Autor: Skipper Volker

  • Am Abend

    vor meinem Abflug nach Darmstadt, habe ich sozusagen freie Hand und darf voll und ganz bestimmen, was es als “Henkersmahlzeit” zum Abendessen gibt. Wer die Wahl hat, hat bekanntlich die Qual und heute habe ich mich ausnahmsweise mal von den positiven Bewertungen bei Tripadvisor überzeugen lassen. La Cabana heißt der lukullische Tempel, hat die maximale Punktzahl bei Kundenbewertungen und die Capitania hat mit Ihren spanischen Sprachkenntnissen (war einfach, der Mensch am Telefon sprach lupenreines Oxford-English) schon mal einen Tisch für den späteren Abend reserviert. Kanarisch-mediterrane Küche steht auf den Speiseplan und man soll sich recht nett anziehen, „smart casual clothing“ wird empfohlen. Die Capitania durchwühlt schon seit geraumer Zeit ihren Kleiderbestand und unsere englischen Freunde, dressen sich ebenfalls auf. Wir werden berichten, wie es war.

    Hexe – von oben

    Heute ging es für mich ganz nach oben, nicht auf den Berg, sondern auf den Mast, Edelstahlpflege und Rodrigg-Putzen war angesagt. Unser Mast ist teilweise mit Edelstahlstangen, dem sogenannten Rodrigg verstagt, durch das Salzwasser korrodiert das Material schon mal gerne an der Oberfläche und bildet kleine braune Rostpunkte.

    Im Bootsmannstuhl sitzend und mit der unglaublichen Kraft unserer elektrischen Fallwinschen ist das kein Problem. Den Bedienknopf drückend sorgt Cornelia für meinen schnellen Aufstieg. Über eineinhalb Stunden habe ich für die Putzaktion in luftiger Höhe benötigt. Jetzt glänzen das Rodrigging und alle Edelstahlkleinteile mit der Sonne um die Wette, alle mastrelevanten Befestigungsteile habe ich gleichfalls kontrolliert, das soll man als verantwortungsbewusster Segler ja auch periodisch tun.

    Ein paar Bilder mit dem Handy waren schnell noch gemacht. So jetzt muss auch ich mich aufhübschen, sonst nehmen die mich am Ende nicht mit ins Restaurant😀

    Badebucht – von oben
    Hafen – von oben
    102-Fuß-Nachbarboot – von oben
  • Vierundneunzig Kilometer,

    über 400 Sportler und Sportlerinnen, manche schnell rennend, andere im gemütlichen Dauerlauf, viele walkend mit oder ohne Stöcke – ein Sportspektakel der besonders anstrengenden Art.

    Der Strand bei Famara

    Aber fangen wir nochmal ganz entspannt am späten Vormittag an. Die Capitania kann es nicht lassen und hat der ganzen Mannschaft ein Ausflugsprogramm verordnet.  Um 11 Uhr haben wir uns alle kuschelig in unserem kleinen Leihwagen zusammengefunden.. Endziel waren die als wunderschön beschriebenen Strände im Norden von Lanzarote, bei der Ortschaft Caleta de Famara. Der kleine Ort ist jetzt nicht das, was man als klassischen Badeort bezeichnen würde, sondern eher ein Hotspot für Wellenreiter aus der ganzen Welt. Eine Surfschule oder Surfshop reiht sich an die nächste. Jetzt war der Wind in den letzten Tagen nicht so stark und kam auch mal aus mehr östlichen statt nördlichen Richtungen und dementsprechend waren die Wellen eher gemäßigt. Trotzdem war der Strand voll mit Surfbrettern, Surfschülern und Sonnenanbetern. Nur Cornelia ging schwimmen, der Rest entspannte sich beim Nichtstun, Steinestapeln oder Strandbummeln.

