In der Manufaktur

Osterfeuer

Osterfeuer

Eine Woche vergeht so schnell, kaum angefangen ist sie schon vorbei. Genau wie unsere letzten acht Tage in Darmstadt. Und doch ist die Zeit zuhause eine gänzlich andere als auf unserem Boot. Der Tagesrhythmus, die vereinbarten Termine und die sozialen Kontakte. Alles ist ein bisschen enger getaktet, und ehe man sich versieht ist man im alten Trott drin, positiv gemeint. So hatte ich in dieser Woche mit meinen lieben Skatbrüdern für Mittwochabend einen Skatabend verabredet. Unsere gelegentlichen mittwöchentlichen Spielabende finden schon seit vier Jahren, eher unregelmäßig, aber dafür umso freudiger statt. Wenn wir es denn schaffen, uns zu treffen. Jedenfalls, nach einigen Monaten Skatabstinenz war es diesen Mittwoch mal wieder so weit. Nur hatten wir soviel zu plaudern, die Probleme der Welt zu besprechen,tief in die Menschheitsgeschichte einzutauchen, ganze Völkerwanderungen nachzugehen, dass die gemeinsamen Stunden nur so dahingerauscht sind. Kurz vor Mitternacht hätten wir beinahe die Kurve gekriegt, haben wenigstens die Skartkarten schon mal gemischt, nur um kurz danach ein „neues Fass aufzumachen“. Bevor wir uns versahen, war es nach 3 Uhr, spät oder früh genug – je nach dem – um mit dem Fahrrad den Heimweg anzutreten. Der nächste Skatabend kommt aber bestimmt!

Alles bereit!

Alles bereit!

Allegra und Leonard sind über Ostern bei uns und für heute Abend hat sich eine spontane Grillparty ergeben. Das Wetter spielt mit, die Spareribs sind eingelegt, die Capitania hat meinen Lieblingskartoffelsalat schon kalt gestellt und Larissa und Johannes werden in bewährter Weise die beliebten Cocktails mixen. Die Sommerzeit ist auch auf dem Weg, den Umfrageergebnissen in der Bevölkerung dazu mag ich garnicht so recht glauben. Angeblich wären 80 Prozent der Befragten dafür, die Sommerzeit und die damit verbundene Zeitumstellung abzuschaffen. Was für ein Ding, ich wäre eher für eine ganzjährige Sommerzeit, am besten mit dem passendem Wetter 🙂

IMG_9814Ja, und dann waren wir heute noch mit Leonard in der Darmstädter Fahrradmanufaktur Cucuma. Dort werden sehr schöne Fahrräder noch liebevoll auf Kundenbestellung zusammengebaut. Farbe, Schaltung, Bereifung, alles individuell wählbar und wenn man die Qualität der Komponenten vergleicht, zu einem wettbewerbsfähigen Preis. Drei Wochen dauert der Bauprozess und dann steht das Cucuma Wunschbike zur Abholung bereit. Wenn ich wüsste, wohin mit dem Teil auf unserem Boot, hätte ich mir auch so ein schönes Rad gekauft.

Die 10-minütige Probefahrt, jedenfalls, hat mir richtig Spaß gemacht. Es ist schon ein Unterschied ob man mit so einem Leichtgewicht mit optimaler Schaltung oder einem schwereren Drahtesel rumkutschiert.

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Der englische Segelheld

 

Dank der langjährigenkontinuierlichen finanziellen Unterstützung seines Hauptsponsors “Hugo Boss” und einem eisernen Willen segelt der Engländer Alex Thompson ganz weit vorne mit, bei den Topsegelveranstaltungen dieser Welt. Bei der letzten Auflage der Vendée Globe 2013, einer alle vier Jahre stattfindenden Nonstoppregatta um die Welt, erreichte Alex Thopmpson mit seiner Rennyacht “Hugo Boss” das Ziel nach 80 Tagen. Neben den zahlreichen Teilnahmen an Regatten und der Segelei im Allgemeinen, findet Alex immer wieder Wege sich, sein Schiff und seinen Sponsor sehr werbewirksam durch spektakuläre Stunts und Aktionen geschickt in Szene zu setzten. Das erste Video, das für reichlich medienwirksamen Wirbel sorgte, war der „Keelwalk”. Das Schiff wurde bei dem Video so sehr in die Schräglage getrimmt, dass der Kiel in der Luft hing und Alex Thomson, modisch gekleidet im schwarzen Hugo-Boss-Zweiteiler, bei voller Fahrt auf den Kiel des segelnden Schiffes steigt. Keelwalk

