Blog

  • Schroff ist ein Riff,

    und schnell geht ein Schiff zugrunde, sang schon Hans Albers in seinem wohl bekanntesten Lied „La Paloma“. Und dazu muss nicht immer das Kreuz des Süden leuchten.

    imageHeute morgen wurden wir zufällig zum Rettungsboot für eine zehn Meter lange Segelyacht mit Motorausfall, wegen einer Leine in der Schiffsschraube.
    Kurz nach 9 zieht sich ein unbekannter junger Mann an unserer ausgeklappten Badeplattform nach oben und steht total aufgeregt vor mir. Seine Worte „Help me, quick“ lassen den ersten Schreck über den nicht erwarteten Besucher bei uns an Bord schnell vergehen. Mit ausgestrecktem Arm zeigt er auf sein treibendes Schiff, das keine 20 Meter mehr von der nahen hochaufragenden Felswand weg, zusammen mit seinen beiden Mitseglern an Bord, treibt. Atemlos erzählt er mir, dass seine Beibootleine beim Ankeraufgehen unglücklicherweise in die Schraube geraten ist und den Schiffsdiesel abgewürgt hat, während ich schon den Motor starte.

    Ich schicke ihn zu unserer Ankerwinsch, damit er schnell den Anker aufholt, während ich mit leichter Vorausfahrt die Kette entsprechend entlaste. Gefühlt eine Ewigkeit braucht der Anker, bis er oben ist, während sein Schiff keine 10 Meter mehr von dem vernichtenden Fels weg ist. Noch bevor unser Grundeisen ganz oben ist, drücke ich den Gashebel bis zum Anschlag, dreh das Ruder und und mach mich auf den kurzen Weg zur havarierten Yacht. Mein neues Crewmitglied steht kurz darauf neben mir am Steuer und ich weise ihn an, unsere Steuerbordachterleine schnell klarzumachen, damit wir eine passende Schleppleine klar haben, um sein Schiff unmittelbar in den Schlepp nehmen zu können. Keine Minute später und noch gerade rechtzeitig erreichen wir sein Schiff.

    Seine Crew belegt gekonnt die zugeworfene Schleppleine. Langsam, ganz langsam, setzt sich der Schleppzug in Bewegung. Aufgrund der sehr nahen Felsenwand habe ich mich entschieden, sein Schiff über das Heck, also von hinten, zu schleppen. Cornelia kommt just in dem Moment mit dem Beiboot an, und wundert sich, was wir da so treiben. Schnell hat sie jedoch die Situation erkannt und sichert den kleinen Schleppverband gekonnt mit unserem Dinghy zur Seite hin. Nachdem wir uns mit 2-3 Stundenkilometern langsam, aber beständig vom Ufer entfernt haben, bespreche ich mit meinem Mitfahrer das weitere Vorgehen und erkläre ihm in Französisch, dass wir jetzt den Schleppverband langsam, vom Wind angetrieben, zur Seite driften lassen und dass er sich mit Taucherbrille und scharfem Messer klarmachen soll, um die Leine vom Propeller freizuschneiden.

    Gesagt getan, er springt über Bord und macht sich an die harte Arbeit. Wer schon einmal eine Leine von einer Schraube losgeschnitten hat, weiß, dass dem Körper dabei einiges abverlangt wird – ein Knochenjob. Der Propeller ist ca. 1 Meter unter Wasser, in der Bootsmitte. Das treibende Schiff ist ein Spielball der Wellen, es rollt wild von einer Seite zur anderen und wird dabei auch immer wieder angehoben und wild klatschend abgesenkt. Oft sind mehrere Tauchanläufe notwendig, weil man zwischendurch immer wieder an die Oberfläche zum Luft holen muss.
    Auf jeden Fall glückte die Mission und nach vier Tauchgängen war die Leine frei. Mein mittlerweile Exmitfahrer klettert bei sich an Bord, startet den Motor und nimmt das Ruder in die Hand, bemerkt aber entsetzt, dass es klemmt und sich nur mit Gewalt bewegen lässt. Ein kurzer Blick achteraus brachte die Erklärung, eine weitere Leine hatte sich unbermerkt zwischen seiner Ruderoberkante und und dem Bootsrumpf eingeklemmt. Mit Geschick und Glück konnten die drei jungen Franzosen diese Leine jedoch vom sicheren Cockpit aus losbekommen. Nachdem der französische Skipper alle Systeme überprüft hatte, konnte endlich unsere Schleppleine losgeworfen werden. Mit Dank und lautem Jubel wurde zur Hexe rübergerufen und gewunken.

    Kurze Zeit später hatte sich unser Anker an gleicher Stelle wieder fest in den sandigen Meeresgrund gegraben. Cornelia kam bald mit Nico und dem Beiboot angetuckert und hat als Dankeschön eine große Flasche Martini Bianco, unbemerkt von mir, von der glücklichen Mannschaft überreicht bekommen.

