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  • Plitsch-Platsch

    So, jetzt sind in Frankreich endgültig Ferien, bei Outremer sind alle Hallentore sind zu, die Rolläden an den Büros heruntergelassen, nur bei Gunboat wird noch an der Baunummer 1 gearbeitet

    Die wichtigsten Dinge unserer neuen Mängelliste sind soweit erledigt, dass wir segeln können. Heute morgen hat Volker noch mit der Flasche im Hafenbecken getaucht, um die Propeller von dem Muschelbewuchs zu befreien, das Unterwasserschiff ist auch soweit sauber, nun steht einem Ausflug aufs Meer nichts mehr im Wege. Nach letzten Einkäufen legen wir ab, segeln zunächst mit dem schönen Nordwind nach Südwesten, bis der sich zur Mittagsflaute entwickelt. Um 1300 Uhr drehen wir ab nach Osten, bei 90° Windeinfallswinkel und 6 – 7 Knoten Wind segeln wir mit 5,6 Knoten dahin, sehr schön. Leider nimmt der Wind immer mehr ab.

    Hinterher trocknen Kleid und Bikini an der Reling

    In der Nähe der Espiguette-Boje machen wir einen Landausflugsstop, Samy ist zum ersten Mal dabei, er weiß noch nicht genau, wie er das findet im Beiboot. Im Gegensatz zu Nico muss man ihn erstmal sehr ermuntern, darin einzusteigen. Beim Anlanden und Aussteigen stolpere ich zur Unterhaltung der Strandbesucher über meine eigenen Füße und liege – plitisch-platsch – der Länge nach im flachen Wasser. Ich kann gerade noch die Sonnenbrille festhalten, ein Schuh rutscht mir vom Fuß, wird aber am Strand angespült. Köstlich erfrischt kann ich nun mit Volker und Hund spazieren gehen.

    Im Laufe des Nachmittags hat der Wind auf Süd gedreht, wir nutzen das aus und segeln noch die zehn Meilen bis Les-Saintes-Maries-de-la-mer. Aber kaum haben wir die erste Meile hinter uns, schläft der Wind ein, the skipper is not amused!

    So halbwegs geht es dann doch noch mit dem Segeln, über zwei Stunden haben wir für die zehn Seemeilen gebraucht, aber um sieben Uhr liegen wir an einem schönen Ankerplatz direkt vor Les-Saintes-Maries. Jetzt schnell das gute Kleidchen an, den Hund gefüttert, und ab ins Beiboot. Es ist ein relativ langer Weg bis in die Marina, aber bei der glatten See ist das kein Problem. Wir finden einen Platz am Meldesteiger für unser kleines Bötchen, dann spazieren wir durchs Städtchen.

    Heute ist Ferragosto, Mariä Himmelfahrt, und überall gibt es Veranstaltungen, die Stadt ist voller Touristen. In der Kirche spielt Zigeunermusik, draußen davor können wir eine Band mit einer Flamenco-Tänzerin bewundern, wir sind nicht ganz sicher, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt, aber sie tanzt gut. Es ist ein tolles Abendlicht, nur leider habe ich die Telefone auf dem Boot gelassen, nach meinem nachmittäglichen Sturz ins Wasser, und so müssen alle diese Bilder in das schwarze Fotoalbum mit dem silbernen Knopf…

    Wir finden eine kleine Kneipe, in der noch ein paar Tische frei sind, setzen uns nach dem Spaziergang zu einem Drink und ein paar Tapas, und bekommen eine großartige Street Break dance-Show zu Hiphop-Musik geboten. Drei Jungs, super durchtrainiert, mit akrobatischen Einlagen und richtig guter Choreographie. Zwanzig Minuten „Straßentheater“, super, die Gäste des Restaurants und die vorbeigehenden Passanten sind beeindruckt.

    In der Arena git es heute Abend eine Stier-Schwimmbad-Show (was immer das ist), die Leute strömen in Massen dorthin, und angeblich Feuerwerk um 23 Uhr. Während unseres Nachhausewegs mit dem Beiboot gab es allerdings auch schon ein Feuerwerk, cool, das hat den Weg erhellt, und uns für andere Boote sichtbar gemacht. In Saintes-Maries-de-la-mer wird was geboten!