    Sanddünen vor vulkanischen Bergen

    Etwas verdutzt haben wir dann schon geschaut, als massenweise Läufer, ausgerüstet mit Westen voller Trinkflaschen und schützender Kopfbedeckung, den Strand entlang gelaufen kamen. Wie sich später rausstellte, lockt dieses Laufereignis Sportbegeisterte aus ganz Europa nach Lanzarote. Vom Inselsüden, genauer gesagt, vom Timanfaya-Nationalpark geht der Run in den gebirgigen Inselnorden, der Start ist morgens um 7:15 Uhr und die langsamsten Läufer kommen erst nach 20 Stunden im Zielort Haria an, wie  uns jemand vom Organisationskomitee erklärte. (Wer jetzt Blut geleckt hat: http://www.hariaextreme.com/en/)

    Sandstraßen in Caleta de Famara

    Von soviel Sportzuschauen wurden wir ganz hungrig und durstig und sind der Empfehlung von Frederico aus der Intermar-Funkrunde gefolgt und haben das Restaurant “Sol” in Caleta de Famara aufgesucht. Direkt am Meer gelegen mit einer Terrasse zur See hin, bietet das Sol nicht nur eine fantastische Aussicht, sondern auch eine exzellente Küche zu bezahlbaren Preisen. Famara selbst bietet neben den erwähnten Shops und einigen Restaurants vor allem viel Sand, Meer und Weite. Einige Straßen sind nicht geteert, sondern bestehen nur aus Sand.

    Nicht nur Ginger Ale kam in Flaschen…

    Zum Abschluss von Larissas Kurzurlaub bei uns sind wir noch einmal nach Puerto del Carmen gefahren, um bei Live Music und Cocktails den Abend zu verbringen. Diesmal waren wir im American Indian Café,  wo eine sehr gute Vier-Mann-Band spielte, und ein aufmerksamer Ober immer gleich mit den ganzen Flaschen kam, um die Getränke großzügig einzuschenken, es war gar nicht so einfach, rechtzeitig den Absprung zu finden.

  • Einhandweltrekord

    Während wir hier im warmen Lanzarote mehr oder minder touristisch-faule Tage verbringen und die Insel für uns entdecken, ist der Franzose François Gabart mit seinem Maxitrimaran auf Rekordjagd unterwegs. Bei seiner Hatz um unseren blauen Planeten hat Gabart zumindest schon mal einen Rekord aufgestellt, sozusagen nebenbei, auf dem Weg zur schnellsten Weltumsegelung. In den letzten 24 Stunden hat der französische Segelstar magische 851 Seemeilen zurückgelegt, was einem Stundenschnitt von über 35 Knoten entspricht, und er befindet sich jetzt mit seinem Trimaran “Macif” kurz vor dem südlichsten Kap Afrikas, dem Kap der guten Hoffnung. Was für eine Entwicklung im Bootsbau in den letzten Jahren stattgefunden haben muss, um solche Rennmaschinen wie diese extremen Trimarane zu konstruieren, lässt sich allein an den oben aufgeführten Rekordzahlen erahnen. Es ist aber nicht nur der reine Bootsbau, der sich weiter entwickelt hat, auch das ganze Segelzubehör, wie die Autopiloten, die Segelrollanlagen, die gesamte Navigationselektronik und vor allem die Genauigkeit der Windvorhersagen machen solche Geschwindigkeiten und Rekorde erst möglich. Es ist sicher nur noch eine Frage einer kurzen Zeit, bis die 1.000-Seemeilen-Marke geknackt wird. (Und wir sind stolz auf unseren mageren 24-Stunden-Rekord ;-))

    Wir erwarten heute noch einen lieben Besuch an Bord unserer Hexe. Larissa kommt uns für ein paar Tage besuchen und wir wollen ihr ab morgen die Schönheiten der Insel zeigen. Ab nächsten Montag werden wir dann zu einer anderen Kanareninsel aufbrechen. Zu welcher ist noch nicht ganz klar, es ist teilweise schwierig, die Häfen im Vorfeld zu erreichen. Die von hier aus direkt im Süden liegende Insel Fuerteventura wäre ein naheliegendes Ziel.

  • Postie Plugin,

    damit meint die Capitania nichts anderes, als dass wir zukünftig bei längeren Fahrten über unsere Kurzwellenanlage in Verbindung mit dem Pactor-Modem Berichte in unseren Blog stellen können, egal von wo auf diesen Ozeanen unserer Erde. Das Ganze geht über Funk und Mail. Wir schicken per Funk eine Mail an eine bestimmte uns eigene Adresse und dank des Postie-Plugin wird das als neuer Blogbeitrag auf unserer Website veröffentlicht. Die Capitania hat sich sehr gefreut, dass ihr das gelungen ist und ganz großen Dank an Sabine von der Atanga für die Unterstützung.

