Autor: Skipper Volker

  • Bestanden

    Kalt, richtig kalt war es nach der Landung in Frankfurt. Alles, was an warmer Kleidung auf dem Boot lagerte, hatten wir mit im Rucksack, Kapuzenshirt, dicke Lederjacke, gewappnet gegen nur 10 Grad Plus. Gut, dass Larissa in unserer kleinen Wohnung die Heizkörper schon aufgedreht hat und es dadurch richtig muckelig warm ist, als wir in Darmstadt ankommen.

    Doch auch fernab vom Boot lässt uns das Thema “Segeln” nicht los, im Moment gibt es jeden Tag eine Menge Neuigkeiten vom Volvo Ocean Racem, der Regatta, die auf ganz heißen 65 Fuß großen, kompromisslos gebauten Segelyachten rund um den Globus führt. Die 13. Auflage der Hatz um die Welt ist am vergangenen Samstag in Alicante gestartet, die erste Kurzetappe führt nach Lissabon. Quasi nur ein kurzer Sprint für die Mannschaften. Anschauenswerte, action-geladene Videos findet man auf www.yacht.de oder auf www.volvooceanrace.org.

    Die Bescheinigung

    Genauso spannend waren die letzten beiden Tage für die Capitania, die nochmal ganz viel Stoff für die Prüfung zum Amateurfunker gepaukt hat. Heute morgen um 9 Uhr wäre es dann soweit gewesen, wenn nicht ein Megastau zwischen Darmstadt und Frankfurt die Autobahn lahmgelegt hätte. Ein Stau, der vorher in keinem Staupilot nicht gemeldet war. Mit 15 Minuten Verspätung kam Cornelia im Prüfungszentrum an und die Prüfungskommission hat glücklicherweise ein Auge zugedrückt.

    Es hat sich gelohnt, Cornelia hat, wie alle anderen Teilnehmer auch, die Prüfung bestanden. Sie hat jetzt die Harec, die erweiterte Amateurfunklizenz A. Das neue Rufzeichen lautet:

    DL2HEX

  • Lagos

    ist eine lebendige Stadt, mit einem historischen Ortskern, einer bewegten Geschichte und es hat sich in den letzten Jahren zu einem sehr beliebten Urlaubsziel an der westlichen Algarve entwickelt. Neben den verwinkelten Gassen im historischen Ortskern gilt es die spektakulären Ponta-de-Piedade-Klippen, den Sandstrand “Praia da Ana” und den Yachthafen zu besichtigen. Wer abends gerne ausgeht, kommt sicher auf seine Kosten. In vielen Kneipen gibt es regionale oder internationale Livemusik; Freunden der gepflegten Trinkkultur seien die zahlreichen englischen Pubs ans Herz gelegt, die bereits zur frühen Happy Hour gut besucht sind. Ausflüge ins nahe Umland sind mit dem Leihwagen kein Problem.

    Zahlreiche Steinmännlein grüßen in die neue Welt

    Eins unserer persönlichen Highlights ist der Besuch am Cabo São Vicente, dem südwestlichsten Landzipfel Europas. Steilküsten und eine grandiose Aussicht, gepaart mit der imaginären Vorstellung dass das nächste erreichbare Land am fernen westlichen Horizont Amerika ist, verleihen diesem Kap eine besondere Bedeutung.

    Ein weiterer Ausflug hat uns mitten in die Wolken geführt, oberhalb von Monchique war es auf dem Berg eiskalt, zwei Kilometer weiter unten konnten wir die Piri-Piri-Hähnchen genießen, für die diese Gegend berühmt ist.

    Die maurische Festung von Silves

    Erstmals haben wir vor zwei Tagen Silves besichtigt, ein kleiner Ort mit einer enorm großen und gut erhaltenen maurischen Festung, die auf einer Anhöhe gelegen ist und deshalb zudem noch einen schönen 360-Grad-Ausblick bietet. Wie überall in Portugal ist auch hier der Eintrittspreis mit unter drei Euro als sehr moderat zu bezeichnen.