  • Oh là là!

    Nach einer guten Autofahrt  mit ein paar kleineren Staus nach Lyon, sind wir am späten Nachmittag gut in La Grande Motte angekommen. Anstatt des zu erwartenden sommerlichen Treibens wurden wir mit einem schweren Gewitter und Regenschauern “begrüßt” . Der Hochsommer hatte wohl einen Tag Pause. Wir ließen erstmal alle mitgebrachten Sachen im Auto und wetterten im Boot den Frontendurchgang ab.

    Leider sind einige Punkte auf der To-Do-Liste seitens der Werft nicht abgearbeitet worden, und wir sind darüber ziemlich frustriert. Im Gegenteil, durch anscheinend unvorsichtiges Bootshandling, oder fehlendem Respekt vor fremdem Eigentum kamen sogar noch ein paar neue Schäden hinzu. Details erspare ich mir jetzt, weil es noch einiges zu klären gibt.

    Insgesamt müssen wir leider feststellen, dass wir voraussichtlich noch einige Zeit in LGM verbringen werden, und dass unsere geplante Azorenreise erstmal ins Wasser fallen wird. Es ist jetzt zudem noch Urlaubszeit bis Anfang September in Frankreich, die meisten Mitarbeiter der Werft sind in Ferien…

    Gestern Abend haben wir sehr nette französische Outremereigner kennengelernt und zwei Flaschen Cava zusammen geleert. Am späten Abend gab es anlässlich des 50-jährigen Bestehens von La Grande Motte ein enorm langes und eindrucksvolles Feuerwerk. Samy hat dem Lärm tapfer getrotzt und nur hin und wieder den Lichtschein der Raketen angebellt.

    Heute haben wir ein paar schöne nautische Meilen  auf dem tiefblauen Mittelmeer zurückgelegt, kurz vor Sète geankert und tauchend die Hexe vom Algen- und Muschelbewuchs befreit. Bei 26 Grad Wassertemperatur wähnt man sich schon fast in tropischen Gefilden. Sonntag ist dann Edelstahlputzgang, da der ach so rostfreie Stahl bekanntermaßen seinem Namen leider nur teilweise Ehre macht.

  • Nasser Empfang

    Tatsächlich haben wir es heute früh getan: Wir sind losgefahren, Richtung Süden, nach La Grande Motte, zur Hexe.Wahrscheinlich hat niemand von unseren Freunden mehr dran geglaubt, dass wir in diesem Sommer wirklich noch den Absprung schaffen, so oft haben wir die Abreise verschoben. Einige, wenn sie uns zufällig in der Stadt getroffen haben, schauten uns mit ungläubigen Gesichtern an: “Seid Ihr immer noch da, oder schon wieder?”

    Um sechs Uhr war es in Darmstadt noch angenehm temperiert, bei meinem vorerst letzten Hundespaziergang auf der Mathildenhöhe konnte man, im Trägerhemd und mit kurzem Rock, gut und flott laufen. Auch der Samy fand es angenehm und rannte ein bisschen über die Wiesen. In Deutschland war es sonnig und trocken, erst ab zehn Uhr, schon in Frankreich, kamen die ersten Wolken und nun, um zwölf, regnet es ununterbrochen aus einem grauen Wolkenhimmel, die Temperaturen sind auf 21° zurück gegangen, eben beim Pipistop fühlte sich das an wie ein Kälteschock!

    Laut Wetterbericht hört es aber, zumindest in LGM, ab 17 Uhr auf, und das Thermometer klettert wieder auf sommerliche Temperaturen. Auch morgen erwarten uns Sonnenschein und 29°, das ist ein freundliches Angebot nach dem feuchten Empfang.

    Wir sind sehr gespannt, wie es an Bord aussieht, ob alle Mängel erledigt sind, und werden entsprechend berichten!

