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  • Happy Birthday

    Volker bei wärmeren Temperaturen im Mittelmeer

    Mein Skipper hat Geburtstag, deshalb gratuliere ich ihm hier noch einmal an dieser Stelle. Im Moment sind wir ja auch leider nicht auf dem Boot, und er ist furchtbar beschäftigt, selbst heute Morgen ist er schon um sieben Uhr in der neuen Wohnung gewesen, um mit den überaus geschickten polnischen Jungs von unseren Renovierungsprofi Lukasz Blaszczyk Möbel aufzubauen und letzte Hand anzulegen. Heute Abend kommen schließlich Schlafgäste, und die ersten sollen schon mal in der neuen Wohnung übernachten. Bis dahin muss alles fertig sein, die Gardinen angebracht, der Schrank und das Sidebord sollen aufgestellt sein, und sauber gemacht werden muss danach ja auch noch. Das konnte man sich am Anfang gar nicht vorstellen, wie schön die Wohnung wird, als noch alles staubig war und nach Baustelle aussah.

    Ich bedanke mich an dieser Stelle für Euer Daumendrücken bei der Amateurfunkprüfung, es hat geholfen, ich habe bestanden, und mein neues Rufzeichen ist DO1HEX, sobald ich wieder auf dem Boot bin, werde ich es ausprobieren.

  • Schöne (Haupt)-Stadt-Momente

    Ich muss zugeben, dass ich eine gewisse Scheu vor Großstädten habe. Scheu bedeutet einfach, dass ich das Gewusel, den Verkehr, die vielen Menschen in den Straßen und die Hektik, die eine richtig große Stadt so mit sich bringt, schon ein bisschen “unheimlich” finde. Umso mehr steigert sich sich mein Reisefieber in den Tagen vor der Hinreise, das war auch diesmal der Fall.

    Reichstag

    Die Capitania macht sich über diesen Umstand immer ein bisschen lustig, da sie im Laufe ihres langen Reiselebens einiges an richtig großen Großstädten besichtigt hat. Gemeint sind damit nahezu alle Megastädte Südamerikas und denen gegenüber ist Berlin natürlich noch eher klein. Egal, für mich und in meinem Kopf ist unsere Hauptstadt megagroß. Glücklicher- und dankenswerterweise habe ich mit unserem Freund Birger einen gleichsam kompetenten wie engagierten Führer, der die Stadt und ihre sehenswerten Ecken aus dem Effeff kennt, und der sich ein anspruchsvolles Besichtigungsprogramm für mich ausgedacht hat. Cornelia war zu dem Zeitpunkt mit dem Rest der Familie zur Diplomverleihung von Leonard in der ungarischen Botschaft eingeladen. Leider war die Teilnehmerzahl aufgrund der beschränkten Räumlichkeiten begrenzt und ich konnte deshalb nicht am Festakt teilnehmen.

    Das Brandenburger Tor

    Doch Berlin und Birger haben mich umso mehr für das entgangene Ereignis entschädigt. Eine Bootsfahrt auf der Spree, der Besuch des Gendarmenmarkts, ein Spaziergang Unter den Linden und durch Tiergarten, den Reichstag und den Bahnhof Friedrichstraße runden das dreistündige Ausflugsprogramm ab. Zusammen mit dem blauweißen Himmel präsentierte sich Berlin von seiner allerbesten Seite und meine Großstadtscheu war wie weggeblasen. Ein mehrtägiger Aufenthalt mit intensivem Kneipen- und Kulturprogramm erscheint mir jetzt lohnenswert, Berlin ist mehr als reizvoll.

    Seit gestern sind  wir wieder in Darmstadt und das Chaos im Haus nimmt weiter zu, überall stehen gepackte  Umzugskartons. Nach einem Megamarathon durchs samstäglich überfüllte Möbelhaus sind wir jetzt um ein Sofa mit Schlaffunktion und ein Sideboard reicher. Nächste Woche werden wir die “Beute” abholen und im neuen Domizil aufbauen.

    Der eigentliche Umzug findet am 3. August statt, damit wir am 5. August wieder in den Süden entfliehen können.