    Angenehm trubelige Stunden mit Carsten Paukert und seinen superlieben drei Töchtern liegen jetzt ebenfalls hinter uns. Das  Zusammentreffen mit den vier fühlte sich so vertraut an, als wäre es gestern gewesen und nicht drei Jahre her, dass wir uns hier in Lagos getroffen hätten. Wundervoll. Die Vier werden jetzt zusammen mit einem Freund ein Alusegelboot von Lissabon nach Faro überführen. Wir wünschen ihnen „Fair winds from behind“.

    Morgen geht unser Flieger nach Frankfurt. Cornelias Prüfungstermin  für das große Amateurfunkzeugnis rückt näher, Dienstag ist es soweit und die Anspannung bei der Capitania steigt spürbar. Zumal es sich bei diesem letzten Prüfungsteil um den “ungeliebten” Technikteil handelt, die Schaltpläne, die sie erkennen und die Formeln, die sie dazu berechnen muss, fordern ihr alles ab.  Mit meinem schlechten mathematisch-physikalischen Verständnis bin ich heilfroh, dass Cornelia das Amateurfunkzeugnis macht und ich aus dieser Nummer raus bin.

  • Viel zu schnell,

    Die Gischt spritzt an den Rümpfen empor

    vergeht mal wieder die Zeit, ganze drei Tage liegen wir mit unserer schnellen Hexe im Hafen von Lagos. Die Fahrt  hierher, besonders die ersten Stunden waren ein echter Seglertraum und das Vertrauen in unser Schiff ist deutlich gewachsen. Böen bis 38 Knoten von achtern haben unser 18-Tonnen-Boot vielfach auf über 18 Knoten beschleunigt. In den ersten Segelstunden haben wir einen Durchschnitt von über 10 Seemeilen pro Stunde rausgesegelt. Die Segelstellung war dabei denkbar simpel, wir hatten zwei Reffs im Großsegel und die Genua zur Hälfte ausgerollt auf der gegenüberliegenden Seite – ein konservatives Setup, unserer Meinung nach den Umständen angemessen.

    Am Heck kocht die See

    Trotz beachtlicher Wellen hat sich das Schiff sehr gutmütig verhalten, und wir haben uns sehr sehr sicher darauf gefühlt, besonders meine seglerischen Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Insgesamt war es eine der besten Überfahrten überhaupt, der Wind hat auch fast bis zum Ende durchgestanden und jetzt liegen wir im wunderschönen Lagos.

    Nach ein bisschen Verhandeln mit der Marinaleitung haben wir für die nächsten Tage einen Liegeplatz bekommen. Ralf und Inge von der “Malwieder” haben uns willkommen geheißen und am Wochenende kommt noch mehr Leben in die Bude. Carsten Paukert und seine drei quirligen Töchter kommen für eine Nacht zu an Bord. Das ist die Segelfamilie, die wir schon vor fast drei Jahren hier in Lagos kennengelernt haben und mit denen wir  eine superschöne Zeit verbracht haben. Also ihr Lieben, wir freuen uns sehr auf Euch, der Süßigkeitenschrank ist gut gefüllt, für Paule steht Bier kalt und ab morgen lacht die Sonne wieder.

    Noch ein, was uns sehr betroffen gemacht hat: An allen Gebäuden weht die portugiesische Nationale auf Halbmast, gestern habe ich dann einen Museumswächter gefragt, warum das so ist. Seine Antwort war, dass dies wegen der vielen Toten bei den schweren Waldbränden so wäre. Abschließend sagte er noch einprägsam und treffend, dass es nie gut ist, wenn Fahnen auf Halbmast wehen müssen – sehr zutreffend.

  • Am Freitag, dem 13.

