Kategorie: Leben an Bord

  • Oase der Ruhe

    Unsere Webseite war zerstört, wie wahrscheinlich viele von unseren treuen Lesern gesehen haben, und ohne Schwiegersohn Christian würde die Capitania heute noch an der Wiederherstellung rumbasteln.
    Vielen Dank an Christian, Du bist unser Held!

    Das ist unser erster Blog seit langer Zeit, die anderen kommen bald.

    Little Harbour, der kleine friedliche Ort mit seiner, zumindest unter Seglern, berühmten „Pete`s Bar and Restaurant“, war unser Ziel nachdem wir aus Nassau weg sind. Die dazugehörige Bucht bietet einen Rundumschutz gegen alle Unbillen des Wetters und Pete`s Bar stellt gut gesicherte Mooringbojen kostenlos zur Verfügung. Der kleine Ort schmiegt sich harmonisch ins Landschaftsbild ein, ein wunderbarer Anblick und ein Ruhepol für gestresste Seelen.

    Abendessen mit Blick aufs Boot

    Nachdem wir an der Mooringboje festgemacht haben, klaren wir die Hexe auf, wassern das Dinghy und tuckern langsam zum Dinghysteg. Zu Pete`s Bar sind es nur ein paar Schritte durch feinsten Sand und kurz darauf fließt ein gut gekühltes goldgelb schimmerndes Kalik Bier durch unsere durstigen Kehlen. Wir sind angekommen an diesem Platz, der schon von so vielen durchreisenden Seglern besucht wurde, und an dem einige ein T-Shirt mit Unterschriften an der Decke der Bar als Erinnerung hinterlassen haben. Das einfache aber frisch zubereitete Abendessen schmeckt hervorragend und dem ersten Bier folgen noch ein paar weitere.

    Pünktlich zum Sonnenuntergang stellen sich die Bahamas-typischen Stechmücken ein. Rauchende Kokosnusschalen, Anitmückenspray und Rauchdosen auf dem Tisch helfen nur bedingt bei der Stechfliegenabwehr. Irgendwann wird es uns zuviel und wir flüchten auf unseren Kat. Dort hatten wir leider vergessen, eine offenstehende Luke zu schließen, und wir müssen deshalb erstmal ein paar Moskitos klatschen. Nachdem alle Fliegenrollos am Platz waren, kehrte Ruhe im Schiff ein.

    Handgeschriebene Speisekarte

    Nach einer sehr erholsamen Nacht ging es am nächsten Morgen um sieben Uhr schon los, denn die Fahrrinne in die Bucht ist zwar betonnt, aber nur 1,3 Meter tief, und die hochwasserzeit lag schon zwei Stunden zurück. Teilweise blieben bei der Ausfahrt nur 10 Zentimeter Wasser unter den Rudern, und alle Blicke richteten sich gebannt auf den Tiefenmesser. Aber selbst eine kleine Grundberührung sollte keine Folgen haben, denn der Untergrund ist weicher Sand.

    Unser nächstes Ziel lag nach einer Strecke mit zahlreichen Untiefen und Sandbänken, was für viele Manöver und Spaß and Bord sorgte. Am frühen Nachmittag liefen wir dann in Marsh Harbour ein, und ankerten nahe bei der Zollbehörde, denn unsere Zeit in den Bahamas ist vorbei, wir wollen ausklarieren und weiter nach Amerika segeln.

    Cornelia macht sich auf den Weg zum Zoll und zur Immigration, Wes und Roisin kaufen noch ein paar fehlende Lebensmittel im großen lokalen Supermarkt und ich erledige letzte Vorbereitungen für die gut 300 Seemeilen lange Überfahrt, Um 15 Uhr sind Schiff und Mannschaft klar zum Auslaufen in die 10 Seemeilen entfernte Bucht vor Guana Cay, wo wir noch eine nacht ankern wollen, bevor es nach Amerika geht.

    Ab hier folgt demnächst das bewährte Segeltagebuch von Cornelia, und die will ich an dieser Stelle gerne einmal gebührend und ausführlich für ihre akribische Navigation, durch die Gewässer der Turks and Caicos und der Bahamas loben. Man umschifft in diesem Seegebiet, dem in früheren Zeiten endlos viele Schiffe zum Opfer gefallen sind, tagtäglich unzählige Untiefen, Riffe, Sände und Felsbrocken. Mit Hilfe des Kartenplotters und der dazugehörigen elektronischen Navionics Seekarten, auch unter Zuhilfnahme von Google Maps, muss man jeden Segelabschnitt akurat planen und anpassen. Zudem braucht man bei einigen Passagen eine hochstehende Sonne für die sogennante Augapfelnavigation. Cornelia hat uns und das Boot allzeit sicher durch dieses äußerst anspruchsvolle Fahrtgebiet geführt. Ein wahres Meisterstück, das musste mal erwähnt werden!

  • Viel zu erzählen…

    ein Bad am Morgen

    Wir sind auf dem Weg zu den Abacos, einer Inselgruppe, die zu noch zu den Bahamas gehört und gleichzeitig das nördliche Ende markiert.

    Während es in den letzten Tagen auf unserem Blog still war und keiner von uns beiden Beiträge geschrieben hat, haben wir doch einiges in der Zwischenzeit erlebt und auch einige technische Probleme haben uns ganz schön auf Trab gehalten.

    hungrige Bache

    Doch nun der Reihe nach: Von Georgetown sind wir nach Stanley Cay gesegelt, einer Insel, die einen Teil ihrer Berühmtheit den wild lebenden Schweinen zu verdanken hat. Die Schweine sind nicht wild, im Sinne von aggressiv, und man kann die zum Teil sehr gewichtigen Tiere vom Beiboot aus oder direkt am Strand mit allem füttern, was das Schweineherz begehrt.

    Gibt es hier mal etwas zu essen?

    Wir haben ein bisschen Toastbrot undSalat vom Vorabend mitgebracht, das hat dann gleich die Aufmerksamkeit einer kapitalen Bache auf sich gezogen, die unser Beiboot entern wollte.

    So viel Nähe am Anfang war uns dann doch zu viel und im Rückwärtsgang ging es erstmal auf eine sicherere Beobachtungsposition. Nachdem der erste Schreck verdaut war und von den Nachbarbooten ein paar spaßige Kommentare gekommen sind, ob wir denn ein Schwein klauen wollen, wagten wir einen neuerlich Anlandungsversuch mit unserem Dinghy.

    Ein Schweineleben

    Am Strand konnten wir unbehelligt die Schweine beobachten, ein paar Schweine füttern und die quietschfidelen Ferkel beim Rumtoben bewundern. Die Zeit mit den Schweinen flog nur so dahin und wir konnten uns kaum losreißen von diesem besonderen Ort.

    Am späten Nachmittag waren wir mit Carmen und Ralf von der Relax zum Schnorchelausflug in die berühmte Thunderball Grotto verabredet. Die Thunderball Grotto ist eine Höhle, die bei Ebbe schnorchelnd zu erreichen ist und die zudem Drehort bei dem James-Bond-Film “Thunderball” war.

    Fast alle tropischen Fischarten, die es gibt, sind in und um die Höhle rum vertreten, ein buntes Fischspektakel. Da wir nicht genug von der artenreichen Unterwasserwelt bekommen konnten, sind wir zusätzlich um das ganze Inselchen herum geschnorchelt. Den Anblick der farbenprächtigen Korallen und Fische werden wir wohl nie vergessen.
    Nach einem Sundowner Drink auf der Relax ging ein ereignisreicher und einzigartiger Tag mit einem farbenprächtigen Sonnenuntergang zu Ende, bei dem der windstille Ozean mit dem Himmel zu verschmelzen schien.

