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  • Doch noch Seebeine

    24. Mai 2015, Pfingstsonntag, Baro 1013, sonnig, Wind NW zuerst 20 Knoten, apäter weniger
    Cap d’Agde 09:35 – Saintes-Maries-de-la-Mer 16:35 42 sm

    Endlich machen wir die Leinen los! Nach fünf Tagen mit Wind in Sturmstärke weht es heute angenehm und es ist auch nicht so bewölkt wie vorhergesagt, sondern die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Der Wind kam immer aus West oder Nordwest, daher hat sich draußen keine große Welle aufgebaut.

    Wegen dreier Sperrgebiete müssen wir uns entscheiden, ob wir weiter raus fahren oder unter der Küste bleiben wollen. Wir nehmen den kleinen Umweg dicht unter der Küste gerne in Kauf, da kann man auch mehr vom Land sehen, unter die See bleibt flach. Schnell fährt die Hexe mit einem Fast-Amwind-Kurs bis zum Ende des Sperrgebiets, dann kann die ganze Fock raus und wir haben Halbwind, fahren 80 Grad, noch 35 Meilen bis Saintes-Maries-de-la-Mer. Dort sollen heute und morgen Prozessionen von Zigeunern zu der Kirche stattfinden und Umzüge. Angeblich liegt man auch mitten im Ort mit dem Boot. Hoffentlich hält der Wind durch.

    12:00 Uhr: Der Wind wird immer schwächer und dreht auf Ost, der Motor muss mitschieben. Es scheint, als hätten wir Bewuchs unterm Boot, selbst bei Vollgas ist die Hexe zu langsam. Wir konsultieren die Wetterberichte, ab morgen soll es wieder Wind geben, Dienstag und Mittwoch richtig viel. Jetzt müssen wir uns entscheiden, ob wir die vor uns liegenden 28 Seemeilen motoren wollen, oder ob wir 17 Seemeilen nach Port Camargue motoren, da ist es aber nicht wirklich schön, Saintes-Maries hingegen lockt mit einer angeblich wunderschönen Altstadt…

    13:30 Uhr: So langsam hat der Wind auf Süd gedreht und wieder aufgefrischt, ich stelle die Segel auf Halbwind ein und drehe den Motor langsamer. Das weckt natürlich den Skipper aus seinem Mittagsschlaf und wir können die letzten drei Stunden bis in den Hafen segeln.

    IMG_4556 IMG_4549 IMG_4547Noch vom Wasser aus sehen wir Trauben von Menschen am Strand und auf der Mole, das hat bestimmt mit den Zigeunerprozessionen zu tun, die hier zu Pfingsten stattfinden. Richtig, im Hafenbüro erfahre ich, dass es tatsächlich eine Prozession zu Ehren der “Vierge Noir”, der “Schwarzen Maria” ist, die von den Zigeunern ans Meer und ins Wasser gebracht wird.

    IMG_4557Es sind aber auch mindestens genauso viel Touristen dabei, und der kleine Ort läuft fast über von den Menschenmassen. Offensichtlich findet im Anschluss an die Prozession eine Messe in der Kirche statt, innendrin und rund um die Kirche herum singen, tanzen und beten die Gypsies, machen Musik auf uralten Geigen, Gitarren und Kontrabässen.

    IMG_4563Später setzen wir uns auf einen Drink in eins der vielen Restaurants hier. Eigentlich besteht der ganze Ort nur aus der Kirche, der Arena, zahlreichen Andenkenläden und unzähligen Restaurants, die fast alle mit riesigen Paella-Pfannen locken, auch die Miesmuscheltöpfe und die Pizzen sehen lecker aus. Am Nebentisch sitzen zwei Frauen, die manchmal urplötzlich anfangen, rhythmisch zu klatschen und zu singen.

    An der Rückseite von Saintes-Maries, nur zwei Straßen weg von der Uferpromenade, liegt der Etang des Launes. An dessen Ufer stehen mehrere hundert Wohnwagen, die jetzt völlig ausgestorben sind, weil ihre Bewohner alle in der Kirche oder im Ort sind. Ein Fest auch für Nico: Überall liegt etwas zu essen auf der Straße!

    IMG_4653Und noch ein Fest: Dank der freundlichen Informationsversorgung durch unsere Nachbarn Gerhard und Axel (vielen Dank euch beiden hierfür) waren wir, obwohl auf See, live dabei beim 1:0-Sieg der Darmstädter Lilien über St. Pauli, und damit in der Bundesliga angekommen. Volker hat schon überlegt, ob wir die Reise abbrechen müssen, damit er bei allen Spielen in der nächsten Bundesliga-Saison dabei sein kann 😉

    Heute morgen haben wir früh abgelegt und sind jetzt, bei strahlendem Sonnenschein, mit Spinnaker unterwegs nach Marseille.

