Autor: Skipper Volker

  • Tierische Aufregung

    IMG_1089Um das Ende gleich vorwegzunehmen, wir sind nicht losgefahren und somit immer noch in Darmstadt zugange. Das war nicht so geplant, aber wie das Leben eben manchmal so spielt, kommt es anders als gedacht, bzw. geplant. Diesmal hat unser samtpfotiger Kater Mikesch uns einen ziemlich großen Strich durch unsere Rechnung gemacht, wenn auch sicherlich nicht mit Absicht. Bereits seit vergangenem Sonntag war der kleine schwarze Stubentiger aushäusig unterwegs und kam auch nicht mehr für sein geliebtes Fressen. Das kennen wir aus den Sommermonaten, dass er den großen Abenteuerspielplatz Park gegen sein Zuhause eintauscht und dort wahrscheinlich all die Abenteuer erlebt, die ein echter Kater erleben muss.

    Doch dann der Schreck, am Dienstagabend strich Mikesch um unser Haus herum, war abgemagert, sein Fell sah fatal schlecht aus und zudem zog er das rechte Bein nach. Alle Anlockversuche schlugen fehl und ehe wir uns versahen, war die Katze wieder verschwunden und ließ uns reichlich beunruhigt zurück. Mittwoch früh fanden wir ihn dann unter der Plane vom Grill, aber abermals suchte Mikesch sein Glück in der Flucht und stürmte humpelnd und verschüchtert von dannen. Abends haben wir eine große Suchaktion gestartet, diesmal mit Unterstützung der Nachbarn und mit Erfolg. Gestern fuhr Larissa dann mit ihm zum Tierarzt und kam bald mit der schlechten Nachricht zurück, dass der Kater ein gerissenes Kreuzband hat. Gar nicht gut, diese Diagnose.

    Jetzt heißt es erstmal abwarten, Ausgangsperre für Mikesch – Wegfahrsperre für uns. Larissa ist für ein paar Tage mit Freundinnen unterwegs, wir hüten die Katze, schauen gespannt auf seinen Hinterlauf, abwarten.

    IMG_1082Zwischenzeitlich hat Nico seinen Sommerfellschnitt verpasst bekommen und sieht jetzt deutlich jünger aus. Scheinbar fühlt er sich  von der haarigen Last befreit, er wirkt um ein paar Jahre jünger und deutlich agiler.

    Der typische Vatertagsausflug fällt wegen fehlenden Bollerwagens aus. Dafür geht es heute Mittag ins historische Schifffahrtszentrum nach Mainz. Gemeinsam mit Allegra wollen wir unsere Geschichtskenntnisse auffrischen, in die Zeit der römischen Seefahrer eintauchen und danach am Rheinstrand einen Sundowner trinken. Hoffentlich geht die Sonne heute nicht zu spät unter!

    Neuer geplanter Abfahrtstermin ist der Montag.

  • Volle Kraft voraus

    IMG_1076Nicht mehr lange und es heißt wieder “Leinen los” und wir freuen uns schon mächtig darauf. Am Donnerstag wollen wir aufbrechen und mit voll beladenem Auto nach Cap d’Agde fahren und unsere unterbrochene Reise fortsetzen. Mehr als drei Wochen sind wir nun schon weg vom Schiff und es wird definitiv Zeit, neue Ziele zu entdecken. Die Anspannung zu erleben, wenn man in einen fremden Hafen reinfährt und die damit verbundenen navigatorischen Schwierigkeiten zu meistern, vermissen wir beide. Ebenso der erste Landgang durch eine schöne unbekannte Stadt, oder der ausgiebige Spaziergang an einem endlos erscheinenden Strand.

    IMG_1074Irgendwie schlagen da zwei Herzen in unserer Brust. Zum einem sind wir sehr froh, unsere Kinder, meine Mutter und die ganzen lieben Freunde zu sehen und alles von früher gewohnte an seinem angestammten Platz vorzufinden. Andererseits vermissen wir das Meer mit all seinen Facetten, die wir so bisher erlebt haben und die uns gut gefallen. Die ausgiebige Flaute mit der stillen, unbewegten, bleiern daliegenden See, der angenehme ablandige Wind ohne Welle, wenn man an der Küste entlang schippert, aber auch das wild bewegte Meer mit hohen Wellen, wenn es uns so richtig schnelllllll macht. Die See ist für uns so facettenreich und unsere kleine Lebenswelt, das Schiff, bietet uns ausreichend Lebens- und Freiraum.