    Ende gut alles gut! Und wer jetzt zu uns an Bord kommt, kann einen Martini gerührt oder geschüttelt genießen, je nach Gusto 🙂

  • Bei Versace

    19. Juli 2016, Dienstag, Baro 1015, sonnig, warm, O 4-5
    Es Cubells 13:10 – Es Pujols 16:30, ca. 16 sm

    Es fiel ein bisschen schwer, heute den Skipper zum Aufbruch zu motivieren. Ich war schon sehr erstaunt, dass gestern, als der Wind gegen zehn Uhr anfing, und immer mehr auffrischte, nicht das berühmte „in fünf Minuten legen wir ab“ erklang, denn es war schönstes Wetter und bester Wind, aber nach dem letzten Sonnenbrand wollte Volker nicht den ganzen Tag am Steuer in der Sonne sitzen.
    Doch so langsam brauchen wir mal einen Ort mit Einkaufsmöglichkeiten, der Kühlschrank ist öd und leer. Und dann müssen wir ja auch noch entscheiden, wohin wir segeln sollten: In die Bucht von Sant Antoni, das wären 22 sm bei achterlichem und später halben Wind, oder nach Es Pujols, das wären 13 sm gekreuzt.
    Volker meint, ich solle doch mal entscheiden, wir würden dahin segeln, wo ich hinwolle. „Mir egal“, sage ich. „Nein, Du entscheidest heute.“ „Okay, dann fahren wir nach Sant Antoni!“, entscheide ich. „Und dann morgen schon wieder zurück? Du willst doch am Wochenende wieder auf Formentera sein, falls am Montag Dein Paket aus Deutschland beim Tierarzt ankommt.“ Jetzt kreuzen wir gerade nach Es Pujols. Soviel zu „Du entscheidest“.

    Die erste halbe Stunde saß ich auch am Ruder, damit der Skipper im Schatten bleiben kann, und nur für Mannöver sich der direkten Sonneneinstrahlung aussetzen muss, aber länger hält er das doch nicht aus, jetzt sitzt er mit Schirmmütze und T-Shirt am Ruder, abet dafür ist er wenigstens glücklich.
    Und wir haben einen Supersegeltag, sonnig, warm, genügend Wind (ja, wir müssen mal nicht über plötzlich auftauchende Flauten klagen) und eine flott segelnde Hexe trotz Dinghy im Schlepptau.

    Kurz nach vier sind die Leinen fest in der Bucht vor Es Pujols. Leider fällt mir beim Aufklaren auf, dass Nico, wohl kurz vor Schluss, auf den Teppich gepullert hat! Wir sind entsetzt, das hat er nämlich vorgestern Nacht wohl auch schon gemacht, allerdings an anderer Stelle, und es ist uns erst später aufgefallen. Diesmal aber stellt Volker ihn so richtig in den Senkel, er wird ausgeschimpft und muss rauf ins Cockpit, und da auch bleiben. Verschämt versteckt er sich in der hintersten Ecke, aber das besänftigt den Zorn des Skippers noch nicht. Der Teppich und die Anti-Rutsch-Unterlagen müssen raus und abgewaschen werden, auch der Boden wird geputzt, während Nico in seiner Ecke ausharrt.

    Ich fahre dann mal mit ihm und dem Dinghy an Land, diesmal sieht man mir wahrscheinlich die schlechte Aura an, kein Mensch hilft mir, das Dinghy an Land zu ziehen! Sonst war immer jemand zur Stelle, ein netter junger Deutscher, zwei italienische Mädels, eine Engländerin, zwei Spanier, aber heute schauen alle einfach weg! Und das gleiche auf dem Rückweg ins Wasser! Meinst Du, einer stünde mal mit seinem fetten A… aus seinem Liegestuhl auf und würde mir helfen? Keiner!
    Wieder zurück an Bord gibt es eine kleine Abkühlung im blauen Wasser, wobei man hier auf kleine böse Quallen achten muss, und dann sprüht Volker die Stellen im Teppich mit dem geschenkten Parfümpröbchen aus Barcelona ein. Jetzt riecht es bei uns nach Versace!

  • Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n

    17. Juli 2016, Sonntag, Baro 1010, sonnig, warm, Wind O 2-3

    Heute haben wir zum ersten Mal den Verband an Nicos operiertem Beinchen abgemacht, und, nachdem Volker ihn gehörig geschimpft hat, als er dran lecken wollte, lässt er jetztdie Wunde bislang in Ruhe. Und wir ihn nicht aus den Augen. Er versucht uns aber zu überlisten, verzieht sich still und leise in die Achterkajüte, gangz ganz weit nach hinten, um sich unter der Decke zu verstecken und doch an der Wunde zu lecken. Da hat er aber die Rechnung ohne mich gemacht. Höchstens zu kurzen Mannövern ist er hier unten alleine.

    Gestern sind wir um 19:00 Uhr mit unserem Beiboot in den Hafen gefahren, um die Prozession zu Ehren de la Virgen Carmen, der Heiligen der Fischer und Seefahrer anzusehen. Es war viel los, aber auch nicht mehr als sonst zu dieser Uhr- und Jahreszeit. Ich habe nochmal bei beiden Marinas nach dem Preis gefragt, tatsächlich, ohne dass ich die genauen Maße unseres Bootes nennen musste, bekam ich in beiden Fällen die Bestätigung: „Ja, der Liegeplatz für eine Nacht kostet 225€!“ Ich wolltefragen, ob das inklusive Vier-Gänge-Menü und Massage ist, hab es mir dann aber doch verkniffen, und sagte nur „Das ist aber teuer!“. „Tja, es ist eben Hauptsaison“, war die Antwort. Nee, soviel zahlen wir nicht für Boot putzen, staubsaugen, Wassertank füllen und Batterien komplett aufladen, da bleiben wir lieber an unserer günstigen Boje oder vor Anker.
    Die Prozession hätten wir fast übersehen, so klein war sie. Aber der Ort hat ja auch nur wenige Einwohner, und die meisten sind um diese Uhrzeit bei der Arbeit in Restaurants und diversen Läden.

