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  • Der Wind kommt, wir gehen.

    La Revellata, der Leuchtturm vor Calvi, und tschüss!

    Pünktlich um 12 Uhr fing es an, in die Bucht von Calvi hinein zu wehen, wir gehen Ankerauf, Segel hoch und machen uns auf den Weg nach Porquerolles, auf jeden Fall an die französische Küste. Im Moment rollt die Hexe ganz schön in den Wellen, die See hat Schaumkrönchen, der Wind kommt aus guten 120° mit 16 – 18 Knoten, wir segeln beständig über neun Knoten schnell. Morgen nach der Ankunft gibt es dann ein Update, wo wir wann gelandet sind.

  • Was eingebrockt

    Noch ist Samy entspannt

    Da hab ich mir was ausgedacht heute Morgen!

    Wie immer habe ich, sobald die Augen aufgeschlagen und der Kopf aufnahmefähig ist, nach dem Wetterbericht geschaut. Und das sieht trübe aus für Capraia, ab heute Abend regnet es die ganze Zeit bis Freitag Vormittag. Ich schaue mal die anderen Möglichkeiten an, in St. Florent, Calvi, Cannes regnet es zwar auch, aber nicht ununterbrochen, sondern ab und zu. Also studiere ich sämtliche Windprognosen, Windfinder, Weathertrack und vor allem Predict Wind. Sie alle sagen südöstliche Winde voraus, die Windgeschwindigkeiten liegen zwischen 12 und 18 Knoten. Ich schlage Volker also vor, heute nach St. Florent zu fahren, mit schönem achterlichen Wind, noch ohne Regen und Gewitter, und dann dort im Hafen oder vor Anker den Donnerstag abzuwettern. Er ist zwar nicht begeistert, willigt aber ein.

    Um zehn Uhr legen wir ab, im Hafen ist von Wind kaum etwas zu spüren, aber bereits draußen beim Segelsetzen frischt der Wind auf lockere 14 Knoten auf, und Volker bindet vorsorglich Reff 1 ins Großsegel. Das war eine gute Idee, denn kaum waren wir an der Nordspitze der Insel, wurden aus den 14 schnell 18 Knoten und mehr.

    Böenwalze

    Im Canal de Corse kommt es dann aber noch dicker. Fette Gewitterwolken hängen über dem Wasser, wir setzen Reff 2 ins Großsegel, ehe die Front kommt, die Genua ist verkleinert, ich sitze am Radar und beobachte die Geschwindigkeit der Gewitterzellen. Eine geht direkt über uns hinweg, und es schüttet wie aus Eimern. Man sieht die Böenwalze herankommen. Eine andere Gewitterzelle bleibt glücklicherweise hinter uns.

    Die Spitzengeschwindigkeit betrug 13,8 Knoten!

    Hinter Cap Corse hätten wir bei dem dort herrschenden Wind eine Kreuz von zwanzig Meilen bis St. Florent. Darauf hat aber keiner von uns Lust, am wenigsten wohl der Hund, der ist verschnupft, weil er nicht ins Trampolin zum Spielen darf. Und der Wind nimmt zu und zu, und die Wellen werden immer höher und kommen immer schneller, in der Spitze hatten wir über 31 Knoten Wind. Dann laufen wir doch lieber ab nach Calvi. Ich setze die Route neu auf, wundere mich ein bisschen, dass es 216° sind und nur noch 27 Meilen, aber das ist ja schön.

    Das Wasser tobt

    Die Wellen sind echt unangenehm, ich schließe alle Schubladen mit dem kleinen Verschlusskopf, das brauchen wir sonst nie, und die Schiebetür zum Eignerbereich macht sich hin und wieder selbständig. Die Orchidee steht an einem gesicherten Platz, der Outremer-Pokal ist umgelegt, und der Wassersprudler ist im Schapp versorgt.

