Ich weiß nicht, in wie weit die “normalen” Nachrichtensender von diesem schrecklichen Ereignis berichtet haben. Vor der philippinischen Küste ist eine treibende 44-Fuß-Yacht mit einer mumifizierten Leiche, mit gebrochenem Mast entdeckt worden. Bei dem Segler handelt es sich um einen 59-jährigen Deutschen, der bereits seit mehreren Jahren mit seinem Schiff auf den Weltmeeren unterwegs war. Es kursieren Fotos im Netz, die den vollständig mumifizierten Leichnam, sitzend am Kartentisch zeigen.
Bei den bisherigen Ermittlungen zur Todesursache konnte keine Fremdeinwirkung festgestelllt werden, sondern es wird ein plötzlicher Herzstillstand vermutet. Das Schiff sieht innen ziemlich verwüstet aus und die Bilder vom Äußeren zeigen einigen Algenbewuchs an Rumpf und Unterwasserschiff, so dass davon auszugehen ist, dass die Yacht schon mehrere Monate führerlos übers Meer getrieben ist.
Nun haben wir uns für das „Schietwetter“-Wochenende ja extra eine größere Stadt wie Nizza ausgesucht, das war eine gute Idee. Der Samstag präsentiert sich schon in bleiernem Grau, immer wieder fällt Wasser vom Himmel, gut, dass wir ein trockenes Schiff haben.
Karnevalsfiguren bei Regen
Zwar machen wir uns auf, eine Runde durch die Stadt zu laufen, wir wollen mal sehen, wie der hier immer noch tobende Karneval gefeiert wird, und außerdem versuchen, eine Karte für die Sonntagsvorstellung von Rossinis „Barbier von Sevilla“ zu ergattern. Tatsächlich sieht man einige Karnevalswagen, aber die eigentliche Strecke ist abgesperrt und man muss sich eine Karte kaufen. Es gibt sogar Tribünenplätze, da sitzen auch tatsächlich Leute, das muss man sich dann aber wirklich „schöntrinken“.
Ich habe Glück, entgegen der telefonischen Aussage von der Theaterkasse gibt es nicht nur noch Stehplätze mit schlechter Sicht auf dem „Olymp“, im allerobersten Rang, sondern noch eine einzige Karte in einer Loge im 1. Rang. Ich freue mich wie ein Schneekönig!
… Gewalten… Meeres …Brutale…
Am Sonntag Morgen kommt Volker vom Joggen zurück und meint, wir müssen unbedingt zur Hafeneinfahrt gehen und die Wellen fotografieren, die sich dort in atemberaubender Weise brechen. Das sieht wirklich sehr spektakulär aus, wie diese ungeheuren Wassermassen auf die Felsen treffen.
Jugendstilfenster im Foyer
Um kurz nach zwei mache ich mich auf, den Weg am Wasser entlang zur Oper zu laufen. Da es relativ kalt ist, habe ich noch die grauen Stulpen an, ziehe sie aber vor der Oper aus und stopfe sie in die Jackentaschen. Auch meinen orangefarbenen Ski-Anorak gebe ich schnell an der Garderobe ab. Das Opernhaus von Nizza stammt eigentlich aus dem frühen 19. Jahrhundert, wurde jedoch durch einen Brand Anfang des 20. Jahrhunderts komplett zerstört und wieder aufgebaut. Es ist wunderschön, und bietet Platz für über 1000 Menschen im Parkett und den vielen Logen in den Rängen, einschließlich des Olymps, oder, wie es hier heißt, im “Paradies”, d.h. Stehplätze.
Der Orchestergraben
Gespannt bin ich direkt nach der Garderobe von einer netten jungen Platzanweiserin zu meinem Logenplatz geführt worden, bekam auch – weil ich die erste war – von ihr den besten Platz zugewiesen, wenn auch auf einem etwas klapprigen Stuhl, bei dem die – zugegebenermaßen sehr schönen – Stuhlbeine immer mal etwas wegklappten. Ich hatte einen großartigen Blick auf das Orchester und die Bühne, lediglich das Geschehen am rechten Rand war nicht so einfach zu verfolgen. Und dann kam der sehr junge Dirigent und das Orchester fing an zu spielen!