Die nächste Actionaufnahme war noch mal spannender. Das Schiff segelt wieder stark gekrängt und während es das so macht, kraxelt Alex Thomson, vermutlich adrenalinbeseelt, den 30 Meter langen und hohen Mast nach oben. Dort an der Mastspitze angekommen, springt er gekonnt und unversehrt, wie es sich für einen Helden gehört, ins Wasser und wird danach von einem Begleitboot aufgenommen. Mastwalk

Im Herbst 2016 wird die diesjährige Auflage der Vendée Globe starten und unser Hugo-Boss-Held hat letzte Woche ein neues Video ins Netz gestellt, das alle Vorhergehenden an Tollkünheit um ein vielfaches überbietet. Ich mach da jetzt auch nicht viele Worte drum, das muss man einfach gesehen haben. Spektakulär. Skywalk und Link Making off bei YBW.com.

Bei uns geht es gerade viel weniger spektakulär zu als im Video. Gestern haben wir uns auf den Heimweg nach Darmstadt gemacht, unsere Hexe in La Grande Motte wohlvertäut zurückgelassen. Nächste Woche hat Leonard seine Augen-OP und da will Cornelia natürlich hier sein. Wir werden uns bis Anfang April in den heimischen Gefilden aufhalten. Nach acht Stunden Autofahrt waren wir nachmittags zuhause angekommen. Gerade noch rechtzeitig, um mit unseren Freunden das Fußballspiel Wolfsburg gegen Darmstadt anzuschauen. Leider hat Wolfsburg die Führung von Darmstadt 98 noch kurz vor Schluss beendet und beim Spielstand von 1:1 erfolgte der Schlusspfiff.

In den nächsten zwei Wochen gibt es weiterhin, nur nicht nahezu täglich, den einen oder anderen Blogbeitrag. Jetzt wünschen wir noch einen guten Wochenanfang und packt Euch schön warm ein. Der Frühling lässt noch auf sich warten!

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Ein Wind weht aus Nord,

seit gestern und nicht aus Süd, und es zieht uns im Moment auch nicht hinaus aufs Meer.

Regentropfen, die an mein Fenster klopfen

Regentropfen, die an mein Fenster klopfen

Wintereinbruch, bitterkalt ist es geworden. Tagsüber bleibt es temperaturmäßig nur noch einstellig und nachts sackt die Quecksilbersäule auf kalte null Grad ab. Was für ein Unterschied zu den vorangegangenen Tagen. Von dem meteorologischen Frühlingsanfang, am ersten März, also seit 17 Tagen, ist absolut nichts zu spüren. Gut, bis zum normalen jahreszeitlichen Frühlingsanfang am 21. März sind es noch ein paar Tage. Also üben wir uns in meditativer umd mediterraner Geduld. Nur, was mir neu ist, ist, dass es neben den meteorologischen und den kalendarischen Jahrenszeiten noch eine 3. Jahreszeiteneinteilung gibt. (Wir alle kennen ja auch die 5. Jahreszeit, aber das hat ja gar nichts damit zu tun!)

Das muss dann aber noch im Winter blühen

Das muss phänologisch noch im Winter blühen

Die Rede ist von der sogenannten phänologischen Jahreszeit, die wiederum in zehn Zeitabschnitte gegliedert ist. Da gibt es zum Beispiel den Vorfrühling, den Erstfrühling und den Vollfrühling und ebenso ist es dann mit Sommer und Herbst. Nur der Winter bleibt nach dieser Einteilung schlichtweg der Winter, ist qua dortiger Definition 113 Tage lang. Die Phänologie ist die Lehre vom Einfluss der Witterung u. des Klimas auf die jahreszeitliche Entwicklung der Pflanzen u. Tiere.

Man spricht in dem Zusammenhang auch von sogenannten Zeigerpflanzen. So soll beispielsweise im April der Erstfrühling sein und dann zu dieser Zeit die Forsythie blühen und von der Stachelbeere solllen sich die ersten Blätter zeigen Eine Wissenschaft für sich. Egal, wie man die Jahreszeit definiert, Fakt ist, dass bei uns rund um die Uhr die Heizung läuft.

