Kategorie: Leben an Bord

  • Die Hexe segelt wieder weiter

    Tatsächlich haben wir es geschafft: Am Samstag haben wir in Bristol den Anker gelichtet, haben unsere geliebte kleine Stadt verlassen. Mit ein bisschen Wehmut, schon …

    In voller Schönheit am Abend

    Am Freitag hatte uns – also eher mir – Tom, der Theker aus dem Irish Pub „Aidan’s“ in Bristol, in dem wir viele Abende verbracht haben,  Clams gebracht, die hiesige Form der Venus-Muscheln, allerdings im Vergleich zu den eher kleinen Muscheln, die wir von den Spaghetti-Soßen bei uns kennen, in gigantischer Größe. Da unsere kanadischen Freunde am Vortag schon Richtung New York aufgebrochen sind, und wir am Abend bei Gif und Chris mit noch einem anderen Ehepaar auf deren Motorboot „Patriot“ eingeladen waren, musste ich mich wohl alleine der 50 Muscheln annehmen. 

    Auf der Patriot hatten wir einen wunderschönen Abend, mit leckerem Salat und Bolognese-Nudeln, Wein und Bier flossen sozusagen in Strömen. Volker und ich waren vernünftig und haben uns um zehn Uhr verabschiedet, weil wir doch am nächsten Tag früh aufstehen wollten. Die vier Freunde aber haben noch bis drei Uhr weiter gefeiert …

    Kaum hatten wir also abgelegt, früh, kurz nach Sonnenaufgang und bei leider bewölktem Himmel, wurde der Sack mit den Muscheln von der Badeplattform in die Küche gebracht, nachdem ich bereits die Ingredienzien für zwei verschiedene Soßen geschnippelt hatte. Es handelte sich einmal um die klassische Soße mit Weißwein, Zwiebeln und englischem Sellerie für einen Clamchowder, eine hiesige Spezialität, die anschließend noch mit einer nicht unerheblichen Menge Sahne zur dickflüssigen Suppe aufgekocht wird. Die zweite mediterrane eine eher schärfere Variante mit demselben Gemüse, aber auch ordentlich Knoblauch und Tomatenmark, hervorragend geeignet als Spaghettisoße.

    Kalt ist es heute auf dem Atlantik

    Während ich in der Küche also die Wohlgerüche des Meeres genoss, stand Volker, dick eingehüllt am Rad und schimpfte nicht nur über den ständig wechselnden Wind – Genua wegrollen, Motor an – Motor aus, Genua ausrollen – sondern auch über die Geschwindigkeit unseres sonst so schnellen Bootes. Wir hatten so viele Muscheln unter dem Rumpf und am Ruder, dass eine Najad, ein kleineres Einrumpferboot ohne Mühe mit uns mithalten konnte.

    in voller Montur

    Auf Block Island, unserem Ziel, so hatte man uns versichert, sei die Bucht so klar, der Ankergrund Sand, also könne man da ohne Schwierigkeiten das Boot von dem Bewuchs befreien. Je geringer die Wassertiefe, desto besser ist die Sicht. Deshalb hatten wir uns eine flache Stelle in der Bucht zum Ankern ausgesucht. Leider ankerten dort so viele andere Boote, dass wir an eine tiefere Stelle ausweichen mussten. Hier wurde Kolumbus-Tag gefeiert, ein richtiger Feiertag in den USA, deswegen waren, obwohl es Sonntag Mittag war, noch viele andere Boote in der schönen Bucht. Am nächsten Nachmittag würden sie zurück in den Heimathafen fahren, aber nun waren sie halt hier. 

    Kurz nach unserer Ankunft zog Volker mutig den Neoprenanzug an, und ging ins Wasser. Neben der eher schlechten Sicht sorgten Strömung und Wellen für extrem schwierige Bedingungen. Fast eine Stunde hat er es trotzdem im 17° kalten Wasser ausgehalten, den Steuerbord-Rumpf, ebenso wie einen Teil des an Backbord frei zu schaben, von unglaublichen Anwüchsen. Kein Wunder, dass die Hexe wie eine lahme Ente gesegelt ist, wie der Skipper es nannte.

    Das war doch eine kräftezehrende Prozedur, für mich natürlich nicht so arg, ich musste nur eine Leine oben führen, damit Volker nicht auch noch gegen die Strömung ankämpfen musste. So hatten wir uns nach einem frühen Abendessen eine Komödie von der Festplatte geladen, den Film – ohne einzuschlafen – bis zum Ende geschaut und wollten unmittelbar danach zu Bett gehen. Bei einem kurzen Rundgang nach draußen stellt Volker fest, dass wir nicht mehr an derselben Stelle lagen, der Anker wohl geslippt war. Natürlich passiert das am späten Abend, wenn es dunkel ist, glücklicherweise hat der Vollmond geleuchtet. Also Motoren an, vielleicht reicht es, wenn wir ein bisschen mehr Kette geben. Das war es leider nicht, im Rückwärtsgang zeigt sich, dass der Anker offensichtlich nicht im Untergrund hält. Wir gehen Anker auf, und versuchen es erneut, diesmal von vornherein mit mehr Kette. Hält? Pustekuchen! Wir bewegen uns immer noch, wenn wir rückwärts fahren. Im dritten Anlauf und an einer anderen Stelle hat es dann geklappt, aber das hätten wir uns gerne erspart.

    Die Nacht war ruhig, am nächstem Tag ist Volker gegen Mittag wieder in den inzwischen getrockneten Anzug geschlüpft, um die Reste von der Backbord-Seite ebenfalls von dem hartnäckigen Bewuchs zu befreien.  Es war dies der Zeitpunkt, an dem die Strömung nicht ganz so stark wie am Vortag war, aber die Wellen hatten sich noch weiter aufgebaut und ihm zu schaffen gemacht.

    eines der wunderschönen Häuser in sensationeller Lage

    Nachdem Volker wieder umgezogen und aufgewärmt war, haben wir uns mit dem Dinghy aufgemacht, um wenigstens ein bisschen Block Island zu erkunden. Schon bei der Anfahrt am Vortag war uns aufgefallen, dass die Insel eine große Ähnlichkeit mit der niederländischen  Nordsee-Insel Vlieland aufweist, Vlieland war immer unsere Lieblingsinsel, seit wir mit der „Sherazade“ ganz am Anfang und später mit unseren „Hexen“ unseres gemeinsamen Segelabenteuers alle Urlaube und viele Wochenenden am Ijsselmer und der Nordseeküste verbracht hatten.

    Und tatsächlich erinnern auch die Wege durch die Dünen, überhaupt die ganze Landschaft an die Nordseeküste, nur die Häuser sind in der amerikanischen Südstaaten-Architektur der Eastcoast gebaut, wunderschön, auf mehr als großzügigen Grundstücken.

    Am Montag – an besagtem Kolumbus Day – segelten wir, der Strömung wegen, wieder früh los. Nach Mystic, einer kleinen Stadt an einem Inlet zwischen Newport und New Haven, hervorragend geschützt vor allen Winden, fährt man zunächst durch eine Eisenbahnbrücke, eine Drehbrücke, die meist offen steht, nur wenn Züge kommen, wird sie geschlossen. Danach sollte es weitergehen durch die Autobahnbrücke zu einem netten kleinen Ankerplatz.

    Die Eisenbahnbrücke, gedreht

    Das hat nicht so hingehauen, wie wir uns das vorgestellt hatten, aber darüber mehr im nächsten Blog-Beitrag.

  • Zum Wetter

    Sturmwetter, Regenwetter, Sauwetter, Mistwetter, Schietwetter, usseliges Wetter, Schmuddelwetter, Tiefdruckwetter, Schlechtwetter, alle Wetterphänomene drücken genau den seit über drei Tagen andauernden Wetterzustand an unserem jetzigen Standort aus. Es regnet, es nieselt, es schüttet, es schifft, es prasselt – Wassermassen fallen vom Himmel, waagerecht nicht senkrecht. 

