Autor: Skipper Volker

  • Hafenfest in Cannes

    Noch bevor die Sonne untergeht, geht das Hafenfest los
    Noch bevor die Sonne untergeht, geht das Hafenfest los

    Was für ein Glück, wie lieb von den Franzosen. passend zu unserer Rücklehr haben die doch glatt ein Hafenfest organisiert. Heute Morgen sind wir ganz zeitig aufgebrochen, irgendwie war ich früh wach und habe auch Cornelia mit meiner Unruhe angesteckt und geweckt. So waren wir schon vor neun Uhr beim Boot. Nach dem Zwischenstopp bei Nina und Thierry zum Abendessen im “Mas des Gres” (darüber berichten wir demnächst detailliert, die Speisekarte zum Appetit machen gibt es unter http://www.masdesgres.com/blog/) war es auch nicht mehr ganz so weit. 260 Kilomteter sind es von Isle de la Sorgue nach Cannes. Freie Fahrt, freie Autobahn, leider nur ein total ausgeglühter Tanklaster, der eine Böschung heruntergekippt ist. Das Führerhaus eingedrückt, wir wissen nicht, was mit dem Fahrer ist. Das Schreckenszenario hat mich angepackt.

    In Cannes dann Sonnenschein, Meer, blauer Himmel und unser Schiff. Vertraute Umgebung. Erstmal habe ich alles, bepackt wie ein Muli, zum Schiff geschleppt, drei Gänge waren notwendig. Cornelia hat derweil das Auto gehütet, weil das im eingeschränkten Halteverbot gestanden hatte. Danach alles einrämen, verstauen, Kühlschrank einschalten und auffüllen, Sonnenschutz übers Cockpit spannen, Frisches einkaufen, Nittagessen statt Frühstück und dann ein langer Mittagsschlaf. Angekommen. Am späten Nachmittag sind wir für ein ausgiebiges Schwimmen (für Cornelia) im mittlerweile angenehm warmen Meer und zum Sonnenbaden (für Volker) an den nahegelegenen Strand gepilgert.

    Die Marching Band macht sich bereit
    Die Marching Band macht sich bereit
    Was alles auf so ein Fahrrad passt!
    Was alles auf so ein Fahrrad passt!
    Jean am Bass in der ersten Band
    Jean am Bass in der ersten Band

    Seit 19 Uhr steppt im wahrsten Sinne des Wortes die Luzie. Das Motto des Hafenfestes sind die 50er und 60er Jahre. Rock ‘n’ Roll auf der großen Bühne, drei Livebands spielen dort. Durch die gesperrten Straßen läuft eine Marching Band, Künstlerinnen auf Stelzen mit Petticoat bekleidet, drei junge Männer mit einem Fahrrad, auf dem auch ein Klavier und ein Schlagzeug Platz gefunden haben.

    Die Marching Band macht sich bereit
    Die Marching Band 
    Die Twistgruppe in Action…
    Die Twistgruppe in Action…
    … auf der Straße
    … auf der Straße

    Es gibt eine Tanzgruppe, die den Twist auf hohem Niveau darbietet – ein Genuss für die Zuschauer, Hochleistungssport für die Tänzer.

     

    Ein Selfie geht auch, wenn nicht gepost werden muss
    Ein Selfie geht auch, wenn nicht gepost werden muss
    Ein Chevrolet Bel Air, der Traum vieler Männer
    Ein Chevrolet Bel Air, der Traum vieler Männer
    Toys for Boys
    Toys for Boys

    Und für die Freunde alter Autos stehen schöne amerikanische Schlitten zum Anschauen, mit charmanten “Pin-up-Girls”, die dazu posen.

    Soccer im Holzofen gebacken
    Soccer im Holzofen gebacken

    IMG_0338Für den kleinen Hunger gibt es  “Soccer”, sieht aus wie Eierkuchen, wird salzig oder süß gegessen, oder Fish ‘n’ Chips oder Eis oder Waffeln, und die Restaurants rundum profitieren auch von der Menge.

    Aus 25 Meter Höhe springt Igor in dei Nacht
    Aus 25 Meter Höhe springt Igor in dei Nacht
    Einer springt als brennende Fackel
    Einer springt als brennende Fackel

    Es gab aber auch Artisten – besser gesagt eine Turmspringergruppe, die aus bis zu 25 Meter Höhe in ein kleines, nur 2,70 Meter tiefes mit Wasser befülltes Becken gesprungen sind – atemberaubend ( Jens, dabei habe ich an Dich und deine Turmspringkünste gedacht. Das hätte Dir gefallen!). Der letzte Auftritt war um 22:45 Uhr, da ist Igor tatsächlich in dunkler Nacht aus 25 m Höhe in das kleine Becken gesprungen, Gänsehaut pur!

    Ein gelungener Abend. Jetzt sitzen wir im Cockpit, wird wohl eine lange Nacht. Die letzte Band wird um 23 Uhr aufspielen, die Hexe liegt Luftlinie vielleicht 150 Meter von der Hauptbühne weg. Eine Nacht zum Feiern, Schlafen geht auch später. Und mitten in der letzten Band gibt es ein großes Feuerwerk, das aber anscheinend nichts mit dem Hafenfest zu tun hat. Danke Cannes, für die Begrüßung!

    Und Künstler aller Art stellen ihre Kunst aus, skurrile Fotos, gemalte Bilder, Handwerkskunst, großartig (zum Vergrößern einfach anklicken).

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  • Wie die Zeit vergeht!