    IMG_1079Wir haben unseren Vorrat an Fertiglebensmitteln aufgestockt, die man auch mal bei Schietwetter und Schräglage schnell kochen kann. Fertigsuppen, Dosengulasch-, Rouladen und eingeweckte Wurst stapeln sich neben frisch gewaschenen Kleidern, ungelesenen Büchern und DVDs im Keller.  Die Mitbringliste zum Boot hin ist fast komplett abgearbeitet, auch die Boulekugeln zum abendlichen “ruhige Kugeln schieben” stehen auch schon parat. Kurzum, wir sind bereit aufzubrechen.

    Rund 1000 Kilometer sind es bis zum Hafen, da sind wir schon mal weiter angereist und sehen der Fahrt entspannt entgegen. Wenn alles gut geht, sollten wir nach neun Stunden Fahrt den ersten Apéritif in der warmen Sonne genießen können. Dann gibt es auch wieder mehr Beiträge, schöne Bilder und interessante Videos und ihr könnt (fast) live dabei sein.

  • Wie man sich bettet…

    IMG_0125… so liegt man, ist wohl ein alter, aber dafür umso bekannterer Spruch, fast jeder kennt ihn. Diese Lebensweisheit bedeutet, dass man so lebt, wie man selbst sein Leben gestaltet. Doch wir wollen das jetzt eher mal wortwörtlich betrachten, und unser Bett im Schifff unter die Lupe nehmen. Genauer genommen das Mikroklima, das in engem Zisammenhang mit der Luftfeuchtigkeit, der Matratzenunterlüftung, den menschlichen nächtlichen Ausdünstungen und dem sogenannten Taupunkt steht. Der Taupunkt bezeichnet die Stelle, an dem die Luft nicht mehr in der Lage ist, noch mehr Feuchtigkeit aufzunehmen, diese Feuchtigkeit kondensiert dann und wird als Wassertropfen sichtbar, das nur vorab.

    Der  Mensch an sich schwitzt in der Nacht, zur Regulierung seiner Körpertemperatur sondern über zwei Millionen kleine Schweißdrüsen ca. einen halben Liter Flüssigkeit aus. Diese Flüssigkeit wird normalerweise von der warmen trockenen Raumluft aufgenommen und ist somit verschwunden. Anders auf dem Boot. Unsere Koje im Vorschiff ist relativ klein, unter unserer Matratze ist ein großer Hohlraum/ Stauraum, die Matratze liegt direkt oben drauf, ohne Lattenrost. Am Fußende grenzt unsere Vorschiffskoje direkt an den Ankerkasten und ist dort nicht isoliert. Das müsste unserer Erfahrung nach auch der kühlste Punkt an Bord und damit auch die Stelle mit dem niedrigsten Taupunkt sein. Nach jeder Nacht ist es dort unter unserer Matratze feucht, besonders, wenn es eben kühl ist, ein idealer Nährboden also für Schimmel und Spack. Damit es nicht schimmelt, müssen wir jeden Morgen konsequent unsere Matratzen hochstellen und erst  abends gehen diese wieder zurück auf ihre vollflächige Auflage. Auch eine hochvolumige Matratzenunterlage hat keine Besserung gebracht. Deswegen war es jetzt an der Zeit zu handeln. Schon länger ist die Idee gereift, einen Lattenrost selbst zu bauen. Cornelia hat noch am Tag vor unserer Abreise nach Deutschland unsere Lagerstätte fachgerecht vermessen und einen Grundriss angefertigt.

    IMG_0126Als Grundlage für unser Bastelprojekt dienten zwei Lattenroste aus dem Matratzengeschäft, die wir einfach zersägt und zu rollbaren Lattenrosten umfunktioniert haben. Die Arbeit ging mit dem richtigen Werkzeug, adäquaten Unterlagen und dank Sebastian flott von der Hand und nach vier Stunden konnte sich das Resultat sehen lassen.

    IMG_0127Damit das Ganze noch besser rollt, haben wir die Fläche geteilt und gleich zwei Roste hergestellt. Jetzt sollte das leidige Problem mit Feuchtigkeit unter unserer Matratze endgültig der Vergangenheit angehören ( wenn Cornelia richtig gemessen hat, aber daran wird wohl keiner zweifeln). Wir werden berichten!

  • Wieder DA

    Der Frühling kommt überall
    Der Frühling kommt überall

    Vor 11 Tagen hat Cornelia ein Leihauto organisiert für unsere geplante Heimreise nach Deutschland. Gewohnt flott ging es über die französischen Autobahnen nach Norden. Schon nach acht Stunden Fahrtzeit waren wir im Saarland, da komme ich her und dort wohnt noch meine Mutter. Und die Feier zu ihrem siebzigstem Geburtstag wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.

