Irgendwie

 

ist es gut sein, auf Formentera. Man ist entspannt, egal, ob Tourist oder Einheimischer, keine Verbotsschilder, beispielsweise an den Stränden, schränkt die gefühlte und erlebte Freiheit ein.
Die Küste bietet dank der vielen Einschnitte zahlreiche Ankermöglichkeiten, und, wer länger sucht, fiindet auch die vielleicht ersehnte Einsamkeit, im Inselinnern zumindest. Leere Ankerplätze gibt es hingegen nicht so viele, aber mit ein bisschen Glück und Geduld hatten wir gestern so ein einsames Postkartenidyll gefunden. Als einziges Schiff lagen wir vor der Cala Es Ram. Von Land aus ist diese kleine Bucht schwer zugänglich und bis zum Einsetzen der nächtlichen Finsternis haben wir nur 4 sonnenhungrige Menschen am kleinen ” Strand” entdeckt. Das mit dem Strand ist in Anführungszeichen gesetzt, weil das kleine Buchtenende mit seinen aufgestapelten sichtbaren Felsschichten eher ein offenes Fenster in die Erdentstehungsgeschichte ist, als das, was man gemeinhin umter einem Strand versteht. Bildlich gesehen, ist es so vielschichtig wie beim Blätterteig. Sehr interessant!
Kurz vor Mitternacht war es dann mit der Ruhe am einsamen Ankerplatz leider vorbei, als sich ein historisches Dampfschiff mit dröhnendem Dieselgenerator in unsere Nähe vor Anker gelegt hat. Laut wummernd zerstörte das weit hörbare Motorengeräusch die Magie der dunklen ruhigen Nacht.
Doch so leicht lassen wir uns diese Ruhe nicht rauben und gehen unsererseits ankerauf, um kurz darauf, eine Seemeile weiter, erneut einsam und ohne Fremdgeräusch zu liegen. Am nächsten Morgen ist dann endgültig Schluss mit lustig und ruhig. Der Wind und das Meer haben Fahrt aufgenommen und unsere Hexe schlingert und stampft heftig an ihrer Ankerkette. Nach ein paar Minuten sind wir und das Schiff seeklar und es geht wieder ankerauf.
Bei soviel Wind und Welle genügt das ausgerollte Vorsegel, um flott voranzukommen. Zwischen 5 und 6 Knoten zeigt die Logge an. Nach 12 gesegelten Seemeillen kommt uns eine “neue” gut geschützte Bucht in den Weg und gut zu Pass, die Cala Saona. Der Anker fällt und hält dort, das Beiboot wird klargemacht, Nico fordert sein Landrecht ein. Cornelia macht einen ausgiebigen Landgang mit unserem vierbeinigen Seehund, während ich das Schiff aufklare. Die Sonne wandert am Himmel, der Tag geht seinen Gang, eher wolkenverhangen, nicht ganz so heiß, mit angenehmen 25 Grad. Am frühen Abend kommt es uns in den Sinn, die Hexe ins Buchteninnere zu verlegen, aber der Anker klemmt scheinbar wie festgewurzelt am Ankergrund. Unsere elektrische Ankerwinsch erscheint machtlos, das Grundeisen in eigentlich gewohnter Manier nach oben zu ziehen. Ein Blick, der Ratlosigkeit ausstrahlt, wechselt zwischen uns beiden hin und her.
Warum – und vor allem was – hält den Anker auf dem Meeresgrund fest? Da hilft nur noch der Sprung ins kühle Nass mit Maske und Schnorchel. Schnell ist im superklarem Wasser erkennbar, dass unser Pflugscharanker unter einem Unterwasserkabel liegt, und nahezu zeitgleich erkennt die Capitania beim Blick auf den Kartenplotter dass das vermaledeite Kabel in der Seekarte eingetragen ist. Doch alle Erkennitnis kommt erst Mal zu spät, es gilt den Anker durch geschicktes Manövrieren freizubekommen. Der erste Anlauf misslingt, aber mit mehr Gas, mehr Entschlossenheit und höherer Geschwindigekit kommt der Anker endlich klar und unter dem Unterwasserkabel heraus. Erleichterung macht sich breit, der neue Ankerplatz wird daraufhin mit Bedacht und Kennerblick ausgesucht. Falls wir es vergessen haben zu erwähnen, wir sind nicht das einzige Schiff in der kleinen, gegen die vorherrschenden Winde, gut geschützten halbrunden Bucht. Nach Sonnenuntergang leuchten mehr als 60 langsam hin- und umhertanzende Lichter, im Rhytmus der Meeresdünung. Eins davon ist unseres!
Für die nächsten Tage, sind für hiesige Verhältnisse kühlere Lufttemperaturen angesagt und es soll mit 24 Grad relativ kühl bleiben.

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