Autor: Skipper Volker

  • Insel im Meer

    Adieu, Port Cros, flache See!
    Adieu, Port Cros, flache See!

    Gestern ging es mit leichtem Wind und langsamer Fahrt nach Porquerolles. 9 Seemeilen, knapp 17 Kilometer, direkter Weg. Mehr als 3 Stunden haben wir für dieses kurze Seestück gebraucht. Die Langsamkeit des Seins und speziell die Langsamkeit des Segelns dabei usgiebig genossen. Das Meer, oder besser gesagt, die See war entsprechend ruhig. Es stand nur eine sanfte Dünung, ein langsames gleichmäßiges Auf und Ab. Vergleichbar mit einer Fahrt auf einer endlos geraden Landstraße durch eine sanft hügelige Landschaft. Porquerolles immer in Sicht links voraus, die Küste ein wenig weiter weg an Steuerbord. Ruhiges, entspanntes Dahinsegeln. Jeder, der anfällig ist für Seekrankheit, hätte sich über die gestrigen Bedingungen gefreut und wäre von dieser Geisel der Seefahrt verschont geblieben.

    Besser als Wurzelchips war der Fisch im l'Oustade in Porquerolles
    Besser als Wurzelchips war der Fisch im l’Oustade in Porquerolles

    Cornelia hat in der Küche rumexperimentiert und dünne Scheiben einer Jamiknolle zu (nicht wirklich) leckeren Chips frittiert. Auch ein solches Tun ist nur bei ruhigster See möglich. Zu groß wäre sonst die Gefahr durch umherspritzendes Fett und rutschende Küchenutensilien. Es fällt nicht immer leicht, auf See zu kochen, manchmal hat Mann oder Frau nicht genug Hände, um alles festzuhalten, was sich durch die Schaukelei so alles in Bewegung setzt. Die Töpfe rutschen auf dem Kocher umher, Zutaten rutschen auf der Arbeitsfläche umher, Geschirr droht zu zerbrechen. Dabei aber bitte nicht das eigene Festhalten am Handgriff vergessen, denn sonst ist der slapstickhafte Abgang – ohne Applaus – schon vorprogrammiert. Wenn es draußen heiß hergeht, bleibt daher schon mal die Küche kalt, nicht nur bei uns. Aber, wie gesagt, gestern war alles anders, ruhiger, entspannter.

    Das sind Eukalyptusfruchtschalen
    Das sind Eukalyptusfruchtschalen

    Porquerolles lockt wie eh und je mit seinem kleinen gemütlichen Dorf, zahlreichen Buchten, dem hügeligen dichtbewaldeten Landesinneren und einem schönen Hafen mit allem, was das Seglerherz froh stimmt. Nur bei den Hafengebühren kann von froh gestimmt keine Rede sein denn die sind mit 43 Euro auf Saisonniveau, nur in den Monaten Juli und August sind sie noch höher. Dafür sind die Preise für Dauerlieger im Winter rekordverdächtig niedrig. Wer drei Monate bleibt, bezahlt nur umgerechnet 10 Euro am Tag.

    Eukalyptusblüten - Spätblüher
    Eukalyptusblüten – Spätblüher

    Trotz des bevorstehendem Winters ist der Dorfsupermarkt geöffnet und fast komplett bestückt, sodass auch den Winter durch diesbezüglich kein Versorgungsmangel entsteht. Der Fährverkehr zum Festland verläuft ebenso regelmäßig. Ein echtes Plus für die 200 Inselbewohner und für interessierte Besucher.

    Porquerolles hinterlässt, zumindest tagsüber, auch außersaisonal einen belebten Eindruck. Morgen geht es auf Schusters Rappen ins Inselinnere.

    Übrigens: Bis in die 1930er Jahre gehörte Porquerolles einem belgischen Industriellen. Angeblich überredete  Madame Pompidou 1971 ihren Mann, den französischen Staatspräsidenten Georges Pompidou, die Insel im Namen des Staates zu kaufen.

  • Das müssen wir unbedingt sehen

    In diesem Beitrag geht es um Fußball und sonst nichts. Doch diesmal steht nicht der SV Darmstadt 98 im Vordergrund. Hier geht es um harte Länderspielfakten zwischen der deutschen Nationalmannschaft und der französischen Equipe. Die Begegnung dieser beiden Mannschaften ist im wahrsten Sinne des Wortes ein echter Klassiker.