    Die Völklinger Hütte
    Die Völklinger Hütte

    Völklingen ist sicherlich keine Schönheit auf den ersten Blick, bietet aber einges an Industriegeschichte. das ehemalige Stahlwerk ist komplett erhalten und zu besichtigen. Gasgebläsehalle, Hochöfen, Handwerkergasse und Sonderausstellungen laden zu einer geführten, informativen Rundtour ein. Das Gesamtensemble “Stahlwerk” wurde zum Weltkulturerbe ernannt, die ehemaligen Arbeitsplätze dort sind seit 1984 endgültig Geschichte, aber jetzt finden dafür mehr und mehr Touristen ihren Weg nach Völklingen. Gut für die Stadt, gut fürs Saarland! Die Luft ist jetzt auch deutlich sauberer, früher lag meistens eine Dunstschicht über der Stadt. Wer also mal durch Saarland fährt und in der Nähe ist sollte, das alte Stahlwerk auf jeden Fall  besuchen.

    Zwei echte Fans
    Zwei echte Fans
    Paparazzi am Rande des Spielfels
    Paparazzi am Rande des Spielfels
    Die 98 in Action
    Die 98er in Action

    Nach zwei Tagen war es dann an der Zeit, die Heimreise ins Rhein-Main-Gebiet anzutreten. Wir wurden liebevoll und herzlich von unseren Nachbarn und Freunden empfangen und waren seit unserer Ankunft jeden Abend unterwegs. Am Sonntag mussten wir direkt auf den Fußballplatz, das vorvorletzte Heimspiel der Lilien, der Fußballmannschaft der Darmstädter (ganz oben in der 2. Liga). Fast ein wenig Freizeitstress 😉

    Baumblüte im Akaziengarten
    Baumblüte im Akaziengarten

    Unsere “Hexe” schwimmt wohlbehalten in ihrem Element, wartet wahrscheinlich ungeduldig auf neue Abenteuer, muss sich aber noch ein bisschen gedulden. Im Moment werden wir noch ein bisschen länger auf dem “Trockenen” bleiben. Deshalb wird es etwas seltener als gewohnt neue Berichte von uns geben. Wer möchte und noch nicht in unserem Mailverteiler drin ist, kann uns gerne eine Nachricht an mail@syhexe.de schicken. Wir senden dann eine kurze Rundmail, wenn unsere Reise weitergeht.

    Südfrankreich scheint weit weg, unsere ersten acht Monate an Bord sind schnell vergangen. Wer schon etwas älter ist, kann sich an die köl’sche Rockband BAP und deren Erfolgshit “Fortsetzung folgt” erinnern. Und der Fortsetzung unserer Reise fiebern wir schon entgegen.

    Im Moment zieht ein Tiefdruckgebiet  mit Starkwind durch Südhessen durch, es ist Ende April, das Thermometer zeigt kalte 10 Grad an, die Regentonne zur Gartenbewässerung füllt sich rasend schnell, die belaubten Bäume bieten tapfer dem Wind Paroli und Nico kuschelt auf dem Sofa.

  • Auf zwei Beinen

    IMG_4314Vor zwei Jahren haben wir spontan einmal einen Katamaran in Südfrankreich ausgeliehen, um zu sehen, wie das Segeln auf zwei Rümpfen, bzw.  zwei “Beinen” so ist. Und es war richtig gut, hat viel Spaß gemacht, schnelles Segeln ohne Schräglage, ohne Abstützen und es muss nicht alles penibel verstaut werden. Eben weil der Katamaran immer aufrecht segelt. Wir hatten ein sportliches Exemplar (eine Catana 47) gemietet, die von den Segelleistungen im allgemeinen wirklich nicht schlecht war. Bei 18-20 Knoten Windgeschwindigkeit lief das Schiff mit Großsegel und Gennaker schon mal 13 Knoten, einfach so. Ein echter Spaß.

    IMG_4303Nur, man spürt die Geschwindigkeit nicht wirklich; dieses Gefühl, das der Franzose so präzise und  richtig als “Sensation des Segelns” beschreibt, geht leider ein bisschen verloren. Und das finde ich schade, ich mag es, wenn ich die Kraft des Windes deutlich spüre, wenn sie auf das Segelboot einwirkt, wenn der Druck des Windes sich in Schräglage und spürbare Geschwindigkeit verwandelt. Eben, wenn es zur “Sensation” wird, unsere Hexe zu steuern. Cornelia mag eher das ausgewogene Seeverhalten des Katamarans, den großen Lebensraum mit Rundumsicht, den Komfort, oder die Vorstellung, in den vorderen Netzen zu liegen und von dort aus Delfine beobachten zu können.

