Autor: Skipper Volker

  • Zum Abschied

    Aus Darmstadt hat unser Kater mit dem wohklingenden Namen Mikesch gestern Abend eine tote Maus gebracht. Das macht er gerne, nicht nur, wenn wir verreisen. Seine Jagderfolge erfreuen uns dabei naturgemäß weniger, als er es wahrscheinlich denkt. Doch sein lautes Miauen, wenn er mit fetter Beute durch die Katzenklappe stürmt, ist in jeder Ecke des Hauses deutlich vernehmbar. Er ist dann soooo stolz.

    Der schwarze vierpfotige Jäger hütet mit Larissa das Haus, während wir mit vollgepacktem Auto die Stadt hinter uns lassen und Richtung Süden fahren. Bei jedem Abschied bin ich vor dem Klingeln des Weckers auf den Beinen. Typischer Fall von Reisefieber.

    Bewusst haben wir uns diesmal den Sonntag als Reisetag ausgesucht. Wenig Verkehr, keine LKW’s, freie Straßen – freie Fahrt: Die Rechnung geht auf. In weniger als acht Stunden sind die 940 Kilometer abgespult. Autofahren kann noch Spaß machen, bei leeren Straßen, wie heute. Übrigens waren einzelne Bergspitzen in der Schweiz bereits mit einer Schneeschicht überzogen und glänzten majestätisch in der Mittagsonne. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die nächste Skisaison nicht mehr weit weg ist.

    Wettermäßig überwiegt an der Côte ein Sonne-Wolken-Mix mit Temperaturen um die 22 Grad, dazu weht ein kräftiger Wind aus Nordost. Allerdings hat die Vorhersage Regen im Gepäck, mal schauen. Heute Abend wird gegrillt, das muss sein. Lange waren wir jetzt weg vom Boot, der längste Heimaturlaub seit unserer Abfahrt im August 2014. Wieder Einleben auf unserem schwimmenden Lebensmittelpunkt, das geht fix.

    Morgen wird erst mal klar Schiff gemacht, die geschuldeten Hafengebühren in der Capitainerie bezahlt und frisches Essen gebunkert. Wenn dann der Wind noch mitspielt, wollen wir noch am Montag die Leinen loswerfen und dem Ruf des Meeres folgen.
    Wie immer nehmen wir Euch gerne mit auf die Reise und werden fleißig davon berichten.

  • Tierische Probleme

    Ladisha in Action
    Ladisha in Action

    Morgen geht es zurück zum Boot. Um einiges länger als geplant waren wir in den heimatlichen Gefilden. Dafür gibt es natürlich gute Gründe. In diesem Fall, tierisch gute Gründe sozusagen. Jetzt erzählen wir daher sprichwörtlich mal “Einen” vom Pferd. Denn darum geht es in der Tat. Unser Pferd hat uns auf Trab gehalten, und uns ganz schön Sorgen gemacht. Sogar vom Einschläfern war schon die Rede gewesen in den letzten Tagen. Und, da das gute Pferd mit dem schönen  Namen Ladisha von allen geliebt wird, sind jede Menge Tränen geflossen.

    Sie, das Pferd, wurde im Mai getreten, die Wunde hat sich entzündet, wurde dann aber erfolgreich mit Antibiotika behandelt. Bedingt durch die lange Standzeit und die Entzündung wurde das rechte Vorderbein entlastet und das linke dementsprechend mehr belastet. Mit der Folge, dass Ladisha seit einigen Wochen links extrem lahmt, wie ein alter Gaul. Deswegen haben wir die Gute Anfang der Woche trotz pessimistischer Prognosen in eine Pferdeklinik in Ludwigshafen verfrachtet. Diagnostiziert wurde einiges, was in dem bewanderten Reiter Angst und Schrecken auslösen kann.

    Keine moderne Kunst, sondern die Ergebnisse der Scintigraphie
    Keine moderne Kunst, sondern die Ergebnisse der Szintigraphie

     

    Die gute Neuigkeit ist jedoch, dass die Erkrankungen wie u.a. Hufrotation, Hufrolle und eine Verspannung im Iliosakralgelenk mithilfe orthopädischer Hufeisen weitestgehend in den Griff zu bekommen sind. Zudem haben wir Ladisha ab jetzt in einer Reitanlage mit Offenstallhaltung und ebenerdigen Weiden untergebracht. Viel Geduld und spezielle Trainingsmaßnahmen zum Muskelaufbau sind in den nächsten Monaten gefragt.

