High and Dry

Am Donnerstag, 27. Oktober, war es dann endlich soweit: „after lunch“ kamen zwei Schlauchboote, um unsere Hexe mit Unterstützung, bedeutet Schieben an den Seiten, sicher vor die Kranbox zu bringen. Das klappte wunderbar, der Skipper manövrierte die Hexe gekonnt in die enge Box, dann wurde sie angehoben mit dem „kleinen“ Kran der Werft im Safe Harbour Newport Ship Yard, und an Land auf großen Styroporblöcken, immer noch hängend im Kran abgestellt.

Sehr zum Unwillen des Skippers wusch der Mitarbeiter, der unser Unterwasserschiff mit dem Hochdruckreiniger vom wesentlichen Dreck befreien sollte, nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben. Was bedeutet, dass die schwarze Farbe des Antifoulings an die frisch poliertenRümpfe und auf unser schönes weißes Deck spritzte. Volker is not amused, um es vorsichtig auszudrücken, Überall sind kleine schwarze Punkte,  wir brauchten zu zweit über drei Stunden, bis das Boot von dem ersten Dreck befreit war.

Muschelreste

Danach fingen wir direkt an, die letzten Muschel- und Schleimreste vom Unterwasserschiff zu entfernen, denn am Donnerstag konnten wir noch an dem Platz in der Sonne stehen bleiben, am Freitag sollte die Hexe auf die Nordseite des Gebäudes transportiert werden, dort ist leider den ganzen Tag Schatten. 

im Schatten ist es ganz schön kalt

Für den nächsten Tag stellten wir den Wecker auf 06:30 Uhr, denn ab kurz vor 7 wird es ganz leicht hell, und wir wollten möglichst viel des Anstrichs ganz unten vom Runpf gemacht haben, ehe wir auf andere Blöcke umgesetzt wurden, dann haben wir diese Stellen wenigstens schon ein- bis zweimal gestrichen. Kurz nach neun Uhr mussten wir aufhören, danach wurde das Boot auf den neuen Platz auf der Schattenseite gefahren. Das Umsetzen auf die neuen Blöcke geschah wieder professionell, der Kran fuhr mit dem breiten Katamaran elegant an den anderen Booten und dem Gebäude vorbei.

Seitdem hängt die Hexe in den Gurten und steht gleichzeitig auf vier Styroporblöcken. Volker hat sie komplett abgeschliffen, wir haben zwei bis drei Anstriche mit der schwarzen Anitfoulingfarbe gestrichen, in eleganten weißen Schutzanzügen, aber manchmal ist auch ein bisschen des Farbnebels auf dem Gesicht und in den Haaren geblieben. 

Glücklicherweise gibt es hier einen Sanitärtrakt mit Duschen und Waschmaschinen, sodass wir in den Pubs, in denen wir abends leckeres Essen und Bier bekommen, ordentlich aussehen können.

Ein Highlight nach der Arbeit sind die Kneipen hier! Newport hat so viele Irish Pubs, in allen Preisklassen, manche mit Life-Music, alle mit schönen Theken, an denen man sitzen, essen und trinken kann. Wir haben viele ausprobiert, und natürlich wieder eines zur Lieblingskneipe erkoren, „Busker’s Pub“. Dort haben wir so viele nette Menschen getroffen, mit denen wir immer wieder in Kontakt stehen, wie wir auch immer noch die neu gewonnenen Freunde sehen, mit ihnen telefonieren oder auch per Mail in Kontakt stehen.

Überhaupt, in Kontakt stehen: Die wenigsten Menschen in Amerika haben WhatsApp, sie kommunizieren über SMS miteinander, und viele schreiben Berichte oder Nachrichten über Instagram oder über FaceBook, aber WhatsApp und die anderen Social Media werden nur von ca 27 Prozent der Amerikaner genutzt

Zurück zu unserem Getriebeproblem: Nachdem wir also am Donnerstag an Land gehievt worden sind, kam am Freitag, nachdem die Hexe am neuen Platz stand, Danny, der Monteur. Er hat den kaputten Saildrive ausgebaut, anschließend mit Volkers Hilfe einen neuen eingesetzt, und heute, am Montag ist er wieder da, und verbindet den Motor mit dem Getriebe.