Also nix mit Hans Albers, La Paloma: „Ein Wind weht aus Süd und zieht mich hinaus auf See“ https://www.youtube.com/watch?v=DT86KDYyzu0. Da passt schon eher Hans Hartz, Sturm:, „Ein kalter Wind weht her vom Meer…” https://www.youtube.com/watch?v=lMih6n_6dEQ, hihi.

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Nachtrag

 

So gurgelt das Wasser hinter der Hexe, wenn sie schnell segelt…

So gurgelt das Wasser hinter der Hexe, wenn sie schnell segelt…

Bis in die späten Abendstunden hinein konnten wir mit Spinnaker und Großsegel reichlich Meilen gutmachen und das bei spiegelglattem Meer. Was für ein Unterschied zu den vorangegangenen Tagen. Bei völliger Dunkelheit und ruhiger See über 8 Knoten schnell dahin zu rauschen, war schon ein besonderes Erlebnis. Am Emde standen nach 16 gesegelten Stunden genau 99,9 gesegelte Seemeilen auf der Logge. Als wir dann um kurz vor 23 Uhr unsere Leinen im Hafen von La Grande Motte festgemacht hatten, waren wir beide über das hinter uns liegende so aufgekratzt, dass wir, trotz leichten Regens, diskutierend bis nach halbeins draußen im Cockpit sitzen geblieben sind.

Heimweh nach der Côte?

Heimweh nach der Côte?

Die Côte d’Azur liegt nun hinter uns, beinahe zehn Monate war sie uns eine seglerische Heimat mit all ihren Schönheiten und den kleinen Macken. Landschaftlich unbestritten schön, kontrastreich, abwechslungsreich mit hohen, zum Teil schneebedeckten Bergen, Steilküsten und langen Stränden. Die Städte, in der Saison quirlig, bunt, ein Festival folgt auf das andere. Wo viel Licht, ist auch Schatten, wie man so schön sagt. Das Preisgefüge an der Côte ist wohl im Laufe der Touristenjahre aus den Fugen geraten. Dienst und Leistung korrelieren nicht immer miteinander. Aber soviel Schönheit darf getrost auch kleine Schönheitsfehler haben, sonst wäre es zu perfekt.

Zugzug

Zugzug

Cornelia ist heute mehrfach umgestiegen, „zugzug” gefahren und hat unser Auto von Villeneuve-Loubet nach La Grande Motte geholt. Genau elf Stunden war sie dafür unterwegs. (Und beim Rausschauen aus dem Fenster ein bisschen Heimweh gehabt.)

Zwei Seenotfälle haben, unabhängig voneinander, am späten Nachmittag für reichlich Aufregung im Hafen gesorgt. Ein Segler ist beim Segelklarieren über Bord gegangen, dabei zusätzlich an einer Relingsstütze hängengebleiben und hat sich eine Rippe gebrochen.  Ein anderer Segler mit einem kleinem Segelschiff, in grottenschlechtem Zustand, hatte Motorprobleme. Die Seenotretter hatten beide Schiffe, nach erfolgreichem Einsatz, direkt hinter uns am Steg festgemacht.

Heute Abend hatten wir dann noch lieben Besuch von Eric und Nany, unseren Segelfreunden aus Montpellier. Zur Krönung gab es als Dessert eine von Nany selbstgemachte französiche Schokotorte. Sünde pur!!!

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Adieu à la Côte d’Azur

14. März 2016, Montag, Baro 1017, bedeckt, aber nicht kühl, Wind zunächst 5 Knoten Nord, später O drehend, auffrischend bis max. 17 Knoten
Porquerolles 06:45 – La Grande Motte 22:45, 99,9 sm

Punkt sechs Uhr stehen wir auf, ich laufe mit dem Hund ins Dorf, in der Hoffnung, dass der Bäcker vielleicht schon backt. Das tut er auch, aber auf mein Klopfen an der Tür macht er nur die Tür zur Backstube zu und verschwindet dahinter. So ein scheuer Bäcker! Na, da muss ich uns eben das Brot selber backen.

Kurz nach dem Ablegen frischt der Wind auf 7-8 Knoten auf, wir segeln mit halbem Wind Richtung Toulon, dann geht der Wind mal wieder weg, dann kommt er wieder und raumt ein bisschen weiter, wir setzen den Spinnaker, für ungefähr zehn Minuten, dann frischt der Wind auf, und wir bergen ihn wieder.

Dann segeln wir wieder mit Fock und gutem Wind, dann geht er wieder schlafen. Jetzt ist es 09:30 und wir Motoren, denn bis La Grande Motte sind es noch 80 Seemeilen, und es wird sowieso schon Nacht, bis wir da sind.