    Regentropfen, die an mein Fenster klopfen …

    Denn es stürmt, weht heult, es pfeift der Wind nahezu ununterbrochen, gerne mal in Böen um die 8 Beaufort. Es ist frisch, kalt, saukalt, eiskalt, eisig, schweinekalt, knackig – bei 6-8 Beaufort und maximal 12 Grad am Tag fühlt sich die Temperatur wie zuvor beschrieben an. Vor allem, wenn wir mal ausnahmsweise mit unserem Dinghy zum Ufer unterwegs sind. Gegen den Wind versteht sich, denn der kommt aus Nordost.

    So oft wie nötig und so selten wie möglich raffen wir uns auf, verhüllen uns in wind- und wasserdichte Kleidung, fahren, den Kopf so tief wie möglich gesenkt, übers wellenbewegte Wasser ans knapp einen Kilometer entfernte Ufer, zum Dinghydock. Dort angekommen hangeln wir uns auf dem nassglatten schwankenden Steg bis zum sicheren Ufer. Die Seefahrerromantik kann man bei so einem Wetter getrost vergessen, moderner ausgedrückt,  in die Tonne kloppen, die schöne Umgebung versinkt in einer Melange aus grauen Farbtönen, der Ankerplatz wirkt trostlos.

    Am Sonntag gibt es immer irische Life-Music im Aidan’s

    Selbst das nahe irische Pub, mit dem verlockenden Gerstensaft, verliert an Anziehungskraft bei diesen miserablen Umständen und  das sagt schon viel aus, da wir sonst sehr an menschlichen Kontakten interessiert und dem sozialen Thekenleben zugewandt sind.

    Wie schön für unsere zuhause gebliebenen Freunde in Deutschland, die sich an dem spätsommerlichen goldenen Oktober erfreuen, der eigentlich zumindest den lusterweckenden Reisebeschreibungen zufolge, auch hier das Wettergeschehen dominieren sollte.

    Wir freuen uns über die Sonnenfotos, die wir zum Trost zugesendet bekommen, während die 10 Kilowatt Heizung. leise säuselnd und warme Luft spendend, den Steuerbordtank leer saugt. 70 Liter Diesel gingen in den letzten Tagen durch den Schornstein und ein paar Liter zusätzlich durch unsere Motoren, wer heizen will, braucht gut geladene Batterien. Denn die Solarpaneele liefern nur ein paar müde, vernachlässigbare Watt, zu sonnenundurchlässig sind die windgetriebenen dichten Wolken über uns. Soweit der Bericht zum Wetter oder wie man sowas halt, alternativ nennt, siehe oben.

    Der MPPT-Controller ist eingetroffen, es war der falsche, Cornelia hat den mit Bluetooth-Applikation bestellt, aber der ohne den eingebauten Bluetooth-Anschluss kam gestern in der Marina an. Ersatz für den Ersatz ist aber schon unterwegs.

    Auf der Höhe der Kapverden formiert sich wieder ein tropisches Wettersystem und nahe der Karibik ein weiteres. Wir sind sehr auf deren Entwicklung, sowie auf die Zugbahnen gespannt. Ansonsten gibt es erstmal nix spannendes von Bord zu berichten und wir enden mit: „Schickt bitte die Sonne zurück zu uns!“

  • Flügel gestutzt

    Mit versteinerten Gesichtszügen schauen die Gäste im Aidan’s Pub auf die Bilder und Filme, die uns aus Florida erreichen, als der Hurrikan Ian mit zerstörerischer Windkraft und haushohen Sturmfluten durchzieht. Das Unfassbare flimmert in quälend langen Sequenzen über den Bildschirm. Mit voller Wucht wurde eine Region Amerikas von Naturgewalten getroffen, deren facettenreiche Schönheit wir kennenlernen und erleben durften. Es sind Bilder, die uns erschüttern, die uns bis ins Mark treffen. Viele dieser ehemals wunderbaren Häuser im viktorianischen Baustil, schmucke Schiffe aller Art, oder modernste Hafenanlagen, sind entweder komplett zerstört oder geflutet, häufig unwiederbringlich. Man denkt an die Menschen, die diesem Naturmonster zum Opfer gefallen sind und hofft auf die Stimme eines Kommentators, der sagt, dass das nur ein Blockbuster-Katastrophenfilm war und dass jetzt das Programm mit dem Wetterbericht für die Region weitergeht.

    Uns berühren die Berichte sehr, wir wissen von Freunden, die ihre Schiffe in der Zugbahn des Hurrikans an Land stehen haben und hoffen inständig, dass sie ihren geliebten segelnden Untersatz unbeschadet wiederfinden.

    Uns haben Hurrikan Fiona und Hurrikan Ian den Mut geraubt, bald in Richtung Süden weiter zu segeln, zu groß ist unsere Angst, dass sich uns ein Hurrikan auf der Strecke dahin in den Weg stellt. Wir treten seglerisch auf die Bremse und stellen unsere ehemals ambitionierten Reisepläne ein Stück weit hintenan. Wir wollen auf keinen Fall in die südlicher gelegenen Zugbahnen dieser tropischen Wirbelstürme geraten. Das ist jetzt entschieden und ob wir es bis kurz vor der Winterpause bis zu den Bermudas oder gar bis in die Karibik schaffen, ist sogar schon dritt- statt zweitrangig. Wie bisher in unserer gemeinsamen Vergangenheit arrangieren wir uns mit dem nicht zu Änderndem und machen das Beste draus, im Moment sind wir sogar eher demütig und dankbar, dass wir von solch schlimmen Naturkatastrophen hier in unserem nördlichen Mauseloch verschont geblieben sind.

    Mühevoll ist die Arbeit an den Silikonfugen

    Die Arbeiten an Bord gehen weiter, das Cockpit und der gesamte Aufbau rund ums Bimini, haben nun strahlend weiße Silikonfugen. Jetzt fehlen nur noch gut 40 Meter Silikonfugen im Rumpf-Deck-Übergang und auf beiden Innenseiten im Bugbereich. Beide Rümpfe sind von mir in einer Tagesaktion händisch poliert und gewachst worden, der freundliche Hafenmeister war von soviel Elan so begeistert, dass er kein Liegegeld wollte und nur meinte, ich solle mir die Zeit nehmen, die ich bräuchte. Jetzt glänzt die Außenseite der Hexe wieder wie vor unserer atlantischen Überfahrt. 

    Auch der defekte Deckel am Stauraum muss ausgetauscht werden

    Die Aktion ging diesmal – oh Wunder – sogar schmerzfrei über die Bühne, keine Verspannungen in den Schultern, keine schmerzenden Arme und das, obwohl man(n) nicht jünger wird 😉

    Anderes Thema, im Rennsport spricht man von Materialpech, wenn ein Wettkampf nicht gelingt und der Sportler davon nicht verschont wurde. Auch wir wurden mal wieder vom Materialpech eingeholt. 

    Der MPPT-Controller für die mobile Solaranlage hat seinen Geist aufgegeben. Plötzlich und unvermittelt, gestern ging er noch, heute blinkt eine nicht behebbare Fehlermeldung. Ein neuer Laderegler ist bestellt. 

    Die Innenverkleidung muss runter

    Gestern beim Starkregen, tropfte es dann aus einer Decksluke, nach dem Entfernen der Innenverkleidung war klar, dass das Silikon undicht geworden ist, so geht uns wenigstens nie die Arbeit an Bord aus. 