Sean, der von Pantaenius beautragte Gutachter, ist extra von Boston hierher gekommen, um sich ein Bild von dem Schaden zu machen und ein paar Details unserer Reise abzufragen.

Das neue Antifouling ist fertig gestrichen, der “Skipper und sin Fru” sind glücklich darüber, der Job ist geschafft! Nun muss nur noch der Konus für den Propeller bestellt werden, dann eingebaut werden und dann geht es zurück ins Wasser, Dann gibt es eine gemeinsame Probefahrt mit dem Monteur, um zu schauen, ob alles zur allgemeinen Zufriedenheit funktioniert. Wenn dann die Götter des Windes uns wohl gesonnen sind, werden wir unseren Bug nach Süden ausrichten, die Segel hissen und der Wärme entgegen segeln.

Feierabend

Abwarten und Tee trinken …

Während ein paar hundert Seemeilen weiter nördlich die ersten Schneefälle der heranziehenden Wintersaison zu verzeichnen sind, weht in Newport ein gefühlt eisiger Wind, bei stahlblauem Himmel. Die Nachttemperaturen pendeln zwischen 3 und 6 Grad. Die Dieselheizung schaufelt nun fast rund um die Uhr, mit vertraut-leichtem Gebrumme, warme Luft ins Schiffsinnere. Die warmen Wollsocken und die Fleecehosen lassen eine winterliche Gemütlichkeit aufkommen, die wir uns so nicht erdacht haben. Wir machen das Beste draus, kochen passend dazu winterliche Gerichte. Gestern gab es Sauerkraut, mit Dürrfleischeinlage und Würstchen , komplettiert mit einem cremigen Kartoffel-Karottenpüree. Das ist lecker, nahrhaft und wärmt so schön von innen.

Regionales Gericht “Reuben”: Sauerkraut und Corned Beef im Toastbrot, mit Püree und dunkler Sauce, mmmmhhh

Vorgestern war ein VolvoPenta-Monteur am kaputten Saildrive zugange, ich war abermals tauchend  im Wasser für einen Test. Damit hatte ich den letzten zehn Tagen vier Taucheinsätze im kühlen Atlantikwasser. Ich bin noch nicht mit allen Wassern gewaschen in meiner Segelkarriere, aber ausreichend mit atlantischem Meerwasser.

Der Fachmann kam zu der Schlussfolgerung, dass kein Weg daran vorbei führt, die Hexe aus dem Wasser zu kranen. 

Der Krantermin wurde auf nächste Woche Donnerstag gelegt. Die Werft hat früher keine freien Stellplatz-Kapazitäten an Land. Einen Tag später soll dann der defekte Saildrive ausgebaut werden. Die Motorenfirma hat wohl einen Ersatz irgendwo in Amerika gefunden. Wir hoffen, dass alles nach Plan abläuft. Verhalten optimistisch, ist die zutreffendste Beschreibung für unsere momentane Gemütslage.

Die restliche To-Do-Liste für unser Boot schrumpft während unseres Zwangsaufenthalts, im Hafen gibt es genügend Zeit für kleine Arbeiten an Bord.

Ansonsten üben wir uns in Geduld und planen schon mal unsere Abfahrt in Richtung Süden, ins Warme. Die Aussicht darauf stimmt uns froh. Cornelia kuriert eine undefinierte Erkältung aus und lutscht fleißig Halsbonbons und trinkt, obwohl sie es nicht ausstehen kann, warmen Thymiantee.

Abendstimmung vom Boot aus

Zur abendlichen Unterhaltung, gab es gestern den aktuellen Marilyn Monroe-Spielfilm „Blonde“, ich fand den todlangweilig.

Viel mehr gibt es im Moment nicht zu berichten und deswegen endet der Bloqbeitrag auch an dieser Stelle

Oh, oh!

Im letzten Blog habe ich einen Bericht über die Ereignisse ab dem Anlegen in Mystic versprochen.