  • Sommerloch …

    Das blaue Kajak ersetzt das große Boot

    in unserem Blog. Die nächsten drei Wochen werden wir in Darmstadt sein und bleiben. Es gibt wenig Berichtenswertes für unseren Segelblog. Klar können wir seitenweise davon schreiben, wie wir unseren Umzug vorbereiten und unser langjähriges angemietetes Zuhause gegen eine kleine Wohnung eintauschen werden, die, Stand heute, noch nicht ganz fertig renoviert ist. Spannende Zeiten für uns, nur mit Segeln hat das nichts zu tun. Eher mit unseren (Lebens-) Entscheidungen.  Und da sind wir uns sicher, dass wir noch ein paar Jahre reisend auf dem Wasser verbringen wollen. Soweit und genauso kurz ist das Fazit der nahezu drei vergangenen Jahre. Segeln, Reisen, an Bord leben und Entdecken ist das, was wir wollen, was wir immer schon wollten und was wir auch zukünftig wollen. So einfach, wie es klingt, ist es, zumindest meistens. Wir machen bis zum 5. August eine Sommerblogpause,  danach werden wir in gewohnter Manier von neuen Segelabenteuern berichten.

    “ursprünglich” könnte man das nennen

    Damit  für uns die momentanen Entzugserscheinungen vom großem weitem Meer und vom Schiff nicht zu stark sind, haben wir unser zweisitziges Kajak am Altrhein entstaubt und brechen hin und wieder zu kleinen Entdeckertouren auf dem insgesamt knapp 20 Kilometer langen Erfelder Altrhein auf. Die Wälder links und rechts des Flussufers stehen unter Naturschutz. Noch in den frühen achtziger Jahren waren die Flächen des heutigen Naturschutzgebietes landwirtschaftlich intensiv genutzt.

    Schwanenfamilie
    Gras im Altrhein

    Mehrere langandauernde Überflutungen durch extremes Rheinhochwasser führten zu einem Umdenkenkprozess, der darin mündete, dass auf eine weitere Nutzung der Flächen seitens der Landwirte verzichtet wurde.Seitdem steht  das gesamte Kühkopfgebiet unter Naturschutz.

    blaugefiederte Libellen

    In den zurückliegenden Jahren hat sich ein sehr ursprünglich anmutendes Landschaftsbild entwickelt durch das sich gemächlich der Altrhein schlängelt und windet. Man kann von einer Art Auenlandschaft, mit Wiesen, riesigen Pappeln und umgestürzten Bäumen als Kleinbiotopen sprechen. Der Fluss strömt mit gemessenen 1-1,8 Stundenkilometern dahin, Wasserpflanzen gibt es zahlreich, Schwäne, Kormorane und Enten bevölkern die Wasseroberflächen. Auffällig ist die große Anzahl an schönen gefärbten Prachtlibellen und Wasserläufern

    entwurzelte Bäume und schöne Libellen

    Glücklicherweise waren bei der Einrichtung des Naturschutzgebietes keine radikalen “Naturschutztalibane“ am Werk, die die Menschen aus dem Gebiet verbannen wollen. Ein sanfter (Öko-)Tourismus ist erlaubt. So profitieren Mensch, Tier und Fauna von diesem einmalig schönen Fleck Erde.

  • Mit gemischten Gefühlen …

    sind wir heute Morgen aus La Grande Motte abgefahren. Hier sind für die nächsten Tage schönster Sonnenschein angesagt, Badewetter in Südfrankreich, die Strände sind voller Menschen und das Meer lockt am Abend nach getaner Arbeit. In Darmstadt hingegen sind es in den nächsten Tagen nur 21 – 23 Grad, erst ab Dienstag wird es auch dort wieder richtig warm.