    Glück hatten wir dagegen mit der Polizei, in einer kleinen Anliegerstraße mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung von ca 20 km/h, war ich so auf das langsame Fahren und den hinterm Baum stehenden Polizisten mit Radarpistole fixiert, dass ich eins der Stoppschilder übersehen haben muss. Diese Stoppschilder gibt es hier an so gut wie jeder Kreuzung, wo in Europa rechts vor links gilt. Auf jeden Fall hatten wir kurz darauf das Auto des Sheriffs mit blinkendem Blau und Rotlicht hinter uns. Glücklicherweise kam ich trotz fehlenden Führerscheins und Personalausweises, jedoch mit vielfacher Entschuldigung, mit einer Verwarnung davon. Ich sah mich schon mit Handschellen abgeführt, Cornelia fand den Gedanken amüsant und war gut unterhalten…

    Nach dem Schrecken mit dem – schlussendlich sehr freundlichen, aber zunächst eher strengen Polizisten wurden wir belohnt. Auf einer Wiese trifft sich bei schönem Wetter eine Reihe stolzer Besitzer von Oldtimern, stellen sie zur Schau, und man kann sich einfach an den schönen Autos erfreuen.

    Glück haben wir auch mit unseren ankernden Segelnachbarn. Schon ein Weile beobachtete ich eine Dreiergruppe von kanadischen Segelbooten, die anscheinend auch in Richtung Süden unterwegs sind. Wir sind uns schon auf mehreren Segelabschnitten begegnet, haben in Newport dicht bei dicht geankert und nun ankern wir seit fast zwei Wochen nebeneinander. 

    In fröhlicher Runde

    Vor ein paar Tagen hat irgend jemand den ersten Schritt gewagt, man kam ins Gespräch, man fand sich sympathisch. Seitdem treffen wir uns fast täglich in fröhlicher Runde, zum Essen, Trinken und Erzählen, auf wechselnden Booten, wir haben neue Segelfreunde, wie schön.

    Gerade jetzt kachelt es mal wieder, ein durchziehender Sturm hält uns vom geplanten Landausflug ab. Böen bis 37 Knoten orgeln durchs Rigg und der Kat tanzt von einer Seite zur nächsten, um seine Ankerkette. Die Heizung brummt, mit 13 Grad am Tage und 7 Grad in der Nacht kann man wahrlich nicht von dem viel gepriesenem amerikanischen „Indian Summer“ sprechen.

  • Gierig

    Hurrikan Fiona auf dem Weg nach Norden

    Gierig wie ein Nimmersatt saugt Hurrikan Fiona Luft in ihr wirbelndes Zentrum, um ihr zerstörerisches System zu erhalten. Von einer tropischen Depression, über einen tropischen Sturm hat sich Fiona zu einem ausgewachsenen Hurrikan der Stufe 3 entwickelt. Die Schäden auf den betroffenen Karibikinseln gehen in die Milliarden und leider hat Fiona auch schon einigen Menschen das Leben  gekostet. Doch obwohl Fiona nun nicht mehr in der Karibik wütet, halten die Menschen an der Ostküste der USA und in Neufundland den Atem an, und beobachten das Wettermonster mit Argusaugen. Denn die Zugbahn von Fiona darf man getrost als absolut ungewöhnlich bezeichnen. Statt raus auf den Atlantik zu ziehen, saugt sich dieser Hurrikan mit amerikanischer Festlandluft so richtig voll, lässt sich auch nicht von den kühlen Wassern des Humboldtstroms abschwächen und ballert mit voller Kraft in Richtung Kanada weiter.

    Hier in Bristol hatten wir gestern sozusagen die Vorboten von Fiona in Form von tropischen Regenschauern gespürt, und heute wehte es durchgängig und gerade immer noch, mit 7-8 Windstärken aus nördlichen Richtungen. Bedingt durch den nördlichen Starkwind ist die Temperatur in den Keller gerauscht, nachts ist es mit 7 Grad ausgesprochen kalt. Doch wir wollen nicht jammern, denn, um ehrlich zu sein, sind wir heilfroh, dass wir nicht von diesem Wettersystem getroffen wurden, das  in nur 150 Seemeilen an uns vorbeigezogen ist. Zumal Bristol in den Jahren 1938 und 1954 von schweren Hurrikanen getroffen wurde, mit schwersten Schäden an Haus und Hof. Klar kann man sich in diesem Inselgewirr verstecken und ein sogenanntes Hurricanhole (Hurrikanversteck) suchen. Nur gehört dann schon eine gehörige Portion Glück dazu, bei den massiven Naturgewalten schadenfrei zu bleiben. 

    Stille nach tropischem Regen

    Nachdem die Hurrikansaison im Juli und August ausgeblieben ist, nimmt sie nun anscheinend so richtig Fahrt auf. Allein in dieser Woche haben sich vierweitere tropische Systeme gebildet. Das als Nummer Zehn bezeichnete System ist mittlerweile ein tropischer Sturm, hört auf den Namen Hermine und rauscht gerade von den Kapverden auf die Kanaren zu und sorgt dort schon für reichlich Unruhe bei der Bevölkerung. Die Menschen haben Angst vor dem, was auf sie zukommt, und die Medien überschlagen sich mit Warnungen. 

    Die Hurrikan Site der Noaa

    Auch bei Hermine kann, oder muss man sogar, ebenfalls von einer ungewöhnlichen Zugbahn sprechen. Denn das gab es noch nie, dass ein tropischer Sturm schnurgerade von den Kapverden nach Norden zu den Kanaren gezogen ist. Normalerweise wandern tropische Wettersysteme von der Ostküste Afrikas zu den karibischen Gebieten. Umso interessanter ist Hermine für die amerikanische Wetterbehörde NOAA und das dort befindliche Hurricancenter. 

    Deshalb senden die USA ein Spezialflugzeug, das bis oben unter das Kabinendach mit Messapparatur vollgepackt ist, in das Zentrum des Tropensturms, um diesen genauestens zu untersuchen. Zudem intensiviert die NOAA nochmals ihre Arbeit, so sind die mögliche Hurrikangebiete in noch kleinere Sektoren eingeteilt worden, um dort noch mehr Wetterdaten erfassen zu können. 

    Ein Kraftakt, der hoffentlich dabei hilft, die Entwicklung und mögliche Zugbahnen der tropische Stürme und der Hurrikans noch besser vorhersagen zu können und somit den Verlust von Menschenleben zu vermeiden und schwere Sachschäden zu beschränken.

    Dass dies gelingen kann, sieht man meiner Meinung nach ganz gut an Puerto Rico. Während des Durchzugs von Hurrikan Maria vor fünf Jahren sind über 3000 Menschen gestorben, jetzt waren es, wie bereits erwähnt, fünf Menschen die die Naturgewalt nicht überlebt haben.

    Hier an der Küste zog es heute die Wellenreiter an die zahlreichen Strände in der Umgebung. Wir verfolgten das sportliche Schauspiel am Newport Beach, wo ein ablandiger Wind auflandige Atlantikwellen, sowie die ebenfalls auflaufde Atlantikdünung für optimale Wellenreitbedingungen mit hohen und lang laufenden Wellen sorgten.

    Wellenspektakel

    Spektakulär anzuschauen waren die brechenden Wellen, am nur wenige Kilometer entfernten Denkmal für die portugiesischen Seefahrer und Entdecker, dem Brenton Point.

    Denk-mal

    Seit sechs Tagen ankern wir nahe zum Bristol Harbour, seit vier Tagen haben wir einen Mietwagen, den wir für Einkäufe und Erkundungsfahrten nutzen. Es gibt mal wieder viel zu tun an Bord und die Arbeitsstunden mehren sich. Wir wollen alle Silikonnähte erneuern und das Auskratzen der alten unansehnlichen Silikonfugen ist eine echte zeitfressende Plackerei. Doch wir kommen langsam aber stetig voran, das Cockpit ist fast fertig, frühmorgens geht es los und am späten Nachmittag sind wieder ein paar Silikondosen leer und ein paar Meter Fugen weiß gefüllt. 

