und dadurch bedingt jede Menge Ausfälle gab es beim diesjährigem Rolex Sydney Hobart Yacht Race. Ein langer Name für einen Hochseeklassiker, so lang wie der Name ist aber auch die Tradition dieser hochgradigen Segelsportveranstaltung. Bereits 1945 wurde vom Ausrichter, dem Cruising Club of Australia, kurz CYCA, das Startsignal zur Langstreckenregatta von dem südostaustralischen Sydney nach Hobart in Tasmanien gegeben.
Wenn andere Weihnachten im Kreise der Kreise der Familie feiern, machen sich einige hundert Segler auf, verteilt auf über hundert Segelyachten, um die ca. 625 Seemeilen langen Strecke zu gewinnen.
Zuerst führt der Kurs nach Süd-Süd-West durch die Tasmansee und dann weiter durch die berühmt-berüchtigte und häufig stürmische Bass Strait. Hier kommen die Wassermassen aus den antarktischen Gebieten an, wo sie auf einen ziemlich steil ansteigenden Meeresgrund treffen und zu unberechenbaren und brechenden Riesenwellen werden können. Im Laufe der Regattageschichte gab es daher nicht nur Sieger, sondern zahlreiche Segler verloren im Sturm auf hoher See ihr Leben. 1998 zog ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern über die Teilnehmer hinweg, viele Schiffe gerieten in Seenot, sechs Segler fanden tragischerweise den nassen Tod.
Das Sidney Hobart Race übt auf Segler aus der ganzen Welt eine magische Anziehungskraft aus. Bis zu 180 Yachten aller Größen aus allen Teilen der Welt nehmen daran teil, auch deutsche Regattayachten bilden immer wieder einen Teil dieses imposanten Teilnehmerfelds. Die 80 Fuß lange Morning Glory gewann 1996 mit einer Fabelzeit von 2 Tagen und 14 Stunden, ein Rekord, der immerhin über zwei Jahre Bestand hatte.
Für alle, die mehr sehen wollen, geht es hier zum Film des diesjährigen Regattastarts.
Imposante Bilder von ebenso imposanten Rennyachten. Aber auch in der diesjährigen Ausgabe der Veranstaltung hatte der Wettergott kein Mitleid mit den Teilnehmern und hat diesen Windgeschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometern, also Windstärke 9 beschert. Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben bereits mehr als zehn Schiffe, wegen zum Teil gravierender Schäden, aufgeben müssen.
In diesem Jahr kam wieder mal ein richtiger Tannenbaum zu uns, der Mini-Plastik-Weihnachtsbaum aus dem Chinaladen in Spanien ist in einem Schapp auf der Hexe geblieben.
Wie immer holt Volker das gute Stück schon acht Tage vor Heiligabend, und jedes Mal das gleiche Theater: Beim Odenwälder Tannenzüchter sieht der Baum gut aus, genau passend für die Ecke im Wohnzimmer, die er schmücken soll. Auf das Autodach passt er auch, dann wird er heimtransportiert und in die Wohnung getragen. Und siehe da: Die Tanne ist viel zu groß! Also wird die Spitze ein bisschen gekappt, unten eine Scheibe abgeschnitten, wieder in den Baumständer gezwängt, immer noch zu groß, noch eine Scheibe am Fuß abgesägt…
Geschmückt, mit Krippe
Und dann steht er, der Baum. Und wird mit Lichterketten geschmückt. Und der Egel darf schon mal ganz nach oben.
So leuchtet es bei uns im Wohnzimmer bis zum 23. Dezember. Erst dann kommt auch der Schmuck dran, die roten und silbernen Kugeln vom Opa, die roten Baumkerzen vom Weihnachtsmarkt, und dieses Jahr sogar die Krippe darunter. Hund und Katze sind inzwischen zu alt, um mit den Hirtenfiguren oder gar den Schafen zu spielen. Also liegt heute das Jesuskind in seiner Krippe, gut bewacht von Maria und Joseph, Esel und Ochs. Auch die Heiligen Drei Könige sind schon mal in Position. Und wer genau hinschaut, wird die dieses Jahr immer noch blühende rosa Rose vor dem Fenster erkennen können.
