Autor: Skipper Volker

  • Die Hauptsaison…

    Futuristische Gebäude schmücken den Hafen von der Marina "Baie des Anges" (Bucht der Engel)
    Futuristische Gebäude schmücken den Hafen von der Marina “Baie des Anges” (Bucht der Engel)

    ist ganz eindeutig vorbei. Seit dem vergangenen Montag drücken die französischen Schüler die Schulbank. Die großen Fabriken produzieren wieder, die Sommerferien sind Geschichte und die Grande Nation hat dafür auch, gegenüber anderen europäischen Ländern, einen eigenen Ausdruck -“La Rentrée” . Ausspannen adieu, Alltag ahoi.

    Seit letztem Wochenende ist die eingeläutete Nebensaison für uns greifbar. Deutlich weniger Segelschiffe sind unterwegs, der vorher volle Hafen in Calvi nahezu verwaist, tagsüber wenig oder kaum Segel am Horizont. So weit so gut, viele sagen, dass jetzt die schönste Zeit des Jahres so langsam Einzug hält in den mediterranen Gefilden. Gemischte Gefühle bei uns, die sommerliche Hitze, der Trubel, die Veranstaltungen, hatte schon was für sich und für uns. Und nicht nur durch die Leere macht sich die fortgeschrittene Jahreszeit bemerkbar.

    Heute sind wir von Korsika nach Antibes gesegelt. 99 Seemeilen mit viel Wind, Gott sei Dank aus einer guten Richtung für uns, schnelle Fahrt. Nur14,5 Stunden waren wir unterwegs, dafür zum ersten Mal seit Juni in unser Ölzeug eingepackt. Frisch war der Wind, frisch war die Temperatur. 22 Grad hat das Quecksilber angezeigt, dazu der Wind, kräftig mit bis zu 24 Knoten. Die Sonne verschwindet schon vor 20 Uhr hinterm Horizont, die Wärme des Tages weicht schnell der Kühle der Nacht. Zeit für langärmlige und langbeinige Kleidungsstücke, zumindest für die dunklen Stunden des Tages. Das Stimmengewirr in den Gassen von Calvi war häufig von deutschen Sprachfetzten dominiert. Ungewohnt. Das Straßenbild dominieren Paare und Alleinreisende, Oder junge Familien mit Kleinkindern. Familien mit schulpflichtigen Kindern sind natürlich eine Seltenheit.

    Unermüdlich am Werk: Der Auto dieser Zeilen
    Unermüdlich am Werk: Der Autor dieser Zeilen

    Wir sind jetzt froh, nach dem ersten Fehlversuch gut an der Côte angekommen zu sein. Morgen gibt es Mistral mit bis zu 40 Knoten, das Meer dazu bewegt mit 4 Meter Wellenhöhe. Für Montag steht dann Nordostwind mit bis zu 7 Windstärken auf dem Programm. Es tut sich was, frühherbstliche Wetterkapriolen.

    Es grüßt aus der Marina der Engel
    die Hexencrew

  • Mit soviel Wind und hohen Wellen…

    Und die Wellen wären noch höher geworden im Laufe des Tages...
    Und die Wellen wären noch höher geworden im Laufe des Tages…

    haben wir nicht gerechnet, als wir heute morgen um 5 Uhr aus Calvi los sind, um den langen Schlag an die Côte d’Azur zu segeln. Nach dem Passieren von Cap Revelata waren wir noch nicht ganz aus der schützenden Wind- und Wellenabdeckung heraus, als schon die ersten schweren Seen die Hexe kräftig durchgerüttelt haben. Kurz darauf fand eine laut brechende Welle ihren Weg übers Deck, Wassermassen ergossen sich ins Cockpit. Gurgelnd sucht das kühle Nass seinen Weg und fließt nach einer Weile wieder dahin zurück, wo es hergekommen ist. Mit siebeneinhalb Knoten Speed springt das Schiff von Welle zu Welle, einem Rodeo gleich, der Wind heult im Rigg, noch mehr Wasser findet immer wieder den Weg aufs Deck.

    Im Osten zieht langsam die Helligkeit des neuen Tages herauf, rötlich schimmernd lässt sie nicht Gutes erahnen. In einer fernen Wolke im Nordosten zucken jede Menge Blitze herum. Das ist nur der Anfang von dem, was die Wetterküche anscheinend für uns vorbereitet hat.

    Bei Windfinder sah das nicht so dramatisch aus
    Bei Windfinder sah das nicht so dramatisch aus

    Dabei ist es irgendwie immer dasselbe. Vor so einer langen Fahrt vergleicht man alle Wetterberichte, wägt ab, ob und wann es losgehen soll, vielleicht manchmal mit der berühmten rosaroten Brille. Die müssen wohl auch wir beim Studieren der gestrigen Wetterkarten angehabt haben. Statt die schlechtmöglichste Wetterprognose von dem italienischen Anbieter Lama Rete anzunehmen, haben wir uns an den guten Prognosen verschiedener anderer Wetterdienste für unser Fahrgebiet erfreut.

