Autor: Skipper Volker

  • Alle vier

    Das Messgerät beweist es

    Verbraucherbatterien sind – wie vermutet – defekt, das Display des Profibatterietesters zeigt ein eindeutiges Ergebnis an, “replace battery”.

    Elektriker Mark prüft die Batterien

    Das, was wir vermutet haben, ist nun Gewissheit und einmal mehr werden wir uns in Geduld üben müssen, bis neue Batterien aus Frankreich hier in Teneriffa eintreffen werden. Übrigens ist der genaue Grund, warum die fast neuen Energiespeicher jetzt schon kaputt sind, leider nicht exakt zu ermitteln. Es ist halt ein bisschen wie bei einem Grippevirus, wenn einer es hat, ist es schnell weitergegeben, d.h. wenn eine Batterie in einer Batteriebank ein Problem hat, geht es den anderen auch schnell an den Kragen.

    Die Einkäufe füllen die Kaimauer

    Heute haben wir mal wieder unsere Vorräte kräftig aufgestockt und sind mit zwei gut gefüllten Einkaufswagen aus dem Lidl-Supermarkt heraus gerollt. Nachdem alles verstaut war, hat sich meine leider wiedergekehrte Erkältung bemerkbar gemacht, und ich mich erst mal ‘ne gute Stunde hingelegt. Irgendwie werde ich trotz des Einsatzes verschiedener Medikamente meinen nervigen Reizhusten nicht los. Jede Nacht kostet der mich ein paar Stunden Schlaf und das geht nicht spurlos an mir vorüber.

    Heute Abend gehen wir mit unseren Freunden Andy und Christiane und unserem Patenkind Greta, die in einem Nachbarort Urlaub machen, essen, und morgen in den aus Funk und Fernsehen bestens bekannten Loropark. Mal was anderes!

  • Cool

    Feuerwerk
    auf der Mathildenhöhe

    Silvester liegt jetzt auch hinter uns, das neue Jahr hat begonnen, wir haben mit Freunden in unserer Wohnung gefeiert und ein super Feuerwerk auf der berühmten Darmstädter Mathildenhöhe, aus sicherer Entfernung bewundert. Für mich das feudalste Silvesterfeuerwerk meines Lebens. Jetzt ist erst mal Schluss mit kühl, windig und grau, wir sind wieder auf Teneriffa. Heute Morgen hat uns der Thomas-Cook-Ferienflieger, der eher als Condor Airline bekannt ist, trotz Sturmböen sicher auf die Kanareninsel gebracht. Außerdem, spektakulär (!), heute morgen gab es am Flughafen erst mal eine riesige Überraschung.

    mit eigenem Schalter

    Am gleichen Check-in-Schalter wie wir stand die komplette Bundesligamannschaft des 1. FC Augsburg, auf dem Weg zu ihrem Wintertrainingslager im Süden von Teneriffa. Eine kurze Recherche im Internet ergab, das der frühere Stammspieler der Lilien, Marcel Heller, „denn Heller ist schneller“, jetzt beim Augsburger Fußballclub kickt. Und bei der Passkontrolle habe ich den ehemaligen Darmstädter Kickerstar gleich erkannt.

    Der Teide schaut aus den Wolken heraus

    Im Flugzeug hatten wir dann das Glück, zwischen dem sportlichen Leiter der Augsburger und einem mitreisenden Profibundesligafotograf zu sitzen und so gab es noch ein paar Infos über die erste Liga und Meinungen zu den Lilien aus erster Hand. Für mich als Fan mehr als interessant. Die Augsburger reisen jedenfalls für fünf Tage Trainingslager mit kompletter Aufstellung an. Trainer, Stammmannschaft, Ersatzspieler, Nachwuchstalente, Kraft-und Ausdauertrainer, Management, und noch drei Physiotherapeuten, damit sich nix verklemmt. Insgesamt sitzen exakt 54 “Augsburger” mit uns im Flieger.

