Inselglück Adieu, Festland ahoi. In einer halben Stunde heißt es „Leinen los und Segel hoch“. Wir wollen eine kurze Wetterlücke nutzen und die 120 Seemeilen bis nach Barcelona schnellstmöglich hinter uns bringen.Wenn die Vorhersagen stimmen, haben wir für den ersten Teil der Reise Westwind und danach schwach umlaufenden Wind, sodass wir wahrscheinlich auch ein Stück unter Motor fahren müssen. Larissa und Johannes reisen gleich ab und in zwei Tagen kommen Allegra und Leonard nach Barcelona.
Wir rechnen mit einer Reisezeit von 24-30 Stunden, je nach Wind und melden uns vom Festland wieder!
Mallorca ist so groß und hat so viele Orte, dass praktisch an jedem Arbeitstag irgendwo ein schöner Wochenmarkt stattfindet. Einer der bekannteren Märkte ist wohl der in Sineu, der jeden Mittwoch dort stattfindet und das aus gutem Grund. Sineu ist eine schöne kleine Stadt, mitten im Innselinneren mit einem alten Stadtkern, in dem man sich leicht mal verlaufen kann. Es gibt viele enge verwinkelte Gassen und Wege.
Die schwarzen Schweine, aus denen die mallorquinische Spezialität “Sobresada” gemacht wirdHennen zum EierlegenHennen zum Eierlegen
Der Wochenmarkt bietet nicht nur die üblichen Gemüse- und Obststände, oder die landestypischen Wurst- und Käseangebote, nein, es gibt auch lebendes Nutzvieh und Haustiere werden feil geboten. Stolze galizische Hähne, Hühner, Küken, Schafe, schwarze Schweine, Esel, Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll, warten auf neue Besitzer.
Larissa würde auch gerne wieder einen Hund haben…
Es gibt auch verschiedene spanische Hunderassen.Ob man das mit dem Tierhandel gut findet, ist Geschmacksache, wir stellen uns da sicherlich nicht als Richter hin.
Ein wunderschöner Seitenaltar aus dem 16. JahnrhundertDer heilige Christophorus, Schutzheiliger der Reisenden
Nach einem abschließenden Besuch in der gut gefüllten Kirche kehren wir Sineu den Rücken und machen uns auf den Rückweg nach Palma. Es regnet weiterhin, kühle acht Grad und ein stürmischer Wind laden nicht zu längerem Verweilen im Freien ein.
Manu et Nino sind sehr goldig
Wir machen noch einen Stopp im Carrefour-Supermarkt und bunkern bestes Rindfleisch und Spezialitäten aus der Fischabteilung für die Grillsession mit unseren befreundeten jungen französischen Liegeplatznachbarn.
Den Nachmittag gestaltet jeder, wie er will, Cornelia arbeitet ein bisschen, Larissa lernt für die Chemieklausur, Johannes unterstützt sie dabei und ich schlaf einfach zwei Stündchen.
Heute Abend haben wir mal ganz ausführlich mit Ralf und Inge von der “malwieder” geschnackt. In Alicante, ihrem altuellen Standort, sind es zur Zeit muggelige 18 Grad und am Wochenende soll die Temperatur dort schon auf 26 Grad hochschnellen. Da werden wir hier im Eishaus schon ein bisschen neidisch. Aber die Heizung läuft, die Stimmung an Bord ist gut und die Aussichten aufs wärmere Wochenende machen Hoffnung.
uninspiriertKein Wunder, dass die so mürrisch schauen, bei der AussichtFürs Foto, geht doch!