    Die ausgebauten Küchenschränke
    im Backbord-Rumpf
    im Salon

    Aber mehr noch sind wir natürlich in Sorge um unsere Hexe, denn ab jetzt wird hier richtig gearbeitet. Heute morgen wurden schon die beiden Küchenschränke ausgebaut, im Salon vorne Verkleidungen abgeschraubt, um den knarzenden Geräuschen auf den Grund zu gehen, ebenso der knarzenden Klappe über dem Backbord-Motorraum. Ein Türrahmen soll noch ausgebaut werden. Gestern Abend haben wir noch alles aus- und weggeräumt. Wir hatten ein richtig schlechtes Gewissen, das Boot in diesem Zustand alleine zu lassen, vielleicht fliegt Volker ja zwischendurch mal zurück, um nach den Rechten zu sehen.

    Wir jedenfalls sind auf der Autobahn, bald in Darmstadt, freuen uns natürlich auf unsere Kinder, die wir bald sehen, zur Larissas Bachelorverleihung kommen auch Allegra und Christian, und Leonard sehen wir am 21. zu seiner Diplomverleihung in Berlin.

    Das ist kein schönes Zuhause mehr: Eine ausgebrannte Motoryacht wurde in LGM gehoben

    So richtig wissen wir nicht mehr, ob wir jetzt nachhause fahren, oder ob wir gerade von zuhause weggefahren sind. Ist Zuhause in Darmstadt, wo wir jetzt demnächst das Haus aufgeben werden und in eine Wohnung ziehen, die ja noch gar nicht richtig zuhause ist, obwohl wir sie mit der Hilfe von Handwerker Lukasz uns richtig schön gemacht haben; oder schwimmt unser Zuhause doch eher in Südfrankreich auf Salzwasser?

    Vielleicht haben wir einfach zwei „Zuhauses“, jedes hat so seine Qualitäten.

  • La Grande Motte lebt

    voll auf im Moment. Es ist Ferienzeit in Frankreich, alle Hotels sind ausgebucht, der Strand ist voll und abends flanieren fröhlich vergnügte Urlauber an der Uferpromenade entlang. Ein ganz anderes Bild bietet sich uns, so kennen wir LGM noch nicht. Mit ein bisschen Wartezeit gibt es noch Platz in den zahlreichen Restaurants, der Höhepunkt der Sommerurlaubswelle ist noch nicht erreicht, erst ab Anfang August wird es richtig voll. Dann beginnen in Frankreich die Betriebsferien und wirklich fast alle starten auf einmal in die großen Ferien. Ein Verteilung so wie bei uns in Deutschland, nach Bundesländern, gibt es bei den Sommerferien nicht – frei für alle zur gleichen Zeit ist das Motto. Für die Kinder ist es genial, 8 Wochen schulfrei ist super, wie es für die Eltern ist, die sicher nicht so viele Ferientage haben, wissen wir nicht.

    Statt Fenster haben wir heute grüne Folie

    Aber noch wird regulär gearbeitet, auch bei Outremer ist von nahender Ferienstimmung im Moment nichts zu spüren. Heute morgen gab es erst einmal ein kurze Anbordbesprechung mit Stéphane und Christoph, die für den After-Sale-Service zuständig sind und direkt danach ging es los. Zuerst wurden die letzten beiden verkratzten Luken gegen neue ausgetauscht und am Nachmittag wurde das erste große ebenfalls verkratzte Plexiglasfenster ausgebaut. Morgen soll das zweite folgen und schon mit dem Wiedereinbau der neuen Scheiben begonnen werden.

    Parallel dazu habe ich angefangen, den Kat von achtern an zu polieren, Cornelia hatte Waschtag, die Altwäscheschublade war zum Bersten voll. Heute Abend zieht eine kleine meteorologische Depression über La Grande Motte hinweg und beschert kräftige südwestliche Winde. Vorhin haben wir beim Aufbau des Nachtkunsthandwerkmarktes zugeschaut. Die Händler hatte alle Hände voll zu tun, damit die Stände, bzw. deren Inhalt nicht wegflogen.

    Die Kitesurfer profitieren von der Wetterlage und viele bunte Kiteschirme beleben den wetterbedingt dunkelgefärbten Himmel. Kleine Segelboote und Surfer wuseln dazwischen herum , größere Segelboote ziehen  ihre Bahnen am Horizont, der Eisverkäufer mit seinem Karren singt seine französischen Verkaufslieder, der Strand ist bunt gefleckt von den zahlreichen Sonnenschirmen – das sommerliche Treiben ist vielfältig und bunt.