    Aber alles ist tausendmal besser als die finale Lösung, die anfänglich im Raum stand, zumal das Pferd erst 13 Jahre alt ist. So sind die Tränen jetzt getrocknet und wir mit unseren Gedanken wieder frei genug, um an neue Segelabenteuer denken zu können. Wir freuen uns sehr darauf.

  • Kurzfristig verzogen

    Sonne, Sonne, Sonne, dazu ein kräftiger Ostwind, dazu ein strahlend blauer wolkenloser Himmel. So liegt sie da, die Rheinebene und so ist das Wetter seit Tagen. Buchstäblich ungetrübt. Uns zieht es zum Rhein hin, noch nicht zum Meer. Das Gernsheimer Fährhaus ist unser Ziel. Gute Gastronomie, gutes Bier, gute Aussicht. Silbrig glänzend spiegelt sich die Sonne im ruhig dahinströmenden Rhein.

    Eleonore Görges  / pixelio.de
    Eleonore Görges / pixelio.de

    Was auf dem Hinweg gefehlt hat, sind die sonst üblichen Störche auf den Feldern. Ein kurzer Blick ins Worldwideweb verschafft Klarheit. Der August ist längst vorbei und mit seinem Ende hat die Reisezeit für die ansonsten u.a. im hessischen Ried heimischen Störche begonnen. Afrika ruft umd diesem Ruf folgen die Aldebarane. Dabei stehen wohl traditionell zwei Flugrouten für diese Meister der Lüfte zur Wahl auf ihrer zweimonatigen Reise. Eine westliche und eine östliche Route. Die westliche Route führt über Portugal, Spanien und Gibraltar, dann der afrikanischen Westroute folgend bis nach Südafrika. Die östliche Flugroute führt die Störche über die Adria, die Türkei über den Bosporus und von dort aus weiter nach Afrika.

    Zwei Monate fliegen, immer auf der Suche nach Thermik, um Energie zu sparen, legen die Störche jeden Tag zwischen 150 bis 300 Kilometer zurück. Nebenbei dazu noch einige Mädels in die Waden zwicken, damit das mit dem Nachwuchs klappt. Was für eine großartige Leistung.

    Und im Mai werden die Störche die Felder und Rheinufer bevölkern. So wie jedes Jahr.

  • Erntemond

    Blutmond  Foto von Stefanie Salzer-Deckert  / pixelio.de
    Blutmond
    Foto von Stefanie Salzer-Deckert / pixelio.de

    Bereits  einen Tag liegt das Himmelsereignis der blutroten Mondfinsternis hinter uns. Die Medien haben viel davon berichtet, der klare wolkenlose Nachthimmel hat auch in Darmstadt eine sehr gute Sicht auf den rötlich schimmernden Mond erlaubt. Ja, wir waren mehrmals auf und haben das Spektakel in der Nacht verfolgt. Der Blick aus unserem Dachfenster war sprichwörtlich himmlisch. Cornelia hat mich dann gestern informiert, dass man den ersten Vollmond nach Herbstanfang auch Erntemond nennt. Ich habe das Wort ” Erntemond” noch nie gehört, aber die Erklärung im Internet macht Sinn. Normalerweise geht in einer Mondphase der Mond jeden Tag 50 Minuten später auf und wieder unter. Was dann auch die Erklärung dafür ist, dass wir ihn manchmal tagsüber am Himmel erblicken können. Nur beim ersten Vollmond nach Herbstanfang geht der Mond an fünf Tagen zur selben frühen Zeit auf, direkt nach Sonnenuntergang. Die Bauern haben früher mit dem Licht des Mondes bis spät in die Nacht ihre Ernte einfahren können, ehe der Winter kommt – daher der Name “Erntemond”.

    Der Mond der letzten Tage wurde auch noch als Supermond bezeichnet, Das rührt daher, dass der Mond so groß erscheint. Das kommt daher, weil er näher zur Erde ist, und deshalb so groß und mächtig am Firmament erscheint. Das passiert allerdings öfter innerhalb eines (Mond-) Jahres. Ünrigens müssen wir jetzt schlappe drei Jahre warten bis zur nächsten vollständigen Mondfinsternis.