    (Bilder folgen)

  • Das war haarscharf

    Eines Geschichtenerzählers Geschichte…
    Eines Geschichtenerzählers Geschichte…

    In Cartagena haben wir so viele  Menschen aus der Seglergemeinschaft kennengelernt und zu einigen haben wir immer noch Telefon- oder Mail-Kontakt. So wissen wir, dass die australischen SeglerBarbie und Wayne mit ihrer Hanse im Moment auf Ibiza sind, ebenso wie das nette englische Seglerpaar Kevin und Liz. Viele von den Cartagena-Überwinterern wollen den nächsten Mittelmeerwinter in Ragusa / Sizilien verbringen. Ein anscheinend beliebter Hotspot bei Seglern mit zahlreichen Angeboten und Aktivitäten. So gibt es wohl Quizabende, Lagerfeuer am Strand, organisierte Ausflüge, einmal pro Woche wird gemeinsam gegrillt und zudem sind die Liegeplatzpreise sehr moderat.

    Mit Walt und Joy an dem schönsten Aussichtspunkt bei der Kathedrale von Beziers
    Mit Walt und Joy an dem schönsten Aussichtspunkt bei der Kathedrale von Beziers

    Gestern waren wir mit Walt und Joy unterwegs, einem super sympathischen Seglerpaar aus Amerika, die wir ebenfalls in Cartagena getroffen haben. Die liegen zur Zeit keine 40 Kilometer von uns entfernt, und gemeinsam haben wir Beziers erkundet. Wir waren zwar schon mal in dieser tollen alten Stadt, aber die ist es auch absolut wert, mindestens zweimal besichtigt zu werden. Das Auto haben wir in einer Tiefgarage geparkt.

    Endgeile Brillen nahe des Marktes in Beziers
    Endgeile Brillen nahe des Marktes in Beziers

    Auf dem Rückweg zum Auto lief uns eben dort ein ausgewachsener Kampfhunderüde ohne Leine und ohne Halsband über den Weg. Der war diirekt an unserem Nico interessiert und Nico hat den Kampfhund zu allem Übel auch noch angeknurrt. Ganz klar: Knurrender Nico und Kampfhundrüde werden niemals Freunde werden, bleibt nur die Flucht, oder?  Ich hatte Nico an der Leine und wollte nur noch schnell, bevor die Situation eskaliert in die Tiefgarage flüchten. Die vierbeinige Kampfmaschine wollte anscheinend auch dorthin und war die ganze Zeit dicht an Nico dran. Auch all meine Versuche, den aufdringlichen Hund mit Schreien und Tritten in dessen Magengegend zum Aufgeben zu bringen, haben nicht gefruchtet. Anscheinend kennt diese Spezies Hund keinen Schmerz. Nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir den Eingang zur Tiefgarage erreicht, auch die „Killerbestie” wollte sich durch die Stahltür in die Parkebene mit reindrängen. Gott sei Dank hat Walt ihm die Stahltür geistesgegenwärtig vor der Nase zugeknallt und ich bin, mit Nico im Schlepptau bzw, an der Leine, zum Auto gerannt. Wir sind dann zur Stahltür hingefahren und haben Walt abgeholt, der bis dahin die Tür heldenhaft geschlossen hielt. Egal wie, ich hatte noch nie Bock auf diese Sch… Kampfhunde und frag mich, was die Besitzer an solchen Mistviechern haben. Meiner Meinung nach gehören die verboten!  Das war haarscharf am Unglück vorbei und sowas muss ich nicht noch mal erleben Punkt. Das musste jetzt mal raus.

    So heftig sprudelt das Wasser in den neun Kammern
    So heftig sprudelt das Wasser in den neun Kammern

    Danach haben wir, erleichtert und geschockt zugleich, noch einen Ausflug an den nahe gelegenen Canal du Midi gemacht und dort die einzigartige Neun-Kammern-Schleuse besucht. Neun Schleusenbecken reihen sich aneinander und überwinden 37 Höhenmeter. Es ist sehr imposant zu sehen, wenn ein Schleusentor geöffnet wird, und die Wassermassen in das Becken fluten.

    Der Kahn passt kaum durch die Schleusentür
    Der Kahn passt kaum durch die Schleusentür

    Und, als ob wir es bestellt hätten, kam eine große Péniche in die unterste Schleuse reingefahren. Das Schiff war so groß, dass zwischen Schleusentor und Bordwand fast keine Lücke mehr war. Bis es durch alle neun Kammern geschleust ist, vergeht fast ein Stunde. Absolut sehenswert.