    Fliegengitter sollen die kleinen Vampire draußen halten

    Nur die Stechfliegen, die uns in der letzten Nacht zahlreich heimgesucht haben, werden heute Abend ausgesperrt, Antimückenspray wird angewendet werden, die Fliegengitter sind doppelt ausgerollt und in der Steckdose steckt ein Fliegenkiller, hoffentlich hilft das ganze Aufgebot. (Gestern Nacht hat der Skipper 14 – nicht auf einen Streich – aber in den Mückenhimmel geschickt, da konnte man heute die Wände abwaschen…)

  • Technisches Update

    Zuerst einmal eine gute Nachricht, auf dem kurzen Segelschlag nach Gruissan hat der Mast keinen Mucks mehr von sich gegeben. Das Meer war komplett ruhig und nur an der Oberfläche gab es eine leicht windbedingte Kräuselung, hin und wieder jedoch auch Schwell von passierenden Booten, trotzdem: Kein Knarzgeräusch war mehr zu hören. Heute Mittag soll der südöstliche Wind auffrischen und wir werden zu einem zweiten Testschlag aufbrechen.

    Ein weiteres Problem wurde von Pochon, unserer Elektronikausstattungsfirma, für den Moment erfolgreich behoben. Die Instrumente zeigen wieder das an, was sie sollen, der Autopilot steuert brav das Boot. Die Fehlerquelle sitzt vermutlich in unserem Raymarine UKW-Funkgerät, trennt man nämlich das Datenkabel vom Funkgerät, funktionieren alle Instrumente fehlerfrei. Sobald man das Datenkabel wieder mit dem Gerät verbindet, fallen alle Geräte wieder aus. Der einzige Nachteil ohne diese Datenverbindung ist, dass das Funkgerät keine GPS-Positon mehr hat und somit im Seenotfall- Funkverkehr keine Schiffsposition mit übermittelt.

    Das ist im Moment mühelos zu verschmerzen, wir befinden uns in keiner kritischen Situation, zumal in der nächsten Woche das defekte Funkgerät ausgetauscht werden soll. (Außerdem könnte unser neues KW-Funkgerät den Job übernehmen.)

    Auf dem Rückweg nach LGM sind wir sowieso, es gibt eine relativ kleine 20-Punkte-Liste mit Problemen und Problemchen, die von Outremer behoben werden sollen.

    Es gibt noch ‘ne frohe Kunde in die Runde. Die Hexe macht ihrem Namen wieder alle Ehre und segelt dank des glatten und sauberen Unterwasserschiffs mit dem frischen Antifouling sportlich flott durch das blaue nasse Element. Gestern war der Windeinfallswinkel ideal, immer zwischen 100 und 130 Grad und mit dem 190 Quadratmeter großen Code D sind wir so schnell wie der Wind gesegelt. So soll das ja auch sein, das entspricht dem Leistungspotenzial des Bootes, natürlich nur bis zu einer gewissen Windgeschwindigkeit. Alles andere wäre ja zu schön.

  • Funkbereit

    Seit Monaten lerne ich schon (fast) täglich für die Amateurfunkprüfung, am 25. Juli kommt der Tag der Wahrheit, um neun Uhr muss ich in Eschborn sitzen. Damit wir anschließend sofort losfunken können, haben wir bei Jörg Drexhagen von Yachtfunk.com bereits alle notwendigen Teile bestellt. Seit Mittwoch Mittag war Jörg bei uns an Bord und und hat alles akribisch eingebaut. Er kam – im Gegensatz zu dem Ersatzteil von Lorimar –  anderthalb Tage zu früh, deshalb musste der Einbau unter verschäften Bedingungen erfolgen.

