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  • Hin und her

    15. Juni 2015, Montag, Baro 1008, sonnig, warm, Wind SSW 2-5
    Cannes 09:30 – Nizza 13:30 22 sm
    Zuerst ist kaum Wind, dann 5 Knoten. Volker will zwischen die Inseln zum Ankern gehen, denn motoren wollen wir nicht. Dann kommen 12 Knoten Wind, dann Schaumkrönchen, und nachher sind es über 20 Knoten.

    Eric und Nany von der Aruna wollen nach Menton, um von dort aus mit günstigen Winden, die hoffentlich bald kommen werden, nach Korsika zu segeln. Wir begleiten sie ein Stück, denn wir wollen noch ein bisschen in dieser schönen Gegend bleiben, ehe wir zu den Inseln übersetzen. Hoch am Wind fahren wir außen um St. Honorat herum, nach dem Gefahrenzeichen können wir langsam abfallen und dann geht es direkt vor den Wind mit ausgebaumter Fock. Leider bekommt Eric von der Marina in Menton eine Absage, und auch ich habe kein Glück in Cap-Ferrat, aber in Nizza sind noch zwei Plätze frei, also fahren wir dort hin.

    Gewitterwolken türmen sich auf
    Gewitterwolken türmen sich auf

    Drei Meilen vor der Hafeneinfahrt kommt die Fähre aus Korsika, und die hat leider Vorfahrt, also müssen wir draußen abwarten, bis der Lotse an Bord gekommen, die Fähre in den Hafen gefahren ist und die Leinen fest sind. Direkt vor Nizza ist das Meer noch über 200 m tief, und dann geht es steil nach oben. Das produziert eine unruhige See bei auflandigem Wind, kurze choppige Wellen, wir lassen das Großsegel oben, damit es uns ein bisschen Stabilität verleiht. Außerdem türmen sich gerade über den Bergen riesige Gewitterwolken auf, in denen es auch blitzt und donnert.

    Der Flughafen liegt direkt am Meer
    Der Flughafen liegt direkt am Meer

    Und vom Flughafen, der hier in Nizza direkt am Meer liegt (Start und Landung sind spektakulär), kommt das Heulen der Motoren. Schon ein bisschen gespenstig, das Ganze. Endlich sind die drei roten Lichter an der Hafeneinfahrt aus, und wir können reinfahren. Es ist unglaublich warm, deshalb bilden sich auch diese Gewitterwolken. Nico genießt die Kühle des Steinbodens im Marina-Office, als wir zum Zahlen gehen, und macht beim anschließenden. hundespaziergang schnell seine Geschäfte, damit er – nach einem kleinen Umweg an der Slipbahn für ein Hundebad – wieder ins schattige Schiff kommt.

    Restaurant mit bunt gedeckten Tischen in Nizza
    Restaurant mit bunt gedeckten Tischen in Nizza

    Um 18:00 Uhr hat es ein bisschen abgekühlt und wir machen uns auf den Weg in die Altstadt. Wir kennen diese schon von einem früheren Besuch, aber es ist ein wunderschönes Viertel mit ganz engen Gassen, in die zudem noch die Restaurants ihre Tische und Stühle stellen. Eric möchte nicht mitten auf der Straße essen, da könnte ja jeder kommen und von seinem Teller probieren wollen.

    Ein Altar in der Kirche von Nizza
    Ein Altar in der Kirche von Nizza
    Baron von Münchhausen?
    Baron von Münchhausen?

    Wir bewundern die provenzalischen Stoffe, die Süßigkeiten und die seltsamen Dinge in den Andenkenläden.

    Zum Apéritif finden wir eine wunderschön auf “altes Brauhaus” dekorierte Bar, in der wir leckeres “König Ludwig Weißbier” trinken.

    Ein Cowboy vor l'Opéra
    Ein Cowboy vor l’Opéra
    Leckere Pralinen im Schaufenster
    Leckere Pralinen im Schaufenster

    Dann geht es weiter mit dem Sightseeing: Wir schlendern durch die Straße direkt hinter der Uferpromenade mit ihren unzähligen Restaurants, können uns aber noch nicht entscheiden, wo wir essen wollen, laufen an der Opéra vorbei, noch bis zum Ende der Altstadt, und schließlich am Meer entlang zurück zum Hafen. Denn der liegt in Nizza nicht direkt neben der Altstadt, sondern – durch einen ziemlich hohen Hügel getrennt – in der nächsten Bucht. Dort finden wir das “blaue Schiff”, dessen Küchenkapitän aus Kalabrien kommt und essen mal lecker italienisch (mit Sepia-Nudeln, wie man sieht…).

    Nudeln aller Art
    Nudeln aller Art
    Die Capitania mit Lätzchen beim Spaghetti-Essen
    Die Capitania mit Lätzchen beim Spaghetti-Essen
    Nachtischzeichnungen?
    Nachtischzeichnungen?

     

     

     

     

     

     

    16. Juni 2015, Dienstag, Sonne-Wolken-Mix, Baro 1012, Wind SW um 3
    Nizza 10:20 – vor Anker vor St. Honorat 14:10, 16 sm

    Die Optis üben vor der Hafeneinfahrt
    Die Optis üben vor der Hafeneinfahrt

    Große Abschiedsszene auf der Aruna, die beiden winken uns nach, hoffentlich haben sie morgen einen guten Wind, um nach Korsika zu segeln. Unsere Wege werden sich sicher noch mal kreuzen, hier an der Côte oder auf den Inseln.
    Mit wenig Wind – wie immer am Morgen – segeln wir los. Nach einer halben Stunde und ein bisschen motoren, hat sich der Wind bei 7-8 Knoten stabilisiert, Volker hört auf, das Holz im Salon zu polieren und wir setzen den Spi. Das geht eine weitere halbe Stunde gut, dann dreht der Wind zu sehr auf die Nase, der Spi muss wieder runter und wir kreuzen bis zum Cap Gros. Unser Ziel sind die Îles des Lerins vvor Cannes, wir sind also wieder zurück nach Westen gesegelt. Die heutige Nacht wollen wir, bei angekündigt wenig Wind, zwischen den beiden Inseln Ste. Marguerite und St. Honorat vor Anker verbringen.

     

  • Der Teufel trägt Prada???