    Am nächsten Morgen gab es dann das negativ Kontrastprogramm, der Wasssermacher versagte seinen Dienst und war trotz systematischer Fehlersuche und viel gutem Willen nicht mehr zum Leben bzw. zum Arbeiten zu bewegen. Ein kleiner Schock für uns, den der Wassermachermacher beschert einen wichtigen Teil der Autonomie, die wir am Ankerplatz benötigen.

    Einen Tag später bestätigt sich unser Verdacht zur Ursache. Die Kohlebürsten des Elektromotors des Wassermachers sind komplett abgenutzt, zudem ist das Innere des Motors korrodiert. Bei unserer Entsalzungsanlage handelt es sich um ein Modell mit zwei Motoren, Dessalator Duo 100″ es gibt einen 24-Volt-Motor, der nun kaputt ist und einen 220-Volt-Motor. Wes hatte dann den rettenden Gedanken, den 220-Volt-Motor vom Landstromanschluss ab- und an den 220-Volt-Spannungswandler anzukoppeln. Eine Stunde später war das schlafraubende Problem gelöst.

    Agathe, abgeschwächt, bevor sie zu Alex wurde

    Ein anderes Problem zu dieser Zeit war der nahende Tropensturm, der sich auf der Pazifikseite bei Mexiko gebildet, sich dann zu einem Kategorie 2-Hurrikan entwickelt hat; der nun über Yukatan in Richtung Florida/Atlantik zu ziehen drohte. Zunächst war die Entwicklung positiv in unserem Sinne, denn der Hurrikan schwächte sich zu einer tropischen Depression ab. Leider war damit das Thema noch nicht vom Tisch, da sich das Wettergebilde nicht komplett auflöste, sondern sich im Nachgang nochmals intensivierte. Aus dem ehemaligen pazifischen Hurrikan Agathe wurde nun ein atlantischer Tropensturm Alex mit einer möglichen Zugbahn zu den Bahamas. Unsere inneren Alarmglocken schrillten im Endlosmodus.

    Wir überdachten mit Wes und Roisin unsere Fluchtmöglichkeiten, die schützenden Buchten in der Nähe, oder die sicheren Häfen in der Umgebung. Am Ende entschieden wir uns für die Yachthaven Marina in Nassau, die uns für die zu erwartenden Windrichtungen und vorhergesagten Sturmböen als am geeignetsten erschien.

    Am letzten Freitag haben wir in dem Yachthafen festgemacht. Nassau selbst hat uns nicht so gut gefallen, zu krass sind die Unterschiede zwischen dem zur Schau gestellten Reichtum einiger und der Armut eines nicht unerheblichen Teils der Bevölkerung. Der Plastikmüll im Hafenbecken und die täglich laufenden und ungekapselten Generatoren der umliegen Fischerboote verstärkten nur noch den negativen Eindruck von Nassau. Den eigentlich Zweck jedoch erfüllte der Yachthafen, er bot uns den erwarteten Schutz vor den starken Windböen, und die abendliche Kneipentour brachte ein wenig Abwechslung ins stürmisch-regennasse Bordleben. Tropensturm Alex hat zu zahlreichen sintflutartigen Regenfällen mit Überflutungen in Kuba, den Bahamas einschließlich Nassau und in Florida geführt.

    Endlich wieder unter Segel

    Gestern haben wir die Leinen losgeworfen, uns von Ralf und Carmen verabschiedet. Unsere Reise geht nach ein paar Tage derZwangspause endlich weiter.
    Unser nächstes Ziel ist Abaco, ca. 80 Seemeilen nördlich von uns, der Wind ist schwach, der Dieselmotor tuckert im Gleichtakt, trotzdem – endlich wieder auf See.

    – – –

    Abschließend noch ein paar kleinere technische Reparaturdetails:

    1. Der Hydraulikanschluss vom Hydrogenerator war von der Sonne marode und wurde ausgetauscht.

    2. Einige Haltepunkte des Cockpit-Zeltes wurden erneuert.

    3. Die werftseitig nicht angeschlossene Kühlschrankentwässerung, die immer wieder für einen feuchten Fußboden sorgte, ist jetzt provisorisch angeschlossen.

    4. Die Heizung leckte – aus welchem Grund auch immer – am Wärmetauscher im Salon, da haben wir den ½-Zoll-Plastikverbinder gegen einen ½-Zoll-Metallverbinder getauscht.

    5. Ein Gasbrenner von unserem Kocher russte und brannte schlecht. Die Gasdüse wurde ausgeschraubt, gereinigt, Russ und Dreckpartikel ausgesaugt, jetzt brennt er wieder, wie  er soll.

  • Cruising the Exumas

    Montag, 30. Mai 2022; Georgetown Exuma 08:55 – Staniel Cays 15:40, 67 sm, Baro 1013, bedeckt, leichte Schauer, Wind zuerst um 13, später um 18 Knoten

    Mit an Bord sind Roisin und Wes, die nun bis in die Chesapeake Bay mit uns segeln werden.Um 08.00 Uhr, als wir eigentlich losfahren wollten, schüttet es, und es gewittert mal wieder über uns. Aber eine halbe Stunde später hört der Regen langsam auf,  wir machen uns auf den Weg Richtung Staniel Cay, wo wir am Abend die Relax mit Carmen und Ralph von der Relax treffen wollen.

    Schnell genug!

    Kurz nachdem wir aus der Ausfahrt von der Lagune sind, setzt Volker mit Wes die Segel, aber nach einer Weile ist das meinem Käpt’n zu langsam, der Code D wird rausgeholt und gesetzt. Diesmal habe ich Glück, heute ist Wes bei uns, da muss ich nicht mit arbeiten und wieder überlegen, welche Leinen wie durch welche Augen müssen. Der Gennaker gibt uns viel mehr Speed; wenn die Geschwindigkeitsanzeige zweistellig ist, ist der Skipper zufrieden.

    Der Code D steht

    Um den Batteriestatus zu verbessern – denn bei dem bedeckten Himmel können die Solarpaneele nur wenig Strom liefern – bringt Volker den Watt&Sea am Heck an, vorschriftsmäßig (Bedingung der Capitania) mit Schwimmweste und eingepickt. Dieser Wellengenerator liefert Strom aus der Fahrt durch das Wasser, während wir segeln.

    Währenddessen frischt der Wind weiter auf, über 18 Knoten sind nicht gut für den Code D, er muss weg. Der Windeinfallswinkel wird auch immer besser, jetzt fährt die Hexe weiterhin mit deutlich über 10-11 Knoten. Natürlich wird der Wind anschließend ein bisschen weniger, und es gibt die Überlegung, wieder den Gennaker zu setzen, so geht das auf einem sportlichen Segelboot mit zwei Kapitänen. Zuerst aber wird das Großsegel ausgerefft, das gibt schon mal ein bisschen mehr Geschwindigkeit, und tatsächlich steht um 15 Uhr der Code D wieder. Dem Katamaran Relax mit Carmen und Ralph, die eine Stunde vor uns gestartet sind, rücken wir immer weiter auf die Pelle, da sie sich hier auskennen, lasse ich mich gerne anleiten, welche Einfahrt durch durch die Inselkette die beste ist, und wohin wir dann zum Ankern gehen. Von dort aus wollen wir zu dem Schweinestrand fahren, an dem man mit den auf der Insel heimischen Schweinen schwimmen kann, und Carmen von der Relax will uns beim Schnorcheln den Fischreichtum in der Thunderball-Grotte zeigen, in der Szenen des James-Bond-Films “Thunderball” gedreht wurden. 