    Jedenfalls wurde die Carmen zum Fischereihafen getragen, dort auf einen Fischerkahn verladen, die mitprozessierenden Menschen ebenso. Die Jungfrau Carmen wurde aufs große weite Meer hinausgefahren, begleitet von zahlreichen Schiffen aller Größen und Gattungen, also Segel-, Motor-, Fischer- , Behörden- und Ausflugschiffen. So wurde die einstmal kleine Prozession auf dem Land zu einer großen ansehnlichen auf dem Wasser. Nach gut einer Stunde waren alle, samt der Carmen, wohlbehalten zurück im sicheren Hafen, wo dann eine kleine Gruppe, begleitet von Trommel und Flöte, volkstümliche Tänze aufführte.
    Neben ein paar Kirmesbuden stand eine Bühne, wo erst eine Salsaformation das Publikum zum Mittanzen animierte und später eine Rockband ihre Saiten und ähnliches zum Klingen brachte. Letztere war zwar text-, aber nicht tonsicher und damit nix für unsere verwöhnten Ohren.
    In der Hafenbar gab es noch einen kleinen Absacker. Der dreiviertel Mond am sternenklaren Himmel spiegelte sich im spiegelglatten Meer, mit soviel Beleuchtung fanden wir sicher unseren Weg nach Hause, äh, zum Boot.

    Am Schluss unseres heutigen Blogs wollen wir nochmals ganz ganz herzlich Herrn Dr. Heissenberg für die gelungene Nico-OP und seine umfassende Beratung danken.
    „Sie haben unsere Bedenken und Sorgen im Vorfeld der OP, sehr ernst genommen und und uns durch Ihre Professionalität überzeugt. Nico ist wieder in altgewohnter Art unterwegs und die Wundern verheilen bestens. Zur Nachuntersuchung in der nächsten Woche kommen wir gerne vorbei und die herzliche Einladung Ihrer charmanten Frau zum gemeinsamen Abendesssen am nächsten Wochenende nehmen wir natürlich sehr gerne an.
    DANKE!“

  • Vor ein paar Tagen

    haben wir bei Nico am linken vorderen Knie ein kleines Geschwulst ertastet und uns erstmal nicht soviel dabei gedacht. Es kam in seinem 14-jährigen Hundeleben schon mal vor, dass er sich irgendwo draußen in der „Wildnis“ verletzt hat und das daraus der eine oder andere Knubbel entstand, der wieder verschwand.

    Leider war das mit dem Gewächs am Knie nicht der Fall, erst war es erbsengroß und vor zwei Tegen schon auf gut anderthalb Zentimeter angewachsen. Zudem hat sich unter dem einen Geschwür noch ein anderes, kleineres rausgebildet. Von unserem letzten Aufenthalt in Formentera her konnten wir uns noch an eine deutsche Tierarztpraxis in La Savina erinnern. Die haben wir gestern mit umserem treuen vierbeinigen Begleiter aufgesucht und nach einer kurzen eingehenden Umtersuchung war klar, dass das Geschwür dort nicht hingehört und schnellstmöglich wegoperiert werden muss.

    Zum Glück liegen wir mit unserem Boot nicht soweit von der Praxis und zudem noch völlig sicher an einer Mooringboje des lokalen Nationalpark. Der Ranger des Parks mag Hunde generell und hat uns die Boje trotz fehlender üblicher Reservierung, überlassen.
    Heute früh sind wir dann mit Hund und Beiboot zum Tierarzt motort. Sofort nach unserem Eintreffen hat Nico als Vornarkose eine Schlafspritze bekommen und ist danach augenblicklich in meinen Armen weggedöst. Über drei sehr sehr lange Stunden mussten wir warten, bis wir wieder zu ihm durften. Die OP selber ist gut verlaufen, alles was weg musste, ist entfernt worden, und wird nun in der nächsten Woche in einem Labor untersucht werden.

    Nico war bis 18 Uhr noch ziemlich schläfrig, aber schon beim Spätabendspaziergang wieder fast der Alte. Erst auf drei Pfoten und nach einer Weile wieder vierpfotig waren wir gut 20 Minuten unterwegs. Morgen früh geht es zum Verbandswechsel und zur Kontrolluntersuchung.

  • Irgendwie

     