  • Skuril oder nicht?

    IMG_7043Cornelia und ich kamen aus dem Staunen nicht mehr raus. Was da in unserem Sichtfeld stand, sprengte alles bisher Gesehene und Entdeckte. Was der Hund dazu dachte, wenn er irgendwas dazu dachte, entzieht sich leider unserer Kenntnis. An der neuangelegten Umgehungstraße bei der Odenwaldgemeinde Reinheim gibt es ein kleines Gewerbegebiet, das zur Zeit aus einem Supermarkt umd einer Autowaschstraße nebst Staubsaugeranlage besteht. Und genau dort springt mir sofort ein rotes Gerät mit dicker weißer Schrift  ins Auge. Cornelia hat noch flott ein paar Sachen im Supermarkt gekauft und ich konnte es schon garnicht mehr abwarten, sie auf dieses echt skurile Ding aufmerksam zu machen.

    IMG_7044Und jetzt, Leute, aufgepasst, Trommelwirbel, Tusch und et voilà, steht da eine ritzerote Hundewaschmaschine. Aber nicht nur irgendeine mit Duschkopf und Waschbecken. nein ‘ne echte mit zig Programmen, mit Warmwäsche, Fön und Furz und Feuerstein. Cool. Das Ganze mitten im Odenwald. So eine Maschine haben wir noch absolut nirgends gesehen. Nico lässt ja viel mit sich anstellen und ist auch einiges vom früheren Agilitytrainig gewöhnt.  Deshalb ging es für ihn gleich mal die Rampe rauf, und ab ins Waschbecken.

    IMG_7047Zum Fotoshooting sozusagen, denn das Waschprogramm de Luxe mit allem kostet für den Vierbeiner fast soviel wie für die vierrädrigen Blechkarossen. 5 Euro, um genau zu sein. Da fragen wir uns, wer wäscht seinen Hund für 5 Euro an der Hundewaschstraße. Und mitten im Odenwald?

    Nico jedenfalls hat nicht um ‘ne Wäsche gebettelt und schaut eher unglücklich aus derselben, nachdem er versucht hat, das Wasser auszutrinken, das war aber dann wohl zu Shampoo-haltig.

    Anderes Thema

    IMG_7049Das wir gerne grillen, ist landaus landein wohlbekannt. Steaks, Würstchen Spieße, all das gibt es öfter und es geht ja auch relativ schnell. Nach ein paar Minuten Grillzeit über der glutheißen Kohle kann man es sich schon schmecken lassen. Doch manchmal muss es schon etwas Besonderes auf dem Grill sein, sozusagen eine Herausforderung. Heute lag in der gut gefüllten Auslage der Fleischtheke ein wirklich gut gewachsenes und mit 2,5 Kilo auch reichlich schweres Hähnchen. Geschätzte Grillzeit eindreiviertel Stunde bei 150 bis 170 Grad, indirekte Hitze, bei geschlossener Grillhaube. Nur die letzte halbe Stunde bei direkter Hitze, damit die Haut knusprig braun wird. Die Glut zur äußerst langen Grillzeit gab es durch einen Mix aus Grillkohle aus der Gastronomie und normalen Briketts. Die Marinade, aus Salz, Öl, Paprika und Pfeffer wurde immer mal zwischendurch mit Pinsel aufgetragen. Das Ergebnis war optisch und kulinarisch ein  Genuss, dazu gab es passend Pommes und Kroketten. Lecker!

  • Das allererste Mal…

    Bengalen Feuer
    Bengalen Feuer

    und dann haben die auch noch gespielt wie entfesselt. Kleines Stadion, große Stadt, viel Nachfrage. Seit der SV Darmstadt 98 in der Bundesliga spielt, sind alle Heimspiele ausverkauft, hat sich die Anzahl der Mitglieder im Verein um einiges vervielfacht und maximal knapp 18.000 Zuschauer finden Platz im Stadion am Bölle.