    Abends sind wir dann in Bristol unterwegs, das ist in der Regel sehr unterhaltend und abwechslungsreich. Denn die lieben Menschen von Bristol sind durchweg „open minded“, also interessiert an neuen Menschen/Bekanntschaften, und nicht wenige hier haben einen Bezug zu Deutschland, sei es durch das eigene Arbeitsleben, Verwandte und Bekannte oder durch Urlaub  oder Reisen. So entwickeln sich Gespräche schnell, wir werden nach dem Woher und Wohin befragt, erhalten viele Informationen zur Gegend, zur Ostküste von Amerika, über die Lebens-/Arbeitsweise in Amerika. Häufig tauschen wir unsere Adressen aus, mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen. Um es kurz zu fassen, wir sind froh, diesen wunderbaren Ort für uns entdeckt zu haben. 

    Alter schneller Kat mit modernen Attributen

    Apropos wunderbarer Ort, ich finde ja, dass Cornelia bei der Beschreibung des Herreshoff Museums ein bisschen einsilbig und emotionslos war. Dazu muss man wissen, dass Nathanael Herreshoff (1848-1938) den legendären Ruhm begründete und sein Sohn Francis den Erfolg fortsetzte. Beide waren herausragende Yachtkonstrukteure ihrer Zeit. Die Yachten, die ihrer Feder entsprangen und von ihnen auch gebaut wurden, gewannen zahllose Regatten, besonders im berühmten Americas Cup. Acht mal wurde dieses Highlight der Sportgeschichte ruhmreich von Herreshoff Yachten gewonnen. Wer sich hingezogen fühlt zum Segelsport oder klassische Yachten mag, wird den Besuch des Herreshoff Museums allzeit liebevoll in seiner Erinnerung bewahren. 

    Die Konstruktionszeichnung und die Beschreibung des Kat

    Diese große Anzahl ehemals schwimmender Schönheiten im guten Zustand in der ehemaligen Bauhalle bewundern zu können, geht echt ans Herz. Und für die Katamaransegler unter den Lesern, Herreshoff hat bereits 1876 einen 9,5 Meter langen Katamaran in offener Bauweise, also ohne Kajüte gebaut, der damals schon 18 Knoten schnell war und jetzt in der Ausstellung zu bewundern ist. Beide Ruder sind über ein Stangensystem miteinander verbunden, der Katamaran hatte Steckschwerter und einen großen Bugspriet, der an sportliche Yachten der heutigen Zeit erinnert. Damals gab es keine (Katamaran-)Vorbilder, einfach nur genial! Es gibt zudem noch eine Hall of Fame des Americas Cup und ein Americas Cupper steht in voller Schönheit vor dem Museum. Das Museum sucht noch Freiwillige zur Mitarbeit im Museum. Also wer in die USA umsiedelt und Schiffe liebt, könnte in Bristol seine 2. Heimat finden. 🙂

  • Ahoi Hexe

    Grönland von oben

    Wes und Roisin holten uns am Flughafen in Boston ab, der fünf Stunden lange Flug von Reykjavik  dorthin hat uns einen wunderbaren Ausblick auf die grönländische Eiswelt geboten, sowie auf unendlich viele kanadische Buchten, Seen und Flüsse. Vom Flughafen ging es mit dem geliehenen Auto zum Hull Yacht Club und von dort, wegen des vielen Gepäcks, mit dem Tenderboot des Yachtclubs zu dem Ankerplatz der Hexe. 

    Endlich angekommen an Bord, war zunächst garnicht viel Zeit übrig, denn wir packten aus und Wes und Roisin packten ein für ihren Flug am folgenden Tag nach Seattle. Viele Bootsdetails wurden besprochen, kleine Problemchen noch gelöst, ein Einkauf im Supermarkt arrangiert und nach einem frühen Abendessen gingen wir alle ins Bett. Die Zeitverschiebung forderte mal wieder ihren Tribut. 

    Wenn Himmel und Meer miteinander verschmelzen

    Am nächsten Morgen ging es früh mit kleineren Reparaturen weiter, das Manometer des Watermakers wurde eingedichtet, ein neuer Borddurchlass, natürlich oberhalb der Wasserlinie, wurde montiert und schon war es Zeit, die Beiden mit dem Beiboot zum Yachtclub zu bringen, damit der gebuchte Flug erreicht wurde. Kaum dort angekommen, kam der Commodore des Clubs auf uns zu, ob wir denn eine Vereinsflagge von unserem Segelclub bei uns hätten für einen Flaggentausch. Ein paar Minuten später war die Flagge von Bord geholt und die offizielle Wimpeltauschzeremonie wurde durchgeführt. Danach gab es den obligatorischen Umtrunk, verbunden mit einer herzlichen Einladung zum Abendessen in den Hull Yacht Club, kurz HYC.

    FLaggentausch

    Am Abend ging es dann gestylt und gebügelt zum HYC, und wir wurden direkt von einem Clubmitlied zu einem Willkommensgetränk eingeladen und nach dem Woher und Wohin unserer Reise befragt. In diesem Stil ging der Abend weiter, das Interesse an unseren Segelabenteuern war groß, die amerikanischen Segler waren sehr neugierig und offen. Das leckere warme Büffet war die kulinarische Krönung des Abends. Danach wurde es nochmal formell, denn die Gewinner der sommerlichen Abendregattaserie wurden bekanntgegeben und es gab eine Besprechung, mit Anregungen der Mitglieder, wie diese erfolgreiche Regattaserie in der nächsten Saison fortgeführt werden soll. Dann wurden wir als Segelreisende in der großen Runde offiziell vorgestellt und nochmals beim HYC willkommen geheißen, um 22 Uhr war dann alles vorbei und wir tuckerten zum Schiff zurück. 

    Die Capitania auf der Leiter

    Der nächste Tag verging mit Reinigungs- und Unterhaltsarbeiten wie im Flug, abends gönnten wir uns ein paar wohlverdiente Drinks in „Jo’s Nautical Bar“, die wohl so legendär zu sein scheint, dass uns alle Segler zu einem Besuch geraten hatten. Der Aufstieg vom Dinghysteg, über die hoch hinausragende Leiter, war für die Capitania eine echte Aufgabe, die sie aber mit Bravour meisterte. Die Bar scheint aus einer lang vergangenen Zeit zu stammen, überall hängen maritime Artefakte, ein Sänger gab sein Bestes auf der Gitarre, und Lindsey, die superfreundliche Bedienung, erzählte begeistert von ihrem Berlinaufenthalt.

    Mit den Drinks muss man sich bei den Dinghytouren in Amerika generell zurückhalten, denn Polizei-oder Coastguardboote kontrollieren schon mal Sportboote. 

    Am nächsten Morgen ging es dann ankerauf aus der Bucht heraus. Unser Tagesziel, Provincetown, liegt gut 40 Seemeilen entfernt. Provincetown ist das Mekka der Queer-Bewegung an der Ostküste von Amerika, ein bunter Menschenmix bevölkert die Gassen der historischen Altstadt und feiert in den zahlreichen Locations. 

    Neugierig verfolgten wir die Szenerie, wir ließen uns von dem Menschenstrom durch die Gassen treiben und folgten der Einladung zu einem Jazzkonzert ins historische Rathaus. Bei dem Konzert wurde nicht nur die Jazzmusik der 1950-1980er Jahre in den Mittelpunkt gesetzt, sondern auch die Fotografien von Jack Bradley, der alle berühmten Jazzmusiker wie Louis Armstrong, Ella Fitzgerald und Duke Ellington abgelichtet hatte. Insgesamt umfasst sein photografisches Schaffen über 30.000 Fotos. Jack Bradleys Fotografien lagern heute im Louis Armstrong House Museum.

    Mit Fotoleinwand

    Von der Musik beschwingt, wandelten wir weiter durch die Straßen von Provincetown. Aber irgendwann ist Schluss mit lustig und mit dem, seltsamerweise, stotterndem Außenbordmotor, ging es etwas beunruhigt zum Hexenkat zurück. 

