Autor: Skipper Volker

  • Kleine schmerzhafte Pflanzenbekanntschaft

    Wenn andere Fahrtensegler über ihre Arbeits- und To-Do-Listen diskutieren, können wir meist nur staunend zuhören. Da müssen noch Instrumente eingebaut, Inneneinrichtungen umgebaut, Unterwasserschiffe komplett aufbereitet werden, Stahl muss gebogen und Kunstharze zum Laminieren angerührt werden; diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Manchmal werden wir bestaunt wie Außerirdische, dass wir keine ernsthafte Arbeiten an unserem Boot mehr zu erledigen haben, bei unserem Serienkunststoffschiff ist eben in aller Regel nahezu nichts zu tun.
    imageNahezu nichts hat uns dann aber sozusagen vor zwei Tagen kalt erwischt. Die Batteriespannung der Verbraucherbatterien ist bei der kurzen Überfahrt von Almerimar nach Almería deutlich zu weit in den Keller gerutscht, nämlich von beständigen 12,8 Volt auf 12,3 Volt. Hört sich nach nicht viel an, aber bei 12,3 Volt ist eine Batterie nur noch zu 60 Prozent voll und das hat uns sehr verwundert. O.k., schon bei der Abfahrt in Holland war am Minuspol der einen Batterie Sulfataustritt sichtbar, auch hat der holländische Elektriker angemerkt dass es der besagten Batterie nicht ganz so gut geht. Aber jetzt mal ehrlich, wer lässt sich schon von ein bisschen Sulfat ins Boxhorn jagen und wenn man es entfernt hat, ist es ja auch nicht mehr da, oder? Diese, nennen wir es mal leichte Schludrigkeit, hat uns jetzt eingeholt. Die eine von insgesamt zwei Verbraucherbatterien ist definitiv kaputt.
    Der lokale Händler hat glücklicherweise flott reagiert und die Original AGM-Batterie 165 Amperestunden von Victron gestern bestellt und heute wurde sie schon geliefert. Leider ist es eine negative Eigenschaft von AGM-Batterien generell, dass sie sehr teuer sind. Dafür sollen sie dann länger als herkömmliche Bleiakkus durchhalten. Davon hat unsere Batterie wohl nichts gehalten und ist nach 3,5 Jahren viel zu früh nun „von uns gegangen“. Schade, und so wechselten über 400 Euronen den Besitzer. Eine Stunde später war die alte Batterie ausgebaut und der neue Akku eingebaut. (Gruß an Ralf, die To-Do-Liste ist schon wieder leer.-)).

    Die maurischen Zinnen der Alcazaba
    Die maurischen Zinnen der Alcazaba

    In Almería gibt es eine große alte mehrteilige maurische Festunganlage, der Tag war noch jung, Beine und Geist willig, das Hochgefühl der erfolgreichen Reparatur noch da, langer Rede kurzer Sinn, wir strebten flugs noch zu der Festung hin.
    Durch das Gewirr der Altstadtgassen fanden wir zielstrebig und zielsicher unseren Weg. Nur das kleine Hinweisschild zum Festungsaufgang lies nichts Gutes ahnen, der Rundgang ist mit Hunden nicht gestattet und eben diesen hatten wir – wie fast immer – dabei. Hätten wir uns denken können, haben wir aber nicht und von außen sieht das Ganze gut und imposant aus.
    Die Alcazaba ist ist eine sehr weitläufige Anlage auf einem Hochplateau und die Aussicht über Almería und die dahinter gelegenen Berge lässt auch das Hundeverbot schnell vergessen. Auf dem Rückweg lag eine wunderbar rote Frucht sozusagen auf dem Weg, aus der, beim Pressen, herrlich roter Fruchtsaft lief. Leider war es eine Kaktusfeige und zahlreiche kleine Stacheln erinnern abends schmerzhaft daran. Cornelia hat vor einiger Zeit, in weiser Voraussicht, eine Pinzette mit LED-Licht erworben und zupft einen kleinen Stachel nach dem anderen.

    Wie die wilden Katzen sich auf unser Futter stürzen...
    Wie die wilden Katzen sich auf unser Futter stürzen…

    Am Strand, wo wir und viele andere ihre Hunde spazieren führen, leben auch zahlreiche Katzen. Das ist in ganz vielen Häfen und Hafenstädten in Spanien so, und diese Katzen werden umsorgt, sie bekommen meistens genügend Futter. Volker war sich da aber nicht so sicher, und hat im nahegelegenen Supermarkt ein bisschen Katzenfutter besorgt, die Tiere fanden es gut, waren aber nicht sonderlich aufgeregt, deswegen.