    Geburtstag gefeiert, Ersatzteile besorgt. Persenning repariert, die Steuer geregelt. Und endlich kommt auch der Sommer im Südwesten Deutschlands an. Gestern blieb das Quecksilber noch bei külhen 18 Grad stehen und heute haben wir locker die magische 25-Grad-Marke überschritten. So muss es sein, jeder sehnt sich danach, endlich Wärme im „Norden”, Biergartenwetter. Das haben wir gleich ausgenutzt und unseren vorerst letzten Abend im “Grohe” verbracht. Das  “Grohe” ist die Darmstädter Brauhauslegende, frischgebrautes Bier, älteste Gaststätte der Stadt und ein Biergarten mitten im Stadtzentrum. Dazu das passende Essen, frisch zubereitet, ein  Besuch, der sich lohnt. Der Biergarten ist entsprechend gut besucht, man kennt sich, man sieht sich. Darmstadt, wie es leibt und lebt.

    Morgen geht es für uns uns zurück zum Schiff, aber nicht, ohne einen kleinen Zwischenstopp. Eine Nacht wollen wir in der Nähe von Avignon verbringen. Bei unseren Freunden , Nina und Thierry, in deren wundervollem Hotel de Charme. Ganz nahe bei dem bezaubernden Ort “Isle sur la Sorgue”, liegt das Mas de Gres, ruhig gelegen, eingerahmt von Feldern. Ein Hotel, oder besser gesagt, ein Platz zum Wohlfühlen, zum Genießen und sich gehen lassen. Jedes Zimmer ist anders eingerichtet, immer liebevoll, mit viel Geschmack. Das Abendessen nehmen alle Hotelgäste im gemütlichen Speisesaal ein. Es gibt immer ein 3-Gänge-Menü, der Küchenchef bestimmt den täglich wechselnden Speiseplan. http://www.masdesgres.com/de/

    Samstag früh geht es auf die letzten 400 Kilometer zum Meer, nach Cannes und zu unserer Hexe.

    Korsika steht auf unserem Reiseplan. Einsame Buchten im Westen, Sandstrand im Osten, über 2000 Meter hohe Berge, reizvolle Orte, ein anspruchvolles Seestück warten auf uns.

    Wer einmal  die Möglichkeit hat, Korsika zu entdecken, dem möchte ich die Fahrt mit der Bahn von Calvi nach Bastia ans Herz legen. Beinahe vier Stunden braucht der Zug für die ca. 120 Kilometer lange Strecke. Serpentinenartige Kurven, steile Steigungen sind nur zwei Höhepunkte dieser einzigartigen Bahntrasse.

  • Wieder DA

    Ein alter Flieger fliegt darüber
    Ein alter Flieger fliegt über den Ankerplatz

    Was für ein schöner Ankerplatz, eingerahmt von zwei Inseln, nach Osten geschützt durch die Küste und die Bucht von Cannes. Nur wenn es heftig aus Südwest weht, wollen wir dort nicht sein. Keine schützende Küste gebietet dann den Wellen und dem Wind Einhalt. Aber mühselig, jetzt im mediterranen Sommer darüber nachzudenken. Unsere Hexe hängt mitsamt ihrer Ankerkette träge über ihrem Anker.

    IMG_5303Die Sonne spiegelt sich auf der unbewegten Meeresoberfläche, alles rundherum ist blau, hellblau, leicht azur, dunkelblau bei tieferem Wasser. Nur der sandige Ankergrund und die Sonne bieten eine farbliche Abwechslung ins Gelbe. Kein Windhauch bewegt die Wasseroberfläche. Manchmal dringt das Stimmengewirr der Besatzungen von anderen ankernden Schiffen zu uns und ganz selten ist ein Bootsmotor von weit entfernt vorbeifahrenden Schiffen zu hören. So eine himmlische Ruhe gibt es, nur ca. 10 Minuten von dem quirligen Cannes entfernt, unglaublich. Daran haben auch die letzten 30 Jahre nichts geändert, der gleiche Ankerplatz, die gleiche Kulisse, die gleiche Ruhe. Es gibt sie noch, Gottseidank, diese magischen Plätze, wo die Zeit anscheinend stehen geblieben ist. Man wandelt auf dem einen oder anderen Pfad der späten Jugend und ist im Hier und Jetzt zugleich, alles wohlvertraut und bekannt.

    Kulissenwechsel

    Das erste Essen in der Heimat: Sushi in der Heinrichstraße
    Das erste Essen in der Heimat: Sushi in der Heinrichstraße

    Während ich diesen Bericht schreibe, trommelt der Regen auf unser Dachfenster, nicht auf die Luke. Es ist 13 Grad kalt, draußen. Im Heizungskeller verrichtet die Gasheizung ihren Dienst, gut so. Denn wir sind seit ein paar Tagen im noch recht kühlen Darmstadt. Der Anlass: Larissa wird 20, das muss gefeiert werden. Ist es doch für sie der Start in ein neues Lebensjahrzehnt, das kommt nicht so oft vor. Aber auch für mich, bzw. uns ist es ein guter Zeitpunkt, einmal die letzten 20 Jahre Revue passieren zu lassen. Und so reden wir über ihre Geburt, ihren ersten Schultag, das erste Voltigiertraining und über viele andere (gemeinsame) Erlebnisse.

    IMG_5310Die Hexe liegt  währenddessen hoffentlich wohlbehalten im gut geschützten und gesicherten Hafen von Cannes.  Aber auch fernab vom Schiff stehen mal wieder Unterhalts-, bzw. Reparaturarbeiten an. Im März ging der Reißverschluss der Vorsegelpersenning kaputt. Die Notreparatur hat nicht wirklich gut gehalten, der Reissverschluss lässt sich nicht mehr einfädeln. 18 Meter Reißverschluss müssen ausgetauscht werden. Das bedeutet, eine endlos lange Naht aufzutrennen und Garnreste zu zupfen, ein Geduldsspiel.