    Gemalte Häuserfassaden in Agde
    Gemalte Häuserfassaden in Agde

    Auf dem Rückweg haben wir noch einen Halt in Agde gemacht und der Altstadt einen Besuch abgestattet. Im Gegensatz zu Beziers sind viele alte Häuser und historische Bauwerke in einem bemitleidenswerten Zustand, sodass die Stadt uns eher als ziemlich trist erschienen ist. Trotzdem haben wir an einem hübschen Platz eine kleine Brasserie gefunden und sind herausragend freundlich bedient worden.

    Nachdem wir Walt und Joy verabschiedet haben, sind wir noch in eine naheliegende Kneipe gegangen, haben eine Kleinigkeit gegessen, der Livemusik zugehört und den aufregenden Tag Revue passieren lassen.

    Heute hatten wir mal wieder großen Waschtag, nur das übliche Wäschetrockenen an Leine wurde zur Herausforderung.  Böen bis 7 Beaufort wirbelten die Wäsche ganz schön durcheinander und beinahe ins salzige Nass. Wir haben dann alles trickreich nach und nach im windgeschützten Cockpit getrocknet. Nachmittags ging es noch zum Supermarkt, alle Stauplätze sind jetzt mit Lebensmitteln und Getränken befüllt. Morgen geht es endlich weiter, der Mistral soll für ein paar Tage ausbleiben und das wollen wir ausnutzen.

    Wir sind schon sehr gespannt, ob das AIS funktioniert und unsere zurückgelegte Strecke bei www.vesselfinder.com  mitverfolgt werden kann.

    Unseren Bloglesern wünschen wir noch schöne Pfingsttage!

  • Und ewig weht der Mistral

    Ein Basteltag
    Ein Basteltag

    Schon drei Tage an Bord und immer noch nicht fort. Eigentlich war geplant, die Betontristesse von Cap d’Agde schnell achteraus zu lassen und nach Saintes-Maries-de-la-Mer zu segeln. Ein lohnenswertes Ziel, ein hübsches altes Städtchen mit kleinem Hafen, ein Treffpunkt für Künstler aus aller Welt und auch die musikalische Heimat der berühmten Gipsy Kings.

    33,6 Knoten Wind, gut, dass er von vorne kommt
    33,6 Knoten Wind, gut, dass er von vorne kommt, beim Segeln mögen wir das ja nicht so, aber im Hafen ist es besser

    Doch wenn der Mistral mal loslegt, können schon ein paar Tage oder gar Wochen vergehen, bis dem kühlen Nordwind aus dem Rhonedelta die Puste ausgeht. So liegen wir immer noch an unserem Liegeplatz, draußen heult der Wind, fauchende Böen erzeugen ein infernalisches Staccato, immerhin bei überwiegend blauem Himmel. Da hilft nur das berühmte Abwarten und Teetrinken, bei dem Wetter und der damit einhergehenden Vorhersage verlässt keiner freiwillig den Hafen.

    Alles ist wieder an seinem Platz
    Alles ist wieder an seinem Platz

    Nachdem wir angekommen sind, haben wir erst mal alles Mitgebrachte seefest verstaut, das Solarpanel wieder an seinem angestammten Platz befestigt. Ebenso die Seenotausrüstung, wie Mann- über- Bord- Boje, Rettungsring, Bergeleine, sind wieder am Heck montiert. Zu guter Letzt weht auch die schwarz-rot-goldene Heimatflagge, der sogenannte Adenauer, wieder stolz im Wind. Wir wären dann soweit, wenn uns die Wetterfee grünes Licht dazu gäbe.

    Geschafft, die roten Dreiecke senden ihre Signale und wir können sie sehen
    Geschafft, die roten Dreiecke senden ihre Signale und wir können sie sehen

    Da dem eben nicht so ist, nutzen wir die Zeit im Hafen mit all seinen Annehmlichkeiten, wie Strom-, Wasser- und Internetanschluss, d.h. die Capitania erledigt noch Restarbeiten für die Firma und assistiert mir nebenher bei so wichtigen Arbeiten,wie dem Neuverlöten unserer AIS-Antenne, jetzt sind wir auch wieder bei den anderen sichtbar.

    Der Motor sieht immer noch aus wie neu (ist ja auch ein Segelboot)
    Der Motor sieht immer noch aus wie neu (ist ja auch ein Segelboot)

    Der Wasseranschluss war auch bitter nötig, denn die vormals frisch gewachste “Außenhaut” unserer Hexe war komplett verdreckt mit rotem Saharasand, der hier bei Regen und Winden aus südlichen Richtungen seinen Niederschlag findet. Langweilig ist uns also nicht. Heute morgen kam dann noch ein freundlicher Motorenmechaniker. Jetzt hat unser kleiner 40 PS-Motor wieder frisches Motorenöl, neue Dieselfilter und für die Kühlwasserversorgung einen neuen Impeller. Der gute Volvo schnurrt wieder wie neu in seinem geräuschisoliertem Motorraum und läuft hoffentlich die nächsten Monate genau so zuverlässig und klaglos wie bisher.