    Die Alcazaba und im Vordergrund eine der zahlreichen Bausünden
    Die Alcazaba und im Vordergrund eine der zahlreichen Bausünden

    Almería hat zahlreiche schöne Ecken und ebenso zahlreiche Bausünden, unser Fazit fällt daher zweigeteilt aus. Wenn man schon mal hier ist, lohnt sich ein Blick auf die Sehenswürdigkeiten, wer eine längere Anreise hat, sollte noch weitere Ziele in petto haben.
    Morgen segeln wir nach San José, umrunden dabei Capo Gato (das Katzen-Kap) und freuen uns auf die schöne dahinter liegende Landschaft.

  • Die Reise geht weiter…

    Der Leuchtturm von Almería
    Der Leuchtturm von Almería

    So jedenfalls haben wir uns das für heute gedacht. In aller Herrgottsfrühe (um 8 Uhr :-)) waren wir schon wach und hatten die buchstäblichen Hummeln im Hintern. Nur der Wind hat noch tief und fest geruht und das Wasser war glatt wie ein Kinderpopo. Der Windmesser in unserer Mastspitze stand wie festgenagelt. Auch das Bemühen mehrerer Wetterberichte, die eigentlich Wind für uns vorhersagten, half nicht. Aber irgendwann folgte Aeolus wohl den Vorhersagen und leichter Westwind setzte ein und mit ihm wurden wir auch gleich betriebsam. Schnell folgte ein kurzer aber heftiger Abschied von Inge und Ralf, Jens und von Robert und Iris. Gestern lagen wir alle noch sozusagen nebeneinander, haben viele fröhliche Momente miteinander verbracht und im nächsten Moment löst sich die kleine Gemeinschaft auf. Robert und Iris segeln heute nach Gibraltar weiter, die anderen irgendwann ins Mittelmeer. Wir wünschen Euch allen eine gute Reise und freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen!

    Kontrollturm am Hafen von Amlería, schon von weitem ein guter Landmark
    Kontrollturm am Hafen von Amlería, schon von weitem ein guter Landmark

    Noch in der Hafeneinfahrt haben wir schnell und euphorisch das Großsegel gesetzt.
    Ein angenehmer Wind von hinten hat uns dann stetig und flott nach Almería geschoben. Nach nur dreieinhalb Stunden Seefahrt haben wir unsere Leinen im ruhigen und gut geschützten Hafen von Almería festgemacht. Die Überraschung war nicht schlecht, als wir feststellten, dass zwei Schiffe weiter die belgische Familie mit ihren vier Kindern liegt, die wir schon mehrfach getroffen haben und so gab es erstmal ein großes Hallo. Morgen wollen wir Almería erkunden, das historische Zentrum liegt direkt gegenüber vom Yachthafen. Cornelia hat das ehrgeizige Ziel, die etwas weiter entfernt liegende Festung Alcazaba aus der Maurenzeit zu erwandern.

    Dann, so ist zumindest der Plan, wollen wir mit ein paar Zwischenstopps weiter nach Cartagena segeln. Das Wetter scheint aber noch einige Überraschungen parat zu halten und wir werden daher unsere Weiterfahrt sehr konservativ planen.

  • Nächtliche Störung!

    Nachdem der gestrige Zahnarzttermin beim hiesigen lokalen Dentisten, gelinde gesagt, ein absoluter Reinfall war, haben Cornelia und ich das Internet bemüht und mit Erfolg einen deutschen Zahnarzt im 25 Kilometer entfernten Roquetas de Mar gefunden. Um 19.30 war noch der letzte Termin des Behandlungstages frei und so haben wir uns (Ralf, Inge, Cornelia und ich) auf den Weg gemacht. Jeder, der mich kennt, weiß, wie sehr ich mich vor dem Zahnarzt fürchte, und trotzdem war das Begleitteam nicht zu meiner persönlichen Verstärkung gedacht. Nein, die drei wollten einfach währenddessen den nahegelegenen Hafen anschauen und genüsslich Essen gehen.