    IMG_5326Doch jetzt ist die Segelpersenning klar, um morgen vom Fachmann, oder besser der Fachfrau, einen brandneuen und hoffentlich stabileren Reißverschluss eingenäht zu bekommen. Wir haben gemeinsam ein wetterfestes Kunststoffmodell mit großer Widerstandskraft und UV-Stabilität ausgesucht. Wenn alle vollmundigen Werbeversprechen des bekannten Herstellers zutreffen, geht zumindest an dem Reißverschluss nie wieder etwas kaputt.

    In ein paar Tagen geht es dann wieder ab in den Süden, der Sonne hinterher. Verdrehte Welt, sind wir hier, sehnen wir uns nach dem Schiff. Sind wir auf unserer Hexe, vermissen wir unsere Familie und unsere Freunde. Man kann leider nicht alles haben und auch nicht alles unter einen Hut bringen. Ist halt so!

  • Der Teufel trägt Prada???

    IMG_5123So heißt der Film mit Meryll Streep, in dem sie als ehrgeizige und eher gnadenlose Chefin  einer weltbekannten Modezeitschrift auftritt. Mit einem Hang zur Extravaganz, ausgestattet mit teurer Pradakleidung, werden die Mitarbeiter von der Chefredakteurin ständig schikaniert und rumkommandiert. Ganz anders die Atmosphäre auf der Flaniermeile, der sogenannten Croisette, in Cannes.

    IMG_5140 IMG_5134 IMG_5129Ein Mode- und Schmuckgeschäft reiht sich an das andere. Bulgari ist vertrteten, direkt nebendran bietet Louis Vuiton seine neuesten Taschenkreationen feil, Dior bietet Mode im 5-stelligen Euro-Bereich zum Verkauf an. Und ganz am Anfang dieser berühmten Einkaufsstraße ist die Ware von Prada zu bestaunen. Da kostet dann das Abendkleid für die Liebste schon mal 10.000 Euro. Aber angesichts der Uhren- und Schmuckpreise von Choppard ist das eigentlich schon wieder ein Schnäppchen.

    IMG_5135 IMG_5130 IMG_5125Da geht dann nichts mehr unter 40.000 Euro. Wenn man Prada und den Teufel in Verbindung bringen will an der Croisette, dann höchstens in Form der bedruckten Preistafeln mit den teuflisch hohen Summen. Und deswegen muss die Kundschaft und die Ware von Sicherheitsdiensten bewacht werden, von Kerlen mit erstaunlich breiten Schultern. Und da soll einkaufen noch Spaß machen? Wir sind da mal ganz schnell und elegant vorbei geschlendert. Hatten jedenfalls unseren Spaß, u.a. weil die Kollektion von Gucci das Thema Bayern und Trachten aufgegriffen hat. Ziemlich kreativ, aber eben auch Geschmackssache, weil alles an den altbekannten Trachtenlook erinmert. Leider sind diese Photos auf der Datenautobahn verloren gegangen, oder hatte doch der ( Fehler)-Teufel seine Hand im Spiel???

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    Die Rich-Dog-Reisetasche
    Die Rich-Dog-Reisetasche

    Auf dem Rückweg in der zweiten Reihe haben wir einen Laden mit modischem Hundeschnickschnack gefunden. Nico hat bloß die Nase gerümpft und das Bein gehoben. Das Label hieß “Rich Dog“. War jdenfalls nicht ganz sein Geschmack.

    Abends gab es, mit David, einem englischen Segler-Kollegen noch einen kleinen Ausflug ins Irish-Pub und wir sind zufällig in ein Pubquiz gestolpert. Elf Teams sind gegeneinander angetreten, um ihr Wissen in verschiedenen Kategorien unter Beweis zu stellen. Da wir uns leider nicht mehr selbst als Rate-/Quizmannschaft anmelden konnten, haben wir die drei Jungs vom Nachbartisch tatkräftig mit unserem Wissen unterstützt. Nur in der Filmkategorie mussten wir  passen, der letzte Kinobesuch liegt schon mehr als ein Jahr zurück. Die drei jungen Herren sind auf dem 6. Platz gelandet, da ist noch reichlich Luft nach oben.

    Ich wusste gar nicht, dass Darmstadt und Cannes verschwistert sind…
    Ich wusste gar nicht, dass Darmstadt und Cannes verschwistert sind…

    Heute hatten wir dann den ersten Regen seit über drei Wochen, aber das waren nur die berühmten Tropfen auf den heißen Stein. Windböen bis 40 Knoten pfiffen durch das große Hafenbecken und ließen die Schiffe munter an ihren Leinen tanzen.Die Temperaturen sind in den moderaten 20-Grad-Bereich gefallen. Da hat man gleich Lust, mal wieder etwas Deftiges zu kochen. Auf die Töpfe, fertig los: Schnitzel mit Kartoffelbrei gab es, lecker. Und danach einen schönen kleinen eisgekühlten Jägermeister. Deutscher Abend:-)

    Morgen geht es dann wieder in den Pub zum Länderspiel Deutschland gegen Gibraltar, ein EM-Qualifikationsspiel. Und damit nicht alle denken, wir drehen hier nur Däumchen (was natürlich manchmal stimmt) war gestern mal wieder Reparaturtag. Die 12-Volt-Steckdose im Cockpit war durch das aggressive Meeressalz vollständig korrodiert. Es hat über eine Stunde und ganz viel WD-40, ein Schmiermittel, gebraucht um das defekte Teil instand zu setzen. Jetzt ist Wochenende, und dass es recht schön wird, in jeder Hinsicht, wünschen wir allen Freunden, Bekannten, Verwandten und auch den unbekannten Lesern unseres Blogs.