  • Total geschafft

    Zuhause…

    Die Zeit rast gefühlt mal wieder dahin, seit sechs Wochen sind wir schon in Darmstadt. Die Werft hat signalisiert, dass alle Garantiearbeiten an unserer Hexe ausgeführt sind und unsere Reise weitergehen kann. Am letzten Sonntag hat ein Nachbarlieger mit einem misslungenen Anlegemanöver noch einen Teil unserer Scheuerleiste beschädigt, verneint dies frech in einer dreisten Mail an Pantaenius, unterstellt eine Vorschädigung und kündigt auch an, dies notfalls gerichtlich zu untermauern. Ich weiß nur, dass wir ein tadelloses, vollkommen unbeschädigtes Schiff in LGM hinterlassen haben. Wie gesagt, wir reden hier von einem kleinen Haftpflichtschaden, der ohne Folgen von Pantaenius geregelt werden würde, da der Schädiger beim gleichen Versicherer ist wie wir. Schade, schade. Aber sogar die Scheuerleiste soll bereits wieder repariert sein, und wir warten mal, wie dieser skurrile Fall sich entwickelt.

    Keine Hooligans, nur Fans

    Heute war ich mal wieder mit meinen Freunden zu einem vorsaisonalen Testspiel der Lilienelf am Böllenfalltor. Testpielgegner war Roda-Kerkrade, ein Erstliga-Absteiger aus der südholländischen Provinz Limburg. Die 98er gewannen das Spiel souverän 4:1 und unsere Spieler überzeugten mit engagiertem Fußball.

    Völlig abgeschafft kamen vor wenigen Minuten die Capitania und Petra aus der Stadt. Beide haben eine mehrstündige Shoppingtour in der Darmstädter City hinter sich, und sitzen jetzt völlig platt mit einem Perlwasser auf dem Balkon. Zum abendlichen Boulespielen unterm Platanenhain haben beide keine Lust mehr. Relaxen steht auf dem Programm, und es wird über die abendliche Restaurantwahl diskutiert.

    Im Laufe der nächsten Woche wollen wir voraussichtlich nach LGM fahren, und den Darmstädter Topsommer gegen den südlichen Mittelmeersommer eintauschen. Die heimischen Sommertage  sind derzeit der absoluten Knaller und wir gehen jeden Tag zur Abkühlung an oder in den Rhein.

  • Die Mathildenhöhe in Darmstadt

    Im Morgensonnenschein

    Jeden Morgen, wenn ich mit Samy spazieren gehe, erfreue ich mich an der Schönheit dieses Ortes. Natürlich auch vormittags oder nachmittags, aber morgens ist es besonders schön.

    Spaziergänger auf dem Dachfirst

    Über allem thront der Hochzeitsturm mit seinen fünf Fingern, daneben das Ausstellungsgebäude mit der auf dem Dachfirst balancierenden Figur, und vorne dran erstrahlt die Russische Kappelle mit ihren Goldtürmchen im sommerlichen Sonnenschein.

    Die Mathildenhöhe mit Hochzeitsturm und Russischer Kappelle

    Hier ist das Zentrum des Jugendstils zuhause, viele Gebäude auf dem Hügel und rundherum in der Künstlerkolonie stammen von Joseph Maria Olbrich, dem großen Jugendstil-Architekten. So auch der Hochzeitsturm, in dem man sich heute noch das Ja-Wort geben kann, hoch über der Stadt mit großartiger Aussicht. In der Eingangshalle sieht man das Mosaik „Der Kuss“ und hier gibt es allerlei Schönes zu kaufen, so auch den Hochzeitsbecher, oder Darmstadt Memories, bei uns beliebt an Heiligabend, wenn wir uns die Geschenke verdienen müssen.

    Außen am Turm prangt eine wunderschöne Sonnenuhr, und immer wieder sieht man festlich gekleidete Gesellschaften, die vor dem Eingang das gegebene Jawort mit einem Glas Sekt begießen. Oder ein launiger Butler begrüßt die Gäste und stellt den Turm vor.

    Das Ausstellungsgebäude ist seit 2012 ein riesiger Bauplatz, die Kosten für den Umbau sowie für die Sanierung sind auch deutlich höher als erwartet. Nun soll der Umbau bis zum Sommer 2019 fertig gestellt sein, wir sind gespannt.