    Der Skipper und die Capitania auf dem Weg zu neuen Begegnungen

    Die Zeit in der Lagune vor Georgetown war angefüllt mit einer unglaublichen Menge schöner Begegnungen. Angefangen hatte es ja mit dem Pottluck (wir berichteten im letzten Beitrag), dann gab es jeden Morgen im Funk auf Kanal 72 die Ankündigungen weiterer Aktivitäten. An einem Nachmittag sind wir zufällig in eine größere Seglerrunde am Beach gekommen, und erst mit dem Angriff der Mücken zum Boot zurück gefahren. Abends waren wir fast immer mit neuen Freunden und Bekannten zusammen, ob bei uns oder auf anderen Booten, es war immer was los. Wir haben Familien mit Kindern kennengelernt, wie die kleine Pia, die wir ins Herz geschlossen haben, und die musikalischen Töchter des Ballet-tanzenden Ehepaares. Auch drei allein segelnde Männer, außerdem mit ihrem Booten Mareike von der Moana, die seit vielen Jahren mit Gästen Charter fährt und die Bahamas wie ihre berühmte Westentasche kennt. Es gab viele Paare, die meisten sind schon länger unterwegs. Einige werden nach Süden fahren zum „Übersommern“, die anderen wollen nach Amerika, so wie wir. Klar, dass es tränenreiche Abschiedsszenen gab.

    Nun sind Roisin und Wes, unsere Freunde aus Lanzarote bei uns, sie werden mit nach Amerika und in die Chesapeake Bay fahren. Wir sind auf dem Weg nach Norden, mit ein paar touristischen Stopps bis an der Ostküste der USA.

  • Potluck auf dem Wasser

    Montag, 23. Mai 2022

    Cape Santa Maria, Calabash 09:00 – Sand dollar bay 14:00, Baro 1017, Sonne/Wolken-Mix, warm, Wind 15-20 Knoten, die See um 1 m

    Was für eine Farbe morgens um halb sieben!

    Noch einmal ein kurzer Sprung ins unglaublich türkise Wasser der ruhigen Bucht am Cape Santa Maria, dann geht es nur mit Vorsegel  Kurs 249° nach Georgetown auf Exuma.

    Abschiedsdrink

    Gestern Abend hatten wir wieder einen sehr geselligen Abend an der Bar des Cape Sant Maria Ressorts, mit Jeff und Nicole aus Washington, und Petra und Marco Medici (!) aus Tennessee, die aber eigentlich aus Düsseldorf und Modena stammen. Beide Paare haben uns eingeladen, sie zu besuchen, wenn wir die Staaten bereisen werden.

    Es sind nur 25 sm bis Georgetown und es ist genug Wind, sodass wir gemütlich nur mit der Genua segeln und immer noch schnell genug sind. Wir frühstücken in Ruhe, erledigen Post und Banken, alles gemütlich bei 17-18 Knoten Wind auf einem angenehmen Raumschotkurs.

    Die Einfahrt ist nicht trivial

    Ab der Einfahrt in die Lagune allerdings sind wir wieder sehr wachsam, gibt es doch eine ganze Reihe kleiner Riffe und Untiefen, die nicht betonnt sind, aber nicht ungefährlich für Bootsfahrer. Die vorher ausgesuchte Ankerbucht gefällt uns nicht so sehr, weil sie doch dem Wind ganz schön ausgesetzt ist.

    Hier ist ein kleines Video von der Einfahrt in die Lagune, einfach anklicken!

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    Wir sind ja früh, deshalb fahren wir alle möglichen Ankerplätze in der großen Bucht vor Georgetown ab, und entscheiden uns am Ende für die Monument Bay, so benannt nach einer Bake für die Seefahrt, die 100 m über der Bucht steht. Hier sind die Wellen deutlich angenehmer, und wir sind immer noch nah dran an der kleinen Stadt.

    Die Beiboote werden miteinander vertäut

    Wir freuen uns auch schon darauf, Mareike Guhr wiederzusehen, die hier mit Gästen Charter fährt. Von ihr haben wir erfahren, dass die Seglergemeinde sich um 16 Uhr zum Potluck  trifft, an der Sandbank vor dem “Peace and Plenty Beach Club“. Dorthin kommen alle, die mögen und es wissen mit ihren Beibooten, diese werden dann aneinander gebunden, und der ganze Pulk lässt sich durch die Bucht treiben.

    Für uns ist bis 16 Uhr nicht mehr viel Zeit, wir packen ein paar kalte Bier ein und ein bisschen Knabberzeug, und ab ins Beiboot. Die ersten Boote sind schon da, auch Mareike, und nun kommen mit uns noch weitere. Man begrüßt sich, stellt sich vor, und wenn das alles so schnell geht, und es so viele neue Gesichter sind, kann man sich – zumindest ich – die vielen Namen gar nicht merken. Auf einem Nachbarboot war Alex, und auf einem anderen Dirk aus Deutschland, es gab irgendwo noch Dean und Jeff, meine ich, aber die kann ich schon nicht mehr zuordnen.

    Das Essen wird von Boot zu Boot gereicht.

    So und jetzt erfahren wir, was Potluck hier bedeutet: Jedes Beiboot hat ein selbst gekochtes Gericht mitgebracht, sie haben Teller und Besteck dabei, und dann werden die Töpfe oder die Tupperschüsseln weitergereicht. Auf soviel Luxus waren wir nicht vorbereitet, wir dachten eher so an Kekse oder Salzstangen, aber das hier ist wirklich eine schöne Idee. Es mit Beibooten auf dem Wasser zu veranstalten, hat den Effekt, dass es die um diese Uhrzeit an den Stränden zahlreich auftauchenden Stechmücken selten so weit aufs Wasser schaffen. Wobei es leider auf der Hexe einige von den Viechern gibt, sodass wir alles mit Mückennetzen sorgsam verschließen, und abends so wenig wie möglich Licht anschalten.

    Blick von der kleinen Bar

    Morgens um acht Uhr gibt es eine  Funkrunde auf VHF-Kanal 72, daran nehmen wir gerne teil, dann wissen wir auch mehr über die nächsten Aktivitäten. Nach einer kurzen Spritztour durch die Lagunen auf der Georgetown vorgelagerten Insel sind wir mit dem Sonnenuntergang zum Boot zurück, den Kopf gefüllt mit vielen neuen Geschichten.

  • Clarence und Long Island – Liebe auf den zweiten Blick

    So begrüßt uns die Insel

    Eigentlich hatte ich ja angekündigt, von den Schwierigkeiten bei der Einklarierung auf den Bahamas zu schreiben, aber angesichts der schönen Erfahrungen in den letzten Tagen sind die Erinnerungen an die Mühen und den Frust verblasst. Denn trotz des nervigen Papierkrams und dem damit verbundenen Amtsschimmel waren wir überrascht von der Hilfsbereitschaft und der Freundlichkeit aller Menschen, die wir getroffen haben.

    Erikas Bakery

    Die Madam von dem Marina-Office hat uns schon per Funk detailliert über den Einklarierungsprozess unterrichtet, ein Taxi bestellt, das uns zur „Klinik“ fahren würde, um den verlangten Covidtest zu machen, und auf der Rückfahrt an dem Laden halten, wo wir uns eine Simkarte kaufen könnten, damit wir auch wieder online sein können und uns nicht so analog hier bewegen sollen, dass wir sogar zu der Marina laufen mussten! Das Mädel bei dem Mobilfunk-Anbieter war ebenfalls ausgesprochen hilfreich, hat die Karte für uns in das Modem eingelegt, sie aktiviert, die App zur Steuerung auf mein Telefon geladen und uns alle Passwörter und Zugänge auf den Karton geschrieben.