    Von Monika, Paul und den drei Töchtern von der “Namastee” haben wir gehört, dass sie nach zweieinhalb Wochen Überfahrt, von den Kapverden zu den Azoren, heute wohlbehalten dort angekommen sind. Da sind wir sehr, sehr froh drüber. Zog doch am 6. und 7. Mai ein schwerer Sturm durch dieses Seegebiet, bei dem ein Katamaran sank, vier weitere Segelschiffe in Seenot geraten sind, eine Crew von Seglern mit dem Helikopter geborgen werden musste und ein sechsjähriges Mädchen nach mehreren Stunden im Wasser durch Unterkühlung starb. Tragisch.

    Es gehört trotz guter Planung und Vorbereitung einer Segelreise wohl auch immer ein Quentchen Glück dazu. Unglücke geschehen leider, ob an Land oder auf dem Wasser. Wir fühlen uns bisher immer sehr wohl und sicher an Bord, ein kleines Restrisiko besteht jedoch wie bei allem. Sei es die Autofahrt, der Gang über die Straße, die Bergwanderung oder vieles andere.

    Der Wind heult durch den Hafen
    Der Wind heult durch den Hafen

    Noch eins zum Schluss. leider hat die allzu optimistische Aussage, dass wir ab jetzt keine Heizung mehr brauchen, sich schneller als verfrüht erwiesen, als uns lieb war. Nachts bei klarem Sternenhimmel kühlt es draußen auf frische 10 Grad ab. Morgens muss dann erstmal der Heizlüfter ran, bevor wir aus dem gemütlich warmen Bett steigen.

    Es gibt also zumindest beim Wetter noch deutlich Luft nach oben.

  • Hätte hätte…

    Fahrradkette. So heißt ein relativ neues Sprichwort. Es bedeutet kurz und knapp, dass alles Rumlamentieren nichts bringt. Genau wie nach dem gestrigen Auswärtsspiel vom SV Darmstadt. Der Aufstieg in die erste Bundesliga hätte gestern beim Match gegen die Spielvereinigung Greuter Fürth perfekt gemacht werden können. Axel, Edwin, Paul, Philipp, Gerhard und ich sind gestern, sehr sehr hoffnungsvoll mit dem ( Fan)-VW Bus aufgebrochen, um das erwartete wichtige Spiel zu sehen und drei Auswärtssiegpunkte mit nach Hause zu bringen.  Aber entweder hat der Siegeswille unserer Darmstädter Lilien nicht ausgereicht oder der Fußballgott wollte die Blauweißen einfach noch nicht frühzeitig aufsteigen lassen. Jedenfalls, nach nervenaufreibenden 90 (und mehr) Spielminuten, zahlreichen Stoßgebeten und unendlich vielen Fangesängen ging das Spiel null zu eins verloren. Schade, sehr schade… Jetzt müssen wir weiterzittern und alles hängt vom letzten Spieltag am nächsten Wochenende ab. Da ist St. Pauli zu Gast beim SV Darmstadt. Wir drücken die Daumen. Denn live dabei sein, werden wir leider nicht, wir sind auf dem Weg nach Südfrankreich. Und im beinahe gleichen Maße, wie wir die Kilometer abspulen, steigt seit Lyon die Außentemperatur. Mittlerweile zeigt das Bordthermometer muggelige 30 Grad an und die Sonne brennt gnadenlos vom blauen Himmel. Hier ist der Sommer wohl schon angekommen. Da müssen wir uns erst mal drauf einstellen. In Darmstadt war es in den letzten beiden Wochen überwiegend 20 Grad. Eins scheint sicher, die Bootsheizung hat wohl erst mal Sommerpause und unser Sonnensegel wird jetzt öfter die Sonne sehen. Viele Menschen, die wir in den letzten Monaten im Süden getroffen hatten, haben uns schon vor der mediterranen Sommerhitze gewarnt. Was in der letzten Konsequenz heißt, dass viele in Spanien lebende Residenten die Sommermonate in den eher kühlen deutschen Breiten verbringen und erst im Herbst wieder in die südliche Wahlheimat zurückkehren. Wir müssen das mal ausprobieren, wie uns die Dauertemperaturen über 30 Grad bekommen werden. Hauptsache erstmal ist, dass der große blaue Pool sich aufwärmt und zum täglichem Badevergnügen einlädt. Wir sind schon sehr gespannt, unser Schiff wieder zu sehen. Noch 200 Kilomter bis zum Meer, also ein Katzensprung im Vergleich zu den bereits zurückgelegten 820 Kilomtetern. Morgen machen wir die Hexe dann wieder segelklar und montieren alles wieder dran, was wir zur Diebstahlsprävention abgebaut haben.