    Kurz vor dem Anpfiff versprach der Himmel den Himmel auf Erden…
    Kurz vor dem Anpfiff versprach der Himmel den Himmel auf Erden…

     

    Die Krux ist es, seit dem Aufstieg, an eine der begehrten Dauerkarten zu kommen. Da wurde vor den Vorverkaufsstellen gecampt, die Mitgliedschaft im Verein beantragt und sicher bei Ebay für das eine oder andere Spiel Eintrittskarten zu total überzogenen Preisen von irgendwelchen Nutznießern eingestellt. So viel mehr Menschen würden die 98er gerne spielen sehen. Egal wie, hin oder her, ich hatte das Glück, für das vorgestrige Spiel von Jantje die Eintrittskarte ausgeliehen zu bekommen. Jantje kenne ich noch nicht mal persönlich, sie ist die Freundin von Hardy und muss allem Anschein nach ein herzensguter Mensch sein, dass sie dieses Opfer eingegangen ist. Herzlichen Dank dafür!

    Das Spiel gegen Bremen war große Klasse, die Atmosphäre im Stadion sensationell. Von Anfang an spielte das Darmstädter Team druckvoll auf und steckte auch den ersten Gegentreffer der Bremer prima weg. Der verdiente Ausgleich erfolgte noch vor der Pause. Spielerisch überlegen siegte Darmstadt wohlverdient nach einem erneuten Torschuss von Wagner mit 2 zu 1. Ich, und da bin ich sicherlich nicht alleine, war von der friedlich-mitreißenden Atmosphäre im Stadion total beeindruckt. So viele Menschen im friedlichen Miteinander, jubelnd und feiernd. Wenn das nur in allen Stadien dieser Republik so wäre… In fröhlicher Runde ging es danach zum Grohe, um noch weiterzufeiern und fachzusimpeln. Fazit:Ein rundum gelungener Abend und das allererste Mal, das hoffentlich nicht das letzte Mal war…

    Die Hexe muss noch ein paar Tage ohne uns ausharren. Nächste Woche geht es zurück aufs Boot.

  • Videowelt

    HexeEhrlich gesagt, konsumiere ich gerne und oft irgendwelche Segelvideos, die ich entweder auf Seglerseiten oder bei Youtube finde. Segeln ist aber auch schön, egal, ob virtuell oder real. Und wenn man früher gesagt hat, dass Segelsport nicht so telegen wie andere Sportarten sei, konnte ich das nie verstehen. Klar, was fernab vom Ufer passiert, entzieht sich dem Betrachter. Schwimmende Tribünen, wie bei der Kieler Woche etwa, sind leider selten. So eine Bühne wackelt auch mehr als die Fußballtribüne beim FC Darmstadt. Auch, wenn dort die Fans alles geben. Aber eins ist gut, heute haben immer mehr Menschen so eine kleine Action-Kamera dabei und transportieren damit das, was auf dem Boot passiert auf den heimischen Computer So kann jeder, der will, Segelfilme vom Warmen und Trockenen aus schauen und vom nächsten Segelabenteuer träumen.

    MOBSogar das Segeln selbst, egal, ob blutiger Anfänger oder für den fortgeschrittenen Crack, wird in zahlreichen Filmen anschaulich und lehrreich vermittelt. Kürzlich habe ich mir ein Video von einem “Segelpabst” angeschaut, beim dem das “Mann-über-Bord”-Manöver mit gesetztem Spinnaker gezeigt wird, und das mit 2er Crew. Nahezu eine der blödesten vorstellbaren Situationen, in denen einer oder eine über Bord gehen könnte. Dank des superlehrreichen Films hat dieses Horrorszenario zumindest einen Teil seines Schreckens verloren. Gut, wenn eine diffuse Angst durch Wissen ersetzt wird. Muss den Lehrfilm nur noch Cornelia zeigen, damit sie das auch lernt, weil ich beim Spisegeln auf dem Vorschiff rumturne. Lebenslanges Lernen, auch Mithilfe des Internetzes. Kann man hier anschauen.