    Fußballer und Fan

    Am Gepäckband in Teneriffa hab ich mir ein Herz gefasst, Marcel Heller angesprochen, vorher mich als Darmstadtfan zu erkennen gegeben und Cornelia hat ein Foto von uns geschossen. Die Unterhaltung war sehr nett und offen, und der Fußballprofi meint, dass der SVD den Klassenerhalt sicher schaffen wird, auch weil Schuster wieder Lilientrainer ist. Nur sieht auch er die Notwenidigkeit in frische Beine, resp. Spieler zu investieren, damit es weiter geht mit gutem Fußball am Böllenfalltor. So, Schluss mit Fußball, wir sind wieder an Bord, die Sonne scheint, die Hexe strahlt in der Sonne und bald geht es zum Abendessen auf die ” Florentine”.

  • (Kalt) erwischt

    Der Weihnachtsbaum passt gerade in den Türrahmen

    Das Weihnachtsfest liegt achteraus, traditionell haben wir, wie immer und üblich, mit unseren Kindern und deren Partnern am ersten Weihnachtsfeiertag zusammen gefeiert. Doch trotz aller Tradition gab es einige Neuerlichkeiten. Zum einen ist Cornelias Sohn, Leonard reisend für ein paar Monate in Südamerika unterwegs und zum anderen haben wir nicht bei uns, sondern in Larissas Wohnung gefeiert. Ein möglichst großer und breiter Weihnachtsbaum,  Memory-Spiele, um Geschenke zu erhalten, und anschließendes Raclette-Essen mit langen Beisammensein, war dann wieder ganz traditonell wie in all den zurückliegenden Jahren. Die Capitania und ich sind richtige Weihnachtsfans, wir mögen das Fest der Liebe, alle Jahre wieder und mit allem drum und dran.

    Einen kleinen Wermutstropfen gab es, bzw.  gibt es in diesem Jahr denn leider doch: Einen Tag vor Weihnachten hat mich ein grippaler Infekt angefallen, der sich scheinbar standhaft an mir festklammert. Ich niese, schniefe, röchele vor mich hin und nachts lassen mich keuchhustenähnliche Anfälle schlecht schlafen. Ich vermute, dass, aus reinem Mitempfinden heraus, die Capitania seit dem 25.12. ebenfalls richtiggehend krank geworden ist ,und nun hüten wir gemeinsam das Bett bzw. das Sofa.

    Medikamentenecke

    Heute morgen war es uns dann zu viel, bei der Capitania kamen noch fiebrige Anfälle hinzu und so sind wir in in aller Frühe zum Hausarzt, bzw. zur Hausarztvertretung gepilgert. Dort wurden wir eingehend untersucht, Cornelias Ohren sind dick zugeschwollen, die Bronchien belegt, mein Hals ist innen ritzeratzerot entzündet und in der Lunge brodelt es. Uns wurde angeraten, viel zu trinken (natürlich keinen Wein oder Bier), zu inhalieren und zu ruhen. Zudem wurde für jeden von uns ein gut gefülltes Rezeptblatt ausgestellt und mit den besten Wünschen zu einer baldigen Genesung wurden wir “entlassen”. Die Capitania ist keine geduldige Patientin und murmelt bei jedem Hustenanfall, dass sie diesen Mist nicht mehr haben will und mir graut es schon vor der nächsten Nacht.

    Leider mussten wir, der Krankheit geschuldet, einige Verabredungen absagen und anstatt mit lieben Menschen zusammenzusitzen, haben wir heute Nachmittag über die volle Distanz “Vom Winde verweht” auf ARTE angeschaut – was für ein Schmachtfetzen! (Und heute Abend gibt es dort Doktor Schiwago!)

  • Fernab vom Meer… und der Segelei

    Weihnachtsmarkt auf der Bessunger Ludwigshöhe

    Unser erstes Adventswochenende in Darmstadt war geprägt von Weihnachtsgeschenkbesorgungen, Kühlschrankauffüllen, warme Kleidung rauskramen und einem wunderschönen Waldspaziergang mit Ziel. Zum wiederholten Male veranstaltet die “Bürgeraktion Bessunger Ludwigshöhe”auf dem gleichnamigen Hügel im Bessunger Forst gelegen, einen Waldweihnachtsmarkt.

