Ankunft auf Madeira

Nach dem eher aufregenden Start waren die nächsten Stunden unserer Überfahrt nach Madeira eher unspektakulär. Segeln und motoren wechseln sich ab.

Taube Andrea hat uns am Abend vorder Ankunft auf Madeira verlassen. Zunächst hat sie ein paar Flugübungen gemacht, dann hat sie sich getraut. Ob sie lieber auf das nahe Fischerboot mit Ziel Frankreich wollte, oder sich auf den Ilhas Desertas, den verlassenen Inseln, niederlassen will, steht in den Sternen, vielleicht ist sie ja zu den Kanaren zurückgeflogen, von wo sie abstammt.

Wir jedenfalls haben nach 48 Stunden auf See um  11:47 in Quinta do Lorde an der Tankstelle angelegt, es waren 230 sm, davon sind wir ca. 16 Stunden gesegelt, aber eben auch 32 Stunden unter Motor gefahren. Für den nächsten, größeren Schlag wurden alle Kanister voll gemacht und die beiden Tanks wieder aufgefüllt, das waren satte 511 Euro, billig ist das Diesel hier auch nicht mit 1,87 € pro Liter.

In der Marina wollten wir für 106 € pro Nacht nicht bleiben, sie ist nicht besonders einladend und in dem großen Hyatt Hotel ist man als externer Gast in den Restaurants auch nicht willkommen, wir sind wieder auf unseren bereits erprobten Ankerplatz in der Ensenada da Ambra gefahren, und haben mit dem Beiboot einen Ausflug zur Marina gemacht, um ein bisschen einzukaufen und uns die Beine zu vertreten. Auf dem Weg mussten natürlich wieder einige Höhlen von See aus besichtigt werden, das ist so gar nicht meins, ich finde das immer ein bisschen unheimlich.

 In dieser Nacht haben wir sehr ruhig geschlafen, außer uns war nur ein französischer Einrumpfer in der Bucht, und ein Stück weiter draußen lag eine Superyacht mit Namen Capricorn ebenfalls vor Anker.

Viele tapfere Menschen wandern  on der Nähe der Marina bis zum Miradouro São Lourenço, einige schon früh um vier mit Stirnlampen, andere abends zum Sunset. Das sind auf dem Hinweg ca. dreieinhalb Kilometer und 220 Höhenmeter. Die „Fußfaulen ;-)) nehmen, statt alles wieder zurück zu laufen, das Wassertaxi ab dem Café bei m Leuchtturm.

Wir machen das heute mittag bei einen Ausflug mit dem Dinghy, um die Schönheiten der Bucht aus der Nähe anzuschauen. Anfangs gab es einen größeren Schreck, an einer Stelle kurz vor dem Land, wo das Wasser so schön sprudelte und über die vorliegenden Felsen wieder ablief, ging der Motor aus, im Rückwärtsgang. Die Schaltung lies sich aber nicht mehr in neutral zurückstellen, und so konnte der Motor nicht gestartet werden. Und wir trieben immer näher auf die Strudel und Felsen zu. Jetzt schnell die Paddel nehmen und weg von dem Sog. Es war gar nicht o einfach, weil natürlich Strömung und Wind das Paddeln schwer machten, aber schließlich konnten wir an einer der zahlreichen ausgelegten Bojen festmachen, und Volker schaffte es natürlich, nachdem er den Deckel vom Motor abgenommen hatte, die Schaltung auf Neutral zu stellen. 

Zuerst hatte ich die Schnauze voll von der Idee der Dinghy Tour, aber Volker war nicht zu erweichen, und es hat sich auch wirklich gelohnt. Die Felsformationen auf Madeira gleichen denen auf Lanzarote nicht, obwohl die Insel ebenfalls vulkanischen Ursprungs ist. Aber hier gibt es zwischendurch bunte Schichten aus dunklen Basaltformationen, rotem Tuffgestein und helleren Trachyt-Ablagerungen, wie uns nach unserem Grübeln die KI erklärt hat. 

Wir sind mit dem Dinghy bis zum östlichen Ende der Insel gefahren, wo auf einer  kleinen vorgelagerte Insel, der Ilha do Farol der einsame Leuchtturm steht. Die Leuchtturmwärter mussten mit dem Boot hierher gebracht werden, es gibt auch Wohngebäude, jetzt wird der Leuchtturm allein mit Solar betrieben und es werden auch keine dort wohnenden Wärter mehr gebraucht.