    Die Russische Kapelle von hinten, mit Feierzelten

    Die Russische Kappelle ist ein wahres Kleinod, eine prachtvolle kleine Kirche, die der russische Zar Nikolaus II. errichten ließ, damit er auch bei Besuchen bei der Familie seiner Frau, Zarin Alexandra, geborene Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt,  nicht auf den Besuch in einem orthodoxen Gotteshaus verzichten musste. Tatsächlich ist die Kappelle auf aus Russland importierter Erde errichtet. Noch heute werden dort orthodoxe Gottesdienste abgehalten, sonntags sowie an einigen Wochentagen begegnen mir vor allem Frauen mit duftigen Schleiern auf dem Kopf auf dem Weg dorthin. Der Rasen rund um die Kappelle und das angrenzende Wasserbassin in schönem Mosaik ist grün, im Gegensatz zum Rest der Wiese auf der Mathildenhöhe, weil der Küster der russischen Kirche jeden Morgen die Rasensprenger bemüht. Eine Augenweide!

    Der Schwanentempel

    Mein Favorit jedoch ist der kleine Schwanentempel, der ein bisschen im Schatten der Kappelle steht, am Ende einer großen Treppe, die von dem Olbrichweg mit seinen Jugendstil-Künstlerhäusern zur Mathildenhöhe führt. Der Regen, der vom Dach dieses Tempels abläuft, wird durch den Mund von weißen Marmor-Schwänen geführt, ich finde diesen Tempel einfach zauberhaft.

    Abends treffen sich die Darmstädter gerne im Platanenhain, es gibt ein kleines Freiluft-Café dort, und genug Raum unter den Bäumen für viele Boulespieler. Auch wir lieben diesen Platz und gehen am späten Nachmittag gerne auch mal nur zu Zweit dorthin, um unsere Fertigkeiten mit den kleinen Kugeln zu üben.

    Die Mathildenhöhe bei Nacht
  • Halbzeit

    Gänse mit Nachwuchs im Altrheinarm

    oder wie die schnell Zeit vergeht, nicht nur bei der geliebten Segelei, sondern auch beim heimatlichen Sommeraufenthalt. Bereits zweieinhalb Wochen sind vergangen seit unserer Rückkehr nach Darmstadt, und fast jeder Tag ist vollgestopft mit Terminen.

    Fußball-WM-mäßig hält sich unser Fernsehkonsum in Grenzen, auch wenn wir das eine oder andere Spiel verfolgen. Seit dem frühen Ausscheiden der deutschen Mannschaft denken wir darüber nach, ob wir nicht die deutsche mit der belgischen Fahne tauschen sollten, denn das belgische Team spielt einen sehr ordentlichen und sehenswerten Fußball und der Umänderungsaufwand wäre dank Farbengleichheit ja eher gering:-))

    Der Kellerraum hat sich gut gefüllt und alle Bestellungen von der ehemals langen To-Do-Liste sind eingetroffen. 10 Dosen Seajet Platinum Antifouling à 2 Liter für den nächsten Unterwasseranstrich, 10 Flaschen Ethanol Brennpasten für den Lotusgrill sowie ein Ersatz-Kohlebehälter, Reißverschlüsse, um die Kopfkissenbezüge auf die Kopfkissengröße abzuändern, neue Antirutschbeläge für die Ablageflächen in der Küche, zwei neue Taschenlampen mit großen Leuchtweiten, Pflanzschalen für die Kakteen und Düngestäbchen für unsere geliebte Bordorchidee, sowie ein neues scharfes Filetiermesser

    Die Navigatorin hat zur besseren Planung den Kartensatz von den Azoren downgeloaded und wir sind damit schon mal virtuell unterwegs nach São Miguel. Wann wir dann wirklich von Darmstadt loskommen, steht im Moment ein bisschen in den Sternen, denn Cornelia hat’s ordentlich im Rücken und im Moment ist trotz Physiotherapie wenig Besserung zu verzeichnen. Ein Bandscheibenvorfall wurde jedoch glücklicherweise definitiv ausgeschlossen.