Um 09:50 ging der Spi wieder hoch, zwischendurch geht der Sind weg, wir überlegen, ob wir ihn wieder bergen müssen, dann kommt wieder Wind, aber er wechselt die  Richtung, wir müssen halsen, jetzt, 11:30 ist schon wieder mehr Wind, vielleicht wird es gleich wieder zuviel…

Nein, nicht zu glauben nach diesem Hin und Her, jetzt ist es schon vier Uhr und wir segeln immer noch auf dem gleichen Bug, mit Spi, mal ein bisschen schneller, wenn der Wind auffrischt, aber nie unter fünf Knoten.

Wir sind an Toulon vorbeigesegelt, haben Cassis in der Ferne gesehen, die Calanques, die Inseln vor Marseille, jetzt sind wir auch durch das kleine Verkehrstrennungsgebiet an der Rhonemündung durch, und in zwei bis drei Stunden werden wir an dem Zigeuner-Wallfahrtsort „Les Saintes Maries” vorbei sein, wenn der Wind hält.

Kein Selfie, die Kamera soll Unterwasserbilder liefern

Kein Selfie, die Kamera soll Unterwasserbilder liefern

Ich hab – wegen des leider scheuen Bäckers – unser Brot selbst gebacken, also eher zwei größere Brötchen, Volker hat uns gerade aus den Resten der Grilltage ein Geschnetzeltes mit allerlei Gemüse gemacht, und Nico wartet auf den Hafen.

Kurz vor fünf sehen wir plötzlich eine Thunfischherde, die Tiere sind offensichtlich am Jagen, sofort kommen auch die Möwen. Volker versucht, mit der Unterwasserkamera, einem seltsamen Geräusch auf den Grund zu gehen.

Und fast hat der Wind gehalten, aber ca. anderthalb Stunden vor dem Zieleinlauf, ist alles weg, wir Motoren  mal wieder, nutzen das diesmal aus, um zu duschen, und laufen um viertel vor elf in den Hafen von La Grande Motte ein.

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Mannöver

13. März 2016, Sonntag, Baro 1014, sonnig, warm, Wind SO um 4
Monaco 10:10 – Porquerolles 21:20, 73 sm, Top Speed 11,7 Knoten!

Die Wellen, die durch die kleine Hafeneinfahrt von Monaco kommen, schaukeln die Hexe dermaßen durch, dass wir ganz schnell die Hafengebühren bezahlen und die Leinen losmachen. Draußen empfängt uns eine kabbelige See, das ganze Boot wird durchgeschüttelt, wir luven auch ein bisschen mehr an, damit es nicht zu sehr schaukelt. Nach zwei Meilen und über 150 Metern Wassertiefe wird es besser, der Wind hat sich auch stabilisiert, und die Hexe rauscht mit über sieben Knoten dahin.

Heute morgen habe ich beim Immobilienmakler die Schaufenster studiert, und mich sehr über die aufgerufenen Preise gewundert. Ein kleinesAppartement von 25 qm ohne Blick, ohne Balkon, soll 1.250.000 Euro kosten, 105 qm mit 15 qm Balkon schon 3,5 Mio und165 qm auf zwei Etagen 9,9 Mio. Da wundert es mich nicht mehr, dass wir für die eine Nacht im Hafen 67 Euro bezahlen müssen.

Dann läuft es richtig gut, wir werden immer schneller, Volker hat aber keine Lust, bei dem vielen Wind in Cannes anzulegen. Da gehen wir lieber in die Marina Baie. Gesagt, getan, wir halsen. Nach fünf Minuten kommen die Überlegungen, ob wir nicht den Wind ausnutzen sollten, und einfach weiter fahren, nach Porquerolles zum Beispiel. Also: zurückgehalst. Der Wind legt noch ein bisschen zu, das ist nicht schlecht, denn auch die Wellen am Cap d’Antibes sind ganz schöne Karwenzmänner, das Boot windet sich nach allen Seiten und saust dann mit über 10 Knoten die Wellen wieder runter.