Weil wir vor der Straßenbrücke auf deren Öffnung warten mussten, und es noch eine ganze Weile dauern würde, wollten wir für die kurze Zeit an dem lokalen Dinghysteg festmachen. Genauer gesagt passierte das, worüber wir hier reden, nicht nach, sondern während des Anlegens. Denn plötzlich kamen aus dem Motorraum schreckliche Geräusche, beim Einlegen von Vorwärts- oder Rückwärts-Gang kamen mahlende Töne vom Steuerbordmotor, als ob da jemand mit den Zähnen knirschte. Der Propeller drehte sich nicht mehr, egal, ob der Gashebel nach vorne oder nach nach hinten geschaltet war. Schrecklich!

angelegt

Unmittelbar nach dem glücklicherweise sicheren Anlegen machte Volker sich auf Fehlersuche. Mit telefonischem Support von Bernhard, Wes und Ralf zeigte sich, dass es ein Schaden am Saildrive sein muss, aber die Ursache konnten wir noch nicht finden.

Ein kurzer Tauchgang zur Schraube brachte keine neuen Erkenntnisse, die Schraube hing frei und fest verbunden am Saildrive. Ein Monteur der am nächsten Tag kam, in Verbindung mit einem abermaligen Tauchgang von Volker, half auch nicht weiter. Es muss ein Kegellager oder eine Verbindung im unteren Teil des Saildrives gebrochen sein.

Eigentlich wollten wir doch sobald wie möglich nach Süden segeln, denn die Temperaturen entwickeln sich hier in die falsche Richtung, im Moment ist es in New England deutlich kühler als in Deutschland. Vor allem die Nächte sind kalt, das ist auf dem Wasser noch mehr zu spüren als in einem Haus an Land.

Die Hexen im örtlichen Laden helfen auch nicht weiter

Nun folgen drei Tage voller Telefonate, mit hiesigen Monteuren und Werften. Bei unserem Versuch, in den Häfen und Werften einen Krantermin zu bekommen, und einen Mechaniker zu finden, werden wir abschlägig beschieden. Alle Werften haben keine Zeit, weil sie jetzt am Saisonende so viel zu tun haben, um die zahlreichen Boote, die es in diesem Wassersportmekka gibt, aus dem Wasser zu holen. Wir werden vertröstet, weitergereicht, ignoriert, eine meint sogar, dass wir nun „F..cked up“ seien und keiner Zeit für uns haben werde.

Mega frustrierend, die Stimmung an Bord sinkt. Glücklicherweise finden wir dann am Ende doch eine Werft. Die Zusage für einen Krantermin und die Aussicht auf einen Volvo Penta-Monteur bei der Safe Harbour Newport Shipyard, in Newport Rhode Island, hellen unsere Stimmung wieder ein bisschen auf.

Die Leute in Mystic sind zudem wirklich unglaublich freundlich, alle, denen wir von unseren Problemen erzählen, versuchen uns zu helfen, telefonieren mit Freunden, um eine Werft oder einen Monteur zu finden. Oder sie bieten uns an, uns mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren, und wir bekommen Tipps für die besten Restaurants vor Ort.

Die Hexe ist gut sichtbar

Unser Liegeplatz ist sehr prominent, an unserem ersten Tag war hier Feiertag, Kolumbustag, enorm viele Menschen laufen an dem schönen Platz mit Park vorbei und bestaunen unser Boot. Ein paar sprechen uns an, und in den folgenden Tagen kommen noch viele interessierte Spaziergänger vorbei, wenn sie uns draußen auf dem Boot sehen, werden wir meistens angesprochen, und alle wollen mehr wissen, über uns und unsere Reise, über unser Boot und warum wir hier an dem Dinghysteg liegen.

Aber eigentlich sollten wir nicht hier sein

Am ersten Abend waren wir in einem sehr schönen Restaurant essen. Neben uns saß Patty an der Theke, wir kommen ins Gespräch, finden einander sehr sympathisch, und treffen uns während unserer Zeit in Mystic täglich, zum Abendessen, auf einen Café oder ein Bier an Bord, mit Pattys Freundinnen Maria und Frane, im lokalen Pub „The Harp and Hound“, wo wir auch wieder freundliche Menschen treffen, die uns bei der Werftsuche helfen.

Die Brücke wird 100 Jahre alt. Happy Birthday!

Jetzt müssen wir nur noch mit dem einen funktionierenden Motor unseren engen Liegeplatz am Dinghysteg schadensfrei verlassen und nach Newport schippern. Die Wetteraussichten für Samstag sind vielversprechend, zudem feiert Mystic das größte Stadtfest der Saison 2022. Die wunderschöne alte Straßenbrücke wird 100 Jahre alt, da wird der Dinghysteg für seine originale Bestimmung gebraucht (das wurde uns auch deutlich vermittelt und wir wollen ja nun auch wirklich nach Newport zurück).