    Glücklicherweise habe ich routinemäßig nach dem Ablegen alle Fenster gecheckt, da war doch tatsächlich ein kleines Fenster in der Gästetoilette offen, das wäre sonst bitter gewesen, weil irgendwann das Salzwasser in die Bilge und in die Flure kommt, und man den ganzen Rumpf auswaschen muss…

    Der Wind geht schlafen und Samy darf ins Netz

    Fünf Meilen vor dem Ziel betrachten wir die Bucht, um zu überlegen, wo man da bei welchen Windrichtungen am besten ankert, als Volker plötzlich zu mir sagt: „Das ist die Bucht von Ile Rousse, nicht Calvi!“ Oh nein! Da habe ich die falsche Bucht als Ziel eingegeben, und mich noch gewundert, warum der Kurs nicht ganz stimmt, und die Entfernung kürzer ist! Wenn man schon Zweifel hat, muss man das überprüfen, oh je oh je!

    Sofort setze ich den neuen Kurs auf Calvi ab, und siehe da, es sind genau die erwarteten 230°, nicht 216°, und es sind einfach gut zehn Meilen mehr. Tut mir jetzt sehr Leid für Samy, nächstes Mal hinterfrage ich es, wenn ein Wegepunkt nicht zu passen scheint.

    Von Land aus sieht man die Hexe friedlich am Ankerplatz schwojen

    Ab diesem Zeitpunkt ging auch der Wind schlafen und drehte auf genau von vorne, sodass wir motoren mussten. um 17:10 fiel der Anker vor Calvi, wir haben uns umgezogen, das Beiboot klargemacht, den Hund spazieren geführt. Er hat es uns (oder mir) nicht übel genommen. Danke Samy!

  • Capraia

    ist eine von sieben Hauptinseln, die das toskanische Archipel bilden, sie befinden sich genau gegenüber der toskanisch-italienischen Küste. Dazu gehören: Elba, die größte und bekannteste Insel des gesamten Archipels, daneben Giglio, die Insel, neben der Kapitän Schettino die Costa Concordia auf Grund gesetzt hat, Montechristo, wo die berühmte Geschichte des dazugehörigen Grafen von Daniel Defoe zu Papier gebracht wurde, Pianosa, die unter Naturschutz steht und von Seglern nur im Notfall angelaufen werden darf, Gorgona und Giannutri, die jeweils nur aus einer Gemeinde bestehen und  Capraia, die Ziegeninsel, auf der wir uns zur Zeit befinden. Daneben gibt es noch einige kleinere überwiegend unbewohnte Inseln. Das gesamte toskanische Archipel umfasst eine Fläche von ca. 60.000 Hektar, die Eilande werden auch die tyrrhenischen Inseln genannt. Dieser Name entspringt einer Legende, wonach die tyrrhenische Venus dem Meer entstieg und dabei ihren Perlenschmuck verlor, der dabei in Splitter zerbrach, diese Splitter wurden zu den heutigen Inseln. Soweit und so schön die Legende, Tatsache ist wohl, dass der kleine Fleck Capraia und die anderen Inseln auch in der Folge von Vulkaneruptionen vor ca. 1 – 3 Millionen Jahren entstanden sind.

    Soweit zum Archipel allgemein, nun zu Capraia im Besonderen. Der Ankergrund vor der Hafeneinfahrt ist nahezu vollständig mit Seegras bewachsen, und unser Anker hat trotz viel Geduld und mehrerer Eingrabungsversuche keinen Halt gefunden. Danach haben wir uns entschlossen nach Ankunft in den Hafen zu verholen. Hier sind wir jetzt seit vorgestern und haben bereits zwei größere Ausflüge zu Fuß unternommen und uns an der reichhaltigen Natur und dem hoch über dem Hafen thronenden alten Ortskern sehr erfreut.

    Im Ort selbst herrscht fast eine gespenstige Stille, die meisten Häuser sind verwaist, da die Saison schlichtweg vorbei ist. In dem Ortsteil am Hafen sind die Kneipen, Restaurants, der Tauchexkursionsanbieter und der Supermarkt noch geöffnet, man hat das Gefühl, dass das Inselleben hier pulsiert und nicht im Oberdorf. Es kommen mal mehr oder weniger Chartersegelschiffe an, die dann den Hafen für eine Nacht bevölkern.