Bevor ich es vergesse, wir waren gestern am Ballermann, sind durch die Schinkenstraße promeniert, haben einen Blick in den “Bierkönig” geworfen, relativ schlechte Schnitzel gegessen und ansonsten die noch gähnende Leere dieser Partymeile bestaunt. Aber auch dort ist der Blick über das Meer und die Bucht von Palma wunderschön. Jeder bekommt, was er braucht, eben…
Der Bierkönig aus der Schinkenstraße, heute leider leer…Sieht schön aus, war aber leider zäh
hat der Regen mit sich gebracht. Auf allen Schiffen ist eine unansehnliche braun- sandige Staubschicht. Die Bootseigner, die einen Reinigungsvertrag mit einem der zahlreichen maritimen Dienstleister vor Ort haben, werden alsbald wieder saubere Schiffe vorfinden. Dafür sorgen im Hafen zahlreiche fleißige Hände, die unermüdlich die Schiffe auf Hochglanz halten, sprich reinigen und polieren. Kein leichter Job, aber alle, die wir getroffen haben, wirken entspannt und sind immer zu einem kleinen Plausch aufgelegt. Jetzt, so kurz vor Ostern, wird an zahlreichen Schiffen rumgewerkelt, damit dem erfolgreichen Start in die Segelsaison 2015 an Ostern nichts mehr im Wege steht. Motoren werden gewartet, Segel angeschlagen, Schiffe aus dem Wasser gekrant und mit einem neuen Unterwasseranstrich versehen, zusätzliche Ausrüstung wird montiert. So viele Dienstleister im Yachtsektor wie hier haben wir noch nirgends gesehen. Vielleicht liegt das u.a. daran, dass die meisten Bootseigner einige Flugstunden entfernt von ihrem schwimmenden Untersatz leben. Wenn sie für ein paar kostbare Ferientage auf die Insel kommen, bleibt eben keine Zeit mehr, um am Schiff rumzuschrauben und zu putzen. So gibt es hier einige Arbeitsplätze mehr, und die Bootskonjunktur brummt.
Doch ansonsten herrscht auf Mallorca noch die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, auch wenn es der Touristenansturm ist. Gestern, bei unser sonntäglichen kleinen Inselrundfahrt, war von Massentourismus nocht nichts zu spüren, eher das Gegenteil war der Fall. Die Orte im Inselinneren wirkten wie ausgestorben.
Nur die zahlreichen Radrennfahrer haben allerorten ihre Beinmuskeln gestählt und ihre Trainigskilometer abgespult. Mallorca gilt als Fahrradmekka für die sportlicheren Anhänger dieser Fortbewegungsart. Auch einige Rennställe aus dem Profisport, die bei der Tour de France mitradeln, trainieren auf den mallorquinischen Straßen auf dieses Großereignis hin. Wir haben bei unserer Ausfahrt bewusst die kleinen engen Landstraßen ausgesucht und sind abseits der Hauptverkehrswege über die Insel gefahren. Vorbei an Feldern, voll mit blühemden Margariten, vorbei an Bauernhöfen mit freilebenden Schweinen oder Schafen, durch historische Ortskerne, bis hin zu kleinen Fischerorten.
Larissa und Johannes sind wohlbehalten in Palma angekommen. Nach einem ersten Rundgang durch die Altstadt und einer an Bord gekochten Paella, sind beide müde und frühzeitig ins Bett gefallen. Der Anreisetag war lang. Die nächsten beiden Tage soll der Himmel seine Schleusen öffnen, hoffentlich diesmal ohne Saharastaub. Danach sieht es so aus, als ob eine längerfristige Wetterberuhigung mit Temperaturanstieg den Frühling einläutet. Wird auch Zeit jetzt!
zurückzukommen, in unserem Fall zum Festland, ist das andere. Nahezu genau nördlich von Mallorca liegt in ca. 110 Seemeilen Entfernung Barcelona, oder um noch präziser zu sein, San Filu de Guixols. Ist eigentlich keine allzu große Entfernung für uns, für unser schnelles Schiff, auch nicht für den Hund. 110 Seemeilen können aber sehr lang werden, wenn der Wind genau aus der Zielrichtung kommt, denn dann muss gekreuzt werden. Das ist bei der ruppig-kurzen Mittelmeerwelle und entsprechend viel Wind zwar machbar, aber sehr unangenehm. Zumal es alles andere als warm ist und bei Gegenwind sich das Ganze noch viel kühler anfühlt.