    Man hat mich also abgesetzt und ist weitergefahren :-((

    Eine gute Stunde lang wurde meine Wurzel behandelt, der Wurzelkanal aufgefeilt, erweitert und gereinigt. Anschließend wurde der Zahn wieder verschlossen. Die nette Ehefrau vom Zahndoc hat mich dann noch zum Hafenrestaurant gefahren, guter Service. Mein Begleittross hatte schon ein ausgiebiges Mahl inklusive Nachttisch hinter sich, war aber so freundlich und hat die Limoncelli, die die Wirtin ausgegeben hat, sämtlich für mich aufgehoben. Mit einem kleinen Rausch, leichten Schmerzen im Kiefer und leerem Magen ging es zurück durch die stockfinstere Nacht nach Almerimar.

    Cornelia und ich führten Nico für eine nächtliche Runde aus und in einem nahegelegegen Pub bekam ich dann noch ein leckere Chili con Carne.

    Nico sturmumtost
    Nico sturmumtost

    Den ganzen Tag über hat es heftig geweht und in der Nacht legt der Wind nochmals kräftig auf. Windgeschwindigkeiten bis zu 90 Kilometern ließen unsere Hexe an ihren Leinen tanzen und rucken. Zudem erzeugen solch hohe Windgeschwinigkeiten in Häfen generell eine dermaßen laute Geräuschkulisse, dass an ruhigen Schlaf nicht zu denken ist. Der Wind, der um die Masten und Stage heult und kreischt, schwingt sich auf zu infernalischen Höhen. Heute weht es immer noch mit 50- 60 Stundenkilometern und vor der Hafeneinfahrt hat sich eine respekteinflößende brechende See aufgebaut. Kein Schiff fährt rein oder raus.

    Noch eine kurze Anmerkung: Seit gestern ist Jens mit seinem 8,5 Meter langen und 2,2 Meter breiten Schärenkreuzer Linda auch hier im Hafen. Jens haben wir in Lagos kennengelernt, er ist mit seinem Schiff in Deutschland losgesegelt und hat damit schon zahlreiche Abenteuer bestanden. In den Häfen schauen immer alle ganz neugierig nach “dem kleinen Boot”. Aber auch mit kleinen Schiffen sind bei guter Planung ausgiebige sichere Seereisen, ja sogar Weltumsegelungen möglich. So beschränkt nicht unbedingt das persönliche finanzielle Budget die Reiselust mit einem Schiff.

    Heute Abend wird mal wieder gegrillt, es ist schließlich Wochenende 😉

  • Adieu la France, Eviva España

    Nach einem weiteren Zwischenstopp in Perpignan und zwei sehr interessanten Werftbesichtigungen haben wir gestern Frankreich Adieu gesagt und die spanische Grenze kontrollfrei überquert. Frankreich hat seine Grenze in der Gegenrichtung dicht und kontrolliert jedes Fahrzeug, sie suchen ja auch immer noch nach Mittätern an dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Wir freuen und erfreuen uns sehr über unsere Reisefreiheit, generell. Freiheit ist ein wichtiges Gut und muss doch manchmal beschützt, gehegt und gepflegt werden. Grenzenloses Segeln scheint in Europa sehr einfach, Kontrollen gibt es fast keine, hoffentlich werden das auch zukünftige Seglergenerationen so  genießen können wie wir. Klar, “Big Brother” oder wer auch immer, wacht über uns, solange sie uns weitestgehend in Ruhe lassen… Genug Politik, aber auch wir leben nicht in einem Kosmos der Glückseligkeit und sind von den aktuellen Ereignissen ganz mitgenommen.

    Ein Denkmal auf den Ramblas von Tarragona
    Ein Denkmal auf den Ramblas von Tarragona

    Die letzte Nacht vor Almerimar haben wir in der berühmten spanischen Stadt Tarragona verbracht, die zum Weltkulturerbe erklärt ist und die schon mal die Schlagzeilen der Weltpresse beherrscht. Ein Tanklastzug ist im Sommer1978 in der Nähe eines Campingplatzes explodiert und hat über 200 Menschen mit in den Tod gerissen. Cornelia konnte das noch gut erinnern. Die Stadt war, wie Nimes, von den Römern besiedelt, und entsprechende Bauwerke sind, noch heute gut erhalten, sichtbar. Die Altstadt ist klein und übersichtlich, aber versprüht einen Charme, der auch auf uns wirkt.