    Gestern war dann Poliertag, eine Hälfte des Aufbaus glänzt nun wieder, wie sie soll. Hin und wieder zeigten sich Haifischflossen in der Nähe der Hexe, die Cape Cod Region ist das Epizentrum der Haie an der Ostküste. Besonders die weißen Haie mögen die zahlreich vorkommenden Robben wohl sehr. Das bewachsene Unterwasserschiff wird daher nur, soweit erreichbar, vom sicheren Beiboot aus von den angewachsenen Muscheln befreit. Abends machten wir uns noch einmal auf in den täglichen Karneval von Provincetown.

    Heute sind wir zum Cape Cod Canal gesegelt und dann bei strömendem Regen durch den gut 7,5 Seemeilen langen Kanal geschippert, der sowohl landschaftlich als auch von den Brücken her, sehr an den Nordostseekanal erinnert. Und eine kräftige Strömung sorgt dafür, dass die Passage kurz ist, wir haben die Gezeit gut abgepasst, vier bis fünf Knoten schieben uns westwärts.

    Kurz nach dem Kanal fiel in der ruhigen Onsetbay der Anker, keiner von uns Beiden hatte mehr Lust, weiter durch den Regen zu schippern. Die Dieselheizung wärmt gerade das Schiff auf und trocknet die nassen Klamotten. Morgen ist ein neuer Tag.

  • Home Sweet Home

    Prall stehen die roten Segel im Wind, mit mächtig Schräglage segeln wir unter einem bedeckten Himmel dahin, die Logge zeigt sportliche 5,8-6,5 Knoten an.

    Drei Segler bei kühlen Bedingungen auf dem Ijsselmer

    Wir, Lukas, Carl-Martin und ich sind mit der Sherazade, meinem ersten und ehemaligen, 6,60 Meter langen Kajütboot auf dem Ijsselmeer, von Workum nach Stavoren, unterwegs.

    Einen Tag früher sind wir in Washington/Dulles mit der KLM in Richtung Amsterdam gestartet und 7 Stunden später in der bezaubernden holländischen Hauptstadt gelandet. Auf die deutschen Maskenfliegerei verzichten wir gerne, solange sich das umgehen lässt und diese sinnlose Regelung besteht.

    Sherazade

    Carl-Martin holt uns früh morgens am Flughafen ab und ein paar Stunden später, sitzen wir in fröhlicher Herrenrunde auf der 51 Jahre alten Sherazade, die die kurzen und steilen Wellen bravourös meistert. Lukas hat die schiffige Dame komplett überholt und das alte Gelcoat glänzt nun wieder fast wie neu. Am Abend feiern wir mit Lukas, Christian und Steffi in der Hafenkneipe, wie in alten Zeiten, die schon über 20 Jahre zurück liegen. Am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Carl-Martin, und Lukas fährt uns dankenswerter Weise nach Darmstadt zurück.

    Der letzte Abend an Bord

    Wes und Roisin sind wieder an Bord der Hexe, die in der Jabin Yacht Yard einen wunderbar ruhigen Liegeplatz hat. Wes will noch ein paar kleine Reparaturen ausführen. Dann werden die beiden mit dem Hexenkat, bis hoch nach Maine segeln, wo wir das Boot Ende August wieder übernehmen wollen. 

    Endlich ist auch die neue 24-Volt-Pumpe für den Wassermacher in Annapolis angekommen, nach einem achttägigen Irrlauf bei UPS, Amerika. Weitere Ersatzteile bestellen wir hier von Darmstadt aus und werden diese dann im übervollen Gepäck auf dem Rückflug zum Boot mitnehmen.

    Der perfekte Liegeplatz

    In der nächsten Woche haben wir einen Termin zur Beantragung unseres B1/B2-Touristenvisums bei der amerikanischen Botschaft in Berlin. Dieses Visum erlaubt es, bis zu 180 Tagen am Stück in Amerika zu bleiben. Für unsere weiteren Segelpläne ist das mehr als ausreichend, am Ende der Hurrikanzeit, Ende November, geht es zurück in Karibik. Die Bermudas, die US-Virgin-Islands, die British-Virgin-Islands, Antigua und Barbuda sowie die Grenadines stehen auf dem Programm. Diese Inseln haben nun auch, vernünftiger Weise, alle Covid-Beschränkungen aufgehoben und sind wieder normal zu bereisen. Doch bevor es zurück in die immer warmen Gefilde der Karibik geht, wollen wir weitere Teile der Ostküste von Amerika besegeln. Und eventuell geht es für einen kurzen Abstecher hoch nach Kanada. Nova Scotia oder Halifax, allein die Städtenamen klingen schon verlockend!

  • Zusammenfassung Teil 2

    Der Duft von frisch gemähtem Gras weht zu uns hinüber, Landluft statt Seeluft, wir liegen an der Mündung des Potomac River, dem Fluss, der bis nach Washington DC hoch führt. Von drei kleineren Yachthäfen gegen die südlichen Winde geschützt, ein Naturparadies, mit altem Baumbestand, Sümpfen, grasgrünen Wiesen und adretten Wohnhäusern mit Steganlagen. Andere Gastyachten gibt es hier nicht, aber dafür ein Restaurant, die Pier 450, im Smith Creek. Die Anfahrt war nicht leicht, gespickt mit Untiefen und hunderten Fischerbojen; es ist „Jagdsaison“ auf den durchziehenden Rockfisch. Die Capitania war schwer beschäftigt, bis der Anker im modrigen Flussbett versunken ist, einmal hatten wir sogar eine leichte Grundberührung. Ein kleines Kommunikationsproblem zwischen mir und meiner Liebsten, aber dank des weichen Schlicks ist nix passiert. Was aber wohl ein Problem darstellt, ist, dass unser Antifouling, wohl sehr bewuchsfreundlich erscheint und die maritime Flora wie einen Magnet anlockt. Anders kann ich mir es nämlich nicht erklären, dass  beide Rümpfe mit kleinen Muscheln übersät sind. Zudem sorgt das brackige Flusswasser der letzten Tage für einen gelben unansehnlichen Rand im Bereich des Wasserpasses. Der notwendige Tauchgang im trüben Gewässer wird dann zur kleinen Abenteuerpartie, weil es zum einen manchmal kleine weiße juckende Quallen gibt, und dann schwimmen winzige Fischchen immer wieder auf Hautkontakt an den Rücken ran, außerdem tummeln sich in dem Brackwasser, bekannter Weise, immer wieder mal Bullenhaie. 

    An der Beachbar kurz vor dem Abendessen

    Cornelia macht einen auf Haiwächterin und ich mach mich über den Bewuchs her, nach einer dreiviertel Stunde im trüben Nass ist ein Rumpf bewuchsfrei, immerhin. Danach machen wir uns schick, lassen das Dinghy ins Wasser und düsen mit Volllast zur Pier 450.  Die großzügige Steganlage bietet Platz für viele Boote, der große Außenbereich ist wie eine Beachbar angelegt und für die, die genug von Sonne und Natur haben, gibt es einen schönen Innenbereich mit Restaurant- und Barteil.

    Wir kommen mit der Besitzerin ins Gespräch, die zu Beginn der „großen“ Pandemie das Ensemble gekauft und in ein echtes Schmuckstück verwandelt hat. Ich esse das große saftig-knusprige Schweinekotelett mit Püree Buttergemüse und Cornelia nimmt Ceviche vom lokalen Rockfisch.

    Nach dem wunderbaren Essen zieht es uns an die Bar, wo wir mit einem netten Paar aus der Umgebung schnell ins Gespräch  kommen. Kurz zusammengefasst, Smith Creek ist noch ein wirklich verborgenes Juwel.

    Der lokale Yachtclub

    Am nächsten Morgen geht es früh ankerauf, nicht ohne ausgiebige Reinigung der Ankerkette von dem klebenden Flussschlick. Unser nächsten Ziel sind die lokal bekannten Solomon Islands, ca. 40 Seemeilen weiter nördlich in der Chesapeake Bay. Auch hier findet Cornelia einen lauschigen Ankerplatz in einem kleinen Flussarm, eingerahmt von schicken Villen mit wunderbaren Gärten und einem Yachthafen.