    Abendstimmung auf der Mathildenhöhe

    Gestern fiel der Startschuss zu Darmstadts größtem Volksfest, dem “Heinerfest“. Durch die ganze Innenstadt reihen sich Imbisstände, Losbuden, Karrussels und andere Fahrgeschäfte dicht an dicht. Gut über das ganze Heinerfest verteilt gibt es zudem verschiedene Bühnen mit abendlichen Livemusik-Darbietungen, die wir gerne besuchen. Dem alljährlichen Heinerfestmotto “Kommt alle” folgen insgesamt ca. 700.000 Besucher und mit dem traditionell am Montag Abend stattfindenden  Feuerwerk gegenüber dem Schloss endet das beliebte Volksfest.

  • Oldies but Goldies

    Schnell gehen die ersten sieben Tage in Darmstadt rum. Der vergangene Dienstag stand voll im Zeichen der Lilie, diesmal nicht im Stadion, dafür im Staatstheater. Das Team vom Theater scheint, wie der Rest von Darmstadt, fußballbegeistert zu sein und hat ein Fußballmusical erschaffen, das als Hauptthema den Aufstieg der Lilienelf in die erste Bundesliga im Jahre 1978 hat.

    Die Spieler waren  auch als “Feierabendfußballer vom Böllenfalltor” bekannt und größtenteils, entgegen der heutigen Zeit, noch in einem normalen Beruf tätig und somit keine Vollprofis. Erst im Laufe des Spieljahres wurden die Spieler an den Zuschauereinnahmen beteiligt. Leider folgte auf den Aufstieg in das Oberhaus des Fußballs der sofortige Wiederabstieg in die Zweitklassigkeit, aber die Lilienelf erwarb sich durch ihre Spielauftritte sehr viele Sympathien in der Liga.

    Das Musical “Aus Tradition anders” war musikalisch, darstellerisch und bühnentechnisch sehr gelungen und der Funke der Begeisterung sprang aufs Publikum über, das aus traditionellen Theaterbesuchern und Lilienfans zusammengesetzt war. Liebe Ute, lieber Axel, vielen Dank für die Theatereinladung!

    Erste Ausfahrt auf dem Rhein

    Trotz leicht wechselhaften Wetters haben wir dem Dieburger Biergarten einen saisonersten Besuch abgestattet und ein typisch hessisches Kochkässchnitzel vertilgt. Dieser Biergarten, mit seinem einzigartigen alten Kastanienbestand, ist einer der schönsten in Darmstadt.

    Unser kleines Motorboot schwimmt wieder im Gernsheimer Hafen und wir warten auf richtig warme Tage, damit Volker auf dem Fluss Wakeboarden kann oder wir in einem der schönen Altrheinarme baden gehen.

    Im Platanenhain auf der Mathildenhöhe

    Der Freitag stand ganz in m Zeichen von König Fußball, wir haben beim portugiesischen Restaurant um die Ecke das Spiel Portugal gegen Spanien auf der Terrasse angeschaut. Für ein Vorrundenspiel war das schon ein echter Kracher und beide Mannschaften spielten voller Elan – ein Sehgenuss. Gestern waren  wir mit Samy an dem Waldsee “Grube Prinz von Hessen” und haben anschließend mit Larissa und Johannes auf der Mathildenhöhe, den Lotusgrill angefeuert, die Ausblick in Rheinebene bis hin zu den Pfälzer Bergen genossen und den Sonnenuntergang bewundert.

    Aus Frankreich haben wir noch keine Nachricht über den Fortgang der Reparaturen erhalten und wollen am Montag mal nachfassen…