    The Crew

    Die letzten beiden Tage kann man durchaus als arbeitsreich bezeichnen. Wir haben den Lazybag (den Stausack für das Großsegel) repariert und jetzt können die Latten zur Aussteifung garantiert nicht mehr rausrutschen. Der komplette Backbordrumpf wurde mit viel Politur und Muskelkraft auf Hochglanz gebracht, der hiesige französische Mechaniker hat schon den Hydrauliköl-Behälter des Hydrogenerators gewechselt und Cornelia hat begonnen, ein selbstentworfenes Sommerkleid zu nähen. Letzteres nur zur Freude am Ausprobieren.

    Sunset over Puerto Calero

    Nachmittags gehen wir bei anhaltend hohen Temperaturen in eine nahe gelegene Bucht schwimmen. Der Fischbestand und die Artenvielfalt sind beeindruckend. Ob es stimmt, weiß ich nicht, aber uns hat jemand gesagt, dass die Gewässer um Lanzarote zu den zehn artenreichsten der Welt gehören. Gestern haben Cornelia und ich unseren ersten gemeinsamen 20-minütigen Schnorchelausflug absolviert. Wir waren beeindruckt.

    Bailey Cocktail, im Halbliterglas: Sahne Kakao Milch Baileys Rum…

    Abends haben wir in dem englischen Pub in der Marina das Länderspiel zwischen Deutschland und England angeschaut. Das Endstand geht in Ordnung und mein Kommentar nach dem Spiel passt zu den heutigen Pressemeldungen; erste Halbzeit gut, zweite Halbzeit langweilig.

    Seit heute haben wir ein Leihauto und erkunden damit sukzessive die wunderbare vulkanische Insel, aber dazu beim nächsten Beitrag mehr.

  • Das Wesentliche

    hat die Capitania im letzten Blogbeitrag geschrieben, sozusagen die Fakten. Es gibt aber noch ein bisschen mehr zu berichten von der Überfahrt nach Lanzarote im Nachgang.

    431,5 sm in 48 Stunden abgefrühstückt!

    Erstmal bleibe ich ebenfalls bei den Fakten und Zahlen. Dass die Outremer schnell segelt, ist schon an den hohen Etmalen abzulesen, der zurückgelegten Wegstrecke in 24 Stunden. Am ersten Segeltag haben wir die magische Meilengrenze von 200 Seemeilen überschritten und einen Stundendurchschnitt von 8,5 Knoten ersegelt. Am zweiten Tag war der Wind noch stärker und nach 24 Stunden hatten wir sogar fantastische 227 Seemeilen zurückgelegt, ein Schnitt von 9,45 Knoten. Das bedeutet, dass wir an beiden Segeltagen häufig über 10 Knoten und noch deutlich schneller unterwegs waren. Der Topspeed lag bei sagenhaften 20,6 Knoten.

    Wellen vor dem Bug

    Dass es stellenweise rau war, wurde bereits im Logbuch benannt. Tagsüber, wenn man die Umgebung gut sieht, lassen sich die Wellen, der viele Wind und der hohe Speed gut einordnen. Nachts ist das laute Rauschen der durchlaufenden See und die Schläge, die es hin und wieder unterm Brückendeck tut, sowie das leichte Vibrieren des ganzen Schiffes im Surf in Zusammenhang mit dem hohen Speed mental  deutlich anstrengender. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob man noch die Segelstellung verändern, bzw. die Segelfläche verkleinern sollte. Der Wind wehte meistens mit 17 – 24 Knoten wahr, fast genau von achtern, also 160 – 180 Grad. Die Geschwindigkeiten variierten meisten zwischen 8 und 13 Knoten mit den üblichen Ausschießern nach oben und unten, die Surfs waren beeindruckend. Die Genua war bis zum dritten Reffpunkt eingedreht, das Großsegel hatte seit Lagos ein Reff eingebunden.

    Nur selten war ein anderes Schiff zu sehen

    Am Ende hatten wir uns gegen eine weitere Verkleinerung der Segelfläche entschieden, weil das Schiff dann den von hinten anrollenden Wellen hilfslos ausgeliefert gewesen wäre und nicht mehr schnell genug davonsurfen könnte. Der Kat fühlte sich zudem nie überpowert an. Kleines Fazit: Segeln ist, egal ob mit Mono- oder Multihull, faszinierend und schön, aber nicht unbedingt die komfortabelste Art zu reisen.

