Corona-frei

Mal wieder ein Sonnenuntergangsfoto

Nachdem unsere Reiseaktivitäten, coronabedingt, deutlich abgenommen haben, ist damit irgendwie auch unsere Lust, einen allzeit aktuellen Reiseblog zu schreiben, deutlich eingebrochen. Mehr als sechs Jahre hatten wir, aus Spaß an der Freude, für die Familie, die Freunde und Wassersportinteressierte unsere Erlebnisse im weltweiten Web, gerne (mit-)geteilt. Das Beiträgeschreiben war ein wichtiger Teil unseres Bordalltages geworden. Egal, ob wir vor Anker lagen, Tagestouren gefahren oder größere Abschnitte gesegelt sind, wir haben immer eine Möglichkeit gefunden, Berichte zu veröffentlich, sei es über das Hafenwifi, das Datenvolumen unseres Mobilfunkvertrags, oder sogar über die Kurzwelle mit dem Pactormodem. Ihr, unsere treuen Blogleser, seid uns fleißig gefolgt, ihr habt Anteil genommen, sei es in Form eines Kommentars, eines Telefonats, oder sogar spontanen Besuchen an Bord. Wir danken recht herzlich für eure Treue.

Frühstück an Bord im Cockpit

Jetzt, in der Zeit, in der Reisewarnungen gegen befreundete oder benachbarte Länder ausgesprochen werden, Quarantänemaßnahmen unter Strafandrohung auferlegt sind, obwohl das Virus überall in Europa (und nicht nur dort) aufgetreten ist, nun, da das freie Reisen unter weißen Segeln, wenn überhaupt, nur noch sehr eingeschränkt möglich ist, werden wir leider nicht mehr in der gewohnten und bewährten Weise berichten.

Das soll aber nicht bedeuten, dass wir jetzt in einen vollständigen Beitrags-Shutdown gehen und unsere Bootserlebnisse nicht mehr veröffentlich wollen. Dazu gibt es viel zu viel Spannendes zu berichten. Nur das beinahe tägliche Update wird für die fast reisefreie Coronazeit entfallen und einem eher monatlichen Bericht weichen, der dafür aber auch entsprechend länger ausfallen wird. Und wenn Corona vorbei ist (wir wissen auch, dass ein Virus nicht einfach weg geht, …), also, wenn man wieder normal und jederzeit, ohne Restriktionen irgendwohin reisen kann, werden wir ganz vorne mit dabei sein und, sooft wir können, von den Reisen, den Ereignissen an Bord und vor allem von den Menschen, die uns begegnen, berichten.

In diesem Sinne kommen jetzt ein paar Geschichten, denn an Bord gibt es immer etwas zu tun, irgendwie geht auch immer etwas kaputt, aber jeder, der ein Boot sein Eigen nennt, kennt das nur zu gut, und den Nichtseglern wird das immer verbal um die Ohren gehauen.

Winsch mit zwei Micro-Switches

Also, vor ein paar Wochen schlummerten wir, in warme Decken eingepackt, in unserer Kabine, als wir mitten in der Nacht von einem superlauten Geräusch aus den Träume gerissen werden. Ein Geräusch, das an eine drehende Schraube im Wasser, ein hakelndes Getriebe beim Auto, oder eine trockenlaufende Pumpe erinnert. Sofort sprangen wir aus den Federn, ich stürmte nach draußen, die Capitania, inspizierte das Schiff von innen, dann trafen wir uns in der Naviecke wieder, schalteten den Hauptschalter und alle Einzelsicherungen am 24-Volt-Panel aus. Sofort war der Krach weg und es herrschte die gewohnte nächtliche Stille im Boot. Nach und nach begannen wir, einen Schalter nach dem anderen wieder anzustellen, doch es blieb glücklicherweise still. Also ab ins Bett und Licht aus. Keine zwei Stunden später schreckten wir wieder hoch, was für ein Lärm an Bord. Diesmal hatte Cornelia den richtigen Riecher und fand eine unserer elektrischen Winschen an Deck, die sich von selbst, wie von Geisterhand, in Bewegung gesetzt hatte. Es gibt einen 100-Ampère-Sicherungsautomat für jede Winsch, nach einer kurzen Zeit hatten wir den richtigen Schalter gefunden, und der Übeltäter hörte auf, sich zu drehen.

In der Folgezeit ging es an die Fehlersuche, Ralf stand uns telefonisch mit Rat und Tat zur Seite. Zuerst hatte ich einen der zwei (An-)Schalter im Verdacht, deshalb von einer anderen Winsch den Schalter, den sogenannten Microswitch, abgelötet und bei unser Problemwinsch wieder angelötet. Doch damit war das Problem nicht gelöst, mal drehte die Winsch von selbst, mal nur langsam, mal nicht, am Ende garnicht mehr.

Der Bösewicht, mit markierten Kabeln, damit wir sie beim Einbauen nicht vertauschen

Als nächstes stellten wir das Relais unter Generalverdacht, zumal es beim Anschalten nicht mehr klackte. Um es zu erreichen, muss man, im Inneren des Bootes einen Teil des Küchenschranks demontieren, was aber mit dem unterstützenden Rat von Outremer  kein Problem war. Und tatsächlich blinkte ein Anzeige-Led, was klar auf einen Fehler hinweist. Wir haben – ganz schlau –  von einer Cockpitwinsch ein Relais abgebaut und es gegen das angeblich defekte ausgetauscht. Doch die Winsch gab danach immer noch keinen Mucks von sich. Frustriert rief ich – malwieder – Ralf an, der meinte, dass ich nach und nach die Steuerkabel vom Relais für die Schalter abziehen soll. Tatsächlich, als die Kabel für den langsamen Winschgang ab waren, hörte das Blinken auf, ergo sitzt der Fehler im Winschschalter für den langsamen Gang, der muss dann getauscht werden, das ist einfach machbar. Das war jetzt schon die kurze Schilderung einer langen Odyssee …

Auf dem Weg durchs Watt

Wer gerne in Holland segelt, die Nordsee und das Watt mag, kommt an den idyllischen westfriesischen Inseln nicht vorbei, zumal ein herbstlicher Ausflug dorthin Ruhe, Erholung, Keine Corona-Infizierten, dafür schöne Segelerlebnisse verspricht. Auch wir sind dem Ruf gefolgt und haben die Einsamkeit, die Ruhe und die Stille auf Vlieland genossen. Im Sommer ist es nicht ganz leicht einen Liegeplatz im häufig vollen Hafen für einen Katamaran zu ergattern, aber in der Nebensaison ist auch für größere Boote genügend Platz. Bewusst und langsam, haben wir zu Fuß die Insel erwandert.

Durch das fast leere Dorf, die zahlreichen Stufen hinauf zum Leuchtturm, hinab zu den Dünen und schließlich durch die angenehm duftenden Kiefernwälder, um dann vom Aussichtsturm den Blick übers Watt, zur Nachbarinsel Terschelling und hinaus aufs offenen Meer schweifen zu lassen.

Ein Stück vom Regenbogen

Die Lichtspiele, am Himmel und am Horizont, sind im herbstlichen Holland besonders intensiv, der windbedingte schnelle Wechsel zwischen Sonne, Wolken und Schatten, faszinierend. Und bedingt durch die Wettersysteme sind die Windverhältnisse vorhersagbar und zum planbaren Segeln ideal. Der Motor kann ausbleiben und hilft nur bei den Hafenmanövern, das erinnerte uns an zahlreiche frühere Fahrten in diesen nördlichen Gewässern.

Bis zum nächsten Beitrag…

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