
Die brüllende Hitze, die in den letzten Tagen Lanzarote heimgesucht hat, haben wir derzeit in Deutschland nicht, nach einigen schönen Sommertagen schüttet seit gestern Zeus als verantwortlicher griechischer Gott über das Wetter unglaubliche Regenmengen aus. Positiver Nebeneffekt: Wir müssen den Garten nicht wässern, aber die vergangenen Hochwasserkatastrophen lassen doch immer wieder Befürchtungen aufkommen, wenn so große Wassermengen in kurzer Zeit auf die Erde fallen. Die letzten Tage waren trocken und warm, hoffen wir, dass der Sommer in der nächsten Woche noch einmal zurückkehrt.

Wir haben aus Arrecife als Souvenirs bunte „Jolateros“ mitgebracht. Ursprünglich waren das kleine Boote aus alten Treibstofffässern, die die Einwohner von Arrecife Anfang des 20. Jahrhunderts, sozusagen aus „Müll“, gebaut haben, um den Fischern auf den großen Booten zu assistieren, wenn sie den Fang nach Hause brachten. Diese Boote konnten nur mit einem, höchstens mit zwei Mann gefahren werden, dann wurde der Fang eingeladen und an Land gebracht. Angetrieben wurden und werden die Boote nicht etwa mit Rudern, sondern mit den bloßen Händen und vielleicht mit kleinen Holzbrettchen aus der Küche.

Mit der zunehmenden Technisierung verschwand diese mühsame Tätigkeit, aber man baute die Bötchen weiter, und es entwickelte sich eine neue Freizeitkultur. Ob man just for fun alleine oder zu zweit durch den Charco, den kleinen See in der Hauptstadt Arrecife paddelt, oder an den Regatten teilnimmt, die anlässlich der jährlichen Feier zu Ehren des Stadtpatrons am Charco de San Gines ausgetragen werden, heutzutage scheint es ein großer Spaß zu sein, denn in Arrecife sieht man viele der attraktiven Metallboote am Rande des Sees liegen.

Ein Mann aus Lanzarote, der sich „Toño“ nennt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Tradition, also den Bau der Jolateros aus den ursprünglichen Materialien, aufrecht zur erhalten und vor allem an Jugendliche der Insel weiterzugeben, als sinnvollen Zeitvertreib. Mit purer Muskelkraft werden aus den Metallfässern die Bootsseiten geschnitten und in eine entsprechende Form gebracht, an Bug und Heck verbindet ein Vierkantholz die beiden Hälften, und alles wird mit Metallnägeln zusammengehalten. Danach werden die Boote innen und außen mit reichlich bunter Farbe angestrichen, und so entstehen ganz vielfältige phantasievolle Kunstwerke.

Wir haben und werden unsere Miniatur-Boote bepflanzen und in den Garten oder auf den Balkon stellen, und ich trage das Zwergenmodell dazu am Schlüsselbund.
Ein bisschen Lanzarote in Darmstadt …

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