    IMG_9796(Boots)-Ideale hin oder her, wir mögen unsere schnittige Hexe. Trotzdem haben wir die Gelegenheit genutzt, und sind kurzerhand zu einer „ In-Wasser-Katamaran-Messe” nach La Grande Motte gefahren und haben fast einen ganz Tag lang die schwimmenden Mehrrumpfer besichtigt. Das schöne an der Messe ist, dass nahezu alle 45 ausgestellten Katamarane ohne Standpersonal ausgiebig besichtigt, begutachtet oder bestaunt werden können. Und für uns als leidenschaftliche Segler ist das schon ein Highlight, so viele Schiffe besichtigen zu können. So vergeht der Tag wie im Flug, die Zeit schreitet voran und ehe wir uns versehen, ist schon wieder ein schöner Tag vorbei.

    Für alle, die es noch interessiert: Während die Bootswerften in den letzten Jahren aufgrund schwindender Nachfrage weniger neue Schiffe, egal ob Motorboot oder Segelschiff, gebaut haben, ist die Nachfrage nach Katamaranen angestiegen. Im letzten letzten Jahr wurden über 1.000 Mehrrumpfer gebaut. Ob das wohl an der steigenden Zahl der segelnden Frauen liegt? 😉

  • Sanitaires Affairs (sanitäre Angelegenheiten)

    remeringVon Kindesbeinen an, durch die Jugendzeit hindurch und noch einige Jahre danach habe ich an einem französischen Binnensee segeln gelernt, später dort trainiert und zahlreiche Segelwettkämpfe (Regatten) bestritten. Wie viele andere saarländische Segelvereine auch, hat mein “Heimatverein”, der Segelclub Saar, kurz SC-Saar sein Vereinsgelände im benachbarten Lothringen/Frankreich. Der sogenannte Etang des Marais ist ein anspruchsvolles Segelrevier mit häufig wechselhaften Windbedingungen (bedingt durch Bäume und deren Windschatten), auf dem sich der ambitionierte Segler nach einer Weile jedoch gut zurechtfindet, taktisches Segeln erlernt, sein Bootshandling kontinuierlich verbessern kann,  kurzum ein ideales Einsteigerrevier. Neben allen für Segler notwendigen Einrichtungen, wie Steganlage, Slipbahn, Vereinshaus mit Duschen und WC, bietet das Vereinsgelände Platz für Zelte, Wohnwagen oder Wohnmobile. Der Segelclub Saar ist somit die ideale Anlaufadresse für segelbegeisterte Menschen, die gerne auf dem schön gelegenen Remeringer Weiher, im bezaubernden Lothringen, in angenehmer Gesellschaft segeln möchten. Link zum Segelclub Saar: http://www.sc-saar.de/

    Neben dem abgeschlossenen Vereinsgelände gibt es einen Campingplatz, mit typisch französischem Ambiente, nicht mehr ganz modern, aber auch nicht verfallen, nicht ganz perfekt, aber dafür mit französischem Charme. Und da kommen wir zur Überschrift, diese sanitären Angelegenheiten, dieser stille Ort, an denen es jeden mal hinzieht, kurz gesagt das französische Toilettenhäuschen. Häufig haben nach meinem Empfinden diese absolut nichts mit „La Grande Nation” zu tun. Man fand früher schon Toiletten ohne Klobrille, verschmutzte Stehklos und Duschen, an die man sich nicht erinnern will.

    IMG_4330 IMG_4337Und das war bzw. ist nicht nur auf dem Campingplatz so, sondern auch in dem riesigen Yachthafen von Cap d’Agde. Das Sanitärgebäude sieht aus, als wäre es Ende der 60er Jahre gebaut und seitdem nie wieder modernisiert worden. Zudem ist es so im Hafenensemble gelegen, dass, von manchen Liegeplätzen aus, mehr als ein Kilometer Fußweg dorthin zurückgelegt werden muss.

    IMG_4335 IMG_4333Das war in Spanien noch ganz anders, viel moderner, viel sauberer, mit ordentlichen Toilettensitzen und zeitgemäß gepflegten Duschen. Die Liegegebühren für Schiffe sollten der Hauptgrund für den Renovierungsstau wohl nicht sein. Denn die liegen auch deutlich über spanischem Niveau.

    pastis-oliveAber natürlich haben Frankreich, seine Einwohner und die nahegelegenen Sehenswürdigkeiten viel Charme, der auch uns anspricht. Vielleicht sind es der morgendliche Start mit frischem Baguette, knusprigen Croissants oder der abendliche Ausklang mit Pastis oder Vin rouge, die dieses französische Flair ausmachen.