  • Sommer, Sonne, (Traum)-Insel!

    IMGP0008Cornelia: Nach den im letzten Bericht beschriebenen drei Tagen vor Anker kommt langsam das Paradies-Gefühl bei mir an. Morgens, vor oder nach dem Frühstück, schwimmen im kristallklaren Wasser, frisches Baguette zum Frühstück, von dem Hundespaziergänger mitgebracht (das Allerbeste ist, dass, Volker so gerne mit dem Schlauchboot fährt, er freiwillig morgens mit dem Hund geht, hihi). Später kommt das Sonnensegel übers Cockpit, wieder schwimmen, lesen, nachmittags ein kleiner Ausflug mit dem Schlauchboot, zur Marina oder zum Strand oder in den Wald, Abendessen, ein letzter Hundeausflug zum Land.

    IMGP0010Volker: Insgesamt sechs Tage haben wir Porquerolles an drei verschiedenen Ankerplätzen genossen, die einzigartige Landschaft, die Vegetation und auch die guten Versorgungsmöglichkeiten. Wir haben unsere leeren Gasflaschen gegen volle gewechselt, die Tauchflasche befüllen lassen und genügend Grillfleisch, Wurst, Gemüse und Obst gebunkert. Denn auf der nächsten Insel gibt es fast keine Einkaufsmöglichkeiten.

    Gestern hieß es dann Abschied nehmen und “Anker auf”. Viele machen dabei den Motor an, motoren langsam zum Anker hin, während dabei die elektrische Ankerwinsch die Kette und den Anker aufholt. Wir haben das ganz leise und klassisch ohne Motor vollbracht. Also zuerst das Großsegel im Wind stehend gesetzt, dann langsam die Ankerkette aufgeholt und mit backstehendem Vorsegel (das Vorsegel gegen den Wind gehalten und dadurch das Boot in die gewünschte Richtung gedreht), Fahrt aufgenommen und den Kurs auf Port Cros abgesteckt.

    IMG_0196Der Wind hat in die Segel gegriffen und unsere Hexe auf sieben Knoten beschleunigt. Das blaue Meer strömt dabei geräuschvoll an unserem Rumpf entlang und bildet eine schöne Bug- und Heckwelle aus, in den sich die Sonnenstrahlen wild glitzernd spiegeln. Segeln vom Feinsten.

    IMG_0209Da Port Cros aber nur zehn Seemeilen von Porquerolles entfernt ist, währt die Freude am Segeln nicht ganz so lang und wir sind schneller am Ziel als gewollt. Schnell noch die Segel geborgen und einen schönen Liegeplatz nahe an einer Felswand an einer Mooringboje gesucht und gefunden. Vor Port Cros liegen sogenannte Mooringbojen aus. Das sind durch schwere Grundgewichte und Ketten gesicherte Bojen, an denen man mit dem Schiff sicher festmachen kann. Mooringbojen haben gegenüber dem Ankern den Vorteil, dass der Meeresgrund mit seinen Pflanzen und Riffen nicht durch schleifende Ankerketten oder Anker beschädigt wird.

    IMG_0208Port Cros ist ein Idyll, man wähnt sich in der Karibik, der kleine Ort mit seinen wenigen Häusern duckt sich an den Bergrand und über allem wacht das Fort. Vor dem Ort liegt die malerische Bucht, in der wir liegen.  Port Cros ist ein Paradies für Taucher und Wanderer. Man braucht ca. vier Stunden, zu Fuß, um das ganze Eiland zu umrunden. Es gibt eine kleine Inselkirche, eine ganz kleine Grundschule, vier Restaurants, teilweise mit Zimmervermietung und einen Anbieter von geführten Tauchausflügen. Zu den drei Badebuchten mit Sandstrand führen felsige Trampelpfade. Es gibt keinen Massentourismus und wenn abends die letzte Festlandfähre abgelegt hat, wird es ganz ganz ruhig auf Port Cros.

    Basteln der Taucherflagge…
    Basteln der Taucherflagge…
    … sieht doch gut aus, oder?
    … sieht doch gut aus, oder?

    Die Insel und das Meer rundherum sind seit ein paar Jahren Nationalpark. Wer tauchen will, muss sich einschreiben, bekommt ein paar naturschonende Verhaltensmaßregeln an die Hand gedrückt und wird freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen die Taucherflagge “Alpha” aus dem internationalen Flaggenalphabet mit sich zu führen. (Die haben wir dann aus Segeltuch und Kleber selbst gebastelt und stolz dem Ranger gezeigt, der sie für gut befunden hat.)

    IMG_5017Nico darf nur auf bestimmten Wegen mit uns und an der Leine spazieren gehen. Wahrscheinlich “muss” es, da die Insel nun den Status des Nationalparks hat, solche Regeln geben und natürlich Menschen, die diese dann überwachen. Wir haben zumindest schon drei uniformierte Leute gesehen, mit respekteinflößenden Abzeichen, auf denen “Police Environmental” (Umweltpolizei) steht. Das war früher auf Port Cros anders. Da gab es keine Beschränkungen…