    Am ersten Tag waren auch die Jungs von Agréement auf dem Boot, wieder kam ein Kranwagen, hat den Mast angehoben, von Lorimar war (mit Verspätung, Volker hat berichtet) der neue Mastfuß eingetroffen. Leider sitzt der alte Mastfuß soooo fest auf dem Deck der Hexe, dass keiner, und sei es mit großen Hebelkräften denselben bewegen konnte. Zu guterletzt hat man die ebenfalls mitgelieferte Teflonplatte auf den alten Mastfuß gesetzt, den Mast darauf gestellt, jetzt heißt es ausprobieren, ob vielleicht durch diese Maßnahme das Geräusch verschwunden ist.

    Jörg hat in diesem ganzen Gewusel absolut die Ruhe behalten, hat seine Ausschnitte in den Geräteteil unseres Kartentischs geschnitten, Kabel verlegt, das Funkgerät eingebaut, einen Spannungswandler hinter das Salonsofa gesetzt.

    Am Abend sind wir mit dem Beiboot zu „Chez Janine“ gefahren, und haben uns an leckeren Tapas ergötzt.

    Am nächsten Morgen hatte sich Thomas von Pochon angekündigt, um sich um unser Elektronik-Problem zu kümmern. Nun musste Jörg auch noch den Kartentisch mit einem anderen teilen, aber dank guter Vorbereitung hat auch das hervorragend geklappt, es musst ja auch noch der Antennentuner und die sieben Meter hohe Peitschenantenne eingebaut werden. Da wir inzwischen auf dem Trockenen standen, ein großer Kran hatte uns am Morgen aus dem Wasser gehoben, konnten wir abends leider nicht mit dem Beiboot zu Janine, aber ich habe am Spätnachmittag die Gegend mit dem Fahrrad erkundet, und festgestellt, dass in Laufdistanz „La Voile bleue“, das blaue Segel einen gemütlichen Garten und frischesten Fisch anbietet. Hier haben wir vor vielen Jahren schon mal gut zu Mittag gegessen, dort habe ich uns für den Abend einen Tisch reserviert. Nachdem wir Jörg um 19:30 Uhr überreden konnten, jetzt mal Schluss zu machen, haben wir dort wiederum einen netten Abend mit köstlichem Essen in einer sehr entspannten Atmosphäre genossen.

    Heute hat Jörg die Kupferfarbe auf den Boden unserer Motorbilge gepinselt, das Mikrophon aufgehängt, dann kam für uns eine Einweisung in Sailmail, und die verschiedenen Frequenzen, auf denen man die Funkrunden oder Wetterberatungen verfolgen kann, nun ist Jörg auf dem Weg nach Hause, wir sind um 16 Uhr mit neuem schwarzen Antifouling wieder ins Wasser gesetzt worden, und im Moment auf dem Weg nach Gruissan. Wenigstens noch fünfundzwanzig Meilen in Richtung La Grande Motte, wo wir ja am Montag sein sollen, und schließlich ist morgen der schöne Samstagsmarkt in Guissan.

  • Mit einem Tag Verspätung

    Die Segel sind abgeschlagen …

    sind wir heute Morgen um kurz vor neun in Canet-en-Roussillon angekommen. Der Grund für die Zeitverzögerung war, dass der neue Mastfuß vom Mastenbauer Lorima gestern noch nicht angeliefert war. Wir sind dadurch lieber ein Tag länger in Argeles geblieben, haben uns nachmittags am Strand gesonnt und sind ein paar Meter geschwommen. Ich habe meine erste Fischbeobachtungstour mit Maske und Schnorchel zu einem abgelegenen Unterwasserfelsen unternommen. Ein kleiner Sardinienschwarm, eine kleine schwarze Muräne und kleine Doraden, gab es zu bestaunen. Die Strände sind schon voll mit Urlaubern und ein ehemaliger Lehrer verkauft geröstete Erdnüsse (chou-chou auf französisch) und Kaffee am Strand. Schon von weitem hört man seine Klingel und das gesungene “Chou-chou”.