    ist es gut sein, auf Formentera. Man ist entspannt, egal, ob Tourist oder Einheimischer, keine Verbotsschilder, beispielsweise an den Stränden, schränkt die gefühlte und erlebte Freiheit ein.
    Die Küste bietet dank der vielen Einschnitte zahlreiche Ankermöglichkeiten, und, wer länger sucht, fiindet auch die vielleicht ersehnte Einsamkeit, im Inselinnern zumindest. Leere Ankerplätze gibt es hingegen nicht so viele, aber mit ein bisschen Glück und Geduld hatten wir gestern so ein einsames Postkartenidyll gefunden. Als einziges Schiff lagen wir vor der Cala Es Ram. Von Land aus ist diese kleine Bucht schwer zugänglich und bis zum Einsetzen der nächtlichen Finsternis haben wir nur 4 sonnenhungrige Menschen am kleinen “ Strand“ entdeckt. Das mit dem Strand ist in Anführungszeichen gesetzt, weil das kleine Buchtenende mit seinen aufgestapelten sichtbaren Felsschichten eher ein offenes Fenster in die Erdentstehungsgeschichte ist, als das, was man gemeinhin umter einem Strand versteht. Bildlich gesehen, ist es so vielschichtig wie beim Blätterteig. Sehr interessant!
    Kurz vor Mitternacht war es dann mit der Ruhe am einsamen Ankerplatz leider vorbei, als sich ein historisches Dampfschiff mit dröhnendem Dieselgenerator in unsere Nähe vor Anker gelegt hat. Laut wummernd zerstörte das weit hörbare Motorengeräusch die Magie der dunklen ruhigen Nacht.
    Doch so leicht lassen wir uns diese Ruhe nicht rauben und gehen unsererseits ankerauf, um kurz darauf, eine Seemeile weiter, erneut einsam und ohne Fremdgeräusch zu liegen. Am nächsten Morgen ist dann endgültig Schluss mit lustig und ruhig. Der Wind und das Meer haben Fahrt aufgenommen und unsere Hexe schlingert und stampft heftig an ihrer Ankerkette. Nach ein paar Minuten sind wir und das Schiff seeklar und es geht wieder ankerauf.
    Bei soviel Wind und Welle genügt das ausgerollte Vorsegel, um flott voranzukommen. Zwischen 5 und 6 Knoten zeigt die Logge an. Nach 12 gesegelten Seemeillen kommt uns eine „neue“ gut geschützte Bucht in den Weg und gut zu Pass, die Cala Saona. Der Anker fällt und hält dort, das Beiboot wird klargemacht, Nico fordert sein Landrecht ein. Cornelia macht einen ausgiebigen Landgang mit unserem vierbeinigen Seehund, während ich das Schiff aufklare. Die Sonne wandert am Himmel, der Tag geht seinen Gang, eher wolkenverhangen, nicht ganz so heiß, mit angenehmen 25 Grad. Am frühen Abend kommt es uns in den Sinn, die Hexe ins Buchteninnere zu verlegen, aber der Anker klemmt scheinbar wie festgewurzelt am Ankergrund. Unsere elektrische Ankerwinsch erscheint machtlos, das Grundeisen in eigentlich gewohnter Manier nach oben zu ziehen. Ein Blick, der Ratlosigkeit ausstrahlt, wechselt zwischen uns beiden hin und her.
    Warum – und vor allem was – hält den Anker auf dem Meeresgrund fest? Da hilft nur noch der Sprung ins kühle Nass mit Maske und Schnorchel. Schnell ist im superklarem Wasser erkennbar, dass unser Pflugscharanker unter einem Unterwasserkabel liegt, und nahezu zeitgleich erkennt die Capitania beim Blick auf den Kartenplotter dass das vermaledeite Kabel in der Seekarte eingetragen ist. Doch alle Erkennitnis kommt erst Mal zu spät, es gilt den Anker durch geschicktes Manövrieren freizubekommen. Der erste Anlauf misslingt, aber mit mehr Gas, mehr Entschlossenheit und höherer Geschwindigekit kommt der Anker endlich klar und unter dem Unterwasserkabel heraus. Erleichterung macht sich breit, der neue Ankerplatz wird daraufhin mit Bedacht und Kennerblick ausgesucht. Falls wir es vergessen haben zu erwähnen, wir sind nicht das einzige Schiff in der kleinen, gegen die vorherrschenden Winde, gut geschützten halbrunden Bucht. Nach Sonnenuntergang leuchten mehr als 60 langsam hin- und umhertanzende Lichter, im Rhytmus der Meeresdünung. Eins davon ist unseres!
    Für die nächsten Tage, sind für hiesige Verhältnisse kühlere Lufttemperaturen angesagt und es soll mit 24 Grad relativ kühl bleiben.

  • … blau, so blau

    12. Juli 2016, Dienstag, Baro 1008, sonnig, warm, Wind Ost um 3
    Es Pujols 11:20 – Es Ram 16:00 ca. 16 sm

    Nach zwei wunderschönen Tagen in der Ankerbucht vor Es Pujols zieht es uns wieder hinaus. Für morgen ist Nordostwind mit Böen bis sechs Beaufort angesagt, da wollen wir lieber in eine Bucht, die gen Norden geschützt ist, also im Süden der Insel liegt.

    Puppenstuben-Bar
    Puppenstuben-Bar
    Lounge-Bar
    Lounge-Bar
    Regenschirm-Bar
    Regenschirm-Bar
    Kerzen-Bar
    Kerzen-Bar

    Es Pujols hat uns sehr gut gefallen. Klar, es ist ein Touriort, und am eher kleinen Strand direkt vor dem Dorf liegen die Sonnenhungrigen in Zweierreihen dicht an dicht. Aber man kann auch ein bisschen weiter laufen, da wird es schon deutlich leerer, und das Wasser ist blau, so blau. Es gibt unendlich viele nette Restaurants, Strandbars, Tapasbars, und unglaublich viele Italiener, nicht nur als Pizzerien und Ristaurantes, nein, auch unter den Touristen spricht jeder zweite Italienisch. Der deutsche Tierarzt hat in Mailand studiert, wie man dem Internet entnehmen kann. Passt alles.

