Platzregen…

laut prasselnd fällt der Regen auf den Kajütaufbau, an den Rändern des Cockpitzeltes sucht sich das Wasser seinen Weg und fließt in Rinnsalen dahin. Pechschwarz ist der Himmel, dicke Wolken und die bereits untergegangene Sonne zeichnen ein düsteres Szenario. Der Wind heult im Rigg, schwere Böen rütteln am Cockpitzelt. Seit heute Mittag gibt es für den morgigen Samstag eine Gewitterwarnung, die Windrichtung aus dem nordwestlichen und nordöstlichen Quadranten, mit 15-25 Knoten Wind, bleibt jedoch wie vorhergesagt. Heute haben wir mit unseren englischen Crewmitgliedern eine komplette (Sicherheits-) Einweisung durchgeführt. Die beiden wissen jetzt beispielsweise wo unsere Rettungsinsel gelagert ist, wie die neuen Schwimmwesten von Spinlock im Detail funktionieren und um deren vollständige Ausstattung, das Verhalten bei “Mann über Bord” wurde ebenso errörtert wie die Arbeitsweise der automatischen Lenzpumpen an Bord, oder wie das Notrudersystem funktioniert. Weiterhin kennt jetzt jeder an Bord den Stauplatz des Nebelhorn, der Seenotbake, der Seenotsignalmittel und der sog Grabbag ist gepackt. Ich fand schon früher immer das dieses Wissen über mögliche Seenotübungen und Sicherheitsbelange eher beruhigend als abschreckend ist, klar kann jeder Zeit was passieren, aber die entsprechende Vorbereitung und Ausrüstung an Bord, nimmt vielem den Schrecken. Zumal wir das Schiff selbst als sehr seetüchtig einschätzen.

Leider hat uns wieder einmal ein schlampiges Verarbeitungsdetail wieder sehr verärgert. Die Heizung ist direkt ans Laminat geschraubt, dadurch überträgt sich der Schall der Heizanlage sehr laut, das Schiffsinnere wird zum Resonanzkörper. Heute wollten wir mal ausprobieren, ob es insgesamt leiser wird, wenn man die Heizung vom Rumpf entfernt. Dabei mussten wir feststellen, dass alle vier Schrauben, die das Gerät halten, dollgedreht waren und nicht mehr gehalten haben. Glücklicherweise war der untere Teil der Heizung angeklebt. Ich kommentiere das jetzt mal nicht weiter, weil ich sonst ausflippe. Das Resultat, also das Loslösen der Heizung von der Bordwand war jedoch verblüffend positiv, weil deutlich leiser, also viel weniger Körperschall.

Jetzt haben wir erstmal eine Gummimatte zwischen der Heizung und dem Laminat und die Schrauben sind eingeklebt. Das ist eine provisorische Lösung, denn die Schraubenlöcher bleiben ja ausgeschlagen. In Lanzarote werden wir an einer finalen Lösung basteln.

Nochmals herzlichsten Dank an Trevor und Ralf für eure Mithilfe., und an Ingelore für den Kuchen zur Überfdahrt.

Das Boot liegt jetzt schon umgedreht im Hafenkanal am Steg und der Bug zeigt schon zur See hin, und heute morgen sind wir losgefahren Richtung Kanaren. Cornelia wird versuchen, per Winlink unsere Position zu melden, Ihr findet das unter Winlink.org/PositionRreports Callsign DL3HEX.

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Ein Erlebnis der besonderen Art

Topf mit Klemmen

aber leider so eins, das man nicht unbedingt braucht, hatten wir heute mit einem Ausrüstungsteil in der Küche unserer Outremer. Klar segelt ein Kat nahezu bretteben unter allen Windbedingungen. Doch bocken und bewegen tut das Boot sich trotzdem, je nach Wellenhöhe, mehr oder minder. Unter diesem Aspekt braucht man Topfklemmen, die beim Kochen unterwegs das Kochgeschirr an Ort und Stelle, also auf dem Gasbrenner, halten und verhindern, dass alles auf dem Boden landet, oder noch schlimmer, Mann oder Frau sich mit kochendem Inhalt verbrüht.