    Bereits seit 1931 finden regelmäßig Länderspiele zwischen Frankreich und Deutschland statt. Das erste Spiel 1931 gewann Frankreich mit 1:0. Das letzte Spiel gegen die Grande Nation gewann Deutschland mit 1:0. Das war beim Viertelfinale der letzten Fußballweltmeisterschaft 2014. In den zurückliegenden 84 Jahren trafen die beiden Nationalmannschaften insgesamt 27 mal aufeinander. Genau 21 mal war es ein sog. Freundschaftsspiel.

    Am morgigen Freitag geht dieser Fußballklassiker in eine neue Runde. Die DFB-Elf spielt in Paris gegen die französische Nationalmannschaft, das 23. Freundschaftsspiel. Dazu passend findet die nächste Fuballeuropameisterschaft 2016 en France statt. Da ist das morgige Spiel doch fast so was wie eine Generalprobe. Nur ein Problem gibt es, wir würden am liebesten das Match auf neutralem Boden sehen, z.B. In einem Irish-Pub. Aber den gibt es in St. Raphaël nicht. Morgen müssen wir mal genauer recherchieren, wo im Umkreis von ein paar Meilen ein Pub ist. In einer französischen Brasserie würden wir uns nicht so recht trauen, für Jogis Jungs zu jubeln. Morgen gibt es ausnahmsweise keine Zielwahl nach Wind und Wellen, sondern nach König Fußball.

  • Wie kleine Gespenster

    Friedenstaube an Deck
    Friedenstaube an Deck

    Nach einer ruhigen Nacht ging es heute frohen Mutes an das Tagwerk. Einen Punkt, den wir schon länger auf unserer kurzen To-Do-Liste stehen hatten, sollte endgültig erledigt werden. Unsere Originalpolster haben kurz nach der Abfahrt einen Schonbezug erhalten (wir berichteten). Dank flinker fleißiger Hände und einem guten Stöffchen war der Bezug mindestens so gut wie das Original. Beinahe jedenfalls, nur in einem Punkt gab es seitdem Grund zur Nachbesserung. Der Stoff auf dem langen Sofa wirft Falten, oder kurzgesagt, er krummpelt. Der Mangel  ist nur optischer Natur, aber man ist ja auch Ästhet, zumindest irgendwie und nach mehr als einem Jahr. Also sind wir dem großen Bezug mit ein paar Einschlagösen und Gummiband auf der Rückseite zu Leibe gerückt.

    Kleine Gespenster…
    Kleine Gespenster…

    Danach haben wir noch, weil es sich angeboten hat (die Marina schenkt neuerdings dem Segler einmal pro Saison eine Waschmaschinenfüllung) alle Polsterbezüge in die große Hafenwaschmaschine gstopft. Das Ergebnis: blitzblank und fleckenfrei. Nur die Zeit, um draußen zu trocknen, hat nicht mehr ganz gereicht und deswegen wurde nochmal drinnen alles zum Fertigtrocknen aufgehängt. Das sah lustig aus im Boot: wie kleine aufgehängte Gespenster hingen die Lappen da rum.

    Was uns heute sonst noch so bewegt hat: Um 11 Uhr morgens war vom gegenüberliegenden Rathaus Marschmusik mit nachfolgenden Reden zu hören. Gestern hatten wir schon den Blumenschmuck und die vielen Trikoloren bewundert. Ein Blick auf den Kalender und wir waren uns einig, dass der Anfang der neuen karnevalssession auch nicht vor unseren französischen Brüdern und Schwestern Halt macht und die fünfte Jahreszeit ausgerufen wird.

    Zu wenig Wind für die Trikolore (und für uns)
    Zu wenig Wind für die Trikolore (und für uns)

    Nachdem aber die Nationalhymne erklang, wurde Cornelia zunehmend misstrauisch, welches Ereignis nun zelebriert wurde, und wir kamen überein, dass Karneval und Marseillaise so gar nicht zueinander passen. Dank Google und Wikipedia war das Rätsel mal wieder fix geklärt.: Heute am 11. November und nicht nur um 11 Uhr 11 feiert man in Frankreich den Waffenstillstand am Endes des 1. Weltkrieges zwischen Deutschland und Frankreich. Ein Feiertag im ganzen Land.

    Blick auf den Hafen
    Blick auf den Hafen
  • Mal wieder…

    Tanzendes Paar vor dem Nobelhotel "Majestic"
    Tanzendes Paar vor dem Nobelhotel “Majestic”

    in Cannes. Da waren wir schon so oft, und doch freuen wir uns jedes Mal wie die berühmten Schneekönige, wenn wir in Cannes unsere Leinen festmachen. Nizza ist prächtig, riesig groß, zahlreiche Museen und Kirchen locken, Parks und Plätze laden zum Verweilen ein. Tolle Stadt, total zu empfehlen.