Schlepphilfe von den zwei französischen Freunden mit Hund

Und wieder haben wir Glück, denn zwei unserer neuen Freunde haben sich bereit erklärt, uns bei dem Ablegen zu helfen. Der frühe Zeitpunkt, um 8 Uhr, schreckt die beiden Franzosen nicht, sie wollen anschließend zum Angeln gehen. Es klappt hervorragend, das kleine Boot zieht unser Heck vom Steg weg, dreht uns dann, und schon sind wir auf dem Weg zu der Eisenbahnbrücke, durch die wir noch fahren müssen, bevor wir den Mystic River verlassen.

Der Wind auf dem Weg nach Newport ist schwach, der Backbordmotor tut zuverlässig seinen Dienst. Es ist trotzdem ein befreiendes Gefühl, unterwegs zu sein. Am Nachmittag ankern wir wieder in „unserer“ Bucht vor Bristol, der Liegeplatz in der Werft ist für Montag reserviert und wir genießen einen Abend im Aydan’s Pub.

Meat Loaf Mountain, eine Spezialität im Aydan

Heute sind wir unter Motor nach Newport gefahren, ohne Wind, wurden in der Marina sehr freundlich empfangen, zwei Leute standen schon bereit, um uns beim Anlegen zu helfen, brachten uns sämtliche Informationen über den Hafen, inklusive eines Briefes von der Projektmanagerin. Wir sind hier fast das kleinste Boot im Hafen, der ist schon sehr luxuriös, mit richtig großen Booten und allem Service, den man sich vorstellen kann. Wir können ein eigenes Golfcart haben, um den nicht so langen Weg vom Liegeplatz bis zum Ausgang des riesigen Werftgeländes laufen zu müssen.

Bisher haben wir einen sehr guten Eindruck von dem Newport Shipyard, die Leute sind sehr kompetent und ausgesprochen freundlich, wir haben ein gutes Gefühl, dass uns hier geholfen werden kann. Moe und Hadley kümmern sich sehr um uns und unsere Anliegen, und Charlie, der Dockmaster, hat mir alle Annehmlichkeiten und die wichtigen Dinge, wie Waschmaschinen, Duschen, den Chandler und das Café der Marina gezeigt.

Morgen erfahren wir mehr über die nächsten Tage, wenn der Mechaniker von Volvo hier gewesen ist, dann berichten wir weiter. Und dass wir dann hoffentlich wieder weiterfahren können.

Unser ausdrücklicher Dank geht an dieser Stelle an Frau Binge und Herr Hagena von Pantaenius Yachtversicherungen, die uns mit Rat und Tat täglich zur Seite gestanden und uns mit ihrer Fachkompetenz in dieser Situation bisher sehr unterstützt haben.

Nur ein Test

Im Moment sind wir gerade auf See, leider unter Motor, weil des Wind kaum vorhanden ist.
Wir fahren nach Bristol zurück, und am Montagnach Newport, aber das ist eine längere Geschichte, über die wir morgen berichten werden.
Um für unsere nächste längere Überfahrt (hoffentlich bald) gerüstet zu sein, wollen wir hiermit ausprobieren, ob unsere Kurzwellenanlage nach so langer Zeit noch funktioniert und wir Berichte auf unseren Reiseblog stellen können.
Deswegen seht Ihr heute nur einen – oder vielleicht auch zwei – Blogbeiträge ohne sonstigen Inhalt.

Wir bitten dies zu entschuldigen.
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Die Hexe segelt wieder weiter

Tatsächlich haben wir es geschafft: Am Samstag haben wir in Bristol den Anker gelichtet, haben unsere geliebte kleine Stadt verlassen. Mit ein bisschen Wehmut, schon …

In voller Schönheit am Abend

Am Freitag hatte uns – also eher mir – Tom, der Theker aus dem Irish Pub „Aidan’s“ in Bristol, in dem wir viele Abende verbracht haben,  Clams gebracht, die hiesige Form der Venus-Muscheln, allerdings im Vergleich zu den eher kleinen Muscheln, die wir von den Spaghetti-Soßen bei uns kennen, in gigantischer Größe. Da unsere kanadischen Freunde am Vortag schon Richtung New York aufgebrochen sind, und wir am Abend bei Gif und Chris mit noch einem anderen Ehepaar auf deren Motorboot „Patriot“ eingeladen waren, musste ich mich wohl alleine der 50 Muscheln annehmen. 