Das ganze System ist simpel und schnell erklärt. An einer Metallstange, die sicher in der Küchenarbeitsplatte verankert ist, werden halbrunde Topfklemmen angeschraubt und zwar jeweils links und rechts von Topf oder Pfanne. Das System ist so einfach und sicher, dass es sogar auf krängenden Einrümpfern tadellos und fehlerfrei funktioniert. Leider kam bei uns die besagte Haltestange in den letzten Tagen loser und loser. Am Ende hat sie wie der berühmte Kuhschwanz gewackelt.

Großbaustelle

Heute Morgen haben wir ( Ralf, Trevor und ich) uns ans Werk gemacht, um die Edelstahlstange wieder sachgerecht zu befestigen. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Die Stange ist mit Gewindeenden durch die Arbeitsplatte gesteckt und zunächst ist absolut nichts erreichbar. Wer jetzt keine Lust auf ausführlich Details hat, überspringt einfach die nächsten Zeilen.

Erstmal haben wir durch eine Serviceklappe in der Gästedusche versucht, unter die eingebaute Herdplatte zu kommen, um diese loszuschrauben. Kurz gesagt, das war der falsche Versuch. Also gab es nur die Möglichkeit der großen Intervention; der Backofen musste raus, was auch gelang, dann konnte die Herdplatte mit den Gasbrennern losgeschraubt und angehoben werden, erst dann war der Weg zu der Haltestange frei. Soweit alles klar.

schlechter kleiner Schweißpunkt

abgerissenes Gewinde

Ralf hat selbstsichernde Muttern besorgt, da die eminent wichtige Haltestange nur mit normalen Muttern befestigt war und diese waren lose, sonst hätte sie ja nicht  gewackelt. Beim Anziehen der selbstsichernden Muttern ist die Schweißnaht von der Haltestange auf der Arbeitsfläche abgerissen. So einen Schrott hat die Welt noch nicht gesehen! Dieses wichtige Teil ist nur mit einem kleinen Schweißpunkt fixiert und hätte auch jederzeit beim Kochen abreißen können. Wie kann man nur so einen gefährlich schlechten Mist verwenden?

So muss das aussehen

Glück im Unglück, mit der Firma Sopromar gibt es nahe der Marina einen Betrieb, der Edelstahl schweißen kann. Jetzt ist das Ganze solide mit einer 360°-Schweißnaht fest. Ich schreibe morgen ne Sicherheitswarnung an Outremer und bin auf die Reaktion gespannt. Meiner Meinung nach muss das, raus an alle Outremereigner die auch so eine Stange wie wir zur Topfsicherung haben, Grrrrrr.

Jetzt ist alles wieder zusammengebaut und sicherer und solider als es jemals war.

Unser großer Dank geht an Ralf und Trevor.

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Wetterfenster

Wettervorhersagen…

Da, wo es vor ein paar Tagen noch wenig bis keinen Wind auf der Wetterkarte gab, wirbelt ein kräftiges Tief in zwei Tagen den Nordatlantik durcheinander und schickt kräftige nördliche Winde in unsere Region. Ideal für uns und unsere Pläne mit der Überfahrt zu unserer ersten Kanareninsel Lanzarote und voraussichtlich ein Idealkurs für unseren Katamaran. Noch immer schwirrt in meinem Kopf herum, dass wir  in 24 Stunden die bisher nicht erreichte Marke von  200 Seemeilen abspulen wollen. Das ist schon eine magische Zahl für Fahrtensegler wie uns. Mit unserer alten Hexe waren wir froh, wenn wir 150 Seemeilen an einem Tag geschafft haben. Wenn der Wind wie vorhergesagt wehen wird, ist es durchaus möglich, dass wir unser Ziel erreichen können ohne das Material zu strapazieren, bzw. einen Schaden zu riskieren. Ich denke da eher konservativ, wir binden früh das erste Reff ein, Peace of Mind, Seelenfrieden, wie es so schön in der englischen Sprache heißt.