Geplant war, im Laufe der nächsten Woche, mit Larissa und Johannes als Verstärkung an Bord, nach Barcelona zu segeln, die Ostertage dort mit Allegra und Leonard zu verbringen und dann flux bis in die Gegend von Toulon weiterzuschippern. Im Moment ist die vorherschende Windrichtung aber dauerhaft Nord. Ab der nächsten Woche soll sogar der berühmt-berüchtigte Mistral von der Rhonemündung aus wehen und das Mittelmeer zwischen Frankreich und Mallorca kräftig aufwühlen. Damit der Mistral entstehen kann, dafür ist ein Hochdruckgebiet über Westeuropa und ein Tiefdruckgebiet über Italien, häufig mit Kerntief über Genua, verantwortlich. Beide Druckgebiete stoßen im Rhonetal, genauer gesagt zwischen den Cevennen und den Alpen aufeinander, es entsteht ein kalter Nord-Nordwestwind, der Sturmstärke erreichen kann und meistens auch länger andauert.
Wir sind sehr gespannt, wie sich die weitere Wetterlage entwickeln wird und verfolgen die Wettervorhersagen aufmerksam. Wenn es ein Wetterfenster in der nächsten gibt, wollen wir es nutzen. Eventuell werden wir schon bald nach Soller aufbrechen, das ist der Hafen der Insel, der Barcelona am nächsten liegt. Andererseits gibt es schlechtere Orte als Mallorca zum Abwarten, und bis dahin genießen wir diese schöne Insel in vollen Zügen.
Palma de Mallorca muss man echt gesehen haben, diese Inselstadt zu beschreiben, fällt nicht ganz so leicht. Wir wissen jetzt, dass Mallorca seit ca. 7000 Jahren besiedelt ist, und das alle ” Verdächtigen“, damit meine ich die alten Griechen, die Wikinger, die Cartager, die Vandalen, die Römer, die Phönizier, die Franken, die Engländer sowie natürlich das Königshaus von Aragon schon mal hier waren.
(Von dem haben sie übrigens die Flagge, die Balearen haben eine eigene Flagge mit vielen gelb-roten Streifen, wie Aragon).
Aber egal wie, wir können mittlerweile alle gut verstehen, warum das so war. Mallorca ist einfach sehenswert und Palma ist einzigartig.
Ein schöner Platz im Zentrum von MallorcaHerr und Hund im TorbogenFaszinator, en masse
Es ist der passende Mix aus Historie mit den alten Monumentalbauten, moderner Architektur, spektakulären Landschaften mit hohen Bergen, Schluchten und Buchten, das Meer mit allen erdenklichen Assoziationen, aber auch, und das ist ganz wichtig, die vorherrschende gelassene, beschwingte Art der hier lebenden Menschen in der Stadt.
Der Eingang der Kirche St. Eulalia
Kurz gesagt, die Insel versprüht einen Charme, eine Freude. Die Freude hat auch uns gepackt und so gehen wir, oder, besser gesagt, so bummeln wir jeden Tag stundenlang durch die Altstadt, durch das nahegelegene Viertel Santa Catalina, am endlos langen Meeresboulevard, entlang der zahlreichen Yachthäfen. Abends rappeln wir uns auf, statt faul auf dem Sofa zu liegen, und stürzen uns in das bunte Nachtleben.
Den Baum und seine Wurzeln kümmern doch keine Einfassungen
Vor zwei Tagen hat mich abends wieder mal der gleiche Backenzahn wie beim Skifahren und in Almerimar auf Trapp gehalten. Der ist nämlich genau von unten nach oben durchgerissen und das innere abgesplitterte Stück hat in meinem Mundraum hineingeragt, mehr als unangenehm.
