Baro 1018, komplett bedeckt, in der Nacht hat es geregnet, Wind SW4-6 Beaufort,
die See 1-2 m, Etmal um 08:45 Uhr 173 sm

Um 07:00 Uhr steht wieder der Gennaker, in der Nacht sind wir mit Genua gesegelt, so konnte Volker auch ein bisschen schlafen. Mit dem Gennaker muss man so aufmerksam segeln, das ist sehr anstrengend in der Nacht. Und das kleinere Segel hat uns auch gut voran gebracht. Der Gennaker bleibt den ganzen Tag stehen und zieht uns brav bei dem achterlichen Wind Richtung Englischer Kanal.
Seit heute Morgen ganz früh haben wir eine „2“ am Anfang der dreistelligen Zahl stehen auf der Anzeige der noch zu segelnden Meilen bis zu dem Kap vor Brest. Von da aus sind es „nur“ noch 355 sm bis Nieuwpoort, wo wir eine Pause machen wollen, um unsere Freunde Ria und Jan zu treffen.

Beim Studium der Wetterberichte überlegen wir immer wieder, ob wir dem Routing von den meisten Modellen bei PredictWind folgen sollen, denn diese Kurse machen einen deutlichen Umweg nach Norden, offensichtlich um den etwas stärkeren Wind zu fangen, oder ob wir doch lieber bei unserer bis jetzt erfolgreichen Strategie bleiben, möglichst nahe an der Ideallinie zu fahren.
Die Modelle werden morgens und abends aktualisiert, anschließend verbringe ich viel Zeit mit der Suche nach der besten Taktik, besonders weil die verschiedenen Modelle sich eigentlich nie einig sind. Für die nächsten paar Stunden ist es meist ein halbwegs annehmbarer Konsens, aber schon am nächsten Tag gibt es Divergenzen, und das potenziert sich, je weiter die Vorhersagen in der Zukunft liegen.
Heute morgen kam in allen Modellen plötzlich raus, dass ab Samstag in der Nacht zum Sonntag im Englischen Kanal Nordöstlicher Wind herrschen soll. Das wäre aber die gänzlich falsche Richtung für uns. Deshalb wollen wir uns jetzt beeilen, sodass wir nicht später dort eintreffen werden, wir sind also „On the run“!
Ab 16:00 Uhr fahren wir unter Motor ohne Vorsegel, der Wind hat wieder ungünstig gedreht, und wir müssen ein bisschen weiter nördlich fahren, damit wir den Anschluss an den Wind nicht verpassen.

Wir sind ganz allein auf dem weiten Meer. Nur ab und zu zeigt sich auf dem Plotter ein AIS-Signal eines anderen Schiffes, bisher sind das meistens Tanker oder Frachter, die in ferne Teile der Erde fahren, ein paar nach Brasilien. Aber tatsächlich gesehen habe ich nur einen in Natura.
In den letzten Tagen zeigten sich ja ab und an ein paar Sonnenstrahlen, oder auch ein schöner Sonnenaufgang. Heute bekommen wir nix Buntes, rundherum ist alles grau. Es sind nicht fünfzig, sondern eher „Two Shades of Grey“.

Das Wetter ist nicht sehr gut !!! Aber ihr seid auf dem richtigen Weg . Ich wünsche euch weiterhin alles Gute!!! Eure Ulrike