    Am Government Dock

    Ein ganz großes Dankeschön geht an die Schwestern der Klinik, die uns mit Rat und vor allem mit Tat bei der online-Registrierung für die Gesundheitsbehörde unterstützt haben, denn ohne gibt es kein Testergebnis. Die Registrierung hierfür kostet 25 $, der Test 20 $, pro Kopf, versteht sich, und das Cruising-Permit fürs Boot schlappe 300 $. Nachdem ich den halben, oder eher den ganzen Abend gebraucht habe, um alle Fragen zu beantworten, und alle nötigen Dokumente hochzuladen (leider zweimal, weil kurz vor Schluss das Netz aufgegeben hat), ging das am nächsten Morgen reibungslos. Die Lady vom Zoll kam, stempelte Pässe, stellte das Cruising-Permit aus, danach waren wir offiziell und die gelbe Quarantäneflagge konnte runter vom Mast.

    Barry

    Endlich einklariert haben wir die Gegend erkundet, sind mit dem Dinghy zum Riff gefahren und zur gegenüberliegenden Sandinsel mit wunderschönen Muscheln und Korallen.

    Fächerkoralle

    Das Wasser ist von sensationeller Farbe, je nach Untergrund, türkis oder blau, die Bucht groß und nicht voll, meist waren es drei Boote, die dort geankert haben. Unter unserem Boot wohnt seit unserer Ankunft Barry, the Barracuda, manchmal fütterten wir ihn mit Fleischabfällen, Speck mochte er nicht. Wir schwimmen nur mit Maske, um ihn immer im Blick zu haben, er verfolgt jede Bewegung mit seinen großen Augen, und manchmal zeigt er die Zähne und schüttelt den Kopf, aber er kommt nicht näher, und wenn Volker auf in zu schwimmt, geht er weg.

    Vor der Kneipe

    Außerdem haben wir im lokalen Laden eingekauft, und abends ein Bier in der hiesigen Kneipe getrunken. Die war allerdings ein wahres Highlight! Die freundliche Taxifahrerin hatte uns auf Nachfrage von Volker (!) gezeigt, wo das lokale Pub ist, und am ersten freien Abend haben wir uns mit dem Beiboot aufgemacht, und sind die paar Schritte bis dorthin gelaufen.

    Auf einer Terrasse saßen oder standen ein paar Männer mit Bierflaschen, in dem angrenzden Raum gibt es eine Theke und einen großen Kühlschrank und einen freundlichen Wirt, der auch gerne mit seinen Gästen auf der Terrasse weilt.

    Man sitzt dort auf Biergartenganituren, ausrangierten Autositzbänken und wir trinken – natürlich – das lokale Bier: Kalik. Die umstehenden Männer kommen, zumeist in Arbeitskleidung, sozusagen zum After-Work-Bier. Sie sind Handwerker, Maurer, arbeiten bei der Power Plant, ein pensionierter Kapitän der lokalen Frachtschifffahrt ist auch dabei.

    Unglaubliche Farben

    Und alle sind so nett zu uns! Geduldig beantworten sie alle Fragen zu ihrer Insel, manchmal allerdings brauchen wir einen der Herren als Übersetzer, sie haben einen unglaublichen Dialekt hier, so wie bei uns echtes Platt oder tiefstes Oberbayrisch. Neben der Straße gehen Hühnerfamilien spazieren, bei Einbruch der Dunkelheit fliegen sie in die Bäume, wilde Ziegen finden einen Eingang zu den gepflegten Vorgärten und rauben die Blumen, eine Herde Schafe schickt ein paar „Mäh’s“ herüber.

    Flügellahmer Flamingo

    Zu einem weiteren Highlight fährt uns unser Dolmetscher mit seinem Auto. An einem kleinen Binnensee, ca. zwei Kilometer entfernt, wohnen Flamingos in einer großen Herde, als wir kommen, fliegen sie – bestimmt extra für uns – in großem Bogen über den See. Nur ein flügellahmer leuchtendoranger Vogel kann nicht mit, unser Fremdenführer sagt, der könne nicht mehr fliegen, und wäre leider immer allein.

    Donnerstags kommt das Versorgungsschiff

    Im örtlichen Laden gab es bedauerlicherweise keine Eier mehr für uns, aber der Wirt weiß sofort Abhilfe: Morgen früh um neun sollen wir zum Bootssteiger kommen, da hat er zwölf frische Eier von der Insel für uns, Volker kann noch drei reife Mangos für 5 $ erstehen, und lecker süße reife Bananen bekommen wir geschenkt.

    Die Schönheit offenbart sich erst auf den zweiten Blick

    Auch wenn uns die Insel auf den ersten Blick wenig attraktiv erschien, hat sie uns doch ihren versteckten Charme gezeigt, und uns den Abschied schwer gemacht. Nun segeln wir bei wenig Wind mit Gennaker nach Norden, dort wollen wir eine Nacht ankern, dann sind es nur noch 26 Meilen bis Georgetown, der Hauptstadt der Exumas.

  • In einer anderen Welt

    Türkises Meer unter drohendem Gewitterhimmel

    Nach der Ankernacht  vor French Cay sind wir nach Providenciales gesegelt, nein, unter Motor gefahren, um eine neue Schraube für unseren Außenborder zu erstehen. Es gibt tatsächlich einen Shop, der angeblich so eine Schraube auf Lager hat. Leider sind die Angaben zum Ort sehr verwirrend, ursprünglich sollte es an der Westseite der Insel sein, deshalb haben wir den Umweg um die vorgelagerten Riffe in Kauf genommen. die Telefonate mit dem Satellitenhandy sind eher katastrophal, es ist fast nichts zu verstehen, so wissen wir immer noch nicht genau, wo wir uns treffen sollen. Erst als wir wieder Telefonnetz haben, wird klar, dass wir in die Lagune reinfahren müssen, und der junge Mann, Marc, kommt dann zu der Marina, vor der wir festgemacht haben. Das hätten wir auch kürzer haben können, langsam über zwei bis drei Meter tiefes Wasser fahrend. Das Wasser ist weiterhin von einem wunderbaren Türkis, hier ist ein Paradies für Taucher und Schnorchler.

    Es gibt noch ein Missverständnis, wir sind vor die South Bank Marina zum Ankern gefahren, und Marc ist in der South Side Marina. Aber auch das Problem wird gelöst, er kommt, schaut sich die Schraube an, und verspricht, bei dem Ausstellungsstück im Laden  nachzuschauen, ob dort das gleiche Exemplar ist, dann können wir die morgen bekommen. (Soviel vorab, es war nicht das richtige, wir schauen weiter.) Wir genießen es, in der kleinen Hafenkneipe der Marina ein Bier zu trinken, und Hamburger zu essen.

    Für den Rest der Woche ist sehr viel Wind aus Südost angesagt, dann wird es auf unserem Ankerplatz sehr unangenehm, deshalb fahren wir, seit Lanzarote zum ersten Mal, in einen Hafen. Diese Marina liegt, wie übrigens alle Marinas auf der Insel, sehr weit entfernt von allem, von Restaurants, Supermärkten, etc. Also leihen wir uns ein Auto, um Caicos zu erkunden.

    Was für ein Unterschied!

    Strandvilla

    Auf den französischen Karibikinseln, auf denen wir uns bisher bewegt haben, findet das Leben auf der Straße statt, es gibt kleine Läden, Gemüse- und Obststände, Restaurants, Kneipen, viel Musik. Das Leben in Caicos erinnert eher an die USA, eine große Straße mit dem hochtrabenden Namen Highway führt über die Länge der Insel, davon zweigen kleinere Straßen ab, die zu den Wohnsiedlungen führen.