    Was sich sehr bewährt hat, war Cornelias Kurzwellenanlage, wir konnten mehrere Wetterberichte, sogenannte Gribfiles empfangen. So waren wir ständige über die Wellenhöhe und den Wind im besegelten Gebiet informiert. Einfach genial. Cornelia hat es nur mit einem Satz erwähnt, dass man beim Katamaransegeln sogar Flaschen auf dem Tisch stehen lassen kann. Hinter dieser einfachen Aussage steckt jedoch viel mehr Inhalt. Man kann während des Segelns mit dem Kat nicht nur alles beim Essen auf dem Tisch stehen lassen und entspannt die Mahlzeit genießen. Nein, auch die ganze Kochprozedur ist fast wie am heimischen Herd. Selbst wenn das Schiff im Surf beschleunigt oder mal ein bisschen quer die Wellen runterrutscht, alles bleibt an seinem Platz, egal ob Kochutensilien oder Lebensmittel. Die Schlaf- und Ruhephasen, ob auf dem Salonsofa oder im Bett unterscheiden sich ebenfalls wenig von der häuslichen Ruhe. Man liegt oder ruht im bretteben dahinsegelnden Kat ganz entspannt. Soweit der Werbeblog für den Zweirumpfer.

    Öl-Wasser-Gemisch in der Steuerbord-Motorbilge

    Jetzt noch ein paar Worte zu den “dunklen Seiten” unserer Outremer. Weil der Hydrogenerator ausgefallen war, hatten wir einen wichtigen Energieproduzenten weniger. Der Himmel war tagsüber häufig bewölkt und die Ladebilanz der Solarpaneele bescheiden. Unser sorgfältig geplantes Energiekonzept ist nicht aufgegangen, wir hatten mehr Batterieenergie verbraucht als reinkam. In der letzten Nacht mussten die Motoren für eine Stunde die Batterien laden.

    Zudem gibt es noch eine Reihe weiterer technischer Probleme; die Luke in der Gästetoilette leckte permanent, hinterm dem Steuerbordmotorabteil kam ebenfalls wieder Salzwasser rein und der Dieselfilter vom rechten Motor leckt Diesel in die Motorbilge. Gestern war ein französischer Monteur im Auftrag von Outremer an Bord, der ab morgen die Probleme beheben will. Das bedeutet, dass wir ein paar Tage auf dieser schönen Vulkaninsel bleiben werden. Ab morgen vielleicht mit Leihauto und ausführlichem Touristenprogramm.

  • Platzregen…

    laut prasselnd fällt der Regen auf den Kajütaufbau, an den Rändern des Cockpitzeltes sucht sich das Wasser seinen Weg und fließt in Rinnsalen dahin. Pechschwarz ist der Himmel, dicke Wolken und die bereits untergegangene Sonne zeichnen ein düsteres Szenario. Der Wind heult im Rigg, schwere Böen rütteln am Cockpitzelt. Seit heute Mittag gibt es für den morgigen Samstag eine Gewitterwarnung, die Windrichtung aus dem nordwestlichen und nordöstlichen Quadranten, mit 15-25 Knoten Wind, bleibt jedoch wie vorhergesagt. Heute haben wir mit unseren englischen Crewmitgliedern eine komplette (Sicherheits-) Einweisung durchgeführt. Die beiden wissen jetzt beispielsweise wo unsere Rettungsinsel gelagert ist, wie die neuen Schwimmwesten von Spinlock im Detail funktionieren und um deren vollständige Ausstattung, das Verhalten bei “Mann über Bord” wurde ebenso errörtert wie die Arbeitsweise der automatischen Lenzpumpen an Bord, oder wie das Notrudersystem funktioniert. Weiterhin kennt jetzt jeder an Bord den Stauplatz des Nebelhorn, der Seenotbake, der Seenotsignalmittel und der sog Grabbag ist gepackt. Ich fand schon früher immer das dieses Wissen über mögliche Seenotübungen und Sicherheitsbelange eher beruhigend als abschreckend ist, klar kann jeder Zeit was passieren, aber die entsprechende Vorbereitung und Ausrüstung an Bord, nimmt vielem den Schrecken. Zumal wir das Schiff selbst als sehr seetüchtig einschätzen.