  • Jetzt glänzt sie wieder!

    Das Heck ist poliert…
    Das Heck ist poliert…

    In einem Anfall von plötzlich auftretender Arbeitswut haben wir in den letzten beiden Tagen unsere “Hexe” so richtig auf Vordermann gebracht. Zuerst  wurde das Deck komplett gewaschen und gereinigt. Danach wird gründlich poliert (natürlich in feinster, schonender Handarbeit), damit auch noch die kleinste Kalkablagerung verschwindet, und zum krönenden Abschluss das Ganze mit Canubawachs in mühsamer Handarbeit auf Hochglanz versiegelt.

    … und der Bug glänzt
    … und der Bug glänzt

    Komischerweise scheint das Boot bei der Art von Arbeit immer größer zu sein, als wenn es draußen auf hoher See von den Wellen wild von einer auf die andere Seite schaukelt. Da können zwölf Meter plötzlich ganz groß sein, aber egal, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nicht nur das Deck ist poliert, selbst das Edelstahl an unserem Zuhause auf Zeit sieht jetzt aus wie frisch aus dem Ei gepellt, und strahlt mit der Sonne um die Wette.

    Die Schuhe müssen jetzt draußen bleiben…
    Die Schuhe müssen jetzt draußen bleiben…

    Cornelia war auch richtig fleißig und hat drei große Industriewaschmaschinen zu jeweils sieben Kilogramm bis obenhin prall gefüllt. Danach hat die Wäsche an einer 30 Meter lang gespannten Wäscheleine im leichten Wind geflattert und war in einer rekordverdächtigen Zeit getrocknet, zusammen gelegt und in den Schränken verstaut. Morgen nehmen wir uns das Schiffsinnere vor. Das Holz will poliert werden, und die Fenster geputzt. (Danach bin ich mit Bus, TGV, Straßenbahn und wieder Bus zum Flughafen Montpellier gefahren, um ein Leihauto abzuholen, das war eine schöne gemütliche Reiseeinlage.)

    Heute Abend hatten wir interessante Gäste an Bord.
    Zu einem Joanna, die als Diplomatentochter in China geboren wurde, in Argentinien und England ihre frühe Kindheit verbrachte, kurz danach nach Panama und nach dem heutigen Bangladesch umziehen musste. Aber auch als Erwachsene hat sie ihren Lebensmittelpunkt oft gewechselt und einige Jahre in Kanada, Spanien, Portugal, wieder Panama und Frankreich gelebt, bis sie schließlich in England sesshaft wurde. Und zu ihrer bewegten Geschichte passend, ist sie selbständig und renoviert Häuser vom Keller bis zum Dach, als Selbstständige, in Bristol/England. Zwei Monate arbeitet sie am Stück und reist dann 2 Wochen mit ihrem kleinen Motorboot auf den hier angrenzenden Seen, Kanälen und in den Küstenregionen. Das ist ihr Lebens-/Jahresrhythmus, in einem Jahr wird sie 60 Jahre alt.

    David ist schon 60, stolzer Vater von zwei erwachsenen Jungs, im Ruhestand und seit 10 Monaten, ebenfalls allein, mit seinem Segelboot unterwegs. Er hat als Ingenieur u.a. einge Jahre in São Paolo/Brasilien gearbeitet und ist beim Erlernen der portugiesischen Sprache zufällig zum Segeln gekommen. Er kaufte sich damals ein Buch aus der brasilianischen Bestsellerliste, das das das Leben einer brasilianischen Weltumseglerfamilie beschrieb. Dabei ist der Segelvirus wohl übergesprungen und David hat segeln gelernt, sein Boot gekauft und erste Reisen damit unternommen. Sein Weg bis Cap d’ Agde war der gleiche wie unserer, auch zur etwa gleichen Zeit, mit nahezu den gleichen Häfen, doch bisher haben wir uns noch nicht gesehen. David übt seit einiger Zeit fleißig Gitarre, liest unendlich viel und freut sich über seine neugewonnene Freiheit.

    Dass man soviel nette Menschen beim Segeln kennenlernt, ist das buchstäbliche Salz in der Suppe (Danke Ralf für diesen Satz, der immer wieder zutrifft!)