    Die Hafeneinfahrt von Cartagena begrüßt die Hexe

    laufen wir garantiert nicht aus dem Hafen aus, sage ich heute Morgen zur Capitania. Über die Seefahrt und den Aberglauben haben wir ja schon mal geschrieben und ich lass mir meinen Aberglauben nicht nehmen. Zumindest nicht, wenn er mir gelegen kommt. Seit zwei Tagen liegt der Kat sicher längsseits am Steg in Cartagena vertäut. Logenplatz, direkt vor dem Veranstaltungs- und dem Ausstellungsgebäude mit Panoramablick zur Hafenausfahrt und zum Verlieben, wer will da schon schnell weg?

    Das Leben auf den Straßen am späten Abend

    Über Cartagena haben wir ebenfalls ausführlich berichtet, es ist jetzt über zweieinhalb Jahre her, dass wir hier einen längeren Aufenthalt verbracht haben. Was hat sich im Hafen seitdem geändert? Es ist viel voller geworden, die Weiterempfehlungen in den in-und ausländischen Segelforen scheinen zu wirken. Besonders bei Katamaransegelern erfreut sich die Marina „Yacht Port Cartagena“ einer großen Beliebtheit, weil nur der gleiche Tarif wie für einen Einrumpfer berechnet wird. Alles was zählt, ist die Schiffslänge und nicht die Breite. Der Preis pro Tag für unser Schiff ist mit 48 Euro wirklich sehr günstig, natürlich immer in Relation.

    In den Schaufenstern wird es Winter

    Die Stadt ist so, wie sie war, attraktiv, historisch, lebendig und noch einige weitere positive Adjektive würden mir einfallen. Sollte aber jeder für sich selbst entdecken.

    Wir haben in den letzten Tagen hart am Boot gearbeitet, verbessert, poliert, repariert. Zur Erholung sind wir nachmittags mit dem Beiboot zum Baden und Schnorcheln in eine kleine malerische Bucht unter einer Festung gefahren. So viele Fischarten wie hier haben wir im ganzen Mittelmeer nicht gesehen, oder hat das vielleicht etwas mit dem nahen nährstoffreichen Atlantik zu tun?

    “Unsere” Bucht

    Die Hexe ist auslaufklar, der Wind soll ab morgen auf östliche Richtungen umschwenken und auffrischen. Heute Abend haben wir noch eine Familie mit zwei Kindern zu Gast, die mit ihrer Outremer 45 auf dem Weg nach Australien sind, um dort ein neues (berufliches) Leben anzufangen. Wir sind sehr auf ihre Lebensgeschichte gespannt!

    Am Feiertag gab es eine lokale Regatta
    Großer Aufwand für das Foto-Shooting zum VW “Neo”
  • Crewwechsel

    Cornelias Zahn hat uns im Nachhinein noch ganz schön auf Trab gehalten. Am frühen Freitag Abend fing es mit Nachblutungen aus der Wunde an, die sich bis gestern Mittag hingezogen haben. Seitdem ist die Capitania wieder innerlich dicht und alle halbwegs entspannt.

    Heute Morgen war leider der Abreisetag der Kinder, eine Woche Ferien geht so schnell vorbei. Heute Abend kommt unsere Freundin Petra an Bord, für sie einen Katamaranpremiere. Seglerisch ist sie mit vielen Wassern gewaschen.