    IMG_5123So heißt der Film mit Meryll Streep, in dem sie als ehrgeizige und eher gnadenlose Chefin  einer weltbekannten Modezeitschrift auftritt. Mit einem Hang zur Extravaganz, ausgestattet mit teurer Pradakleidung, werden die Mitarbeiter von der Chefredakteurin ständig schikaniert und rumkommandiert. Ganz anders die Atmosphäre auf der Flaniermeile, der sogenannten Croisette, in Cannes.

    IMG_5140 IMG_5134 IMG_5129Ein Mode- und Schmuckgeschäft reiht sich an das andere. Bulgari ist vertrteten, direkt nebendran bietet Louis Vuiton seine neuesten Taschenkreationen feil, Dior bietet Mode im 5-stelligen Euro-Bereich zum Verkauf an. Und ganz am Anfang dieser berühmten Einkaufsstraße ist die Ware von Prada zu bestaunen. Da kostet dann das Abendkleid für die Liebste schon mal 10.000 Euro. Aber angesichts der Uhren- und Schmuckpreise von Choppard ist das eigentlich schon wieder ein Schnäppchen.

    IMG_5135 IMG_5130 IMG_5125Da geht dann nichts mehr unter 40.000 Euro. Wenn man Prada und den Teufel in Verbindung bringen will an der Croisette, dann höchstens in Form der bedruckten Preistafeln mit den teuflisch hohen Summen. Und deswegen muss die Kundschaft und die Ware von Sicherheitsdiensten bewacht werden, von Kerlen mit erstaunlich breiten Schultern. Und da soll einkaufen noch Spaß machen? Wir sind da mal ganz schnell und elegant vorbei geschlendert. Hatten jedenfalls unseren Spaß, u.a. weil die Kollektion von Gucci das Thema Bayern und Trachten aufgegriffen hat. Ziemlich kreativ, aber eben auch Geschmackssache, weil alles an den altbekannten Trachtenlook erinmert. Leider sind diese Photos auf der Datenautobahn verloren gegangen, oder hatte doch der ( Fehler)-Teufel seine Hand im Spiel???

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    Die Rich-Dog-Reisetasche
    Die Rich-Dog-Reisetasche

    Auf dem Rückweg in der zweiten Reihe haben wir einen Laden mit modischem Hundeschnickschnack gefunden. Nico hat bloß die Nase gerümpft und das Bein gehoben. Das Label hieß “Rich Dog“. War jdenfalls nicht ganz sein Geschmack.

    Abends gab es, mit David, einem englischen Segler-Kollegen noch einen kleinen Ausflug ins Irish-Pub und wir sind zufällig in ein Pubquiz gestolpert. Elf Teams sind gegeneinander angetreten, um ihr Wissen in verschiedenen Kategorien unter Beweis zu stellen. Da wir uns leider nicht mehr selbst als Rate-/Quizmannschaft anmelden konnten, haben wir die drei Jungs vom Nachbartisch tatkräftig mit unserem Wissen unterstützt. Nur in der Filmkategorie mussten wir  passen, der letzte Kinobesuch liegt schon mehr als ein Jahr zurück. Die drei jungen Herren sind auf dem 6. Platz gelandet, da ist noch reichlich Luft nach oben.

    Ich wusste gar nicht, dass Darmstadt und Cannes verschwistert sind…
    Ich wusste gar nicht, dass Darmstadt und Cannes verschwistert sind…

    Heute hatten wir dann den ersten Regen seit über drei Wochen, aber das waren nur die berühmten Tropfen auf den heißen Stein. Windböen bis 40 Knoten pfiffen durch das große Hafenbecken und ließen die Schiffe munter an ihren Leinen tanzen.Die Temperaturen sind in den moderaten 20-Grad-Bereich gefallen. Da hat man gleich Lust, mal wieder etwas Deftiges zu kochen. Auf die Töpfe, fertig los: Schnitzel mit Kartoffelbrei gab es, lecker. Und danach einen schönen kleinen eisgekühlten Jägermeister. Deutscher Abend:-)

    Morgen geht es dann wieder in den Pub zum Länderspiel Deutschland gegen Gibraltar, ein EM-Qualifikationsspiel. Und damit nicht alle denken, wir drehen hier nur Däumchen (was natürlich manchmal stimmt) war gestern mal wieder Reparaturtag. Die 12-Volt-Steckdose im Cockpit war durch das aggressive Meeressalz vollständig korrodiert. Es hat über eine Stunde und ganz viel WD-40, ein Schmiermittel, gebraucht um das defekte Teil instand zu setzen. Jetzt ist Wochenende, und dass es recht schön wird, in jeder Hinsicht, wünschen wir allen Freunden, Bekannten, Verwandten und auch den unbekannten Lesern unseres Blogs.

  • Ein paar Tage…

    werden wir in Cannes bleiben. Das hat mehrere Gründe. Wie Cornelia schon im letzten Beitrag erwähnt hat, ist Cannes so etwas wie ein Etappenziel, das wir jetzt auf eigenem Kiel erreicht, oder besser gesagt ersegelt haben. Der Blick vom Schiff auf die nächtlich-festlich erleuchtete Stadtsilhouette hat was. Der Rundgang durch die Altstadt steht ebenso noch aus wie der Besuch des Irish Pub, oder der steile Aufstieg zur Notre Dame de l’Esperance mit angrenzendem Schloss und einer Kapelle und mit dem fantastischen Ausblick über die gesamte Stadt und das Meer.

    In der Markthalle gibt es Obst und Gemüse…
    In der Markthalle gibt es Obst und Gemüse…
    Dauraden
    Dauraden
    … und Fisch
    … und Fisch

    Heute waren wir in der riesigen Markthalle, die neben den üblichen Gemüse-, Fleisch- und Fisch-Ständen auch regionaltypisch Köstlichkeiten bietet. Trüffel-Olivenöl, handgemachtes Gebäck, eine große Auswahl an Oliven, provenzalische Kräutermischungen, vielfältige Käsesorten und getrocknete Früchte erfreuen, liebevoll dargeboten, das Auge und die eine oder andere gekaufte Spezialität später den Gaumen. Ansonsten halten wir uns heute mal ein bisschen aus der Sonne raus und schreiben und internetten im Schatten, unter unserem Sonnensegel. Die vielen Stunden in der Mittelmeersonne, in den letzten Tagen haben ihre Spuren an uns hinterlassen. Schultern und Arme, die immer der Sonne ausgesetzt sind, sind schon ein bisschen gerötet. Die Stufe der absoluten tiefen südländischen Mittelmeerbräune haben wir noch nicht ganz erreicht. Aber wir arbeiten daran.