    Flaggentausch

    Mit dem Beiboot tuckern wir auf der Suche nach einem Anlandeplatz in den nahegelegenen Hauptort, Johnstown. Wir werden beim Solomon Islands Yacht Club fündig, Cornelia fragt um Erlaubnis das Dinghy am Steg parken zu dürfen, wir werden willkommen geheißen. Im Clubgebäude hängen hunderte Flaggen von anderen Vereinen, sie sammeln diese und sind natürlich an Flaggen von anderen Segelvereinen interessiert, mit dem Hintergrund, dass sie damit ins Guiness Buch der Rekorde wollen, weil sie der Verein sind, der die meisten verschiedenen Flaggen in seinem Vereinshaus hängen hat. Zum Glück haben wir einige Flaggen von meinem Segelverein, dem Segelclub Saar an Bord und, nach einer kurzen Tour mit dem Beiboot zurück zum Schiff, kreuze ich mit der 499-igsten Flagge auf, die im Solomons Island Yacht Club hängen wird. Und wie es sich nach alter Tradition gehört, gibt es einen offiziellen Flaggentausch mit anschließendem kleinen Umtrunk. Ein sehr schöner Moment!

    Nach anschließendem Abendessen in dem nahegelegenen Buckeye Grill, mit zünftiger Livemusik, schnacken wir noch ’ne Weile mit zwei anderen Seglerpaaren. Am folgenden Morgen gehen wir abermals früh ankerauf und segeln mit unzähligen Halsen und Gennakermanövern, mit leichten und wechselhaften Winden, nach Galesville.  Dort hat sich Cornelia das bekannte PiratenCrow (Piratennest) im Vorfeld als Restaurant auserkoren. Dem Besuch der Gaststätte stand nur noch die Reinigung des 2. Rumpfes und des Wasserpasses im Weg, nach anderthalb Stunden tauchen und schwimmen ums Boot ist die Hexe jetzt untenrum clean. Cornelia aß zur Feier des Tages Crab Cake, Krabbenkuchen, eine regionale Spezialität.

    Ab 18 Uhr gab es Livemusik, das ganze Restaurant sang Cornelia ein Geburtstagsständchen, und sie durfte sich noch ein Lied wünschen. Dann war es schon Zeit, mit dem Dinghy zurück zur Hexe zu brettern, dunkle Wolken kündigten ein nahendes Gewitter an. Das hatte es auch in sich, weder vom Regen noch vom Wind her, dafür mit heftigen Blitzeinschlägen in der nahen Umgebung. Unser Stressbarometer ging mächtig nach oben. Aber irgendwann war auch dieses Nauturereignis glücklicherweise vorbei. 

    Der historische Leuchtturm vor der Einfahrt

    Gestern sind wir nach Annapolis geschippert, ganz ohne Wind und daher ohne Segel, nur mit Motorkraft. Annapolis soll die Heimat für unser Schiff in den nächsten Wochen werden.

    Und kann es einen besseren Platz für ein Schiff geben, als eine Stadt, die sich als die Segelhauptstadt der Welt bezeichnet und deren Motto ist „I have lived, and I shall die free“ (ich habe frei gelebt und ich werde frei sterben“)?

    Wir werden noch ein bis zwei Tage vor der Marineakademie ankern, bei der morgen ein riesiges Feuerwerk zum Nationalfeiertag abgebrannt werden soll, und uns danach in einen nahen Yachthafen verholen. 

    Auch solche Schiffe bieten hier Bootstouren an

    Noch ein paar kleine Infos zu Annapolis, dessen Altstadt wir in den nächsten Tagen erkunden wollen. Es sind an diesem Sonntag gefühlt tausende Boote aller Art auf dem Wasser, kleine Daycruiser, Segelkanus, Jollen, Segelyachten, Motorboote von klein und offen bis hin zu der 80 Meter langen Megayacht, einigen Rundfahrtbooten, dazu unzählige Kajaks und Standup-Paddleboards. Bei einer kleinen Dinghytour sind wir sicher an 15 verschiedenen Yachthäfen vorbei geschippert. Annapolis ist also ein echtes Segelmekka.

    Knapp 40000 Menschen leben hier. Für kurze Zeit war die Stadt die Hauptstadt von Amerika, 1783-1784. Namengebend für Annapolis war Prinzessin Anne von Dänemark und Norwegen gegründet wurde die Stadt 1649. Annapolis ist die Hauptstadt vom Bundesstaat Maryland und politisch fest in der Hand der Republikaner.

  • Der Skipper in Heaven

    Nachdem ich immer wieder einen kleinen Bericht über Beaufort versprochen habe, fange ich heute mal damit an: Beaufort ist eine kleine Stadt mitten am „Eissiedabbljuu“ dem „IntraCoastalWaterway“, der an der Küste entlang, aber immer ein bisschen entfernt vom Meer, von Florida bis Norfolk geht. Leider gibt es darin Brücken mit einer Durchfahrtshöhe, bei der wir unseren Mast absäbeln, oder zumindest die darauf befestigten Antennen verlieren würden. Sonst wären wir gerne ein kleines Stück darauf gefahren, schon um die Aussicht auf das Innere des Landes zu genießen.

    In Beaufort sind wir mit dem Dinghy bis zu eben jenem ICW gefahren, und haben uns an den unendlichen Weiten der inneren Wasserwege erfreut. Auch die Südstaaten-Architektur der Stadt hat es uns angetan, die an Filme wie „Vom Winde verweht“ erinnert. Ich erwarte immer, dass Scarlett O’Hara aus einem der Häuser tritt oder wenigstens Rhett Butler mir auf der Straße zuzwinkert. Es gibt so schöne und gepflegte Häuser und Grundstücke, nicht nur in Downtown, sondern auch rundherum. Hier in den USA sind die Menschen an Entfernungen gewöhnt, Einkaufszentren mit allem, was das Herz begehrt und das Portemonnaie erlaubt, liegen weit außerhalb des fußläufigen Bereichs. Dorthin sind auch wir gefahren, mal wieder mit einem Uber, und auch an den Straßen außerhalb der Stadtmitte stehen solche schönen Anwesen.

    Wo ist Scarlett?

    Einen Vormittag haben wir im hiesigen historischem maritimen Museum verbracht, haben einiges über den lokalen Bootsbau gelernt, und ganz viele Geschichten erfahren, um Blackbeard, den gefürchteten Seeräuber, dessen Schiff, die „Queen Anne’s Revenge“ vor Beaufort untergegangen ist. Einige Fundstücke aus dem Schiff sind in dem Museum zu besichtigen.

    Es hat uns sehr gut in Beaufort gefallen, Originalton des Skippers: „Hier könnte ich mir vorstellen, so ein solch schönes Haus zu kaufen, und darin zu leben.“

    Geschichtsunterricht im öffentlichen Raum

    Soviel zu Beaufort, am Montag Nachmittag waren wir nach anderthalb Tagen auf See in Hampton, ganz nahe von Norfolk angekommen. Dort haben wir etwas ganz Schönes für den Skipper gefunden. Am Dienstag sind wir, nach den langen Tagen auf See, am Nachmittag zu einem Spaziergang aufgebrochen, an den schönen überwachten Stränden entlang. Dann fanden wir einen Eingang zu den großzügigen Anlagen von Fort Monroe, eine der größten Anlagen in den USA, das besonders während des amerikanischen Bürgerkriegs von Bedeutung war. Edgar Allen Poe war hier während seiner Militärzeit stationiert, und Präsident Abraham Lincoln plante mit den anwesenden Generälen hier den Angriff auf Norfolk.