    Prächtige Einfahrten führen zu den Anwesen

    Die Löcher auf den Straßen täuschen, die Häuser sind keine einfachen Wohnhäuser, es sind Villen, mit riesigen Gärten, sehr schöne, geschmackvoll gestaltete Bauten, bis hin zu unglaublichen Anwesen. Überall hängen Schilder von Maklern, Christie’s, Engel & Völkers, Sotheby’s. Die teuerste Villa, die zum Verkauf steht, soll 44 Millionen Dollar kosten!

    Beachbar in der Blue Haven Marina an der Ostseite von Caicos

    Überall auf der Insel wird gebaut, manche Projekte stagnieren offensichtlich, aber an den meisten wird gearbeitet. Auch bei uns im Hafen wird eine große Anlage errichtet, Lastwagen bringen pausenlos riesige Steinbrocken zur Befestigung, an den halbfertigen Häusern wird ebenfalls gewerkelt. Und diejenigen, die arbeiten, auf den Bauten, in den Restaurants, an den Kassen der Supermärkte sind von dunkler Hautfarbe, während die meisten, die dort einkaufen, oder am Strand liegen, oder in den Restaurants sitzen, meist aus den USA kommende Weiße sind, ob sie nun hier auf der Insel wohnen oder zum Urlaub einfliegen.

    Linksverkehr!

    Auf der ersten Erkundungsfahrt möchte ich so gerne mal in die Innenstadt von Provo fahren, bin ganz glücklich, als auf den Schildern plötzlich der Hinweis zu “Downtown” steht. Sehr verwundert bin ich allerdings, als diese Hinweisschilder nach einer Weile genau in die entgegengesetzte Richtung weisen. Da wird mir klar, dass es keine Innenstadt in unserem Sinne gibt, Downtown waren nur ein paar Geschäfte an dem Highway.

    Life-Music am Mittwochabend in Bobs Bar

    In dem großen Graceway Supermarkt gibt es alles, Obst und Gemüse kommen aus den Staaten, ebenso wie offensichtlich das Fleisch, riesige Steaks, ganz viel Hühnchen, Turkeybreast als Aufschnitt zum Frühstück, Toastbrot, weiche Brötchen. Das ganze Sortiment ist sehr amerikanisch, viel Readymade, viele Grillsoßen, Grillkohle, Softdrinks ohne Zucker, und der griechische Yoghurt ist der allerfetteste mit 5%, die meisten Yoghurts haben 0% Fett. Bier aus der ganzen Welt und Wein von überall gibt es auch, wenn man das bezahlen mag.

    Nur die Preise!!! Eine Orange 3$, eine Wassermelone 17$, Baguette 4$, eine Tiefkühlpizza 14$. Und so geht es weiter, da fragt man sich, wie das die Menschen machen, die hier auf der Insel leben und arbeiten, und nicht unbedingt ein astronomisches Monatseinkommen haben.

    Einer der schönsten Strände der Welt

    Für uns ist es eine spannende Erfahrung. Die Wettervorhersage hält uns noch bis Montag hier fest, dann wollen wir weiter nach Long Island auf den Bahamas, 240 Seemeilen entfernt, mal sehen, was uns  dort erwartet!

  • Die blaue Lagune

    Nachdem der Anker sich tief in den Korallensand vor South Caicos/Cockburn eingegraben hat, klaren wir das Schiff auf und bereiten das Dinghy und alle notwendigen Papiere für die Fahrt zur Hafenbehörde vor. Im Hafen werden wir von einem freundlichen Herrn auf den richtigen Weg gebracht, denn die Kommandantur liegt im Nachbarbecken der kleinen Hafenanlage. Dort angekommen, werden wir von einer stimmgewaltigen freundlichen Dame begrüßt, bekommen ein Formular in die Hände gedrückt, mit Geschichten aus dem Privatleben der Beamtin versorgt und wir werden auch charmant danach befragt. Die Konversation dauert länger als der bürokratische Teil und nachdem wir für 50 Dollar ein Sieben-Tage-Permit erlangt haben, wird uns mitgeteilt, dass wir nun noch auf den Beamten von der Immigrationsbehörde warten sollen. Mittlerweile habe ich für die umstehenden Männer, die ein Fischerboot reparieren, ein paar Büchsen Bier von der Hexe geholt  und die Unterhaltungen plätschern so dahin. Der Immigrationsbeamte kommt 20 Minuten später, korrekt mit Uniform bekleidet und auch er händigt uns ein Formular aus, das wir beide jeweils apart ausfüllen müssen. Dann kommt noch der Einreisestempel in den Reisepass, und ab jetzt dürfen wir uns frei in den Caicos bewegen.Schnell geht es zum Boot zurück.

    Beim anschließenden Kontrolltauchgang zum Anker finden wir unseren ersten Sanddollar, ein versteinertes Seeigelskelett. Die Sonne steht mittlerweile wegen des nahenden Sommers fast senkrecht über unserer Position, also nahezu an ihrem nördlichen Wendekreis und brennt entsprechend vom Himmel.

    Nach dem Tauchgang und ein paar Schnorchelrunden sind wir so hungrig, seit dem Vorabend gab es nichts mehr zu essen und unsere Mägen knurren entsprechend. Eine vorgekochte Bolognesesoße mit Tagliatelle bringen die Erlösung. Dem Essen folgt ein Mittagsschlaf. Ausgeruht und entdeckungslustig machen wir uns abermals auf den Weg zum Ort. Da ist aber so rein garnichts los, die lokale Kneipe mit dem vielverpsrechenden Namen Sunsetcafe ist verwaist und als wir anklopfen sagt die Lady, dass für heute schon Feierabend sei. Beim Rundgang durch Cockburn fallen wir mit unserer weißen Haut schon sehr aus dem Rahmen, wir grüßen alle freundlich und umgekehrt ist es auch so.

    Es gibt in Cockburn drei kleine Supermärkte, eine Bäckerei, einen Friseur, eine kleine Straßentankstelle, und einen Beautysalon für die Damen. Es leben ca. 1000 Menschen in diesem Ort. Kurz nach dem Spaziergang sind wir wieder an Bord und beschließen den Abend mit einem kalten Bier und einem gestreamten Film, bei dem wir jedoch gleich, noch vor 21 Uhr, einschlafen.

    Am nächsten Morgen geht es mit dem Beiboot auf Entdeckungsreise in die tiefblaue Lagune, mit nur einem Meter Wassertiefe, zu dem wunderbaren Strand in der East Bay und einem unglaublich schönen Schnorchelausflug zum vorgelagerten Korallenriff. Was sich mir da an Fisch-und Korallenvielfalt bietet, übertrifft alle Erwartungen. Auf der Rückfahrt zum Schiff springt ein großer schwarzer Stachelrochen in circa zehn Meter Entfernung vor uns aus dem Wasser. Was für ein unvergessliches Erlebnis!

    Nach einer kurzen Ruhepause geht es abermals zur East Bay, wir wollen im gleichnamigen Resort zu Abend essen und unsere Ankunft auf den Turks and Caicos feiern. Das Essen ist hervorragend und das Bier von hier mundet und hat zur Erheiterung noch eine kleine Geschichte, teilweise in der creolischen Sprache, auf der Flaschenrückseite abgedruckt.