    Ein Wetterwechsel, steht vor der Tür, die Sonne sticht, ab abends soll es Gewitter mit starken Windböen geben. Schon jetzt türmen sich riesige Wolkenberge deutlich sichtbar im Hinterland auf, der Wind nimmt langsam zu. Für die nächsten Tage gibt Monaco Radio über UKW-Funk und Meteo-France im Internet Windwarnungen aus. Die Temperaturen sollen mit rund 25 Grad denoch eher im angenehm-warmen Bereich der menschlichen Wohlfühlskala bleiben. Wir liegen gut und sicher, der Hafen ist rundum gut geschützt, so schnell wollen wir “unser Etappenziel” auch gar nicht verlassen. Obwohl es noch einige dieser „Etappenziele” in unserer Reiseplanung gibt. Niemand hetzt uns, außer wir uns selbst.

    Wir genießen diese Art des Lebens und des Reisens, auf die wir solange hin geplant haben. Nach den ersten zehn Monaten können wir klar und deutlich sagen, dass unsere persönliche Erwartungen, an Länder, Menschen, guten Erlebnissen und letztendlich auch an unser schwimmendes Zuhause mehr als erfüllt wurden. Für das Mittelmeer, mit seinen zum Teil schwachen Winden, müssen wir ganz klar sagen, dass ein flott segelndes Schiff nur vorteilhaft sein kann. Das erspart letztendlich viele Motorstunden und erfreut des Seglers Herz.

    Der Windglider
    Der Windglider

    Noch eins zum Schluss: Als das Windsurfen, also Surfbrett mit Segel, als Wassersportart noch sozusagen in den “Kinderschuhen” gesteckt hat, war ich gerade mal 12 Jahre alt. Mein Bestreben war es derzeit, diese neue Sportart schnellstmöglich zu erlernen und das Zusammenspiel ziwschen Surfbrett und Segel zu perfektionieren. Auf jeden Fall, aus diesen Anfängen heraus wurde schnell ein regelrechter Boom. Viele berühmte Hersteller von Surfboards wie beispielsweise Ten Cate, Hifly, Mistral und Ostermann wuchsen wie Pilze aus dem Bodem. Außer Mistral hat es, meines Wissens nach, keiner der genannten Brettproduzenten wirtschaftlich in die heutige Zeit geschafft. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich in St. Tropez ein Surfbrett aus dieser Zeit der Firma Ostermann Modell “Windglider” in einem hervorragenden Originalzustand gesehen habe. Der Windglider wurde am Anfang der achtziger Jahre vom saarländischen Küchenbauer Fred Ostermann entwickelt und gebaut.

  • Segeln an der Côte d’Azur

    7. Juni 2015, Sonntag, Baro 1016, sonnig, diesig, Wind O -NO um 4, später abflauend

    Nach einem faulen Tag an der Boje beschließen wir beim Frühstück, Richtung St. Tropez oder Cannes weiterzufahren. Gestern Abend hatte wir Besuch von Nanni (keine Ahnung, wie man das auf französisch schreibt, aber so klang der Name, als sie sich vorstellte) und Eric von der “Aruna”, einer J109, und Eric wollte gerne mal unser Boot anschauen. Volker war wieder ganz in seiner “Profession”, und Eric sagte am Ende der Führung: “O.k., ich kaufe das Boot.” Ich habe mich derweil gut mit Nanni unterhalten. Beim Apéritif haben wir dann erfahren, dass sie, er ist Förster, für die französischen Nationalparks gearbeitet haben, er war einige Jahre Direktor des Nationalparks von Porquerolles und Port Cros.

    Aruna mit Spi
    Aruna mit Spi

    Leider ist der Wind, der am Anfang mit 14 Knoten wehte, schon nach kurzer Zeit immer schwächer geworden und dann ganz weggeblieben. Das gab der viel leichteren Aruna zunächst die Chance, uns tatsächlich zu überholen, aber dann hingen sie so sehr in der Flaute vor der Insel, dass sie die Segel geborgen und den Motor angeworfen haben.

    Da kommt das Eisboot
    Da kommt das Eisboot

    Mittags haben wir uns in der wunderschönen Baie de Briande wieder getroffen, die ist auch Teil des Nationalparks; waren schwimmen und mit dem Hund spazieren. Eine sanft einsetzende Brise verlockte uns, doch noch nach St. Tropez zu segeln, bzw. wir zu motoren, und wir machen schöne Bilder von der Aruna mit Spi.

    Die Elektrokästen in Cannes sehen aus wie aus "Pirates of the Carribean"
    Die Elektrokästen in Cannes sehen aus wie aus “Pirates of the Carribean”

    Im Hafen werden wir freundlich empfangen, der Marinero fragt, ob wir zusammen gehören, und gibt uns zwei Plätze nebeneinander. Praktisch, denn wir werden auf einen Apéritif eingeladen, treffen dabei auch die mitsegelnde Katze, die aber zu scheu ist, um sich von uns streicheln zu lassen. Am späteren Abend gehen wir noch durch die schön beleuchtete Altstadt, zuerst vorbei an der Hafenpromenade, wo die fetten Motorboote liegen, ebenfalls schön ausgeleuchtet, zum Teil mit Unterwasserbeleuchtung. Auf Deck sitzen Familien und Freunde zusammen beim Abendessen, es hat was von Fernsehen.

    Das war eigentlich nur eine kleine…
    Das war eigentlich nur eine kleine…
    Beim Gang durchs nächtliche St. Tropez
    Beim Gang durchs nächtliche St. Tropez
    Von der Schaufensterpuppe bleiben nur die Hände?
    Von der Schaufensterpuppe bleiben nur die Hände?