Almaviva bringt ein Ständchen mit der Unterstützung einer kleinen Kapelle
Um es vorwegzunehmen: Es war großartig! Musikalisch ganz große Klasse – das Orchester war präzise, präsent und unglaublich musikalisch – und als Opera buffa, als komische Oper, lustig inszeniert. Die Stimmen der Sänger, voran ein exzellenter Figaro und eine ausdrucksstarke Rosina, begeisterten allesamt, und alle Sänger, bis hin zur kleinsten Rolle, zeigten so viel Spielfreude auf der Bühne, dass die Zeit wie im Flug verging. Ich hatte ja gerade erst den “Barbier” in Darmstadt gesehen, das war auch eine sehr witzige Aufführung, als Fernseh-Soap inszeniert, aber – vielleicht lag es auch an dem besseren Sitzplatz in Nizza – ich fand die französische Aufführung noch besser als die hessische. O.k., das Bühnenbild war nicht so einfallsreich, aber es gab witzige Details, wie die Eröffnung mit Don Basilio beim Golfen…
Die Logen in den Rängen des Opernhauses Nizza
Auf jeden Fall kam ich gut gelaunt aus dem schönen Opernhaus raus, und Volker, der Gute, stand draußen mit Hund und zwei Regenschirmen, um mich abzuholen. Leider fing es in diesem Moment erst so richtig an zu schiffen, wir strichen unseren Plan, in der Altstadt einen Apéritif trinken zu gehen und rannten fast zur Marina zurück. Der Wind drehte den Schirm um, und schlussendlich kamen wir – völlig durchnässt – mit einem klatschnassen Hund, der sich schon unterwegs dauernd schüttelte, beim Boot an.
Bei Sonnenschein und leichtem Ostwind segeln wir von Imperia nach Alassio. genau gegen den Wind, aber das ist bei dem schwelligen Seegang der stabilste und angenehmste Kurs. Nach zahlreichen Wenden und Windrehern machen wir im schönen aber ausgestorbenen Hafen von Alassio fest. Wir sind, zumindest für heute, das einzige Gastschiff im Hafen. Blut tropft von meinen Fingern, nachdem ich die Muringleine belegt habe. Schuld sind kleine scharfkantige Muscheln, die sich an der länger unbenutzten Muringleine angesetzt haben.. Nach Reinigung und Desinfektion der Wunden spazieren wir in den Ortskern. Das schönste für Nico und für uns ist der frei Kilometer lange Natursandstrand, der sich von Ost nach West, genau vor Alassio, erstreckt.
lecker, lecker…
Der Ort selbst ist ein eher mondänes Seebad. Eine ebenso kilometerlange Fußgängerzone mit zahlreichen Läden aller Art durchzieht den alten Ortskern. So eine Art Sylt des Südens. Nach einigem Umherwandern landen wir in einer Vinothek, die eine so schöne einladende Atmosphäre ausstrahlt, nicht zuletzt durch die sehr feundlichen Gastgeber. So genießen wir nicht nur unseren wunderbaren Weißwein, sonder auch eine erlesene Tapasplatte mit Schinken, Speck, ringelten Gemüsen, Oliven, Käse und knusprigem Brot. Einige Weine später vergeht der 20-minütigeRückweg zum Hafen beinahe wie im Flug.
Reise, Reise, aufstehen hieß es dann frühmorgens um 7.30. Eine Stunde später war Nico Gassi geführt und die Hexe klar zum Ablegen. Nach einer flauen halben Stunde setzt ein segelbarer Wind von achtern ein. Der Spinnaker ging hoch und der Motor aus. Kein ganz beständiger Segelwind war uns für die 44 Seemeilen nach Nizza beschieden. Mal drehte er 20 Grad nach links, mal 30 Grad nach rechts. Wie bei einer Marionette musste ständig an den Leinen gezupft werden, damit das bunte Vorwindsegel stand. Dazu der Schwell, der unser Schiff ständig anhob, um es gleich danach, mit einem Knall auf einer anderen Welle abzusetzen. Kein ruhiges gemächliches Dahinsegeln. Eher ein ständiges Auf und Ab.
Das war’s
Und dann noch ein Knall und das Ende unseres trikolorischen Spinnakers war besiegelt. Herausgerissen aus dem Ganzen stand nur noch ein Teil des Vorwindsegels, der Rest flattert zerissen im Wind. Der häufige Gebrauch in Verbindung mit der hohen UV-Strahlung im Mittelmeer, dazu das Gerüttel umd Geschüttel durch die Wellen, waren wohl zu viel des Guten.