    Wir hatten mit dem Schweizer Ehepaar Benno und Margit das Glück, zwei sehr nette Liegeplatznachbarn für zwei Tage zu haben, die zudem schon die Welt von 2003 – 2006 umsegelt hatten und mit ihren über 80 Lebensjahren über eine unglaubliche körperliche und geistige Konstitution verfügen. Die beiden segeln jetzt noch anspruchsvolle Törns im Mittelmeer und sind beim gemeinsamen Klönschnack ein Quell an Geschichten, sehr schön!

    Eine Quelle des Ärgernisses ist die allabendliche Beschallung durch eine mehr als provinzielle Dorfdisko in der äußeren südöstlichen Hafenecke, die den gesamten Hafen mit ihrer Musik nervt, auch wenn kein Mensch mehr dort ist. irgendwie muss der alternde Besitzer dieses Etablissements ein gestörtes Verhältnis zu den Hafenbewohnern haben. Wir sind jedenfalls von der allabendlichen/allnächtlichen Zwangsbeschallung reichlich genervt und können deswegen den Hafen für ruheliebende Segler leider nicht empfehlen. Wie man als Inselverwaltung so einen Bullshit auf einer sonst so ruhigen und wunderbaren Insel genehmigen kann, ist uns absolut nicht verständlich. (Ich würde sie trotzdem empfehlen, es ist eine wunderbare Insel, Heimat sozusagen, dann muss man eben abends eigene Musik anmachen!)

  • (K)eine neue Insel

    Der Strand von Salivoli in der Morgensonne

    Als wir heute Morgen relativ früh abgelegt haben, gab es einen Plan, heute nach Livorno zu motoren, weil leider wieder mal kein Wind weht, und morgen mit leichtem Ostwind die 40 Seemeilen nach Porto Venere vor La Spezia zu segeln. Doch anfänglich gab es Nordwind mit zehn Knoten, da mussten wir ganz schnell das Segel setzen, als er ein bisschen auf Nordost drehte… und plötzlich nur noch mit zwei Knoten wehte, als das Großsegel oben war.

    Nach einer Stunde Motorfahrt kommt allerdings der Skipper und mault, dass er nicht so lange motoren will, und außerdem zeigte die Vorhersage für die italienischen Küstengebiete immer weniger Wind an, sodass die Gefahr von weiteren „Motorboot-Tagen“ herrschte. Auf solche Diskussionen habe ich ja überhaupt keine Lust, weil ich dann immer am fehlenden Wind Schuld bin, und kann doch leider gar nichts dafür. Wenn es nach mir ginge, hätten wir beständig zwölf bis vierzehn Knoten Wind aus 150 Grad, egal ob von Backbord oder von Steuerbord.

    Also schlage ich vor, doch einfach den Kurs zu ändern und die kleine Insel Capraia anzusteuern, dann lassen wir eben die italienische Küste aus, lernen eine neue Insel kennen, und segeln in ein paar Tagen, hoffentlich mit Wind, nach Nizza oder Cannes. So machen wir das.

    Capraia in Sicht!

    Tatsächlich sind wir alle 26 Meilen unter Motor gefahren, der Wind kam aus wechselnden Richtungen mit einem bis viereinhalb Knoten, zehn Minuten lang durfte die Genua mit ziehen, aber dann war auch dieser Hauch vorbei. In Capraia angekommen, haben wir uns zunächst vor Anker gelegt, beim ersten Versuch hielt der Anker schlecht, beim zweiten Mal war es in Ordnung, aber hier ist viel Posidonia, und der Anker gräbt sich nicht richtig im Sand ein. Nach einem kleinen Erkundungsgang im Ort beschließt Volker plötzlich, dass wir doch besser im Hafen aufgehoben sind, zumal inzwischen noch ein Segler gekommen ist und sich sehr in unsere Nähe gelegt hat. Die Marina ist auch halbleer, ich telefoniere kurz mit dem Hafenbüro, klar können wir kommen, der Preis ist in Ordnung, nicht so günstig wie in Piombino, aber wir sind ja schließlich auch auf einer Insel hier.