  • Wir liegen vor Porquerolles

    Leider zu verfallen, um besichtigt zu werden, das Fort auf der Petite Langoustier
    Leider zu verfallen, um besichtigt zu werden, das Fort auf der Petite Langoustier

    seit drei Tagen vor Anker, und ich mache jetzt mal den Versuch, unsere direkte und die ferne Umgebung zu beschreiben. Fangen wir mal mit dem Leichteren an. Unter uns befindet sich gut fünf Meter tiefes, klares blaues Mittelmeerwasser, mit hellem Sand als Ankergrund. Von Osten über Süd bis hin nach Südwesten können wir die Insel Porquerolles erblicken. Direkt an deren Küste wechseln sich felsige Abschnitte mit sandigen Buchten ab. Daran folgend steigt das Inselinnere teilweise steil, teilweise sanft empor. Von außen betrachtet, erscheint die Insel sehr grün mit niedrig wachsenden Hartlaubbüschen und höher aufsteigendem Kiefernwald. Vereinzelt wachsen auch Eukalyptusbäume, typisch für die Côte d’Azur. Westlich von unserem Ankerplatz sehen wir fast nur Wasser, ein beinahe ungetrübter Blick über das Meer, wäre da nicht das kleine Inselchen Île du Petit Langoustier, mit seinem verfallenen Fort im Weg. Aber der Blick auf diese kleine Insel hat natürlich auch was.

    Das alte Fort aus Richelieus Zeiten
    Das alte Fort aus Richelieus Zeiten

    Wenn wir dann unseren Blick nach Norden schweifen lassen. sehen wir das Festland mit der Halbinsel “Presqu’Île de Giens” und nachts die Lichter von Hyères. Nach Nordosten ist unsere gut geschützte Ankerbucht offen, die Sicht übers Meer sozusagen unverbaut. So sieht sie aus, unsere Umgebung. Wir haben 20 Metter Ankerkette gesteckt, der Anker hat sich komplett in den Sandgrund eingegraben, nur noch der Ankerschaft ist vom Boot aus sichtbar. Das ist gut zu wissen, wir können so auf die volle Haltekraft unseres Ankers vertrauen. So muss es sein.

    knorrige Bäume an einer der schönsten Buchten von Porquerolles
    knorrige Bäume an einer der schönsten Buchten von Porquerolles

    Denn für ausgedehnte Landspaziergänge lassen wir unsere Hexe mutterseelenallein an ihrem Ankerplatz zurück und vertrauen auf den guten Halt des Ankers oder Grundeisens, wie Segler ihn gelegentlich auch nennen. Wenn es noch ein zutreffendes Synonym zur Beschreibung unserer Umgebung gibt, ist es das Wort “Ruhe”. Kein durch Autos, Maschinen oder sonstige Gräuschquellen erzeugter Lärm ist hörbar. Wir liegen wirklich ganz ruhig, nur manchmal hören wir, tagsüber, entfernte menschliche Stimmen vom Strand. Diese beinahe himmlische Ruhe gefällt uns sehr. Unsere beiden Solarpanele füllen am Tage unsere Batterien auf, es bleibt sogar genug Energie übrig, um die modernen Kommunikationsmittel wie IPad, Computer und Handy zu laden. Schöne neue Welt, diesmal nicht ironisch gemeint.

    Volker taucht ab
    Volker taucht ab

    Gestern habe ich meine Tauchausrüstung ihrem Bestimmungszweck zugeführt und einen Tauchgang unter und an unserem Schiff gemacht. Den kleinen Muscheln, die fest mit unserem Rumpf, dem Kiel und dem Antrieb verwachsen waren, bin ich mit einer Spachtel und Eifer zu Leibe gerückt. Jetzt ist unser ganzes Unterwasserschiff wieder spiegelglatt und sauber, ergo das Schiff auch wieder schneller;-)

    Sonnenuntergang vom Feinsten
    Sonnenuntergang vom Feinsten

    Abends haben wir den Sonnenuntergang hoch oben von einer Klippe aus bestaunt. Blutrot und flimmernd ging der geliebte Planet über einer Gebirgskette unter. Kurz danach erhellte der aufgehende Vollmond die Umgebung und unseren Rückweg zum Schiff.

    Der Mond geht über der Bucht auf
    Der Mond geht über der Bucht auf

     

     

    Kurzes Fazit, ankern spart nicht nur die Hafengebühren, es ist auch inspirierend und erholsam zugleich, zumal in einer so schönen Umgebung. Porquerolles und Port Cros sind zwei sehr schöne und abwechslungsreiche Inseln direkt vor dem Festland, die es wirklich wert sind, besucht zu werden. Île Port Cros wird die nächste Insel, die wir ansteuern werden und ist nur einen Katzensprung von Porquerolles entfernt, aber erst in ein paar Tagen, wir haben es nicht eilig.

     

    Der Ankerplatz vor dem Ort Porquerolles
    Der Ankerplatz vor dem Ort Porquerolles
  • Gegensätze

    Zuerst mal noch ein kleiner Nachtrag zu Marseille.

    IMG_4671 IMG_4670 IMG_4668IMG_4674Um die Stadt zu erkunden, sind wir einmal mehr stundenlang rumgelaufen, über fünf Stunden haben wir uns die näher gelegenen Stadtteile erschlossen. Besonders das nordfarikanische Viertel mit seinem Basar, den koscheren Metzgereien, den zahlreichen Obst- und Gemüseläden und sonstigen Haushaltswarenshops hat es uns angetan. Laut, lebendig und voll ist es dort. Unbekannte Sprachen, unbekannte Speisen und der Duft von unbekannten Gewürzen. Unsere Obstbestände haben wir aufgefüllt und können jetzt die ersten französischen Süßkirchen genießen.