    Auch unsere kleinen Filme bei Youtube haben anscheinend ihre Liebhaber. Alle Videos zusammen gerechnet, wurden unsere von-Bord-Videos schon mehr als 1700 Mal angeschaut. Spitzenreiter dabei ist der coole Surf auf dem Weg nach Almería. Den Trip werde ich niemals vergessen. Dieses Gefühl von Geschwindigkeit! Auf dem Wasser nimmt man die sowieso eher wahr als auf der Straße, besonders nachts, wenn es richtig dunkel ist. Da fühlen sich schon sechs Knoten Fahrt an wie “Brettern”. Mein persönlicher Filmfavorit seglerisch der Ein Rundgang um die Hexe mit Spinaker. Und unser letzter Film mit den Fischiiis.

    Das Führungstor für die Bayern .-(((
    Das Führungstor für die Bayern .-(((

    Und weil heute mal wieder Samstag ist, präsentiere ich, ob ihr wollt oder nicht, noch das Ergebnis des heutigen Spitzenspiels in der Topliga. Darmstadt 98 gegen Bayern München 0 : 3 Kein schöner Endstand für meinen Verein, aber es sei Euch gegönnt, Susann, Vadim und Jan, Leon, Julian, aber nur ausnahmsweise, gelle.

    Wenn schon Fußball, dann gibt’s noch was zum Wetter hinterher. Das ist beinahe nicht zu ertragen. Seit letztem Samstag regnet es – bis auf wenige Ausnahmestunden – durch, dabei ist es eher kalt als warm. Deswegen fällt der traditionelle samstägliche Ausflug zur Bessunger Kerb für uns aus. Extremcouching ist angesagt. Vielleicht klappt es ja am Montag Abend zum Feuerwerk…

  • Herbstliche Kapriolen

    Gestern dachten wir noch, die Welt ginge unter. Sintflutartige Regenfälle sorgen für die eine oder andere Überflutung. Land unter in Rhein-Main, nur örtlich, wie das halt so ist mit Gewitterzellen. Indian Summer – was ist das. Die ersten Kastanien haben wir nicht aus dem Feuer geholt,  dafür aber unter dem Kastanienbaum gefunden. Das machen wir jedes Jahr so, kindliche Anwandlungen, die man nie ablegt. Der eine oder andere Laubbaum präsentiert sich bereits mit herbstlich-bunt gefärbten Blättern. Aber lassen wir den Herbst hinter uns und tauchen ein die Unterwasserwelt des Mittelmeeres.

    Fischiiis
    Fischiiis

    Der Film mit Fischen, Unterwasserlandschaften und Lichtspiegelungen ist fertig. Schnorcheln ist seit ein paar Wochen mein neues Hobby. Wenn es irgendwo ein schwimmend zu erreichendes Kap, ein felsiges kleines Eiland oder fischreiche Küstenabschnitte gibt, muss ich die unbedingt schnorchelnd erkunden. Wenn kein Wind ist, erfolgen diese Ausflüge vom Boot aus. Cornelia bleibt in der Nähe und pickt mich danach wieder auf. Der Reiz ist groß und das, was geboten wird, ist soooo faszinierend. Unterwasserkino pur und dreidimensional. Das musste ich unbedingt mal filmisch festhalten, für uns und für Euch.

    Das beste daran ist, dass, bedingt durch die Lichtbrechungen im Wasser, sogar die Filmaufnahmen mit der Go Pro besser und natürlicher aussehen als über Wasser. Da ist er nun, der Film, frisch (auf-) geschnitten von der Capitania. Viel Spaß beim Anschauen wünscht die Hexencrew!

  • Heimaturlaub

    imageGestern war Viertelsfest in unserer Straße. Einmal jährlich, genau seit 10 Jahren, trifft sich unser kleines Viertel zum Grillen, Trinken, Schnacken und natürlich aus ganz viel “Spaß an der Freud”. Eine feste Institution, ein an die hessischen Schulferien angepasster Termin, immer der erste Samstag nach dem Ferienende. Meistens  ist der Wettergott mit uns, gestern war viel Regen angesagt und ist auch eingetroffen. Abgehalten hat uns das nicht vom Wendehammerfest, ein größeres Festzelt und eine 40-qm-Plane, einmal quer gespannt, boten genug Raum für alle, um draußen und ennoch trocken zu feiern. Dafür hat gestern der Fußballgott, und die Darmstädter Elf, mehr als ordentliche Arbeit geleistet und drei Auswärtspunkte gegen Bayer 04 Leverkusen eingefahren. 4. Spieltag der Bundesliga und das Team hat noch kein Spiel verloren, wer hätte das gedacht?