    Als ich nach dem Anlegen zum Marinabüro gehe, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Ich war hier schon einmal! Vor ein paar Jahren, als ich bei Sabines Mädelstörn mitfahren durfte, haben wir genau hier angelegt, Fritzi ist in die Farmacia gegangen wegen ihres Quallenbisses, und abends sind wir auf den Hügel gestiegen, um dort vorzüglich zu essen. Also keine neue Insel für mich, aber für Volker und Samy. Und morgen werden wir sie erkunden!

  • Facettenreich

    Johannes, mit dem SuP unterwegs

    Zum Ausprobieren gab es zahlreiche Gelegenheiten, egal ob beim Zwischenstop oder in der Lacona-Bucht. Immer ging unser neues Stand-Up-Paddleboard, kurz SuP genannt, direkt nach dem Ankern zu Wasser und wurde von Larissa, Johannes, der Capitania oder mir für ausführliche Buchtenerkundungen oder einfach nur zum Spaß genutzt. Die neue Trendsportart ist die am schnellsten wachsende Wassersportart, im Stehen zu paddeln hat  bei uns an Bord nun Einzug gehalten. Zuerst mit schlotternden Knien ums Gleichgewicht bemüht, speziell bei Wind und Wellen, hin und wieder kniend, doch dann fast elegant, waren wir alle auf dem aufblasbaren SuP unterwegs. Mit zunehmender Begeisterung wurde das neue Brett von allen angenommen, selbst Samy fährt mit, wenn man kniet.

    Unterwegs zum Strand mit dem Dinghy

    Wenn die Hexe in einer wunderbaren Bucht  vor Anker liegt, gibt es noch viel mehr Wassersportaktivitäten denen man je nach Gusto nachgehen kann. Ich guck gerne den Fischen zu und kann ewig lang an einer felsigen Küste schnorcheln und die Unterwasserfreunde beobachten, Larissa schwimmt auch mal weite Distanzen zwischen Ankerplatz und Strand, Cornelia dreht mit Vorliebe ihren Runden ums Boot und Johannes hat sich mit dem Windsurfvirus infiziert und bereits am ersten Tag enorme Fortschritte gemacht.

    Lehrer und Schüler

    Wassersport ist so facettenreich, besonders vom ankernden Schiff.

    Mittlerweile sind wir wieder zu zweit allein an Bord. Larissa und Johannes haben gestern den langen  Heimweg angetreten. Wir haben den Tag im Hafen abgewettert und dessen Annehmlichkeiten genossen, weil es fast den ganzen Tag regnet.

    Seit heute, Sonntag Morgen 09:30 Uhr sind wir wieder unterwegs, leider unter Motor, Richtung Livorno.

    Nana und Nico haben ihre eigene Sportart – Tauziehen!
  • Inselrundfahrt, oder Cornelias Wille geschehe.


    Sie wollte, ich wollte nicht unbedingt, der Nachwuchs war indifferent. Schon seit ein paar Tagen liegt mir Cornelia damit im Ohr, dass sie gerne mal das Inselinnere von Elba mit dem Leihwagen erkunden möchte, ein paar Bergdörfer besichtigen, auf den Monte  Calamita, den höchsten Berg von Elba mit der Seilbahn fahren, und in einer Töpferei, wo sie früher schon mal war, nach einer ganz besonderen Kaffeetasse suchen. Ich finde Elba einmalig schön, sogar so schön, dass ich es für irgendwann mal, als einen Zweitwohnsitz durchaus in Betracht ziehen könnte. Aber muss ich dafür unbedingt einen Tag in einem kleinen Fiat Panda rumsitzen und auf den touristisch vollgestopften Inselstraßen rumgurken? Die Frage ist ganz klar mit nein zu beantworten, aber der stete Tropfen aus Cornelias Umstimmungsrepertoire zeigt sein Wirkung. So haben wir uns auf einen halben Autofahrtag geeinigt, nur am Panda ging leider kein Weg vorbei.