Wir wünschen Euch allen ein frohes Weihnachtsfest!
Am Donnerstag Abend fand in der Darmstädter Akademie für Tonkunst ein Konzert mit Werken des Darmstädter Komponisten Wilhelm Petersen statt, und gleichzeitig wurde der eher prosaische Name des großen Konzertsaals, nämlich “Großer Konzertsaal” in “Wilhelm-Petersen-Saal” geändert. Nein, es ist keine Bildungslücke, wenn man den Namen nicht kennt, leider ist Petersen nicht sehr bekannt. Wir haben ihn kennengelert, weil es in Darmstadt eine sehr aktive Petersengesellschaft gibt, von der wir die Notenwerke übernommen haben.
Das Relief von Detlef Kraft, links Jürgen Partsch, Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, rechts Cord Meijering, Direktor der Akademie für Tonkunst und Wolfgang Mechsner von der Wilhelm-Petersen-Gesellschaft e.V.
Wilhelm Petersen wurde am 1890 in Athen geboren, lebte aber seit 1891 mit einigen Unterbrechungen in Darmstadt. Ein eher ernster und vergeistigter Mensch ist er wohl gewesen, das hat der Bildhauer Manfred Kraft sehr schön umgesetzt in seinem Relief, das der Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, Jochen Partsch, anlässlich des Festaktes enthüllte. Bis in die dreißiger Jahre hat Petersen sich eher mit expressionistischen Stilen der Komposition beschäftigt, ohne jedoch die Tonalität zu verlassen, das hörte man sehr schön in den Morgensternliedern für gemischten Chor a cappella (also ohne Instrumente). Ab 1934 änderte er seine Kompositionsweise und fand zu einer sehr viel klassischeren Tonsprache. Das konnte man gut in dem ersten Werk „Von alten Weisen“, eine Kantate für gemischten Chor und kleines Orchester hören. Ein großes Lob gebührt dem Chor und Orchester der Akademie für Tonkunst unter der Leitung von Linda Horowitz für ihre wunderbar präzise und engagierte musikalische Darbietungen.
Lucas Blondeel und der Hammerflügel
Ganz überraschend stand als zweites Stück inmitten all der Petersen-Werke Beethovens Klaviersonate “Pathétique” auf dem Programm. Und zwar deswegen, weil hiermit der von der Petersengesellschaft gestiftete Hammerflügel vorgestellt wurde, ein Flügel aus der Zeit der Entstehung eben dieser Sonate. Der belgische Pianist Lucas Blondeel überraschte mit einer großartigen Interpretation dieser Sonate, und brachte dem Publikum den andersartigen Klang des Hammerklaviers nah. Es gab tosenden Beifall dafür.
Nun also, wenn unsere geneigten Leser mal die Möglichkeit haben, so ein Stück von Wilhelm Petersen anzuhören, ich kann es nur empfehlen. Hier ist ein kleiner unprofessioneller Mitschnitt aus dem Konzert zu hören.
oder immer genau da, wo es seit Jahren hingehört. So könnte man, auf den Nenner gebracht, das Standkonzept des Darmstädter Weihnachtsmarkts beschreiben. Wer einmal da war, und die Standplätze der weihnachtlich geschmückten Buden und Stände in der Gänze erfasst und abgespeichert hat, wird sich gleich wohl und zuhause fühlen. Das Wort “Tradition” wird bei unserem Weihnachtsmarkt mehr als wörtlich genommen. Der bekannte Spruch “Stillstand bedeutet Rückschritt” findet jedenfalls bei diesem Weihnachtsmarktkonzept keine Anwendung, im Gegenteil. Stillstand schafft Vertrautheit, alles an seinem Platz, kein lästiges Rumgesuche oder Umherirren. Jeder weiß, wo er seinen besten Glühwein findet, auf welchem Grillrost die leckerste Bratwurst gart, wo es welche Weihnachtsgeschenke gibt und wo die vertrauten und bekannten Menschen stehen. Ein gelungenes Konzept, das ein bisschen brauchte, bis es uns überzeugt hat. Die ersten Jahre fanden wir den Weihnachtsmarkt langweilig gleichförmig. Jetzt, im Hier und Heute, ist er uns irgendwie ans Herz gewachsen. Einstellungen ändern sich eben.