    La Vaca 1/2 loca: Die halbverrückte Kuh
    La Vaca 1/2 loca: Die halbverrückte Kuh
    El Torro Loco - Der verrückte Stier
    El Torro Loco – Der verrückte Stier

    Das Leben im Ort, außer am Strand, beginnt frühestens um acht Uhr abends. Dann füllen sich die Bars, die Läden und die Straßen. Einige Läden bieten handgemalte T-Shirts an, manche richtig kunstvoll, andere sogar zum Selbermalen, oder man gibt eines in Auftrag mit eigenen Sprüchen. Der Clou sind handgemalte Espadrilles, mit Kuhmuster oder anderen sinnigen Motiven, sogar für die allerkleinsten Strandläufer. Also ein Ort, in dem man durchaus länger verweilen könnte. Formentera ist auch bekannt für seine Hippie-Szene, mittwochs und samstags gibt es in San Francesc einen Hippiemarkt. Auf jeden Fall bekommt Es Pujols den Preis für die am schönsten eingerichteten Bars, fantasievoll, wie ein Puppenzimmer, orientalisch, alles, was den Betreibern so einfällt. Wir entdecken in einem Schaufenster sogar eine Armbanduhr mit der Silhouette der Insel sowie in einem Stück Glas eingelassenen Muschelchen.

    In den Bootsschuppern wird sonntags mittags gespeist
    In den Bootsschuppern wird sonntags mittags gespeist

    Am Abend, ab 19-20 Uhr werden an der Uferpromenade kleine Verkaufsstände aufgebaut, dort gibt es Schmuck, Kleider und allerlei Tand zu bestaunen und zu kaufen. Wir beobachten einen der Händler beim Aufbau, kaum hängt das Schild „Made in Formentera“, belagern Leute den Stand. Er verkauft kleine Glasbilder mit verschiedenen Flüssigkeiten und Sand, die man schütteln muss, dann sieht es aus, als würden sich Wellen am Strand brechen. Und Ringe und Kettenanhänger aus Glas, in denen kleine Muscheln und Schneckenhäuser gefangen sind. Nicht schön, aber anscheinend begehrenswert, wie wir beobachten können.

    Auch Nico genießt das Bad
    Auch Nico genießt das Bad

    Heute dagegen segeln wir mal wieder mit ein wenig Wind, natürlich von vorne, aber das ist in Ordnung, das kühlt ein bisschen, zur anderen, der Südseite der Insel. Wenn morgen der angesagte Wind aus Nordwest kommt, sind wir hier vor den Wellen gut geschützt. Auffallend ist die Farbe des Wassers, dort, wo der Untergrund Sand ist, hat das Meer eine türkise Farbe wie auf Karibik-Bildern. Wir lassen uns bei fast Flaute vom Boot nachziehen, das macht Spaß und bringt auch ein wenig Kühlung, nur wenn die Hexe schneller wird, ist es gar nicht mehr so einfach, an der Badeleiter hochzukrabbeln. Leider gibt es auch hier wenig Fische zu sehen. Wir finden eine wunderschöne Bucht, weitab von jeglichem Trubel, klettern mit Nico über die Felsen, und gönnen auch ihm ein Bad im kühlenden Wasser. Nur wenige finden mit dem Motorrad oder dem Roller den Weg hierhin. Wir genießen die Stille und den Blick.

  • Zwei Tage vor Formentera

    09. Juli 2016, Samstag, Baro 1013, sonnig, warm, Wind NNO um 3
    Cala Salada, 09:30 – Sa Torreta 14:00 ca. 26 sm

    Sollen wir noch nach Sant Antoni zum Wassertanken oder Einkaufen? Nein, wir segeln Richtung Formentera, für zwei Tage reicht das Wasser noch. Vorbei an der Punta des Cavall, der Pferdespitze von der Haseninsel, geht es auf Vorwindkurs vorbei an S’Espartar und Sa Galera, Ruchtung Süden. Hier sind wir vor 15 Monaten schon mal entlang gesegelt.
    Und natürlich gibt es wiede wieder eine Flaute ;-). Direkt an den Felsen von Es Vedranell, der kleineren der beiden vorgelagerten Inseln an der Süd-Ostspitze von Ibiza hört der Wind einfach auf. Auch die große Hanse, die bis dahin mitgesegelt ist, und die Volker trotz erheblicher Größenunterschiede einholen konnte, hihi, dreht sich im nicht vorhandenen Wind um sich selbst. Nach mehreren Halsen und nicht druckbaren Aussprüchen des Skippers kommt der Wind wieder – mit 18-20 Knoten von vorne!

    Amwindkurs ist angesagt, ein kleines Mütze-über-Bord-Mannöver wird auch noch erfolgreich gefahren, die ausgeblichene, aber sehr geliebte rote Kappe einer Supermarktkette aus Frankreich wird nicht aufgegeben!
    Mit 16-17 Knoten am Wind segeln wir auf S’Espalmador zu, die Insel zwischen Ibiza und Formentea, wo wir heute Nacht ankern wollen. Auf dem Wasser sind unglaublich viele Yachten, Motor- und Segelboote, Katamarane, ein Renntrimaran. Und vor der langgezogenen Insel ankern sie – alle. Vor allem natürlich in der großzügigen Bucht, die auch wir anpeilten, sieht Volker durchs Fernglas Hunderte!

    Strandblumen
    Strandblumen

    Das wollen wir nicht, wir suchen eine etwas ruhigere Bucht, die gibt es auch direkt nebenan, nur muss die Hexe da am Eingang, vor der natürlichen Barre liegen bleiben, die Bucht ist an der tiefsten Stelle nur 1,29 m tief, und meistens unter einem halben Meter. Daher liegen hier nur Motorboote, davon aber viele hinter der Barre, die die Bucht vor dem schwelligen Wasser schützt. Egal, der Anker scheint zu halten, es ist zwar sehr schwellig von den Wellen der vielen vorbeifahrenden Schiffe, aber hier hat man Aussicht und Ruhe gleichermaßen.