    Erstes Ausflugsziel war das historische, am Berg gelegene Capoliveri, das mit einem wunderbaren Rundumblick und einer sehr hübschen Altstadt punkten konnte. Abseits der Piazza Garibaldi, auf der hauptsächlich deutsch gesprochen wird, sind nicht viele Touristen unterwegs in dem kleinen Städtchen, so können wir in Ruhe alles bestaunen und fotografieren.

    Die Buchten des Inselsüdens sind von dort aus ebenso sichtbar, wie Portoferraio im Norden und die höher gelegenen Ortsteile von Porto Azzurro. Das nächste Etappenziel führte uns, einmal fast das gesamte Inselinnere durchquerend nach Marciana Marina und von dort ging es in einigen Serpentinen hoch ins Bergdorf Poggio. Auf der Fahrt dorthin fiel uns einmal mehr auf, wie grün Elba ist.

    Summa summarum muss Man(n) sagen, dass eine Inselrundfahrt mit Leihwagen zum unbedingten Pflichtprogramm gehört. Der zweitägige Hafenaufenthalt in Portoferraio, war den Windvorhersagen geschuldet, die vor einem stürmischen Nordostwind n Verbindung mit Gewitter und Starkregen gewarnt haben. Diesmal trafen die Negativvorhersagen auch zu und ich war in der Nacht vom Montag auf Dienstag nicht der einzige Skipper, der wachend um zwei Uhr nachts an Deck stand und Leinen und Fender kontrolliert hat. Zumindest so lange, bis der Regen mich zurück in Koje zwang.

    Heute präsentiert sich der Himmel und das Meer wieder in einem tadellos strahlenden Blau und wir sind einmal mehr in den Inselsüden aufgebrochen. Nun liegen wir wieder vor Lacona Beach, herrlich!

    Bilder folgen!

  • Au weia!

    Der Seegang hat uns immer wieder mal wach gehalten in der Nacht zum Montag, es hat gegluckert und geschaukelt, wenn die Wellen mit dem Südwind direkt in die Bucht gelaufen sind. Seit heute Morgen lässt der Wind nach und wechselt beständig die Richtungen. Die Hexe fährt Karussell mit uns, aber der Anker scheint das mitzumachen.

    Mittags waren wir schön mit Samy spazieren, der Südwind hatte sich gelegt, und der Seegang war schwächer geworden. Noch war der angekündigte Wind aus Nordost nicht so stark, die ersten Böen kamen um 17 Uhr, hielten sich aber in Grenzen.

    Handy in Reis

    Nach einem kurzen erfrischenden Bad sitze ich gerade mit eingeseiften Haaren auf den hinteren Stufen, da höre ich einen Volker-Schrei: „Nein, das ist jetzt nicht wahr!!!“ Das Iphone war ihm aus der Hand geglitten, auf dem Steuermannstuhl aufgeschlagen und, platsch, ins Wasser gehopst. Ins Meerwasser, versteht sich. Wasser mögen unsere elektronischen Freunde ja schon nicht so gerne, aber Salzwasser ist so etwas ähnliches wie ein Todesurteil.

    Nach kurzen Schrecksekunden springt Volker ins Wasser, um das Handy hochzutauchen, vielleicht können wir ja wenigstens die Sim-Card retten. Er findet es auch beim ersten freien Tauchgang, ich spüle es unter Süßwasser aus, dann hole ich die Sim-Card raus, spüle sie ebenfalls und trockne sie sorgfältig ab. Das Telefon trocknen wir so gut es geht von allen Seiten in der Sonne, dann kommt es in eine kleine Tupperdose mit Reis. Macwelt sagt, das kann helfen, muss aber nicht. Einen Versuch ist es allemal wert.Von einem früheren solchen Malheur haben wir noch ein älteres einfaches Nokia, das kommt eben mal schnell an den Ladestecker, die Sim-Card rein, telefonieren kann Volker wieder. Aber kein Whatsapp, und vor allem kein Spiegel-Online, wenn er nachts wach liegt, oder am Morgen oder auch am Tag oder Abend die Nachrichten studieren möchte, bitter bitter. Für die nächste Zeit weiß ich auf jeden Fall, wo ich nach meinen Telefon zuerst schaue, wenn ich es mal vermisse…!