Outdoor Deko
Auch bei uns ist das Weihnachtsfieber ausgebrochen und alle bereits in Umzugskisten gelagerten Weihnachtsdekoartikel sind aus den Tiefen des Kellers ans Tageslicht zurückgebracht worden.
Der Maître bei der Arbeit
Eine Tradition bei uns, oder besser gesagt von mir, sind selbstgemachte Weihnachtsgestecke und -kränze. Ein paar Tannenzweige, alte Zeitungen, Wickeldraht und ein bisschen Weihnachtsschmuck und schon kann es losgehen. Noch ein paar weihnachtliche Dekoartikel in der Wohnung verteilt, Weihnachten 2015 kann kommen. Jetzt fehlt nur noch der Tannenbaum und die Weihnachtsgeschenke.
Alles, was der Weihnachtsmann so mag…
Wir freuen uns, wie immer, auf Weihanchten, fast so wie kleine Kinder (weil dann auch alle Kinder bei uns sind). Und im nächsten Jahr feiern wir hoffentlich wieder unter Palmen, im Warmen.Obwohl, kalt ist anders, nicht so wie gerade jetzt. Das haben wir uns temperaturmäßig deutlich kühler vorgestellt. Da kann der Glühwein getrost im kühlen Keller gelagert bleiben, und das Bier wohltemperiert im Kühlschrank liegen.
Jeder Segler, der erfolgreich sein Sprechfunkzeugnis vor der Regulierungsbehörde der Telekom abgelegt hat, sollte sich an diesen Ausdruck “Silence Fini” erinnern. Er war dort prüfungsrelevant. Viele Sprachteile in der Funkersprache, egal ob zu Lande, auf dem Wasser oder in der Luft sind historisch bedingt an die damals noch weiter verbreitete französische Sprache angelehnt.
So wird beispielsweise bei einem Seenotfall, der über Funk verbreitet wird, dreimal zu Beginn des Notrufs das Wort “Mayday” gesprochen und es ist als verbindlicher Ausdruck für Notfälle festgelegt. Wörtlich übersetzt aus dem englischen würde Mayday soviel wie “Maitag” heißen. Und ein Maitag hat nun nicht unbedingt viel mit Seenot zu tun. Nein, der eigentliche Wortstamm kommt aus dem Französischen. Ausgesprochen „meedee“, darin stecken gleich zwei französische Wörter, nämlich „me” und „aider”. Zusammengesetzt und übersetzt heißt das “hilf mir” . Daraus wurde dann das heutige international bekannte „Mayday“. Aber auch andere französische Wörter wie “Sécurité” (berwendet bei einer Sicherheits- oder Warnmeldung oder „Prudence” = Vorsicht, werden in der Funksprache verwendet. Bereits nach 1920 wurde ” Mayday” international bei Notrufalarmierungen verwendet.
Um mal einen kurzen Eindruck darüber abzugeben, wie komplex eine Seenotmeldung und demzufolge lernintensiv die Funkausbildung ist, nehmen wir mal exemplarisch an, dass die Segelyacht Anita am Sinken ist. Die Hexe wollen wir nicht als Beispiel bemühen, weil Segler, also wir auch, ziemlich abergläubisch sind oder sein können (natürlich die anderen).
So, jetzt geht es los, wir schalten das UKW-Funkgerät ein, stellen es auf Kanal 16 ein, das ist der internationale Notrufkanal. Wir drücken die Sprechtaste an unserem Mikrofon und rufen:
“Mayday, Mayday, Mayday This is (hier ist) Anita Anita Anita.
Mayday Anita
My Position is (meine Position ist) 49° 51.691’North / 8° 38.300′ East” (Positionsangabe Längen- und Breitengrad, das könnte aber nicht sein, das ist Darmstadt!)