Danach ging es nur mit dem Standardvorsegel, der Genua, um einiges langsamer voran. Aber immerhin, um 17.45 Uhr war der sichere Hafen von Nizza erreicht. Segelpause für die nächsten Tage. Es soll ein Sturmtief durchrauschen, mit enorm viel Wind, Regen und fallenden Temperaturen im Gepäck. Also nix mit Segeln in den nächsten Tagen, bis Montag mindestens. Der Hafen ist von Wohnhäusern komplett umsäumt und bietet so guten Schutz gegen die vorhergesagten Widrigkeiten.
Aber da Wetter ja hin und wieder gerne als Sensation verkauft wird, lassen wir uns mal überraschen und wünschen von hier aus allen unseren Lesern ein schönes Wochenende .
Gestern war großer Wandertag, und der war dem Erkundungsgeist unserer Capitania geschuldet. selbst Nico war am Ende der (Tor-)Tour dem Zusammenbruch nahe. Mal kurz zur Einleitung, Imperia hat lt. Wikipedia ca 42.000 Einwohner. So, nur die sind auf ganze acht Stadteile verteilt, die kilometerweit auseinanderliegen. Die zwei ältesten Ortsteile Porto Maurizio, wo auch der Yachthafen liegt, und Oneglia sind durch die Flussmündung des Impero getrennt, aber natürlich durch Brücken miteinander verbunden.
Prunkgebäude der Regierung
Gestern meinte dann Cornelia , dass es an der Zeit wäre, ein paar Stadtteile dieser Flächenstadt zu erkunden. Also auf geht’s bei schönstem Sonnenschein und Segelwind. Vorbei an der ganzen Betonwüste der Hafenanlage, die Prunkgebäude der Post und der Regierung bleiben links liegen und nach einer halben Stunde haben wir den Flusslauf überquert. Oneglia ist kurz darauf erreicht und ziemlich schnell verlieren wir uns mehr und mehr in den engen Gassen der Altstadt. Von der Ferne sah Oneglia mehr nach Industriebrache mit stillgelegten Fabriken aus, beim Näherkommen enpuppte es sich als Juwel.
Leider sinkt der Kahn
Die Hafenfront ist ein Mix aus renovierten alten bunten Häusern, nur der schon versunkene Fischkutter im Hafenbecken stört das harmonische Bild. (der liegt da wohl schon länger…
Hafen von Oneglia
Restaurant reiht sich an Restaurant und lädt zum Verweilen ein. Wir jedoch wollen weiter und finden dann so eine Art historische Fußgängerzone mit kleinen Läden, echt schnuckelig. Nach knapp zwei Stunden laufen suchen wir noch nach einem weiteren Ortsteil der ja auch historisch wichtig sein könnte, und landen dabei in einer eher kargen Siedlung. Von der aus treten wir dann den langen Rückweg in Richtung Heimathafen an.
Schöne Villa auf dem Hügel über der Stadt
Wir laufen lange Straßen mit sensationellen Ausblicken übers Meer und wunderschönen Villen. Nach insgesamt drei Stunden kommen wir bei unserer Hexe an. Die Füße qualmen und Nico fällt, sichtlich gerädert, in einen langen Schlaf.
Wir grillen das erstandene Kalbskotelett, dazu gibt es leckere Spaghetti Alio-Olio und danach eine Mütze voll Mittagsschlaf. 12 Kilometer, zeigt Cornelias Laufapp an, die haben wir zurückgelegt.
Einer der vielen “Fiat Unos” im Stadtbild
Abends geht es trotz Müdigkeit für ‘ne Stunde durch die Altstadt, und dann zum Fußballgucken ins Irish Pub. Ein munteres Championsleaguespiel lässt die Zeit wie im Flug vergehen. Und mit dem Endstand von 2:2 können die Fans im Pub von Bayern München und dem FC Turin gleichermaßen zufrieden sein.
Heute stand mal wieder Segeln auf dem Programm und Ventimiglia als Zielhafen fest. Beim Start wehte es mit 3-4 Windstärken aus Ost und wir freuten uns auf einen schönen Segeltag. Doch bereits nach 40 Minuten Segelei war Schluss mit Schön und dem Wind. Hinter uns leuchtete der Altstadthügel von Imperia verführerisch in der Sonne, voraus war alles grau in grau bewölkt. Nachdem wir in einem Telefonat mit Ventimiglia festgestellt haben, dass der Hafen immer noch in Konstruktion ist, hatte die Capitania die Initialidee und meinte, dass wir einfach umdrehen sollten und in die Sonne zurücksegeln könnten. Logisch gut, gesagt getan. Hoch am Wind, bei leichter Brise zwar ging es zurück und doch voran. Nach knapp drei Stunden waren die Leinen wieder am alten Liegeplatz fest und das Schiff aufgeklart.