    Nico verschläft die Heimfahrt
    Nico verschläft die Heimfahrt

    Unsere Hexe liegt derweil hoffentlich wohl behalten im rundherum von Hochhäusern umbauten Hafen, der Marina Baie des Anges. Für unseren Heimaturlaub war es garnicht so leicht, einen Liegeplatz in Südfrankreich zu organisieren. Mehr als 10 Häfen hat Cornelia angefragt. Alle bis auf den einen sind voll gebucht und das am Ende der Hochsaison! Der Hauptgrund scheint aber auf Nachfrage der zu sein, dass in Monaco und Cannes größere Bootsmessen veranstaltet werden, und dass viele Eigner aus dem Urlaub zurück auf ihrem angestammten Liegeplatz sind. Es gibt aber auch Häfen, in denen eindeutig Plätze frei sind und die Bereitschaft zur Vergabe bei den Hafen betreibern fehlt, weil sie den Geldkanal so voll haben? Die Marina von Antibes ist so ein Fall. Absage trotz freier Plätze. Fast jeder, den wir treffen, kann davon etwas erzählen. Positive Eindrücke hinterlässt man so eben nicht, aber wenn Umsatz keine Rolle mehr spielt…

    Sonnenblumen vom Darmstädter Samstagsmarkt
    Sonnenblumen vom Darmstädter Samstagsmarkt

    Wenn wir dann schon mal in good old Germany sind, werden wir die Gelegenheit nutzen, um für die seit Ewigkeiten leckende WC-Pumpe Ersatz zu bestellen. Das trügerische Pumpenteil hat irgendwo einen Mikroriss, d.h. wenn man im Hafen liegt, ist alles trocken und funktioniert einwandfrei. Bei Schräglage drückt sich irgendwo Salzwasser raus und schwappt im Bad hin und her.  Ärgert mich schon lange, das Ding, zumal es sich jedem Reparaturversuch standhaft widersetzt.

    Zwei Wochen lang werden wir jetzt zu echten Landratten, erfeuen uns am komfortablen (Haus)-Leben, treffen unsere Freunde wieder, regeln ein paar Dinge und genießen die Tage in der Heimat.

    Cornelia hat noch einen Fischi-Unterwasserfilm in der Pipeline, den sie nur noch schneiden und veröffentlichen muss.

  • Zalandos Yacht

    Und hier der fast letzte Tag der Hexe, bevor wir sie verlassen. So oder so ähnlich könnte doch leicht vorstellbar eine Überschrift in einem wohlbekannten deutschen Boulevardblatt lauten. Aber schön der Reihe nach, den Spannungsbogen ein bisschen aufgebaut, auch wenn das Ende schon mal vorweg genommen wurde.

    Eigentlich wären wir auch nicht dort gewesen, wo wir heute morgen waren, sondern noch in der Werft, die wir ausgesucht hatten, um unseren Unterwasseranstrich zu erneuern. Für Montag um halbneun hatten wir einen Krantermin bei einer großen Werft in Antibes. Dann hatten wir das Pech, oder wie sich später rausstellte, das große Glück, mit anzusehen, wie eine andere Segelyacht unplanmäßig und willkürlich vor uns gekrant wurde. Uns haben sich die Nackenhaare zu Berge gestellt, als wir sahen, wie der Krangalgen mehrmals gegen die Wanten geschlagen ist. Sowenig “Feingefühl” beim Kranen hat uns den Rest gegeben und wir sind flux geflüchtet. Ein Schaden am Mast oder stehendem Gut wäre ein Fiasko.

    Cornelia schlug wegen des schönen Wetters vor, zum Cap Ferrat zu fahren und die großzügige Bucht und die Aussicht auf die dahinterliegenden Berge zu genießen. Natürlich hatte sie auch einen “Spritz Aperol” im Hinterkopf, den wir gerne in unserer Lieblingskneipe in St. Jean trinken. Also volle Fahrt voraus, das meiste des Weges mit Motor, nur hin und iweder mit schwacher Windeskraft und Segeln. Die Bucht war uns wohlbekannt von früheren Besuchen, nur der Anker wollte im Seegras diesmal nicht recht halten. Anker runter, Anker rauf, neuer Anlauf 10 Meter weiter, gleiches negatives Ergebnis, der Anker pflügt durchs Seegras und gräbt sich nicht in den Grund. Sieben Versuche später dann hält das Grundeisen, was es verspricht, und wozu es gemacht ist. Noch eine Runde schwimmen mit der neuen Taucherbrille, die trotz Bart endlich dicht hält.