    Für halb fünf den Wecker gestellt, schnell noch Nico Gassi geführt und die Segel gesetzt. Der salzige Strich durch die Rechnung kam postwendend mit den hohen Wellen. Die Konsequenz ebenfalls. Was zuviel ist, ist zuviel, mit “eingekniffenem Schwanz” drehen wir um und verschieben die Überfahrt nach Frankreich bis auf Weiteres.

    Was kann man daraus lernen? Bisher haben wir uns oft auf den Wetterbericht des italienischen Anbieters Lamma Räte verlassen (http://www.lamma.rete.toscana.it/mare/modelli/vento-e-mare). Bietet er doch auch, als einer der wenigen Wetterdienste, Vorhersagen auch für kleinräumige Gebiete im Mittelmeer an, inklusive Wellenprognose. Zudem sah es auch bei anderen Anbieter so aus, als würde sich für das Gebiet der Rhônemündung eine Mistrallage ankündigen. Diesen Aspekt haben wir unterschätzt. Das ist zwar relativ weit weg, würde aber die zum Wind überproportional hohen Wellen erklären. Und das am Anfang der Starkwindphase!

    Die Vorhersage für Samstag (brrrr)
    Die Vorhersage für Samstag (brrrr)

    Wenn man beide Faktoren betrachtet, zum einen die schlechte Vorhersage für unser Seegebiet und die negative Entwicklung im Löwengolf, hätten wir besser von dem Versuch der Überfahrt Abstand genommen. So ist es halt, Versuch macht eben nicht immer klug (oder vielleicht doch) und gut, dass wir nicht erst auf halbem Weg von der negativen Wetterentwicklung überrascht worden sind, sondern am Anfang. Der Wind pfeift durch die Takelage, alles ist aufgeklart und ein paar Stunden Schlaf sind schon nachgeholt. Wir ankern in einer hübschen Bucht vor Calvi und warten ab, was wettermäßig so passiert.

  • Anker auf!

    Der Wind weht aus West, die heftigen Böen erzeugen einen sonoren Ton, wenn sie um den Mast wehen. Die Ankerkette ist gespannt, das Schiff tänzelt daran. Unsere Meinung ist schwankend – liegen bleiben oder weiter segeln. Wetterberichte werden verglichen, Seekarten auf der Suche nach der nächsten sicheren Bucht studiert. Die Reiselust siegt, wir wollen segeln, dem Wind trotzen und die vor uns liegende Rauschefahrt genießen.

    Anker auf, fast geht alles glatt. Nur der Anker kommt falsch herum gedreht, mit den Flunken nach oben. Das Schiff ist derweil schon vor dem Wind in Fahrt. Mit der Fernbedienung für die Ankerwinsch in der Hand versuche ich, den Anker zu drehen. Leider kurz nicht aufgepasst und schon wird mein linker Handballen zwischen Kette und Winsch eingeklemmt. Ich blute und fluche. Wenigstens ist der Anker jetzt richtig herum gedreht und liegt an seinem dafür vorgesehenen Platz. Wenn immer wir uns blutige Wunden zuziehen, desinfizieren wir diese gründlich, zu groß ist die Angst oder die Gefahr, je nachdem, vor einer Infektion durch das Salzwasser. Dass Salzwasser desinfiziert, ist ein Ammenmärchen, das Gegenteil ist der Fall.

    Das Segeln danach ist eine Freude, bis zu 10 Knoten zeigt die Logge an, die 26 Seemeilen bis zur Tavolara sind in 3 Stunden abgesegelt. Das Schiff rockt und bockt, die Gischt sprizt, eine wilde und dennoch tolle Fahrt. Segeln kann soooo schön sein.

    Das Schiff im Griff - die Zukunft in Sicht
    Das Schiff im Griff …

    In der Bucht unserer Wahl angekommen, hämmern noch immer die Böen durchs Rigg. Ein Anruf bei Johannes und Hardy und kurz darauf stehen diese mit ihren Kindern, reichlich Grillfleisch und  einer Palette “Ichnusa”-Bier abholbereit am Strand.

    … die Zukunft fest im Blick
    … die Zukunft fest im Blick

    Wir freuen uns wie die berühmten Schneekönige, dass wir alle zusammen noch einen Abend verbringen können. Die Kinder sind 1-2-3 im Wasser, bis die Zähne klappern. Die “Erwachsenen” sitzen beim Sundowner auf dem Vorschiff. Was für ein Leben. Danach erkunden die Kinder im Schiffsinneren die Stauräume  und wundern sich u.a., dass wir sogar eine Nähmaschine dabei haben.