     

     

     

     

     

    8. Juni 2015, Montag, Baro 1011, sonnig, sehr warm, Wind NO 2

    Cooler Blick von der Zitadelle
    Cooler Blick von der Zitadelle

    Am Morgen besichtigen wir, zusammen mit Nany (jetzt hab ich erfahren, wie man das schreibt, und dass es von “Anne-Marie” kommt) und Eric die Zitadelle von St. Tropez, die auch ein sehr schönes und interessantes Marinemuseum beherbergt. Wir erfahren viel Wissenswertes über die Geschichte der Seefahrt in St. Tropez, über die verschiedenen Fischfangmethoden, über eine Akademie, die große Kapitäne ausgebildet hat, und zum Schluss genießen wir die Aussicht von ganz oben, aber da war leider die Batterie des Fotos leer.

    Reusen für den Fischfang
    Reusen für den Fischfang
    Aus einer Kokosnuss geschnitzte Maske
    Aus einer Kokosnuss geschnitzte Maske
    Die großen Kapitäne
    Die großen Kapitäne

    Zurück auf dem Boot machen wir die Hexe und sie die Aruna klar, denn noch weht ein bisschen Wind, und wir wollen gerne heute nach Cannes segeln. Das geht auch zuerst ganz gut, aber um halb vier sind es nur noch zwei Knoten, die uns (eben leider kaum noch) antreiben, wieder muss der Motor ran. Der Sommer im Mittelmeer hat halt nicht soviel Wind wie die Nordsee. Dafür kann man zwischendurch einen Badestopp einlegen und im tiefen tiefen Mittelmeer schwimmen gehen.

    Blaues Wasser
    Blaues Wasser

    Das Wasser ist blau, so blau, wir befinden uns auf ca. 500 m Wassertiefe, auch Nico wird mal kurz erfrischt, und dann geht es weiter. Leider dreht der Wind wieder mal ganz unvorteilhaft auf die Nase, da es immer noch dreizehn Seemeilen bis Cannes sind, motoren wir wieder weiter. Es ist gefühlt ein großer Schritt, mit dem eigenen Boot nach Cannes zu kommen, nachdem wir schon oft hier waren, aber eigentlich immer auf dem Landweg. Wir freuen uns sehr auf die schöne Stadt, den Hafen, die großen Hotels an der Croisette, die Isles du Lerin, St. Marguerite et St. Honorat.

    Und Nany hat Geburtstag, da gibt es heute Abend schon wieder einen Grund zu feiern, wir stoßen zuerst mit Champagne an, (danke Nany und Eric) nach dem Essen trinken Volker und Eric einen Jägermeister, der hier in Frankreich nur “Jäger” heißt, wie wie gerade erfahren haben.

  • Sommer, Sonne, (Traum)-Insel!

    IMGP0008Cornelia: Nach den im letzten Bericht beschriebenen drei Tagen vor Anker kommt langsam das Paradies-Gefühl bei mir an. Morgens, vor oder nach dem Frühstück, schwimmen im kristallklaren Wasser, frisches Baguette zum Frühstück, von dem Hundespaziergänger mitgebracht (das Allerbeste ist, dass, Volker so gerne mit dem Schlauchboot fährt, er freiwillig morgens mit dem Hund geht, hihi). Später kommt das Sonnensegel übers Cockpit, wieder schwimmen, lesen, nachmittags ein kleiner Ausflug mit dem Schlauchboot, zur Marina oder zum Strand oder in den Wald, Abendessen, ein letzter Hundeausflug zum Land.

    IMGP0010Volker: Insgesamt sechs Tage haben wir Porquerolles an drei verschiedenen Ankerplätzen genossen, die einzigartige Landschaft, die Vegetation und auch die guten Versorgungsmöglichkeiten. Wir haben unsere leeren Gasflaschen gegen volle gewechselt, die Tauchflasche befüllen lassen und genügend Grillfleisch, Wurst, Gemüse und Obst gebunkert. Denn auf der nächsten Insel gibt es fast keine Einkaufsmöglichkeiten.

    Gestern hieß es dann Abschied nehmen und “Anker auf”. Viele machen dabei den Motor an, motoren langsam zum Anker hin, während dabei die elektrische Ankerwinsch die Kette und den Anker aufholt. Wir haben das ganz leise und klassisch ohne Motor vollbracht. Also zuerst das Großsegel im Wind stehend gesetzt, dann langsam die Ankerkette aufgeholt und mit backstehendem Vorsegel (das Vorsegel gegen den Wind gehalten und dadurch das Boot in die gewünschte Richtung gedreht), Fahrt aufgenommen und den Kurs auf Port Cros abgesteckt.

    IMG_0196Der Wind hat in die Segel gegriffen und unsere Hexe auf sieben Knoten beschleunigt. Das blaue Meer strömt dabei geräuschvoll an unserem Rumpf entlang und bildet eine schöne Bug- und Heckwelle aus, in den sich die Sonnenstrahlen wild glitzernd spiegeln. Segeln vom Feinsten.

    IMG_0209Da Port Cros aber nur zehn Seemeilen von Porquerolles entfernt ist, währt die Freude am Segeln nicht ganz so lang und wir sind schneller am Ziel als gewollt. Schnell noch die Segel geborgen und einen schönen Liegeplatz nahe an einer Felswand an einer Mooringboje gesucht und gefunden. Vor Port Cros liegen sogenannte Mooringbojen aus. Das sind durch schwere Grundgewichte und Ketten gesicherte Bojen, an denen man mit dem Schiff sicher festmachen kann. Mooringbojen haben gegenüber dem Ankern den Vorteil, dass der Meeresgrund mit seinen Pflanzen und Riffen nicht durch schleifende Ankerketten oder Anker beschädigt wird.

    IMG_0208Port Cros ist ein Idyll, man wähnt sich in der Karibik, der kleine Ort mit seinen wenigen Häusern duckt sich an den Bergrand und über allem wacht das Fort. Vor dem Ort liegt die malerische Bucht, in der wir liegen.  Port Cros ist ein Paradies für Taucher und Wanderer. Man braucht ca. vier Stunden, zu Fuß, um das ganze Eiland zu umrunden. Es gibt eine kleine Inselkirche, eine ganz kleine Grundschule, vier Restaurants, teilweise mit Zimmervermietung und einen Anbieter von geführten Tauchausflügen. Zu den drei Badebuchten mit Sandstrand führen felsige Trampelpfade. Es gibt keinen Massentourismus und wenn abends die letzte Festlandfähre abgelegt hat, wird es ganz ganz ruhig auf Port Cros.