Auf der Patriot hatten wir einen wunderschönen Abend, mit leckerem Salat und Bolognese-Nudeln, Wein und Bier flossen sozusagen in Strömen. Volker und ich waren vernünftig und haben uns um zehn Uhr verabschiedet, weil wir doch am nächsten Tag früh aufstehen wollten. Die vier Freunde aber haben noch bis drei Uhr weiter gefeiert …

Kaum hatten wir also abgelegt, früh, kurz nach Sonnenaufgang und bei leider bewölktem Himmel, wurde der Sack mit den Muscheln von der Badeplattform in die Küche gebracht, nachdem ich bereits die Ingredienzien für zwei verschiedene Soßen geschnippelt hatte. Es handelte sich einmal um die klassische Soße mit Weißwein, Zwiebeln und englischem Sellerie für einen Clamchowder, eine hiesige Spezialität, die anschließend noch mit einer nicht unerheblichen Menge Sahne zur dickflüssigen Suppe aufgekocht wird. Die zweite mediterrane eine eher schärfere Variante mit demselben Gemüse, aber auch ordentlich Knoblauch und Tomatenmark, hervorragend geeignet als Spaghettisoße.

Kalt ist es heute auf dem Atlantik

Während ich in der Küche also die Wohlgerüche des Meeres genoss, stand Volker, dick eingehüllt am Rad und schimpfte nicht nur über den ständig wechselnden Wind – Genua wegrollen, Motor an – Motor aus, Genua ausrollen – sondern auch über die Geschwindigkeit unseres sonst so schnellen Bootes. Wir hatten so viele Muscheln unter dem Rumpf und am Ruder, dass eine Najad, ein kleineres Einrumpferboot ohne Mühe mit uns mithalten konnte.

in voller Montur

Auf Block Island, unserem Ziel, so hatte man uns versichert, sei die Bucht so klar, der Ankergrund Sand, also könne man da ohne Schwierigkeiten das Boot von dem Bewuchs befreien. Je geringer die Wassertiefe, desto besser ist die Sicht. Deshalb hatten wir uns eine flache Stelle in der Bucht zum Ankern ausgesucht. Leider ankerten dort so viele andere Boote, dass wir an eine tiefere Stelle ausweichen mussten. Hier wurde Kolumbus-Tag gefeiert, ein richtiger Feiertag in den USA, deswegen waren, obwohl es Sonntag Mittag war, noch viele andere Boote in der schönen Bucht. Am nächsten Nachmittag würden sie zurück in den Heimathafen fahren, aber nun waren sie halt hier. 

Kurz nach unserer Ankunft zog Volker mutig den Neoprenanzug an, und ging ins Wasser. Neben der eher schlechten Sicht sorgten Strömung und Wellen für extrem schwierige Bedingungen. Fast eine Stunde hat er es trotzdem im 17° kalten Wasser ausgehalten, den Steuerbord-Rumpf, ebenso wie einen Teil des an Backbord frei zu schaben, von unglaublichen Anwüchsen. Kein Wunder, dass die Hexe wie eine lahme Ente gesegelt ist, wie der Skipper es nannte.

Das war doch eine kräftezehrende Prozedur, für mich natürlich nicht so arg, ich musste nur eine Leine oben führen, damit Volker nicht auch noch gegen die Strömung ankämpfen musste. So hatten wir uns nach einem frühen Abendessen eine Komödie von der Festplatte geladen, den Film – ohne einzuschlafen – bis zum Ende geschaut und wollten unmittelbar danach zu Bett gehen. Bei einem kurzen Rundgang nach draußen stellt Volker fest, dass wir nicht mehr an derselben Stelle lagen, der Anker wohl geslippt war. Natürlich passiert das am späten Abend, wenn es dunkel ist, glücklicherweise hat der Vollmond geleuchtet. Also Motoren an, vielleicht reicht es, wenn wir ein bisschen mehr Kette geben. Das war es leider nicht, im Rückwärtsgang zeigt sich, dass der Anker offensichtlich nicht im Untergrund hält. Wir gehen Anker auf, und versuchen es erneut, diesmal von vornherein mit mehr Kette. Hält? Pustekuchen! Wir bewegen uns immer noch, wenn wir rückwärts fahren. Im dritten Anlauf und an einer anderen Stelle hat es dann geklappt, aber das hätten wir uns gerne erspart.