    Aber Cannes hat dieses besondere Etwas. Ist nicht so einfach und schon garnicht direkt zu erklären oder zu begreifen.

    Französische Weckmänner "Papa Noel" von Bäcker "Paul"
    Französische Weckmänner “Papa Noel” vom Lieblingsbäcker “Paul”

    Gäbe es eine Hitliste der von uns besuchten Städte, Cannes würde es spielend bis an die Spitze schaffen. Ein Tag dort und man hat die Innen-Stadt erfasst und auch, wenn die Füße eventuell ein wenig schmerzen, komplett erlaufen. Danach stellt sich dann so ein Gefühl  ein von Bekanntheit, Vertrautheit, so eine Art „Heimatgefühl” eben, weil man sich so schnell und so gut auskennt. Der beste Pub ist schnell gefunden, das Restaurant an der Ecke zum Lieblingsrestaurant auserkoren, der kleine Sandstrand nahe dem Zentrum schön gelegen.

    "Le Petit Chaperon Rouge" oder auch "Rotkäppchen im Schaufenster
    “Le Petit Chaperon Rouge” oder auch “Rotkäppchen im Schaufenster

    Und dann gibt es da noch die Markthalle und den Hafen selbst, die Festung, die Altstadt, die Shoppingmeile, die Croissette, und und und. Erste Gedanken kreisen um später, um die Jahre nach dem Segelabenteuer. Können wir uns vorstellen, hier zu leben? Gedankenspiele, wahrscheinlich verfrüht.

    Gestern in Villeneuve Llobet haben wir uns erst mal auf unserer Hexe eingelebt, eingerichtet und verproviantiert. Danach ging’s ab zum Strand zum ausgiebigen Bad in der Sonne, nicht im Meer. Das ist mit 18 Grad doch recht frisch. Wir saugen die mediterranen Sonnenstrahlen regelrecht in uns auf, allein, ungestört, nachsaisons leergefegt.

    Adieu zu den Treppenhäusern aus der Engelsbucht
    Adieu zu den Treppenhäusern aus der Engelsbucht

    Am frühen Nachmittag hat sich die bis dahin platte See leicht gekräuselt. Ein Wind aus Ost kam auf, flotten Schrittes ging es zurück zum Boot und schnell wird alles see- und segelklar gemacht. Noch im Hafen gingen die Segel hoch, der Motor aus und langsam schob uns der Wind der Hafenausfahrt entgegen. Ein magischer Moment, wenn der Wind die Segel bläht, eine Wasserblasenbahn im Kielwasser zurückbleibt und unsere Hexe losschippert.

    Der Skipper schaut mit kritischem Blick in die Segel
    Der Skipper schaut mit kritischem Blick in die Segel

    Viel gibt es von dem dreistündigen Törn nach Cannes nicht zu berichten. Eine ereignislose, gute Fahrt. Ein paar andere Segler auf dem Wasser, anhaltende Sonne, leichter Wind.

    Abends ging es zur Lieblingspizzeria gegenüber vom Hafen. Pizza “Reine” für mich, überbackene Auberginen für die Capitania. Danach noch auf ein Bier ins Irish Pub.

    So ein Tag so wunderschön wie heute…

  • Novembernebel

    Herbstlaub
    Herbstlaub

    Nach dem Ausflug in meine Heimatstadt, einem Ausflug zu meinen Wurzeln sozusagen, denken wir in der letzten Zeit auch öfter mal darüber nach, wo wir in dem nahenden (Mittelmeer)-Winter mit unserem Boot bleiben wollen. Aus familiären Gründen werden wir den kompletten Dezember in Darmstadt verbringen. Wie es im Moment seglerisch weiter gehen soll, diese Entscheidung fällt deswegen nicht ganz so leicht. Es bleiben nur noch ein paar Wochen. Barcelona lockt, ein Liegeplatz für unsere Hexe ist verfügbar, andererseits ist Spanien einige weitere hundert Fahrkilometer von Darmstadt entfernt. Marseille ist ebenso eine großartige Stadt, fällt aber wegen der Mistralhäufigkeit in den kühleren Monaten leider aus.