Praia do Zavial

Für die nächsten zwei Tage sind in Lagos herbstliche Regentage vorhergesagt. Heute wurde daher nochmal das sonnige Wetter genutzt und haben einen herrlichen Ausflug in drei verschiedene Badebuchten gemacht. Die erste, Praia da Ingrina, war recht klein mit einem vielleicht nur 100 Meter breiten Sandstrand und leider hohen Brandungswellen, die uns am Baden gehindert haben. Dafür war die nächste Bucht, Praia do Zavial, der absolute Kracher, dramatische Felsformationen, langer Sandstrand mit wenig Wellen luden zum Verweilen und Baden ein.

Der Binnensee on Praia Figueira

Der krönende Abschluss, sozusagen das Tüpfelchen auf dem I, war die abschließende Wanderung entlang eines kleines Flusses, durch ein üppig grün bewachsenen Canyon, zu einem kleinen Strand, Praia da Figueira. Dort gab es auf der einen Seite das Meer, dann den Strand und direkt landeinwärts den vom Fluss gespeisten Süßwassersee. See, Land Meer – das ist definitiv einer der schönsten Buchten die ich bisher während unserer Reise gesehen habe. Danke an Ralf und Inge für den schönen Ausflug.

Halloween costumes

Abends habe wir früh gegrillt, um anschließen beizeiten ins Bett zu gehen. Der Mix aus gestriger Halloweenparty in der Hafenbar, Schwimmen in der Brandung und der Wanderung durch die Schlucht hat uns redlich müde gemacht, gute Nacht …

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Erreichbar

Am Ende half nur die Kreditkarte, um mich wieder an die mobile Datenwelt anzubinden und der abgebuchte Betrag ist als ein relativ dickes Minus auf dem elektronischen Kontoauszug sichtbar. Das alte Telefon ist nicht mehr aufgetaucht und nach einer kurzen Internetrecherche haben wir mit dem “GSM-Shop” in Faro den günstigsten I-Phone-Händler in Portugal gefunden. Also ging es vor zwei Tagen mit dem Leihwagen die 80 Kilometer zurück nach Faro ins Smartphone-Paradies. Wir haben uns für das günstigste Modell entschieden, das ich immer noch recht teuer finde, doch Adel verpflichtet, oder besser gesagt, die Familie, jeder hat irgendein I-Gerät und viele nützliche Apps befinden sich im Familienaccount. Summa summarum bin ich jetzt wieder gewohnt erreichbar und das fühlt sich gleich viel besser an.

A meia praia – on the beach

Unsere englischen Freunde Trevor und Kay sind vor zwei Tagen gut gelandet und nun bei uns an Bord. Den gestrigen Tag haben wir bei hochsommerlichen 27 Grad am Strand verbracht, dabei mehrmals in der Brandung mit oder gegen die Wellen gekämpft, Strandtennis gespielt und natürlich dem faulen Nichtstun gefrönt. Schließlich war ja Sonntag und die kleinen Jobs an Bord können auf einen Werktag verschoben werden. Leider leckt das Überdruckventil am Heißwasserboiler noch immer, trotz einiger Interventionsversuche. Zudem ist an irgendeiner Stelle der Hydraulikbehälter für den Hydrogenerator undicht.

Das spätsommerliche Wetter hat viele Vorteile und einen entscheidenden Nachteil. Der Atlantik, zumindest das Stück bis zu den Kanaren, ist komplett windfrei. In meinen langen Seglerjahren habe ich noch niemals ein so großes Seestück mit “Nullsymbolen” bei den Windvorhersagemodellen gesehen. Immer am Ende des einwöchigen Trend- bzw. Vorhersagezeitraums wird Wind aus der richtigen Richtung avisiert, aber nur, um bei der nächsten Prognose am Folgetag revidiert zu werden. Egal, wir warten ab, die Motoren bleiben still, wir sind Segler mit Geduld und Zeit.

Die leckeren Spareribs sind vorbereitet…

Hilfe nach dem Kochen …

… danach der Baileys im Pub

Zudem haben wir mit Ralf und Inge und den Engländern eine sehr angenehme Gesellschaft, wir empfinden die gemeinsame Zeit als sehr wertvoll. Für den Abend koche oder grille ich was Leckeres (nein, ich will mich nicht selbst loben), danach wird geklönt oder es geht zur Livemusik in ein Pub.