Tatsächlich sieht das alles, die Felsen, die Buchten, das Gestein so wunderschön aus, dass ich hunderte Fotos gemacht habe. Und die Strudel, die beim Aufschlagen der Wellen an den kleinen und großenGesteinshöhlen entstehen, sind einfach nur sensationell, und davon gibt es dann kleine Filme. Der Osten von Madeira ist in der Tat, ein echtes Naturparadies!

Pfingstsonntag, 24. Mai 2026

Baro 1016, diesig, 22°, Wind anfangs wechselhaft, später NO bis N um 3 bis 5 Beaufort

Logge 9230, Motor rechts 1270,4, links 1251,7 h, Dieseltank voll

10:30 verlassen wir Puerto Calero nach einem Stopp an der Tankstelle, wo wir nicht nur die zwei Dieseltanks auffüllen, sondern auch noch vier Kanister, denn in der Wettervorhersage ist eher schwacher nordnordöstlicher Wind angesagt. Unter Motor fahren wir an Playa Quemada vorbei, um die Ecke an den Papagayo-Stränden entlang, Playa Blancq liegt im Kalima-Dunst, und ab dem südwestlichem Ende der Insel am  Leuchtturm Pechiguera werden die Segel gesetzt, noch fahren wir außerdem mit Hilfe der Motorkraft.

Um 15 Uhr kommt die Genua raus, der Motor darf ein bisschen schlafen, aber das dauert nicht lang. Dieses Spiel spielen wir bis zum Abend, Genua rein, Motor an, Genua raus, Motor aus. Der aktualisierte Wetterbericht um 19 Uhr bestätigt unsere Befürchtungen, der Wind dreht immer weiter nördlich, mal mehr, mal weniger. 

Zum Essen gab es heute leckere Tortellini alla panna, Volker hat gekocht, obwohl die See heute sehr ruppig ist und man – vor allem ich – mich überall festhalten muss, um nicht gegen die Möbel oder aufs Sofa zu fallen.

Nach dem Essen hat der Wind aufgefrischt und auf nette 50-60 Grad Windeinfallswinkel gedreht. Also wird mal wieder ab 21:10 gesegelt. Tatsächlich nimmt der Wind immer weiter zu (das hat keiner meiner Wetterberichte vorhergesagt), daher muss in die Genua Reff 1 eingebunden werden.

Das ist auch für eine Taube zu viel, „Andrea“ denkt sich, sie könne mit der Fähre nach Madeira fahren. Andrea deswegen, weil bei Tauben das Geschlecht ganz schwer zu bestimmen ist, und Andrea gibt es – vor allem im Deutschen – als weiblichen Vorname – und in Italien heißen viele Männer so. Jedenfalls ist sie erstmal bei uns ins Cockpit geflogen, dann kam sie tatsächlich rein und setzte sich nach einer Weile auf den Küchenblock. 

Das Wasser und die Sonnenblumenkerne hat sie kurz angerührt, sie war offensichtlich sehr müde und hat die Nacht dankbar, still und schlafend bei uns verbracht. Am nächsten Morgen, beim Hellwerden ist sie jedoch aktiv geworden, sie hat auf Taubenart gegurrt, die Kerne gegessen und wollte dann das Boot erkunden, spazierte unter das Salonbett, und hätte am liebsten auch die Rümpfe inspiziert. Das ging ja nun zu weit, jetzt musste sie wieder raus ins Cockpit. Auch dort hat sie Futter und Wasser bekommen, und war offensichtlich beleidigt, dass sie draußen bleiben musste. Es hätte noch gefehlt, dass sie an die Scheibe geklopft hätte, aber sie stand auffordernd davor. Mittags hat sie einige Flugübungen begonnen, war weg, kam aber immer wieder und trippelte von dem Landeplatz auf unseren Solarpaneelen in den Schutz des Cockpitzeltes.

22:20 Uhr: Der Wind hatte aufgefrischt auf scheinbaren Wind von über 22 Knoten, als plötzlich ein lautes „Bäng“ ertönt. Ich hatte gedacht, das sei nur eine besonders grobe Well, die von unten an das Brückendeck geschlagen hat, aber Volker ist sofort rausgestürzt und hat gesehen, dass deie Leine des Unterliekstreckers gerissen war. Natürlich passiert  so etwas immer in der Nacht, im Dunkeln. 