  • Tierische Aufregung

    IMG_1089Um das Ende gleich vorwegzunehmen, wir sind nicht losgefahren und somit immer noch in Darmstadt zugange. Das war nicht so geplant, aber wie das Leben eben manchmal so spielt, kommt es anders als gedacht, bzw. geplant. Diesmal hat unser samtpfotiger Kater Mikesch uns einen ziemlich großen Strich durch unsere Rechnung gemacht, wenn auch sicherlich nicht mit Absicht. Bereits seit vergangenem Sonntag war der kleine schwarze Stubentiger aushäusig unterwegs und kam auch nicht mehr für sein geliebtes Fressen. Das kennen wir aus den Sommermonaten, dass er den großen Abenteuerspielplatz Park gegen sein Zuhause eintauscht und dort wahrscheinlich all die Abenteuer erlebt, die ein echter Kater erleben muss.

    Doch dann der Schreck, am Dienstagabend strich Mikesch um unser Haus herum, war abgemagert, sein Fell sah fatal schlecht aus und zudem zog er das rechte Bein nach. Alle Anlockversuche schlugen fehl und ehe wir uns versahen, war die Katze wieder verschwunden und ließ uns reichlich beunruhigt zurück. Mittwoch früh fanden wir ihn dann unter der Plane vom Grill, aber abermals suchte Mikesch sein Glück in der Flucht und stürmte humpelnd und verschüchtert von dannen. Abends haben wir eine große Suchaktion gestartet, diesmal mit Unterstützung der Nachbarn und mit Erfolg. Gestern fuhr Larissa dann mit ihm zum Tierarzt und kam bald mit der schlechten Nachricht zurück, dass der Kater ein gerissenes Kreuzband hat. Gar nicht gut, diese Diagnose.

    Jetzt heißt es erstmal abwarten, Ausgangsperre für Mikesch – Wegfahrsperre für uns. Larissa ist für ein paar Tage mit Freundinnen unterwegs, wir hüten die Katze, schauen gespannt auf seinen Hinterlauf, abwarten.

    IMG_1082Zwischenzeitlich hat Nico seinen Sommerfellschnitt verpasst bekommen und sieht jetzt deutlich jünger aus. Scheinbar fühlt er sich  von der haarigen Last befreit, er wirkt um ein paar Jahre jünger und deutlich agiler.

    Der typische Vatertagsausflug fällt wegen fehlenden Bollerwagens aus. Dafür geht es heute Mittag ins historische Schifffahrtszentrum nach Mainz. Gemeinsam mit Allegra wollen wir unsere Geschichtskenntnisse auffrischen, in die Zeit der römischen Seefahrer eintauchen und danach am Rheinstrand einen Sundowner trinken. Hoffentlich geht die Sonne heute nicht zu spät unter!

    Neuer geplanter Abfahrtstermin ist der Montag.

  • Volle Kraft voraus

    IMG_1076Nicht mehr lange und es heißt wieder “Leinen los” und wir freuen uns schon mächtig darauf. Am Donnerstag wollen wir aufbrechen und mit voll beladenem Auto nach Cap d’Agde fahren und unsere unterbrochene Reise fortsetzen. Mehr als drei Wochen sind wir nun schon weg vom Schiff und es wird definitiv Zeit, neue Ziele zu entdecken. Die Anspannung zu erleben, wenn man in einen fremden Hafen reinfährt und die damit verbundenen navigatorischen Schwierigkeiten zu meistern, vermissen wir beide. Ebenso der erste Landgang durch eine schöne unbekannte Stadt, oder der ausgiebige Spaziergang an einem endlos erscheinenden Strand.

    IMG_1074Irgendwie schlagen da zwei Herzen in unserer Brust. Zum einem sind wir sehr froh, unsere Kinder, meine Mutter und die ganzen lieben Freunde zu sehen und alles von früher gewohnte an seinem angestammten Platz vorzufinden. Andererseits vermissen wir das Meer mit all seinen Facetten, die wir so bisher erlebt haben und die uns gut gefallen. Die ausgiebige Flaute mit der stillen, unbewegten, bleiern daliegenden See, der angenehme ablandige Wind ohne Welle, wenn man an der Küste entlang schippert, aber auch das wild bewegte Meer mit hohen Wellen, wenn es uns so richtig schnelllllll macht. Die See ist für uns so facettenreich und unsere kleine Lebenswelt, das Schiff, bietet uns ausreichend Lebens- und Freiraum.