    Eine Böenwalze kommt

    Am Abend fahren wir mit Samy zum Strand, man kann da auch im Dunkeln gut anlanden, muss nur ein Stückchen durchs Wasser waten, aber das ist ja noch warm. Ich sehe schon, wie Volker nervös während des Essens im dortigen Lokal immer wieder zu unserem Boot hinüber schaut. Irgendetwas scheint nicht in Ordnung, er will aber nicht so recht heraus damit, was ihm Sorge bereitet. Erst als wir uns auf den Rückweg zur Hexe machen, sage ich: „Der Segler hat sich aber nah an uns heran gelegt.“ „Ja, und genau deswegen fahren wir jetzt dorthin und scheuchen ihn weg!“, sagt Volker.

    Gesagt, getan. Wir klopfen an das Boot, versuchen dem Mensch auf Englisch, Französisch und Italienisch klar zu machen, dass das überhaupt nicht geht, dass er über unserer Kette liegt, und er sich bitte woandershin legen soll. Er liege ganz sicher, habe 25 m Kette draußen und zwei Ankeralarme, er würde aufpassen. Aber Volker lässt nicht los, er solle sich doch einen anderen Platz suchen, hier seien zwei Kilometer Strand, da müsse man doch nicht bei vorhergesagtem Starkwind so nah bei einem anderen Boot ankern.

    Das Gelbe sind die Schiffsbewegungen von heute Nacht

    Wir fahren erbost zur Hexe zurück, aber der Einhandsegler macht keine Anstalten, den Anker zu lichten. Jetzt wird Volker richtig böse, ich erkenne das immer daran, wenn sich seine Stimme überschlägt und ganz heiser klingt. „Go away, go away…“ Schließlich holt der andere den Anker hoch, zuerst sieht es so aus, als habe er sich tatsächlich in unserer Kette verhakt, wir stehen schon bereit, einen Zusammenstoß abzumildern, dann fährt er mit Vollgas an uns vorbei und ankert schließlich weit draußen in der Bucht. Wahrscheinlich wollte er jetzt auch nur seine Ruhe haben.

    Es sieht direkt gut aus!

    Die Nacht zum Dienstag war in Ordnung, der Wind kaum über zwanzig Knoten, die Bucht von Lacona ist ideal gegen alle nördlichen Winde geschützt. Heute Morgen hat Volker das Windsurfbrett ausgepackt, auch hierfür ist die Bucht gut geeignet. Surfen scheint wie Radfahren oder Flöte spielen zu funktionieren: Wenn man es einmal gut kann, verlernt man es nicht mehr. Ich habe ein paar Szenen gefilmt, die stelle ich demnächst auf Youtube.

  • Versteckspiel

    Vorhersage für Montag Abend

    Zeitgleich mit dem Durchzug von Sturmtief Knud an Nord- und Ostsee kündigt sich auch im tyrrhenischen Meer eine herbstliche Turbulenz an und lässt uns seit ein paar Tagen sehr gespannt alle möglichen Windvorhersagen beobachten. Jedoch, alle Wettervorhersagequellen sind sich einig, es wird ordentlich zwischen Montag früh und Mittwoch Nachmittag kacheln. Windspitzen von über 70 Stundenkilometern sind vorhergesagt und und so stellt sich bei uns die Frage, Quo Vadis – wohin?

    Heute Mittag schaukeln die Boote friedlich in den Wellen

    Wie schon beschrieben hat Elba alle paar Meilen eine gut geschützte Ankerbucht parat, doch bei wechselnden Windrichtungen wird es schwierig. Der angesagte Sturmwind soll im Laufe seines Herannahens so die Richtung ändern, dass er aus nahezu jeder Himmelsrichtung weht. Los geht es am Montagmorgen mit südlichen Winden, die schnell nach West eindrehen und sich bis Dienstagabend auf nord- bis nordöstliche Richtungen einpendeln. Die stärksten Böen sollen aus dem nördlichen Quadranten kommen, deshalb haben wir uns für die Lacona Bucht im Süden von Elba entschieden, die einen guten Schutz vor West- über Nord- bis Ostwinden bietet. Lediglich nach Süden hin ist die tief eingeschnittene Bucht offen, die wehen heute Nacht, aber noch mit milden 10 – 15 Knoten. Die umliegenden Berge scheinen nicht so hoch zu sein, dass man vor Fallwinden keine Angst haben muss.