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OH SCHRECK

mein Mobiltelefon ist weg. Bei der Ankunft am Flughafen in Faro war es noch da. Der spezielle I-Phone-Ortungsdienst hat es zuletzt am Liegeplatz unseres Schiffe geortet – Big Brother is watching you. Doch leider bleibt mein Handy unauffindbar. Ralf und Inge haben mit gesucht, die Capitania hat das Innere meiner Taschen von Innen nach Außen gewendet, es ist wie verhext auf dem Hexenkatamaran.

Man fühlt sich so unkomplett ohne Smartphone. Vorhin im talienischen Restaurant, das Paar am Nachbartisch liest sich die frisch erhaltenen Nachrichten vor, der Junge, der mit seiner Mutter zum Pizzaessen zwei Tische weiter sitzt, spielt irgendwelche Spiele auf seinem Handy, und bei der Capitania trudeln WhatsApp-Nachrichten ein. Nur ich bin ausgeschaltet.

Trotzdem gab es außergewöhnlich Leckeres zum Abendessen, Chateaubriand mit mehreren Saucen, dazu in einer Mischung aus Oliven-Knoblauch getränkte Spaghetti oder alternativ mit Kartoffelgratin. Ein excellent zubereiteter Gegensatz des Küchenteams vom “Italia” zum landesüblichen gekochten Rindfleisch.

Die Hexe liegt wohl behütet an ihrem Liegeplatz, vielen Dank an unsere lieben “Bootssitter”. Ab morgen sind unsere englischen (Segel)-Freunde Trevor und Kay mit von der Partie. Wir warten auf ein Wetterfenster um gemeinsam zu dem Kanaren zu segeln.

Morgen werden wir dann wieder mit neuem Elan und alten Träumen weiter nach meinen verlorenen Telefon suchen.

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Bestanden

Kalt, richtig kalt war es nach der Landung in Frankfurt. Alles, was an warmer Kleidung auf dem Boot lagerte, hatten wir mit im Rucksack, Kapuzenshirt, dicke Lederjacke, gewappnet gegen nur 10 Grad Plus. Gut, dass Larissa in unserer kleinen Wohnung die Heizkörper schon aufgedreht hat und es dadurch richtig muckelig warm ist, als wir in Darmstadt ankommen.

Doch auch fernab vom Boot lässt uns das Thema “Segeln” nicht los, im Moment gibt es jeden Tag eine Menge Neuigkeiten vom Volvo Ocean Racem, der Regatta, die auf ganz heißen 65 Fuß großen, kompromisslos gebauten Segelyachten rund um den Globus führt. Die 13. Auflage der Hatz um die Welt ist am vergangenen Samstag in Alicante gestartet, die erste Kurzetappe führt nach Lissabon. Quasi nur ein kurzer Sprint für die Mannschaften. Anschauenswerte, action-geladene Videos findet man auf www.yacht.de oder auf www.volvooceanrace.org.

Die Bescheinigung

Genauso spannend waren die letzten beiden Tage für die Capitania, die nochmal ganz viel Stoff für die Prüfung zum Amateurfunker gepaukt hat. Heute morgen um 9 Uhr wäre es dann soweit gewesen, wenn nicht ein Megastau zwischen Darmstadt und Frankfurt die Autobahn lahmgelegt hätte. Ein Stau, der vorher in keinem Staupilot nicht gemeldet war. Mit 15 Minuten Verspätung kam Cornelia im Prüfungszentrum an und die Prüfungskommission hat glücklicherweise ein Auge zugedrückt.

Es hat sich gelohnt, Cornelia hat, wie alle anderen Teilnehmer auch, die Prüfung bestanden. Sie hat jetzt die Harec, die erweiterte Amateurfunklizenz A. Das neue Rufzeichen lautet:

DL2HEX

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Lagos

ist eine lebendige Stadt, mit einem historischen Ortskern, einer bewegten Geschichte und es hat sich in den letzten Jahren zu einem sehr beliebten Urlaubsziel an der westlichen Algarve entwickelt. Neben den verwinkelten Gassen im historischen Ortskern gilt es die spektakulären Ponta-de-Piedade-Klippen, den Sandstrand “Praia da Ana” und den Yachthafen zu besichtigen. Wer abends gerne ausgeht, kommt sicher auf seine Kosten. In vielen Kneipen gibt es regionale oder internationale Livemusik; Freunden der gepflegten Trinkkultur seien die zahlreichen englischen Pubs ans Herz gelegt, die bereits zur frühen Happy Hour gut besucht sind. Ausflüge ins nahe Umland sind mit dem Leihwagen kein Problem.