    Nach einem großartigen Hundespaziergang am Strand, durch verlassene Dünenlandschaft mit unendlich vielen Rosmarinbüschen – Nico gefällt das, er läuft immmer weiter und weiter von uns weg, auf Erkundungsgang, aber dann geht er doch mit uns zurück zum Strand, legt sich in das türkise Wasser zum Abkühlen – motoren wir mit einem kleinen Umweg zurück zum Liegeplatz.
    Beim anschließenden Bade schaue ich nach dem Anker, und sehe, dass er an einer Steinkante liegt. Volker ist erst noch der Meinung, dass ich mich irre, und es weißer Sand ist, aber, nachdem er selbst hinab getaucht ist, ist auch er überzeugt. Außerdem schabt dieAnkerkette über eine Steinspitze, das ist nicht gut, wir müssen den einsamen Platz verlassen.

    Sonnenuntergang an Europas schönstem Strand
    Sonnenuntergang an Europas schönstem Strand

    Okay, dann gehen wir halt doch in die große Ankerbucht, in der alle anderen Yachten auch liegen, aber gegen Abend fahren die meisten davon weg. Nach zwei Anläufen finden wir einen sehr schönen Platz, machen einen weiten Spaziergang am Strand bis zu der kleinen Durchfahrt. Überall am Strand haben die Menschen Steine zu kleinen Steintürmen aufgeschichtet, tausende davon stehen wie Zwergensiedlungen, es sieht großartig aus, leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei.

    10. Juli 2016, Sonntag, Baro 1011, sonnig, warm, Wind O 2-3
    Playa Trocados 12:00 – Bucht vor Es Pujol 13:15, 8,5 sm

    Beim Hundespaziergang kann ich die Mission“Müll entsorgen“ erfolgreich hinter mich bringen, Brot gibt es erst ab 09:30 Uhr. Volker fährt mit dem Dingy zu dem großen englischen Motorboot, das neben uns ankert, und bittet um ein bisschen Wasser. Den großen Einer hat er dabei, die Gießkanne und den Schnellkochtopf, da gehen schließlich auch fünf Liter rein. Mit einem selbstgebastelten Trichter aus einer großen Plastik-Wasserflasche füllen wir das kostbare Nass ein, noch viermal fährt Volker, der Engländer hat ihm versichert, dass sein Wassermacher schneller aus Salzwasser Trinkwasser macht, als Volker es per Beiboot abholen kann. Jetzt haben wir wieder einen halbvollen Tank, das reicht für ein paar Tage. Und gute Tipps hatte des Engländer auch parat. Wir sollen um die Landzunge herum, zur Ankerbucht vor Es Pujol segeln, das sei ein wunderschöner Ort und eine gute Bucht.

    Ehe all die Sonntagsausflügler in die Bucht kommen, gehen wir Anker auf und segeln die acht Seemeilen. Die Bucht ist großartig und nicht so voll, die Schönheit des Ortes werden wir gegen Abend erkunden.

  • Who let the sea in?

    08. Juli 2016, Freitag, Baro 1013, leicht bewölkt, warm Wind W 4-5
    Cala Xucla 12:00 Cala Salada 16:00, ca. 20 sm

    Nach morgendlichem Spaziergang, Kaffee, Schwimmen kommt nach elf Uhr langsam der Wind, wir machen uns fertig. Und als wir um 12 Uhr aus der Bucht segeln, hat der Wind auf WNW gedreht und weht mit bis zu 20 Knoten. Das hat kein Wetterbericht vorhergesagt, aber im Mittelmeer kann man sich halt auch auf die Wetterberichte nicht  verlassen.

    Zuerst bringt das etwas Hektik ins Schiff, denn eigentlich wollten wir bei achterlichem Wind langsam in eine der nächsten Buchten zockeln und hatten das Beiboot mit Benzinkanister nur hinten angebunden. Bei soviel Wind und der entsprechenden Richtung ist das aber nicht gut, wir rollen die Fock weg, ich halte die Hexe im Wind, und Volker zieht mit aller Kraft das wegen des vollen Benzinkanisters jetzt noch schwerere Boot an Deck. Wir kreuzen einfach schön entspannt bei leichter Bewölkung, später auch Sonnenschein. Nach 14 Uhr lässt der Wind etwas nach, die Richtung bleibt, dem Hund wird es schon wieder zu warm.

    Die Nordwestküste von Ibiza ist rau, sie erinnert eher an Korsika, es gibt nur wenige Buchten, die einen kleinen Sandstrand haben, aber beeindruckende Felsformationen.

    Wir hatten  viel zu sehen in unserer Cala Xuclà. Ein Boot nach dem anderen kam, um dort zu ankern.  Zuerst waren es zwei große Motorboote, eins schön, eins hässlich. Kaum war der Anker im Grund, wurden aus der Heckgarage der „CD2“ die Spielzeuge herausgeholt, Motorboot, Jetski, ein Schwan und ein Einhorn, eine Tube, aber nur der Jetski wurde bewegt. Und Volker fährt mit unserem Beiboot hin, und fragt, ob man ihm vielleicht ein paar Liter Benzin verkaufe? Klar, das machen sie gerne und füllen unseren roten Kanister randvoll. Wir konnten zuschauen, als der Koch auf dem Oberdeck das Mittagessen grillte, es roch lecker bis zu uns hinüber. Neben vielen „kleinen“ Segelbooten wie unserem kam gestern nachmittag eine wunderschöne Superyacht in die Bucht,  wie uns das Internet nach Recherchen verriet, steht sie zum Kauf. Der Preis ist gerade um 100.000 € gesenkt worden, auf schlappe 7,9 Mio.