    IMG_4686 IMG_4682 IMG_4681IMG_4662Das komplette linksseitige Hafenviertel mit der Börse, dem Prunkbau des Intercontinental Hotel, der alten Seefahrerkirche, außerdem die monumentale Festung an der Hafeneinfahrt mit angeschlossener neu erbauter Kunsthalle und noch eine weitere gothische Kirche standen auf dem Besichtigungsprogramm. Und das beste für alle Pub- und Kneipenfreunde, diese geliebten Freizeiteinrichtumgen liegen gerade mal einen Steinwurf entfernt vom Yachthafen. Über 800.000 Menschen aus gefühlt allen Kulturen der Erde prägen das Gesicht dieser quirlig-bunten Stadt.

    IMG_0170 IMG_0163 IMG_0161Und dann das krasse Gegenteil: Eine halbe Bootsfahrstunde vor Marseille beginnen die sogenannten Calanques, fjordartige Felsbuchten, die am Ende ganz eng zulaufen. Kalksandstein steigt steil vom Meeresgrund nach oben, mickrige Bäume krallen sich an den ansonsten kahlen Fels. Eine wahrhaft majestätische Landschaft, die ein Betätigungsfeld ist für Kletterer, Paraglider, Taucher, Wassersportler aller Couleur und erholungsuchende Badegäste am felsigem Badestrand, für alle zugleich.

    IMG_0157Wir haben in einer der Buchten geankert, unser Beiboot klargemacht und sind mit dem Hund auf Erkundungslandgang gegangen. Der Landgang war aber nur kurz, der felsige Strand war so von Kalkfelsen umzäunt, dass es von dort nicht weiter ging. Wir sind dann noch weitergerudert, der Mensch will erkunden.

    IMG_0172Am Schluss ging es zurück zum Boot, das einsam, aber fest verbunden an seiner Ankerkette, natürlich mit Anker, rumschaukelte. Beim Rollen des bauchigen Bootskörpers durch die leichte Dünung haben wir deutlichen Algen- und Muschelbewuchs gesehen und mit den Händen auch erfühlt. Deshalb segelte unsere Hexe eher verhalten langsam bei leichtem Wind, in den letzten Tagen! Dem bremsenden Umstand werde ich schnellstmöglich, tauchend und mit einer Spachtel bewaffnet, zu Leibe rücken.

    IMG_4748 IMG_4747 IMG_4736Danach ging es Anker auf, jetzt liegen wir in dem malerischen Küstenort Cassis, mittendrin statt nur dabei, mit bestem Ausblick auf die ganze Schönheit und das touristische Treiben. Tagsüber ist es konstant um die 25-27 Grad warm, dazu weht ab 12 Uhr immer eine leichte Seebrise, abends schläft der Wind ein, der Himmel ist tiefblau, ganz so, wie man das vom Mittelmeer her kennt und erwartet.

    Morgen gibt es mehr zu Cassis, wo der beliebte Likör aus schwarzen Johannisbeeren für Kir oder Kir Royal herkommt und wir segeln dann ein kleines Stück weiter nach La Ciotat.

  • Das war haarscharf

    Eines Geschichtenerzählers Geschichte…
    Eines Geschichtenerzählers Geschichte…

    In Cartagena haben wir so viele  Menschen aus der Seglergemeinschaft kennengelernt und zu einigen haben wir immer noch Telefon- oder Mail-Kontakt. So wissen wir, dass die australischen SeglerBarbie und Wayne mit ihrer Hanse im Moment auf Ibiza sind, ebenso wie das nette englische Seglerpaar Kevin und Liz. Viele von den Cartagena-Überwinterern wollen den nächsten Mittelmeerwinter in Ragusa / Sizilien verbringen. Ein anscheinend beliebter Hotspot bei Seglern mit zahlreichen Angeboten und Aktivitäten. So gibt es wohl Quizabende, Lagerfeuer am Strand, organisierte Ausflüge, einmal pro Woche wird gemeinsam gegrillt und zudem sind die Liegeplatzpreise sehr moderat.

    Mit Walt und Joy an dem schönsten Aussichtspunkt bei der Kathedrale von Beziers
    Mit Walt und Joy an dem schönsten Aussichtspunkt bei der Kathedrale von Beziers

    Gestern waren wir mit Walt und Joy unterwegs, einem super sympathischen Seglerpaar aus Amerika, die wir ebenfalls in Cartagena getroffen haben. Die liegen zur Zeit keine 40 Kilometer von uns entfernt, und gemeinsam haben wir Beziers erkundet. Wir waren zwar schon mal in dieser tollen alten Stadt, aber die ist es auch absolut wert, mindestens zweimal besichtigt zu werden. Das Auto haben wir in einer Tiefgarage geparkt.

    Endgeile Brillen nahe des Marktes in Beziers
    Endgeile Brillen nahe des Marktes in Beziers

    Auf dem Rückweg zum Auto lief uns eben dort ein ausgewachsener Kampfhunderüde ohne Leine und ohne Halsband über den Weg. Der war diirekt an unserem Nico interessiert und Nico hat den Kampfhund zu allem Übel auch noch angeknurrt. Ganz klar: Knurrender Nico und Kampfhundrüde werden niemals Freunde werden, bleibt nur die Flucht, oder?  Ich hatte Nico an der Leine und wollte nur noch schnell, bevor die Situation eskaliert in die Tiefgarage flüchten. Die vierbeinige Kampfmaschine wollte anscheinend auch dorthin und war die ganze Zeit dicht an Nico dran. Auch all meine Versuche, den aufdringlichen Hund mit Schreien und Tritten in dessen Magengegend zum Aufgeben zu bringen, haben nicht gefruchtet. Anscheinend kennt diese Spezies Hund keinen Schmerz. Nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir den Eingang zur Tiefgarage erreicht, auch die „Killerbestie” wollte sich durch die Stahltür in die Parkebene mit reindrängen. Gott sei Dank hat Walt ihm die Stahltür geistesgegenwärtig vor der Nase zugeknallt und ich bin, mit Nico im Schlepptau bzw, an der Leine, zum Auto gerannt. Wir sind dann zur Stahltür hingefahren und haben Walt abgeholt, der bis dahin die Tür heldenhaft geschlossen hielt. Egal wie, ich hatte noch nie Bock auf diese Sch… Kampfhunde und frag mich, was die Besitzer an solchen Mistviechern haben. Meiner Meinung nach gehören die verboten!  Das war haarscharf am Unglück vorbei und sowas muss ich nicht noch mal erleben Punkt. Das musste jetzt mal raus.