    Vorhin haben wir einen Erkundungsgang an Land gemacht, um auszuloten, wo wir auch abends sicher mit dem Dinghy anlanden können, um mit Samy eine Runde zu drehen. Frische Lebensmittel haben wir in heute in aller Frühe in Marciana Marina gebunkert. Der Ankergrund wird in den entsprechenden Revierführern als sehr gut beschrieben, und wir haben extra viel Ankerkette gesteckt. Wir liegen auf 7 Meter Wassertiefe und 45 Meter Kette sind raus.

    Trotzdem ist eine gewisse Anspannung spürbar…

  • Segelbar.

    Über 10 Knoten auf der Logge

    Er war vorhergesagt, er kam auch und wir haben ihn genutzt. Der Wind, der uns in den letzten Tagen hin und wieder an der Nase rumgeführt hat und auf den wir nun mehr als eine Woche gewartet hatten, kam heute, endlich, wie vorhergesagt. Schon früh um 9 Uhr fing es an, aus Südost zu wehen und um 10 Uhr gingen wir ankerauf. Das Großsegel war schnell gesetzt, die Motoren verstummen, langsam nimmt die Hexe Fahrt auf und am Heck gluckert das Meereswasser fröhlich vor sich hin. Gleich kommt noch die Genua dazu und die Logge springt flugs auf 8 Knoten Fahrt. Wir wollen mal wieder in den Inselsüden und dazu Elba entgegen des Uhrzeigersinns umsegeln. Die Capitania programmiert einige Wegepunkte um die Insel rum und gibt die zu segelnden Kurse vor. Der Wind frischt auf, erste Böen erreichen 18 Knoten, unser Kat segelt mit 10 Knoten dahin. Freudige Gesichter an Bord.

    De felsigen Strände um S. Andrea

    Nach dem Passieren von Capo Benefola setzen wir den Kurs auf den westlichsten Zipfel von Elba ab. Plötzlich verfärbt sich in Luv das Wasser scheinbar schwarz, und weiße Schaumkronen kontrastieren damit. Starkwind ist im Anzug, wir rollen die Genua weg und drehen das Schiff in den Wind, alles klar zum Reffen des Großsegels. Keine fünf Minuten später ist das erste Reff eingelegt und selbst damit stürmt der Kat mit fast 10 Knoten dahin. 20 Minuten später heißt “rien ne va plus”, nachdem wir an Marciana Marina vorbeigerauscht sind, schläft der Wind innerhalb weniger Momente komplett ein und dreht dann um 180 Grad. Die Motoren werden zum Leben erweckt, wenn der Wind nicht so will, wie er soll, ist auf Elba der nächste Ankerplatz nie mehr als ein paar Meilen entfernt.

    Der knuffige kleine Badeort

    Ein paar Minuten später liegen wir vorm malerischen schönen Badeort Sant’ Andrea, der Anker hat sich in den sandigen Untergrund eingegraben. Wir baden bei sommerlichen 30 Grad Außentemperatur im azurblauen Meer. Nachmittags gehen wir durch den kleinen Ort, damit Samy zu seinem Gassigehrecht kommt, erklimmen einen schmalen Küstenpfad, der uns in die Höhenlage von Sant’ Andrea führt. Dort genießen wir die Aussicht über das Meer, den Strand und die signifikanten Felsformationen – ein Idyll.

    Marciana Marina im Abendsonnenschein

    Jetzt liegen wir zum wiederholten Male vor unserem Lieblingsort auf Elba vor Anker, Marciana Marina hat es uns angetan. Gleich geht es zum Aperitivo!