Zahlreiche Steinmännlein grüßen in die neue Welt

Eins unserer persönlichen Highlights ist der Besuch am Cabo São Vicente, dem südwestlichsten Landzipfel Europas. Steilküsten und eine grandiose Aussicht, gepaart mit der imaginären Vorstellung dass das nächste erreichbare Land am fernen westlichen Horizont Amerika ist, verleihen diesem Kap eine besondere Bedeutung.

Ein weiterer Ausflug hat uns mitten in die Wolken geführt, oberhalb von Monchique war es auf dem Berg eiskalt, zwei Kilometer weiter unten konnten wir die Piri-Piri-Hähnchen genießen, für die diese Gegend berühmt ist.

Die maurische Festung von Silves

Erstmals haben wir vor zwei Tagen Silves besichtigt, ein kleiner Ort mit einer enorm großen und gut erhaltenen maurischen Festung, die auf einer Anhöhe gelegen ist und deshalb zudem noch einen schönen 360-Grad-Ausblick bietet. Wie überall in Portugal ist auch hier der Eintrittspreis mit unter drei Euro als sehr moderat zu bezeichnen.

Angenehm trubelige Stunden mit Carsten Paukert und seinen superlieben drei Töchtern liegen jetzt ebenfalls hinter uns. Das  Zusammentreffen mit den vier fühlte sich so vertraut an, als wäre es gestern gewesen und nicht drei Jahre her, dass wir uns hier in Lagos getroffen hätten. Wundervoll. Die Vier werden jetzt zusammen mit einem Freund ein Alusegelboot von Lissabon nach Faro überführen. Wir wünschen ihnen „Fair winds from behind“.

Morgen geht unser Flieger nach Frankfurt. Cornelias Prüfungstermin  für das große Amateurfunkzeugnis rückt näher, Dienstag ist es soweit und die Anspannung bei der Capitania steigt spürbar. Zumal es sich bei diesem letzten Prüfungsteil um den “ungeliebten” Technikteil handelt, die Schaltpläne, die sie erkennen und die Formeln, die sie dazu berechnen muss, fordern ihr alles ab.  Mit meinem schlechten mathematisch-physikalischen Verständnis bin ich heilfroh, dass Cornelia das Amateurfunkzeugnis macht und ich aus dieser Nummer raus bin.

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Viel zu schnell,

Die Gischt spritzt an den Rümpfen empor

vergeht mal wieder die Zeit, ganze drei Tage liegen wir mit unserer schnellen Hexe im Hafen von Lagos. Die Fahrt  hierher, besonders die ersten Stunden waren ein echter Seglertraum und das Vertrauen in unser Schiff ist deutlich gewachsen. Böen bis 38 Knoten von achtern haben unser 18-Tonnen-Boot vielfach auf über 18 Knoten beschleunigt. In den ersten Segelstunden haben wir einen Durchschnitt von über 10 Seemeilen pro Stunde rausgesegelt. Die Segelstellung war dabei denkbar simpel, wir hatten zwei Reffs im Großsegel und die Genua zur Hälfte ausgerollt auf der gegenüberliegenden Seite – ein konservatives Setup, unserer Meinung nach den Umständen angemessen.

Am Heck kocht die See

Trotz beachtlicher Wellen hat sich das Schiff sehr gutmütig verhalten, und wir haben uns sehr sehr sicher darauf gefühlt, besonders meine seglerischen Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Insgesamt war es eine der besten Überfahrten überhaupt, der Wind hat auch fast bis zum Ende durchgestanden und jetzt liegen wir im wunderschönen Lagos.