    Samstag Mittag hat auch der Carrefour Supermarkt unsere Einkäufe geliefert. Zwei volle Einkaufswagen haben wir eingekauft, damit der “Vorratskeller” für die weitere Reise zu den Kanaren gut gefüllt ist. Der Tiefkühler und die Backbordbilge sind jetzt gut gefüllt. Nicht, dass wir da jetzt ab morgen nonstopp hinsegeln. Nur Segeln geht auch garnicht, zumindest nicht rund-um-die-Uhr. Der Wind, der Wind, der macht uns Sorgen für das weitere Vorankommen und in uns sträubt sich alles, auf Teufel komm raus unter Motor die Restmeilen abzuspulen. Es gibt jedoch ein wenig Grund zur Hoffnung, ab Ende nächster Woche soll ein beständiger Ostwind einsetzten. Die verschiedenen Vorhersagequellen sind sich einig. Es ist aber noch ein paar Tage hin und die Unsicherheit bei Windvorhersagen über fünf Tage ist relativ hoch. Wir behalten das im Auge

    Gerade bin ich aufs neu angekommene Nachbarschiff gesprungen. Die esteponische Mannschaft ist mit Rum, Wodka und Massen von Bier zu einem Riesenbesäufnis aufgebrochen und die Mooringleinen waren nur über die Klampen ge-, aber nicht belegt. Der Motorkahn kam immer näher an unseren Katamaran heran. Mit einem beherzten Sprung bin ich sicher auf der eingezogenen Gangway gelandet, hab die losen Leinen dichtgeholt und belegt. Ich bin mal gespannt, was das heute Nacht für ein Spektakel wird. Morgen soll die Reise weitergehen, nächster Anker-Etappenstop soll Denía sein, das gut 50 Meilen entfernt im Südosten liegt. Ich stell mich mental schon mal auf Motorfahrt ein.

  • Fahrradcity

    Heute war unser erster Ausflugstag in die drittgrößte Stadt Spaniens. Valencia hat einiges zu bieten. Zuerst einmal für die Segler, der Hafen selbst ist groß, vom Hafeneingang bis zum Ende des Hafenbeckens sind es sicher über 1,5 Kilometer. 2007 wurde der America’s Cup in Valencia ausgetragen. Es war die 32. Auflage dieses geschichtsträchtigen Wassersport-Spektakels und wurde souverän von dem Schweizer Alinghi-Team gewonnen. Noch immer ist dieser “Spirit of Tradition” auf der Hafenmeile spürbar.

    Nicht nur der Hafen ist groß, die ganze Stadt hat gigantische Flächenausmaße und um in die Altstadt zu kommen, muss man schon die Metro oder den Bus nehmen. Nicht weit vom Yachthafen entfernt befindet sich das Wissenschafts- und Kunstzentrum mit dem meereskundlichen Ozeaneum. Die futuristisch-verspielte Architektur und die schiere Größe dieser Gebäude lassen die Bilder der Sydney Opera geradezu klein erscheinen. So etwas haben wir vorher noch nie bestaunt, eine umwerfende Architektur, die dem Betrachter geboten wird, die uns sprachlos macht. Wir waren mit dem Fahrrad die knapp fünf Kilometer dorthin geradelt und haben uns über die gut ausgebauten Fahrradwege gefreut. Ganz Valencia ist mit zweispurigen Fahrradwegen durchzogen und Fahrradfahren ist eine echte Freude, auch viele geführte Stadtrundfahrten, werden mit dem Drahtesel angeboten. Noch nie habe wir eine Stadt gesehen die so konsequent für den Fahrradverkehr konzipiert wurde.

    Davon ab hat heute die Capitania ihren “bösen” Zahn gezogen bekommen. Mit dem Behandlungsniveau von GYB Dental war sie mehr als zufrieden und mit 50 Euro war die Zahnextraktion günstig. Den Zahn haben wir jetzt mit an Bord, vielleicht kleben wir ihn vor den Mast. Es gibt eine alte Seglersage, dass das Glück bringen soll und abergläubisch sind die Wassersportler fast alle..

    Gestern kurz nach dem Festmachen stand Überraschungsbesuch hinterm Boot. Rolf mit Ehefrau Cerstin kamen zu einem Stipp-Besuch. Rolf haben wir über unseren Segelfreund Harald in Bizerte kennengelernt und er hat unseren Reiseweg über Vesselfinder und unseren Blog verfolgt. So kam es zu dem überraschenden Wiedersehen. Die beiden sind nicht auf dem Wasser, sondern mit ihrem Wohnmobil auf dem Weg, um in Marokko zu überwintern. Wir haben uns mehr als gefreut und ein paar nette gemeinsame Stunden an Bord verbracht. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege wieder auf der Strecke bis Gibraltar.