  • Portoferraio nach Porto Azzurro und zurück

    Idyllisch ist es in der Ankerbucht von Porto Azzurro

    Am Mittwoch haben wir die Leinen losgemacht und uns – schon ein bisschen schweren Herzens, von Portoferraio verabschiedet. Unser nächstes Ziel hieß Porto Azzurro, das hatte ich noch aus unserem Mädelstörn in guter Erinnerung. Ein hübscher kleiner Ort. Natürlich hält der Wind nicht durch für die 16 Seemeilen, wir segeln ein bisschen, dann motoren wir wieder, und schließlich fällt der Anker in der gut geschützten Bucht von Porto Azzurro. Mit Samy machen wir uns bald auf, den kleinen Ort zu erkunden, es ist gerade 16 Uhr, da erwachen diese italienischen Touristenorte erst so langsam aus dem Mittagsschlaf.

    Ganz untypisch – klare Formen ohne Gold und Putten

    Aber die hübsche Kirche können wir besichtigen, und ein leckeres Eis gibt es auch. Nach dem Abendessen (Gegrillt, was sonst?) an Bord fahren wir erneut in den Ort, laufen mit Samy die Uferpromenade und am Hafen entlang. Volker sinniert, ob man das alte Gefängnis in dem Fort besichtigen kann, aber nein, das wird immer noch als solches genutzt, und somit nicht zur Besichtigung freigegeben.

    Das Städtchen ist voller Restaurants und Bars, wirklich eins schöner als das andere, in einer Bar lassen wir uns auf einen Drink nieder und verfolgen die erst Halbzeit der Champions League als Konferenz von fast allen Spielen (nur Ajax und Hoffenheim waren nicht dabei) auf Großbildschirm.

    Ein hübsches Örtchen mit schönem Hafen

    Nach dem Tanken in der Marina von Porto Azzurro am Donnerstag, heute Morgen, segeln wir langsam aus der Bucht raus, um festzustellen, dass es doch wieder mal keinen Wind gibt. Volker ist sehr ungehalten über die seglerische Situation im Mittelmeer im allgemeinen und auf Elba im besonderen, und will nicht weiter nach Süden motoren, und wenn da noch so schöne Buchten warten, weil wir ja dann, wie er sagt, „den ganzen Rötel wieder zurück motoren müssen.“ Also machen wir einen Badestopp in der wunderschönen Bucht von Ortano, in der nur zwei Schlauchboote vor Anker liegen. Kaum haben wir jedoch ein Plätzchen gefunden, kommen weitere Segelboote und ein Motorboot, aber es ist ruhiges Wetter, da kann man bei Tag schon mal eng vor Anker liegen.

    Die Bucht von Ortano, bezaubernd

    Um 15 Uhr lichten wir denselben, ein leichter Wind hat aufgefrischt, und wir kreuzen vor dem Wind Richtung des nordöstlichen Endes von Elba. Der Ort Cavo hat es uns schon auf dem Hinweg angetan, aber da stehen so viele Bemerkungen in der Seekarte, dass dort ankern verboten ist, dass wir es uns nicht getraut haben. Jetzt liegen schon wieder einige Segler vor Anker, das können wir doch auch. Kaum haben wir uns genähert, fährt einer nach dem anderen weg, den letzten bekommen wir gerade noch zu fassen, ein kleines deutsches Segelboot, man beruhigt uns, ja hier könne man problemlos ankern.

    Die beiden haben große Probleme mit ihrem Anker, und sobald wir fest liegen, fährt Volker mit dem Beiboot rüber, um den schon etwas älteren Herrschaften zu helfen. Das trägt ihm eine Einladung zum Freibier ein, die wir aber leider nicht wahrnehmen können, denn als Volker, wieder an Bord und warm geschafft, noch einmal ins Wasser springt und nach dem Anker taucht, sieht er, dass der mitnichten gegriffen hat, sondern lose auf dem Seegras liegt. Also wieder hoch mit dem Ding, zwei Stunden bleiben uns noch im Hellen, dann ankern wir halt noch einmal vor San Giovanni und können heute Abend erneut die hervorragende Küche des unscheinbaren Restaurants dort, „Pizzeria 2001“ genießen. Auch gut!