Nach ein bisschen Verhandeln mit der Marinaleitung haben wir für die nächsten Tage einen Liegeplatz bekommen. Ralf und Inge von der “Malwieder” haben uns willkommen geheißen und am Wochenende kommt noch mehr Leben in die Bude. Carsten Paukert und seine drei quirligen Töchter kommen für eine Nacht zu an Bord. Das ist die Segelfamilie, die wir schon vor fast drei Jahren hier in Lagos kennengelernt haben und mit denen wir  eine superschöne Zeit verbracht haben. Also ihr Lieben, wir freuen uns sehr auf Euch, der Süßigkeitenschrank ist gut gefüllt, für Paule steht Bier kalt und ab morgen lacht die Sonne wieder.

Noch ein, was uns sehr betroffen gemacht hat: An allen Gebäuden weht die portugiesische Nationale auf Halbmast, gestern habe ich dann einen Museumswächter gefragt, warum das so ist. Seine Antwort war, dass dies wegen der vielen Toten bei den schweren Waldbränden so wäre. Abschließend sagte er noch einprägsam und treffend, dass es nie gut ist, wenn Fahnen auf Halbmast wehen müssen – sehr zutreffend.

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Auf dem Weg nach Gibraltar – Tag 2

Sonntag, 15. Oktober 2017, Baro 1020, sternenklar, Wind O 3 – 4
Auf See – Gibraltar 16. Oktober 04:00, 250 sm

Der zweite Tag auf See war – leider – geprägt von wenig Wind. Das heißt Vorsegel setzen, Motor aus, Vorsegel bergen, Motor an, Vorsegel setzen, Motor aus, usw. undsoweiter, undsoweiter. Zum Schluss haben wir sogar kurzzeitig das Großsegel geborgen, weil es nur noch herumgeschlagen ist. Erst lange nach dem Abendessen kam erst ein bisschen, dann ordentlicher Wind. Volker hat wieder das Großsegel gesetzt, die letzten vier Stunden machen wir gute Fahrt, um vier Uhr nachts fällt der Anker vor La Linea, direkt neben dem Flughafen von Gibraltar, und wir ins Bett.

Montag, 16. Oktober 2017, Baro 1021, leicht bewölkt, diesig, SO 6-7

Nach ein paar ruhigen Stunden vor Anker in der Bucht von La Linea fahren wir zur Tankstelle in Gibraltar, um für 46 Penny pro Liter Diesel zu bunkern. Es ist schon beeindruckend, in der Bucht liegen so viele Tanker und Frachter vor Anker, bei der Port Control ist immer was los, ich muss dort um Erlaubnis bitten, zur Tankstelle fahren zu dürfen, weil diese direkt neben der Landebahn des Flughafens ist. „Your air draught, please“, fragt der Mensch am Funk, und meint den Tiefgang in der Luft, wegen der landenden Flugzeuge.

Dann segeln wir durch die Straße von Gibraltar mit zwei Reffs im Großsegel und achterlichem Wind machen wir 8 – 9 Knoten Fahrt. Nach Tarifa beginnt der Tanz, 35 Knoten Wind und ein bis zwei Meter achterliche Welle lassen die Hexe über die Wellen reiten, der Skipper jauchzt vor Freude und fotografiert. Die Hexe surft mit über 18 Knoten die Wellen runter, die Gischt spritzt. Dabei haben wir vorhin gemütlich gefrühstückt, und ich sitze am Schreibtisch und lerne. Cooles Segeln!

 

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Auf dem Weg nach Gibraltar – Tag 1

Samstag, 14. Oktober 2017, Baro 1021, sonnig, Wind NO 3-4

Gestern Abend waren Tatjana und Jeremy von der Outremer „Infinity“ mit ihren beiden sehr lieben kleinen Söhnen zu Gast, und wie immer werden Seglergeschichten (und Klagen über die Probleme des Outremer-Cats) ausgetauscht. Während wir bei dem Thema „Reisen mit Kindern“ sind, erzählen sie von dem anderen Katamaran, der bei ihnen am Steg liegt, auf dem sogar ein Junge lebt, der gerade ein Fernabi macht. Volker springt wie elektrisiert auf: „Das muss doch Bernhard sein!“ „Ja, bestätigt Jeremy, „der Mann heißt Bernhard und sie Beate“. Das ist doch die Familie, die wir bereits vor drei Jahren in Cartagena getroffen haben, und die wir eigentlich hier vermutet und bereits gesucht hatten. Nun haben sie aber einen anderen Kat, „Aurora“ und nicht mehr „Kentipi“, deshalb haben wir sie nicht gefunden. Volker läuft sofort rüber, um sie auf die Hexe einzuladen, und so wird es ein langer schöner Abend mit vielen Erzählungen.