    Basteln der Taucherflagge…
    Basteln der Taucherflagge…
    … sieht doch gut aus, oder?
    … sieht doch gut aus, oder?

    Die Insel und das Meer rundherum sind seit ein paar Jahren Nationalpark. Wer tauchen will, muss sich einschreiben, bekommt ein paar naturschonende Verhaltensmaßregeln an die Hand gedrückt und wird freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen die Taucherflagge “Alpha” aus dem internationalen Flaggenalphabet mit sich zu führen. (Die haben wir dann aus Segeltuch und Kleber selbst gebastelt und stolz dem Ranger gezeigt, der sie für gut befunden hat.)

    IMG_5017Nico darf nur auf bestimmten Wegen mit uns und an der Leine spazieren gehen. Wahrscheinlich “muss” es, da die Insel nun den Status des Nationalparks hat, solche Regeln geben und natürlich Menschen, die diese dann überwachen. Wir haben zumindest schon drei uniformierte Leute gesehen, mit respekteinflößenden Abzeichen, auf denen “Police Environmental” (Umweltpolizei) steht. Das war früher auf Port Cros anders. Da gab es keine Beschränkungen…

  • Wir liegen vor Porquerolles

    Leider zu verfallen, um besichtigt zu werden, das Fort auf der Petite Langoustier
    Leider zu verfallen, um besichtigt zu werden, das Fort auf der Petite Langoustier

    seit drei Tagen vor Anker, und ich mache jetzt mal den Versuch, unsere direkte und die ferne Umgebung zu beschreiben. Fangen wir mal mit dem Leichteren an. Unter uns befindet sich gut fünf Meter tiefes, klares blaues Mittelmeerwasser, mit hellem Sand als Ankergrund. Von Osten über Süd bis hin nach Südwesten können wir die Insel Porquerolles erblicken. Direkt an deren Küste wechseln sich felsige Abschnitte mit sandigen Buchten ab. Daran folgend steigt das Inselinnere teilweise steil, teilweise sanft empor. Von außen betrachtet, erscheint die Insel sehr grün mit niedrig wachsenden Hartlaubbüschen und höher aufsteigendem Kiefernwald. Vereinzelt wachsen auch Eukalyptusbäume, typisch für die Côte d’Azur. Westlich von unserem Ankerplatz sehen wir fast nur Wasser, ein beinahe ungetrübter Blick über das Meer, wäre da nicht das kleine Inselchen Île du Petit Langoustier, mit seinem verfallenen Fort im Weg. Aber der Blick auf diese kleine Insel hat natürlich auch was.

    Das alte Fort aus Richelieus Zeiten
    Das alte Fort aus Richelieus Zeiten

    Wenn wir dann unseren Blick nach Norden schweifen lassen. sehen wir das Festland mit der Halbinsel “Presqu’Île de Giens” und nachts die Lichter von Hyères. Nach Nordosten ist unsere gut geschützte Ankerbucht offen, die Sicht übers Meer sozusagen unverbaut. So sieht sie aus, unsere Umgebung. Wir haben 20 Metter Ankerkette gesteckt, der Anker hat sich komplett in den Sandgrund eingegraben, nur noch der Ankerschaft ist vom Boot aus sichtbar. Das ist gut zu wissen, wir können so auf die volle Haltekraft unseres Ankers vertrauen. So muss es sein.

    knorrige Bäume an einer der schönsten Buchten von Porquerolles
    knorrige Bäume an einer der schönsten Buchten von Porquerolles

    Denn für ausgedehnte Landspaziergänge lassen wir unsere Hexe mutterseelenallein an ihrem Ankerplatz zurück und vertrauen auf den guten Halt des Ankers oder Grundeisens, wie Segler ihn gelegentlich auch nennen. Wenn es noch ein zutreffendes Synonym zur Beschreibung unserer Umgebung gibt, ist es das Wort “Ruhe”. Kein durch Autos, Maschinen oder sonstige Gräuschquellen erzeugter Lärm ist hörbar. Wir liegen wirklich ganz ruhig, nur manchmal hören wir, tagsüber, entfernte menschliche Stimmen vom Strand. Diese beinahe himmlische Ruhe gefällt uns sehr. Unsere beiden Solarpanele füllen am Tage unsere Batterien auf, es bleibt sogar genug Energie übrig, um die modernen Kommunikationsmittel wie IPad, Computer und Handy zu laden. Schöne neue Welt, diesmal nicht ironisch gemeint.

    Volker taucht ab
    Volker taucht ab

    Gestern habe ich meine Tauchausrüstung ihrem Bestimmungszweck zugeführt und einen Tauchgang unter und an unserem Schiff gemacht. Den kleinen Muscheln, die fest mit unserem Rumpf, dem Kiel und dem Antrieb verwachsen waren, bin ich mit einer Spachtel und Eifer zu Leibe gerückt. Jetzt ist unser ganzes Unterwasserschiff wieder spiegelglatt und sauber, ergo das Schiff auch wieder schneller;-)

    Sonnenuntergang vom Feinsten
    Sonnenuntergang vom Feinsten

    Abends haben wir den Sonnenuntergang hoch oben von einer Klippe aus bestaunt. Blutrot und flimmernd ging der geliebte Planet über einer Gebirgskette unter. Kurz danach erhellte der aufgehende Vollmond die Umgebung und unseren Rückweg zum Schiff.

    Der Mond geht über der Bucht auf
    Der Mond geht über der Bucht auf

     

     

    Kurzes Fazit, ankern spart nicht nur die Hafengebühren, es ist auch inspirierend und erholsam zugleich, zumal in einer so schönen Umgebung. Porquerolles und Port Cros sind zwei sehr schöne und abwechslungsreiche Inseln direkt vor dem Festland, die es wirklich wert sind, besucht zu werden. Île Port Cros wird die nächste Insel, die wir ansteuern werden und ist nur einen Katzensprung von Porquerolles entfernt, aber erst in ein paar Tagen, wir haben es nicht eilig.