Wir haben das Großsegel abgelassen und Reff 1 einngebunden, dann hat Volker die gerissene Leine am Unterliekstrecker repariert. Mir gefällt das ja gar nicht, wenn er da oben auf dem Dach herumturnt, ich schaue ihm dabei immer ziemlich gestresst zu, habe aber eigentlich unerschütterliches Vertrauen in ihn, bei allem, was mit Booten zu tun hat. (Sonst natürlich auch, aber hier besonders.)

Mit diesen beiden Reffs und einem Windeinfallswinkel von rund 60 -70 Grad fährt die Hexe im Vergleich zum anfänglichen Motoren viel ruhiger. Wir können sogar immer wieder ein bisschen anluven, das wird uns bei dem für morgen vorhergesagtem Nordwind sehr gut passen. Bis ca. 04:00 Uhr hält der Wind an, die Hexe segelt schnell mit 7-8 Knoten, aber dann wird der Windeinfallswinkel wieder spitzer, der Wind lässt nach, der Motor muss mit schieben.

Gegen 23 Uhr habe ich begonnen, mich zum Schlafen fertig zu machen, habe mir gerade die Zähne geputzt, als ich eine Welle aufs Deck schlagen höre. Danach kam eine noch stärkere und plötzlich stand ich unter der Salzwasserdusche. Offensichtlich hatten wir die Luke geschlossen, aber sie nicht mit den beiden Griffen verschlossen, und die Welle war stark genug, das Glas hochzuheben. Oh je!!!

Glücklicherweise hatte ich die Tür geschlossen, sonst wäre auch noch der ganze Flur nass gewesen, mit den Bilgen darunter, wo sich viele unserer Vorräte befinden. Erst mussten mal die Wassermassen mit den Handtüchern aufgenommen werden, dann einmal mit Süßwasser abgewischt, wir waren eine Weile beschäftigt.

Das war genug Aufregung für den ersten Tag unserer Reise gen Norden, für den Rest wünschen wir uns 13 bis 14 Knoten Wind aus 70 – 90°. Träumen darf man ja.

Was sich so alles auf der Insel zugetragen hat

Wes mit Drink im UpperDeck

Die „Im Sommer-nach-Hause-Reisende“ sind nun alle weg, von unseren Freunden sind nur noch wenige auf der Insel (aber ganz besonders liebe Freunde). Trotzdem wird es uns nicht langweilig. Mit Roisin und Wes haben wir nette Abende bei gemeinsamen Restaurantbesuchen verbracht, als wir alle keine Lust zum Kochen hatten. Nun sind diese beiden auch noch für eine Woche im Urlaub in Maribor, da machen wir die Leinen los und legen ab.

Aber hier nun der Bericht der letzten Aktivitäten:

Zunächst habe ich mit den SD-Karten für unseren Plotter gekämpft, auf denen die Seekarten gespeichert sind und die ich gerne vor größeren Fahrten aktualisiere. Die eine Karte von „Lighthouse“, die in dem neuen Axiom-Plotter war, als wir ihn eingebaut bekommen haben, ließ sich nicht aktualisieren, weil wir keinen Voucher dazu auftreiben konnten.

Unsere „Navionics“-Karte war plötzlich nicht mehr lesbar, weder im Plotter, noch in meinem Laptop. Wahrscheinlich habe ich sie selbst zerstört, als ich sie aus dem Plotter nicht ordentlich software-mäßig ausgeworfen habe, als ich sie entfernen wollte. Glücklicherweise hat Federica von Navionics mir schnell und unkompliziert geholfen, und ich konnte das Abo auf eine ältere, abgelaufene SD-Karte übertragen. Und – noch mehr Glück im Unglück –  ich hatte im November, lange nachdem wir auf Lanzarote angekommen waren, eine Sicherung der Routen, Wegpunkte und Tracks  auf meinem Laptop gespeichert, und konnte ebenfalls alles auf das neue Gerät übertragen. Soviel zu meiner nervenaufreibenden Denkarbeit. Jetzt muss ich mich nur noch mit dem neuen System vertraut machen, weil ja doch wieder vieles anders ist.