    Blick über die Rheinebene nach Frankfurt

    Zwei Besonderheiten sind erwähnenswert, zum einen übersieht man von oben große Teile des Rhein-Main-Gebietes einschließlich Frankfurt, die Wolkenkratzer erscheinen zum Greifen nah, im Westen liegen gut sichtbar die Pfälzer Berge und im Süden gibt es einen unverbauten Blick auf die Bergstraße bis hin nach Mannheim. So, jetzt zum anderen, für uns beide war es seit langer Zeit der erste Waldweihnachtsmarkt, von daher war die Veranstaltung per se schon etwas Besonderes, zudem wurden große Teile der Erlöse, die an den weihnachtlich geschmückten Ständen erzielt wurden, an karitative Institutionen gespendet. So konnten wir ohne schlechtes Gewissen leckere Plätzchen kaufen, für uns und unsere Freunde, und dabei noch etwas Gutes tun.

    Der Turm auf der Ludwigshöhe

    Gestern haben Larissa und ich den Weihnachtsbaum bei unserem Odenwälder Baumhändler erstanden und in Larissas Wohnung aufgestellt.

    Heute waren wir im Saarland, haben meine Mutter besucht und dabei alle fehlenden Restgeschenke geshoppt. Wir sind bereit für „Fröhliche Weihnachten“.

  • Ladehemmung

    So wie es aussieht, sind alle vier Verbraucherbatterien an Bord unserer Hexe defekt. Wie kann sowas passieren? Es gibt da mehrere Möglichkeiten, den Batterien sind sehr empfindsame Energieträger, wenn es um Unter- oder Überspannung geht. Geradezu supersensibel ist so eine Batteriebank, wenn nur ein “Bankenmitglied”, also eine Batterie einen Fehler hat. Dann verändern sich die Ladewiderstände, wenn Energie in die Batteriebank fließt, d.h. dass beispielsweise die Batterien nicht mehr vollständig geladen werden, weil die Ladeelektronik zu früh abschaltet oder mit zu wenig Ampere lädt. Weiterhin sind die Batterien dann nicht mehr spannungstabil, was beispielsweise bedeutet, dass während der 60-stündigen Fahrt von Lagos nach Lanzarot die Ladespannung der Bordbatterien auf  niedrige 23,7 Volt fiel und es einen akustischen Alarm gab, bei einer relativ hohen Restbatteriekapazität von 80 Prozent laut Batteriemonitor.

    Das gleiche Problem wiederholte sich während unserer Ankerzeit bei Fuerteventura. Es war also nicht nur ein einmaliger Fehler. Unser gesamtes Lade- und Batterieüberwachungssystem ist von Mastervolt, und wenn wir einen Internetzugang an Bord haben, können wir jemanden, in dem Fall Outremer, per Teamviewer einen Zugang in unser Bussystem geben. Dadurch ist es möglich, von außerhalb eine Fehlersuche bzw. Diagnose durchzuführen. Wir haben zudem unter Anleitung von Outremer einige Tests durchgeführt, das Fazit ist, dass unsere vier AGM-Batterien kaputt sind und ausgetauscht werden müssen. Da wir seit gestern für die Weihnachtszeit nach Darmstadt geflogen sind, kann der Austausch erst im Januar erfolgen. Anfang Januar soll ein Elektronikspezialist auf Teneriffa nochmal eine Vor-Ort-Diagnose durchführen und für Batterieersatz sorgen.

    Ein herzlicher Dank geht von hier aus an Peter und Katrin von der SY Florentine, danke dass Ihr mit uns zum Airport (und wieder zurück) gefahren seid, für die schönen Stunden mit Euch und dass Ihr ein Auge auf unseren Kat habt.