     

    Der Ankerplatz vor dem Ort Porquerolles
    Der Ankerplatz vor dem Ort Porquerolles
  • Lazy Sunday Afternoon

    01. Juni 2015, Baro 1016, sonnig warm, Wind Ost 2

    Entgegen allen Wettervorhersagen kommt der Wind nicht aus Südwest, sondern genau aus Ost. Das bedeutet, dass wir wieder einmal kreuzen müssen. Aber das kann unsere Hexe ja. Es ist nur ein bisschen kälter, weil der Wind ja von vorne kommt und sich zu dem Fahrtwind addiert. Und es ist ein bisschen länger, weil man ja quasi einen Zickzackkurs fährt. Die normale Strecke bis Porquerolles sind ca. 22 Seemeilen, aber wir werden so über 30 brauchen.

    und ganz charmant, le Nord d'Embiez
    und ganz charmant, le Nord d’Embiez

    Gestern hatten wir einen “Lazy Sunday Afternoon”, naja, ganz so lazy war er nicht. Wir sind mit dem Beiboot rausgefahren und haben uns eine kleine Bucht gesucht, die nur von See aus zugängig war. Da sind naturgemäß weniger Menschen am Strand, und dann müssen wir nicht dauernd aufpassen, dass Nico überall nach Futter bettelt. Die Bucht nebendran, die auch sehr schön lag, war ziemlich voll, weil ein nicht ganz so steiler Pfad vom Weg herunter führte. Auf dem Wasser lagen eine Menge Boote vor Anker, viele Motorboote, aber auch ein paar kleinere Segelboote, die nicht so viel Tiefgang haben, hatten den Weg durch die von zahlreichen Felsen begrenzte Meerenge gefunden.

    Der Leuchtturm auf der Île du Grand Rouveau
    Der Leuchtturm auf der Île du Grand Rouveau

    Nach einem Bad in dem türkisblauen Wasser, das inzwischen auch nicht mehr sooo kalt ist, machten wir uns auf, mit dem Beiboot die Insel zu umrunden. Zuerst landeten wir an der kleinen Nebeninsel “Île du Grand Rouveau” an, um zum Leuchtturm aufzusteigen. Auch hier wurden wir wieder mit großartigen Ausblicken belohnt. Die Möven begleiteten uns auf dem Weg zum Leuchtturm, neckten immer wieder den armen Hund mit ihren knäckerden Rufen und flogen im Sturzflug zu Nico hin. Der ließ sich aber davon gar nicht aus der Ruhe bringen, sondern trippelte seines Weges, roch hier und da an den wunderbaren Gerüchen, die nur ein Hund findet. Wir kamen uns ein bisschen wie Robinson Crusoe vor, ganz allein auf einer Insel, nur, dass um uns herum ziemlich viele Boote waren.

    Ausblicke
    Ausblicke

    Wir haben die Île des Embiez tatsächlich umrundet, sind vorsichtig an den Klippen vorbei gefahren, damit wir mit unserem kleinen Außenbordmotor nicht aufsetzen. Plötzlich waren da gelbe Bojen, auf denen nicht nur Ankerverbot stand, nein, auch segeln und mit dem Motor fahren darf man hier nicht. Also wird der Motor ausgeschaltet und die Paddel in Gang gesetzt.

     

    noch mehr Ausblicke
    noch mehr Ausblicke

    Zuerst darf Volker seine Muskeln spielen lassen und ich räkele mich, so schön es mir möglich ist, am Bug. Nach Dreiviertel des Wegs tauschen wir, jetzt kann ich die Ruder eintauchen und Volker liegt mühelos wunderschön vorne in dem kleinen Gummiboot.

    das war der “Nicht-so-lazy-Teil”, geschafft von dem Tag machen wir nach dem Abendessen nur noch einen zwei-Kilometer-Rundgang, bevor wir es uns mit Staffel eins der Krimiserie “Für alle Fälle Fitz” aus unserem Jahreskalender gemütlich machen (ein großer Dank an Tinka, das macht richtig Spaß und Du hast so schöne Sachen ausgesucht und unglaublich liebevoll verpackt).

    klares Wasser
    klares Wasser

    Inzwischen haben wir – kreuzenderweise – fast die Bucht von Toulon erreicht, vorhin war eine Fliegerstaffel mit zehn roten Düsenjägern und einem Höllenlärm über uns weg geflogen, dann zog in der Ferne ein U-Boot seine Kreise. Inzwischen ist es abgetaucht, ob es uns wohl von unten anschauen kann? Porquerolles und die daneben liegende Insel Port Cros sind schon schemenhaft zu sehen, es ist ein bisschen diesig heute, aber wunderbares Segeln.

  • Von Cassis auf die Île des Embiez

    IMG_4767Zwei Tage haben wir in Cassis verbracht, da, wo andere Urlaub machen. Wir haben uns auch an den Strand gelegt, Frisbee gespielt (die Bloulekugeln sind keiner zuhause liegen geblieben), sind durch die kleinen pittoresken Straßen geschlendert, haben direkt am Hafen, direkt vom Fischer, ganz frischen aber sauteuren Fisch gekauft. IMG_4765Nur in den kleinen Cafés und Restaurants waren wir nicht, wir lagen mit unserem Boot so schön, dass wir aus dem Cockpit die bessere Sicht hatten, und das Bier oder der Apéritif ist bei uns auch günstiger!

    Aber wir haben es sehr genossen, den anderen beim Schlendern, Essen, Trinken, Einkaufen oder Schwimmen zuzusehen, und das eben vor dieser malerischen Kulisse bei schönstem Sonnenschein.

    IMG_4777Am Freitag haben wir uns dann aber losgerissen und sind, weil der Wind aus Südost kam, wunderbar bis zur Île des Embiez, die gegenüber von Sanary-sur-mer liegt, gekreuzt. Doof dabei ist nur, dass es durch den Wind bitterkalt ist. Volker hatte wieder mal die Segelkleider an, am liebsten hätte er auch noch die dicke Mütze und Handschuhe angezogen, aber er war lieber tapfer und hat gefroren. Ich bin ja nicht so fanatisch und muss nicht immer steuern, so konnte ich es mir im Schutze der Sprayhood mit meinem Kreuzworträtsel gemütlich machen, und hatte es deutlich wärmer. Blöd, dass man zum Segeln Wind braucht, ansonsten war es nämlich ein großartiger Segeltag, mit flachem Wasser und voller Sonnenschein. Und ein paar andere Segler haben wir auch überholt, das freut des Skippers Herz.