    Die Ernüchterung folgt leider prompt auf dem Nachhauseweg, der Propeller dreht bei höherer Drehzal durch, das heißt, dass das Gummi an der Propellernabe beschädigt ist. Nur im Leerlauf zieht sich die 1,5 Seemeilen lange Heimfahrt. Irgendwo müssen wir wohl auf der Hinfahrt oder kurz vorm Strand ein Unterwasserhinderniss mit der Schraube erwischt haben. Außer für Fahrten im Standgas ist der Motor mit dem Dinghý nicht mehr zu gebrauchen. Das ausgerechnet jetzt, in einer so abgelegenen Gegend.

    Heute früh wälzen wir beide direkt das Internet und finden eine Motorenwerkstatt in Povidenciales, der Hauptstadt der Turks und Caicos. Da es Sonntags und die Werkstatt geschlossen ist, lichten wir den Anker und machen uns auf gut Glück auf den Weg dahin. Fast 80  Seemeilen sind es bis dort, Cornelia findet eine Flachwasserfahrrinne mit einer Mindesttiefe von 2,5 Meter, mit dem schönen Namen Starfish Channel, der mitten durch die Lagune führt.

    Jetzt sind wir segelnd auf hellblauem Wasser unterwegs, ein Anblick, wie er schöner nicht sein kann, auch wenn es ein ungewohntes Gefühl ist, beständig den Grund unter dem Kat zu sehen.

    Mitten im Channel kommt uns ein Katamaran mit deutscher Flagge entgegen, den wir schon vorher im AIS entdeckt haben. Wir plaudern ein halbe Stunde lang über die Funke, mit Martin, der gerade auf dem Weg nach Curacao ist, um das Boot dort für die Hurrikanzeit abzustellen. DieTalamoa ist die einzige Segelyacht, die uns bisher in der Inselwelt von Turks and Caicos begegnet ist.

    Da wir die  Entfernung bis Povidenciales nicht vor dem Einbruch der Dunkelheit schaffen werden, wollen wir einen Zwischenstopp vor der kleinen Koralleninsel, French Cay einlegen. Insgesamt sind wir echt geplättet von der Schönheit, Klarheit und den Farben des  Wassers, so etwas haben wir noch nie vorher gesehen.

    Der Beitrag sollte eigentlich gestern erscheinen, aber die Kurzwelle hat nicht so mitgespielt wie sie sollte.

     

     

  • Qual der Wahl

    Ein wunderschönes Boot für einen Traumurlaub

    Unsere karibische Zeit ist vielfältig und bunt, die Tage rasen, gefühlt, nur so dahin. Wir lernen über unsere Freunde den Toni (eigentlich natürlich Anton) aus Tirol kennen, der mit seinem wunderschönen Katamaran „Cataya“ schon viele Jahre das karibische Meer durchstreift und die Schönheiten der Inselwelten seinen zahlreichen Gästen präsentiert. Er kennt die Karibik, wie die oft zitierte Westentasche, begeistert uns und andere bei den regelmäßig stattfindenden Treffen, mit seinen bunt geschmückten Erfahrungsberichten.

    Largyalo

    Zudem durften wir vor ein paar Tagen die Bekanntschaft von Berti und Petra machen,  die ihren Wharram Katamaran mit Namen „Largyalo“ in vielen Jahren komplett selbst gebaut haben. James Wharram war ein Philosoph und Bootskonstrukteur, der Holzkatamarane nach polynesischem Vorbild entworfen und gebaut hatte und selbst damit die Welt bereiste. Bereits in den fünfziger Jahren begann er mit dem Bau des ersten Katamarans, bis heute sind mehr als 10.000 Konstruktionspläne an Selbstbauer in der ganzen Welt verkauft worden.

    Two Girls im Salon des Kats

    Zum Bau: Die Rümpfe werden über Querträger miteinander verbunden, das besondere dabei ist, dass diese Träger mit Seilen an die Rümpfe angelascht werden. Obenauf werden entweder keine oder mehrere „Wohnkabinen“ errichtet, je nach Größe des Bootes, geschlafen wird in der Regel in den Rümpfen. Eine Prise Erotik darf nicht fehlen, wenn es um James Wharram geht, war doch der Konstrukteur, nach polynesischem Vorbild, mit drei Ehefrauen gleichzeitig verheiratet. Es gibt selbst im super seriösen Palstek-Verlag ein Buch mit einem Umschlag, auf dem barbusige Mädels auf dem Boot auf dem Umschlag „Zwei Girls, zwei Katamarane“, so der Titel der deutschsprachigen Ausgabe.

    Einen traurigen Anblick hingegen bietet sich dem Bootsliebhaber, wenn man in der großen inneren Lagune zwischen dem holländischen und dem französischem Inselteil unterwegs ist. Noch immer liegen zahlreiche, durch den Hurrikan Irma gesunkene Yachten, manchmal mit Bojen gekennzeichnet, knapp unter der Wasseroberfläche, oder manchmal halb darüber. Andere Schiffe liegen gestrandet am Ufer oder in den Mangroven und werden wohl nie mehr die Ozeane bereisen. Bei mir als Bootsfan hat es ein paar Tage gedauert, bis ich den Anblick verarbeitet hatte.

    Eine kleine Test-Speed-Messung unsererseits, in der Lagune, hat ergeben, dass wir mit unserem neuen Beiboot hervorragende 9 Knoten Geschwindigkeit erreichen, und das mit unserem kleinen 6-PS-Motörchen, das geht gut ab!

    Nicht ganz so gut in der Performance ist das doch erst vor sechs Monaten aufgetragene Antifouling auf unserer Hexe. Fast das gesamte Unterwasserschiff ist mit Algenschleim überzogen, und vereinzelt haben sich schon richtige Muscheln fest angehaftet. Da haben wir auf mehr Standhaftigkeit von unserem Seajet Antifouling gehofft. Aber bei unseren Segelfreunden, die andere Produkte zum Bewuchsschutz verwenden, sieht es nicht besser aus. Da hilft nur, das Unterwasserschiff zu schrubben , so wie jetzt, bevor die Reise weitergeht, um Reibungsverluste zu vermeiden.

    Und dann gibt es da noch ein großes Thema, das uns seit einiger Zeit täglich beschäftigt. Das ist die Hurrikanzeit, die in der Karibik offiziell am 1. Juni beginnt und erst am 30. November wieder endet. Sobald ein tropischer Sturm mit einem Namen, in diesem Zeitraum, unser Schiff beschädigen, oder gar zerstören würde, sind wir zwischen 10 Grad Süd und 37 Grad Nord, nicht mehr versichert.

    Im Sommer wollen wir für ein paar Wochen nach Deutschland reisen, dann muss das Boot an einem hurrikansicheren Ort sein. Dazu zählen, wenn auch nicht versicherungsmäßig, Aruba, Bonaire und Curacao, kurz ABC-Inseln genannt. Dort hat es seit der Wetteraufzeichnung noch keinen Hurrikan gegeben, auch wenn die Inseln auf 12 Grad Nord liegen. Eine weitere gute Möglichkeit das Boot zu parken, wäre in Santa Marta, Kolumbien, auch dieser Ort liegt leicht nördlich des Geltungsbereichs unserer Versicherung.

    Dazu muss man sagen, dass all die vorgenannten Gebiete noch bis vor wenigen Jahren vollumfänglich von den Versicherungen gedeckt wurden. Wer also kurz davor steht, eine Bootsversicherung für die Karibik abzuschließen, soll bitte ganz präzise die Versicherungsbedingungen für dieses Revier prüfen.