    Der Lotus ist angesteckt
    Der Lotus ist angesteckt

    Schon ist es Zeit, den Lotusgrill und die Pfanne anzuheizen. Neben zahlreichen Würstchen und Koteletts gibt es, oh Freude, auch zwei jeweils ein Kilogramm schwere Rinderkoteletts. Das passt nicht alles auf den kleinen Grill, die Rinderkoteletts garen in der großen Pfanne vor sich hin, der Grill ist maximal belegt und gibt sein Bestes.

    Was für ein Wolkenband zum Sonnenuntergang
    Was für ein Wolkenband zum Sonnenuntergang

    Das Essen ein wahres Festmahl, das Bier extra kalt, die Kinder fröhlich und der Sonnenuntergang vom Feinsten. Mit dem letzten Restlicht bringen wir die lieben Fünf zum Strand zurück und lassen danach diesen schönen Tag, ruhig, mit hochgelegten Beinen, im Cockpit ausklingen.

    Heute Morgen hat der Wind auf Ost gedreht, der viele Wind von gestern ist Geschichte, die fünf Darmstädter kommen wieder zu einem Ferientag auf der Hexe, und heute Abend soll es noch mal Pizza geben, was für köstliche Aussichten!

  • The Maltese Falcon

    Größenunterschiede 1
    Größenunterschiede 1

    Sie ist groß, ziemlich groß sogar und bis vor drei Jahren war sie die mit Abstand größte Segelyacht der Welt. Klar, manch ein Windjammer ist größer, aber eine Segelyacht, ein Lustschiff, hat auch andere Ambitionen und nicht den Anspruch, Fracht zu segeln. Höchstens menschliche. Der Malteser Falke, so der Name der Segelyacht, ist 88 Meter lang, 11 Meter breit, hat einen Tiefgang von 6 Metern und trägt an drei Masten über 2400 Quadratmeter Segelfläche. Und da gibt es wieder etwas besonderes darüber zu sagen, die Masten stehen unverstagt, d.h. sie werden nicht von Drahtseilen gehalten oder abgestützt. Jeder Mast ist 58 Meter hoch und steht drehbar in Lagern, die es ermöglichen, die Segel zum Wind auszurichten. Eine grandiose Meisterleistung der Ingenieurskunst. Erfunden wurde dieses Mastensystem in Deutschland und es erinnert ein wenig an das chinesische Dschunkenrigg.

    Größenunterschiede 2
    Größenunterschiede 2

    Der Falke wurde 2005 in der Türkei gebaut und ist seit ein paar Jahren auch zu mieten. Der stolze Mietpreis beträgt 350.000 Euro pro Woche in der Nebensaison. Wer dann Ferien machen muss, wenn jeder dran ist, zahlt nochmal 40.000 Euro extra. Aber dafür gibt es dann 15 Crewmitglieder inklusive, die den maximal 16 Passagieren wahrscheinlich jeden Wunsch von den Lippen ablesen und das Wissen, ein wirklich besonderes Schiff unter den Füßen zu haben.

    Der Blick über die Maddalena-Bucht
    Der Blick über die Maddalena-Bucht

    Gestern ist die “Maltese Falcon” zuerst hinter uns her gesegelt, bei reichlich Wind und allen gesetzten Segeln ein stolzer Anblick. Und obwohl wir nicht langsam unterwegs waren (mit 8 bis 10 Knoten), hat sie uns irgendwann überholt. Wir konnten sie sozusagen aus allen Perspektiven bewundern. So viel Schönheit zieht natürlich an. Bald gab es einen ganzen Tross von Begleitschiffen.

    Ein elegantes Weihwasserbecken in der Kirche von La Maddalena
    Ein elegantes Weihwasserbecken in der Kirche von La Maddalena

    Nach dem Spektakel ging es für uns weiter zur größten und namensgebenden Insel des Maddalea-Archipels, La Maddalena selbst. Cornelia hat einen Liegeplatz im Stadtzentrum reserviert und bald schon schlenderten wir durch die schöne Stadt und genossen das mediterrane Flair und das geschäftige Treiben. Abends gab es Livemusik nah beim Hafen in einer netten Kneipe. Um Mitternacht waren unsere Batterien leer und der Ruf der Koje stärker, als der der Musik. Gut gelaunt und gestärkt ging es am nächsten Tag nochmal zum nahegelegenen Supermarkt und zum Metzger.

    Volker und Larissa erkunden die kleine Felsinsel
    Volker und Larissa erkunden die kleine Felsinsel

    Mit Larissa habe ich dann eine unbewohnte Insel erkundet. Das ganze Ensemble war wohl mal ein Wachtposten gewesen mit Wachturm, Unterkünften und einem Plumpsklo über einem Abhang. Steile Anstiege, schmale Wege mit Gestrüpp und Dornen und sandige Strandabschnitte haben wir erklommen und wurden mit einer herrlichen Aussicht über das Achipel belohnt.