  • Der große Friedhof der heutigen Schiffe…

    ganz arm
    ganz arm

    …liegt in Südfrankreich und um ganz präzise zu sein, dicht bei dem kleinen Ort Port St. Louis. Eigentlich assoziieren Segler oder geschichtskundige Menschen mit dem Friedhof der Schiff eher die berüchtigte Region um Kap Hoorn, also den südlichsten Zipfel Südamerikas, wo tatsächlich zahlreiche segelnde Handelsschiffe in den aufgewühlten Fluten des Pazifiks mit Mann und Maus untergegangen sind.

    L'aventure - das Abenteuer ist vorbei
    L’aventure – das Abenteuer ist vorbei

    Aber eines ist sicher, wer jemals in seinem Leben die Stellfläche für ausrangierte Segelschiffe (Trockenhafen) in Port St. Louis betreten und gesehen hat, wird den Anblick dieser ehemaligen Schönheiten der Meere nicht mehr los. Egal, ob große oder kleine Segelyachten, ob aus Aluminium, Kunststoff oder Stahl gebaut, sie alle warten dort auf ihr se(e)liges Ende. Teilweise zugemüllt, verdreckt oder verlottert, verbastelt, von der Witterung zerstört, stehen sie da, diese Objekte früherer Träume.

    Das war wohl mal eine "Utopie", jetzt steht sie auf rostigen Stützen und der Eigner soll sich beim Hafenmeister melden
    Das war wohl mal eine “Utopie”, jetzt steht sie auf rostigen Stützen und der Eigner soll sich beim Hafenmeister melden

    Es stellt sich sofort die Frage, wem diese Schiffe gehören, warum der Traum unter Segeln geplatzt ist, oder ob der Eigner das Interesse an seinem Schiff verloren hat, oder ob dieser krank geworden – oder gar gestorben ist? Fragen über Fragen, aber beim Anblick von soviel Schiffsmüll sinkt unser Stimmungsbarometer mal ganz schnell auf den Gefrierpunkt. Und nicht nur uns geht dieser traurige Anblick an die Nieren, auch Jens und Martina, die mit uns zusammen diesen Schrottplatz besichtigt haben, sind ziemlich geknickt.

    Die Markthallen
    Die Markthallen
    Fast wie in New York
    Fast wie in New York

    Wie es überhaupt zu unserem Besuch in Port St. Louis kam, ist eigentlich eine ganz andere Geschichte. Wir, Cornelia und ich, haben ein Auto gemietet, um die Umgebung hier ein wenig zu erkunden. Gestern hat es uns in die mittelalterliche Stadt Beziers verschlagen.

    Die Kathedrale von Beziers
    Die Kathedrale von Beziers
    Christo an der Kathedrale?
    Christo an der Kathedrale?

    Der Stadtkern mit Altstadt, Kathedrale, Festung, Brunnen und einer traumhaften Aussicht über das grün blühende Tal liegt auf einer Anhöhe. Die silber glänzende Wasserader des Canal du Midi windet sich an der unteren Stadtmauer entlang, verliert sich erst in weiter Ferne. Zudem gibt es an diesem sonnigen Samstag noch drei Hochzeiten, mit fröhlichen frisch getrauten Eheleuten und umherstehenden Gästen. Wir haben viel Spaß an allem.

    Der Knöterich blüht an der alten Festungsmauer
    Der Knöterich blüht an der alten Festungsmauer
    Der großartige Blick vom Hügel dieser mittelalterlichen Stadt hat bestimmt bei der Verteidigung geholfen
    Der großartige Blick vom Hügel dieser mittelalterlichen Stadt hat bestimmt bei der Verteidigung geholfen

    Bereits einen Tag früher saßen wir bei einem Gläschen und dachten darüber nach, Martina und Jens von der „Maje“ einen “letzten”  Besuch abzustatten. Die beiden verlassen mit ihrem Schiff das Mittelmeer und warten in Port Napoleon auf den bestellten Tieflader, der ihr Boot und sie selbst in den nächsten Tagen nach Holland transportieren wird.

    Zur Besuchsplanung haben wir dann kurzerhand das nautische Navigationsprogramm statt der Straßenkarten herangezogen und den Weg dorthin abgesteckt. Leider hat sich dann später herausgestellt, dass die Strecke über die Straße, wegen der Umfahrung der riesigen Bucht mit ihrer Lagune doppelt so lang ist, wie der direkte Weg mit dem Schiff.

    Trotzdem sind wir heute frohgelaunt und guten Mutes mit unserem kleinen Franzosen (Renault Clio) aufgebrochen uund waren 180 Kilometer bzw. zwei Stunden später in Port Napoléon. Dort angekommen haben wir alle Neuigkeiten der letzten Tage ausgetauscht und wurden noch alle zum Kaffee auf ein sehr schönes luxemburgisches Boot eingeladen. (Danke dafür an die  stolzen Eigner). Danach sind wir zu viert plus Nico zu einem Ausflug aufgebrochen, der uns geradewegs zu dem oben beschriebenen Schiffsfriedhof geführt hat.