    IMG_1079Wir haben unseren Vorrat an Fertiglebensmitteln aufgestockt, die man auch mal bei Schietwetter und Schräglage schnell kochen kann. Fertigsuppen, Dosengulasch-, Rouladen und eingeweckte Wurst stapeln sich neben frisch gewaschenen Kleidern, ungelesenen Büchern und DVDs im Keller.  Die Mitbringliste zum Boot hin ist fast komplett abgearbeitet, auch die Boulekugeln zum abendlichen “ruhige Kugeln schieben” stehen auch schon parat. Kurzum, wir sind bereit aufzubrechen.

    Rund 1000 Kilometer sind es bis zum Hafen, da sind wir schon mal weiter angereist und sehen der Fahrt entspannt entgegen. Wenn alles gut geht, sollten wir nach neun Stunden Fahrt den ersten Apéritif in der warmen Sonne genießen können. Dann gibt es auch wieder mehr Beiträge, schöne Bilder und interessante Videos und ihr könnt (fast) live dabei sein.

  • Wie man sich bettet…

    IMG_0125… so liegt man, ist wohl ein alter, aber dafür umso bekannterer Spruch, fast jeder kennt ihn. Diese Lebensweisheit bedeutet, dass man so lebt, wie man selbst sein Leben gestaltet. Doch wir wollen das jetzt eher mal wortwörtlich betrachten, und unser Bett im Schifff unter die Lupe nehmen. Genauer genommen das Mikroklima, das in engem Zisammenhang mit der Luftfeuchtigkeit, der Matratzenunterlüftung, den menschlichen nächtlichen Ausdünstungen und dem sogenannten Taupunkt steht. Der Taupunkt bezeichnet die Stelle, an dem die Luft nicht mehr in der Lage ist, noch mehr Feuchtigkeit aufzunehmen, diese Feuchtigkeit kondensiert dann und wird als Wassertropfen sichtbar, das nur vorab.

    Der  Mensch an sich schwitzt in der Nacht, zur Regulierung seiner Körpertemperatur sondern über zwei Millionen kleine Schweißdrüsen ca. einen halben Liter Flüssigkeit aus. Diese Flüssigkeit wird normalerweise von der warmen trockenen Raumluft aufgenommen und ist somit verschwunden. Anders auf dem Boot. Unsere Koje im Vorschiff ist relativ klein, unter unserer Matratze ist ein großer Hohlraum/ Stauraum, die Matratze liegt direkt oben drauf, ohne Lattenrost. Am Fußende grenzt unsere Vorschiffskoje direkt an den Ankerkasten und ist dort nicht isoliert. Das müsste unserer Erfahrung nach auch der kühlste Punkt an Bord und damit auch die Stelle mit dem niedrigsten Taupunkt sein. Nach jeder Nacht ist es dort unter unserer Matratze feucht, besonders, wenn es eben kühl ist, ein idealer Nährboden also für Schimmel und Spack. Damit es nicht schimmelt, müssen wir jeden Morgen konsequent unsere Matratzen hochstellen und erst  abends gehen diese wieder zurück auf ihre vollflächige Auflage. Auch eine hochvolumige Matratzenunterlage hat keine Besserung gebracht. Deswegen war es jetzt an der Zeit zu handeln. Schon länger ist die Idee gereift, einen Lattenrost selbst zu bauen. Cornelia hat noch am Tag vor unserer Abreise nach Deutschland unsere Lagerstätte fachgerecht vermessen und einen Grundriss angefertigt.

    IMG_0126Als Grundlage für unser Bastelprojekt dienten zwei Lattenroste aus dem Matratzengeschäft, die wir einfach zersägt und zu rollbaren Lattenrosten umfunktioniert haben. Die Arbeit ging mit dem richtigen Werkzeug, adäquaten Unterlagen und dank Sebastian flott von der Hand und nach vier Stunden konnte sich das Resultat sehen lassen.

    IMG_0127Damit das Ganze noch besser rollt, haben wir die Fläche geteilt und gleich zwei Roste hergestellt. Jetzt sollte das leidige Problem mit Feuchtigkeit unter unserer Matratze endgültig der Vergangenheit angehören ( wenn Cornelia richtig gemessen hat, aber daran wird wohl keiner zweifeln). Wir werden berichten!

  • Wieder DA

    Der Frühling kommt überall
    Der Frühling kommt überall

    Vor 11 Tagen hat Cornelia ein Leihauto organisiert für unsere geplante Heimreise nach Deutschland. Gewohnt flott ging es über die französischen Autobahnen nach Norden. Schon nach acht Stunden Fahrtzeit waren wir im Saarland, da komme ich her und dort wohnt noch meine Mutter. Und die Feier zu ihrem siebzigstem Geburtstag wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.