    IMG_4875Aber sobald wir am Liegeplatz in der recht großen Marina (750 Plätze) lagen, war die Kälte vergessen, windgeschützt liegen wir am Steg.

    IMG_4794Die Île des Embiez wurde 1957 von Paul Ricard, dem Gründer der gleichnamigen Pastis-Firma, erworben und schnell den erholung-suchenden Touristen geöffnet. Eine große Bilderausstellung im Freien erzählt alles über das Leben und Wirken dieses hochbegabten Unternehmers, der aber auch die Entwürfe für die Werbeplakate auf seinen Lastwagen selbst zeichnete, seine Familie und seine Freunde portraitierte, und offensichtlich an vielen Stellen Gutes tat. Es gibt drei Hotels und ca. acht Restaurants, Tennis-Courts, einen Pétanque-Platz, eine Tauchschule, ein Aquarium des ozeanographischen Instituts, und viele kleine Strände, die manchmal etwas Kletterei erfordern, aber idyllisch sind. Ach ja, und es gibt inseleigene Weinberge und eine Kelterei, die Weiß-, Rosé und Rotwein herstellt, der aber relativ teuer ist, weil es ja wirklich nur eine kleine Menge gibt.

    IMG_4867IMG_4871IMG_4866Die Insel ist auch berühmt für ihre Vielfalt an mediterraner Flora, jetzt ist das alles besonders schön, weil so viel in so vielen verschiedenen Farben blüht.

    IMG_4791IMG_4847IMG_4790IMG_4789Die Pinien beugen sich dem Mistral, und sind ganz schön schief. Und es riecht ganz vorzüglich, nach Pinien und Waldboden und und und…

    IMG_4837IMG_4844 IMG_4807Gestern sind wir am späteren Nachmittag aufgebrochen zum großen Inselrundgang, sind über sieben Kilometer gewandert, haben mehrere Hügel erstiegen, und großartige Ausblicke genossen. Nico war danach nur noch hundemüde…

    IMG_4851Heute sind wir zunächst mit dem Beiboot zu den kleinen Buchten gefahren, haben uns in einer zum samstäglichen Sonnenbad niedergelassen, und ich war, zum ersten Mal in diesem Jahr, im Meer schwimmen, in einem unglaublich türkisfarbenem Wasser, sensationell. Nico fand das Sonnenbaden auch gut, er konnte, wenn es ihm zu heiß wurde, mal eben ins Wasser, sich abkühlen, und sich dann wieder in den Steinen und Blättern wälzen, so ein Hundeleben!

  • Gegensätze

    Zuerst mal noch ein kleiner Nachtrag zu Marseille.

    IMG_4671 IMG_4670 IMG_4668IMG_4674Um die Stadt zu erkunden, sind wir einmal mehr stundenlang rumgelaufen, über fünf Stunden haben wir uns die näher gelegenen Stadtteile erschlossen. Besonders das nordfarikanische Viertel mit seinem Basar, den koscheren Metzgereien, den zahlreichen Obst- und Gemüseläden und sonstigen Haushaltswarenshops hat es uns angetan. Laut, lebendig und voll ist es dort. Unbekannte Sprachen, unbekannte Speisen und der Duft von unbekannten Gewürzen. Unsere Obstbestände haben wir aufgefüllt und können jetzt die ersten französischen Süßkirchen genießen.

    IMG_4686 IMG_4682 IMG_4681IMG_4662Das komplette linksseitige Hafenviertel mit der Börse, dem Prunkbau des Intercontinental Hotel, der alten Seefahrerkirche, außerdem die monumentale Festung an der Hafeneinfahrt mit angeschlossener neu erbauter Kunsthalle und noch eine weitere gothische Kirche standen auf dem Besichtigungsprogramm. Und das beste für alle Pub- und Kneipenfreunde, diese geliebten Freizeiteinrichtumgen liegen gerade mal einen Steinwurf entfernt vom Yachthafen. Über 800.000 Menschen aus gefühlt allen Kulturen der Erde prägen das Gesicht dieser quirlig-bunten Stadt.

    IMG_0170 IMG_0163 IMG_0161Und dann das krasse Gegenteil: Eine halbe Bootsfahrstunde vor Marseille beginnen die sogenannten Calanques, fjordartige Felsbuchten, die am Ende ganz eng zulaufen. Kalksandstein steigt steil vom Meeresgrund nach oben, mickrige Bäume krallen sich an den ansonsten kahlen Fels. Eine wahrhaft majestätische Landschaft, die ein Betätigungsfeld ist für Kletterer, Paraglider, Taucher, Wassersportler aller Couleur und erholungsuchende Badegäste am felsigem Badestrand, für alle zugleich.

    IMG_0157Wir haben in einer der Buchten geankert, unser Beiboot klargemacht und sind mit dem Hund auf Erkundungslandgang gegangen. Der Landgang war aber nur kurz, der felsige Strand war so von Kalkfelsen umzäunt, dass es von dort nicht weiter ging. Wir sind dann noch weitergerudert, der Mensch will erkunden.

    IMG_0172Am Schluss ging es zurück zum Boot, das einsam, aber fest verbunden an seiner Ankerkette, natürlich mit Anker, rumschaukelte. Beim Rollen des bauchigen Bootskörpers durch die leichte Dünung haben wir deutlichen Algen- und Muschelbewuchs gesehen und mit den Händen auch erfühlt. Deshalb segelte unsere Hexe eher verhalten langsam bei leichtem Wind, in den letzten Tagen! Dem bremsenden Umstand werde ich schnellstmöglich, tauchend und mit einer Spachtel bewaffnet, zu Leibe rücken.

    IMG_4748 IMG_4747 IMG_4736Danach ging es Anker auf, jetzt liegen wir in dem malerischen Küstenort Cassis, mittendrin statt nur dabei, mit bestem Ausblick auf die ganze Schönheit und das touristische Treiben. Tagsüber ist es konstant um die 25-27 Grad warm, dazu weht ab 12 Uhr immer eine leichte Seebrise, abends schläft der Wind ein, der Himmel ist tiefblau, ganz so, wie man das vom Mittelmeer her kennt und erwartet.

