Freitag, 26. Juni 2026
Blankenberge 04:20 – 20:45 Anker vor Julianadorp, Nord-Holland, Schnitt 7,75 Seemeilen
Baro 1014, sonnig, warm, Wind SO 4-5 Beaufort, später W um 4, die See 1 m
Der Wecker steht auf fünf Uhr, aber als ich – wie auch Volker – um Viertel nach vier wach bin, sagt er „Komm, wir fahren.“ Sofort fängt er an, die zahlreichen Leinen los zu machen, ich ziehe mir schnell was an, und erwecke die Navigation und die Motoren zum Leben, schon geht es los.
Noch in der Dunkelheit verlassen wir den Hafen, nach der Ausfahrt werden natürlich sofort die Segel gesetzt, und – schwupp – sind wir wieder im Rennen. Kurz nach der Ausfahrt wird es kniffelig, denn dann kommen wir an Hoek van Holland vorbei, und in der Ansteuerung des Hafens kreuzen große Frachtschiffe und Tanker unseren Weg. Und abgesehen davon, dass sie auf einer Schifffahrtsstraße fahren, hat in Holland grundsätzlich die Berufsschifffahrt Vorrang. Auch die zahlreichen Kardinalbojen, die auf unserem Weg liegen, erfordern Beachtung.


Ansonsten ist es das schönste Segeln, das man sich denken kann. Ein Wind mit genügend Kraft, um das Boot voranzubringen, relativ konstant, sodass man nicht dauernd an den Tüchern zuppeln muss, um die optimale Segelstellung zu erreichen, und absolut flaches Wasser erlauben dem Einen Zeit zum Ausruhen, und dem Wachhabenden entspannte Aufmerksamkeit.


Am Maasmond müssen wir wieder alert sein, dort muss man sich vorher auf Kanal 03 bei Maas Entrance melden, dort wird Erlaubnis erteilt zum Queren oder Einfahren. Leider muss da auch der Motor mit schieben, der schöne Wind vom Anfang hat sich wohl erst einmal zum Frühstücken verabschiedet. Um 14:15 Uhr wird der Gennaker gesetzt, aber leider gleich wieder geborgen, da war Volker wohl zu optimistisch. Das bunte Segel kommt aber noch einmal zum Einsatz und zieht uns bei leichtem Wind schön voran.

Nachdem wir auch das Fahrwasser von Ijmuiden hinter uns haben, hat der Wind freundlicherweise auf West gedreht und schiebt die Hexe mit 11 Knoten Wind auch trotz der jetzt leider gegenan laufenden Strömung mit sieben bis zehn Knoten voran. Manchmal fahren wir durch riesige Algenteppiche, das mögen wir gar nicht, normalerweise, weil sich da auch gern mal was in der Schraube vom Motor verfängt, oder sonst irgendwie, und dann das Boot bremst. Geht gar nicht. Aber diese Algen sind nett, sagt Volker, sie sind die, die das Wasser nachts zum Leuchten bringen, zum Beispiel, wenn man sie durch die Toilettenschüssel pumpt.


Unser heutiges Ziel ist ein Ankerplatz irgendwo um die Schleuse von Den Oever. Das hat sich im Laufe des Tages ständig verändert, je nachdem, wie schnell wir voran gekommen sind. Vorhin hatten wir kurzfristig in Erwägung gezogen, an der kleinenRobbeninsel vor Texel mit Namen Noorderhaaks zu ankern. In der Seekarte ist dort ein Naturschutzgebiet eingetragen, in Navily war jemand, der dort geankert hat. Um sicher zu sein, habe ich eine WhatsApp an die Verkehrszentrale Den Helder geschrieben (wie modern!), die freundliche Antwort kam umgehend: „Gute Frage!“ Ich solle doch Kontakt aufnehmen mit dem Zentralen Meldeposten Waddenzee. Dort habe ich angerufen, und man fing an zu diskutieren, und ich solle doch mal bei der Verkehrszentrale Den Helder nachfragen. “Die haben mich an Sie verwiesen”, sage ich und weiter ging es mit der Unsicherheit. Schließlich hieß es „Leider nein, das ist wirklich ein Naturschutzgebiet.“ Aber alle hatten ihren Spaß dabei!


Der Anker fällt um kurz vor neun im Sand vor dem ewig langen Sandstrand vor Julianadorp. Wir hatten keine Lust mehr, gegen die Gezeit und im Dunkeln in dem Watt-Fahrwasser bis zur Schleuse zu fahren. Es sind noch Menschen am Strand und auch zwei nervige Seascooter machen Lärm. Aber dann ist nur noch ein bisschen Hundebellen zu hören, das wird dann sicher nach Sunset um 22:12 aufhören. Noch ist die Sonne nicht untergegangen, aber in der Ferne ist im Dunst der Leuchtturm von Den Helder zu sehen, der uns in der Nacht immer wieder Grüße schicken wird.
Jetzt weiß ich auch, warum wir doch früher geankert haben:

WM Frankreich gegen Norwegen!