    Der Baum liegt auf stabilen Stützen …

    Zurück nach Canet – jetzt steht die Kiste mit den neuen Teilen vorm Boot und Agreement, die Riggfirma, bereitet alles fürs Mastanheben vor. Die Wanten werden gelockert, das Vorsegel abgeschlagen, innen im Schiff werden die elektrischen Kabel gelöst, der Großbaum wird vom Mast getrennt, ebenso das Großsegel, es gibt also reichlich zu tun für die Riggspezialisten. Die Schwierigkeit beim Mastanheben ist, dass der Mast exakt in der Senkrechten bleiben muss und deshalb ist es ideal, wenn kein Wind auf den Mast drückt. Leider ist die Windprognose nicht ganz so gut, zum Mittag hin soll es mit 5-6 Windstärken wehen. Noch sind aber alle optimistisch, dass das Projekt durchgeht. Eine weitere Herausforderung ist, dass der Mustfuß ist mit dem Deck fest verklebt ist und dieser Kleber erst gelöst werden muss, noch wird überlegt, wie das vonstatten gehen soll.

    … neben dem Mast

    Der Chef von der Firma, die fürs Antifouling zuständig ist, war auch schon hier. Evtl. wird die Hexe sogar heute Mittag schon aufs Trockene gehoben. Dann muss morgen noch Thomas von Pochon kommen, und die Elektronik wieder auf Vordermann bringen, und morgen Abend kommt Jörg Drexhagen von Yachtfunk.com, und baut zwei Tage lang die SSB-Anlage ein. Es ist also ganz schön was los!

    Egal wie, auf jeden Fall sollen wir spätestens am Samstag schon wieder segelklar im Wasser schwimmen, um am nächsten Montag in La Grande Motte einzutreffen. Also: Daumen drücken!

  • Ein massiver Sturm

    Flaches Wasser in der engen Durchfahrt am Cap Béar

    Unsere kleine vorgestrige Segeltour führte uns bei leichten Winden mit vollem Großsegel und dem italienisch bunten Code D nach Argeles, endlich ruhiges Segeln mit einer kleinen moderaten Welle. Handsteuern war angesagt, nicht nur die Navigationselektronik ist ausgefallen, der Autopilot verweigert ebenso den Dienst. Erinnert uns an gute alte Zeiten, unser erstes gemeinsames Schiff, die Optima 101 hatte keine Selbststeueranlage und damit sind wir weit hoch in den Norden, bis nach Schottland gesegelt. Geht natürlich alles!

    Die Fahrräder werden zusammengebaut

    Während ich hier diese Zeilen schreibe, wühlt draußen ein ungewöhnlicher starker Sommersturm das Meer auf, im Nachbarhafen wurden vor 30 Minuten Böen bis über 120 Stundenkilometern gemessen. Argeles Port ist glücklicherweise von einer nicht ganz so hübschen, aber dafür schützenden Appartmentanlage umgeben, sodass wir trotz dieses massiven Sturmes relativ ruhig liegen. Klar, haben wir mit doppelt geschorene Festmacherleinen, der Kat bietet eine enorm große Windangriffsfläche. Bei Böen über 8 Beaufort fängt der Mast an, in tiefen Tönen zu brummen, aber alles ist besser, als jetzt auf dem Meer zu sein. Dort geht schlichtweg die Post ab. Seit vier Tagen heizen wir wieder, morgens und spät abends ist es richtig richtig frisch im Boot.

    Mit Blumenstrauß im Gepäck

    Gegen den Wind, ohne Boot, dafür mit dem Fahrrad ging es heute morgen für mich zum Blumen und Kuchen kaufen, denn die Capitania hat Geburtstag.  Gestern habe ich schon ein paar kleinere und größere Geschenke für Cornelia käuflich erstanden. Nur beim Sommerkleidkauf musste sie leider zur Anprobe mit, damit das bunte Stück garantiert passt, auch wenn damit ein Teil der Überraschung futsch war.