    Der Wetterbericht für Antibes sieht netter aus…
    Der Wetterbericht für Antibes sieht netter aus…

    Unser jetziger Liegeplatz dicht bei Antibes ist durch die umliegenden Appartementanlagen so wind- und wettergeschützt, dass wir die HEXE dort auch mal ein paar Wochen ohne schlechtes Gewissen oder Angst vor Schäden beruhigt liegen lassen könnten. Die Entfernung nach Darmstadt von dort sind gerade mal 950 Kilometer. Wir wissen also buchstäblich im Moment noch nicht. wohin die Reise in den nächsten Tagen und Wochen geht. Eine Überlegung, die wir anstellen, ist die, in den nächsten drei Wochen nach Elba zu segeln. Cornelia war dort vor ein paar Jahren mit einer Mädelscrew unterwegs und von der Insel begeistert. Hoffentlich nicht nur wegen der temperamentvollen Italiener, von denen die segelnden Schönheiten umworben wurden.

    Egal, wohin der Wind uns weht, wir lassen es Euch wissen.

    Zusatz von der Capitania:

    Dichter Nebel hält sich im Akaziengarten
    Dichter Nebel hält sich im Akaziengarten

    Im Moment sitzen wir in dem elend grauen Darmstadt, hier hält sich ein zäher Nebel, der die Sonne von weiter oben nicht durchlässt. Der erste Nachtfrost hat so manchen Blumentopf auf der Terrasse oder an der Eingangstür gekillt. Schon seit Tagen reden die Wetterberichte über „ruhiges Herbstwetter“, und ein paar Kilometer weiter weg stimmt das auch, die schöne Herbstsonne zaubert ein Leuchten auf die bunt gefärbten Blätter des Odenwalds, nur nicht bei uns…

    An Halloween waren wir mit allen Nachbarn zum traditionellen Rouladen-Essen eingeladen, es war wie immer köstlich und vor, während und nach dem Essen gab es – auch wie immer – so gute Gespräche, mit viel Zeit und Muße haben wir Annettes Gastfreundschaft genossen.

    Bereit für die Halloweenparty
    Bereit für die Halloweenparty
    Die Ingredienzien stehen bereit…
    Die Ingredienzien stehen bereit…

    Die inzwischen bei uns allen schon jugendlichen oder erwachsenen Kinder hatten da ganz andere Pläne, da gab es die Halloween-Party in der Zentralstation oder man traute sich in das ganz große Spektakel auf der Burg Frankenstein, wo man schon mal von Monstern in einen Sarg gesteckt werden kann… oder man feiert einen schönen Cocktailabend, wenn die Eltern außer Haus und versorgt sind…

    Über allen Wipfeln spürest Du kaum einen Hauch…
    Über allen Wipfeln spürest Du kaum einen Hauch…

    Der Wetterbericht für heute meint, dass sich der Nebel heute mittag auflöst, und wir dann auch mal an dem Sonnenschein teilnehmen können, mal sehen.

  • Eisenhart.

    Nach ein paar Tagen Funkstille im Blog gibt es mal wieder etwas zu berichten. Die Lücke hat einfach auch damit zu tun, dass, wenn wir schon mal in der hessischen Heimat sind, soviel zu tun und organisieren ist, dass einfach (zu) wenig freie Zeit bleibt.

    Zwei der gigantischen Hochöfen schauen hier ganz klein aus
    Zwei der gigantischen Hochöfen schauen hier ganz klein aus

    Jetzt bleiben wir mal beim Thema Heimat und machen einen kleinen Schlenker von 180 Kilometern ziemlich genau nach Westen. Eingerahmt  und mehr oder minder abgegrenzt von Frankreich und Luxemburg liegt dort das Saarland. Damals, zu früheren und leider längst vergangenen Zeiten, ein äußerst wirtschaftsstarkes Bundesland. Zum einen durch das schwarze Gold, die Kohle, die in der tiefen Erde ruhte und auf den Abbau wartete und zum anderen durch die Stahlwerke in Dillingen, Neunkirchen und Völklingen.

    Hermann Röchling, der Unternehmer
    Hermann Röchling, der Unternehmer

    Das Werk in Völklingen wurde bereits 1870 gegründet, aber leider währte das Glück des deutschen Stahlwerkgründers gerade mal fünf kurze Jahre, bevor die erste Insolvenz folgte. Der Grund ist schnell erklärt: Die Strafzölle für Eisenimporte aus  den umliegenden Ländern, Belgien, Frankreich und Luxemburg nach Deutschland wurden aufgehoben. Doch nur kurze Zeit danach wurde das Stahlwerk von der Familie Röchling übernommen, weiterentwickelt und zu seiner jetzigen vollen Größe ausgebaut. In den folgenden Jahrzehnten sicherte es Aufschwung für die Stadt Völklingen und das gesamte Umland. Die dunkle Seite der Medaille ist, dass bereits im ersten Weltkrieg Rüstungsgüter hergestellt und Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit verpflichtet wurden.