Körperlich, nicht nervlich anstrengend war Volkers Vorhaben. Unter der Ankerkette liegt, zum Schutz des Decks, eine lange Leiste aus festem Kunststoff. Diese sollte, ausgetauscht werden. Zuerst mussten alle Schrauben gelöst werden, dazu stand Volker im Beiboot unter der Leiste und schraubte die Befestigungen mit der Nuss, und ich kniete oben auf Deck und hielt die Schrauben fest, dass sie nicht durchdrehten. Dann waren sechs Kunststoffteile los, sie wurden nummeriert, und ab in Wes’s Werkstatt, um neue Teile zuzuschneiden, und die Löcher an den entsprechenden Stellen zu bohren. Dann ging es für Volker wieder ins Dinghy, und für mich auf die Knie, um den umgekehrten Weg zu gehen,  alles wieder fest zu schrauben. Anschließend hatte Volker Rückenschmerzen, und meine Knie waren malträtiert, ich konnte drei Tage keine Yoga-Übungen mehr auf Knien machen. 

Aber es gab auch sehr schöne Momente zu berichten:

Es war so schön warm geworden – wie wohl in Deutschland auch – sodass wir gerne am Nachmittag mit dem Beiboot außerhalb der Marina zum Baden gefahren sind. Und da saßen zu meinem Entzücken viele rote und schwarze Krabben auf den warmen Steinen. Und bei einem Spaziergang rund um die Marina entdeckten wir plötzlich, ein paar Kilometerentfernt auf See, einen großen Wal, er hat geblasen, ist dann aber leider wieder schnell abgetaucht, ehe wir die Kameras bereit hatten. Soviel zu den Natur-Ereignissen.

In Puerto Calero war auch was los: Letzten Freitag haben gleich zwei Restaurants neu eröffnet, und dies mit großen Pomp gefeiert. Zunächst allerdings war Volker total aufgebracht, weil das eine, ein mexikanische Restaurant, mit richtig lauter Musik den Hafen beschallte. Aber da die Töne nur zwischenzeitlich aus der Dose kamen, und sonst ein Mexikaner im goldbesetzten Kostüm mit Sombrero life gesungen hat, waren wir wieder versöhnt, und sind nach dem Abendessen neugierig hingegangen. Das Essen an Bord hätten wir besser gelassen, es gab nicht nur alle Getränke frei, sondern es wurden auch leckere Snacks gereicht. Ich war wohl ein bisschen underdressed, die meisten Mädels hatten sich total schick gemacht. Wenn endlich mal was los ist!

Auch bei dem zweiten Restaurant, das sich als Grill-Gaststätte vorstellte, gab es freie Getränke. Volker hatte einen großartigen Cocktail mit vielen Früchten und ausreichend alkoholischenZutaten. Das Lokal ist sehr geschmackvoll eingerichtet, es wurde mit Licht gespielt, und ich war begeistert von dem Wasserhahn auf der Toilette, der kommt aus der Decke und speit warmes Wasser, sobald man die Hände darunter hält.

Und eine ganz große Veranstaltung war am Samstag: Der Ironman 2026 auf Lanzarote. Er gilt weltweit als einer der härtesten Triathlons überhaupt, bei dem eigentlich nie irgendwelche Rekorde aufgestellt werden. Das beginnt früh um sieben Uhr mit dem Schwimmen im Atlantik, Strömungen und manchmal hohe Wellen machen es den Athleten nicht leicht, die 3.850 km zurückzulegen. Und wenn sie dann auf ihren Fahrrädern sitzen, müssen sie ca. 2.400 Höhenmeter überwinden, bei starken und oft böigen Passatwinden. Dann ist wahrscheinlich der Marathon am Schluss sozusagen die Kür.

Wir haben am Sonntagmorgen abgelegt und motorsegeln jetzt bei wenig Wind, der auch noch aus der falschen Richtung, von vorne kommt, nach Madeira. Den Leuchtturm “Pechiguera”, am südwestlichen Ende von Lanzarote ,haben wir schon hnter uns gelassen. Und wir haben 274 Liter Diesel getankt, da schreckt uns der fehlende Wind ausnahmsweise nicht. Egal, wir mussten irgendwann mal los, und zur Not fahren wir eben mit Diesel statt mit Wind.