“We are sinking” (wir gehen unter bzw. das Schiff geht unter)
“We are going into the life raft” (wir gehen in die Rettungsinsel)
“Over” (over wird immer am Ende des Funkspruchs gesprochen und bedeutet, das er vorbei ist)
Also formal einganz schön aufwendiges Ding, so ein Seenotruf, aber keine Angst, wer das nicht kann, wird wahrscheinlich auch gerettet. Während der Seenotfall abgewickelt wird, haben andere Funker zu schweigen = Silence (Ruhe)
Und um jetzt am Schluss zum Anfang zu kommen, wenn der Seenotfall vorbei ist, wird er mit dem Ausdruck “Silence Fini” formell beendet.
ist der bekannte Titel des französischen Erfolgsautoren Jules Verne aus dem Jahre 1873.
Wer sich ein wenig mit dem Schriftsteller und technikbegeisterten Jules Vernes bschäftigt, wird schnell erfahren, dass dieser bereits im zarten Alter von 11 Jahren von zu Hause ausbüchsen wollte, um zur See zu fahren. Der Fluchtplan wurde jedoch vereitelt und so drückte Jules Verne die Schulbank bis zum erfolgreichen Abschluss des Gymnasiums und studierte Jura in Paris, um in die Fußstapfen des Vaters zu treten.
Nach einigen Umwegen gelang es ihm, von seinen schriftstellerischen Fähigkeiten und Romanen leben zu können. Eines seiner erfolgreichsten Werke war und ist die „Reise um die Erde in 80 Tagen“. In dem Roman geht es um einen Wette zwischen dem englischen Gentleman Phileas Fogg und dem Reform Club in London. Fogg behauptet, in 80 Tagen um die Welt reisen zu können. 80 Tage später, und um viele Erfahrungen und Abenteuer reicher, kehrt der Romanheld als Wettsieger zurück in die englische Heimat.
„Jules Verne Trophy“ von Fanny Schertzer – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jules_Verne_Trophy.jpg#/media/File:Jules_Verne_Trophy.jpg
1990 wurde nach dem berühmten Namenstifter die Jules Vernes Trophy ins Leben gerufen. Eine Rekordjagd um die Welt mit dem Segelboot, oder besser gesagt mit echten Hochleistungssegelmaschinen. Der jeweilige Gewinner der Jules-Vernes-Trophäe ist derjenige, der am schnellsten um die Welt segelt, der Weltrekordhalter. Die Startlinie für die Hatz um die Welt ist eine gedachte Linie zwischen der englischen Halbinsel The Lizard und der französichen Insel Ouessant.
Kap Hoorn von See aus gesehen
Bei der Weltumsegelung müssen
das Kap der guten Hoffnung in Südafrika,
das Kap Leeuwin in Südaustralien und
das Kap Hoorn am Südzipfel von Amerika jeweils an Backbord gelassen werden.
Das Ziel ist erreicht, wenn die Startlinie wieder übersegelt wird und damit gleichzeitig zur Ziellinie wird. Der Wächter über den Rekordversuch ist das World Sailing Speed Record Council, kurz WSSRC. Bereits der erste Rekordversuch, dieErde in einer Zeit von unter 80 Tagem zu umsegeln, war erfolgreich.
16 Jan 1993, LA BAULE, LOIRE-ATLANTIQUE, France — MAIDEN VOYAGE OF BRUNO PEYRON’S BOAT AT LA BAULE — Image by ฉ DELLA ZUANA/CORBIS SYGMA
Zur Jahreswende 1993/94 umsegelte der Franzose Bruno Peyron umseren blauen Planeten in 79 Tagen und 6 Stunden. Bei dem Bau des Hochseetrimarans “Commodore explorer” von Bruno Peyron wurden konsequent neueste Bootsbautechnik und leichtere stabilere Materialien sowie, dank höherer Rechnerleistungen, verbesserte Konstruktionsberechnungen verwendet. Zudem kamen verbesserte Wettervorhersagemodelle ins Spiel und das sogenannte Wetterrouting während der gesamten Segelreise führte zum Erfolg. Doch kein Rekord währt ewig und bereits 1997 segelte der Landsmann von Peyron, Oliver de Kersauson mit seiner “Sport Elec” in 71 Tage um Welt. Zwischen 97 und heute wurde der Rekord immer wieder um ein paar Tage von verschiedenen Segelprofis unterboten.