    Der Wetterbericht bei Windfinder gibt Entwarnung, es soll am späteren Abend doch keine 7 Windstärken mehr sein, trotzdem wollen wir zum Fußball schauen in das kleine Restaurant in unserer Ankerbucht, anstatt mit unserem kleinen Beiboot die anderthalb Seemeilen in die nächste Bucht zu motoren. Aber Pustekuchen! Dort darf der Hund nicht einmal auf der Terrasse sein!

    Also machen wir uns doch auf nach Portinatx, finden einen Platz in einer von Franzosen und Deutschen gleichermaßen frequentierten Bar,  das sorgt für gute Stimmung zu jeder Gelegenheit, nee, ehrlich! Auch am Ende klatschen die Deutschen den Franzosen, genauso wie es in Palma die Italiener für die Deutschen getan haben.

    Und dann kommt die Rückfahrt! Kaum sind wir bei unserem kleinen Beiboot angekommen, schon legt der Wind zu, aber es geht noch ganz gut, weil wir im Windschatten der Felsen fahren. Nur, als wir dann in die Cala Xuclà hineindrehen, kommen ordentliche Böen von vorne, ich verstecke die Handtasche mit den Handys unter dem Sitz, hinter unseren Beinen, und wir sind alle drei klatschnass, als wir endlich auf unserer Hexe ankommen. Und das alles mur, weil die in dem Restaurant in unserer Bucht den Hund nicht auf die Terrasse lassen wollten!

    Heute ist es schönes Segeln, zwar müssen wir mal wieder kreuzen, aber es ist angenehm warm, die Sonne scheint, und beim Kreuzen wird es nicht so heiß. Man muss nur dran denken, sich gut mit Sonnenschutz einzucremen, damit man nicht verbrennt. Nach 16 Uhr sind wir in der Cala Salada, zwar nicht allein, aber es gibt viel zu schauen. Ein Ausflugskatamaran fährt durch, mit knapp einem Meter Abstand zu den ankernden Booten, das Wassertaxi kommt, Stand-up-Padler und Schwimmer kommen am Ankerplatz vorbei, und ganz viele Ausflugs-Motorboote zieht es in die schöne Bucht. Eines liegt ganz in unserer Nähe mit sechs englischen Girls, so zwischen Mitte Zwanzig und Mitte Dreißig, die für ein langes Wochenende hergekommen sind, und sich ein Motorboot mit attraktivem Fahrer gemietet haben. Eine von ihnen kommt vorbeigeschwommen, um unseren Hund zu begrüßen, sie alle haben viel Spaß, und am frühen Abend, als der Alkohol wirkt, springt die erste unter lautem Jubel nackt ins Wasser, drei weitere folgen, den spanischen Fahrer wollen sie auch animieren, aber der bleibt standhaft. Die Krönung bringt Blondie mit dem Spruch: „I let the sea in!“

    Nach 20 Uhr aber sind alle weg, nur noch ein paar ankernde Segler sind geblieben, und es kehrt Ruhe ein. (Bilder folgen)

  • Cala Xuclà, meine Bucht

    Die Hexe vor Anker
    Die Hexe vor Anker

    Die Überfahrt von Mallorca nach Ibiza haben wir schon fast verdaut, zumal wir jetzt gefühlt in einer der schönsten Buchten liegen, seit Beginn unserer Reise, vor 23 Monaten. Ich versuche mich mal an einer Umgebungsbeschreibung. Sanfte Hügel aus Vulkangestein umschließen die Bucht von Nord-Nordost bis West-Nordnordwest. Die höchsten Hügel sind ca. 80 Meter hoch und mit einem dichten Plateaukieferwald bewachsen. Von der Ferne wirkt die Umgebung fast wie ein heimischer Wald, sehr grün. Bei näherem Hinschauen entdeckt man aber, dass unter dem Baumbestand nur  nackter Fels liegt. Kein Pflänzlein sprießt.

    Sonnenschein über der Bucht Xuclà
    Sonnenschein über der Bucht Xuclà

    An drei Stellen über die Bucht verteilt gibt es tiefere Einschnitte, an deren Ende Sandstrände liegen. Zwei davon mit ganz einfachen Holzhütten, die tagsüber als Snackbar bewirtet werden und eine mit einem Restaurant. Man erreicht diese Orte der Erfrischung per Pedes oder halbwegs robustem Auto, oder eben mit dem Beiboot von See aus.

    Volker kommt mit Beiboot
    Volker kommt mit Beiboot

    Die Bucht selbst ist vielleicht einen halben Kilometer tief und einen Kilometer breit. Die Wassertiefen variieren zwischen 35 und 4 Metern, der Ankergrund ist ist teilweise sandig, stellenweise felsig oder mit Seegras bewachsenem Untergrund. Wir liegen auf acht Meter Wassertiefe mit ca. 38 Meter Ankerkette draußen. Super schön ist an unserer Bucht, dass es so viele Fische zahlreicher im Mittelmeer vertretener Arten gibt, die sich beim Schnorcheln gut beobachten lassen und dass die ganze Cala ein Ort der Ruhe ist, der wenig frequentiert wird. Ich habe ganz viele Fischschulen gesehen, oder Fischkindergärten, jedenfalls Schwärme mit minderjährigen kleinen Fischen, total süß!