    Heute Morgen sind wir dann früh aufgebrochen,  haben die letzten 800 Kilometer abgespult und sind staufrei um 16 Uhr, bei unserer Hexe eingetroffen. Großen Dank an Inge und Ralf, die sind mit ihrem Leihauto im Gefolge mit zum 40 Kilomteter entfernten Flughafen gefahren, wo wir unseren Seat Ibiza an der Europcar Leihstation zurückgegeben haben. Und nicht nur das, die beiden laden uns heute Abend auch noch zum Abendessen ein, schön, dass es so viele gute Menschen gibt 🙂

  • Begegnung mit “Je suis Charlie”

    Wer kennt diesen Baum?
    Wer kennt diesen Baum?

    Gestern Morgen war es soweit, es hieß Abschied zu nehmen von unseren Freunden und von unseren Kindern. Die Skiwoche war zu Ende, die Zeit ist wieder mal dahingerauscht, gemeinsame schöne Stunden liegen hinter uns. Das Petit Chalet verschwindet schnell in unserem Rückspiegel, teils kahle, aber auch schneebedeckte Berge begleiten uns noch eine Weile. Auf einer mahezu leergefegten Autobahn fahren wir mit angeschaltetem Tempomat gemütlich Richtung Südfrankreich. Und dann, so plötzlich wie die Berge verschwinden, klettert das Thermometer nach oben und bleibt kurz vor Nimes bei traumhaften 19 Grad stehen. Nimes, die von Römern gegründete Stadt, mit ihren zahlreichen historischen römischen Ausgrabungsstätten und römischen Monumentalbauten ist unser heutiges Etappenziel. Cornelia hat im Vorfeld fleißig nach Hotels gesucht und für uns das alte und traditionsreiche Imperator Hotel zu einem sehr günstigen Preis gebucht. Ernest Hemingway, Ava Gardner und Jean Cocteau waren hier schon zu Gast und auch Jaques Chirac, der frühere französische Präsident hat schon im Imperator genächtigt.

    Der Jugendstil-Aufzug ist ein echter Hingucker!
    Der Jugendstil-Aufzug ist ein echter Hingucker!

    Der Glanz früherer Zeiten ist in diesem Haus überall spürbar. Der Jugendstil-Aufzug mit seiner sichtbaren Mechanik und Technik ist für mich das Highlight. Cornelia war von dem weitläufigen Loungebereich mit riesigem Spiegel über dem großen Kamin und dem weitläufigen Garten sehr angetan. Leider nagt der Zahn der Zeit ebenso deutlich spürbar und sichtbar an Gebäude und Einrichtung.

     

     

    Der Wasserturm in Montpellier
    Der Wasserturm in Montpellier

    Nimes selbst ist ebenfalls sehr prachtvoll mit seinen zahlreichen Prunkbauten, sehr gepflegten und weitläufigen Parks sowie drei herausragenden römischen Bauwerken.

    Nur ein Eindruck aus dem Inneren des Gebäudes von Norman Foster
    Nur ein Eindruck aus dem Inneren des Gebäudes von Norman Foster

    Der Palais d’Art wurde von Lord Norman Foster entworfen, der auch das Commerzbank-Hochhaus in Frankfurt gezeichnet hat, und ist, ebenso wie dieses, lichtdurchflutet und ganz offen. Kulinarische Köstlichkeiten gibt es allerorts in der Innenstadt auf relativ engem Raum.
    Da wir es nicht ganz so eilig haben, wollen wir noch eine weitere Nacht auf unserer Rückreise nach Spanien in Montepellier verbringen, das als die Perle des Languedoc schlechthin gilt. Da weite Teile der Innenstadt für den öffentlichen Verkehr schlecht zugänglich sind, und zudem ganze Straßenzüge wegen Pflasterarbeiten gesperrt sind, gestaltet sich die Anreise ähnlich schwierig wie ein Hindernissparcours. Kaum wähnten wir uns nahe beim Hotel, schon gab es wieder eine Umleitung. Unsere Dame vom Navi ist jedenfalls irgendwann total ausgestiegen und hat jegliche weitere Zusammenarbeit verweigert. Doch Ende gut, alles gut, wir sind im schön gelegenen Hotel angekommen.
    Umso neugieriger waren wir auf die Sehenswürdigkeiten, wie den Triumphbogen, die Kathedrale, den Place de la Comédie, der als einer der größten Fußgängerzonen Europas gilt, die Gärten, der Aquaeduct und vieles mehr.
    IMG_2268IMG_0080IMG_0059Aber was uns erstmal vielmehr gefesselt hat, war der heutige Marsch der Republik in Zusammenhang mit den Terroranschlägen in Paris. Hier in Montpellier waren über 70.000 Menschen zu dem Solidaritätsmarsch in der Innenstadt unterwegs, zum Teil ausgestattet mit Plakaten und “Je suis Charlie”. So viele Menschen liefen durch die Dtraßen, junge und alte, mit Kindern, mit Gehhilfen, mit Plakaten und Fahnen, und immer wieder fing irgendwo eine Gruppe an zu klatschen, und das Klatschen setzte sich über die ganze friedliche Menschenmenge fort. Beeindruckend!