    Sandkunst am Strand

    Der Spätsommer legt sich zurzeit mächtig ins Zeug und bei Temperaturen bis 29 Grad fühlt man sich eher an den Hochsommer erinnert. Und auch in den nächsten 14 Tagen soll der Wetterfrosch ganz oben auf der Leiter bleiben und die Jacken können getrost im Kleiderschrank auf den nächsten Einsatz warten. So soll es sein, so soll es ruhig bleiben, wir genießen jeden sommerlichen Tag. Morgen geht es mit unserem “bordeigenen Führer” in den alten Teil von Valencia, wir sind gespannt.

  • Vor Anker

    Lütten Vogel hat uns am Anfang ein Stück begleitet

    Während wir hier rum dümpeln, machen mal wieder Arztgeschichten die Runde. Es wird aus dem Nähkästchen geplaudert, mit welcher Fadengröße man die beste Wundnaht machen, oder welche Kuriositäten einem im Berufsalltag schon begegnet sind. Bewegungsstudien werden angestellt, Allegra ist ganz klarer Spitzenreiter im Glieder verbiegen. Cornelia und ich haben eher eine Altersstarre, zumindest im Gliederverrenken.

    Leonard probiert die Möglicjkeiten

    Familiengespräche eben und wann hat man schon mal soviel Zeit mit den Kindern zusammen. Nur Larissa und Johannes fehlen. Seit wir Barcelona am Sonntag verlassen haben, gab es noch keinen Hafenaufenthalt. Nonstop zusammen, fast nonstop an Bord.

    Frühstück an Deck

    Gestern Abend haben wir einen kleinen Landausflug unternommen und den malerischen historischen Ortskern von Peñiscolà erkundet. Der Kern selbst ist von meterdicken Mauern umgeben und stammt aus der Zeit von 1.000 v. Chr, und gehörte im Laufe der Zeit den Kathargern, den Phöniziern, den Griechen, den Römern und den Arabern. Ganz oben thront ein Kloster, das von den Templern erbaut wurde, im schlichten Stil, trotzdem neben der Alhambra eines der meist besuchten Bauwerke Spaniens. Davon merken wir nicht mehr so viel Anfang Oktober…

    Kastell mit Leuchtturm

    Direkt nebenan ist der Leuchtturm und just als wir darauf zugingen, nahm das Leuchtfeuer seine allnächtliche Arbeit auf. Gerne hätten wir mehr Zeit in Peñiscolà verbracht, das uns mit seiner Architektur sehr an Calvi auf Korsika erinnert hat. Überhaupt kann man die Segeleigenschaften unserer Outremer garnicht genug loben. Am Wind segeln, mit guten Tagesetappen und Geschwindigkeiten ist eine Freude.

    Segeltechnisch war heute ein echter Supertag, der thermische Seewind hat sehr früh eingesetzt und uns schönen segelbaren Wind beschert. Bei 11 Knoten wahrem Wind lief das Schiff bis zu 8,3 Knoten hoch am Wind und das „bretteben“, also gerade ohne Krängung.

    Die neue Angel zum ersten Mal im Einsatz

    Jeden Abend, so gegen 20 Uhr geht der der Seewind schlafen, trotz Luvküste können wir auf sandigem Untergrund sicher ankern. Noch fehlen uns gut 25 Seemeilen bis zu unserem nächsten Etappenziel Valencia.