    Die Völklinger Hütte
    Die Völklinger Hütte

    Völklingen ist sicherlich keine Schönheit auf den ersten Blick, bietet aber einges an Industriegeschichte. das ehemalige Stahlwerk ist komplett erhalten und zu besichtigen. Gasgebläsehalle, Hochöfen, Handwerkergasse und Sonderausstellungen laden zu einer geführten, informativen Rundtour ein. Das Gesamtensemble “Stahlwerk” wurde zum Weltkulturerbe ernannt, die ehemaligen Arbeitsplätze dort sind seit 1984 endgültig Geschichte, aber jetzt finden dafür mehr und mehr Touristen ihren Weg nach Völklingen. Gut für die Stadt, gut fürs Saarland! Die Luft ist jetzt auch deutlich sauberer, früher lag meistens eine Dunstschicht über der Stadt. Wer also mal durch Saarland fährt und in der Nähe ist sollte, das alte Stahlwerk auf jeden Fall  besuchen.

    Zwei echte Fans
    Zwei echte Fans
    Paparazzi am Rande des Spielfels
    Paparazzi am Rande des Spielfels
    Die 98 in Action
    Die 98er in Action

    Nach zwei Tagen war es dann an der Zeit, die Heimreise ins Rhein-Main-Gebiet anzutreten. Wir wurden liebevoll und herzlich von unseren Nachbarn und Freunden empfangen und waren seit unserer Ankunft jeden Abend unterwegs. Am Sonntag mussten wir direkt auf den Fußballplatz, das vorvorletzte Heimspiel der Lilien, der Fußballmannschaft der Darmstädter (ganz oben in der 2. Liga). Fast ein wenig Freizeitstress 😉

    Baumblüte im Akaziengarten
    Baumblüte im Akaziengarten

    Unsere “Hexe” schwimmt wohlbehalten in ihrem Element, wartet wahrscheinlich ungeduldig auf neue Abenteuer, muss sich aber noch ein bisschen gedulden. Im Moment werden wir noch ein bisschen länger auf dem “Trockenen” bleiben. Deshalb wird es etwas seltener als gewohnt neue Berichte von uns geben. Wer möchte und noch nicht in unserem Mailverteiler drin ist, kann uns gerne eine Nachricht an mail@syhexe.de schicken. Wir senden dann eine kurze Rundmail, wenn unsere Reise weitergeht.

    Südfrankreich scheint weit weg, unsere ersten acht Monate an Bord sind schnell vergangen. Wer schon etwas älter ist, kann sich an die köl’sche Rockband BAP und deren Erfolgshit “Fortsetzung folgt” erinnern. Und der Fortsetzung unserer Reise fiebern wir schon entgegen.

    Im Moment zieht ein Tiefdruckgebiet  mit Starkwind durch Südhessen durch, es ist Ende April, das Thermometer zeigt kalte 10 Grad an, die Regentonne zur Gartenbewässerung füllt sich rasend schnell, die belaubten Bäume bieten tapfer dem Wind Paroli und Nico kuschelt auf dem Sofa.

  • Auf zwei Beinen

    IMG_4314Vor zwei Jahren haben wir spontan einmal einen Katamaran in Südfrankreich ausgeliehen, um zu sehen, wie das Segeln auf zwei Rümpfen, bzw.  zwei “Beinen” so ist. Und es war richtig gut, hat viel Spaß gemacht, schnelles Segeln ohne Schräglage, ohne Abstützen und es muss nicht alles penibel verstaut werden. Eben weil der Katamaran immer aufrecht segelt. Wir hatten ein sportliches Exemplar (eine Catana 47) gemietet, die von den Segelleistungen im allgemeinen wirklich nicht schlecht war. Bei 18-20 Knoten Windgeschwindigkeit lief das Schiff mit Großsegel und Gennaker schon mal 13 Knoten, einfach so. Ein echter Spaß.

    IMG_4303Nur, man spürt die Geschwindigkeit nicht wirklich; dieses Gefühl, das der Franzose so präzise und  richtig als “Sensation des Segelns” beschreibt, geht leider ein bisschen verloren. Und das finde ich schade, ich mag es, wenn ich die Kraft des Windes deutlich spüre, wenn sie auf das Segelboot einwirkt, wenn der Druck des Windes sich in Schräglage und spürbare Geschwindigkeit verwandelt. Eben, wenn es zur “Sensation” wird, unsere Hexe zu steuern. Cornelia mag eher das ausgewogene Seeverhalten des Katamarans, den großen Lebensraum mit Rundumsicht, den Komfort, oder die Vorstellung, in den vorderen Netzen zu liegen und von dort aus Delfine beobachten zu können.