Nach dem Cap können wir abfallen auf 220 Grad, da wird es ruhiger, und wir werden noch schneller, nie unter 8 Knoten, oft über 9, das macht Spaß. Volker muss sich was kochen, ich übernehme das Ruder, und, nach ein paar Minuten des Eingewöhnens, habe auch ich meinen Spaß an der schnellen Fahrt und dem aktiven Steuern. Gesättigt übernimmt Volker nach einer Stunde wieder, leider lässt jetzt schon der Wind nach, hatten wir eben moch ein Reff im Vorsegel, schaukeln wir nun wieder als Spielball der immer noch hohen und schnellen Wellen in der Gegend. Wir fangen an, vor dem Wind zu kreuzen, denn auf dem reinen Vorwindkurs schlägt alles so furchtbar, dass man Angst hat, in der nächsten Minute geht irgendetwas kaputt.

Tatsächlich wird es so erträglicher, wir überlegen, Lavandou anzulaufen, aber, nach einem Blick auf den Wetterbericht, beschließt der Skipper, und ich lasse mich überzeugen, dass es besser ist, heute den Wind auszunutzen, soweit es geht, denn ab Dienstag Mittag dreht der Ostwind auf West, das ist dann auch nicht schön. Tatsächlich flaut der Wind gegen Abend zunächst ab, sodass wir motoren, danach dreht er einmal um 180 Grad, kommt fast von vorne, anschließend segeln wir mit halbem Wind schnell durch die frühe Nacht und legen um 21:15 in der Marina von Porquerolles an.

Nico hat sich, nach vielen Stunden auf See, ohne Gassi-gehen,  zehn Minuten vor der Hafeneinfahrt überlegt, doch einfach mal in die Plicht zu pullern, ganz leise, und danach hat er Lob und Leckerli bekommen. Volker beschwert sich, er würde dafür kein Lob bekommen, so unfair sind an Bord die Sitten.

Hier ist alles dunkel, ein Restaurant am Platz hat Licht, noch ist Vorsaison. Morgen wollen wir, wenn alles so läuft, wie wir uns das vorstellen, um sechs Uhr aufstehen, und  bis La Grande Motte oder jedenfalls in die Gegend von Montpellier segeln, danach sehen wir weiter.

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Frühlingserwachen

Mit Winterpelz

Mit Winterpelz

Letztes Wochenende waren wir auch in Villeneuve-Loubt und haben uns gewundert über die Anzahl der promenierenden Menschen hier in der Marina. Während der Woche war es kalt, und so war auch hier weniger los. Heute morgen bin ich noch im dicken schwarzen Mantel mit dem Hund los, denn die letzten Tage war es früh noch empfindlich kalt und man musste den Schal gut über den Nacken ziehen. Aber das war übertriebene Vorsorge, den Mantel konnte ich offen lassen, der Schal hing nur lose um den Hals, der Frühling klopft an die Tür.

Friedlich liegt das Meer da, leider noch kein Wind

Friedlich liegt das Meer da, leider noch kein Wind

In den kleinen Appartements an der Strandpromenade waren schon einzelne bewohnt und die Leute saßen beim Frühstück auf der Terrasse. Die Promenade selbst war voll von Joggern, fast nur Frauen, die zum Teil sogar schon bauchfrei ihre Runden drehten. Der alte Mann, der mir morgens oft – schwer hinkend, offensichtlich aufgrund irgendwelcher Hüftprobleme – am Port public begegnet, schleppt seine Taschen mit Katzenfutter in die Ecke der Felsen, und alle wilden Katzen des Hafens folgen ihm, große Kater, kleine zierliche Kätzchen, sie alle laufen in mehr oder weniger Abstand hinter ihm her, zur Fütterung der Raubtiere…

Die wärmenden Strahlen der Sonne

Die wärmenden Strahlen der Sonne

Alle möglichen Leute führten ihre Hunde aus, ob groß, ob klein, Nico hat ein paar nette Damen getroffen, sogar eine neun Monate alte Jack-Russel-Hündin von italienischen Besitzern, die ihn sehr interessierte, weil sie gerade heiß war, aber da musste er wegbleiben. In den Restaurants fing man an, die Tische einzudecken, und auf den Bänken saßen Paare und wandten das Gesicht mit geschlossenen Augen der wärmenden Sonne hin. In der Segelschule war auch schon Betrieb, drei Gummi-Motorboote der Instruktoren lagen schon fertig bestückt am Strand, und man beeilte sich, die Jollen und die kleinen Hobie-Cats fertig aufzuriggen. Frühlingserwachen halt.