Prächtiger HausflurSenza parole…
Eins noch zum Schluss dieses Beitrags, der dann doch wieder länger als gedacht geworden ist. Das Leben hier in Italien erinnert uns ein bisschen an die Zeit in Nordspanien, Gallizien. Wir finden es total angenehm hier und erfreuen uns des Lebens, alles ist sehr entspannend. Abwechslungsreiche Landschaften mit hohen Bergen, alten Orten und Flussdeltas erfreuen den Betrachter. Vieles ist zudem viel preiswerten als an der Côte d’Azur. Ein Abendessen im Restaurant kostet zwischen 5 und 10 Euro, Obst und Gemüse sind günstig und das beste Rindfleisch beim Metzger kostet gerade mal 20 Euro pro Kilo. Zudem gibt es zumindest jetzt ganz ganz wenige Touristen. auch das ist anders als an der populären Côte. Die sogenannte Blumenküste hier ist ein echtes Idyll, vielleicht ist das anders im Sommer. Wir hatten früher nie daran gedacht, an diesem Küstenabschnitt zu segeln oder länger zu verweilen. Bella Italia vom Feinsten!!!
Aus der Nachmittagserkundung wurde nichts, wegen sonntäglichem Mittagschlaf des Skippers. aber dafür ging es dann abends mit viel Schwung die steilen Stufen hinauf ins historische Zentrum. Und das ist wirklich historisch, mittelalterlich mit allem, was so dazugehört. Mit engen typischen Gassen, Gebäuden und Gemäuern mit Kreuzgewölbe und einem riesigen Dom, der so gar nicht recht zu dem kleinen Stadtteil passen will.
Ein Flipper, wie er damals war…
Von ganz oben hatten wir dann einen malerischen Ausblick über das vollmondbeschienene Meer. Am Ende des 2-stündigen Rundgangs ging es wieder alle Stufen an anderer Stelle hinab. Da die Capitania ein gutes Auge für gute Kneipen hat, sind wir auf dem Rückweg noch in ein eher unscheinbares italienisches Irish-Pub hineingestolpert. Ein Uraltflipper der ersten Generation steht spielbereit dekorativ in der Kneipe rum, der Wirt offeriert selbsthergestellte Salami und luftgetrocknete Rinderlende. Das Bier kommt aus Schottland, was für ein gelungener Abschluss eines schönen Abends.
Das beste vom Rind…
Gestern hat der Skipper die Capitania, nach einem eher faulen Tag zum Essen in ein kleines familiengeführtes landestypisches Restaurant ausgeführt. Es gab für Cornelia Spaghetti alla marinaria mit ganzen Muscheln aller Art und allerlei anderem Seegetier … Ein echter Augen- und Gaumenschmaus. Leider haben wir vor lauter Hunger vergessen, ein Foto davon zu machen.
Vollmond vor Riviera-Kulisse
Ach noch eins, in vielen Restaurants gibt es, sozusagen zur Einstimmung, aufs Haus kleine Schnittlauchknödel, frittiert. So lecker… Erinnert mich zudem an meine saarländische Herkunft und Kindheit, in der es öfter leckere Schnittlauchpfannkuchen gab.
Lange dunkle Wintertage mit scheußlichem nasskalten Wetter, bei denen man nicht mal den Nico vor die Tür jagt (zumindest nicht für längere Spaziergänge) haben einen gewissen Bewegungsmangel mit sich gebracht. Natürlich bei bekannt guter Versorgungslage mit zahlreichen Süßigkeiten, festlichem Essen und einigen prozentreichen Getränken haben diese Tage des Wenigtuns ihre sichtbaren Spuren auf meiner Hüfte, bzw auf der Waage hinterlassen. 3,5 Kilo zeigt die Messeinrichtung mehr an als üblich, nicht schön von dem Ding, und leider spannt sich der Bauch auch deutlich sichtbar. Nur ungerechter Weise ist bei der Capitania kein Unterschied erkennbar, wo steckt die das nur hin? Egal wie, mein Speck muss weg, und da Verzicht nicht meine Stärke ist, muss der Kalorienumsatz eben drastisch gesteigert werden. Die Laufschuhe sind schnell aus den Tiefen der Hexenstauräume rausgekramt und ab geht es auf den schwarzen Asphalt. Die ersten Meter fallen noch schwer und der innere Schweinehund scheint alle Hebel zum Umdrehen in Bewegung setzen zu wollen. Aber so nach einem Kilometer ist der richtige Laufrhythmus gefunden und es macht sogar richtiggehend Spaß.