  • Wir würden nie wieder…

    …ohne diese 3 Dinge segeln, aus heutiger Sichtweise natürlich und auch passend zur Umgebung.

    Auch bei Schräglage bleiben die gefüllten Teetassen stehen
    Auch bei Schräglage bleiben die gefüllten Teetassen stehen

    Wir beginnen mal mit den Antirutschmatten. Jeder Segler kennt das, bei Schräglage und entsprechenden Wellen gerät alles in Bewegung auf einem Schiff, auch das, was sich partout nicht bewegen soll. Sind es die Teller, Tassen und Pfannen im Schapp (=Schrank für Nichtsegler), die Hafenhandbücher und Almanache auf dem Kartentisch und andere auch nur mal kurzzeitig abgelegte Gegenstände. Wir denken dabei an Fotoapparate, Sonnenmilch, die frisch gefüllte Tasse Tee, alles hat die Tendenz zum Rutschen, Stolpern und Umkippen. Wer von den Nichtseglern sich das nicht ganz so gut vorstellen kann, stelle einfach mal eine gut gefüllte Schale oder ein Glas mit egal welchem Inhalt auf einen Tisch und hebt diesen an einer Seite an. Die Scherben müsst ihr dann aber selbst zusammenkehren! Wir haben seit Beginn unserer Reise ca. 6 Meter Antirutschmatten an den verschiedensten Stellen in unserem Boot ausgelegt. kürzlich in Lagos kamen nochmals zwei neue Rollen dazu, und wir sind gespannt, wann der endgültige Bedarf gedeckt sein wird. Wirkt aber auch bei dem angehobenen Tisch, probiert es aus.

    Der nächste nützliche Helfer in dem klimatischen Übergang zwischen Herbst und dem nächsten Frühjahr ist unser geliebter Heizlüfter. Örtlich veränderbar erfüllt er unseren Anspruch nach Wärme und Geborgenheit im Schiff ohne Murren und Knurren, egal, wo wir uns gerade aufhalten. Nur Strom braucht er, den gibt es in den Yachthäfen, die Dieselheizung kann dann ausbleiben und wird nur gestartet, wenn es mal richtig feucht und kalt ist, oder eben auf hoher See, wenn der nächste Stromkasten weit entfernt ist.

    IMG_1979Und seit kurzem haben wir einen Wasserkocher mit 1,7 Liter Fassungsvermögen und den wollen wir auch nicht mehr missen. Klar kann das Wasser auf dem Gaskocher erhitzt werden, ganz einfach ist das, aber Gas und speziell unser Campinggas ist echt sehr teuer. Zwischen 17 und 30 Euro zahlen wir für die kleine 3,4-Kilo-Flasche. Platz für die deutlich günstigeren Propangasflaschen bietet unser Gasbehälter leider nicht und so kochen wir das Wasser für den Tee, die Nudeln und die Kartoffeln, zukünftig mit unserem froschgrünen Wasserkocher, natürlich auch nur, wenn wir am Strom hängen…
    Und das mit dem Strom und der Energie auf so einem Boot ist ein neues Thema, das wir dann auch mal in einem der folgenden Beiträge beschreiben werden.

  • Besser mal nachgeschaut

    Welcher Prinz wohl hiermit sein Aschenputtel finden mag?
    Welcher Prinz wohl hiermit sein Aschenputtel finden mag?