    Wir haben viele Photos von den besuchten Orten gemacht, davon die Besten ausgesucht und wünschen viel Freude (oder Horrorkribbeln?) beim Anschauen.

    ein Eimer Farbe genügt nicht…
    ein Eimer Farbe genügt nicht…
    fantasievolle Bemalung
    fantasievolle Bemalung
    Teile eines Monster-Trimarans, der wohl nie fertig werden wird
    Teile eines Monster-Trimarans, der wohl nie fertig werden wird
    rostige alte Ölfässer als Unterlage für einen Mast
    rostige alte Ölfässer als Unterlage für einen Mast
    Da hat einer am Heck schon Vogelhäuschen angebaut
    Da hat einer am Heck schon Vogelhäuschen angebaut
    Manche wohnen auch auf diesem Schrottplatz
    Manche wohnen auch auf diesem Schrottplatz
    Die hat auch schon bessere Zeiten gesehen
    Die hat auch schon bessere Zeiten gesehen
    Das war wohl mal eine "Utopie", jetzt steht sie auf rostigen Stützen und der Eigner soll sich beim Hafenmeister melden
    Das war wohl mal eine “Utopie”, jetzt steht sie auf rostigen Stützen und der Eigner soll sich beim Hafenmeister melden
    Auch dieser  Schmetterling fliegt nicht mehr
    Auch dieser Schmetterling fliegt nicht mehr
    Traum in braun?
    Traum in braun?
  • Frohe Ostern

    IMG_3979Das Leben in der großen Stadt geht so seinen Gang. Mal schneller, wenn wir beispielsweise über eine der großen und verkehrsreichen Straßen hetzen, um nicht das Opfer von Fahrern im „Ampelrennfieber” zu werden. Meistens jedoch schlendern wir langsam und bewusst durch die endlos erscheinenden Gassen der Altstadt von Barcelona. Jeden Tag entdecken wir für uns ein neues Viertel und noch ist kein Ende der Neuentdeckungen in Sicht. Auf der einen Seite ist das spannend, aber wer schon mal in so einer großen Stadt war, tagelang herumgelaufen ist, und immer noch nicht alles gesehen hat, kennt das Gefühl, von den Eindrücken geradezu „erschlagen” zu werden. Irgendwann ist der Speicher voll, man(n) kann und will nichts Neues, nichts Unbekanntes mehr sehen, nicht noch eine architektonisch schöne Kirche, kein altes Gemäuer mehr, und auch der gefühlt hundertste schöne Platz reizt nicht mehr zum Verweilen.
    IMG_3978
    Aber Gott sei Dank ist das Ganze nicht ganz so dramatisch, wie es vielleicht rüberkommt. Und dafür sorgen überall Musiker mit hohem Unterhaltungswert, mal gibt eine komplette Jazzcombo ihr Können zum Besten, am nächsten Platz spielt eine Rockband Lieder zum Mitsingen und heute hatte sogar ein Tenor einen gelungenen Auftritt, direkt neben der berühmten Kathedrale. Straßenmusik findet überall statt und wir fühlen uns diesbezüglich an Danzig zurückerinnert, wo wir vor zwei Jahren hingesegelt sind. Dort wurde auch an allen Ecken Straßenmusik auf höchstem Niveau dargeboten. Sehr angenehm.
    Natürlich spielen die Musiker nicht nur zum Spaß sondern für Geld, und dafür steht meistens ein Hut zum Einwerfen des schnöden Mammons bereit. Und viele Menschen geben und das ist auch gut so. Wir werden noch ein paar Tage bleiben, um dann im Laufe der nächsten Woche in Richtung Frankreich aufzubrechen.
    Und bis dahin werden wir und unsere Füße nicht müde, und wir werden uns Stück für Stück dieses wundervolle Barcelona erlaufen. Cornelia sammelt schon kräftig Details, Fotos, Fakten und Hintergründe, um dann einen etwas ausführlicheren „Barcelonareport” zu bloggen.
    Wir wünschen allen unseren Freunden und Lesern ein wunderschönes Osterfest aus dieser großartigen Stadt!
  • Was für ein Glück!