Die Villa Renoirs

Die Villa Renoirs

Volker im Olivenhain, er wollte sich schon ein Zimmer in der Villa mieten

Volker im Olivenhain, er wollte sich schon ein Zimmer in der Villa mieten

Der Blick reicht bis Antibes

Der Blick reicht bis Antibes

Gestern haben wir einen kleinen Ausflug nach Cannes-sur-mer gemacht, wo Auguste Renoir seine letzten Jahre verlebte, zusammen mit seiner Frau Aline und den drei Söhnen, von denen Jean Renoir, der Filmregisseur sehr bekannt geworden ist, aber auch Philippe, der Schauspieler. Wir haben die Villa und die Ateliers besucht. Ein wunderschönes Anwesen, ein bisschen über der Stadt gelegen, mit sensationellen Blicken über die eigenen Olivenhaine, hinüber bis zur mittelalterlichen Festung von Haut Cagne mit einem Grimaldi-Schloss und – nicht zu vergessen – bis hin zum Meer.

Atelier mit Rollstuhl

Atelier mit Rollstuhl

schöne Details

schöne Details

Volker war fasziniert von den Heizungsventilen

Volker war fasziniert von den Heizungsventilen

In den Räumen, die zum Teil noch mit den alten Möbeln ausgestattet sind, hängen Bilder von Renoir selbst und befreundeten Malern, die es sich nicht nehmen ließen, die wunderschöne Landschaft zu malen, oder auch die Familie zu portraitieren. Renoir selbst war schon alt, als er das Grundstück kaufte, er litt auch unter Rheuma, so stand in seinem Atelier der Rollstuhl, in dem er beim Malen saß, wo ihm die schönen Mädchen gerne Modell standen. Über 6000 Werke, Bilder und Skulpturen, hat er hinterlassen, ein eifriger Mann!

Kennt jemand diesen Baum?

Kennt jemand diesen Baum?

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Kulinarischer Höhepunkt

des heutigen Tages war zweifelsohne die haus- oder besser gesagt bootsgemachte Quiche Lorraine der Capitania.

Die Veilchen blühen schon

Die Veilchen blühen schon

Früh am Morgen war die Quecksilbersäule reichlich unten, kühle fünf Grad und der wolkige Himmel ließen eigentlich erstmal nicht Gutes ahnen. Nach einem fulminanten Frühstück mit reichlich Rührei und knusprigem Baguette ging es frisch gestärkt ans Werk. Trotz regelmässigen Putzens hat sich ein unansehnlicher Schmutzfilm auf das weiße Gelcoat gesetzt, der auch mit Reinigungsmittel und Schrubber nicht mehr zu entfernen war. Da hilft dann nur noch eine gute Politur und genau mit der hatten wir uns auf dem letzten Heimaturlaub reichlich eingedeckt.

Die Wolken weichen der Sonne

Die Wolken weichen der Sonne

Drei Stunden später waren nicht nur die Wolken einem strahlend blauen Himmel gewichen, sondern auch der Dreck der Politur. Blendend weiß funkelt unsere Hexe mit der Sonne um die Wette. Zum Schluss kam noch der der dicke weiße Rundfender dran, dem die zahlreichen dreckigen Hafenmauern kräftig zugesetzt hatten. Es gibt spezielle Fenderreiniger, doch die helfen, meiner Meinung nach, nur dem Hersteller, eine sanfte Politur liefert beste Ergebnisse.

Dann wurde wir auf unsere deutsche Flagge hin, in heimischer Sprache, von Dorothee angesprochen, die seit 2001 mit Kindern und Mann in Villeneuve Loubet lebt. Es entspann sich sofort ein gutes Gespräch und nach ein paar Minuten saßen wir mit Wein, Bier und Knabberzeug fröhlich schwatzend im Cockpit zusammen. Ihr Mann arbeitet als Ingenieur in der Nähe und der Sohn macht gerade den ersten Teil seines Abiturs auf dem internationalen Gymnasium und die Tochter ist zur Zeit in Berlin und studiert Jura. Die Zeit verging so schnell und irgendwann nahte der Abschied. Nicht für lange, wir wollen uns bald wiedersehen.