Pfiffig: als Stütze für ein Brett dienen zwei alte Nähmaschinen an der Capitaneria von Imperia
Ob jetzt die Pfunde so dahinschmelzen, lässt sich auf der Hexe leider nicht feststellen. Wir haben keine Waage an Bord und die Capitania hat optisch eh nichts an mir auszusetzen. Sagt sie zumindest. Wenn das keine wahre Liebe ist…
Heute hatte der Skipper ein anderes Sportprogramm, Fock setzen, Fock bergen, Spi setzen, Spi bergen, zwischendurch ein Sonnenbad, oder anfangs, wegen des fehlenden Windes und der trotzdem vorhandenen Wellen ein Rumpelstilzchentanz…
Bei schönstem Sonnenschein verlassen wir San Remo und wollen die italienische Küste, alles Neuland für uns ab hier, erkunden. Der Skipper ist schon wieder an der Grenze zum Fluchen, weil der wenige Wind sehr raum kommt, die Dünung lässt dann die Segel schlagen, und das nervt. Ich werde mir mein ZKWR (Zeit-Kreuzworträtsel) nehmen, und mich in die Sonne setzen. Wenn wir mal ein bisschen weiter draußen sind, wird sicher der Spinnaker gesetzt. Leider lässt der wenige Wind immer weiter nach, und statt Spi muss ab 11:45 die eiserne Genua mitschieben.
Das Regattafeld der 420er vor San Sebastian al mare
Irgendwo da vorne ist ein riesiges Regattafeld, es sind 420er, die offensichtlich eine internationale Regatta fahren, denn man sieht Segelzeichen aus verschiedenen Ländern. Gut für das Regattafeld und für uns, der Wind frischt etwas auf, wir setzen den Spinnaker und wieder freut sich ein Italiener über die Farbwahl, das Motorboot des Yachtclub San Remo fährt an uns vorbei und der Spi wird fotografiert.
Trotz drehender Winde und andauernder Trimmvorgänge halten wir durch bis kurz vor Imperia, erst zwei Meilen vor dem Hafen bergen wir das bunte Segel, und freuen uns auf eine neue Stadt. Es ist eine riesige Marina, mit Liegeplätzen für die ganz großen Boote. Jetzt sind sooo viele Plätze frei, ob die im Sommer wohl alle gefüllt werden?
Die Altstadt von Imperial ist vom Wasser aus deutlich sichtbar
Wir machen an der Pier direkt vor derAltstadt fest und freuen uns schon drauf, diese heute nachmittag zu erkunden.
Es ist nicht ganz so einfach mit dem Segeln an der Côte. Häufige Flauten wechseln sich mit noch häufigeren Flauten. Trotz Winterzeit ist es überwiegend schwachwindig, genau wie im November. Stetige und beständige Segelwinde, die durch Hoch- oder Tiefdruckgebiete enstehen, scheinen wohl eher die Ausnahme zu sein. Umso erfreulicher ist es, dass sich in den letzten drei Tagen so eine Art Tageswindmuster erkennen lässt. Wer morgens um acht Uhr den Kopf in den Nacken legt, und den Blick zur Mastspitze streifen lässt, wird eine langsam drehende Windanzeige sehen. Das Ende des sogenannten Landwindes naht, Zeit für die neu einsetzende Tagesthermik. Bis zur Mittagszeit tut sich nichts, garnichts, alles steht, hängt oder ist sonstwie bewegungslos. Kein Windhauch kräuselt die spiegelglatte Meeresoberfläche, nur erste Wolken über den vorderen küstennahen Bergketten lassen erahnen, dass da noch was drin ist mit dem Wind. Ab so ca. 13 Uhr zeigen alle Windrichtungsanzeiger in die gleiche Richtung, es herrscht eine geordnete Einigkeit der Windmesseinrichtungen in luftiger Masthöhe.
