Abfahrt von Calheta um 9:40 UhrBaro 1022, sonnig – bedeckt, Wind nach der Insel um 6 Beaufort, Böen bis 27, die See 2-3 m
Nach dem Ablegen sind wir um kurz vor elf aus der Abdeckung der Insel raus, der Wind frischt auf bis 32 Knoten. Darauf waren wir vorbereitet, wir haben Reff 2 im Großsegel und die Genua auf Handtuchgröße ausgerollt. Trotzdem ist es extrem ruppig, die Hexe knallt manchmal in die Wellen, gemütlich ist anders. Nach drei Stunden lässt der Wind etwas nach auf 17 – 20 Knoten, die Wellen werden allerdings nicht spürbar besser. Volker spielt mit der Größe der Genua, ein Stückchen einrollen, dann wieder drei Umdrehungen raus, damit unsere Hexe immer schön segelt. Trotzdem muss ich mich bei jedem Schritt festhalten, und der Rückweg von der Toilette in den Salon wird zu einem Bergsteiger-Erlebnis. Aber da müssen wir jetzt durch.

Unser Kurs bringt uns erst einmal nach Nordwest, Richtung Azoren, und wenn die Wettermodelle sich mal einig sind, und das angekündigte Tief sich bildet und Richtung Nordeuropa zieht, wollen wir uns an den Rand der Tiefdruck-Autobahn anschließen und hoffen, dass wir so in Richtung Brest nach Norden kommen. Sonst machen wir einen Stopp auf Santa Maria und warten, dass der Wind günstig ist.
Die Liegewiese im Salon ist gebaut, mit abgesenktem Tisch entsteht ein gut drei Meter langes und breites Bett, auf dem wir uns am Tage ausruhen können, Volker schläft seine zwanzig minütigen Schlafperioden hier auch nachts, während ich in die Koje gehe, wenn es nicht zu sehr wackelt.
Essen gibt es am Kartentisch, dann muss der Laptop weg und eine Tischdecke wird aufgelegt. Jawoll, Noblesse obliege! Nein, Spaß beiseite, erstens schützt diese vor allem die Oberflächen, wenn Teller, Besteck und Töpfe drauf stehen. Zum Abendessen gibt es „Gelleriebestampes“, ein Gericht aus dem Saarland, mit Gelben Rüben = Karotten, und Kartoffeln, zusammengemischt und gestampft, dazu angebratenem Lauch und Blut- oder Leberwurst. Wir hatten die allerleckerste Blutwurst (Danke an Rolf und Cerstin), es war köstlich.

Am Abend sehen wir ein AIS-Signal auf dem Bildschirm, und als wir näher kommen, ist klar, dass es ein Fischer ist, der Kurs wechselt schnell und dabei fährt das Schiff nur drei Knoten. Fischern müssen wir ausweichen, plötzlich hören wir eine laute Stimme im Funk. Er sei beim Fischen, sagt eine raue Stimme und wir sollten doch bitte ausweichen. Das war uns sowieso klar, wünschen uns gegenseitig noch gute Fahrt und gute Woche. Die Saragarsa ist eine riesige Fabrik auf dem Wasser, taghell beleuchtet.
In der Nacht funkt Volker noch einen Tanker an, der muss nämlich uns ausweichen, aber manchmal achten die Wachhabenden nicht so darauf, da ist es besser, sich bemerkbar zu machen. Jatzt ist das Meer hier so groß und unendlich weit, und die beiden Schiffe, die wir sehen, kreuzen direkt unseren Weg!

Sonnenuntergang ist um 21:23 Uhr, der Wind weht noch um 16-18 Knoten, die Wellen sind auch noch da. So haben wir den ersten Tag auf See mit vielen Wellen und überkommenden Seen verbracht. Volker schläft nach dem Abendessen mal eine Stunde vor, dann gehe ich ins Bett, aber es tut so viele laute Schläge ums Boot, dass wir beide nicht viel geschlafen haben.
Volker schläft ja sowieso nicht viel, mit seinem Zwanzig-Minuten-Wecker. Außerdem refft er die Genua aus und nochmal aus, dann reffen wir sie wieder ein, um im Morgengrauen wieder auszureffen. Ich löse ihn um sechs Uhr ab, dann kann er mal eine Weile durchschlafen, anschließend darf ich nochmal schlafen und dann beginnt der neue Tag.
Viel Spaß beim Segeln und nach Hause kommen !!!