Am Morgen wollen wir uns nur kurz verabschieden, es werden zwei Stunden daraus, zuerst einmal wollen wir natürlich die Aurora besichtigen, super Kat mit viel Platz, clever ausgebaut. Wobei Bernhard schon wieder im absoluten Bastelmodus ist, auf Booten ist ja immer etwas zu tun, und auf zehn Jahre alten noch viel mehr. Sohn Alexander lernt fürs Abi, er macht sein 8 Jahren Fernschule, nur zu den Prüfungen muss er nah Hamburg. Wir treffen auch noch die Eigner der Katherine, einer wunderschönen 20 m langen X-Yacht, auch diese dürfen wir anschauen, tolles Boot, Volker würde sofort tauschen…

16:00 Uhr, Baro 1019, sonnig, Wind ONO 5

Heute morgen haben wir zweimal einen Wal gesehen, direkt vor dem Bug ragte eine schwarze Rückenflosse aus dem Wasser. Mit achterlichem Wind segeln wir – leider lange gegen die Strömung – dahin, die Fock zunächst im Schmetterling, dann dreht der Wind weiter auf Ost, und seitdem fahren wir mit einem Windeinfallswinkel von 155-160° und 16 – 19 Knoten Windgeschwindigkeit durch das sonnenbeschienene Mittelmeer.

19:00 Uhr, Baro 1019, leicht bewölkt, Wind ONO 3-4

Spi steht, der Wind hat wieder geraumt, der Skipper kocht Spaghetti bolognese mit Wermut. Um 21:20 Uhr versuche ich mein Glück mit einer Funkrunde mit Ralf von der Malwieder, aber wir hören beide nichts, wie wir bei einem anschließenden Telefonat feststellen. Es mag anachronistisch anmuten, dass wir miteinander funken wollten, obwohl wir ja auch das Telefon benutzen könnten, um miteinander zu sprechen. Aber Tatsache ist, dass ich mit meinem Funkgerät immer noch nichts höre, und ich dachte, es liegt vielleicht daran, dass ich die falschen Frequenzen zur falschen Zeit benutze. Und irgendwann muss es ja mal funktionieren, spätestens, wenn wir fernab jeglicher Handyzelle sind und Wetterberichte oder -beratung von Freunden bekommen sollen.

23:00 Uhr, Baro 1020, kurz nach dem Cabo de Gata, Wind O 6

Kurz bevor wir den Wegepunkt erreichen, frischt der Wind plötzlich so auf, dass wir den Spinnacker bergen müssen. Leider wird das zu einem katastrophalen Manöver. Luvschot und -achterholer sind los, nur das Spifall ist oben am Mast belegt, ich muss hochsteigen aufs Dach, derweil verdreht sich leider der Spi so sehr um den Mast, dass er garnicht mehr runter kommen mag. Volker zieht mit allen Kräften und flucht, der Spi rührt sich nicht. der sitzt wie festgeklebt am Vorstag, keine Chance. Petra zieht mit, der Spi rührt sich nicht. Volker will in den Mast, da lege ich ein Veto ein, nicht nachts und bei 20 Knoten Wind und Welle, lieber erstmal nachdenken. Wir ziehen die Fock zehn Zentimeter raus, der Spi hält fest. Dann auf einmal gibt er ein kleines bisschen nach, und dann können wir noch einen Meter runterziehen, und dann haben wir gewonnen.  Petra und ich entwirren die 190 qm im Cockpit mit viel Geduld, nun ist er wieder in seiner Tasche, wir haben geschiftet, sind auf Kurs Richtung Gibraltar, noch 153 sm bis dorthin.

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