch nicht erfolgt.

    Im April wollen wir los segeln, egal ob das Ding bis dahin fertiginstalliert ist oder nicht Zur Not klebe ich ein paar Solarzellen aufs Biminidach und schließe die an die Aussensteckdose an.

    Heute habe ich damit begonnen, die Rümpfe unter Wasser mal wieder zu reinigen. Trotz 17 Grad Wassertemperatur merkt man, dass der Frühling zumindest unter Wasser angekommen ist, der Bewuchsdruck gegenüber den Wintermonaten steigt. In anderthalb Stunden habe ich gerade mal einen halben Rumpf gereinigt und das Coppercoat neu angeschliffen. Algen, rote Flechten und grasähnliche schleimige Fäden haben sich am Rumpf angeheftet. Das bedeutet, dass ich in den nächsten drei Tagen ebenfalls einige Zeit im kühlen Nass verbringen werde.

    Ansonsten unterstützt Cornelia, zusammen mit anderen engagierten Frauen, eine Freundin von uns, die leider einen Schlaganfall hatte. Behördengänge, Dinge des täglichen Bedarfs, gemeinsamer Zeitvertreib und allgemeine Hilfestellungen stehen dabei im Vordergrund. So ein Schlaganfall reißt die Betroffenen von einem Moment auf den anderen aus dem normalen Leben raus, wir hoffen auf Besserung. In wenigen Tagen wird sich hoffentlich rausstellen, welche Institution auf Lanzarote weitere ambulante Hilfestellungen für unsere Freundin anbieten kann.

    Zu guter Letzt….
    Heute haben wir uns dann zusammen mit Horst und Evelyn Sahnetörtchen und Kuchenstücke einverleibt. Gekauft beim deutschen Bäcker in Tahiche, versüßen solche gehaltvolle Leckereien den Tag und lenken vom Negativwetter ab. Egal, dass es das reinste Hüftgold ist!

  • Blogpause?

    Oh Gott, wir haben echt schon ein super schlechtes Gewissen wegen der langen Blogpause, aber es ist soviel passiert. Vor drei Wochen sind wir ziemlich unerwartet nach Hause geflogen, weil eine technische Inspektion an unserem Gebäude anberaumt wurde und wir da gerne dabei sein wollten. Das war vorm Karnevalswochende und den Karnevalsumzug haben wir dann mit unseren hübsch verkleideten Enkelkindern, fröhlich und ausgelassen, gefeiert. 

    Es war ja echt so kalt an dem Wochenende, dass ich mich selbst noch mit kompletter Skibekleidung gefragt habe, ob das so eine gute Idee war, nach Deutschland zurück zu fliegen. Und prompt hat es dann kurz danach, sogar noch vor Aschermittwoch, an dem ja alles vorbei sein sollte, die Capitania voll erwischt. Am Rosenmontag war Schluss mit Lustig und Tätärä. Stattdessen lag Cornelia mit 39,5 Fieber im Bett und das war auch das weniger närrische Programm der nächsten Tage. Fieber, bösartiger Reizhusten, komplette Schlappheit und rasselnde Bronchien. Trotz frühzeitiger Antibiotika manifestierte sich das Grippevirus und hielt meine Liebste für noch weitere 10 Tage fest im Schach. 

    Eigentlich wollten wir ja nur eine Woche im kühlen Deutschland bleiben. Doch so konnten wir noch den wunderbaren heimatlichen Frühlingsanfang erleben und sogar das erste Mal draußen Frühstücken. 

    Gestern fuhr uns dann unsere Tochter in der Früh zum Flughafen. Dort sah es aus wie an einem Reisewochenende zum Ferienanfang. Stau auf der Zufahrt, ewig lange Wartereihen am Check-In Schalter und das gleiche Programm beim Security-Check. Gut, dass wir so früh am Flughafen waren, denn schon nach einer kurzen Wartezeit ging das Boarding los. 

    Nach einem angenehmen Flug sind wir jetzt wieder an Bord, und das Wetter auf unsererLieblingsinsel ist deutlich schlechter als deutsche Frühling. Die Temperaturen sind wohl dieselben, aber dunkle Regenwolken ziehen aus Nordwesten heran, ein Sturmtief ist im Anmarsch. Der letzte kanarische Sturm ist gerade mal drei Tage her, bei bis zu 50 Knoten Wind  hat es ein paar unserer Zeltgummis zerrissen, die ich gestern gleich durch neue ersetzt habe.

    Ab 20 Uhr soll es regnen und feucht soll es in den nächsten Tagen weiter gehen, bei Temperaturen zwischen 13-17 Grad. Nicht schön!

    Zwischenstände zum Thema neue Solarpanels, Batterien und noch einigem mehr, folgen in Bälde, die unerwartete Blogpause ist hiermit beendet.