  • Hart erwischt

    Von 7 Regentagen hatten wir schon 3

    hat es nicht nur die Segler, die in den letzten drei Tagen auf dem Atlantik unterwegs waren, auch große Kreuzfahrtschiffe hatten mit Windgeschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern und mit Wellen von über 5 Metern Höhe zu kämpfen. Mit ein paar Passagieren und einem Steward der “Pacific Princess” kamen wir heute  ins Gespräch. Neben verrutschenden Tischen und Stühlen ging wohl ebenso der eine oder andere Teller zu Bruch und die Schiffsbewegungen haben bei den Gästen Spuren der Seekrankheit hinterlassen. Die davon nicht betroffen waren, hatten laut Schilderung das gut gefüllte Abendbuffet für sich. Heute Abend geht die “Pacific Princess ” auf große Fahrt und soll in acht Tagen den Atlantik bis nach Florida überqueren. Das wird in den ersten Tagen für die Passagiere ganz sicher rollig, der Atlantik ist mächtig in Bewegung. Wer mit Segelschiff hier im Hafen ist, will den so schnell nicht verlassen, zu groß ist der Respekt vor den Naturgewalten.

    Allerlei Meeresgetier
    Leckerstes Gemüse
    Fleischtheken

    Eine Besonderheit in Santa Cruz, die nicht unerwähnt bleiben darf, ist die lokale Markthalle mit dem ausschweifenden Namen “Nuestra Señora de Africa“. Alles was das Herz, oder besser, der Magen sich nur wünschen kann, wird dort auf zwei Etagen feil geboten. Alles an Fleisch, Fisch, Gemüse, Backwaren, Obst, Käse und kanarische Spezialitäten, werden täglich von früh morgens bis 14 Uhr, marktfrisch verkauft. Die nahe Fußgängerzone lockt Einheimische und Touristen gleichermaßen, und ehe wir uns versehen, ist der Vormittag verbummelt.

    Eine riesige Krippe fanden wir im Rathaus

    Nachmittags gibt es ein straffes Arbeitsprogramm, das Schiff ist mit schwarzen Staub überzogen, der von den nahen Bergen aufs Schiff geweht wird, und zusammen mit dem Regen hässliche Spuren auf dem weißen Gelcoat hinterlässt. Zudem müssen letzte Handgriffe an dem frisch eingedichteten Relingsfuß gemacht werden und alles, was innen im Schiff abgebaut wurde, um die Kontermutter des Fußes zu erreichen, wird wieder zurückgebastelt. So geht der Nachmittag noch schneller ins Land als der Vormittag.

    Heute Abend wird gegrillt, ich habe frisches Rinderfilet eingelegt, einmal als Steaks und kleingeschnitten für Spieße. Peter und Katrin von der “Florentine” kommen an Bord, wir haben die beiden gestern kennengelernt und uns auf Anhieb prächtig verstanden.

  • Verlegt

    Eine Regenfront zieht über Santa Cruz hinweg, der dunkle  Abendhimmel wirkt dadurch noch düsterer als üblicherweise. Die Einwohner freut es, das himmlisch-kühle Nass, das es seit mehr als sechs Monaten nicht mehr gab.

    Von schräg gegenüber wummern die Stromgeneratoren der Kanarenfähren, die hier, wie üblich, im sehr nahen gegenüberliegenden Fährhafen für die Nacht festgemacht haben. Landstromanschlüsse für die schwimmenden Transportvehikel sind leider nicht vorhanden, wenig fortschrittlich, finden wir. Den einen Yachtie im Sportboothafen stört der permanente Maschinenlärm, den anderen ficht es nicht an.

    Egal, auf jeden Fall ist der Sportboothafen zur Zeit doch ziemlich leer und gegenüber dem gut gefüllten Yachthafen von Gran Canaria gibt es viele freie Liegeplätze. Vielleicht liegt das aber auch an den Liegeplatzpreisen, denn die übersteigen die Schnäppchenpreise von Las Palmas um fast das Dreifache. Nachdem wir gestern einen Liegeplatz am langen, aber verwaisten Steg zugewiesen bekommen hatten, durften wir uns heute, auf Nachfrage, in den belebteren Innenteil verlegen. Und weil das dort so eng ist, haben die Capitania und ich erstmal mit Massband nachgemessen, ob wir da reinpassen. Die überaus freundlichen und hilfsbereiten Marineros haben noch extra ein anderes Boot verlegt, damit wir mehr Platz haben, und dann ging es los mit dem Verlegen der Hexe.