    Morgen gibt es mehr zu Cassis, wo der beliebte Likör aus schwarzen Johannisbeeren für Kir oder Kir Royal herkommt und wir segeln dann ein kleines Stück weiter nach La Ciotat.

  • Hier waren wir schon mal mit ‘nem Boot

    25. Mai 2015, Pfingstmontag, Baro 1011, sonnig, Wind NW 3-4, ab 11:00 um 5
    Saintes-Maries 08:35 – 16:00 Marseille, 44 sm

    Wir sind früh wach, zahlen die Hafengebühr von 39 € incl. Touristentaxe und legen gleich ab. Draußen muss nach dem Großsegelsetzen direkt der Spi hoch, das zieht gut, bis wir schiften müssen. Dabei verwickelt er sich, leider, oder Gottseidank, denn während ich noch dabei bin, den Spi zu packen, frischt der Wind auf, und wir hätten ihn sowieso runterholen müssen.
    11:30 Uhr: Der Wind frischt immer weiter auf, wir reffen zunächst die Fock, ziehen die Gummihosen an, und schlussendlich binden wir noch Reff zwei ins Groß. So ausgestattet, fahren wir wunderbar in die Bucht von Marseille, Port St. Louis liegt an Backbord.
    12:40 Uhr: Der Wind lässt wieder nach, wir schütten erst Reff zwei aus, zehn Minuten später auch Reff eins und die Fock, ruhiges Segeln zum Mittagessen. Danach wird es so wenig, dass Volker schon ans Motoren denkt, aber bei den anderen Seglern weiter in der Bucht sehen wir, dass da noch Wind kommen muss. Es sind erstaunlich viele Segelboote unterwegs, vielleicht segeln die eine Regatta. Wie es aussieht, führen sie keine Nationalflagge, das könnte darauf hindeuten.

    IMG_0143Wir haben Besuch an Bord. Schon am Vormittag kam so ein Urviech, und ruht sich immer noch unter der Sprayhood aus, und jetzt kam ein zweites angeflogen, das sitzt allerdings noch im Wind an der Außenseite, mal sehen, wie lange es sich da hält. Auch eine große Hummel hat sich auf unsere blaue Fockschot gesetzt, ich hab dann versucht, sie von dem doch eher gefährdeten Platz wegzuscheuchen, jetzt hat sie den grünen Wasserschlauch gewählt.

    Larissa rief gerade an und erzählte, dass ganz Darmstadt in blau-weiß erstrahlt, es scheint keine anderen Kleiderfarben mehr zu geben. Nun war gerade auch die Siegesfeier der Lilien am Karolinenplatz mit Autokorso, Darmstadt im Ausnahmezustand. Wahrscheinlich steigen direkt die Immobilienpreise ;-))

    14:30 Uhr: wir müssen weiter abfallen, um das Verkehrstrennungsgebiet, das die großen Schiffe nach Marseille führt, regelkonform rechtwinklig zu queren. Anscheinend sind wir die einzigen, die anderen Segler nehmen das nicht so genau, aber vielleicht haben die kein AIS, und denken, sie würden nicht gesehen. Danach sind es nur noch fünf Seemeilen bis zur Hafeneinfahrt.
    Und wir sind im Sommer angekommen. Angefangen haben wir heute morgen mit (ich) Strumpfhose, Rock und langärmeligem Funktionspulli. Später kamen noch die Segelhose und eine Windjacke hinzu. Vor einer Stunde haben wir bereits Segelhosen und Windjacken ausgezogen, jetzt fallen auch Strumpf- und lange Hose (bei Volker). Funktionsshirt und Longsleeve, bis wir mit T-Shirt und kurzer Hose, und Spaghettiträgern und Röckchen (jetzt dürft Ihr dreimal raten) Richtung Marseille segeln.

    Dort saß auch der Graf von Monte Christo im Gefängnis
    Dort saß auch der Graf von Monte Christo im Gefängnis

    In der Bucht macht leider der Wind schlapp. Zuerst fragen wir uns, warum der Segler vor uns auf dem anderen Bug fährt, dann merken wir, dass der Wind verschwindet und scheinbar aus allen Richtungen kommt. Zwei Meilen vor der Hafeneinfahrt ist er wieder da und wir können bis in den Hafen segeln.

    In der Société Nautique Marseille werden wir freundlich empfangen, sie haben uns nach meinem morgendlichen Anruf einen Platz reserviert. Der Hafenmeister kommt aus Guadeloupe, aber die Hitze in Marseille macht ihm zu schaffen, er zeigt mir unseren Liegeplatz und hat auch sonst noch einige nützliche Tipps parat.

    Da schaut die Kirche durch die Häuserschluchten hindurch
    Da schaut die Kirche durch die Häuserschluchten
    Der Aufstieg ist ganz schön anstrengend, so viele Stufen und Höhenmeter sind zu überwinden…
    Der Aufstieg ist ganz schön anstrengend, so viele Stufen und Höhenmeter sind zu überwinden…
    … aber man wird mit einem großartigen Ausblick belohnt, 360° Rundumsicht über die Bucht und das Hinterland
    … aber man wird mit einem großartigen Ausblick belohnt, 360° Rundumsicht über die Bucht und das Hinterland

    Nach demAufklaren und Abwaschen unserer Hexe machen wir uns auf – zu der hoch gelegenen Kirche “Notre Dame de la Garde”. Es geht endlos nach oben, erst winden sich die Straßen hoch, dann kommen noch unzählige Stufen dazu, ich bin fertig, als ich endlich oben ankomme. Aber wir werden belohnt mit einem großartigen Blick über das gesamte Tal, das Meer, die Inseln, das Stadion, unglaublich. Und auch die Kirche selbst ist wunderschön, mit reich geschmückten Kuppeln, Mosaiken, vielen Bildern, und einem Kreuzweg im Freien. Wie immer zünden wir eine Kerze an, (diesmal sogar zwei, weil ich nur ein 2-Euro-Stück im Portemonnaie hatte, und die kleinen Kerzen jeweils einen Euro kosteten), für die sicheren Überfahrten und die gesunde Heimkehr aller Segler.

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    Dann haben wir unten am Hafen noch ein Irish Pub gefunden für ein wohlverdientes Bier und einen Rosé und da hing doch wirklich so ein Schal (All the Best from Marseille to Trevor, Kay, Sarah and Ruben!)

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