    IMG_9796(Boots)-Ideale hin oder her, wir mögen unsere schnittige Hexe. Trotzdem haben wir die Gelegenheit genutzt, und sind kurzerhand zu einer „ In-Wasser-Katamaran-Messe” nach La Grande Motte gefahren und haben fast einen ganz Tag lang die schwimmenden Mehrrumpfer besichtigt. Das schöne an der Messe ist, dass nahezu alle 45 ausgestellten Katamarane ohne Standpersonal ausgiebig besichtigt, begutachtet oder bestaunt werden können. Und für uns als leidenschaftliche Segler ist das schon ein Highlight, so viele Schiffe besichtigen zu können. So vergeht der Tag wie im Flug, die Zeit schreitet voran und ehe wir uns versehen, ist schon wieder ein schöner Tag vorbei.

    Für alle, die es noch interessiert: Während die Bootswerften in den letzten Jahren aufgrund schwindender Nachfrage weniger neue Schiffe, egal ob Motorboot oder Segelschiff, gebaut haben, ist die Nachfrage nach Katamaranen angestiegen. Im letzten letzten Jahr wurden über 1.000 Mehrrumpfer gebaut. Ob das wohl an der steigenden Zahl der segelnden Frauen liegt? 😉

  • Sanitaires Affairs (sanitäre Angelegenheiten)

    remeringVon Kindesbeinen an, durch die Jugendzeit hindurch und noch einige Jahre danach habe ich an einem französischen Binnensee segeln gelernt, später dort trainiert und zahlreiche Segelwettkämpfe (Regatten) bestritten. Wie viele andere saarländische Segelvereine auch, hat mein “Heimatverein”, der Segelclub Saar, kurz SC-Saar sein Vereinsgelände im benachbarten Lothringen/Frankreich. Der sogenannte Etang des Marais ist ein anspruchsvolles Segelrevier mit häufig wechselhaften Windbedingungen (bedingt durch Bäume und deren Windschatten), auf dem sich der ambitionierte Segler nach einer Weile jedoch gut zurechtfindet, taktisches Segeln erlernt, sein Bootshandling kontinuierlich verbessern kann,  kurzum ein ideales Einsteigerrevier. Neben allen für Segler notwendigen Einrichtungen, wie Steganlage, Slipbahn, Vereinshaus mit Duschen und WC, bietet das Vereinsgelände Platz für Zelte, Wohnwagen oder Wohnmobile. Der Segelclub Saar ist somit die ideale Anlaufadresse für segelbegeisterte Menschen, die gerne auf dem schön gelegenen Remeringer Weiher, im bezaubernden Lothringen, in angenehmer Gesellschaft segeln möchten. Link zum Segelclub Saar: http://www.sc-saar.de/

    Neben dem abgeschlossenen Vereinsgelände gibt es einen Campingplatz, mit typisch französischem Ambiente, nicht mehr ganz modern, aber auch nicht verfallen, nicht ganz perfekt, aber dafür mit französischem Charme. Und da kommen wir zur Überschrift, diese sanitären Angelegenheiten, dieser stille Ort, an denen es jeden mal hinzieht, kurz gesagt das französische Toilettenhäuschen. Häufig haben nach meinem Empfinden diese absolut nichts mit „La Grande Nation” zu tun. Man fand früher schon Toiletten ohne Klobrille, verschmutzte Stehklos und Duschen, an die man sich nicht erinnern will.

    IMG_4330 IMG_4337Und das war bzw. ist nicht nur auf dem Campingplatz so, sondern auch in dem riesigen Yachthafen von Cap d’Agde. Das Sanitärgebäude sieht aus, als wäre es Ende der 60er Jahre gebaut und seitdem nie wieder modernisiert worden. Zudem ist es so im Hafenensemble gelegen, dass, von manchen Liegeplätzen aus, mehr als ein Kilometer Fußweg dorthin zurückgelegt werden muss.

    IMG_4335 IMG_4333Das war in Spanien noch ganz anders, viel moderner, viel sauberer, mit ordentlichen Toilettensitzen und zeitgemäß gepflegten Duschen. Die Liegegebühren für Schiffe sollten der Hauptgrund für den Renovierungsstau wohl nicht sein. Denn die liegen auch deutlich über spanischem Niveau.

    pastis-oliveAber natürlich haben Frankreich, seine Einwohner und die nahegelegenen Sehenswürdigkeiten viel Charme, der auch uns anspricht. Vielleicht sind es der morgendliche Start mit frischem Baguette, knusprigen Croissants oder der abendliche Ausklang mit Pastis oder Vin rouge, die dieses französische Flair ausmachen.