Und dann beginnt er zu wehen, der Motor, der unsere weißen Segel füllt und unser Schiff vorantreibt. Erst ganz sachte, kaum erahnbar, manchmal noch zu leicht, sodass das Boot mehr ein Spielball der alten Dünung ist und heftig rollt. Dann etwas stärker, sodass unsere Hexe schön voraus fährt, so wie gestern und heute. das macht echt Laune, es geht voran, es passiert etwas. Wenn dann das Ziel noch in der richtigen Richtung liegt, wie an den letzten beiden Segeltagen, steht einem schönen Segeltag nichts mehr im Weg. Gegen 18 Uhr erreicht die thermische Brise ihren Höhepunkt, um dann einer abendlichen Flaute zu weichen. Meistens jedenfalls.
Passend zur italienischen Flagge
Nachdem wir gestern in Menton die Leinen losgeworfen und die Segel gesetzt hatten, war nach 15 Minuten die auf dem Wasser unsichtbare Grenze zu Italien übersegelt. Der Wind kam von hinten, der Spinnaker wurde aus dem Winterschlaf rausgeholt und kurze Zeit später stand das bauchige Vorwindsegel in den italienischen Farben grün, weiß, rot. Sehr zur Freude der Crew einer entgegenkommenden Yacht, die von soviel Lokalpatriotismus sehr angetan waren und uns zujubelten. Dabei hätten sicher auch die Ungarn viel Spaß an unserer Farbwahl. Wir wollten nur ein richtig buntes Segel, das auch an grauen Tagen ein wenig Farbe ins Spiel bringt, Länderfarben hin oder her.
Das sieht böse aus…
Nur ein tiefes Donnergrollen lies uns dann aus dem seglerischen Wunschkonzert aufschrecken. eigentlich war nichts zu sehen außer sehr dunklen Wolken über der hinteren Bergkette. War da ein Gewitter im Anmarsch oder eine Gefechtsübung weit entfernter Kreuzereinheiten? Kurz nach dem Anlegen löste sich das Rätsel auf, ein schweres Gewitter hatte sich in der Bergwelt zusammengebraut, Blitze zuckten am frühabendlichen Himmel nervös hin und her, schnell gefolgt von einem tiefen Donner.
Weihnachtsbeleuchtung am Casino
Nach dem abendlichen Grillen, es gab leckere Hähnchenschenkel und Tomaten mit Mozzarella, dazu gegrilltes Foccacia, ging es nochmals in die freitäglich schön belebte Stadt. Während in Nizza Prinz Carneval herrscht, in Menton das Zitronenfest mit Umzügen gefeiert wird, hängt hier noch in allen Gassen die Weihnachtsbeleuchtung. Andere Länder, andere Sitten 🙂
Also, nachdem die Capitania in ihrem letzten Beitrag mir die Rolle zukommen hat lassen, über unser Katamaranprobesegeln zu berichten, will ich das jetzt mal machen.
Es steht bei uns seit ein paar Jahren immer noch das Thema im Raum, ob wir zweirümpfig die Weiten der Weltmeere erkunden werden, oder einrümpfig wie bisher.
Die ganze Geschichte, wie es bei der Bootsmesse in Cannes dazu gekommen ist, dass die Capitania sich mit dem Multihullvirus infiziert hat, wurde schon öfter mal erzählt. Seit dieser Zeit diskutieren wir immer wieder über dieses Thema. Nur soviel zum Thema “Segeleigenschaften”, genau wie bei den Einrümpfern gibt es auch bei den Katamaranen schnellere und agilere Schiffe und die langsameren, sogenannten Cruisingkatamarane. Wir haben über beide Schiffstypen ausgiebig “geforscht”, Segelerfahrungen gesammelt und viel Wissen angehäuft.
Nico gefallen die Netze auch
Nachdem es bei einem Gespräch mit Allegra eigentlich nur um Wassersprudler ging, (das sind die kleinen Dinger, die mit Hilfe von Kartuschen Leitungswasser in kohlensäurehaltiges Mineralwasser verwandeln), kamen wir auf Umwegen mal wieder auf das Thema Katamaran zu sprechen. So mit dem Hintergrund, was man da alles draufpacken kann. Und da geht echt einiges, platzmäßig im direkten Vergleich zum Mono.
Da ist er wieder ausgebrochen, der Zweirumpfvirus, der nicht nur Cornelia sondern auch mich zwischenzeitlich volll gepackt hat.
Das war noch nicht alles!