    Weil es so so eng zum Manövrieren is, hat die Capitania im Vorfeld darauf bestanden, das Ruder aus der Hand zu geben und dafür die Leinen an die helfenden Hände zu übergeben. Den Wind von vorne, mit langsamer Fahrt voraus ging es ab durch die ca. 11 Meter breite Boxengasse und kurz vorm Steg nochmal scharf nach rechts zum finalen Liegeplatz. Kurz gesagt, es ging (fast) alles gut.Leider hat sich eine unserer Relingstützen in den weit nach achtern hinausragenden Geräteträger unseres Nachbarliegers eingeharkt, sich dabei verbogen und hat zudem unseren Relingshalter/Relingsfuß gelockert. Morgen ist Basteltag.Einen Riesenvorteil hat die !Marina, durch das geteilte Hafenbecken und die lange Einfahrt, ist sie komplett schwellfrei. Egal aus welcher Richtung die langen atlantischen Wellen anrollen, hier liegt man oder besser gesagt das Schiff, sicher geborgen.

  • Gran Canaria

    Das südwestliche Ende von Fuerteventura

    Grau, abweisend und mit einer fiesen Welle empfing uns am gestrigen Segeltag der kanarische Atlantik. Sobald wir die schützende Leeküste von Fuerteventura hinter uns gelassen haben, wurden wir und der Kat von konfus laufenden Wellen durchgerüttelt. Das Großsegel knallte mit seinen großen durchgehenden Latten von einer Seite zur anderen, und erst als der Wind stärker wurde, war dieser üble Spuk vorbei. Die Hexe beschleunigte mit gesetztem Code D und 14 Knoten wahrem Wind auf über 12 Knoten. Die 56 Meilen nach Gran Canaria schmolzen nur so dahin, Segelvergnügen vom Feinsten. Las Palmas, Gran Canarias Inselhauptstadt und größte Stadt der Kanaren, erhob sich schon  von weitem am westlichen Horizont. Besonders die Hafenkräne und die verankerten Bohrinseln, die im riesig großen Hafenbecken auf ihren Einsatz warten, bilden einen markanten Anlaufpunkt.

    Der Vollmond über dem Hafen

    Um 14.30 passieren wir die Hafeneinfahrt, rollen die Genua weg, bergen das Großsegel und machen klar Schiff zum Anlegen. Der Sportboothafen hat beachtliche Ausmaße mit seinen über 1.500 Liegeplätzen. An den festgemachten Yachten wehen an den Hecks die Nationalen von fast allen europäischen Staaten, ein bunt gemischtes Fahrtenseglervolk .

    Nach ein bisschen Suchen finden wir einen Liegeplatz am verlängerten Steg vor der (Hafentankstelle. Es folgte ein Anlegebier, ein Anmelden im Hafengebäude war nicht möglich, da Sonntags Nachmittags Ruhetag ist.

    Die Hexe, beleuchtet am Abend

    Dafür klopft heute morgen um 8 Uhr ein Marinero an unser Schiff und meint, dass wir dort nicht liegen können und dass er eine halbe Stunde später zu uns zurückkommt, um uns einem anderen Liegeplatz zu zuweisen. Jetzt haben wir einen 1a-Platz im hinteren Hafenbecken und leben uns langsam ein. Morgen Abend gibt es einen deutschen Seglerstammtisch im Hafen und da wollen wir kurz hin.

    Jetzt gibt es erstmal deutsche Bratwürste auf dem Lotus und  den besten Kartoffelsalat von der Capitania, Festtagsessen zum 8. Hochzeitstag!

  • Im Frühtau

    Montaña La Caldera

    zu Berge wir zogen. Gestern hat es Trevor und mich früh aus den Federn gezogen, der Berg rief nach uns und wir sind dem Ruf gefolgt. Die höchste Erhebung von Los Lobos,  ist ein 127 Meter hoher Berg, oder noch genauer ein halber vulkanischer Kraterberg. Der erste Kilometer vom Strand aus führt über einen befestigten Weg und ein paar hundert Meter weiter beginnt der steile Anstieg. Einhundertsiebenundzwanzig Meter hört sich erstmal nicht wirklich anstrengend an, doch wie bei so manch anderem Berg ist die Steigung relevant. Und da hat es “unser Berg” so richtig in sich. Schon nach gut 30 Meter Anstieg schlägt das Herz spürbar schneller und die Atemfrequenz steigt. Weiter oben brennen die Oberschenkelmuskeln.