    Als wir nach dem coolen Ritt vor drei Tagen das Schiff aufgeklart haben, ist uns eine abgebrochene sechs-Millimeter-Niete ins Auge gefallen. Das kleine Stück Metall lag unschuldig im allzeit mittransportierten Beiboot und dasselbige liegt normalerweise auf dem Vorschiff. Mit Ralph haben wir dann zusammen das Schiff sozusagen untenrum inspiziert. Die Verbindung Mast – Baum war tadellos, am Baumbeschlag / Niederholer gab es keine Auffälligkeiten, der Spibaumbeschlag war mit allen Nieten fest an seinem Platz, kurzum, wir haben nix gefunden. Aber nix gefunden heißt noch lange nicht, dass nicht irgendwo diese Niete herausgebrochen ist, mit der Gefahr größerer Folgeschäden. Das hat der Capitania und dem Skipper doch einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Die Tour in die Mastspitze und zwar bis ganz oben hin, war so leider unvermeidlich. Gestern war es dafür mit 13 Grad ein bisschen frisch, heute dafür von den Temperaturen her um so angenehmer.

    Ralph von der „Mal wieder“, der deutlich weniger wiegt als der Skipper, hat sich für den Aufstieg angeboten. Doppelt gesichert mit zwei Leinen und, neben dem Bootsmannstuhl, noch mit Klettergurt ausgerüstet, haben wir ihn in Windeseile auf 21,6 Meter Höhe in die Mastspitze gezogen. Inge, Cornelia und ich waren dabei sozusagen die Bodenkontrollstation an den Leinen und Hebelklemmen. Der komplette Mast, die Wanten, die Salinge und alle montierten Beschläge wurden einer ausgiebigen Kontrolle unterzogen. Doch die Stelle mit der abgebrochenen Blindniete wurde partout nicht entdeckt. Wenigsten haben wir jetzt die Gewissheit, dass unser Mast in Ordnung ist. Das Beiboot lag nun schon seit einigen Wochen ungenutzt auf dem Vorschiff, vielleicht ist das kleine Stück Metall von einem anderen Mast abgefallen, oder der Klabautermann hat sie dorthin gelegt um uns zur Mastkontrolle zu ermutigen, wer weiß…

    Heute hatten wir noch einen letzten Großwaschtag im alten Jahr, die 15-Kilogramm-Waschmaschine im nahegelegen Waschsalon war jedenfalls proppenvoll gefüllt. Acht Kilo gingen am Ende der Waschsession noch in den Trockner, der Rest flatterte danach, hübsch aufgereiht, an der gespannten Wäscheleine, bei frischem Wind, wild hin und her.

    Üppig tragende Orangenbäume sind in den Städten keine Seltenheit
    Üppig tragende Orangenbäume sind in den Städten keine Seltenheit

    Ansonsten haben wir „Klar Schiff“ zur Sylvesterfeier, das Bier ist kalt gestellt, ausreichend Grillfleisch eingelegt, Salate sind vorbereitet und ein Kuchen ist gebacken ( natürlich mit Arbeitsteilung). Das neue Jahr kann kommen, wir feiern nicht allein hinein und sind schon ganz gespannt, was 2015 so bereit hält. Mit Bernd und Birgit, und Ralph und Inge wollen wir jedenfalls einen gelungenen Neujahrsstart hinlegen.

    Wir wünschen Euch ebenfalls einen guten Start ins neue Jahr, Gesundheit, Glück und Wohlbefinden!

    Mit herzlichen Grüßen aus Almerimar

    Die Crew der HEXE
    Cornelia, Volker und Bordhund Nico

    12 Trauben, abgepackt für Jahreswechselmitternacht
    12 Trauben, abgepackt für Jahreswechselmitternacht
  • Erster Schnee

    IMG_9386Den gibt es nicht nur in der Heimat, wo sicherlich der Verkehr zum Erliegen kommt und der Streudienst die weiße Pracht gleich wieder beseitigt. Auch hier hat es geschneit, die Bergspitzen der Sierra Nevada sind weiß bedeckt, zwar wirklich nur die obersten Kämme, aber immerhin. Baden im Meer, Skifahren in den Bergen, all das liegt nur eine Stunde mit dem Auto auseinander. Von Benalmádena haben wir uns losgeeist, was auch nicht wirklich schwerfiel. Der Hafen ist schwellig, sobald draußen das Wasser bewegt ist, die Hafenleitung ist schwerfällig und das Gesamtambiente muss man mögen. Der alte Ortsteil von Benalmádena liegt sieben Kilometer vom Hafen weg auf nahezu 500 Höhenmetern und bietet neben der kleinen und schönen Altstadt einen grandiosen Blick.