  • Irgendwo

    Lautsprecherdurchsagen hallen über das vom Mondlicht beschienene Wasser. Eine aufgeregte männliche Stimme versucht anscheinend in seiner Funktion als Entertainer in einem strandnahen Club das Publikum zu erheitern. Eine Fledermaus fliegt mit hellen Piepstönen aufgeregt um unser Boot. Am Heck plätschern hin und wieder leise kleine Wellen, die sich an unserem ankernden Schiff brechen. Ansonsten ist es still, kein Auto, keine nächtlichen Schwärmer am Strand. Der Mond steht dreiviertel voll vorm Bug.

    Der heutige Segeltag ist längst passé. Es war eines dieser Segelerlebnisse, die haften bleiben, die Eindruck machen, die etwas ganz Besonderes sind. Ein konstanter leicht Wind aus Südost hat heute den Kat zum Laufen gebracht. Die Wasseroberfläche war dabei spiegelglatt. Ruhiges Wasser, schnelle Fahrt = viel Freude, bei allen an Bord. Gesegelt wurde bis zum frühen Abend, 54 gesegelte Seemeilen standen am Ende des Tages auf der Logge. Mittlerweile sind die Luft und das Wasser so warm, das Leonard und ich noch ein paar Meter ums ankernde Schiff geschwommen sind. Eine Freude bei 23 Grad Wassertemperatur.

    Nur die arme Capitania kann einem wirklich leid tun, seit drei Tagen hat sie Zahnweh. Ein Backenzahn, um genauer zu sein, der schon zum Ziehen im Oktober vorgesehen war. Morgen wollen wir jetzt ‘ne Zahnklinik in Valencia suchen, um den Eingriff vorzuziehen.

  • Barcelona – unsere Stadt

    Kein Thema wird in den. letzten beiden Tagen, medial so aufgebauscht, wie die Wahl zum Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien. Nur mal ganz ehrlich, selbst hier in der Hauptstadt Barcelona merken wir von alldem wenig. Wir haben gerade bei Spiegel.de gelesen dass es über 337 Verletzte gibt, wir sind geschockt. Sogar Gummigeschosse seien in Barcelona eingesetzt worden. Heute Nachmittag sind wir stundenlang durch die verschiedenen Altstadtviertel gebummelt, auch am Justizpalast vorbei. Das Leben hier geht seinen Gang, gestern gab es ein fantastisches Konzert im Rahmen des “Jazz and Food“-Festivals, mitten in der City, das Baceloneta-Viertelsfest fand seinen lautstarken Höhepunkt mit einem mittelalterlichen Knall- und Feuer-Spektakel, und Touristen flanieren weiterhin in Massen durch die Gassen.

    Wähler stehen friedlich Schlange vor den Wahllokalen, zumindest dort, wo wir vorbeikamen. Von den ganzen Presseaufregern ist nichts zu spüren. Wir haben mit einigen Spaniern oder, wenn man so will, Katalanen gesprochen, und jeder hat uns mehrfach glaubhaft seine absolut pazifistische Grundhaltung und die der ganzen Bewegung versichert. Egal ob Austrittsbefürworter oder Gegner. Wenn über irgendetwas in diesem Zusammenhang ausführlich berichtet werden müsste, ist es meines Erachtens über das Versagen sowohl der Führung der Madrider Regierung, als auch der katalanischen Regionalregierung, im Vorfeld und jetzt, um den seit langem schwelenden Konflikt zu verhindern. Die sind mit ihrer Sprachlosigkeit, Arroganz, Machtgehabe und Sturheit schuld an der vertrackten Situation. Die Menschen werden nur vor deren Karren gespannt. Soweit der kleine Politikexkurs,  ab morgen geht es wieder ganz unpolitisch mit dem Blog weiter – nur das musste mal raus.