Das GerichtDer Seitenflügel vom GerichtNoch ein schönes StadthausEin ganz altmodischer Frisör mit Rasierutensilien
Die Osterdeko steht schon bei den Chocolatiers im FensterSo schön kann ein Eissalon aussehen
Man kann die Schaltkästen auch an Bäumen anbringen
Gestern Morgen haben wir dann erst mal das worldwideweb bemüht und einen lokalen Zahnarzt rausgesucht und kontaktiert. Und was für ein Glück, der sprach deutsch, hatte Zeit und war gerade mal zehn Gehminuten vom Hafen entfernt. Der Zahnarzt scheint ein Meister seines Fachs zu sein und hat, nach Röntgenbild und ausführlicher Untersuchung, ganz einfach das abgesplitterte Stück mit seinem Werkzeug rausgebrochen, die Ränder glattgeschliffen und mich mit der Empfehlung entlassen, den Rest bei Gelegenheit überkronen zu lassen. Darüber bin ich ein bißchen erleichtert, weil ich gedacht habe, dass zukünftig eine unschöne Zahnlücke mein Kauwerk schmücken würde.
Daraufhin sind wir spät abends doch noch losgezogen (statt faul auf dem Sofa zu liegen), und haben in einem historischen Herrschaftshaus, mit riesigem Kamin, alten Gemälden, angeschlossenem Museum und ganz viel Charme, einen Stop für ein Getränk eingelegt, dessen Preis allerdings offensichtlich für den Erhalt des Herrenhauses dienen sollte.
Danach ging es noch in kleines Altstadt-Pub, Nico durfte überall mit rein ( geht doch!) und bald war der Zahn vergessen. Seit heute haben wir wieder ein Leihauto, um das Inselinnere zu erkunden. Vor einigen Jahren waren wir schon mal für eine Woche Urlaub auf Malle, sind viel rumgefahren, haben viel besichtigt und gesehen, aber es gibt noch weiße Stellen auf der Insellandkarte die noch erkundet werden wollen.
Noch ein Satz zum Wetter, jeder, der hier lebt und mit dem wir sprechen, sagt, dass der letzte Winter mit Abstand der kälteste gewesen wäre, den er oder sie erlebt hat, und dass dieses Frühjahr dem kalten Winter in nichts nachsteht. Es ist meistens bewölkt, windig und kühl und über die Vorhersage wollen wir gar nicht schreiben. Das geht noch viel besser…
Segelsport, besonders die zweite Worthälfte mit dem Sport, kann oder sollte man nicht immer ganz so ernst nehmen :-)). Viele Fahrtensegler essen beim Segeln besonders gern und viel, denn, ganz klar, die Seeluft ist appetitanregend und die ständige Bootsbewegung muss mit entsprechender Haltung- und Körperspannung ausgeglichen werden. An dieser Stelle sollte aber langsam ein Lächeln auf die Lippen treten. Denn meistens sitzt der Fahrtensegler, und um den geht es hier doch. Der Autopilot steuert die stolze Yacht, weht der Wind konstant, werden die Segel nur einmal passend eingestellt, nur die Schiffsbewegung muss – wie oben beschrieben – ausgeglichen werden.
Blöderweise sehen die Wellen auf Fotos immer ganz harmlos aus
Bei viel Wind von vorne und damit einhergehender Schräglage kann das Ganze auch schon mal in eine vorübergehende sportliche Anstrengung ausarten. Der Profisegler hingegen, der sein Schiff den ganzen Tag vorantreibt, die Segel über die Winschen ständig optimal zum Wind einstellt, viel selbst steuert, damit auch noch die letzten Zehntelknoten aus dem Boot herausgeholt werden, der alles, was schwer ist, an Bord ständig gewichtsoptimal umlagert (z.B Segel, Werkzeug, etc.), der Segeln wirklich als Sport betreibt, dieser Segeltypus muss schon genügend Kalorien zu sich nehmen, um nicht vom Stengel zu fallen, man spricht von einem Verbrauch beim Profi-Segler von bis zu 5500 Kalorien täglich.
Hier hat man noch Schutz vor den Wellen
Aber trotz allem, so ein Schiff bewegt sich reichlich, egal, ob mit dem Wind von hinten oder von vorne, und diese Bewegung beeinflusst den sportlichen und den passiven Segler. Nehmen wir mal als Beispiel unsere über neun-stündige Fahrt von Ibiza nach Mallorca. In den Tagen vor unserer Abreise hat es kräftig aus Nord geweht, und eine entsprechende Welle aus der gleichen Richtung aufgebaut. Nach der kurzen Zeit im Schutz der Insel Ibiza trafen wir auf eine ungeschützte See, wo sich draußen eine ca. zwei bis drei Meter hohe Welle gebildet hatte. Die Wellenfolge oder Wellenperiode (die Zeit von einem Wellenkamm bis zum nächsten Wellenkamm) betrug kurze vier Sekunden.