Nord, Nord, Nord

mal auch Nordwest, aber niemals Nordost. Diese wenigen Worte beschreiben präzise die Windrichtungen in den Langfristvorhersagen, und damit offenbart sich unser Dilemma mit unserer Reiseplanung. Die nördlichen Winde wehen von Nordspanien, ausnahmslos. Damit ist der Weg Richtung Madeira/Azoren erstmal für uns versperrt, denn nur von dort könnten wir in den atlantischen Tiefdruckexpress einsteigen, der uns in den Norden bringen könnte, dem diesjährigen Sommerreiseziel. 

Vielleicht fehlt uns nur die Lust auf 3-4 Tage hart am Wind, gegen 2-3 Meter hohe Wellen, bei 5-6 Beaufort zu segeln. Egal wie, “Hätte, hätte, Fahrradkette”, wie man so schön sagt, es bleibt uns  nur „Abwarten und Teetrinken“. 

Oder darf es doch ein alkoholisches Getränk sein, so wie gestern Abend. Da waren wir mit Jörn und Jana in unserem neuen Lieblingsrestaurant lecker Tapas essen. Die Auswahl und die Qualität der Tapas,im La Ermita in Tías ist wirklich unerreicht. Ich könnte da jeden Tag hin, Cornelia reichen gelegentliche Besuche. Danach gab es im vertrauten Upperdeck noch ein paar leckere weiße Cavasangria, mit Früchten und ausreichend Alkohol. (Ich hab lieber ein Glas Rioja genommen, und die Früchte am Ende aus Volkers Glas gepickt.)

Seit drei Tagen sind wir wieder auf Lanzarote, und die Sonne hat in der Zeit unserer Abwesenheit ganze Arbeit geleistet. Die Farbe der zuvor grünen Insellandschaft ist dem traditionell vertrauten, rot-braunen Farbton gewichen. Das Wetter hat sich gebessert, der nasskühle Winter ist endlich Geschichte. Jedoch, so richtig sommerlich ist es noch nicht, aber bei 23 Tagestemperatur gibt es nicht wirklich einen Grund zu jammern. (Nur der Wind könnte sich auch mal ausruhen!)

Gestern waren wir bei Lidl einkaufen, und nachdem die Capitania in Deutschland kiloweise Erdbeeren vernichtet hat, waren wir total happy, dass nun auch dort im Sortiment kanarische Erdbeeren aus Teneriffa angeboten werden. Wir wollten leckere Marmelade davon kochen, nur Gelierzucker gibt es auf Lanzarote nicht, man macht hier keine Marmelade selbst, sagte die freundliche Verkäuferin, aber Gelatinepulver gibt es, nun muss sie nur noch fest werden.

Gestern war ich mal wieder im Wasser zum Rümpfe Reinigen und ich muss sagen, dass das Coppercoat von mal zu mal einen besseren Bewuchsschutz bietet. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich jetzt öfter mit einem Schleifschwamm die Oberfläche und damit das Kupfer reaktiviere. So macht die Unterwasserschiffpflege Spaß und geht auch schneller vonstatten.

Ansonsten braucht der Aufbau mal wieder eine Politur, und  das ist mein Arbeitsprogramm der nächsten Tage. Die Capitan hat sich auch Arbeit, bzw. Material mitgebracht. Ein Reißverschluss vom Cockpitzelt hat leider Zahnausfall und muss ersetzt werden. Ansonsten steht die Hexe hübsch da, nachdem ich gestern, den Saharastaub der letzten Wochen mit einem gründlichen Waschgang entfernt habe.

Gestern war hier nicht wie in Deutschland Vatertag, nur einen Bollerwagen mit ‘ner Kiste Bier für eine Vatertagstour habe ich hier auch nicht. Es gab stattdessen einen ausgiebigen Mittagsschlaf und ein großes Eis zur Kaffeezeit, sehr schön.

So viel Zeit

ist vergangen seit unserem letzten Blogbeitrag, ich bitte daher jetzt schon einmal um Entschuldigung, dass dieser hier lang und mit vielen Erlebnissen geschmückt ist.

Die endgültige Fertigstellung unseres neuen Batterie-Management-Systems gestaltete sich schwieriger als vorhergesehen. Es fehlte hier noch ein Kabel, dort musste eines anders angeschlossen werden, natürlich mussten es pezielle Kabel und Teile sein, es zog sich hin. Wes und Jan haben viele Stunden in den technischen Eingeweiden in unserem Salon verbracht, kniend, auf dem Boden liegend, manchmal – sozusagen zum Ausruhen – auch mal sitzend. Zum Schluss ging es noch um die Software der Victron- und Mastervolt-Kontrollzentren. Bis nach 18 Uhr am Freitag Abend waren Wes und ich mit Laptop und Mobiltelefon dabei, die Software so einzurichten, damit Apps auf den Handys bzw. auf dem Kontrollbildschirm im Boot einwandfrei arbeiten.