    So heftig sprudelt das Wasser in den neun Kammern
    So heftig sprudelt das Wasser in den neun Kammern

    Danach haben wir, erleichtert und geschockt zugleich, noch einen Ausflug an den nahe gelegenen Canal du Midi gemacht und dort die einzigartige Neun-Kammern-Schleuse besucht. Neun Schleusenbecken reihen sich aneinander und überwinden 37 Höhenmeter. Es ist sehr imposant zu sehen, wenn ein Schleusentor geöffnet wird, und die Wassermassen in das Becken fluten.

    Der Kahn passt kaum durch die Schleusentür
    Der Kahn passt kaum durch die Schleusentür

    Und, als ob wir es bestellt hätten, kam eine große Péniche in die unterste Schleuse reingefahren. Das Schiff war so groß, dass zwischen Schleusentor und Bordwand fast keine Lücke mehr war. Bis es durch alle neun Kammern geschleust ist, vergeht fast ein Stunde. Absolut sehenswert.

    Gemalte Häuserfassaden in Agde
    Gemalte Häuserfassaden in Agde

    Auf dem Rückweg haben wir noch einen Halt in Agde gemacht und der Altstadt einen Besuch abgestattet. Im Gegensatz zu Beziers sind viele alte Häuser und historische Bauwerke in einem bemitleidenswerten Zustand, sodass die Stadt uns eher als ziemlich trist erschienen ist. Trotzdem haben wir an einem hübschen Platz eine kleine Brasserie gefunden und sind herausragend freundlich bedient worden.

    Nachdem wir Walt und Joy verabschiedet haben, sind wir noch in eine naheliegende Kneipe gegangen, haben eine Kleinigkeit gegessen, der Livemusik zugehört und den aufregenden Tag Revue passieren lassen.

    Heute hatten wir mal wieder großen Waschtag, nur das übliche Wäschetrockenen an Leine wurde zur Herausforderung.  Böen bis 7 Beaufort wirbelten die Wäsche ganz schön durcheinander und beinahe ins salzige Nass. Wir haben dann alles trickreich nach und nach im windgeschützten Cockpit getrocknet. Nachmittags ging es noch zum Supermarkt, alle Stauplätze sind jetzt mit Lebensmitteln und Getränken befüllt. Morgen geht es endlich weiter, der Mistral soll für ein paar Tage ausbleiben und das wollen wir ausnutzen.

    Wir sind schon sehr gespannt, ob das AIS funktioniert und unsere zurückgelegte Strecke bei www.vesselfinder.com  mitverfolgt werden kann.

    Unseren Bloglesern wünschen wir noch schöne Pfingsttage!

  • Und ewig weht der Mistral

    Ein Basteltag
    Ein Basteltag

    Schon drei Tage an Bord und immer noch nicht fort. Eigentlich war geplant, die Betontristesse von Cap d’Agde schnell achteraus zu lassen und nach Saintes-Maries-de-la-Mer zu segeln. Ein lohnenswertes Ziel, ein hübsches altes Städtchen mit kleinem Hafen, ein Treffpunkt für Künstler aus aller Welt und auch die musikalische Heimat der berühmten Gipsy Kings.

    33,6 Knoten Wind, gut, dass er von vorne kommt
    33,6 Knoten Wind, gut, dass er von vorne kommt, beim Segeln mögen wir das ja nicht so, aber im Hafen ist es besser

    Doch wenn der Mistral mal loslegt, können schon ein paar Tage oder gar Wochen vergehen, bis dem kühlen Nordwind aus dem Rhonedelta die Puste ausgeht. So liegen wir immer noch an unserem Liegeplatz, draußen heult der Wind, fauchende Böen erzeugen ein infernalisches Staccato, immerhin bei überwiegend blauem Himmel. Da hilft nur das berühmte Abwarten und Teetrinken, bei dem Wetter und der damit einhergehenden Vorhersage verlässt keiner freiwillig den Hafen.

    Alles ist wieder an seinem Platz
    Alles ist wieder an seinem Platz

    Nachdem wir angekommen sind, haben wir erst mal alles Mitgebrachte seefest verstaut, das Solarpanel wieder an seinem angestammten Platz befestigt. Ebenso die Seenotausrüstung, wie Mann- über- Bord- Boje, Rettungsring, Bergeleine, sind wieder am Heck montiert. Zu guter Letzt weht auch die schwarz-rot-goldene Heimatflagge, der sogenannte Adenauer, wieder stolz im Wind. Wir wären dann soweit, wenn uns die Wetterfee grünes Licht dazu gäbe.

    Geschafft, die roten Dreiecke senden ihre Signale und wir können sie sehen
    Geschafft, die roten Dreiecke senden ihre Signale und wir können sie sehen

    Da dem eben nicht so ist, nutzen wir die Zeit im Hafen mit all seinen Annehmlichkeiten, wie Strom-, Wasser- und Internetanschluss, d.h. die Capitania erledigt noch Restarbeiten für die Firma und assistiert mir nebenher bei so wichtigen Arbeiten,wie dem Neuverlöten unserer AIS-Antenne, jetzt sind wir auch wieder bei den anderen sichtbar.