    Es gibt viele Erklärungen für Besucher, dennoch ist so eine persönliche Führung etwas ganz Besonderes
    Es gibt viele Erklärungen für Besucher, dennoch ist so eine persönliche Führung etwas ganz Besonderes

    Im zweiten Weltkrieg wurde das Stahlwerk nicht bombardiert, da die französischen Nachbarn auf eine Akquirierung des Werkes nach Kriegsende aus waren. So war man in Völklingen auch direkt nach dem Krieg in einer relativ glücklichen Lage und konnte die Stahlproduktion nahtlos fortsetzen.

    In der Gasgebläsehalle stehen riesige Maschinen
    In der Gasgebläsehalle stehen riesige Maschinen

    Aus sechs Hochöfen wurden jeden Tag sechstausend Tonnen glühend heißen Stahls gestochen. Riesige Luftmaschinen aus der fußballfeldgroßen Gebläsehalle lieferten die notwendige heiße Luft für die Schmelzprozesse, das Eisenerz wurde aus den Nachbarländern angeliefert, veredelte Kohle, das sogenannte Koks kam aus den umliegenden Kokereien. Eine gigantische Produktionsmaschinerie. Tag und Nacht, 365 Tage im Jahr, wurden die gierigen Hochöfen beschickt und befeuert. Die Welt wollte Stahl für den Wiederaufbau und für den Fortschritt, das Röchling’sche Stahlwerk lieferte es.

    Zwei Hochöfen, im Vordergrund die gelben Röhren für die Heißluft
    Zwei Hochöfen, im Vordergrund die gelben Röhren für die Heißluft

    Die Arbeit im Eisenhüttenwerk und an den Hochöfen ein Knochenjob. Staub, Rauch und Dreck auf, über und in der Stadt, sichtbar, fühlbar. 1974 waren mehr als 17.000 Menschen im Hüttenwerk tätig. 1975 kam, schon krisenbedingt, der erste wirkliche Abschwung und einige tausend Mitarbeiter mussten ihren Hut nehmen. 1980 wurde ein modernes weiterverarbeitendes neues Stahlwerk direkt neben dem alten gebaut.

     

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    Im Sommer 1986 ging dann bei der alten Hütte das Licht oder, besser gesagt, das Feuer in den Öfen endgültig aus. Die sechs Hochöfen und die mehrere hundert Hektar große Industrieanlage stand still. Der bis heute anhaltende und unaufhaltsame Abschwung für Völklingen und die umliegende Region begann. Mehr als zehntausend Menschen wurden arbeitslos oder verrentet. Sozialpläne und ein Hilfsprogramm der damaligen Landesregierung milderten, Gott sei Dank, die Misere.

    Ingenieurskunst
    Ingenieurskunst

    1994 wurde das brachliegende Stahlwerk zum Unesco Weltkulturerbe erklärt und die weltweite Einzigartigkeit dieses vollständig erhaltenen Eisenwerkes zertifiziert.

    Heute ist die Völklinger Hütte Besucher- und Veranstaltungsmagnet zugleich. Touristen und Einheimische, Fotografen und Interessierte aus der ganzen Welt besichtigen diese einzigartige Industriebrache.

    staunende Gesichter
    staunende Gesichter

    Wir, Cornelia, Babara, Joachim und ich haben gestern an einer Führung durch das gigantisch große Werk teilgenommen. Kilometer lange dicke Rohre, die alles überragenden Hochöfen, zahllose Industriegebäude, ein endlos erscheinendes Gewirr von Wegen, Gleisen, und Gängen. Wir waren in der Gasgebläsehalle, der betriebseigenen Kokerei, sind die 170 Stufen zum Hochofen hinaufgestiegen und haben die sogenannte Möllerhalle, die zur Lagerung der benötigten Rohstoffe etc. diente, bestaunt.

    ohne Worte…
    ohne Worte…

    Was für ein beeindruckendes Erlebnis, und jedem zu empfehlen. Die Führung dauerte  drei Stunden, wer will und noch Kraft in den Beinen hat, kann danach sicherlich noch die ein oder andere Stunde auf Entdeckungstour gehen. Das gesamte Gelände des Industriedenkmals ist mittlerweile barrierefrei und behindertengerecht erschlossen Ich empfehle ausdrücklich einen Zwischenstopp zur Kräftigung im gegenüberliegenden Café Umwalzer mit seinen lokal-saarländischen Spezialitäten. Also ab in Auto, Bus oder Bahn und auf nach Völklingen und ins schöne Saarland.