    Leider hat uns wieder einmal ein schlampiges Verarbeitungsdetail wieder sehr verärgert. Die Heizung ist direkt ans Laminat geschraubt, dadurch überträgt sich der Schall der Heizanlage sehr laut, das Schiffsinnere wird zum Resonanzkörper. Heute wollten wir mal ausprobieren, ob es insgesamt leiser wird, wenn man die Heizung vom Rumpf entfernt. Dabei mussten wir feststellen, dass alle vier Schrauben, die das Gerät halten, dollgedreht waren und nicht mehr gehalten haben. Glücklicherweise war der untere Teil der Heizung angeklebt. Ich kommentiere das jetzt mal nicht weiter, weil ich sonst ausflippe. Das Resultat, also das Loslösen der Heizung von der Bordwand war jedoch verblüffend positiv, weil deutlich leiser, also viel weniger Körperschall.

    Jetzt haben wir erstmal eine Gummimatte zwischen der Heizung und dem Laminat und die Schrauben sind eingeklebt. Das ist eine provisorische Lösung, denn die Schraubenlöcher bleiben ja ausgeschlagen. In Lanzarote werden wir an einer finalen Lösung basteln.

    Nochmals herzlichsten Dank an Trevor und Ralf für eure Mithilfe., und an Ingelore für den Kuchen zur Überfdahrt.

    Das Boot liegt jetzt schon umgedreht im Hafenkanal am Steg und der Bug zeigt schon zur See hin, und heute morgen sind wir losgefahren Richtung Kanaren. Cornelia wird versuchen, per Winlink unsere Position zu melden, Ihr findet das unter Winlink.org/PositionRreports Callsign DL3HEX.

  • Ein Erlebnis der besonderen Art

    Topf mit Klemmen

    aber leider so eins, das man nicht unbedingt braucht, hatten wir heute mit einem Ausrüstungsteil in der Küche unserer Outremer. Klar segelt ein Kat nahezu bretteben unter allen Windbedingungen. Doch bocken und bewegen tut das Boot sich trotzdem, je nach Wellenhöhe, mehr oder minder. Unter diesem Aspekt braucht man Topfklemmen, die beim Kochen unterwegs das Kochgeschirr an Ort und Stelle, also auf dem Gasbrenner, halten und verhindern, dass alles auf dem Boden landet, oder noch schlimmer, Mann oder Frau sich mit kochendem Inhalt verbrüht.

    Das ganze System ist simpel und schnell erklärt. An einer Metallstange, die sicher in der Küchenarbeitsplatte verankert ist, werden halbrunde Topfklemmen angeschraubt und zwar jeweils links und rechts von Topf oder Pfanne. Das System ist so einfach und sicher, dass es sogar auf krängenden Einrümpfern tadellos und fehlerfrei funktioniert. Leider kam bei uns die besagte Haltestange in den letzten Tagen loser und loser. Am Ende hat sie wie der berühmte Kuhschwanz gewackelt.

    Großbaustelle

    Heute Morgen haben wir ( Ralf, Trevor und ich) uns ans Werk gemacht, um die Edelstahlstange wieder sachgerecht zu befestigen. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Die Stange ist mit Gewindeenden durch die Arbeitsplatte gesteckt und zunächst ist absolut nichts erreichbar. Wer jetzt keine Lust auf ausführlich Details hat, überspringt einfach die nächsten Zeilen.

    Erstmal haben wir durch eine Serviceklappe in der Gästedusche versucht, unter die eingebaute Herdplatte zu kommen, um diese loszuschrauben. Kurz gesagt, das war der falsche Versuch. Also gab es nur die Möglichkeit der großen Intervention; der Backofen musste raus, was auch gelang, dann konnte die Herdplatte mit den Gasbrennern losgeschraubt und angehoben werden, erst dann war der Weg zu der Haltestange frei. Soweit alles klar.

    schlechter kleiner Schweißpunkt
    abgerissenes Gewinde

    Ralf hat selbstsichernde Muttern besorgt, da die eminent wichtige Haltestange nur mit normalen Muttern befestigt war und diese waren lose, sonst hätte sie ja nicht  gewackelt. Beim Anziehen der selbstsichernden Muttern ist die Schweißnaht von der Haltestange auf der Arbeitsfläche abgerissen. So einen Schrott hat die Welt noch nicht gesehen! Dieses wichtige Teil ist nur mit einem kleinen Schweißpunkt fixiert und hätte auch jederzeit beim Kochen abreißen können. Wie kann man nur so einen gefährlich schlechten Mist verwenden?