Die Nacht war ruhig, am nächstem Tag ist Volker gegen Mittag wieder in den inzwischen getrockneten Anzug geschlüpft, um die Reste von der Backbord-Seite ebenfalls von dem hartnäckigen Bewuchs zu befreien.  Es war dies der Zeitpunkt, an dem die Strömung nicht ganz so stark wie am Vortag war, aber die Wellen hatten sich noch weiter aufgebaut und ihm zu schaffen gemacht.

eines der wunderschönen Häuser in sensationeller Lage

Nachdem Volker wieder umgezogen und aufgewärmt war, haben wir uns mit dem Dinghy aufgemacht, um wenigstens ein bisschen Block Island zu erkunden. Schon bei der Anfahrt am Vortag war uns aufgefallen, dass die Insel eine große Ähnlichkeit mit der niederländischen  Nordsee-Insel Vlieland aufweist, Vlieland war immer unsere Lieblingsinsel, seit wir mit der „Sherazade“ ganz am Anfang und später mit unseren „Hexen“ unseres gemeinsamen Segelabenteuers alle Urlaube und viele Wochenenden am Ijsselmer und der Nordseeküste verbracht hatten.

Und tatsächlich erinnern auch die Wege durch die Dünen, überhaupt die ganze Landschaft an die Nordseeküste, nur die Häuser sind in der amerikanischen Südstaaten-Architektur der Eastcoast gebaut, wunderschön, auf mehr als großzügigen Grundstücken.

Am Montag – an besagtem Kolumbus Day – segelten wir, der Strömung wegen, wieder früh los. Nach Mystic, einer kleinen Stadt an einem Inlet zwischen Newport und New Haven, hervorragend geschützt vor allen Winden, fährt man zunächst durch eine Eisenbahnbrücke, eine Drehbrücke, die meist offen steht, nur wenn Züge kommen, wird sie geschlossen. Danach sollte es weitergehen durch die Autobahnbrücke zu einem netten kleinen Ankerplatz.

Die Eisenbahnbrücke, gedreht

Das hat nicht so hingehauen, wie wir uns das vorgestellt hatten, aber darüber mehr im nächsten Blog-Beitrag.

Zum Wetter

Sturmwetter, Regenwetter, Sauwetter, Mistwetter, Schietwetter, usseliges Wetter, Schmuddelwetter, Tiefdruckwetter, Schlechtwetter, alle Wetterphänomene drücken genau den seit über drei Tagen andauernden Wetterzustand an unserem jetzigen Standort aus. Es regnet, es nieselt, es schüttet, es schifft, es prasselt – Wassermassen fallen vom Himmel, waagerecht nicht senkrecht. 

Regentropfen, die an mein Fenster klopfen …

Denn es stürmt, weht heult, es pfeift der Wind nahezu ununterbrochen, gerne mal in Böen um die 8 Beaufort. Es ist frisch, kalt, saukalt, eiskalt, eisig, schweinekalt, knackig – bei 6-8 Beaufort und maximal 12 Grad am Tag fühlt sich die Temperatur wie zuvor beschrieben an. Vor allem, wenn wir mal ausnahmsweise mit unserem Dinghy zum Ufer unterwegs sind. Gegen den Wind versteht sich, denn der kommt aus Nordost.

So oft wie nötig und so selten wie möglich raffen wir uns auf, verhüllen uns in wind- und wasserdichte Kleidung, fahren, den Kopf so tief wie möglich gesenkt, übers wellenbewegte Wasser ans knapp einen Kilometer entfernte Ufer, zum Dinghydock. Dort angekommen hangeln wir uns auf dem nassglatten schwankenden Steg bis zum sicheren Ufer. Die Seefahrerromantik kann man bei so einem Wetter getrost vergessen, moderner ausgedrückt,  in die Tonne kloppen, die schöne Umgebung versinkt in einer Melange aus grauen Farbtönen, der Ankerplatz wirkt trostlos.