Wir waren noch in den letzten Zügen, als bereits die ersten Gäste ankamen, denn wir hatten noch schnell zu einem Champagne Friday eingeladen. Es war so kurzfristig, dass nicht alle Freunde Zeit hatten, aber wir haben in kleinem Kreis ausgelassen gefeiert. Es gab Quiche Lorraine, spanischen Cava und viel Musik, Jörn hatte seine Gitarre dabei, und nach seinen schönen Eigenkompositionen spielte e auch die uns bekannten Lieder, bei denen wir alle bereits mitsingen können. Also: es war ein wundervoller Abend. 

Für Samstag war ein großes Konzert im Amura, dem Event-Restaurant in der Marina, angekündigt, eigentlich eher ein DJ-Fest als ein Konzert, das bedeutet: „Sehr laut!“ und viele laute Beats. Wir haben das schon einmal im Hafen erlebt, und fanden es nicht so angenehm, deswegen sind wir am Samstag mittag einfach mit dem Boot in die schöne Bucht vor der Playa de la Arena gefahren, haben den Anker im Grund versenkt, und so einen ruhigen Nachmittag und Abend verbracht. Wir waren schwimmen und haben einen Ausflug mit dem Dinghy gemacht, sehr entspannt. Eigentlich wollte Volker bei der Dinghy-Tour an den Felsen schnorcheln, aber leider mussten wir feststellen, dass irgendwelche Teilchen im Wasser schwammen, da hatte wohl ein großes Schiff seine Fäkalientanks geleert.

Nach einer auch windtechnisch ganz ruhigen Nacht wurden wir in den frühen Morgenstunden von starken Böen geweckt. Als es ein bisschen ruhiger wurde, haben wir sofort den Anker gelichtet und sind zurück in die Marina gefahren. Um 14 Uhr sollte unser Flieger nach Frankfurt gehen, wir wurden pünktlich von unseren lieben Freunden Barbara und Thomas abgeholt, die uns zum Flughafen brachten. Dankeschön!

 Blau so blau empfing uns der Himmel in Deutschland, als wir an diesem Sonntag in Frankfurt landeten. Dazu gelbe Rapsfelder, saftig grüne Wiesen und Bäume, und Blüten in allen Farben. Das war denn auch das Wetterthema für die nächsten 14 Tage: Sonne, Sonne, Sonne! Beständiger als auf Lanzarote! Gut, die Nächte waren noch kühl, aber sobald die Sonne ein bisschen höher gestiegen war, konnten wir bedenkenlos draußen frühstücken. Am Abend wurde eher drinnen gegessen, direkt nach Sonnenuntergang wurde klar, dass es schließlich erst April war.

Natürlich sind wir am nächsten Tag sofort zu unseren Enkelinnen gefahren, die sich auch – glücklicherweise – sehr über Oma und Opa gefreut haben.

Das wurde in den letzten zwei Wochen unsere Hauptbeschäftigung, alle zwei bis drei Tage waren wir dort, wir haben auf dem Trampolin gehüpft, auf dem Spielplatz geschaukelt, Volker war mit Zoey schwimmen (nein, noch nicht im Freibad), auch das Eisessen kam natürlich nicht zu kurz.

In Darmstadt hingegen kam das Kulturelle auch nicht zu kurz, einen Sonntag haben wir uns Fotokunst auf der Mathildenhöhe angeschaut und vorgestern Abend gab es – für mich – Kultur im Staatstheater,. Das Musical „Lazarus“ von David Bowie und Enda Walsh, mit einer ein bisschen abstrusen Handlung, aber unglaublich schönen Bildern und stimmlich sehr überzeugenden musikalischen Darbietungen der David-Bowie-Songs. Das Publikum hat es mit frenetischem Beifall honoriert.

Klar, wir haben in Darmstadt viele Freunde getroffen und wundervolle Abende verbracht. Auch der Garten bekam eine große Menge Pflege, und die Enkelkinder viel Aufmerksamkeit. Wie es weitergeht, davon werden wir im nächsten Blogbeitrag berichten.