    So muss das aussehen

    Glück im Unglück, mit der Firma Sopromar gibt es nahe der Marina einen Betrieb, der Edelstahl schweißen kann. Jetzt ist das Ganze solide mit einer 360°-Schweißnaht fest. Ich schreibe morgen ne Sicherheitswarnung an Outremer und bin auf die Reaktion gespannt. Meiner Meinung nach muss das, raus an alle Outremereigner die auch so eine Stange wie wir zur Topfsicherung haben, Grrrrrr.

    Jetzt ist alles wieder zusammengebaut und sicherer und solider als es jemals war.

    Unser großer Dank geht an Ralf und Trevor.

  • Wetterfenster

    Wettervorhersagen…

    Da, wo es vor ein paar Tagen noch wenig bis keinen Wind auf der Wetterkarte gab, wirbelt ein kräftiges Tief in zwei Tagen den Nordatlantik durcheinander und schickt kräftige nördliche Winde in unsere Region. Ideal für uns und unsere Pläne mit der Überfahrt zu unserer ersten Kanareninsel Lanzarote und voraussichtlich ein Idealkurs für unseren Katamaran. Noch immer schwirrt in meinem Kopf herum, dass wir  in 24 Stunden die bisher nicht erreichte Marke von  200 Seemeilen abspulen wollen. Das ist schon eine magische Zahl für Fahrtensegler wie uns. Mit unserer alten Hexe waren wir froh, wenn wir 150 Seemeilen an einem Tag geschafft haben. Wenn der Wind wie vorhergesagt wehen wird, ist es durchaus möglich, dass wir unser Ziel erreichen können ohne das Material zu strapazieren, bzw. einen Schaden zu riskieren. Ich denke da eher konservativ, wir binden früh das erste Reff ein, Peace of Mind, Seelenfrieden, wie es so schön in der englischen Sprache heißt.

    Praia do Zavial

    Für die nächsten zwei Tage sind in Lagos herbstliche Regentage vorhergesagt. Heute wurde daher nochmal das sonnige Wetter genutzt und haben einen herrlichen Ausflug in drei verschiedene Badebuchten gemacht. Die erste, Praia da Ingrina, war recht klein mit einem vielleicht nur 100 Meter breiten Sandstrand und leider hohen Brandungswellen, die uns am Baden gehindert haben. Dafür war die nächste Bucht, Praia do Zavial, der absolute Kracher, dramatische Felsformationen, langer Sandstrand mit wenig Wellen luden zum Verweilen und Baden ein.

    Der Binnensee on Praia Figueira

    Der krönende Abschluss, sozusagen das Tüpfelchen auf dem I, war die abschließende Wanderung entlang eines kleines Flusses, durch ein üppig grün bewachsenen Canyon, zu einem kleinen Strand, Praia da Figueira. Dort gab es auf der einen Seite das Meer, dann den Strand und direkt landeinwärts den vom Fluss gespeisten Süßwassersee. See, Land Meer – das ist definitiv einer der schönsten Buchten die ich bisher während unserer Reise gesehen habe. Danke an Ralf und Inge für den schönen Ausflug.

    Halloween costumes

    Abends habe wir früh gegrillt, um anschließen beizeiten ins Bett zu gehen. Der Mix aus gestriger Halloweenparty in der Hafenbar, Schwimmen in der Brandung und der Wanderung durch die Schlucht hat uns redlich müde gemacht, gute Nacht …

  • Erreichbar

    Am Ende half nur die Kreditkarte, um mich wieder an die mobile Datenwelt anzubinden und der abgebuchte Betrag ist als ein relativ dickes Minus auf dem elektronischen Kontoauszug sichtbar. Das alte Telefon ist nicht mehr aufgetaucht und nach einer kurzen Internetrecherche haben wir mit dem “GSM-Shop” in Faro den günstigsten I-Phone-Händler in Portugal gefunden. Also ging es vor zwei Tagen mit dem Leihwagen die 80 Kilometer zurück nach Faro ins Smartphone-Paradies. Wir haben uns für das günstigste Modell entschieden, das ich immer noch recht teuer finde, doch Adel verpflichtet, oder besser gesagt, die Familie, jeder hat irgendein I-Gerät und viele nützliche Apps befinden sich im Familienaccount. Summa summarum bin ich jetzt wieder gewohnt erreichbar und das fühlt sich gleich viel besser an.