    Zeitsprung. Es ist der 31. Dezember 2014, acht Segelschiffe mit je zwei Seglern an Bord, starten in Barcelona zu einer Regatta ohne Zwischenstopps um die Welt. Ca. 24.000 Seemeilen, also rund 40.000 Kilometer Strecke liegen vor den Mannschaften und Schiffen. Erster Knotenpunkt ist die berüchtigte Straße von Gibraltar, die gleichzeitig das Ende des Mittelmeers und den Anfang des Nordatlantiks markiert. Dann geht die Hatz unter Segeln weiter um die wohl drei berühmtesten Kaps dieser Erde. Das Kap der guten Hoffnung, dieser kleine Landzipfel an der südlichsten Spitze von Afrika, wird als erstes umrundet. Das bedeutet gleichzeitig den Abschied vom Atlantik und den Eintritt in den indischen Ozean. Es geht ab dort immer zwischen 40 Grad und 50 Grad Süd auf dem Großkreis nach Westen. Am nächsten Kap, dem Kap Leeuwin, der Südspitze von Neuseeland, liegt schon nahezu die Häfte der Strecke hinter den Segelsportlern. Aber der schwierigste Teil, vom Wetter her, liegt noch voraus. Hohe Wellen, starke bis stürmische Winde und die Gefahr durch Eisberge,sind in dieser grauen Wasserwüste ständige Begleiter. Denn der pazifische Ozean klingt zwar erstmal friedlich, mit dem Wortstamm “la paz” = friedlich, aber von Friede ist soweit südlich nichts zu merken.

    Die "Cheminées Poujoulat"
    Die “Cheminées Poujoulat”

    Auf 50 Grad Süd jagen die Schiffe Kap Hoorn entgegen, immer an der Eisberggrenze lang, getrieben von den dort ewig wehenden Weststürmen. Nachdem das berüchtigte Kap Hoorn ( über 10.000 Seemänner fanden dort zu Zeiten der traditionell segelnden Handelsschifffahrt ihr nasses Grab) umrundet ist, geht es buchstäblich den Atlantik hinauf, Nordkurs liegt an. Noch einmal geht es durch die Straße von Gibraltar und in Barcelona wartet die Ziellinie, viele jubelnde Menschen, die Champagnerdusche und der sichere Hafen auf die strapazierten Segler und die gebeutelten Schiffe.

    Die "Neutrogena"
    Die “Neutrogena”

    Die schnellste Mannschaft, und damit die Gewinner, des Barcelona World Race waren gerade einmal 84 Tage unterwegs. Der Bootsname “Cheminee Poujoulat”, die Segler, Bernard Stamm, ein Schweizer und Jean Le Cam, die französische Hochseelegende. Als zweites im Ziel waren Guillermo Altadill und José Muñoz, auf ” Neutrogena” mit 89 Tagen für die Nonstop-Weltumsegelung.

    Zeitsprung zurück ins hier und jetzt.

    Die "Hexe" neben ihren berühmten Schwestern
    Die “Hexe” neben ihren berühmten Schwestern

    Und jetzt kommt der Knaller, wir liegen seit gestern neben den siegreichen Schiff, wirklich mittendrin statt nur dabei, und ich kann mein Glück nicht fassen. Das ist so, als würde ein bayerischer Fußballfan neben Bastian Schweinsteiger wohnen, Wahnsinn, oder? Und dann diese geilen Schiffe, die Hexe wirkt daneben zwar wie ein Modellschiffchen, Rumpf und Mast unseres Schiffes sind ja auch deutlich kürzer, aber immerhin, direkt neben den berühmten “Schwestern”.

    Die "Gaes" bei der Ehrung
    Die “Gaes” bei der Ehrung

    Und als ob das immer noch nicht genug wäre, haben wir gestern das Einlaufen der drittplatzierten Crew in den Hafen von Barcelona live miterlebt. Doppelter Wahnsinn!
    Anna Corbella, die Skipperin von”Gaes” ist damit auch die erste Frau, die die Welt nonstop umrundet hat und es als Krönung sogar noch aufs Medaillentreppchen geschafft hat.

    Leider liegt der einzig deutsche Teilnehmer Jörg Richers mit Mitsegler Sebastien Audigane und seiner “Renault Captur” abgeschlagen auf Platz 6, mit zurzeit rund 5.000 Kilometern Rückstand, bzw. noch zu segelnder Strecke. Für alle, die noch mehr über das Barcelona World Race wissen wollen, hier ist der Link zur informativen Veranstalterseite mit Live-Positionsangaben und viel mehr.
    www.barcelonaworldrace.org

    Und im nächsten Blogbeitrag gibt es soviel Positives über diese wunderschöne Stadt zu berichten. Seid schon mal gespannt.