Das heißt, dass unser Schiff durch die Welle innerhalb von vier Sekunden zwei Meter angehoben und auch wieder abgesenkt wurde. In der Minute sind das 15 Auf- und Abbewegungen mit rund 60 “Höhenmetern”. In der Stunde kommen wir dann schon auf 1.800 Hoch-und-runter-Bewegungen mit 3.600 Metern.
Und ab hier wird es auch wieder ruhiger
Wir wollen aus gegebenem Anlass nochmals darauf hinweisen, dass wir insgesamt neun Sunden nach Palma gesegelt sind, d.h. inklusive An- und Ablegen. Also ziehen wir an der Stelle einfach anderthalb Stunden für die An- und Ablegezeiten, sowie für die Bucht von Palma ab, nicht dass es heißt, wir spinnen zuviel Seemannsgarn.
Wenn wir jetzt die 1.800 Schiffsbewegungen (s.o.) mit den 7,5 Stunden multiplizieren, kommen wir auf die fantastische Summe von 13.500 Hoch-und-runter-Bewegungen unserer segelnden Hexe, multipliziert mit zwei Metern Welle, oder umgerechnet 27.000 „Höhenmeter“. 27.000 „Höhenmehrmeter” ohne Sauerstoffflasche, aber mit “3 f” wohlgemerkt. Jetzt behaupte mal einer noch, Fahrtensegeln sei kein (Hoch)-Leistungssport.
Da müssen wir jetzt erst mal noch ‘ne Tüte Chips aufmachen und ein paar Cola-Rum trinken. Denn die Seefahrt ist ja bekanntlich nah an den Alkohol gekoppelt, aber das ist eine andere Geschichte, Prost!
Gestern haben wir Formentera per Pedes erkundigt, nicht so ausführlich, wie wir das gedacht haben, mit dem festen Vorsatz jedoch, für heute ein Auto zu leihen. Aber manchmal ist es, wie ist und kommt ganz anders als gedacht.
Jetzt machen wir einen Zeitsprung zurück, um etwas präziser zu werden, mitten ins 16 Jahrhundert hinein. Der Ort der Handlung, Formentera, ist derselbe. Von der marokkanischen Küste aus segeln Korsaren mit ihren schnellen wendigen Schiffen zur spanischen Küste hin. Sie morden, rauben, erpressen, entführen, brandschatzen, an Land und zu Wasser, normale Piratentätigkeit eben. kein Ort an der spanischen Küste ist mehr sicher vor diesen Seeräubern. Mit der Gegenwehr ist das so eine Sache, sie wäre möglich, wenn man schnelle Schiffe mit guten Seglern und wenn es sein muss, mit willigen Ruderern hätte. Aber Sklaven als Ruderer haben es verständlicherweise nicht so eilig wie rudernde Piraten und so währte die Piraterei nahezu 200 Jahre im schönen Mittelmeer. Was heute davon noch allerorten zu sehen ist, sind Meldetürme, die an der Küste stehen und auf denen, bei einem drohenden Überfall durch die Freibeuter, ein Feuer zur Alarmierung angezündet wurde. Jetzt noch mal zurück zu Formentera, diese kleine Insel war während der Piratenzeit für 200 Jahre entvölkert, keiner wollte ohne entsprechenden Schutz und Sicherheit mehr dort leben.