    A meia praia – on the beach

    Unsere englischen Freunde Trevor und Kay sind vor zwei Tagen gut gelandet und nun bei uns an Bord. Den gestrigen Tag haben wir bei hochsommerlichen 27 Grad am Strand verbracht, dabei mehrmals in der Brandung mit oder gegen die Wellen gekämpft, Strandtennis gespielt und natürlich dem faulen Nichtstun gefrönt. Schließlich war ja Sonntag und die kleinen Jobs an Bord können auf einen Werktag verschoben werden. Leider leckt das Überdruckventil am Heißwasserboiler noch immer, trotz einiger Interventionsversuche. Zudem ist an irgendeiner Stelle der Hydraulikbehälter für den Hydrogenerator undicht.

    Das spätsommerliche Wetter hat viele Vorteile und einen entscheidenden Nachteil. Der Atlantik, zumindest das Stück bis zu den Kanaren, ist komplett windfrei. In meinen langen Seglerjahren habe ich noch niemals ein so großes Seestück mit “Nullsymbolen” bei den Windvorhersagemodellen gesehen. Immer am Ende des einwöchigen Trend- bzw. Vorhersagezeitraums wird Wind aus der richtigen Richtung avisiert, aber nur, um bei der nächsten Prognose am Folgetag revidiert zu werden. Egal, wir warten ab, die Motoren bleiben still, wir sind Segler mit Geduld und Zeit.

    Die leckeren Spareribs sind vorbereitet…
    Hilfe nach dem Kochen …
    … danach der Baileys im Pub

    Zudem haben wir mit Ralf und Inge und den Engländern eine sehr angenehme Gesellschaft, wir empfinden die gemeinsame Zeit als sehr wertvoll. Für den Abend koche oder grille ich was Leckeres (nein, ich will mich nicht selbst loben), danach wird geklönt oder es geht zur Livemusik in ein Pub.

  • OH SCHRECK

    mein Mobiltelefon ist weg. Bei der Ankunft am Flughafen in Faro war es noch da. Der spezielle I-Phone-Ortungsdienst hat es zuletzt am Liegeplatz unseres Schiffe geortet – Big Brother is watching you. Doch leider bleibt mein Handy unauffindbar. Ralf und Inge haben mit gesucht, die Capitania hat das Innere meiner Taschen von Innen nach Außen gewendet, es ist wie verhext auf dem Hexenkatamaran.

    Man fühlt sich so unkomplett ohne Smartphone. Vorhin im talienischen Restaurant, das Paar am Nachbartisch liest sich die frisch erhaltenen Nachrichten vor, der Junge, der mit seiner Mutter zum Pizzaessen zwei Tische weiter sitzt, spielt irgendwelche Spiele auf seinem Handy, und bei der Capitania trudeln WhatsApp-Nachrichten ein. Nur ich bin ausgeschaltet.

    Trotzdem gab es außergewöhnlich Leckeres zum Abendessen, Chateaubriand mit mehreren Saucen, dazu in einer Mischung aus Oliven-Knoblauch getränkte Spaghetti oder alternativ mit Kartoffelgratin. Ein excellent zubereiteter Gegensatz des Küchenteams vom “Italia” zum landesüblichen gekochten Rindfleisch.

    Die Hexe liegt wohl behütet an ihrem Liegeplatz, vielen Dank an unsere lieben “Bootssitter”. Ab morgen sind unsere englischen (Segel)-Freunde Trevor und Kay mit von der Partie. Wir warten auf ein Wetterfenster um gemeinsam zu dem Kanaren zu segeln.

    Morgen werden wir dann wieder mit neuem Elan und alten Träumen weiter nach meinen verlorenen Telefon suchen.