    Nun waren wir genug gelaufen, und Volker fragte verzweifelt: „Gibt es denn hier kein Pub oder irgendetwas, wo man mal ein Bier trinken kann?“ Ich hatte schon mal vorher nachgeschaut, und festgestellt, dass in diesem Teil von Hampton die gastronomischen Erlebnisse offensichtlich nicht gefragt waren. Außer dem Restaurant in der Marina, das uns gestern Abend nicht wirklich überzeugt hatte, fand ich nur eine kleine Brauerei, die man wohl auch besichtigen konnte. Da sollte aber auch ein Ausschank sein! Google hatte geschätzt, dass wir neun Minuten zu Fuß dahin brauchen, mit dem Durst des Skippers ging das auch schneller. 

    Prost!

    Und tatsächlich war das wie ein Sechser im Lotto! Aus vierzehn(!) Zapfhähnen gab es die verschiedensten Biere, alle in der kleinen Brauerei hergestellt. Wir durften vor der Bestellung zunächst aus ganz kleinen Gläsern einen Schluck kosten, bis wir uns beide für das American Lager entschieden hatten. Die anderen Biere waren auch sehr gut und ganz unterschiedlich, es machte Spaß, sie zu probieren, aber sie waren doch zum Teil sehr stark mit anderen Aromen versetzt, das überzeugt den Liebhaber des klassischen Bieres, gebraut nach dem Reinheitsgebot, nicht wirklich. So verbrachten wir einen sehr vergnüglichen Nachmittag und Abend, hörten am Ende dem Pubquiz gerne zu, bei dem wir allerdings keine Chance gehabt hätten, nur fast alle Namen der Kinder der Trapp-Familie aus „Sound of Music“ hätte ich gewusst, allerdings nicht in der richtigen Reihenfolge von der ältesten bis zur jüngsten. Mit viel Bier im Bauch und gut gelaunt und mit der nötigen Bettschwere sind wir zum Boot gekommen und auch bald danach eingeschlafen.

    Am Morgen sind wir zeitig in Hampton los gefahren, haben die riesigen Containerschiffe beobachtet, die alle nach Norfolk reinfahren. Später haben wir erfahren, dass der Wasserweg dorthin natürlich tief ist, Norfolk somit schon seit langer Zeit ein Umschlagplatz für Waren aus aller Welt. Leider war zunächst gar kein Wind, wir wechselten beständig zwischen Motorfahrt und Segelmannövern; bis mittags der Wind auffrischt und wir richtig schön vor dem Wind segeln können. 

    Containerschiff

    Das kleine Inlet im Jackson River erscheint uns bei diesem Wind nicht ausreichend geschützt , also kein guter Ankerplatz zu sein, es gibt nur schmale Stellen, an denen es tief genug ist, und die außerdem gegen diese südlichen Winde geschützt sind. Also fahren wir ein kleines Stückchen weiter in die Godfrey Bucht, dort sind wir fast alleine, es ist kein Geräusch zu hören, eine Wonne.

  • Zusammenfassend

    Das war schon ein ziemlicher Schock für uns, als wir feststellen mussten, dass unsere Website gehackt und nicht mehr erreichbar. Immerhin sind da beinahe acht Jahre dokumentierte Segelzeit hinterlegt, all unsere Reisen und Abenteuer. Doch jetzt sind wir erstmal positiv gestimmt, weil Christian die angerichteten Schäden beseitigen und die Website wieder an den Start bringen konnte. 

    Nachdem wir in den letzten Monaten viele Buchten, Strände und Inseln besucht hatten, haben wir uns schon im Vorfeld sehr auf die amerikanischen Orte und Städte an der Ostküste mit ihrer wechselhaften Geschichte gefreut. Bis jetzt sind wir nicht enttäuscht worden. 

    Steinhaus in St. Augustine

    Fangen wir mit der ältesten dauerhaft besiedelten Stadt an. Saint Augustin wurde von dem spanischen Seefahrer Ponce de Leon  entdeckt, die Stadtgründung datiert auf das Jahr 1565. Gut erhaltene spanische und amerikanische Kolonialarchitektur prägen bis heute das Stadtbild dieser schmucken und lebhaften Stadt in Florida. Es ist eine wahre Freude, durch den Altstadtkern zu wandeln und eine Sehenswürdigkeit nach der anderen zu entdecken. Zudem gibt es zahlreiche Pubs und Restaurants mit abendlicher gepflegter Livemusik sowie zahlreiche Ausstellungen und Kunstgalerien. 

    Die Kingsbridge erleuchtet

    Der Gemeindehafen, gleich nach der King Bridge, bietet alle Annehmlichkeiten, die man von einem modernen Yachthafen erwarten kann. Wir haben uns für eine Mooringboje vor der Brücke entschieden. diese Bojen werden ebenfalls vom Gemeindehafen bewirtschaftet und sind mit 28 Dollar inklusive Wifizugang, Müllentsorgung und Nutzung des Dinghysteges preislich wirklich günstig. Nachbarlieger, die sich für einen Monat an der Mooringboje eingemietet haben, bekamen sogar einen deutlichen Preisnachlass. Vom Mooringfeld aus hat man einen fantastischen Blick auf die Altstadt und das alte Fort. Zusammenfassend muss man sagen, dass diese hübsche Ostküstenstadt ein kleines Juwel ist, dazu kommt noch der nahegelegene kilometerlange Ponte Vedra Beach und die Sümpfe im Hinterland. In allen Süß-und Brackwasserbereichen gibt es Alligatoren und die wollen nicht nur spielen!

    Keine verdeckten Waffen erlaubt, nur andere?

    Saint Augustin ist zudem Port of Entry, das heißt, man kann dort in die USA einklarieren. Neben der Online Anmeldung über die CBPRoam App, für die wir im Vorfeld eine E-Sim erstanden haben, um die Anmeldung zeit- und küstennah zu beantragen, denn vorher darf keiner an Land. Das Einklarieren mit der App ist unkompliziert und innerhalb von zwei Stunden erledigt, trotzdem ist es notwendig, zu Zoll und Immigration am örtlichen Flughafen zu fahren. Der dortige zuständige Officer ist wirklich sehr freundlich und hilfsbereit, und nach ein paar Minuten sind wir nun offiziell in Amerika angekommen. 

    Jetzt folgt eine kleine Zusammenfassung, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wenn man mit dem Esta- oder Visa-Waiver-Visa Programm und dem eigenen Boot in die USA einreisen will. Es gibt unterschiedliche Informationen im Netz, wir sind den Empfehlungen eines Freundes und den Hinweisen auf Noonsite gefolgt. Da wir kein B1/B2 Visum bei den Botschaften vor unserer geplanten Reise aufgrund der Pandemie erhalten konnten, haben wir uns ausführlich über mögliche Alternativen informiert.

    Vorkehrungen für die Hurrikan-Saison

    Bei dem Esta-Programm muss man vor der Einreise mit dem eigenen Boot unbedingt einmal mit einem offiziellen Transportmittel, per Flugzeug mit einem Linienflug, oder per Boot mit einer offiziellen Fähre  nach Amerika eingereist sein, damit das Esta-Programm gestartet ist. Danach ist die Einreise in die USA mit dem eigenem Boot möglich, Personen dürfen 90 Tage in den USA weilen, das Boot kann länger bleiben. Wer weitere Fragen dazu hat, kann sich gerne an uns wenden. 

    Der Officer am Flughafen hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es ein Vergehen wäre, ohne gestartetes Esta-Programm mit dem eigenen Schiff in die USA einzureisen, dass mit mindestens 580 Dollar Strafe je Person geahndet wird und evtl. weitere Konsequenzen zur Folge hätte. Man erhält bei den Customs auch das zwingend notwendige Cruisingpermit für die USA. Alle Anmeldevorgänge, außer dem Esta selber, und das Cruisingpermit sind erfreulicherweise kostenlos.