Ein Paar der berühmten Freibeuter werden hier aus wichtigem Grund namentlich erwähnt, nämlich die Gebrüder Murad Reis und Turgut Reis. Der Leser, der Cornelia kennt, weiß, dass ihr Mädchenname Reis ist und soeben hat sie wieder das Kopftuch und die Augenklappe angelegt… 🙂
Jetzt drehen wir das Rad der Zeit wieder ein wenig nach vorne, und sind im Hier und Jetzt, ohne die Vergangenheit zu vergessen. Meiner Meinung nach ist es absolut wichtig, im Mittelmeer mit einem Schiff unterwegs zu sein, das auch bei wenig Wind schon los segelt, ebenso wie es die kleinen Galeeren und Galeonen der Kosaren vorgemacht haben, denn willige Ruderer für große Schiffe sind auch heute eher selten. Und welcher echte Segler will schon ständig wegen der im Mittelmeer häufig schwachen Winde mit dem lärmenden Dieselmotor unterwegs sein?
Leichte Winde haben auch heute unsere Segel gebläht und unsere Hexe – früher als geplant – wieder auf die See hinaus geschoben. Die Wettervorhersage verspricht in der nächsten Woche äußerst ungünstige Winde, um nach Mallorca zu segeln. Deswegen wollen wir die positive Windprognose für Samstag nutzen. Freitag auf Samstag Nacht verbringen wir noch in Santa Eulalia auf Ibiza. Ab Samstag früh werden wir die 65 Seemeilen bis nach Mallorca in Angriff nehmen. Wir wünschen allen LeserInnen von hier aus ein schönes und erholsames Wochenende!
Eine Karte von Ibiza und Formetera, die wir als Tischset bekommen haben
Inseln wirken gleichermaßen anziehend auf Segler und auf “Landratten”. Eine Insel muss erreicht werden. Dazu muss man planen, nachdenken und das gewohnte feste Land hinter sich lassen. Hat man erst einmal das “Anreisemedium“ gewählt, gibt man in der Regel mehr oder weniger viel Geld aus für das Fährboot, das Wassertaxi, den Autozug nach Sylt, das Flugticket nach Mallorca, oder die Brückenmaut, um auf manche bretonische Insel zu gelangen, nur um einige zu nennen. Sozusagen muss Mann oder Frau schon vorsätzlich und bewusst handeln, um auf die Insel zu kommen. Für uns Segler ist das nicht anders, mal segeln wir gegen den Wind, mal motoren wir, weil kein Wind ist, hin und wieder geht es sogar bei Kälte und strömendem Regen hinaus und das alles nur, um auf das geliebte Eiland zu gelangen.
Die Dorpsstraat in Oost-Vlieland, Idylle pur
Eine Insel, die wir in den zurückliegenden Jahren immer wieder mit dem Boot besucht haben, ist die kleine westfriesische Insel Vlieland. Ein Idyll, eine Perle, eine stille Schönheit, Naturerlebnis pur, für Jung und alt, Segler oder Nichtsegler.
Und Vlieland war Liebe auf den ersten Besuch, für uns, für unsere Kinder und für alle unsere Hunde, die an den endlos langen Stränden rumtoben konnten. Das langgestreckte Dorf mit seinen typisch holländischen Backsteinhäusern hat es uns gleich angetan, der Blick über das Wattenmeer ist buchstäblich horizonterweiternd, der Strand weiß und über 20 Kilometer lang, der Geruch vom Kiefernwald unglaublich intensiv. Kurzum, eine Insel zum Verlieben.
Der Leuchtturm ist nicht mehr in Betrieb
Und manchmal passiert sie wieder, diese “Liebe auf den ersten Besuch”, heute und hier zum Beispiel. Wir sind abermals auf einer Insel angekommen, diesmal auf Formentera, wurden supernett vom Hafenmeister empfangen, das Wasser im Hafenbecken ist glasklar, ein Barracudaschwarm schwamm am Liegeplatz vorbei, die Sicht übers Meer grenzenlos, die nahen Sandstrände…, da kann man schon mal ins Schwärmen geraten. Das ist auch gut so. Deshalb sind wir hierher gesegelt, teilweise gegen den Wind, wir haben kurz motort, als der Wind weg war, sind mit dem Spinnaker gesegelt, als die Brise von hinten kam, während der letzten drei Stunden sogar bei bei pottendichtem Nebel.