    Cornelia hat heute Allegra und Leonard zum Flughafen gefahren, dabei mit Allegra noch die wunderschöne Altstadt von Malaga besichtigt, die ist echt lohnenswert. Es lockt u.a. das römische Amphitheater, zahlreiche Kirchen und spanisches Kunsthandwerk.

    IMG_2021Wir haben das alles aber nicht besichtigt, sind nur gemütlich durch die Altstadt gelaufen, das war sehr schön, denn viele junge Leute und viele junge Familien waren unterwegs und genossen mit Freunden den Beginn des letzten Wochenendes im alten Jahr. Die Rastaurants und die Bars waren voll, und endlich mal mit ganz vielen Spaniern! Wir waren im Markt, wirklich sehenswert; haben zwei Keramik-Schüsseli in einem sehr netten Geschäft mit angeschlossener Kneipe erstanden und am Ende beim Samstagmittagsonnenscheinmarktfrühschoppen ein paar Tapas genossen.

    Ich bin mit Larissa bei leichten Winden und strahlendem Sonnenschein gesegelt. Der Sonnenschein blieb länger, der Wind legte kräftig zu, 32 Knoten war die Tagesspitze. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit betrug so zwischen 18 und 20 Knoten wahr, der Windeinfallswinkel war mit 160 bis 180 Grad von hinten ganz schön herausfordernd. Aber leicht kann ja jeder und durch das geringe Gewicht unseres Boots und der großen Breite im hinteren Teil ist das Ganze relativ stabil, die HEXE und der Skipper hatten reichlich Spaß dabei, Larissa ein wenig Probleme mit dem zunehmenden Seegang, Topspeed waren gute 12, 4 Knoten über Grund – der Skipper ist stolz auf das Boot.
    Jetzt geht es ins Restaurant, alle sind hungrig. Morgen soll die Reise weitergehen, Almerimar ist das Ziel, dort wird das Schiff dann auch liegenbleiben, wenn wir nach Frankreich zum Skifahren fahren…

  • Heiligabend

    Traditionell feiern wir, in dem Falle die ganze Familie, Weihnachten nicht am Heiligabend, sondern am 25. Dezember, dem ersten Weihnachtsfeiertag. Das hat sich einfach so ergeben umd das wird auch sicher noch länger so bleiben. Und hier in Spanien passt das gut zusammen mit der Landestradition. Weihnachten wird nicht am Heiligabend gefeiert, sondern am 25.12., so, wie auch in vielen Teilen der Erde. Löwi und Allegra sind seit gestern an Bord und seit gestern haben wir endlich auch einen besseren Liegeplatz im inneren Teil des Hafens mit deutlich weniger Schwell und Geruckel. An unserem alten Liegeplatz haben zwei unserer guten Festmacherleinen deutlich gelitten und der Mantel ist an mehreren Stellen durchgescheuert. Da müssen wir nochmal irgendwie nachbessern.
    Es gibt einen anderen süßen Vorteil von dem neuen Liegeplatz, wir liegen vor zahlreichen Dattelpalmen, die reichlich Früchte tragen, diese reifen Datteln sind so lecker. Zahlreiche Kanarienvögel machen uns allerdings die süßen Früchte streitig. Auch sind die geschickten Flieger schon mit dem Nestbau beschäftigt, das Zuhause für die Jungvögel wird mit viel Akribie und Hingabe hoch oben auf der Dattelpalme gebaut und ist ein höhlenartiges Nestkonstrukt.
    Wer Kanarienvögel kennt, weiß um ihre “Sprachfertigkeit” und so werden wir von morgens bis abends stimmgewaltig unterhalten. Fotos folgen!
    Am gestrigen Abend waren wir zu einem Flamenco-Abend mit den belgischen Eltern und ihren vier Kids gewandert. Eine halbe Stunde ging es steil bergauf in das hochgelegene moderne Stadtzentrum von Benalmádena. Für den anstrengenden Aufstieg wurden wir mit original spanischer Flamenco-Musik entschädigt, stimmgewaltig dargebracht von acht Sängerinnen und Sängern. So viel spürbares Temperament, soviel Leidenschaft und Ausdruck. Das ganze Spektakel fand auf einer kommunalen Bühne statt und war für alle beeindruckten und mitklatschenden Zuhörer und Zuschauer kostenfrei.
    Heute scheint die Sonne und es ist ziemlich warm, Löwi und Allegra überlegen, im 16 Grad kühlen oder warmen Mittelmeerwasser ein Weihnachtsschwimmen zu wagen. Cornelia und mir ist das deutlich zu kühl. Ab Mai soll die Wassertemperatur über die 20 Grad-Marke klettern und dann können wir über das Thema “Schwimmen” nochmal reden.Später wollen wir noch einen kleinen Ausflug mit unserem super Leihauto, einem Peugeot Tepee, ins hügelige Hinterland, mit seinen kahlen Bergen und urigen Dörfern machen.
    Jetzt geht es erstmal in einen riesigen Carrefour-Supermarkt, um für den heutigen Abend und unser morgiges Weihnachtsfest lecker einzukaufen. Diesmal wird es wegen fehlender Gerätschaften kein traditionelles Raclette-Essen geben, wir grillen stattdessen T-Bone-Steaks und Seewolf.