    Noch mehr zur Hütte erfährt man hier:
    Weltkulturerbe Völklinger Hütte: Willkommen
    oder bei Wikipedia

    Der Schlüssel ist mannshoch
    Der Schlüssel in der Kokerei ist mannshoch
    Klappen am Hochofen, durch die Teile des Kühlwassers einfließen konnten
    Klappen am Hochofen, durch die Teile des Kühlwassers einfließen konnten
    Die Hängebahnwagen zum Bestücken der Hochöfen
    Die Hängebahnwagen zum Bestücken der Hochöfen
    Das Werkzeug liegt noch bereit…
    Das Werkzeug liegt noch bereit…
    Die Kokerei
    Die Kokerei
  • Spagat zwischen Historie, Kunst und Technik

    Ein moderner Odysseus
    Ein moderner Odysseus

    Zwei Tage und zwei Nächte haben wir in Menton, dem letzten Yachthafen vor Italien verbracht. Hört sich fast so an, als wenn man mit dem Auto auf der A 5 unterwegs ist in Richtung Süden – irgenwann steht dann da so ein Hinweisschild: “Letzte Raststätte vor der Schweizer Grenze”. Beinahe so ist das in der Tat für uns Segler. Nur ein paar Seemeilen segeln und wir sind in Italien. Grenzübertritt barrierefrei, unkontrolliert, unbemerkt. Das Wasser kennt keine Landesgrenzen. Trotzdem tauscht Cornelia pflichtgemäß die Trikolore Frankreichs unter der Steuerbordsaling gegen die italienische. Die hat – wie der Spitzname “Tricolore” besagt – auch drei Farben. Da ist also gefühlt kein großer Unterschied. Nur blau gegen grün getauscht…

    San Remo heißt das Tagesziel, der Wind ist launisch schwach. Entsprechend langsam geht es voran, dafür ist es schön warm und wir genießen das Bad in der wärmenden Herbstsonne.

    Der Friedhof auf dem Hügel
    Der Friedhof auf dem Hügel
    belohnt mit einem Blick über Menton
    belohnt mit einem Blick über Menton
    und die roten Dächer
    und die roten Dächer

    Gestern haben wir den schönen Tag auch genutzt, um Menton ausgiebig zu erkunden. Dazu gab es genau nur eine Richtung – immer weiter nach oben. Durch die verwinkelten Gassen der Altstadt ging es immer weiter hoch, genau bis dorthin, wo der höchste Punkt von Menton erreicht war. Das war der Friedhof. So als hätte man sich früher gedacht, dass dies der höchste Ort ist, den der Mensch in seinem Leben als letzte Ruhestätte erreichen kann. Wer weiß? Die Aussicht von oben war auf jeden Fall atemberaubend in jeglicher Hinsicht. Aber das Wort “Umzug” gewinnt in Menton (und in San Remo, wie sich später zeigen soll, eine ganz neue Bedeutung. Wahrscheinlich verkauft man dort die Häuser möbliert, damit man kein Sofa, keine Waschmaschine und keinen Kühlschrank umziehen muss.

    Eine Cocteau'sche Bestie
    Eine Cocteau’sche Bestie
    Bemalter Teller
    Bemalter Teller
    Orpheus
    Orpheus

    Menton bietet aber noch mehr als Altstadt, Aussicht und Strände. Jean Cocteau, ein Universalkünstler – Dichter, Maler, Drehbuchautor, Regisseur, Bildhauer. Das ganze Repertoire berherrschte dieses Genie, der bei einem Besuch im nahegelegenen Villefranche das schöne Menton kennen und lieben gelernt hat. Seine Werke sind dort in zwei wunderbaren Museen zu sehen.

    Der Hochzeitssaal
    Der Hochzeitssaal

    Und wer in Menton heiraten möchte, wird sich im von Jean Cocteau gestalteten Trausaal das Ja-Wort für ein Leben in Glück und Eintracht geben. Dort sind viele Mythen verarbeitet, dabei ist der Saal aber so liebevoll und schön gestaltet für die Menschen, die durch eine Ehe ihre Liebe in eine bürgerliche Institution mit Zukunft wandeln möchten, was Cocteau niemals angestrebt hatte. Aber er hat einen wundervollen Rahmen dafür geschaffen. Also, es gibt viel zu sehen in Menton.