    Das älteste Pub Floridas von 1897 steht in Fernandina Beach auf Amelia Island

    Zurück zur Reise: Wes und Roisin sind zurück nach Lanzarote geflogen und nach vier Tagen an der Boje haben wir die Leinen gelöst und uns auf den Weg, nordwärts an der Ostküste lang, nach Charleston gemacht. Nach einem nächtlichen Zwischenstopp bei Amelia-Island und dem Besuch im ältesten Pub Floridas ging die Reise weiter.

    Ein stolzer Löwe

    Nach einer turbulenten und gewitterreichen Nacht sind wir am darauf folgenden Mittag im Ankerfeld vor der „Safe Haven Marina Charleston“ angekommen, haben den Anker im schlammigen Flussbett eingegraben, um erstmal den versäumten Schlaf nachzuholen. Cornelia hat die fehlende elektronische Ostküsten-Seekarte zu der lokalen Seglerladenkette, Westmarine, bestellt. Wir haben uns, seit wir in den USA sind, die Uber App aufs Handy geladen und erledigen alle notwendigen Fahrten mit diesem Fahrtdienstanbieter. Meistens kommt nach wenigen Minuten ein freundlicher Uberfahrer zu dem angegebenen Standort und kutschiert die Fahrgäste dahin, wo sie hin möchten. Das Ganze ist gegenüber den überteuerten Taxipreisen in Deutschland wirklich erschwinglich. 

    Die drei Tage in Charleston haben wir dazu genutzt, das historische French Quarter und Battery zu erkunden. Charleston wurde zum ersten Mal 1670 erwähnt und zahlreiche gut erhaltene Gebäude stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert. 

    Die Altstadt präsentiert sich sehr lebendig. es gibt viele Galerien, jeden Abend finden Ausstellungen in den Markthallen und Livemusik an mehreren Plätzen statt.

    Der Blick von der Waterfront über das Hafenbecken bis hin zum Fort Sumter ist atemberaubend. Wir haben die teuren Restaurants ausgelassen und uns gesellige Pubs fürs Abendessen ausgesucht. Im „The Griffon oder im „Blind Tiger“ kann man hervorragende Pubessen genießen und man hat zudem eine reichhaltige Auswahl von regionalen und überregionalen Faßbieren. 

    Charleston hat auch eine dunkle Vergangenheit, die Stadt war einer der Hauptumschlagsplätze für Sklaven und die ersten Schüsse vom Fort Sumter eröffneten den verlustreichen amerikanischen Bürgerkrieg

    Charleston ist eine Großstadt mit dem Charme einer Kleinstadt in den historischen Stadtteilen Der Ankerplatz vor der Safe Harbor Marina ist leider ziemlich voll und beim Durchzug einer stürmischen Gewitterfront sind wir ankerauf gegangen, da uns ein Nachbarlieger viel zu nahe gekommen ist. Die letzen beiden Tage haben wir dann ein bisschen weiter östlich und ohne Gedränge geankert. Für den Weg von der Marina zur Altstadt haben wir in bewährter Weise die Uber-App genutzt.

    Am Dienstag sind wir nach anderthalb Tagen 220 Meilen auf See in Beaufort, North Carolina, angekommen, einer Kleinstadt mit gerade mal 4.000 Einwohnern.

  • Oase der Ruhe

    Unsere Webseite war zerstört, wie wahrscheinlich viele von unseren treuen Lesern gesehen haben, und ohne Schwiegersohn Christian würde die Capitania heute noch an der Wiederherstellung rumbasteln.
    Vielen Dank an Christian, Du bist unser Held!

    Das ist unser erster Blog seit langer Zeit, die anderen kommen bald.

    Little Harbour, der kleine friedliche Ort mit seiner, zumindest unter Seglern, berühmten „Pete`s Bar and Restaurant“, war unser Ziel nachdem wir aus Nassau weg sind. Die dazugehörige Bucht bietet einen Rundumschutz gegen alle Unbillen des Wetters und Pete`s Bar stellt gut gesicherte Mooringbojen kostenlos zur Verfügung. Der kleine Ort schmiegt sich harmonisch ins Landschaftsbild ein, ein wunderbarer Anblick und ein Ruhepol für gestresste Seelen.

    Abendessen mit Blick aufs Boot

    Nachdem wir an der Mooringboje festgemacht haben, klaren wir die Hexe auf, wassern das Dinghy und tuckern langsam zum Dinghysteg. Zu Pete`s Bar sind es nur ein paar Schritte durch feinsten Sand und kurz darauf fließt ein gut gekühltes goldgelb schimmerndes Kalik Bier durch unsere durstigen Kehlen. Wir sind angekommen an diesem Platz, der schon von so vielen durchreisenden Seglern besucht wurde, und an dem einige ein T-Shirt mit Unterschriften an der Decke der Bar als Erinnerung hinterlassen haben. Das einfache aber frisch zubereitete Abendessen schmeckt hervorragend und dem ersten Bier folgen noch ein paar weitere.

    Pünktlich zum Sonnenuntergang stellen sich die Bahamas-typischen Stechmücken ein. Rauchende Kokosnusschalen, Anitmückenspray und Rauchdosen auf dem Tisch helfen nur bedingt bei der Stechfliegenabwehr. Irgendwann wird es uns zuviel und wir flüchten auf unseren Kat. Dort hatten wir leider vergessen, eine offenstehende Luke zu schließen, und wir müssen deshalb erstmal ein paar Moskitos klatschen. Nachdem alle Fliegenrollos am Platz waren, kehrte Ruhe im Schiff ein.

    Handgeschriebene Speisekarte

    Nach einer sehr erholsamen Nacht ging es am nächsten Morgen um sieben Uhr schon los, denn die Fahrrinne in die Bucht ist zwar betonnt, aber nur 1,3 Meter tief, und die hochwasserzeit lag schon zwei Stunden zurück. Teilweise blieben bei der Ausfahrt nur 10 Zentimeter Wasser unter den Rudern, und alle Blicke richteten sich gebannt auf den Tiefenmesser. Aber selbst eine kleine Grundberührung sollte keine Folgen haben, denn der Untergrund ist weicher Sand.

    Unser nächstes Ziel lag nach einer Strecke mit zahlreichen Untiefen und Sandbänken, was für viele Manöver und Spaß and Bord sorgte. Am frühen Nachmittag liefen wir dann in Marsh Harbour ein, und ankerten nahe bei der Zollbehörde, denn unsere Zeit in den Bahamas ist vorbei, wir wollen ausklarieren und weiter nach Amerika segeln.

    Cornelia macht sich auf den Weg zum Zoll und zur Immigration, Wes und Roisin kaufen noch ein paar fehlende Lebensmittel im großen lokalen Supermarkt und ich erledige letzte Vorbereitungen für die gut 300 Seemeilen lange Überfahrt, Um 15 Uhr sind Schiff und Mannschaft klar zum Auslaufen in die 10 Seemeilen entfernte Bucht vor Guana Cay, wo wir noch eine nacht ankern wollen, bevor es nach Amerika geht.

    Ab hier folgt demnächst das bewährte Segeltagebuch von Cornelia, und die will ich an dieser Stelle gerne einmal gebührend und ausführlich für ihre akribische Navigation, durch die Gewässer der Turks and Caicos und der Bahamas loben. Man umschifft in diesem Seegebiet, dem in früheren Zeiten endlos viele Schiffe zum Opfer gefallen sind, tagtäglich unzählige Untiefen, Riffe, Sände und Felsbrocken. Mit Hilfe des Kartenplotters und der dazugehörigen elektronischen Navionics Seekarten, auch unter Zuhilfnahme von Google Maps, muss man jeden Segelabschnitt akurat planen und anpassen. Zudem braucht man bei einigen Passagen eine hochstehende Sonne für die sogennante Augapfelnavigation. Cornelia hat uns und das Boot allzeit sicher durch dieses äußerst anspruchsvolle Fahrtgebiet geführt. Ein wahres Meisterstück, das musste mal erwähnt werden!