    Eine 3. Möglichkeit für die Hurrikanzeit, wäre mit unserem Kat in Richtung Norden, also nach Amerika zu segeln und ihn dort nördlich von 37 Grad, also in der Gegend um Annapolis oder Baltimore abzustellen. Noch schwanken wir, auch dies täglich, welche Lösung für uns die Beste ist. Eine Lösung die ich favorisieren würde, kann sich die Capitania, leider so garnicht vorstellen, genauer gesagt, hat sie da schon mit offener Meuterei gedroht. Ich würde mit dem Boot zu den Kanaren zurückzusegeln und im Herbst eine neue Karibikreise zu starten. Mir gefällt die Idee, die atlantische Reise damit sozusagen rund zu machen, Cornelia empfindet das als unnötiges Meilenschrubben.

    Am Dienstag segeln wir zur Turks und Caicos-Inselgruppe, die liegt zwischen der dominikanischen Republik und den Bahamas und gut 550 Seemeilen westnordwestlich von Saint Martin. Das Riff, das diese Ansammlung von Inseln umgibt, zählt neben dem Great Barrier Riff in Australien und dem Belize Riff in der Karibik, zu den drei größten Riffsystemen unseres blauen Planeten.

  • Noch immer …

    Die Hexe in der Ankerbucht

    … ist unser Anker tief und fest im sandigen Grund der Marigot Bay eingegraben. Doch die nahende Hurrikansaison hält uns zumindest gedanklich auf Trapp und wir erörtern täglich die verschiednen Optionen für den Zeitraum vom ersten Juni bis zum 30. November, dazu später mehr.

    Vater und Tochter beim Segeln

    Während der Osterfeiertage gab es den ersten Familienbesuch aus dem fernen Deutschland. Unsere Tochter Larissa kam mit Lebenspartner Johannes für ein paar Tage zu uns an Bord und zusammen ging es auf einen kurzen Segelausflug. Auch ausgiebige Inselerkundungen mit dem Auto und abendliche  Besuche in die lokale Gastronomie standen auf dem Programm.

    Karibische Grillküche

    Die wenigen gemeinsamen Tage sind nur so dahin geflogen und schon bald hieß es wieder, Abschied zu nehmen. Da schlagen doch in fast jeder Fahrtenseglerbrust zwei Herzen, irgendwas wird man immer vermissen. Entweder die See oder die Heimat mit der Familie. Beides lässt sich leider selten unter ein Dach oder besser gesagt unter ein Deck bringen.

    Unser neues gebrauchtes Dinghy

    Kurz vor dem Besuch haben wir offensichtliche Auflösungserscheinungen bei unserem geliebten Beiboot entdeckt. Nach achtJahren hat ihm die Sonne mit ihren UV-Strahlen so zugesetzt, dass zahlreiche Verklebungen und Applikationen sich lösten. Durch Zufall haben wir beim hiesigen TransOcean Stützpunktleiter ein gebrauchtes Dinghy mit GFK- Festrumpf erwerben können. Obwohl das neue Beiboot etwas größer und damit auch etwas schwerer als das Alte ist, sind die Fahr- und Gleiteigenschaften mit unserem doch relativ schwachen 6-PS-Motor deutlich besser als vorher. Beladen mit Einkäufen, Cornelia und mir, kommt das Dinghy immer noch in Gleitfahrt, dabei hatte ich in Gedanken schon einen stärkeren Außenbordmotor dazu gekauft.

    Der Solarregler hat sich abgeschaltet

    Trotz nicht gekauften Motors erfährt die Bordkasse keine Schonung. Ein seit der Überfahrt bekanntes technisches Problem konnte nun endlich dank der enormen Hilfe von Freund Bernhard behoben werden.  Sobald höhere Ströme flossen, hat sich nämlich der Solarladeregler für unterschiedliche Zeitspannen ausgeschaltet, damit wurden die Batterien langsamer vollgeladen. Bei ewig blauem Himmel war das kein Problem, bei nur vereinzelten sonnigen Abschnitten jedoch schon. Die Fehlerursache gestaltete nicht so einfach wie gedacht, alle Menüpunkte des MPPT-Controllers wurden durchforstet, die ganzen Kabelwege verfolgt und ein Elektroingenieur wurde konsultiert.

    Die Ursache lag in den zu dünnen Kabeldurchschnitten und den nicht optimal verbundenen einzelnen Solarpanelen. Noch länger als mit der Ursachenforschung waren wir mit der Behebung der Fehler beschäftigt. Jetzt, nach zweieinhalb vollen Arbeitstagen, läuft die Solaranlage besser als je zuvor, und die Verkabelung ist genauso wie es die effektiven MPPT-Solarladeregler mögen. Ich hätte nur nie gedacht, dass neue Kabel und ein paar Elektro-Kleinteile so teuer sein können.

    Das ist ein hiesiger Leguan, kein feuerspeiender Drache

    Ein anderes Ersatzteil hat Larissa glücklicherweise aus Deutschland mitbringen können. Bereits seit der Überfahrt in die Karibik hat der Gasdruckregler manchmal „gesponnen“. Entweder war die Gasflamme zu klein oder der Herd verwandelte sich in einen kleinen feuer- und gasspeienden Drachen. Mit dem neuen Druckregler konnten wir den Drachen wieder zähmen.

    Im Dock 46

    Dass wir uns hier auf der Insel sehr wohl fühlen, haben wir ausreichend erwähnt. Jetzt haben wir auch wieder eine absolute Lieblingskneipe, das Dock 46, in dem es neben leckerem Essen und einem sehr zuvorkommenden Service jeden Abend unterhaltsame Livemusik gibt. Zudem liegt das Dock 46 direkt an einem kleine Kanal zur inneren Lagune nach Sint Maarten und hat einen super Anlegesteg, nicht nur für unser Beiboot. Man könnte das Dock 46 auch als das Upperdeck von St. Martin bezeichnen.

    Feiern mit Freunden

    Einige nette Menschen von hier haben wir dort auch schon kennengelernt und heute Abend werden wir zu einem keltischen Abend in La Grand Case, abgeholt.

    Jetzt habe ich doch mehr geschrieben als geplant und unsere weiteren Reiseoptionen zur Hurrikanzeit, werden wir im nächsten Bloqbeitrag ausführlich präsentieren.

  • Karibische Erfahrungen

    Das Centre Hospitalier aus der Luft

    Eigentlich begann alles bei der Anästhesie: Zur Vorbereitung auf die Cardioversion, einen Elektroschock, um mein stolperndes Herz wieder in einen ordentlichen Rhythmus zu bringen, sollte ich mich bei der Anästhesie im örtlichen Krankenhaus, dem Centre Hospitalier vorstellen. Nachdem GoogleMaps mich zunächst einmal zum Personaleingang geschickt hatte, an dem Hühner fröhlich auf dem Hof herumpickten, und Eidechsen über den Weg liefen, fand ich mich schließlich am richtigen Eingang ein.

    Bei der Anmeldung musste ich auch gleich die heutige Konsultation bezahlen, 70€ war der Pauschalbetrag. Die Anästhesie teilte sich offensichtlich das Wartezimmer mit der Geburtshilfe, denn um mich herum saßen zahlreiche junge Frauen mit extrem runden Kugelbäuchen und mehr oder weniger glücklichem Gesichtsausdruck.

    Endlich holte mich die junge Anästhesistin in ihr Sprechzimmer, hörte sich mein Anliegen an … und schickte mich sogleich wieder weg. Sie brauche schon mehr als nur die Diagnose des Kardiologen. Ohne eine Anweisung, was geschehen solle, könne sie nicht arbeiten. Sie betonte immer wieder, dass, sollte etwas mit der Narkose schiefgehen, schlussendlich sie verantwortlich sei. Wer da nun verantwortlich ist, war mir eigentlich egal, es sollte nichts schiefgehen.