Am Sonntag gibt es immer irische Life-Music im Aidan’s

Selbst das nahe irische Pub, mit dem verlockenden Gerstensaft, verliert an Anziehungskraft bei diesen miserablen Umständen und  das sagt schon viel aus, da wir sonst sehr an menschlichen Kontakten interessiert und dem sozialen Thekenleben zugewandt sind.

Wie schön für unsere zuhause gebliebenen Freunde in Deutschland, die sich an dem spätsommerlichen goldenen Oktober erfreuen, der eigentlich zumindest den lusterweckenden Reisebeschreibungen zufolge, auch hier das Wettergeschehen dominieren sollte.

Wir freuen uns über die Sonnenfotos, die wir zum Trost zugesendet bekommen, während die 10 Kilowatt Heizung. leise säuselnd und warme Luft spendend, den Steuerbordtank leer saugt. 70 Liter Diesel gingen in den letzten Tagen durch den Schornstein und ein paar Liter zusätzlich durch unsere Motoren, wer heizen will, braucht gut geladene Batterien. Denn die Solarpaneele liefern nur ein paar müde, vernachlässigbare Watt, zu sonnenundurchlässig sind die windgetriebenen dichten Wolken über uns. Soweit der Bericht zum Wetter oder wie man sowas halt, alternativ nennt, siehe oben.

Der MPPT-Controller ist eingetroffen, es war der falsche, Cornelia hat den mit Bluetooth-Applikation bestellt, aber der ohne den eingebauten Bluetooth-Anschluss kam gestern in der Marina an. Ersatz für den Ersatz ist aber schon unterwegs.

Auf der Höhe der Kapverden formiert sich wieder ein tropisches Wettersystem und nahe der Karibik ein weiteres. Wir sind sehr auf deren Entwicklung, sowie auf die Zugbahnen gespannt. Ansonsten gibt es erstmal nix spannendes von Bord zu berichten und wir enden mit: “Schickt bitte die Sonne zurück zu uns!”

Flügel gestutzt

Mit versteinerten Gesichtszügen schauen die Gäste im Aidan’s Pub auf die Bilder und Filme, die uns aus Florida erreichen, als der Hurrikan Ian mit zerstörerischer Windkraft und haushohen Sturmfluten durchzieht. Das Unfassbare flimmert in quälend langen Sequenzen über den Bildschirm. Mit voller Wucht wurde eine Region Amerikas von Naturgewalten getroffen, deren facettenreiche Schönheit wir kennenlernen und erleben durften. Es sind Bilder, die uns erschüttern, die uns bis ins Mark treffen. Viele dieser ehemals wunderbaren Häuser im viktorianischen Baustil, schmucke Schiffe aller Art, oder modernste Hafenanlagen, sind entweder komplett zerstört oder geflutet, häufig unwiederbringlich. Man denkt an die Menschen, die diesem Naturmonster zum Opfer gefallen sind und hofft auf die Stimme eines Kommentators, der sagt, dass das nur ein Blockbuster-Katastrophenfilm war und dass jetzt das Programm mit dem Wetterbericht für die Region weitergeht.

Uns berühren die Berichte sehr, wir wissen von Freunden, die ihre Schiffe in der Zugbahn des Hurrikans an Land stehen haben und hoffen inständig, dass sie ihren geliebten segelnden Untersatz unbeschadet wiederfinden.

Uns haben Hurrikan Fiona und Hurrikan Ian den Mut geraubt, bald in Richtung Süden weiter zu segeln, zu groß ist unsere Angst, dass sich uns ein Hurrikan auf der Strecke dahin in den Weg stellt. Wir treten seglerisch auf die Bremse und stellen unsere ehemals ambitionierten Reisepläne ein Stück weit hintenan. Wir wollen auf keinen Fall in die südlicher gelegenen Zugbahnen dieser tropischen Wirbelstürme geraten. Das ist jetzt entschieden und ob wir es bis kurz vor der Winterpause bis zu den Bermudas oder gar bis in die Karibik schaffen, ist sogar schon dritt- statt zweitrangig. Wie bisher in unserer gemeinsamen Vergangenheit arrangieren wir uns mit dem nicht zu Änderndem und machen das Beste draus, im Moment sind wir sogar eher demütig und dankbar, dass wir von solch schlimmen Naturkatastrophen hier in unserem nördlichen Mauseloch verschont geblieben sind.