    Die gut gefüllte Bucht vo Portinatx
    Die gut gefüllte Bucht vor Portinatx

    Letzte Nacht haben neben uns nur noch zwei weitere Segelschiffe die Nacht über dort geankert. Anders als in dem nahen Portinax mit seinen Ferienanlagen. In Portinax liegen die Schiffe dicht an dicht und die überwiegend englischen Touristen sonnenverbrannt am Stand. Wir nutzen die guten Einkaufsmöglichkeiten von Portinax  und die öffentlich aufgestellten Mülltonnen, um unseren Bordmüll loszuwerden, oder die Halbfinalspiele im Pub zu schauen. Mit dem Beibbot sind es knapp 3 Kilometer oder 15 Minuten, immer am Ufer lang zwischen der Cala Xuclà und Portinax.

    Die Tage in so einer Ankerbucht sind sehr geruhsam und wir verbringen sie meistens mit lesen, schwimmen, kochen, Hund ausführen und ein wenig Sport. Letzteres tut jeder auf seine Art, Cornelia macht gerne Yogaübungen und ich schwimme täglich 600 Meter im Kraulstil.

    Naturgewalten auf dem Weg
    Naturgewalten auf dem Weg

    Wie lange wir hier liegen bleiben, ist noch nicht abschließend entschieden. Der limitierende Faktor bei einem längeren Aufenthalt  vor Anker ist für uns das Trinkwasser. Wenn wir gut haushalten, ohne uns allzusehr zu beschränken, könnte es bis zum kommenden Sonntag reichen. Dann hätten wir in acht Tagen, seit dem Ablegen in Palma, rund 300 Liter verbraucht.

  • we ‚re going to Ibiza

    4. Juli 2016, Montag, Baro , sonnig, warm, Wind s.u. 
    Paguera 09:30 – Cala Xucla 19:30 ca. 53 sm

    Die Bucht von Paguera
    Die Bucht von Paguera

    Heute wollen wir den letzten vorhergesagten Nordost-Wind ausnutzen und nach Ibiza segeln. Direkt nach dem Hundespaziergang an der Promenade gehen wir Anker auf und setzen Segel.

    Der Wind kommt genau von hinten, also wie vorhergesagt aus Nordost, mit 10-12 Knoten ist das angenehm. Aber er dreht dauernd, wir halsen, setzen die Fock, baumen sie aus, kaum sind wir aus der Bucht heraus, dreht der Wind wieder anders herum. Nach einer weiteren halben Stunde dreht der Wind um 180 Grad, kommt genau aus Südwest, daher, wo wir hinwollen, in eine kleine geschützte Ankerbucht an der Nordostseite von Ibiza. Der Bullenstander muss weg, die Fock wird auch erstmal weggerollt, der Spibaum verstaut, dann segeln wir halt am Wind 😉

    Nico hat sich ein Leinenbettchen gerichtet
    Nico hat sich ein Leinenbettchen gerichtet

    Das geht 45 Minuten gut, dann lässt der Wind auf 2-3 Knoten nach, der Motor muss her. Der Wind kommt aus allen möglichen Richtungen, dabei sind die Wellen hoch und kurz, es ist ein Geschaukel und Geschlage in den Segeln, das ist nicht mehr lustig.

    Um 11:45 Uhr stabilisiert sich ein leichter Ostwind, wir können wieder segeln, aber die Wellen sind immer noch unangenehm.

    Ab 13:00 Uhr versuchen wir, so viel wie möglich, drinnen zu sein, und nur alle zehn Minuten mal Ausschau zu halten, weil es soooooo heiß ist und die Sonne prall in unser Cockpit scheint.

    Um 14:00 Uhr ist der Wind wieder weg, der Hund wird kalt abgeduscht, der Motor wieder angemacht. Und die Wellen bleiben und bleiben und bleiben… unangenehm.

    Und der Wind dreht mal wieder auf West, bleibt aber schwach, und die Wellen bleiben hoch, als ob im Nordosten irgendwo ein Sturm gewesen wäre. Ich hab ja normalerweise – im Gegensatz zum Skipper – auch nichts gegen eine kleine Motorfahrt einzuwenden, aber bitte auf flacher See!

    Die Hexe in der Abendsonne
    Die Hexe in der Abendsonne

    Es bleibt bei der Motorfahrt bis zur Cala Portinatx, aber das ist wirklich eine kleine Bucht und es sind schon so viele Boot vor Anker, und Volker meint, dass in der nächsten Bucht die Wellen eventuell noch ein bisschen weniger sein werden. Also motoren wir noch eine Bucht weiter zur Cala Xuclà, da sind nur ein Motorboot, zwei Yacht und ein Katamaran in einer mehr als doppelt so großen Bucht.

    coole Slip-Bahn
    coole Slip-Bahn

    19:30 Uhr: Wir finden eine schöne Sandstelle in der Nähe des Motorboots und eines kleinen Strands, der Anker hält, auch als nachts die Wellen wieder stärker werden und das ganze Boot rollt, und wir immer wieder aufstehen, um nachzuschauen, ob wir wirklich noch am gleichen Platz liegen, und um herumrollende Gegenstände in den Schapps, den Regalen zu befestigen.

    Aber die Stille abseits der großen Städte ist schon gigantisch, hier hört man nur die Wellen und die Grillen, ganz selten mal ein Motorboot.

    Im Wald riecht es nach Pinien, Thymian und Rosmarin
    Im Wald riecht es nach Pinien, Thymian und Rosmarin