    Wilder Dill
    Wilder Dill auf den Straßen von La Maddalena

    Danach ging es auf die Zielgerade, nur mit dem Vorsegel haben wir die letzten 2 Seemeilen zu unserer Ankerbucht zurückgelegt. Dort waren wir schon vor mehr als einer Woche, als es so heftig aus westlichen Richtungen geweht hat. Und genau das soll es auch in den nächsten zwei Tagen tun. Der Anker ist tief im Grund vergraben und hält unser Schiff hoffentlich sicher.

  • Das kleinste Königreich Europas

    IMG_6566liegt gerade mal ein Steinwurf von unserem jetzigen Ankerplatz entfernt. Und heute war es dann soweit, wir, Johannes, Hardy, Cornelia, Larissa, Luise (7), Lotta (8), Emil (8) und ich haben den König besucht. Jedenfalls fast, zumindest waren wir in, oder weil es eine Insel ist, auf seinem Reich. Jetzt erst mal zu den vielen neuen Namen, die bisher noch nicht in unserem Blog erwähnt wurden. Cornelias Freundin Sabine hat mit ihrem Lutz ein schönes Haus auf Sardinien. Beide kommen erst Anfang September nach Sardinien, aber glücklicherweise verbringt der älteste Sohn Johannes mit Kindern (Emil und Luise) und einem Freund (Hardy), ebenfalls mit Kind (Lotta), seine Ferien im elterlichen Ferienhaus.

    IMG_6544Nachdem wir gestern Olbia verlassen haben, hat uns ein flotter Segelwind schnell zum Strand von Porto Taverna gebracht, wo wir die fünf getroffen haben. Der Nachmittag war schnell gemeinsam auf der Hexe mit Baden, Schnacken und Planen verbracht.

    IMG_6545Für abends hat uns Johannes ins Ferienhaus eingeladen und den riesigen Pizzaofen im Garten angeheizt. Lecker, die Pizza, ganz große Klasse und die Aussicht von der Terrasse, einfach umwerfend. Die Nacht schritt schnell und fröhlich voran, bis wir wieder wohlbehalten zum Boot zurückgefahren wurden. Ein großes DANKE an Euch 5.

    IMG_6572Heute haben wir dann mit allen einen Segelausflug geplant um die Tavolara-Insel, diese ca. 6 Kilometer lange und 1 Kilometer breite Insel, die schon seit über 4.000 Jahren von Fischern bewohnt ist. Sie ist das kleinste Königreich Europas. Na,  wenn man bedenkt, wie das gekommen ist, kann man echt nur schmunzeln. Am Anfang des 19 Jahrhunderts kam der Korse Guiseppe Bertoleoni samt seiner Familie auf dieses gebirgige Eiland, die Tavolara, wurde seine Heimat.

    IMG_6562Sein Sohn Paolo war ein aufgewecktes Bürschchen und als im Jahre 1836 der König von Sardinien, Carlo Alberto auf die Insel kam und sich als König vorstellte, erwiderte Paolo, dass er als König der Tavolara den König von Sardinien begrüßt. Soweit die Geschichte, der König Carlo Alberto war darüber so amüsiert, dass er der Familie Bertoleoni die Insel schenkte. Und seitdem ist dieser große Fels im Meer im Besitz der Familie und ein Königreich mit König.und so nennen sich seit dem die Önige Paul, Tomi Guiseppe,… Könige der Tavolara. Sie verwalten ihr Reich wie echte Könige. machen gut Kasse während der Sommermonate mit den täglich einfallenden Touristenströmen, und verlangen eine Anlegegebühr am Steg. Insgesamt 20 Familienmitglieder verwalten die Tavolara,

    IMG_6565Ein kleiner Inselfriedhof ist nur dem Clan vorbehalten. Auch dorthin pilgern die Touristenmassen, wir waren auch alle dort und haben die hübschen Sarkophage bewundert. Neben Segeln stand heute mal wieder Baden, egal ob für Groß oder Klein ganz vorne als Programmpunkt. Nach einem gemeinsamen Abendessen auf unserer Hexe sind die fünf wieder zu ihrem Feriendomizil aufgebrochen.Ein Traumtag geht zu Ende, die Ruhe in der Ankerbucht himmlisch, die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist es auch.