Mühevoll ist die Arbeit an den Silikonfugen

Die Arbeiten an Bord gehen weiter, das Cockpit und der gesamte Aufbau rund ums Bimini, haben nun strahlend weiße Silikonfugen. Jetzt fehlen nur noch gut 40 Meter Silikonfugen im Rumpf-Deck-Übergang und auf beiden Innenseiten im Bugbereich. Beide Rümpfe sind von mir in einer Tagesaktion händisch poliert und gewachst worden, der freundliche Hafenmeister war von soviel Elan so begeistert, dass er kein Liegegeld wollte und nur meinte, ich solle mir die Zeit nehmen, die ich bräuchte. Jetzt glänzt die Außenseite der Hexe wieder wie vor unserer atlantischen Überfahrt. 

Auch der defekte Deckel am Stauraum muss ausgetauscht werden

Die Aktion ging diesmal – oh Wunder – sogar schmerzfrei über die Bühne, keine Verspannungen in den Schultern, keine schmerzenden Arme und das, obwohl man(n) nicht jünger wird 😉

Anderes Thema, im Rennsport spricht man von Materialpech, wenn ein Wettkampf nicht gelingt und der Sportler davon nicht verschont wurde. Auch wir wurden mal wieder vom Materialpech eingeholt. 

Der MPPT-Controller für die mobile Solaranlage hat seinen Geist aufgegeben. Plötzlich und unvermittelt, gestern ging er noch, heute blinkt eine nicht behebbare Fehlermeldung. Ein neuer Laderegler ist bestellt. 

Die Innenverkleidung muss runter

Gestern beim Starkregen, tropfte es dann aus einer Decksluke, nach dem Entfernen der Innenverkleidung war klar, dass das Silikon undicht geworden ist, so geht uns wenigstens nie die Arbeit an Bord aus. 

Glück hatten wir dagegen mit der Polizei, in einer kleinen Anliegerstraße mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung von ca 20 km/h, war ich so auf das langsame Fahren und den hinterm Baum stehenden Polizisten mit Radarpistole fixiert, dass ich eins der Stoppschilder übersehen haben muss. Diese Stoppschilder gibt es hier an so gut wie jeder Kreuzung, wo in Europa rechts vor links gilt. Auf jeden Fall hatten wir kurz darauf das Auto des Sheriffs mit blinkendem Blau und Rotlicht hinter uns. Glücklicherweise kam ich trotz fehlenden Führerscheins und Personalausweises, jedoch mit vielfacher Entschuldigung, mit einer Verwarnung davon. Ich sah mich schon mit Handschellen abgeführt, Cornelia fand den Gedanken amüsant und war gut unterhalten…

Nach dem Schrecken mit dem – schlussendlich sehr freundlichen, aber zunächst eher strengen Polizisten wurden wir belohnt. Auf einer Wiese trifft sich bei schönem Wetter eine Reihe stolzer Besitzer von Oldtimern, stellen sie zur Schau, und man kann sich einfach an den schönen Autos erfreuen.

Glück haben wir auch mit unseren ankernden Segelnachbarn. Schon ein Weile beobachtete ich eine Dreiergruppe von kanadischen Segelbooten, die anscheinend auch in Richtung Süden unterwegs sind. Wir sind uns schon auf mehreren Segelabschnitten begegnet, haben in Newport dicht bei dicht geankert und nun ankern wir seit fast zwei Wochen nebeneinander. 

In fröhlicher Runde

Vor ein paar Tagen hat irgend jemand den ersten Schritt gewagt, man kam ins Gespräch, man fand sich sympathisch. Seitdem treffen wir uns fast täglich in fröhlicher Runde, zum Essen, Trinken und Erzählen, auf wechselnden Booten, wir haben neue Segelfreunde, wie schön.

Gerade jetzt kachelt es mal wieder, ein durchziehender Sturm hält uns vom geplanten Landausflug ab. Böen bis 37 Knoten orgeln durchs Rigg und der Kat tanzt von einer Seite zur nächsten, um seine Ankerkette. Die Heizung brummt, mit 13 Grad am Tage und 7 Grad in der Nacht kann man wahrlich nicht von dem viel gepriesenem amerikanischen „Indian Summer“ sprechen.