Orange 2 / Photo: Gilles Martin-Raget/Orange
2005 war dann wieder das Jahr des Bruno Peyron, der die Erde in einer Fabelzeit von gerade einmal 50 Tagen mit seiner “Orange 2” umsegelte. Ein Quantensprung, ein Meilenstein und der Höhepunkt seiner Segelkarriere, ein Held für und in Frankreich.
Eine signifikante Rekordverbesserung gab es dann im Jahre 2012. Abermals ein Peyron, diesmal der Bruder von Bruno, Loick Peyron, er umrundete mit der “Banque Populaire” die Erde in der Bestzeit von gerade einmal 45 Tagen. Dabei waren Tagesetmale (= die innerhalb von 24 Stunden zurückgelegte Strecke) von über 600 Seemeilen keine Seltenheit.
Spindrift 2 / Photo: Chris Schmid / Spindrift Racing
Doch wie komme ich ünerhaupt auf das Thema? Gerade jetzt sind erstmals in der Geschichte der Trophäenjagd zwei Rennyachten gleichzeitig, aber unabhängig voneinander, unterwegs auf Rekordjagd. Zum einem der schweizerische, 40 Meter lange Renntrimaran „Spindrift 2” mit Skipper Yann Guichard und die etwas kürzere Hightechkonstruktion “IDEC Sport” mit Skipper Francis Yoyon und dem deutschen Navigator Boris Herrmann. Beide Schiffe befinden sich zur Zeit auf der Höhe von Südafrika und sind kurz davor, den Atlantik hinter sich zu lassen und den Indischen Ozean zu erreichen.
Wer nach dem Lesen dieses Beitrags Lust hat, die Rekordjagd dieser Segelgiganten zu verfolgen, hier die Internet-Adressen: www.spindrift-racing.com und www.idec-sport.com oder www.yacht.de, wo regelmäßig über beide Teams berichtet wird. Bis jetzt ist das Rennen spannend und der Ausgang noch völlig offen, da beide Teams mal kurz hinter der alten Rekordzeit hersegeln oder ein paar Stunden der vergleichbaren Zeit von 2012 voraus sind.
Übrigens ist die neue “Spindrift 2” die modifizierte und umbenannte “Banque Populaire“.
Alternativer Adventskranz mit den Deckchen von Erika
Die erste Kerze brennt am heimatlichen Adventskranz. Diesmal ist es kein gewöhnlicher Adventskranz, wie zu früheren (Advents-) Zeiten, sondern eher ein improvisierter, beinahe avantgardistischer. Not macht erfinderisch oder, wie in diesem Falle, kreativ. Denn als wir gestern Mittag in Darmstadt ankamen, hatten wir keine so richtige Lust mehr, noch irgendwo Tannenzweige zu organisieren. Vielmehr waren wir ganz schön hungrig und auch durstig und haben uns in der Aussiebar bekochen lassen. Ein paar Drinks und Cocktails später ging es nur noch vor die Mattscheibe und danach früh zu Bette. Diese Klimaveränderung 🙂
Die Henschel-Tüte als WasserspeicherDer Griff ist final ausgeleiert
Freitags hatten wir noch die Hexe winterfein eingemottet, den Außenbordmotor mit Süßwasser gespült, den Trinkwassertank komplett entleert und den Dieselmotor mit Frostschutz konserviert. Letzteres weniger aus der Angst heraus, dass der äußere Kühlkreislauf des Motors einfrieren könnte, so kalt wird es hoffentlich nicht, es geht mehr um den Korrosionschutz, wenn der Motor länger nicht läuft. Beim Außenborder waren wir auch trickreich und haben zur Spülung eine dicke stabile Plastiktüte mit Frischwasser gefüllt und unter den Frischwassereinlass des Motors gehalten. Das hat besser funktioniert als gedacht. Zu guter Letzt haben wir noch Luftentfeuchtersalz aufgestellt, das Cornelia im Einkaufszentrum erstanden hat.