  • Samy lernt deutsch

    Zumindest deutschhündisch. Das könnte man denken, wenn wir mit ihm über die angrenzende Mathildenhöhe spazieren. Wenn es langsam geht, schaffen wir 100 Meter in fünf Minuten mit ihm. Alle paar Meter bleibt Samy stehen, schnüffelt ewig lang an den Duftspuren seiner deutschen Hundekollegen und markiert anschließend dreibeinig stehend.Schnell mal einer kurzer Spaziergang ist mit ihm nicht drin, zu interessant scheint seine neue Umgebung zu duften. Ging jetzt ja auch schnell, in 18 Tagen ist unser Bordhund von den Kanaren über Spanien nach Frankreich gereist, um jetzt seinen ersten Tage in Darmstadt zu verleben. Aber wir haben den Eindruck, dass er mit der vielen Abwechslungen gut zurecht kommt und sich rundum mit uns wohl fühlt.
    Nur der heutige Nachmittagsgang bei strömendem Gewitterregen, den hat er garnicht gemocht. Triefend nass, stand er wie ein Häufchen Elend in der Wohnung rum und schien heilfroh, dass wir ihn mit einem Frotteehandtuch halbwegs trocken gerubbelt haben.
    Der Hexenkat liegt wohlbehalten in LGM und Outremer werkelt hoffentlich fleißig daran. Heute habe ich unser kleines Motorboot zur Durchsicht zu meinem Motorenspezialisten nach Frankenthal gebracht und wenn alles gut geht, können wir ab dem Wochenende auf dem Rhein rumflitzen. Zwei Jahre hat der Mercruiser Motor jetzt geruht, da will ich, dass ein Fachmann ein Auge auf den Motor nebst Aggregaten wirft, damit wir nicht unvorhergesehener Weise antriebslos auf dem Rhein herumtreiben. Nasser Hund bedeutet natürlich nasses Wetter und der Eine oder Andere versucht, uns für den Umschwung zum schlechteren Wetter verantwortlich zu machen. So nach dem Motto, “wo ihr seid, wird’s kühl”. Ja, wir haben auch vom sommerlichen Biergartenwetter geträumt und müssen uns wohl noch ein paar Tage bis dahin gedulden, aber nein, wir haben das schlechte Wetter nicht mitgebracht…
    Zumindest nicht absichtlich!

  • Der vierte Tag

    Samstag, 26. Mai 2018, 2. Teil

    Dieser vierte Tag unserer Überfahrt war für mich der entspannteste und angenehmste. Obwohl ich in der Nacht nicht so gut geschlafen hatte wie in der Nacht zuvor, fühlte ich mich ausgeruht und freute mich auf diesen letzten Tag auf dem Atlantik. Nachdem ich Volker um 03:15 abgelöst hatte, konnte auch er sich noch eine richtige Mütze voll Schlaf holen und war ebenfalls am Morgen en pleine forme und gut gelaunt. Wir hatten ein gemütliches Frühstück im Cockpit mit ordentlichem Kaffee und Spiegelei, die Kommunikation über emails und gribfiles für Wetterberichte mit dem Pactor-Modem war tadellos und schnell, es gab Wind zum Segeln und ein glattes Meer, dann sogar noch Reste von der gestrigen Lasagne zum Lunch, Mensch, was willst Du mehr?

    Am späten Nachmittag tranken wir wie jeden Tag unser alkoholfreies Bier in der Abendsonne, entspannt natürlich. Aber nicht lange! Denn da begann der Albtraum.

    Plötzlich ruft Volker von innen mir zu: “Was machst Du denn? Warum fährst Du so ‘n Scheiß?” Ich bin mir keiner Schuld bewusst, ich hatte lediglich an Deck gesessen und verträumt ins blaue blaue Meer gestarrt, aber jetzt merke auch ich, dass das Boot komplett vom Kurs abgewichen ist und sich völlig unkontrolliert dreht. Da hat sich wohl der Autopilot ausgeschaltet. Volker steht am Steuerrad und will die Hexe zurück auf Kurs bringen, aber nix geht! Das Rad hat keine Steuerungswirkung mehr! Mittels Autopilot bringen wir das Boot auf Seinen richtigen Kurs zurück, ehe es vor den uns entgegen kommenden Frachter läuft. Nochmal gut gegangen.

    Die Pinnensteuerung funktioniert, also scheint hier etwas ausgekuppelt zu sein. Merkwürdig ist nur, dass keiner von uns überhaupt dran war. Alle weiteren Berichte hierüber kommen morgen vom Skipper selbst. Und es war dramatisch und furchtbar.