…manchmal sind sie ganz in den weißen Dunst gehüllt.Nur selten sieht man einen Tick Sonne an den Felsen…
Eine wahrhaft vorsätzliche Anreise. Jetzt bleiben wir auch ein paar Tage, leihen uns ein Auto, damit wir wirklich alles von Formentera für uns und Euch sehen und entdecken können. Das Wifisignal ist ganz gut und wir werden sicher die ein oder anderen Bilder von der Insel hochladen, damit Ihr auch diese kleine Baleareninsel erleben könnt.
Denia ist ein beliebter Urlaubsspot für deutsche und englische Urlauber. Man spricht sozusagen ” deutsch“, ob beim Bäcker, im Supermarkt, im Hafenbüro und in der Eisdiele. Bei der letztgenannten waren wir gestern Morgen und haben heiße weiße Schokolade, leckeren Cappuccino getrunken und Käsekuchen gegessen. Die stolze Besitzerin des Eiscafés hat bei der Aufnahme der Bestellung sofort gemerkt, dass wir keine Spanier sind (wie denn wohl?!), dafür aber garantiert Deutsche. Sie selbst kommt von der italienischen Amalfiküste, ist mit 17 Jahren mit ihren Eltern nach Offenburg umgezogen und hat nun, in der Mitte des Lebens, noch mal einen Neuanfang gewagt.
Was macht der Fisch denn da?
Mit einem schwäbisch- italienischen Akzent und viel Temperament erzählt die Eismacherin, wie sie ihr Lebensweg nach Spanien geführt hat, und dass sie sich hier in Denia pudelwohl fühlt. Es sei nicht immer alles leicht, aber damit hat sie auch nicht gerechnet, und sie ist spürbar glücklich über ihre Entscheidung.Mittlerweile haben wir noch mit anderen “Zugewanderten” sprechen können. Alle betonen, dass sie sehr gerne in Denia leben, nur in den Sommermonaten Juli und August sei es häufig viel zu heiß. Wer kann, flieht dann ins kühlere Deutschland.
Ibiza in Sicht!
Heute haben wir neben dem sehenswerten historischen Zentrum von Denia noch die mittelalterliche Burganlage mit grandiosem Blick übers Meer besucht. Die Steinreste und zahlreichen Turmruinen lassen die giganitschen Abmessungen der ehemaligen Festungsanlage erahnen, Cornelia hat zu guter Letzt noch am fernen östlichen Horizont Ibiza entdeckt. Zwar nur als einen kleinen Fleck, da die Insel mehr als 100 Kilometer entfernt ist, aber doch deutlich sichtbar am Horizont.
El Castillo de DéniaDie KanonenDieser Tunnel geht unter der Burg durch
So blau ist der Himmel heute
Für Samstag sagen die einen Wetterfrösche günstige Winde vorher, um nach Ibiza zu segeln, andere, mehr pessimistischere Wetterkundler, prognostizieren Flaute. Wir wollen auf jeden Fall los, ob mit oder ohne Win, daher glauben wir mehr den Optimisten…
Ein Hotel wirbt bereits mit dem Silvestermenu Ende 2015
Morgen gibt es es was zu feiern, Jens (der mit dem kleinen Schärenkreuzer) wird 50 Jahre alt, seine Freundin Babara ist für alle überraschend extra zu diesen Anlass aus Berlin eingeflogen und morgen Abend geht es zum Feiern und Livemusik ins Irish Pub. Unser Geschenk für ihn, Entenbrust mit selbstgemachten Semmelknödeln zum Mittagessen, danach das Geschenk der „malwieder“: Kaffee und Kuchen, da werden wir wohl nicht hungern müssen…
Über einen besonderen Luxus im Yachthafen muss ich doch mal ein paar Worte verlieren. Es gibt eine beheizte Schwimmhalle, die von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends geöffnet ist. Das Wasser ist mit 28 Grad richtig warm und lädt zum ausgiebigen Schwimmen ein. Jeden Tag ziehen wir so unsere Bahnen durch das klare Wasser, sehr wohltuend!