  • Kurznachricht

    Heute gibt es nur einen kurzen Beitrag. wir liegen noch in Olbia, Larissa’s Flugzeug ist eine halbe Stunde früher angekommen als geplant, auch mal gut so rum. Wir haben den kostenlosen Shuttleservice des Hafenbetreibers gleich zweimal genutzt. Einmal haben wir uns zum Supermarkt kutschieren lassen und das zweite mal zum nur fünf Fahrminuten entfernten Flughafen. Der nahegelegene Supermarkt wird von allen passierenden Schiffen zum ausgiebigen Verproviantieren genutzt. Mit zwei gut gefüllten Einkaufswagen ging es die leicht abschüssige Straße zurück zum Hafen, wo der Inhalt seinen Weg in die verschiedensten Stauraumecken unserer Hexe fand.
    Larissa hat für Cornelia noch eine neues Terraband mitgebracht. Dieses elastische Gummiband wird gerne für gymnastische Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur eingesetzt. Das alte Band hatte den Kräften von Cornelia nicht mehr standgehalten. Außerdem hat die Capitania heute 20 Gigabyte Datenvolumen für günstige 30 Euro erworben und damit können wir jetzt das italienische Internet ausgiebig nutzen.

    Heute ist das Thermometer erstmals seit einiger Zeit wieder über die 30-Grad-Marke geklettert, dazu wehte ein stürmischer Wind aus West.  Morgen geht die Reise weiter, wir wollen weiter nach Süden und hoffen ähnlich schöne und ursprüngliche Orte zu finden wie auf Korsika.

    Die Landschaft der nördlichen Aga-Khan-Küste ist schön, die bisher gesehenen Orte und künstlisch angelegten Feriensiedlungen sind es nicht. Aber es gibt, und dies ist wirklich dem Gründer Karim Aga Khan geschuldet, keine hässlichen Hochhäuser, sondern nur viele, halt künstlich angelegte Ferienhaussiedlungen.

    Außerdem nerven hier an dieser Millionärsküste die riesigen Motoryachten, die oft und leider auch sehr zahlreich, rücksichtlos und sehr dicht mit großer Heckwelle unser Schiff passieren. Die Krönung war eine fette amerikanische Motorpratze, die im Fahrwasser kurz vor Olbia unser Schiff dermaßen zum Schaukeln und mich auf die Palme gebracht hat. Absolut rücksichtslos, über 5000 PS, aber kein Funken Verstand. Ärger…

  • Zwei verlockende Einladungen…

    imageinnerhalb von zwei Tagen, von denen wir nur eine angenommen haben. Dazu gleich mehr, jetzt erst mal ein paar Worte zum Wind, der leider immer noch heftig unablässig durch die Bucht pfeift. Genauso wie vorhergesagt, stark böig in Landnähe. Das Schiff ist ständig in Bewegung, dreht sich an der Ankerkette und krängt bei seitlichem Windeinfall.

    Die Fahrt mit dem Beiboot zu einem kleinen, 400 Meter entfernten Strand fühlt sich aufgrund der kurzen steilen Wellen an wie auf der Buckelpiste. Unser Gummiflitzer und wir werden dabei ganz schön durchgeschüttelt. Die eine oder andere Gichtfontäne findet ihren Weg zu uns.

    imageJetzt zur ersten und gestrigen Einladung. Eine Charterbootcrew, bestehend aus zwei russischen Familien mit Kindern, hatten ein Problem mit einer Leine (Spinnakerfall), die sich mehrfach und in unerreichbarer Höhe um den Mast gewickelt hatte. Mit Rat, Tat und geliehenem Bootsmannstuhl war das kleine Problem schnell behoben und der erste Whisky als Dank im Glas. Doch damit nicht genug, Cornelia und ich werden gleich zum Abendessen an Bord eingeladen.
    Alle, auch die Kinder sprechen englisch. Nach der Vorstellungsrunde, wir mussten uns sechs Namen merken, die nur zwei gab es, wie könnte es auch anders sein, erst mal ‘ne Rund Wodka. Russische Tradition, wurde uns erkärt und mit dem zweiten Wodka gab es dann eine leckere Suppe. Suppe gibt es zu jedem Anlass und zur Suppe gehört natürlich Wodka dazu, ebenfalls russische Tradition. Die Hauptspeise war sehr sehr lecker. Es gab dünnes Rindfleisch in Ei gebacken, dazu Käse mit Knoblauch angemacht und matürlich ein Wodka, wegen der Tradition. Danach haben wir uns zumindest von dieser Tradition verabschiedet und sind auf Bier und Wein umgeschwenkt, war nicht ganz leicht, die Überzeugungsarbeit. Danach folgte ein gegenseitiger Informationsaustausch über das “Woher und Wohin”. Beide Familien kommen aus Moskau und segeln seit einigen Jahren immer mal wieder im Mittelmeer, an wechselnden Orten. Die Kinder, auch die 7-jährige, lernen Englisch als erste Fremdsprache in der Schule, der 10-jährige Junge lernt auch deutsch. Unsere russischen Sprachkenntinisse sind leider nicht vorhanden. Die Zeit und der Abend schreiten schnell voran, Nico muss nochmal Gassi gefahren und geführt werden, der Abschied herzlich. Ziemlich müde von Sonne, Seeluft und vielleicht auch von der russischen Tradition geht es schnell in Bett.