    Aber kaum hatten wir diese Phase überstanden, zeichnete sich ein  neues Problem ab. Wir waren unterwegs an der marokkanischen Küste, eigentlich weit genug entfernt vom Land. Volker war noch in der Motorbilge beschäftigt, da war ich schon die ganze Zeit nervös mit den gerade noch sichtbaren Bojen, die irgendwelche Fischernetze ankündigten. Unter Motor versuchte ich im letzten Sonnenlicht, ihnen auszuweichen. Es wurde immer dunkler, und immer weiter mehrten sich diese furchtbaren Bojen. Mal blinkten sie rot und weiß, mal rot und blau, aber immer lagen sie mitten in unserem Weg. „Was tun wir denn jetzt?“, war die bange Frage, denn es macht keinen Spaß, mit 6 – 8 Knoten Fahrt in eine Fischerleine rein zu rauschen. Wir sind ausgewichen, nach Nord, nach Süd, solange, wie uns das kleine Fischerboot, das dann immer mit uns fuhr, es für nötig hielt, damit deren Netze nicht beschädigt wurden. Und das in der Nacht, ohne Sicht, wir wollten nur noch weg, am liebsten raus aufs Meer, wo man nicht mit so ‘nem Blödsinn zu kämpfen hat.

    Dieses Spiel haben wir über Stunden gespielt, und es hat uns ungefähr 25 Meilen gekostet, bis fast in das Verkehrstrennungsgebiet hinein, Treibnetze überall, bis wir endlich in der Straße von Gibraltar waren. Es war eine Horror-Nacht, wie wir sie noch nie erlebt hatten, und auch nicht wieder erleben möchten. Das Segeln war gut, und hat uns viel Spaß gemacht, aber wir würden nie mehr so nah an die marokkanische Küste vor Gibraltar gehen!

    Morgen kommen sicher noch ein paar intelligente Analysen, aber das war es erst einmal für jetzt, wir sind gut in La Linea, direkt neben Gibraltar angekomme, haben am Nachmittag ausgeschlafen und waren mit Harald und Sohn Julian unterwegs in Gibraltar und La Linea. Morgen gibt es auch mehr hierüber, total gut und spannend, gute Nacht!

  • Es geht los!

    Das kleine meteorologische Wunder scheint einzutreten. Ein atlantisches Tiefdruckgebiet, das sich normalerweise von West nach Ost über den Atlantik bewegt, ist nach Süden gewandert und hat seinen Kern, mehr oder minder über, bzw. leicht nördlich von Madeira etabliert. Dort scheint die kleine Tiefdruckzelle erst einmal ein paar Tage stationär liegen zu bleiben und produziert freundlicherweise an ihrer südöstlichen Flanke Winde aus dem westlichen Quadranten. Soweit so gut für uns, wir wollen daher diese besondere Wettersituation nutzen und am Mittwoch Morgen in Richtung Gibraltar aufbrechen.

    Diese erfreuliche Tendenz hat sich sehr kurzfristig, erstmalig vor 2 Tagen, in dem einen oder anderen Vorhersagemodell erkennen lassen. Stand jetzt, sieht es so aus als könnten wir wirklich ohne Gegenwind in Richtung Mittelmeer segeln. Einen kleinen Dämpfer gibt es dennoch, zum Freitag hin soll der Wind komplett einschlafen und wenn wir wirklich einigermaßen gut vorankommen wollen, müssen wir ca. 50 Prozent der Strecke motoren. Doch das ist uns nach Wochen des Wartens auch egal und die Dieseltanks sind bis oben hin gefüllt. Gut 700 Liter Diesel sind auf zwei Tanks verteilt, plus noch einmal 100 Liter Diesel in Reservekanistern. Voraussichtlich mehr als genug an fossilem Brennstoff, der insgesamt für 200 Motorstunden ausreichen sollte. Wir rechnen mit 100 Stunden Fahrtzeit insgesamt bis Gibraltar und wollen am Samstag das Fahrgebiet zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Kontinent, das gleichzeitig die Grenze zwischen Mittelmeer und Atlantik markiert, erreichen.

    Am Morgen haben wir wirklich die Leinen losgeworfen, die Florentine hat uns mit leutem Tuten auf der Muschel verabschiedet und wir motoren über das glatte Meer zunächst noch an der Ostseite von Lanzarote entlang

    Täglich werden wir per Winlink unsere Position melden, Ihr findet das unter Winlink.org/PositionRreports Callsign DL3HEX, und wenn es denn klappt, stellen wir zwischendurch auch kleine Berichte auf unseren Blog.