    Alle anderen genannten Programmpunkte plus ein abendliches Pizzaessen wurden nach dem “Ankerdrama” auch noch erfüllt. Am Nachbartisch, auf der Terrasse mit Meerblick, ein nettes serbisches Ehepaar, das seit 30 Jahren in der Schweiz lebt, mit denen wir uns stundenlang über Gott und die Welt und auch die Politik angeregt unterhalten haben. Ein kleines Stück Heimweg hatten wir noch zusammen, kurzer herzlicher Abschied, Motor an und 10 Minuten mit Gummiboot zur Hexe getuckert.

    Heute morgen hat dann, wie angekündigt, der Wind beständig aufgefrischt, auf Ost gedreht und fiese Wellen in die Bucht geschickt. Das war vorhergesagt und wir hatten schon die große Bucht von Villefranche im Hinterkopf. Anker auf, langsame Fahrt voraus gegenan, gegen ca. 1,5 Meter hohe Wellen. Langsam deshalb, damit das Schiff nicht so laut rumpelnd und krachend in die Wellentäler fliegt, 2-3 Knoten Fahrt sind da genug und nervenschonend. Bis zum vorgelagerten Kap und dann war es auch schon Zeit, das Vorsegel auszurollen – genug Segelfläche bei bis zu 24 Knoten Wind.
    Ich mach das mit dem Segel, Cornelia ist am Ruder. Als das Segel rausgerollt ist, dreht Cornelia langsam ab und in dem Moment ertönt ein laut hupendes Horn, eine endlos erscheinende lange weiße Wand fährt mit über 10 Knoten Speed an uns vorbei. Cornelia dreht hektisch weg von dem riesigen Motorboot.

    Um Haaresbreite sind wir der drohenden Kollison entkommen, uns zittern die Knie, wir bleiben zurück im Schwell, den der Plastikriese aufgeworfen hat. Ich fange wütend an zu schreien, strecke die Arme in die Luft, von oben schauen einige Crewmitglieder anscheinend erstaunt auf uns herab. (Das war besser als jedes HB-Männchen, sowas habe ich noch nie erlebt, Volker hat sich in seiner Wut echt heiser geschrien!)

    Unglaublich, die hätten uns fast versenkt! Ein Regelverstoß, der durch nichts zu entschuldigen ist. Wer überholt umd von hinten aufkommt, hält sich frei. Warum drängelt sich dieses Riesenschiff zwischen uns und das Cap, während an Backbord ausreichend Seeraum ist?Ich schnapp mir unser Handfunkgerät und funke den Schiffsführer der “Odessa 2” an. Dem scheint sofort sein Fehler bewusst zu sein, und er murmelt unentwegt auf englisch Entschuldigungen. Doch so leicht ist es damit nicht getan und er muss sich eine kleine Weile lang meine Flüche anhören. Schlussendlich wünschen wir uns dann einen guten Tag und eine gute Weiterfahrt.

    Nach Recherchen von Cornelia ist die “Odessa 2” bei Nobiskrug in Deutschland gebaut und gehört dem Derzeitigen Inhaber von z.B Zalando und Warner Brothers Music (und dem Nobel-Hotel “Grand Hotel St. Jean Cap Ferrat”, direkt am Ort des Unglücks. Das hätte noch gefehlt “Deutsche Superyacht versenkt deutsche Segelyacht”, so dann die Horrorüberschrift. Irgendwann ging der Schreck dann aus den Gliedern und der Anker wieder nieder.

    Diesmal vor Wind und Wellen geschützt in der malerischen Bucht von Villefranche. Ein langer Spaziergang, schöne Eindrücke und anregende Gespräche sorgten dann für die notwenidge Zerstreuung. Bleibt nur zusagen: Ende gut alles gut😍