Nur eins ist klar, wenn schon Katamaran, dann muss es einer sein, der schnell und sicher segelt, wenn es sein muss, sogar gegen den Wind, also keine lahme Ente. Dieser Markt ist dünn gesät,es gibt eigentlich nur zwei Hersteller in Europa, die in Serie flotte Katamarane mit guten Segeleigenschaften bauen. Für uns die einzige Option, da wir unser Glück nicht bei einer Kleinst- oder Individualwerft suchen wollen. Die Serienproduktion bietet den Vorteil ausgereifter Produkte mit einem relativ standardisierten Herstellungsverfahren, sowie fest kalkulierten Lieferfristen und Preisen. Beide Bootsbauer, Catana und Outremer, sind in Frankreich am Mittelmeer beheimatet und bauen seit 30 Jahren flotte Schiffe für weltweite Reisen.
So schnell sieht das aus!
Eine Catana sind wir schon vor ein paar Jahren für eine Woche gesegelt, diesmal wollten wir die Sensation des Segelns mit einer Outremer erleben. Wind gab es an dem Tag reichlich, fast grenzwertig viel, das Werftteam stand parat und nach einem kurzen Kaffee ging es gleich früh morgens raus aufs Wasser. Wie gewohnt von unserer Hexe, habe ich das riesige Großsegel versucht direkt am Mast hochzuziehen, aber für die letzten der 27 Meter musste die Elektrowinsch ran.
Dazu noch schnell und effizient die Selbstwendefock ausgerollt und ab ging die Luzie. Wir haben alle Kurse zum Wind abgesegelt und waren begeistert von der Performance und dem ganzen Handling des Kats. Ca. 45 Grad wahre Höhe zum Wind bei 10 Knoten Speed, Topschnelligkeit des Tages 14,8 Knoten und auch mit einem Reff im Großsegel segelt die Outremer wie auf Schienen. Wenden? Kein Problem! Das Beste dabei, alles läuft total entspannt ab, ohne Stress oder große Anstrengung, alle Leinen sind da, wo sie hingehören und natürlich, es ist ja ein Kat, das Ganze ohne Schräglage. Nach dem Segeln haben wir den ganzen Kat noch einmal von innen nach außen inspiziert. Alle sichtbaren Installationen sind sauber ausgeführt, die Bilge und unteren Stauräume mit Topcoatanstrich sauber versiegelt und alle erspähten Laminatarbeiten scheinen sehr solide ausgeführt.
Auch drinnen ist die schnellsegelnde Outremer keine leere Höhle, sondern eine modern eingerichtete Schönheit mit ganz viel hübsch gestaltetem Wohnraum und Wohnwert. Ein rundum gelungenes Gesamtkonzept!
Tatsächlich, es geht noch! Bzw. sie segelt noch! Zwar zeigt die Logge nichts an, da scheinen sich Muschelchen angesiedelt zu haben, aber die Segel stehen und wir gleiten bei ganz zartem Wind Richtung Osten. Die Sonne scheint, und es ist so warm wie in der Nordsee an Ostern nicht oft.
Im Hintergrund sieht man die schneebedeckten Gipfel der französischen Seealpen. Noch zwei Segel- und ein paar Motorboote sind mit uns auf dem Wasser. Schaumermal, wohin der Wind uns heute noch trägt!
Menton im Abendsonnenschein
14:45 an der Pointe du colombier (die Landspitze der Taube) schwimmt ein totes Wildschein an uns vorbei, schrecklich! Es war schon ganz dick und aufgequollen, gut, dass wir das nicht gerammt haben, das hätte fürchterlich gestunken. Das arme Schwein!
Der Wind frischt immer weiter auf, bis zu 18 Knoten, wir lassen das mit dem Spinnacker, und sind trotzdem schnell. Noch bei Sonnenschein machen wir die Leinen in Menton fest.
Am Sonntag haben wir auf dem Weg nach Montpellier einen Stop mit einem kleinen Umweg durch das Land eingelegt, um unsere Segelfreunde schon mal auf ihrem Landsitz in “la Drôme” zu treffen. Das ist wunderschön dort, das riesige Grundstück liegt direkt an einem Fluss, die Obstbäume blühen schon und es ist unglaublich grün. Am späten Nachmittag fahren wir gemeinsam nach Montpellier, bewundern die mit Stuckdecken reichlich ausgestattete Altbauwohnung im historischen Zentrum der Stadt, und verbringen einen wunderschönen Abend zu viert.
Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf zum Probesegeln in La Grande Motte, davon wird der Skipper separat berichten. Nach einem langen Tag fahren wir abends zu unserer Hexe, schaffen es gerade noch, um kurz vor zehn in die Pizzeria, um, bevor die Küche schließt, zwei Pizzen zu ergattern und fallen todmüde ins Bett.
WellenbrecherKarwenzmänner 1bis Karwenzmänner 2
Am Dienstag überrascht uns das Mittelmeer mit einer gewaltigen Dünung, schon am Morgen. als ich mit dem Hund gehe, wundere ich mich über den Lärm am Strand, der von den großen Wellen verursacht wird, die auf die unzähligen Kieselsteine treffen. Mittags laufen wir an der Strandpromenade entlang und staunen über die Karwenzmänner, die da ankommen. Allein die Möwen, die auf dem Wasser sitzen, zeigen sich davon unbeeindruckt. Gut, dass wir heute, bei dem fehlenden Wind, nicht hinausgefahren sind, das wäre ein reines Gewackel geworden, kein Wind, aber Wellen wie auf dem großen Meer.
von weiß bis dunkelrot blühen die AlpenveilchenIdyllischer Flusslauf
Heute haben wir mit dem Auto einen Ausflug gemacht. Nach so langer Zeit am Land muss man sich wohl erst langsam an das Bootsleben gewöhnend Nur der Verkehr und die Umleitung in Nizza wegen des dort noch herrschenden Karnevals haben genervt, das wäre auf dem Seeweg nicht vorgekommen, da haben wir nur mal eine Stunde vor Nizza hin- und hergekreuzt, weil wir nicht in den Hafen einlaufen durften wegen der herannahenden Fähre.
Wolkenverhangen präsentiert sich das TalWer kennt diesen Baum?Kaktusfeigen
Wie auch immer es sei, wir sind mit dem Auto nach Eze gefahren, da kommt man mit dem Boot auch nicht hin, es liegt auf 470 m Höhe, in – heute – wolkenverhangenen Bergen. Warum auch immer, hier sind wieder die großen Parfümerien angesiedelt, vielleicht wegen der vielen Kräuter und Blumen? Eze ist eine kleine mittelalterliche Stadt, wo man – mal wieder – zahlreiche Steintreppen hoch- und wieder runterstiefeln kann. Mit der fehlenden Sonne war es kalt und feucht, und man fühlte sich schon ein bisschen ins finstere Mittelalter zurückversetzt.
Ein Seitenaltar der sehr schönen KircheGlaskunst…Hippokunst…
Allein die übermächtigen Andenken- und Kunsthandwerksläden waren Zeugen, dass wir uns in der Gegenwart befanden. Die für die kleine Gemeinde relativ große Kirche ist außen neoklassizistisch, innen aber sehr schön mit den seitlichen Erkern, die verschiedenen Heiligen gewidmet sind.
Nietzsches steiniger Weg zu Zarathustra
Der Weg zum Auto zurück war besonders steinig. Wir haben den Friedrich-Nietzsche-Pfad genommen, der Hund fand es gut, wir mussten aufpassen, dass wir nicht auf den ganz unregelmäßigen Treppenstufen, die auch schon einigermaßen verwittert waren, ausrutschten und uns die Haxen brachen. Diesen Pfad ist Nietzsche häufig gewandelt (hoffentlich war der Weg damals ein bisschen besser in Schuss) und lobte dessen landschaftliche Schönheit. Hier hat er auch große Teile seines bedeutenden philosophischen Werks „Also sprach Zarathustra“ geschrieben, das vielen heute eher durch die Vertonung als symphonische Dichtung von Richard Strauss und seine Verwendung in zahlreichen Filmen bekannt ist, die erste und wichtigste in Stanley Kubrick’s „Odyssee im Weltraum“, aber auch „Werner Beinhart!“ oder “Scott and Huutsch“ oder bei den Simpsons.
Auf dem Rückweg wollten wir lieber an der Côte entlangfahren, als die Autobahn zu nehmen, das war auch sehr schön bis Nizza, wo immer noch der Karneval tobt, die Jecken mit Masken herumlaufen, und die Straßen wegen Umzügen gesperrt werden. Vielleicht schauen wir uns das in den nächsten Tagen mal per Boot an, falls wir uns doch entschließen können, die Leinen loszumachen…