    Der Motor sieht immer noch aus wie neu (ist ja auch ein Segelboot)
    Der Motor sieht immer noch aus wie neu (ist ja auch ein Segelboot)

    Der Wasseranschluss war auch bitter nötig, denn die vormals frisch gewachste “Außenhaut” unserer Hexe war komplett verdreckt mit rotem Saharasand, der hier bei Regen und Winden aus südlichen Richtungen seinen Niederschlag findet. Langweilig ist uns also nicht. Heute morgen kam dann noch ein freundlicher Motorenmechaniker. Jetzt hat unser kleiner 40 PS-Motor wieder frisches Motorenöl, neue Dieselfilter und für die Kühlwasserversorgung einen neuen Impeller. Der gute Volvo schnurrt wieder wie neu in seinem geräuschisoliertem Motorraum und läuft hoffentlich die nächsten Monate genau so zuverlässig und klaglos wie bisher.

    Von Monika, Paul und den drei Töchtern von der “Namastee” haben wir gehört, dass sie nach zweieinhalb Wochen Überfahrt, von den Kapverden zu den Azoren, heute wohlbehalten dort angekommen sind. Da sind wir sehr, sehr froh drüber. Zog doch am 6. und 7. Mai ein schwerer Sturm durch dieses Seegebiet, bei dem ein Katamaran sank, vier weitere Segelschiffe in Seenot geraten sind, eine Crew von Seglern mit dem Helikopter geborgen werden musste und ein sechsjähriges Mädchen nach mehreren Stunden im Wasser durch Unterkühlung starb. Tragisch.

    Es gehört trotz guter Planung und Vorbereitung einer Segelreise wohl auch immer ein Quentchen Glück dazu. Unglücke geschehen leider, ob an Land oder auf dem Wasser. Wir fühlen uns bisher immer sehr wohl und sicher an Bord, ein kleines Restrisiko besteht jedoch wie bei allem. Sei es die Autofahrt, der Gang über die Straße, die Bergwanderung oder vieles andere.

    Der Wind heult durch den Hafen
    Der Wind heult durch den Hafen

    Noch eins zum Schluss. leider hat die allzu optimistische Aussage, dass wir ab jetzt keine Heizung mehr brauchen, sich schneller als verfrüht erwiesen, als uns lieb war. Nachts bei klarem Sternenhimmel kühlt es draußen auf frische 10 Grad ab. Morgens muss dann erstmal der Heizlüfter ran, bevor wir aus dem gemütlich warmen Bett steigen.

    Es gibt also zumindest beim Wetter noch deutlich Luft nach oben.

  • Hätte hätte…

    Fahrradkette. So heißt ein relativ neues Sprichwort. Es bedeutet kurz und knapp, dass alles Rumlamentieren nichts bringt. Genau wie nach dem gestrigen Auswärtsspiel vom SV Darmstadt. Der Aufstieg in die erste Bundesliga hätte gestern beim Match gegen die Spielvereinigung Greuter Fürth perfekt gemacht werden können. Axel, Edwin, Paul, Philipp, Gerhard und ich sind gestern, sehr sehr hoffnungsvoll mit dem ( Fan)-VW Bus aufgebrochen, um das erwartete wichtige Spiel zu sehen und drei Auswärtssiegpunkte mit nach Hause zu bringen.  Aber entweder hat der Siegeswille unserer Darmstädter Lilien nicht ausgereicht oder der Fußballgott wollte die Blauweißen einfach noch nicht frühzeitig aufsteigen lassen. Jedenfalls, nach nervenaufreibenden 90 (und mehr) Spielminuten, zahlreichen Stoßgebeten und unendlich vielen Fangesängen ging das Spiel null zu eins verloren. Schade, sehr schade… Jetzt müssen wir weiterzittern und alles hängt vom letzten Spieltag am nächsten Wochenende ab. Da ist St. Pauli zu Gast beim SV Darmstadt. Wir drücken die Daumen. Denn live dabei sein, werden wir leider nicht, wir sind auf dem Weg nach Südfrankreich. Und im beinahe gleichen Maße, wie wir die Kilometer abspulen, steigt seit Lyon die Außentemperatur. Mittlerweile zeigt das Bordthermometer muggelige 30 Grad an und die Sonne brennt gnadenlos vom blauen Himmel. Hier ist der Sommer wohl schon angekommen. Da müssen wir uns erst mal drauf einstellen. In Darmstadt war es in den letzten beiden Wochen überwiegend 20 Grad. Eins scheint sicher, die Bootsheizung hat wohl erst mal Sommerpause und unser Sonnensegel wird jetzt öfter die Sonne sehen. Viele Menschen, die wir in den letzten Monaten im Süden getroffen hatten, haben uns schon vor der mediterranen Sommerhitze gewarnt. Was in der letzten Konsequenz heißt, dass viele in Spanien lebende Residenten die Sommermonate in den eher kühlen deutschen Breiten verbringen und erst im Herbst wieder in die südliche Wahlheimat zurückkehren. Wir müssen das mal ausprobieren, wie uns die Dauertemperaturen über 30 Grad bekommen werden. Hauptsache erstmal ist, dass der große blaue Pool sich aufwärmt und zum täglichem Badevergnügen einlädt. Wir sind schon sehr gespannt, unser Schiff wieder zu sehen. Noch 200 Kilomter bis zum Meer, also ein Katzensprung im Vergleich zu den bereits zurückgelegten 820 Kilomtetern. Morgen machen wir die Hexe dann wieder segelklar und montieren alles wieder dran, was wir zur Diebstahlsprävention abgebaut haben.