Der Eintrittspreis ist mit zwei Euro fünzig mehr als moderat. Das Meer mit seinen 14 Grad kann uns noch nicht so richtig locken und muss wohl noch ein paar Wochen auf uns warten.
Es gibt Dinge, die schiebt man so lange vor sich hin, bis sie dann doch keinen Aufschub mehr dulden.
So schön sieht der geschützte Bug aus
Eines dieser aufgeschobenen Themen ist jetzt abgearbeitet, unser Bug ist endlich mit einer Edelstahlplatte gegen den unliebsamen Kontakt mit dem Anker geschützt. Die ganze Konstruktion sieht besser aus als gedacht, war auch nicht so leicht zu montieren, aber das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Und wenn man(n) schon mal dabei ist und die Arbeitskluft angezogen hat, betet es sich geradezu an, noch mehr angestaute „Dinge“ abzuarbeiten.
Der große Spiegel im Bad hat aus unerklärlichen Künden beschlossen, sich von seinem Untergrund zu lösen und wir haben ihn mit ultrastarkem doppelseitigen Klebeband erfolgreich wieder angeklebt.
Edelstahl, frisch poliert
Das zahlreich an Bord vertretene Edelstahl hat an verschiedenen Stellen trotzige Rostnasen gezeigt, die durch den Kontakt mit Salzwasser leider immer wieder entstehen. Da hilft nur die gute alte Autosol Edelstahlpolitur und entsprechende Muskelkraft beim Polieren. Auch im Boot mussten der Backofen und die anderen Edelstahlteile daran glauben. Jetzt glänzt es wieder in allen Ecken, wenn die Sonne scheint.
Das macht sie auch die ganzen letzten Tage. Hier ist nämlich buchstäblich der Frühling ausgebrochen. Tagsüber geht es über 20 Grad und auch die Nächte sind längst nicht mehr so kalt, wie in den zurückliegenden Wochen. Die Straßencafés und Kneipen sind sind nicht mehr innen gut gefüllt, das Leben findet wieder draußen statt. Auch in den nächsten Tagen soll das Wetter frühlingshaft warm bleiben. Wir erfreuen uns daran und haben unseren Abfahrtstermin aus Cartagena auf den Samstag gelegt. Bald heißt es wieder Leinen los, neue Ziele wollen entdeckt werden. Heute Abend wollen wir noch die Hafengebühren begleichen und sozusagen aushecken, um dann morgen früh in aller Herrgottsfrühe abzulegen. Die Reise geht weiter, Abschiede stehen an, neue Abenteuer warten auf uns.
Morgen wollen wir nach Torreveja segeln, eine Reisedistanz von 48 Seemeilen. Für Sonntag oder Montag ist dann der Absprung zu den Balearen geplant. Der Wetterbericht verspricht günstige Winde, die See soll glatt sein, besser geht es nicht.
A
Die Spezialisten diskutieren
ber bevor es losgeht, wollen wir noch ein bisschen beim Thema“ Frühjahrsputz” bleiben. Gestern haben wir von der Hafenverwaltung den Hochdruckreiniger ausgeliehen und mit entsprechendem Wasserdruck und Geduld den eng geriffelten Decksbelag tiefengereinigt. Doch damit nicht genug. Wir haben dann noch die linke Rumpfseite geputzt, poliert und gewachst. Die ganze Hexe glänzt jetzt wie die buchstäbliche Speckschwarte.
Und um dem noch einen obenauf zu setzen, legt Cornelia heute einen Waschtag ein und wird die großen 8 Kilogramm Waschmaschinen mit unseren Kissen und Decken füllen. Diese Industriewaschmaschinen sind echt praktisch und bieten mit ihrem riesigen Fassungsvermögen auch die Möglichkeit, größere Wäschestücke zu waschen. Ein Waschgang kostet vier Euro, günstig, wie wir finden.
Die vier Wochen in Cartagena sind schnell vorbeigegangen, wir haben jeden Moment genossen, doch seit ein paar Tagen macht sich auch eine gewisse Unruhe breit, die man sicherlich als Reisefieber deuten kann. Die See ruft!