  • Ab jetzt geht es bergauf!

    Die Tage werden wieder länger und darüber haben wir uns in den letzten Jahren so gefreut, dass wir in der längsten Nacht des Jahres eine große Wintersonnenwendfeier gefeiert haben. 30 bis 60 Freunde haben sich Jahr für Jahr in unserem Garten versammelt, ums Feuer herumgestanden, an den Stehtischen miteinander palavert, reichlich wärmende Getränke getrunken, viel miteinander gelacht und auch den Winterferienbeginn gefeiert. Witterungsmäßig war bei der Feier auch alles mit dabei, von milden plus 9 Grad bis zu eiskalten minus 15 Grad, auch Regen, Schneefall oder im besten Falle ein schöner Sternenhimmel. Diese große Feier hatten wir in diesem Jahr leider nicht. Aber die Tage werden bald auch so wieder länger und da hat ja jeder was davon, zumindest auf der Nordhalbkugel.

    Gestern hatten wir, ziemlich sicher, unseren letzten Segeltag vor Weihnachten, der Wind kam zwar vorne, war aber von der Stärke her perfekt zum Kreuzen. Die 22 Seemeilen nach Benalmádena haben wir flott abgesegelt, segeln im Winter hat hier eine ganz andere Bedeutung als in den letzten Jahren in Holland, trotzdem sieht man kaum Yachten auf dem Wasser. Dafür sind hier die Häfen relativ voll mit festen Liegern, kaum jemand holt sein Schifflein aus dem Wasser, wofür auch, die Gefahr des Einfrierens geht wohl gegen null 🙂

    imageHeute waren wir schon mal fleißig! Die Ankunft der Kinder steht bevor, das Schiff ist innen und außen auf Vordermann gebracht, Cornelia verpackt soeben die Weihnachtsgeschenke, der Leihwagen ist reserviert, kurzum, Weihnachten kann kommen. Und ja, wir haben einen kleinen, also einen ganz ganz kleinen Weihnachtsbaum, der auch noch in unterschiedlichen Farben leuchtet, schaut mal selbst.

    Wir hatten soeben schon mal eine kleine Bescherung und haben uns beim lokalen Yachtausrüster einen neuen Fender und Bootswax gegönnt. Durch das Liegen an der Muringleine und dem direkten Kontakt zur nachbarlichen “Bootshaut” kann man gar nicht genug Fender haben und das ist eben im ganzen Mittelmeer so üblich. Das Wachs schützt ebenfalls unsere “Bootshaut”, diesmal vor den bösen UV-Strahlen und sorgt dafür, dass unser Schiff noch lange glänzt und hübsch aussieht.
    Leider gibt es hier in Benalmadena kein gratis Hafen-Wifi, die wollen sich das viel zu teuer bezahlen lassen. Die Woche soll 42 Euro kosten, ein nicht ganz zeitgemäßer Phantasiepreis. Da gehn wir lieber ins Pub vorn, vertrinken die 42 Euronen und nutzen das Gratispubwifi. Deshalb danken wir auch nur erstmal ganz ganz herzlich für die vielen lieben Mailweihnachtswünsche.