    Heute haben wir dann mal ganz konsequent so gut wie nichts gemacht, nur gelesen und gefaulenzt. Am Abend kam ein kleines Motorboot längseits und man lud uns ein, Diesmal nicht zum Essen oder Trinken, sondern um an einer Regatta teilzunehmen, die am Donnerstag stattfindet. 500 Segelschiffe hätten im letzten Jahr teilgenommen, eingeteilt in verschiedene Klassen, inklusive großer Feier am Abend. Diese Einladung werden wir aus- oder besser gesagt in den Wind schlagen. Erstens kommt einen Tag vorher Larissa, zweitens wiill ich mir das Gedränge an der Startlinie bei 500 Schiffen lieber nicht vorstellen. Nicht, dass noch jemand im Adrenalinregattarausch unsere HEXE beschädigt. Nee, nee, die Feier dann mal lieber ohne Meier, oder so ähnlich. Jetzt, zu später Abendstunde hat der Wind nachgelassen und wir genießen die Ruhe, ausgestreckt im Cockpit sitzend.

    Vom Ufer her wehen italienische Schlagerklänge zu uns, schade, es gibt doch so schöne Musik!

  • Kühle Füße

    Milchig gelb scheint die Sonne durch die hochstehenden Zirrenwolken, an ihrem unteren Rand hat sich ein Halo gebildet. Bonifacio liegt achteraus und verschwindet langsam hinterm Horizont. Das Barometer ist in der Nacht 5 Striche gefallen, alle Zeichen stehen auf Wetterverschlechterung.

    Ein Fels wie ein Bär, kurz vor Palau
    Ein Fels wie ein Bär, kurz vor Palau

    Unter dem Einfluss eines beständig zunehmenden Westwindes haben wir unseren Kurs auf das östlich von uns liegende Magdalenaarchipel abgesetzt. Diese Ansammlung von Inseln im Nordosten von Sardinien soll besonders für Segler sehr reizvoll sein und bietet gefühlt unendlich viele gut geschützte Ankerbuchten. Die Fahrwasser schlängeln sich durch ein Inselwirrwarr, fast wie in den schwedischen Schären. Immer stärker wird der Wind, treibt uns und das Schiff voran. Schon nach wenigen Stunden mit sportlichem Segeln liegt die Einfahrt in das Archipel vor unserem Bug. Mehrere Kurswechsel hintereinander sind notwendig, eine Halse folgt der nächsten, kreuzende Segel- und Motoryachten machen unser Leben nicht leichter, voll ist es auf dem Wasser. Mit italienischer Freundlichkeit wird gewunken, wir grüßen zurück, man kommt sich nah, aber nicht bedrohlich. Cornelia plottet unseren Kurs mit, wir folgen den vorher festgelegten Wegepunkten. Wellen gibt es so gut wie keine, viele Inseln halten diese ab, man wähnt sich fast auf größeren oder kleineren Binnenseen. Ein kleiner Abstecher führt uns in einen kleinen Hafen hinter Palau, der Wassertank ist nur noch eindrittelvoll und wir wollen die nächsten vier Tage vor Anker liegen. Ca. 200 Liter Trinkwasser fließen durch den dünnen Schlauch in unseren Wassertank, ein Vorgang, der gut und gerne 15 Minuten dauert. Cornelia spaziert in der Zeit den Hund. Danach legen wir flott ab, ein Italiener möchte an der gleichen Stelle seine Großfamilie zum Tagesausflug mit dem Motorboot einladen.

    Kurze Zeit später fällt unser Anker im “Golfo delle Saline”, gräbt sich ganz tief in den Sand ein, wir liegen fest. Das mit dem Festliegen ist dann auch von großem Vorteil, denn für die nächsten Tage ist Wind angesagt, sehr viel Wind. Bis zu 65 Stundenkilometer. Heute hatten wir da schon einen Vorgeschmack von, Böen bis Windstärke 7 pfiffen durch unser Rigg, das Schiff hing zerrend an der Ankerkette, doch beides hielt, der Anker im Ankergrund die Kette an sich. Wir liegen ganz nah bei einem Campingplatz, gestern Abend haben wir dort mit Nico mal eine Runde über den Platz gedreht und das Camperleben bestaunt. Heute Morgen hat der kleine Campingsupermarkt mit frischen Brötchen gelockt. Ansonsten gibt es “nur” schöne bergige karge Landschaft, eine Feriensiedlung mit Ferienhäusern, einge Strände, aber keine richtige Ortschaft. Es stellt sich dem Auge des Betrachters nicht so viel in den Weg.