Eine ganze Form voller Quiche

Eine ganze Form voller Quiche

Ja, und dann nähern wir uns dem Höhepunkt des Tages. Schon seit einigen Tagen hat Cornelia Werbung für ihre Quiche Lorraine gemacht. Heute war es dann endlich soweit. Die Capitania ging an ihr Werk und ich schlüpfte in die Rolle des Küchenhelfers. Lauch schneiden, Speck anbraten und Fehlendes einkaufen. Weil das Ergebnis so umwerfend gut geworden ist und sich das Gericht hervorragend nicht nur an Bord zubereiten lässt, gibt es jetzt live und hier das Rezept der Capitania:

Für den Teig
2 Eier, 150-200 g Butter, 12 Esslöffel Mehl
Schön mit kühlen Händen kneten, die Butter sollte kalt sein, und den fertigen Teig für eine Weile im Kühlschrank (für Eilige: im Eisfach) ruhen lassen
Für die Masse
Speck knusprig braten, anderthalb Lauchstangen klein schneiden, wahlweise statt der halben Lauchstange eine Zwiebel dazufügen, ebenfalls anbraten, 5 Eier mit 250-300 g Crème fraiche, Salz, Pfeffer, Paprika edelsüss, ein paar Krauter durchrühren.
Teig in eine Form drücken, Gemüse drauf, Eiermasse drauf, für eine halbe Stunde in 180-200 Grad heißen Backofen backen, fertisch!

Viel Spaß beim beim Backen wünscht die Hexencrew

Jetzt blitzt die Küche wieder

Jetzt blitzt die Küche wieder

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Bonnes Fêtes…

Weltfrauentagsfahne?

Weltfrauentagsfahne?

… begrüßte eine Frau heute nachmittag in der Marina die Chefin an der Kasse des Supermarktes, an der ich gerade mit meinen zwei Weinflaschen stand. „Oh,” dachte ich, „das ist aber aufmerksam, sie wünscht mir eine schöne Feier, wegen der Weinflaschen.“ Nein, das dachte ich nicht wirklich, das war Volkers Kommentar, als ich mit der Geschichte zum Boot zurück kam. Ich fragte nach, wieso ein fröhliches Fest gewünscht wird. „C’est le jour des femmes“, es ist Weltfrauentag, kam die Antwort. Und die Chefin an der Kasse meinte, da sollte man nicht arbeiten, nur verwöhnt werden, Blumen und Küsse bekommen, ihre Freundin allerdings erwiderte, „Ja, aber es ist der Tag mit dem größten Abwasch, wenn der Mann das Abendessen kocht.“ Na, sie hatten jedenfalls ihren Spaß!

Waschtag

Waschtag

Wir hatten auch viel Spaß. Der Waschsalon in der Marina ist gleichzeitig ein ausgesprochen gut besuchtes Restaurant, in dem es morgens Kaffe und Croissants gibt, mittags – für Frankreich – preiswerte Menüs und Gerichte. Nachdem ich gestern dort die 15-Kilo-Maschine sowohl mit Bunt- als auch mit Weißwäsche gefüllt hatte, baumelten danach zahlreiche Wäschestücke an den frisch gespannten Leinen an Bord der Hexe, glücklicherweise bei strahlendem Sonnenschein und leichtem Wind.

Mit weißem Stoff fachmännisch repariert

Mit weißem Stoff fachmännisch repariert

Nachmittags konnten wir unseren Spinnaker beim Segelmacher abholen, der hat den bösen Riss sehr schön repariert. Mich faszinieren immer die Schnürboden, auf denen die riesigen Segel ausgelegt und mit in den Boden eingelassenen Nähmaschinen fachmännisch angefertigt oder repariert werden können. Er hatte auch gerade ein sehr schönes neues Vorsegel für eine Dufour in Arbeit, aus Kevlar mit Mylar-Vertärkung und was weiß ich noch alles. Das sollte mit seiner offensichtlich neu erworbenen Maschine geklebt werden.

wie ein Kokon

wie ein Kokon

Zur Stärkung hatte der Skipper mich am Vorabend ins chinesische Restaurant eingeladen, das uns schon lange in der Nase gestochen hatte. Das Sushi mit 26 Euro war mir zu teuer, die gelackte Ente für 12 Euro für den Skipper war in Ordnung, mit Frühlingsrollen als Vorspeise, auch lecker. Ich war mutig und habe mir als Vorspeise die Empfehlung des Hauses – kalte Frühlingsrollen – bestellt, ich esse ja fast alles. Das waren dann Krabbenhälften und Hühnchenhappen mit Reisnudeln und Sojasprossen, in einen Mantel aus Reismehl gewickelt. Es sah sehr seltsam aus, schmeckt alleine nach nicht viel, aber mit der kalten süßsauren Sauce dann wieder sehr fein.