    Cocktail und Kuchen

    Heute Nachmittag gibt es als Apéritif einen kleinen sommerlichen Cocktail, den uns Larissa und Johannes nahegebracht hat. Ich schreib mal auf, was drin ist, wie man den mischt, ist Geschmacksache: Limoncello-Likör, frische Erdbeeren, diese werden mit dem Zauberstab passiert, ein kleiner Teil Wein oder Sekt, das Ganze richtig gut kühlen, dann geht es ohne Eiswürfel – schmeckt sommerlich frisch und hat viele Vitamine! (Danach musste der Skipper ganz schnell einen kleinen Erholungsschlaf machen!) Für heute Abend hat das Geburtstagskind ein schönes Restaurant ausgewählt.

    Ab morgen Mittag soll der Sturm nachlassen und dann segeln wir die letzten 10 Seemeilen bis nach Canet-en-Roussillon. Am Dienstag wird der Mastschuh und der Mastfuß getauscht, am Mittwoch wird die Hexe vom Kran aus dem Wasser gehoben, um neues Antifouling zu streichen. Dann schau mer weiter!

  • Problemblues

    Das ist der Übeltäter, ziemlich zerstört

    Vor einer Stunde ist die Dyneemaleine gerissen, die das Großfall mit dem Großsegel verbindet – einfach so, nicht vorhersehbar, auf einem Amwindkurs. Das Großsegel rauschte führungslos nach unten und verharkte sich mit dem Stausack, dem Lazybag.

    Dabei fing gestern alles so verheißungsvoll an, mit der Rückfahrt nach Frankreich. Der Zoll und die Einwanderungerungsbehörde standen pünktlich vorm Schiff und kurz nach dem Ablegen setzte ein konstanter Ostwind ein.

    Das Kielwasser sprudelt bei der schnellen Fahrt

    Mit vollem Großsegel und unserem Leichtwindsegel, dem Code D, ging es rauschend übers blaue Meer. Die Meilen tickten nur so weg und um 21 Uhr am Abend hatten wir einen neuen Durchschnittsrekord. Einhundertfünf gesegelte Meilen in 12 Stunden, ein Schnitt von 8,75 Knoten. Mit wechselnden, immerhin segelbaren Winden ging es durch die Nacht bis mich Cornelia heute morgen laut rufend, mit nervöser Stimme aus der Freiwache weckte.

    Die Hexe von oben

    Nachdem wir die Situation evaluiert hatten, war klar, dass ich ganz hoch in den Mast muss, um das abgerissene Ende mit dem Großfall dran nach unten zu ziehen. Es waren zu dem Zeitpunkt noch knapp 300 Seemeilen bis nach Canet en Roussillon. Nur der Gedanke, dass ich bei rollendem und schwankendem Schiff und nur mit einem Fall gesichert die 27 Meter nach oben gehe, rief bei der Capitania eine kleine Panik hervor. Machen wir es kurz, wir haben es versucht, ich war fast, und die Betonung liegt auf fast, ganz oben, bis ich den Halt verloren habe und dabei einmal um den Mast geschleudert wurde, Gott sei Dank ohne mich zu verletzen. Im letzten Moment konnte ich mich an dem äußersten Ende des Wants festhalten und mit einer extra Leine sichern. Versuchsabbruch, direkt. Wir sind jetzt auf dem Rückweg nach Sardinien, bitter die nächtlich erkämpften Meilen wieder zurück zu fahren. In einer ruhigen Ankerbucht soll es wieder nach oben gehen, diesmal ohne Schlingerbewegungen. Wir hoffen dann eine provisorische Reparatur hinzubekommen, die es uns erlaubt, nach Frankreich zurück zu fahren.

    Mit all den großen und kleinen Problemen die wir so mit unserer Outremer haben, kommen wir uns so langsam wie Versuchskaninchen vor, die einen Prototyp ausprobieren und kein Serienschiff, sehr sehr ärgerlich.

    Blick vom Masttopp auf unsere schöne Ankerbucht

    Nun haben wir mit Bordmitteln den Block wieder mit dem Großfall und dem Segelkopf verbunden, probieren mal aus, ob es hält, und wenn alles gut geht, machen wir uns auf den Weg nach Frankreich, ab Freitag Abend tobt im Löwengolf der Mistral, da wollen wir irgendwo im Hafen oder einer gut geschützten Ankerbucht sein.