    Wie gesagt, es ist viel los in meiner “Lieblingsstadt”, in den Cavabars wird gefeiert und von der Dachterrassenbar des Museo des Catalunya hatten wir einen fantastischen Blick über die hell erleuchtete City. Barcelona ist beispielsweise eine der Städte, in der wir  beide für eine Weile leben könnten; der Lebensrhythmus der Stadt liegt uns. Viel Spaß beim Anschauen der Bilder und wer noch nicht hier war, bekommt einen hoffentlich positiven ersten Eindruck von Barcelona.

    von der Dachterrasse
    Die Geisterbahn
    Regen am Sonntag
    Hutmacher
    Der furchterregende Drache
    In der Bar
    Hähnchenbraterei mitten auf der Gasse
    Leihfahrräder
    Konzert
    Der Hubschrauber ist bis nächsten Sommer verpackt
    im Schuhladen
    Gothik außen…
    … und innen
  • Mitten im Herz

    von Barcelona liegt die Hexe, in der Marina Vell, die wir schon gut von früheren Besuchen mit unserer Dehler 41 kennen. Cornelia hat ja schon geschrieben, dass der Liegeplatz für Katamarane sündhaft teuer ist, weil der normale Liegeplatzpreis einfach verdoppelt wird. Gott sei Dank war, bzw. ist das der erste Yachthafen, den wir besucht haben, der das so handhabt. Bisher sind wir Liegegeldmäßig gut weggekommen, wie wir denken. Alle Häfen lagen zwischen 59 bis 125 Euro für unseren breiten Hexenkatamaran.

    Gestern nutzten wir die zentrale Lage der Marina Vell gleich aus und haben uns ins Nachtleben von Barcelona gestürzt. Den Sundowner gab es am Strand, anschließend haben wir “unser” kleines Eckrestaurant “Rebellon” in dem  Barceloneta-Viertel gesucht und wiedergefunden. Kurz danach gab es auf einem kleinen Platz ein Konzert mit spanischer Volksmusik und in der Pause Kuchen und Rum für alle, ein wilder Mix.

    Unser letzter Besuch an diesem Abend führte uns schon fast traditionell ins Fastnet, einem Irish Pub, das rückkehrgünstig gerade mal 80 Meter vom Hafen weg liegt. Hier im Viertel ist gerade Nachbarschaftsfest mit Kirmes. Wir liegen genau hinter der Geisterbahn (da fühlt die Hexe sich wohl, hihi). Die scheint es schreckensmäßig auch in sich zu haben. Als wir gestern daran vorbei flanierten, kam gerade ein laut heulender kleiner spanischer Junge mit seinem Vater aus der Geisterbahn rausgefahren.

    Osteopatia del mar

    Heute Morgen hatte zumindest ich einen bisschen schweren Kopf und bin erst spät und verkatert aus dem Bett gekrochen. Es bleib gerade noch Zeit, um sich ein bisschen frisch zu machen, denn wir hatten einen Termin bei Kathryn McConkey, einer hervorragenden und talentierten Osteopathin. Bereits vor einem Jahr hat sie mich mit einer Behandlung von stechenden Schulterschmerzen befreit. Seitdem wir zuhause unseren Umzug hinter uns gebracht haben, tut der rechte Ellenbogen immer wieder mal weh und die Capitania lies kein Zweifel dran, dass, wenn in Barcelona angekommen, ein Besuch bei Katy zum Pflichtprogramm gehört. Die Capitania hat selbst mal wieder Rücken. Nach insgesamt einstündiger Behandlung sind wir wieder zurechtgerückt und gezuppelt.

    Beim anschließenden Altstadtbummel fiel mir einen Metzgerei ins Auge, die ich morgen “plündern” muss, damit in den nächsten Tagen leckere Würste und Wildschweinfilet auf den Grill kommen. Die Stadt ist touristisch gut besucht, trotz Nachsaison, wenn es so etwas hier in Barcelona überhaupt gibt. Am Nachmittag habe ich einiges an weißer Bootsfläche poliert, damit der Kat glänzt, wenn die Kinder am Wochenende zu Besuch kommen 🙂