    Trevor beim Aufstieg
    Volker auf dem Gipfel

    Nach 30 Minuten Anstieg ist ein Ende der Anstrengung in Sicht. Auf der Nordseite hat man einen herrlichen Ausblick über den Kraterrand. Lanzarote und Fuerteventura liegen zum Greifen nah, der leichte atlantische Wind sorgt für angenehme Kühle. Langsam gehen die beschleunigten Vitalwerte wieder nach unten und wir genießen den 360-Grad-Panoramablick, zücken das Smartphone, um ein paar Fotos zu schießen und erfreuen uns an der morgendlichen Ruhe und Einsamkeit.

    Der Abstieg dauert beinahe länger als der Aufstieg, da man sehr darauf achten muss, wo man seine Füße bei dem rutschigen Gestein hinsetzt. Zurück an Bord erwartet uns schon der gedeckte Frühstückstisch.

    Flechten mit roten Blüten

    Kurz danach tausche ich zum zweiten Mal Boots- gegen Wanderschuhe, Cornelia will mit mir das komplette Eiland erwandern und das lohnt sich! Los Lobos erscheint von außen auf den ersten Blick wenig abwechslungsreich, doch wer einen Ausflug ins Inselinnere wagt, wird eines Besseren belehrt. Zuerst machen wir uns auf den Weg zum Leuchtturm, der im äußersten Norden der Insel liegt. Obwohl die ganze Gegend eher felsig und sandig ist, entdecken wir einige, zum Teil blühende Pflanzen, die der Trockenheit trotzen.

    Der Binnensee
    Der Leuchtturm

    Der Leuchtturm selbst liegt auf einer Anhöhe und bietet sich als Aussichtsplattform an. Direkt unterhalb liegt ein kleiner Brackwasser-See, der von einer Vogelart bewohnt wird, die uns stark an Austernfischer erinnert.

    Schneckenhäuser
    Blick vom Leuchtturm über die Insel

    Der weitere Weg wurde von mir spaßeshalber als “Death Valley”, also totes Tal bezeichnet. Es gibt dort nur Sand, kleine Vulkanhügel und Gesteinsbrocken. Noch weiter auf dem Weg zu dem einzigen kleinen Dorf auf Los Lobos, finden wir am Wegesrand abertausende kleine weiße und leere Schneckenhäuser und rätseln, wann die wohl dahin gelangt sind.

    grüne Gewächse in einem der Täler

    Kurz darauf wird es richtig grün, links und rechts des Weges wachsen Hartlaubgewächse verschiedener Art und es gibt sogar ein paar Grasflächen. Einige Minuten, bevor wir diesen grünen Abschnitt passieret haben, hat es dort sogar aus einer einzelnen Gewitterwolke heraus geregnet. Vielleicht gibt es an dieser speziellen Stelle einen besonderen meteorologischen Effekt, denn am nächsten Morgen sind diese Stellen immer noch feucht.

    Der Ort 
    Restaurant auf Los Lobos
    Die kleine flache Lagune

    Das kleine Dorf”Casas del Puertito” besteht aus ein paar Steinhütten, die angeblich Fischer als Wochenendhäuschen bewohnen, einem beinahe zu übersehenden Restaurant sowie einem Anlegesteg für die Fähren, die mehrmals täglich Tagesgäste zur und von der Insel bringen. Am Ende des Rundgangs standen 12,3 Kilometer auf meinem Schrittzähler und wir können nur jedem Fuerteventura-Urlauber einen Besuch von Los Lobos ans Herz legen.

    Die Hexe in der Ankerbuch vor Los Lobos
    von Reinhard Cuny aus dem Flugzeug fotografiert

    Am Abend gab es dann eine heitere Wiedersehensfeier mit Dörte, Felix und Harald. Dörte und Felix haben wir im Sommer 2013, bei unserem Sommersegeltörn nach Polen, kennengelernt. Seitdem haben wir uns leider nicht wiedergesehen, umso größer war gestern Abend die Freude und es wurde eine ziemlich ausgelassene Wiedersehensfeier, mit reichlich Bier, Wein, Cocktails, Rum und dem obligatorischen Lotusgrillen. Heute Morgen war es dann entsprechend ruhig an Bord, man könnte von Katerstimmung sprechen.