    Die Wetterstörung soll bis Montag anhalten, wobei am Montag gleichzeitig der stürmische Abschluss dieser Turbulenz sein soll. Ab Dienstag sind wir in der Marina in Olbia, haben dort schon mal einen Liegeplatz vorreserviert. Larissa kommt uns für eine Weile besuchen. Im Moment blitzt es in den Bergen rund um uns, unser Windgenerator hat Hochbetrieb, es weht kräftig. Gewitter, diese Urgewalt der Natur, an Land ein faszinierendes Wetterphänomen, auf dem Schiff gefühlt bedrohlich/unheimlich irgendwie. Heute war der erste kühle Tag seit Wochen, ich habe dünne Socken und ein langärmeliges Shirt an. Die Sonne ist fast den ganzen Tag hinter dicken Wolken verschwunden.

    Wir haben Günther aus Heidelberg kennengelernt, der durchkreuzt seit mehr als 10 Jahren das Mittelmeer mit seinem Segelschiff und genießt das Herumtingeln auch nach dieser langen Zeit immer noch sehr. Für ein bis zwei Monate im Jahr ist er in Deutschland, ansonsten unterwegs. Es gibt viel zu erzählen und auszutauschen, auch mal wieder Bücher. Lesestoff steht hoch im Handel bei Reisenden.

    Aus aktuellem Anlass, noch der Endstand nach dem ersten Spiel in der Bundesliga: Darmstadt 98 gegen Hannover 96 2:2, ein gelungener Bundesligauftakt der Darmstädter Equipe (leider hat ein Eigentor den Sieg vermasselt, aber das bringt Glück!). Nächstes Wochende geht es gegen Schalke. (Hallo Emil, hallo Jürgen)!

  • Funkkontakt

    Die Bucht von Tizzano
    Die Bucht von Tizzano

    Wieder einmal mehr hieß es gestern: Leinen los, nicht mit Auslaufmusik und lauten Tuuuut-Tönen wie bei den Kreuzfahrtschiffen, die jeden Tag Ajaccio an- und abends wieder auslaufen. Bei uns geht das leise, nahezu lautlos vonstatten, wenn man mal vom monoton-gleichmäßigen Tuckern unseres 40 PS-Borddiesels absieht. Der Diesel oder eiserne Gustav, wie er auch gerne unter Seglern genannt wird, ist in den letzten 12 Momaten exakt 215,4 Stunden gelaufen. Hört sich viel an für ein Jahr unter Segeln, und wenn ich alle paar Wochen mal auf den Betriebsstundenzähler schaue, wundere ich mich über die neu hinzugekommenen Stunden. Aber ein bisschen muss man die Arbeitszeit unseres “Gustav” relativieren. Bei jedem Einlaufen in einen Hafen läuft der Motor solange, bis die Leinen fest sind am Liegeplatz, jedes Ankermanöver, egal ob Anker auf oder runter, geschieht unter Zuhilfenahme des Borddiesels. Da kommt ganz schön was zusammen, hier mal ‘ne halbe Stunde, bis der Anker wie gewünscht liegt, da mal 40 Minuten bis in den Hafen. Aber es gibt natürlich auch und gerade im Mittelmeer viele Flauten und da haben wir in der Tat einige Seemeilen mit dem Motor zurückgelegt. Die Capitania vermerkt das fleißig im Logbuch und so wissen wir, wie hoch unser Motoranteil, bezogen auf unsere zurückgelegten Seemeilen ist.
    Gestern jedenfalls gab es einen schönen Segelwind von hinten und so wurde der “Eiserne Gustav” kurz nach dem Verlassen des Hafens zum Schweigen gebracht und die Segel haben den Vortrieb übernommen. Südostkurs lag an, die Straße von Bonifacio voraus. Mit 5-7 Knoten Fahrt ging es flott voran. Einige Schiffe kamen uns entgegen, zum Teil kreuzend (gegen den Wind segelnd) zum Teil motorend. Darunter auch ein großer Katamaran mit deutscher Fahne am Heck. Das Schiff hat mein Interesse geweckt, Cornelia auf dem AIS nach dem Bootsnamen geschaut und kurze Zeit später hatten wir einen regen Funkkontakt über UKW – mit dem Eigner der Jonathan. Der Katamaran ist mit seinem stolzen Eigner schon einmal um die Welt gesegelt, hat dabei Kap Hoorn und das Kap der guten Hoffnung gerundet, ist jetzt auf dem Weg zum Ausgang des Mittelmeers und danach soll es In Richtung Grönland gehen. Mehr als 47.000 Seemeilen liegen im Kielwasser des Katamaran “Jonathan”. Nach einer Weile war das Wichtigste ausgetauscht, gegenseitig gut Wünsche für die Weiterreise ausgesprochen und mit einem “Over and Out” die Funkrunde beendet.