    Die knappe Anweisung reicht aus

    Da das Gespräch mit der Anästhesie mindestens 72 Stunden vor dem eigentlichen Eingriff am Donnerstag stattfinden sollte (es war bereits Montag mittag), musste ich mich direkt darum kümmern, denn sonst würde der Termin am Donnerstag platzen. Und dann wäre es erst zwei Woche später, der behandelnde Arzt hat Urlaub nach Ostern.

    Glücklicherweise war ich mit dem Auto hier, denn die Praxis des Kardiologen lag auf der anderen Seite von Marigot. Ich bin also geschwind dorthin gefahren, habe Dr. Kirkawi das Anliegen der jungen Frau erklärt, er hat mich zuerst verständnislos angeschaut, um mir schließlich ein Schreiben mit einem Satz und seiner Unterschrift aufzusetzen.

    Nun ging es wieder zurück zum Krankenhaus, ich musste es bis vor 13 Uhr schaffen, solange ging die Sprechstunde. In St. Martin ist am Tag immer Stau, denn in den engen Straßen parken entweder Autos auf der Fahrbahn, um schnell mal etwas abzuholen, oder auf jemand zu warten, oder auch nur, um einen Bekannten zu begrüßen. Das stört hier nicht, gehupt wird nur als Dankeschön, zum Beispiel, wenn ein Auto vorgelassen wird. Daher geht tagsüber alles ein bisschen langsamer. Nur die Motorradfahrer schaffen es schneller, denn die drängeln sich elegant in der Mitte der Fahrbahn hindurch.

    Keine falschen Nägel!

    Aber ich war rechtzeitig dort, und mit dem Schreiben war die Ärztin zufrieden, jetzt hatte sie die Anweisung, die sie brauchte. Nachdem alle Fragen beantwortet waren, bekam ich einen Zettel mit, zum Verhalten vor der OP, und was mitzubringen war, und was auf keinen Fall mitgenommen werden sollte. Konkret: Weder essen noch trinken ab Mitternacht, am Abend vorher und am Morgen duschen (?), Schmuck, falsche Finger- und Fußnägel zu Hause lassen, und pünktlich um 7 Uhr erscheinen, egal für wann der Eingriff angesetzt ist.

    Glücklicherweise war ich – entgegen Volkers Rat: „Da sitzt Du doch eh nur rum und wartest!“ – pünktlich dort. Denn die akribische Narkoseärztin hatte leider vergessen mir zu sagen, dass ich einen PCR-Test brauche, um in den OP-Trakt eingelassen zu werden. Ich solle doch mal eben in das Labor fahren, das liegt aber leider direkt neben der Praxis meines Kardiologen, also wiederum am anderen Ende der Stadt. Diesmal hatte mich Volker aber hergefahren, ich hatte also, oh je!, kein Auto hier. Nach Rückfrage war es in Ordnung, wenn die nette Schwester mir den Abstrich abnimmt, das Ergebnis ins Labor schicken lässt und die Ergebnisse per Mail zurückkommen.

    Der Weg vom Krankenhaus zum Labor

    So, jetzt hatte ich anderthalb Stunden frei, ich setzte mich draußen vor dem Haus in die Sonne, telefonierte mit Volker, der sich natürlich entsprechend aufregte, las ein bisschen in meinem Buch und beobachtete die Menschen, die ein- und ausgingen.

    Als ich mich pünktlich um 10:15 Uhr wieder auf der Station einfand, gab es zwar noch kein Ergebnis aus dem Labor, aber ich wurde trotzdem schon mal in ein Zimmer geführt, wo auf dem Bett das attraktive OP-Hemdchen lag, sowie blaue Plastik-Fußüberzieher und ein – noch – zusammengefalteter Haarschutz. Solange es keine weitere Entwicklung gab, konnte ich mich angezogen in den bequemen Sessel setzen und weiterlesen. Und es dauerte und dauerte, Volker, der ja gerade abwesend war, als die Geduld verteilt wurde, war wieder erbost am Telefon, und selbst ich mit meiner Engelsgeduld drohte sie zu verlieren.

    Um 11.25 Uhr kam Dr. Kirkawi und wunderte sich, dass ich noch nicht fertig vorbereitet im OP lag, aber wir mussten ihm leider mitteilen, dass das Ergebnis des Tests immer noch ausstand. „O lala, I have another patient just after you!“ Aber gegen ein fehlendes Testergebnis ist selbst der Doktor machtlos.

    Also warte ich weiter, aber nun im OP-Hemdchen, es ist ja warm hier in der Karibik, da macht das nichts aus. Nur die Plastik-Schuhe sind unangenehm, solange hier nichts passiert, lasse ich sie einfach aus, ebenso wie das attraktive Häubchen.

    Gegen 12 Uhr rennt freudestrahlend die Schwester ins Zimmer: „Das Testergebnis ist da, es geht los!“ Nun muss nur noch ein Pfleger kommen, der mich in meinem Bett zum OP-Trakt schiebt, gut zehn Minuten, kommt Gary mit den kunstvoll aufgetürmten geflochtenen Zöpfen und einem strahlenden Lächeln auf dem Gesicht. Als er erfährt, dass ich gut französisch spreche, aber Deutsche bin, möchte er ein paar Begriffe lernen, „Guten Tag“, „Vielen Dank“. „Wie geht es Dir?“, „Bitteschön“, etc. Im OP angekommen, spricht er die Begriffe in sein Telefon, um die Sätze demnächst auswendig zu lernen.

    So komme ich mit einem Lächeln auf den Lippen im Aufwachraum des Krankenhauses an, wo die Cardioversion durchgeführt werden soll, unter einer ganz leichten Propofol-Narkose. Die Schwestern hier tragen zwar ihre Haarnetze, aber darüber schöne bunte Tücher, und es läuft leise Lounge-Musik. So wird eine entspannte Atmosphäre hergestellt.

    Ich werde von einer sehr netten Schwester verkabelt, dann kommen der Anästhesist und der Doktor mitsamt dem „Stromstoß-Gerät“. Zunächst laufen alle etwas ratlos herum, weil die Anschlüsse nicht passen, der Anästhesist immer mit der großen Spritze, in der sich das Propofol befindet. Aber dann kommt eine Schwester, die sich offensichtlich auskennt, holt einen Adapter, und schon geht es los.

    Ich versuche mich zu konzentrieren, um genau zu merken, wann ich anfange einzuschlafen, merke noch, wie der Raum verschwimmt, dann bin ich auch schon weg. Wenig später erwache ich aus einem angenehmen Traum, kann mich aber anschließend nicht an den Inhalt erinnern, nur dass es interessant war.

    Ein Blick auf den Monitor neben meinem Kopf zeigt mir, dass mein Gefühl richtig war, das Herz schlägt im Sinus-Rhythmus, das Ganze ist geglückt. Die Schwester kommt und fragt, wie es mir geht. „Großartig,“ sage ich mit Blick auf den Monitor, „dann kann ich ja gehen.“ Ich muss leider noch ein bisschen warten, werde aber zwischendurch wieder in mein Zimmer gefahren, leider von einem etwas weniger unterhaltsamen Pfleger, Gary war wohl gerade in der Pause oder auf einer anderen Mission.

    Nach einer Dreiviertelstunde bekomme ich einen Zwieback und ein Päckchen “La vache qui rit“, darf gehen, aber nicht ohne vorher an der Anmeldung zu bezahlen, und das war’s.

    Trotz aller Pannen war ich sehr froh, mein Buch habe ich fast ausgelesen, der Zweck des der ganzen Aktion ist erreicht, und abgesehen von der Warterei war die Zeit eher unterhaltsam😉.