  • Gut gelandet

    Noch schnell ‘ne warme Mütze auf’m Weihnachtsmarkt erstanden

    Früh ging es gestern aus den Federn, denn der Rückflug nach Lanzarote war für 6.25 Uhr angesetzt. Um 4 Uhr früh klingelt der Wecker und auf dem Weg zum Airliner weht mir ein eisig kalter Wind ins Gesicht, bei 2 Grad plus. Gerade rechtzeitig zum Boarding komme ich am Flughafen an, leider hat der Pilot vergessen, im Vorfeld die Heizung anzustellen und und das Flugzeug ist genauso warm drinnen wie draußen kalt. Pünktlich verlässt der Ferienflieger den Airport und bei voll bedecktem Himmel gibt es nur über den Wolken einen wunderbaren Sonnenaufgang.

    Gartendeko in Puerto del Carmen

    Ein paar Flugstunden später und gut 3.000 Kilometer weiter südlich ist von frühwinterlicher Kälte nix zu spüren und die warme Kleidung wird rasch gegen Shorts und Shirt eingetauscht. Nach der Ankunft an Bord gibt es ein richtig frugales Seglerfrühstück mit allem Drum und Dran. Für den Abend haben die Capitania und unsere Engländer  in meiner Abwesenheit einen Ausflugsplan ausgeheckt und es geht auf einem sandigen Pfad gut fünf Kilometer an der Steilküste entlang in den historischen Ortsteil von Puerto del Carmen. Nach einem kleinen Apéritif mit Ausblick geht es in ein Steakhouse und danach mit gut gefüllten Bäuchen mit dem Taxi zurück nach Puerto Calero.

    Heute Morgen hieß es dann Abschied nehmen vom schönen Lanzarote – was für ein tolles Eiland. Windmäßig war es in der ersten Stunde nach dem Ablegen mau und so musste der Motor uns durchs ruhige Atlantikwasser schieben. Doch kurz danach setzte ein leichter Ostwind ein und wir haben uns nur von der ausgerollten Genua allein nach Los Lobos ziehen lassen.

    Bevor uns ein anderer Segler von Los Lobos berichtet hat, wusste ich nicht, dass es eine solche Kanareninsel gibt. Auch frühere Segel- oder Törnberichte von den Kanaren, liessen die kleine aber feine Insel mit ihrem Fischreichtum und den Sandstränden unerwähnt. Erst ein Stegnachbar erwähnte das einsame Paradies, das gerade einmal einmal zwei Meilen im Norden von Fuerteventura liegt und 4,6 qm km misst. Nachdem unser Spadeanker sich wie bisher immer schnell und kräftig zupackend im sandigen Untergrund eingegraben hat, haben wir unser Beiboot klargemacht und sind über das naheliegende flache Steinriff zum Strand hingerudert. Wieder einmal hat es sich bewährt, dass wir kein großes schweres Beiboot sondern ein kleines extrem flachgehendes Gummiboot haben, das sich auch spielend leicht einen steilen Strand nach oben ziehen lässt. Nachdem die Urlaubsgäste mit der letzen Fähre die Insel verlassen, hatten wir die Insel und den Strand für uns. Genial.

    Sonnenuntergang über Fuerteventura von Los Lobos aus

    Aber der himmlische Frieden und die Ruhe war bei der Rückkehr zum Boot schnell verflogen. Obwohl wir das einzige Boot in der Bucht sind, hat sich ein Schweizer Alleinsegler unsinnigerweise genau vor uns, also quasi genau über unserem Anker gelegt, absolut unverständlich. Wir haben die Motoren gestartet und die Hexe an einen anderen Platz gelegt. Nicht auszudenken, wenn so ein Ankerdilettant nachts in unser Boot treibt…

    In den nächsten Tagen kommt der atlantische Luftstrom völlig zum Erliegen, und wir werden gemütlich noch ein paar Tage vor Los Lobos und Fuerteventura verbringen.