Wie kleine Gespenster baumeln die Tüten zwischen den Hexen
Gestern morgen ging es dann mit den ersten Sonnenstrahlen auf den Heimweg, die ersten 150 Kilometer entlang der kurvigen Küstenautobahn mit magischen Ausblicken auf das Meer. Der Sonne-Wolken-Mix und die noch tief stehende Sonne sorgten für eine schöne Wetterkulisse. Um 17 Uhr waren wir zuhause, nicht ohne zuvor noch die Ingredienzien für die alljährlichen Adventskalender zu komplettieren. Wegen der nur noch kurzen Zeit gab es keine Einwickelorgie wie in den vergangenen Jahren, sondern jetzt schmücken 72 weiße Butterbrottüten mit farbigen Bändchen unseren Treppenaufgang.
Wir bleiben jetzt – wie schon mal angekündigt – einige Zeit stationär und werden zu häuslichen Landbewohnern, die evtl. anfänglich noch leicht schwankend durch die Straßen ziehen, weil der schaukelnde Untergrund fehlt. So, wie die Matrosen zu früheren Zeiten nach Monaten auf See.
Hin und wieder gibt es einen Bericht, denn es ist momentan segeltechnisch ziemlich viel los unterwegs auf den Weltmeeren, und die einschlägigen Seglerwebseiten im Netz sind voll mit spannenden Neuigkeiten.
Wir wünschen noch einen schönen Advent im gemütlichen Zuhause oder auf den Booten in den Häfen und Ankerbuchten dieser schönen Welt!
Früh sind wir losgefahren im sonnigen Villeneuve-Lobet, nachdem das Boot gut vertäut und hoffentlich sicher in seiner Box liegt. François, der im Hafen auf seinem Boot lebt und sich um vereinsamte Boote kümmert, wird drauf aufpassen. Und Sonia und Mika von der Marina bestimmt ebenfalls.
Auf der „Aurelia“, der italienischen Küstenautobahn, geht es bis kurz vor Genova immer am Wasser entlang, schöne kleine Orte auf der linken Seite, Weinberge, Obstplantagen. Dann verlassen wir das Meer und wenden uns den Bergen zu. In der Ferne sind sie schneebedeckt. Sofort halbiert sich die Temperatur von bis zu 12 Grad bei Genua, zunächst auf 6 Grad, dann auf 1°! Hinter Mailand steigt sie allerdings wieder und es ist eigentlich ganz schönes Wetter.
Im Gotthard-Tunnel dann – wie immer – in der Mitte 31°.
Und nach den 17 Kilometern Tunnel sind wir plötzlich im Winter Wonderland! Zwanzig Zentimeter Schnee und -2°!
Überm Vierwaldstättersee hängen tiefe Wolken, auch hier hat es geschneit. Mal sehen, wie das weitergeht, Larissa sagt, in Darmstadt scheint die Sonne.
in Erinnerung ist der heutige Abend. Reisen oder segeln wir um des “Reisens“ willen? Sind es die Menschen, sind es die magischen Orte, ist es der Zauber des Meeres? Oder doch vielleicht ein Mix von alldem? Schwer zu sagen, was mehr gewichtet. Was den Reiz des vagabundierenden Lebens ausmacht. Mal schlägt das Pendel mehr zu den Menschen aus, die man so trifft. Manchmal sind es die Orte. Heute Abend waren es die Menschen, die uns begeistert haben. Im Hafen gibt es, passend, eine Hafenkneipe, keine klassiche Spelunke, eher das Abbild eines elsässischen Bistros. Theke, Billard, klassisch mit gelb-roten Kugeln, einem Flipper und einem gemauerten Flammkuchenofen mit Holzkohlenfeuer. Der Name des „Etablissement”, eher halb-englisch und irreleitend “Le Pitcher”. Der Pitcher ist eigentlich ein Krug Bier mit 1,89 Liter Inhalt. Ein Größenmaß, das äußerst selten anzutreffen ist in französischen Bistros. Aber egal, hier vor Ort werden solche Henkelkrüge serviert und ausgeschenkt, dazu gibt es gratis gute Musik und einen deutschsprechenden Wirt aus dem Elsass. Gute Stimmung, nette Gäste und alle, die an uns vorbeigehen, interessieren sich irgendwie für Nico.