    Ptivatstrand in der Bucht
    Ptivatstrand in der Bucht

    Kurz darauf lag die fjordartige Bucht von Tizzano vor unserem Bug. Der Anker fällt auf 5 Metter Wassertiefe in das blaue Nass, gräbt sich nach einer Weile in den sandigen Ankergrund, der Motor verstummt, angekommen. Der übliche Rundumblick – Berge, Strand, Ortschaft in nächster Nähe, alles sieht gut aus, Zeit für einen Sprung ins 24 Grad warme Mittelmeerwasser. Abends grillt der Lotusgrill Rinderfilet und Hähnchenteile, Bier und Wein sind gut gekühlt, die Außentemperatur mit 26 Grad sehr angenehm. Danach noch mit Hund und Beiboot ans Land, ein Wein für Cornelia, ein Eis für mich, dabei die Füße im Sand.
    Danach zahlreiche Sternschnuppen mit langgezogenem Schweif beobachtet, dunkle Neumondnacht, die Milchstraße und endlos viele Sterne über uns. So viele Eindrücke machen müde, Zivilisationsgeräusche gibt es außer einem in der Ferne bellenden Hund keine – stille Nacht.

  • Das Straßenbild…

    wird jetzt nicht mehr von Ferraris, Bentleys, Bugattis oder anderen Luxusschlitten wie an der Cote d’Azur dominiert. Sozusagen zurück zur touristischen Normalität, auch die millionenschweren Megayachten trifft man in oder auf Korsika nur selten. Die Flagge am Heck der normal großen Segelschiffe ist überwiegend “Bleu Blanc Rouge”, oder italienisch “Verde Bianco Rosso”. Andere Gastyachten sind eher selten im Hafenbild vertreten.

    Wir warten im Moment noch immer auf das Gewitter, das eine Wetteränderung für die nächsten Tage einläuten soll. Wir liegen sicherheitshalber im gut geschützten Hafen “Tino Rossi” (ja, dem Schlagersänger ist ein Hafen gewidmet), dem nächsten Hafen zum historischen Zentrum. Die Altstadt von Ajaccio ist ganz dicht bei, eher klein aber fein, und daher schnell entdeckt und erwandert. Platte Füße bleiben aus, das Gefühl, sich zuhause auf bekanntem Terrain zu bewegen, stellt sich so schnell ein.

    Ajaccio ist nicht nur die Geburtsstadt von Napoleon, sondern in der heutigen Zeit ein wichtiger Ausgangspunkt für Mittelmeerfähren aus Frankreich und moderne Kreuzfahrer. Das Geburtshaus von Napoleon steht mitten in der Altstadt, arbeitnehmerfreundliche Besuchszeiten haben bisher einen Besichtigung unserserseits vereitelt, aber wir bleiben dran. Das Nacht- und Tagleben in dem kleinen Stadtkern ist wuselig und lebhaft. Die Außenbezirke sind so, wie man französische Außenbezirke kennt und erwartet. Nur vom Wasser aus sind diese Wohnsilos sichtbar. Aber irgendwohin muss auch so eine kleine Stadt rational wachsen können.

    Cornelia hat sich heute der Kunst zugewandt. Im Museum Fesch gibt es eine großartige  Sammlung italienischer Meister vom 15. – 18. Jahrhundert, die Kardinal Fesch, ein nur unwesentlich älterer Onkel Napoleons, als Kardinal zusammengestellt hatte, und die nach seinem Tod an die Stadt Ajaccio fiel. Sogar ein wunderschönes Gemälde von Botticelli und eine Studie von Tizian gehören zu der Sammlung. Wohltuend waren die mitten in die alten italienischen Meister eingestreuten hervorragenden, modernen Arbeiten kubanischer Künstler, ausgesucht stets passend zum Motiv des jeweiligen Saales, wirklich eine sehr interessante Ausstellungsarchitektur.

    Ich bin derweil einigen Schäkeln und Beschlägen mit Edelstahlpolitur zu Leibe gerückt und habe deren beginnende Korrosion erfolgreich beseitigt. So hatte jeder seine Erfolgsmomente an diesem heißen Sonntag. Nur eine Frage bleibt am Ende des Tages. Kann uns bitte mal jemand erklären, warum Industriewaschmaschinen so schlecht waschen müssen? Die Flecken bleiben drin, bei der Art von Waschmaschinenwäsche. Nur der Geruch der Kleidung ist besser. Sonst ist alles gut an Bord, Korsika ist ein echter Volltreffer. Wenn die Wetterküche weniger heftig köchelt, geht es weiter nach Bonifacio, der Südspitze von Korsika und dem Absprungsort nach Sardinien.