Gut sichtbar die "Treppenhäuser" der Marina Baie des Anges

Gut sichtbar die “Treppenhäuser” der Marina Baie des Anges

Heute morgen haben uns Regen und Kälte davon abgehalten, die Marina zu verlassen, wir haben uns mit Lesen und kleinen Arbeiten die Zeit vertrieben. Bis mittags wieder die Sonne die Oberhand gewann, und wir – nach einem ausgedehnten Spaziergang am Strand – noch mit dem Auto aufgebrochen sind nach Antibes.

Hoch residiert das Fort auf einem Felsen über der Küste

Hoch residiert das Fort auf einem Felsen über der Küste

Hoch über dem Hafen thront dort das „Fort Carré“ eine militärische Festung aus dem 16. Jahrhundert, errichtet unter der Regierung von Heinrich II. Wir waren ja schon oft in Antibes, aber den Weg dorthin hatten wir bisher noch nie gefunden, zu sehr waren wir immer mit der Schönheit der Altstadt, des Marktes und der Museen beschäftigt. Jetzt musste es mal sein, leider durften wir in den Burggarten nicht mit dem Hund hinein, also sind wir nur außen herum gelaufen und haben die schöne Lage am Wasser bewundert. In der Ferne sah man die weißen Berge und vorne türmten sich dicke graue Wolken auf.

Und zum Weltfrauentag kocht Volker mir jetzt hoffentlich bald eine leckere Hühnchen-Paella!

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Live von der Côte

06. März 2016, Sonntag, Baro 1008, sonnig, Wind verschieden, aber vorhanden

Der erste Segler von heute, hinten die schneebedeckten Berge

Der erste Segler von heute, hinten die schneebedeckten Berge

Die Windvorhersagen differieren, aber in einem sind sie sich einig: wenn Wind, dann vormittags. Also verabschieden wir uns von dem lieb gewordenen Cannes, setzen – wie immer – in der Hafenausfahrt das Großsegel, und diesmal wollen wir zwischen den beiden Inseln Sainte Marguerite und Saint Honorat mit achterlichem Wind hindurchsegeln. Ein einsames Segelboot ist offensichtlich zum sonntäglichen “Spaßsegeln” auch unterwegs, das gibt ein schönes Bild, das Meer mit Segelboot und tiefblauem Himmel, und hinten die schneebedeckten Berge.

Demonstration gegen das Vermummungsverbot?

Demonstration gegen das Vermummungsverbot?

Nach den Inseln dreht der Wind auf Ost und frischt auf, schnell muss der Bullenstander geborgen werden, der das Großsegel festgehalten hat, und die Hexe legt sich auf die Seite für eine schöne Kreuz gen Osten. Nico findet das plötzliche Anluven gar nicht lustig, denn er legt sich beim Segeln inzwischen gern aufs Bett in der Achterkajüte. Durch die plötzliche Krängung ist aber die Tür zugefallen und er war gefangen. Außerdem hat sich sein Wasserschüsseli selbständig gemacht, und den Inhalt ins Bad ergossen, jetzt liegt er schmollend mal auf der einen, mal auf der anderen Salonbank, je nachdem, auf welchem Bug wir gerade fahren.

Es sind einige Segelboote unterwegs nach dem Motto “Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n…”, und sogar Jetskis und Kanus sind schon unterwegs, tapfer bei den Temperaturen und der kabbeligen See…

Noch das führende Boot der Regatta, aber nicht mehr lange

Noch das führende Boot der Regatta, aber nicht mehr lange

Nach dem Cap d’Antibes wird der Kurs für den Hund wieder angenehmer, mit einem Schrick in den Schoten sausen wir auf unsere Marina zu. Vor Antibes findet wieder die Sonntagsregatta statt, die wir auch im Sommer oft gesehen haben, jetzt fahren wir mittendurch und versuchen, allen Booten auszuweichen, um sie nicht zu behindern in ihrem Wettkampf.

Die Steuerbord-Hafeneinfahrt begrüßt uns im Sonnenschein

Die Steuerbord-Hafeneinfahrt begrüßt uns im Sonnenschein

Um halb eins laufen wir mit einem ausgekühlten, aber zufriedenen Skipper in die Marina ein, ausgekühlt vom Wind, der doch noch sehr frisch ist, und zufrieden, weil wir nach langer Zeit wieder einmal von Anfang bis Ende sehr schön segeln konnten.

Danach Frühstück-Mittagessen mit Restesuppe im Cockpit, ohne Wind ist es unglaublich warm, soooo angenehm, ein friedlicher Sonntag-Mittag.

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