    Heute wollten wir trotz aller Schönheit weiter und haben jetzt in San Remo angelegt. Viva Italia. Den ersten Bummel durch die große weitläufige Stadt haben wir hinter uns. Besonders nachhaltig beeindruckt hat uns das mittelalterliche Stadtviertel “Pinta”. Das ist wie eine Reise in eine vergangene Zeit, authentisch und jetzt, außerhalb der Reisezeit, ein individuelles Erlebnis.

    Danach gab es einiges Revue passieren zu lassen. Das haben wir in einem Bistro getan. Dort kam zu jedem Getränk eine komplette Tapasplatte, Oliven und ein Glas gefüllt mit Erbsensuppe, Salami und knusprigen Brotstücken. Mit dem Resultat, dass wir nach drei Getränken in jeder Hinsicht zufrieden umd gut gesättigt waren.
    Bella Italia… bald gibt es mehr davon.

  • Viel besser…

     

    Touch down
    Touch down

    als gedacht lief unser kurzer Zwischenaufenthalt an Land ab. Das Unterwasserschiff erstrahlt in einem makellosen satten Blau, die komplette Ruderanlage funktioniert wieder präzise, ohne Spiel und das Getriebe vom Antrieb ist mit frischem Öl versorgt. Gestern Morgen ging alles ganz schnell. die Mechaniker haben ihre letzten Handgriffe getan, dann kam schon der riesige freifahrende Kran und hat unsere Hexe sanft angehoben. Dort, wo die Stützen der Lagerböcke waren, haben wir noch schnell die bewuchshemmdende Farbe aufgetragen, ebenso auf der Unterseite des Kiels. Der freifahrende Kran drehte einen Vollkreis, rollte ein paar Meter und setzte dann ganz sanft unser Schiff ins blaue Nass.

    Selfi …
    Selfi …

    Wir verbrachten noch eine Stunde am Meldesteg des Hafens, um letzte Dinge an Bord zu klarieren und alles seefertig zu stauen. Vor der Hafeneinfahrt empfing uns ein frischer Südwind. Das Großsegel war schnell gesetzt und ebenso das Vorsegel ausgerollt. Mit flotter Rauschefahrt nahmen wir Kurs auf Nizza. Diese Großstadt zieht uns irgendwie immer wieder magisch an.

    IMG_7264Der Hafen liegt superschön mitten in einem alten Stadtviertel, die Altstadt ist super, der “Hausberg” mit seiner Historie überagt den Hafen, kurz gesagt, es gibt soviel zu entdecken und zu sehen. Ein Besuch reicht da bei weitem nicht aus.

    IMG_7257Heute zum Beispiel haben wir den alten Friedhof von Nizza entdeckt und die kaskadenartige Wasserfälle am “Hausberg” bestaunt. Der von uns sobennate Berg liegt zwischen dem Hafenviertel und der Altstadt von Nizza. Obenauf war einmal die Festung, heute trifft sich dort Alt und Jung, Familien zum Picknick, Jugendliche, Verliebte, Touristen, ein Platz mit viel Aussicht für Jedermann und Jedefrau.

    "Les Cascades"
    “Les Cascades”

    Abends ging es dann trotz platter Sohlen nochmals los in die hinteren Gassen und Straßen des Hafenviertels. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken. Quirlig, lebendig, dabei noch übersichtlich, auch mal leise-romantisch, mit viel Kunst und Kultur, dem Meer und den Bergen, so erleben wir diese Stadt.

    Regen am Sonntag, Regen am Montag, danach wird es, hoffentlich, wieder mediterran mild und sonnig.

  • Hoch und trocken

    Die Hexe im Kran
    Die Hexe im Kran

    Die gute Nachricht vorneweg: Das Auskranen aus dem Wasser lief buchstäblich wie am Schnürchen. Pünktlich um 8 Uhr haben wir bei Bleu Marine direkt beim Kran angelegt. Ehe wir uns versahen, standen wir hoch und und trocken auf unserem vorgesehenen Platz. Alle haben Hand in Hand gearbeitet, der Hochdruckreiniger war einsatzbereit, der Kranführer motiviert und der Chef vom Betrieb verbindlich.