Das ist so ein bisschen Frankreich-typisch. Schweres Wort, das im Kern die Sache gut trifft. Frankreich ist, und das muss mal gesagt werden, extrem hundefreundlich, fast überall darf der Hund mit hin. Sogar in manche Supermärkte und in die Bäckereien. Heute Abend haben wir eine Landwirtin kennengelernt, die Zitronen auf drei Hektar Grund biologisch anbaut. Die meisten Früchte verkauft sie nach Paris. Dreimal im Jahr blüht der Zitronenbaum, doch nur zweimal im Jahr erntet sie. Alles Handarbeit, keine Maschinen wie beim Weinanbau. So wie früher, traditionell. Abends lebt oder wohnt die junge Frau in den Wohnanlagen der Marina Baie des Anges, erfreut sich daran und findet es nicht langweilig hier. Tagsüber ist sie von morgens an auf ihren Anbauflächen unterwegs. Krasser Gegensatz, der sich anscheinend nicht ausschließt.
Seit wir das letzte Mal in Cannes waren, wollten wir in die Chagall-Ausstellung gehen. Nun war – blöderweise – die Vernissage am Abend des Tages, als wir nach St. Raphael gesegelt sind. Das haben wir also schon mal verpasst, obwohl Volker nicht sicher war, ob wir einfach so in eine Vernissage spazieren dürften. Aber gut.
“Père Noel et sa femme” vom Bildhauer Richard Mas schmücken die Croissette
Am Sonntag sind wir ja dann von St. Tropez nach Cannes gesegelt, und ich habe schnell mal den Ausstellungsort „Malmaison“ gegoogelt, weil ich dachte: „Na, am Montag haben die bestimmt zu!“ Aber nein, das Internet mit Google beruhigt mich, sie sind auch montags von 11 – 20 Uhr geöffnet. Also spazieren Volker und ich nach Regelung der Hafengebühren – und ohne Hund – den kleinen Kilometer die Croissette entlang. Wir bleiben natürlich wieder an dem einen oder anderen Schaufenster hängen, Prada und Dior haben neue Modelle ausgestellt, es findet nicht immer unsere Zustimmung, vor allem die Preise sind wirklich jenseits von Gut und Böse…
Alternative Kunst?!
Wir kommen an der „Malmaison“, wo die Ausstellung sein soll, an, und tatsächlich ist de Tür zu! Die Öffnungszeiten sind auch nicht – wie Google denkt – von 11 – 20 Uhr, sondern von 10 – 12:30 und von 14 – 18 Uhr. Enttäuscht sind wir wieder abgezogen, es wäre ein schöner Programmpunkt für den gestern eher grauen Tag gewesen. Und der Tag ist kalt, beim nachmittäglichen Hundegang geht es nicht anders, wir kaufen für mich anstelle meiner dünnen Jacken einen warmen Daunenmantel, jetzt bin ich gut gerüstet für jegliche Art von bösem Mittelmeerwinter.
La Malmaison
Heute morgen waren wir beizeiten wieder bei der “Malaison, und siehe, die Ausstellung war geöffnet, wir waren auch keinesfalls alleine dort, mehr als ein Dutzend Menschen begleiteten uns durch die Räume mit Lithographien von Marc Chagall, eine kleine kompakte Ausstellung Chagalls Schaffens von den fünfziger bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Motive sind die gleichen wie auf den Gouachen und den großen Ölbildern, was z.B. in Frankfurt im Theater hängt, Zirkusartisten, immer wieder das Liebespaar, die Pferde, die die Freiheit symbolisieren (ob die Spielzeugpferde in den Läden wohl auf diese Zeichnungen zurückgehen?), der jiddische Geiger, der zu Geburt und Tod spielt, alles schwebt ein bisschen, es tut gut, sich die Bilder anzusehen.
Auf jeden Fall haben wir schöne Bilder gesehen, und mit unserem Ticket können wir auch noch die die Dalí-Ausstellung, 350 m weiter die Croissette entlang, besuchen. Bis April 2016.