    Das Unterwasserschiff erstrahlt in Marine Blau
    Das Unterwasserschiff erstrahlt in Marine Blau

    Schnell war mit viel Druck, Wasser und Hingabe unser Unterwasserschiff von nahezu allen ungewünschten Bewüchsen befreit. Na, jedenfalls beinahe allen. Einiges klammerte sich geradezu hartnäckig an der Unterwasserfarbe fest. Besonders renitent und resistent waren einige Algenansammlungen und kalkhaltige Rückstände von kleinsten Muscheln. Schließlich und endlich hatten wir auch diese unerwünschten Anhaftenden mit Schleifpapier und Muskelkraft abgetrennt bekommen. Das ganze, sonst schwimmende Unterteil unseres Schiffes war nun bereit für den ersten Anstrich mit der neuen bewuchshemmenden Farbe. Dem ersten Anstrich folgte der empfohlene zweite Farbauftrag, immer schön aufpinseln, nicht zu dick, nicht zu dünn. Bloß keine Farbnasen produzieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, soviel steht fest. Eigenlob stinkt nicht in dem Fall, Fremdlob gab es von den vorbei laufenden Se(h)leuten.

    Der Malermeister
    Der Malermeister

    Das Problem mit dem Ruder steht auf einem anderen Stück Papier. Da hat der Bootshersteller wohl beim Zusammenbau einmal mehr gepfuscht und das Außenlager, das das obere Ruderlager führt und hält, leider nachlässig montiert. Dadurch hatte die gesamte Ruderanlage das empfundene und erfahrene Spiel. Bei einem so großen und freistehenden Ruderblatt sollte so etwas nicht passieren, weil die Folgen durch die auftretenden Hebelkräfte äußerst fatal sein können.

    Die Mechaniker von Bleu Marine haben das Problem gleich erkannt und hoffentlich dauerhaft gelöst. Morgen wird noch das Getriebeöl gewechselt und um 10 Uhr soll das Boot zurück in sein gewohntes Element gehen.

    Zur Belohnung gab es Kotelett und Pommes
    Zur Belohnung gab es Kotelett und Pommes

    Das mit dem Hotel haben wir doch lieber sein lassen. Die Capitania hat ihre leichte Höhenangst überwunden und ist jetzt schon mehrfach schwindelfrei und sicher die angebundene Leiter hoch und runtergeklettert. Die Aussicht vom aufgebockten Schiff über die Bucht von Antibes und das weite Mittelmeer ist klasse. Home, sweet Home! Zur Belohnung gab es ein leckeres Essen beim ortsansässigen Italiener.

  • Hin und zurück

    Mal wieder segeln wir zwischen den Isles des Lérins hindurch
    Mal wieder segeln wir zwischen den Isles des Lérins hindurch

    Richtig weit sind wir diesmal nicht gekommen, nur bis Saint Tropez. Gestern ging es dann schon wieder nach Cannes und heute in die Marina Baie des Anges bei Antibes. Ganze zwei Tage waren wir weg. Der Außenstehende würde sagen, dass das nicht lange war. Wir empfinden das genauso. Gründe dafür gibt es genug, drei werden wir mal exemplarisch näher beschreiben.

    Bereits vor zwei Tagen hat sich abgezeichnet, dass von Donnerstag bis Samstag ein heftiger Mistral mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 55 Knoten wehen soll. Alle Vorhersagemodelle zeigten dieselbe Entwicklung an. Sturm im Löwengolf bis östlich von Hyères. Ab Cannes und weiter östlich soll der Mistral weniger stark bis garnicht auftreten. Ergo wäre es nicht so geschickt, für die bezeichneten Tage bereits weiter westlich in der kritischen Zone zu sein.

    Auch die Toilettenpumpe muss ausgetauscht werden
    Auch die Toilettenpumpe muss ausgetauscht werden

    Der 2. Grund für unsere Entscheidung zur Umkehr ist eher technischer Natur. Seit einiger Zeit haben wir ziemlich viel Spiel in unserer Ruderanlage. Bereits in Korsika war das spürbar, aber noch tolerierbar. Die Drahtsteuerseile müssen nachgespannt oder evtl. gekürzt werden. Da wir fürs Kürzen und Neupressen keine Werkzeuge an Bord haben, brauchen wir eine Werkstatt. Der dritte Grund ist der noch immer ausstehende Unterwasseranstrich mit bewuchshemmender Farbe. In der Marina Baie des Anges gibt es einen großen Travellift, der morgen unsere Hexe hoffentlich früh und hoffentlich wohlbehalten an Land setzen soll. Zwei Tage wird unser, dann nicht mehr schwimmendes Heim hoch und trocken an Land stehen. Da wir das Rumgeklettere über Leitern oder fahrbare Gerüste, um aufs aufgebockte Schiff zu kommen, nicht besonders mögen, werden wir uns in ein nahgelegenes Hotel einquartieren.

    Drückt bitte fest die Daumen, dass mit dem Kranen alles gut geht!

    Cornelia filettiert den Bonito fürs abendliche Grillen
    Cornelia filettiert den Bonito fürs abendliche Grillen