Kategorie: Leben an Bord

  • Mangrovenwald

    Die Anse d‘Arlet mit den schönen grünen Hängen

    Seit wir hier am Ankerplatz in dieser wunderschönen Bucht liegen, haben wir Zeit. Zeit zum Reparieren, Zeit zum Edelstahl polieren, aber auch Zeit, um mal wieder einen kleinen Film zu schneiden.

    Die Landschaft auf Martinique ist geprägt von der Sonne und den zahlreichen kleinen (warmen) Regenschauern, die oft mehrmals am Tag ganz plötzlich vom Himmel fallen. Grüne Berghänge zieren die Ankerbuchten, die blühenden Bäume hat der Skipper ja schon beschrieben.

    Solche Mangrovenwälder findet man hier an vielen Stellen, die verschiedenen dort wachsenden Pflanzen müssen salztolerant sein, mit der hier nur leichten  Gezeit zurechtkommen und sie lieben Wassertemperaturen von über 20 Grad (ich auch!).

    Hier ist des Skippers Fahrt durch einen  Mangrovenwald:

  • Schauspiel

    Dramatische Szene bei Nacht

    Die besten und einprägsamsten Erlebnisse bietet, wie schon so häufig, die Natur. Das ist auch an unserem neuen Ankerplatz in der Anse d‘Arlet so. Mit Maske, Schnorchel und Flossen ausgerüstet, kontrolliere ich, ob  sich der Anker gut eingegraben hat und ob es Besonderheiten im Wasser gibt, die beim Ankeraufgehen zu Schwierigkeiten führen können. Glasklar ist das Wasser, es sind leider keine Fische zu sehen, aber der Anker sitzt perfekt eingegraben im Grund. Auf dem Rückweg zum Boot sehe ich dann doch etwas, was mein Herz höher schlagen lässt. Eine große Karettschildkröte, grast  seelenruhig das Seegras am Meeresgrund. Um das vielleicht einen dreiviertel Meter große Tier nicht zu beunruhigen, treibe ich bewegungslos an der Wasseroberfläche und beobachte seine Reaktionen. So vergehen einige beeindruckende Minuten. Diese Bucht hier ist berühmt für ihre Meeresschildkröten, erzählt mir Cornelia später, die bisher bei ihren morgendlichen Schwimmrunden leider noch keine zu Gesicht bekommen hat.

    Eine entzückende Bucht liegt vor uns


    Es gefällt uns in dieser Bucht besonders gut, es gibt ein typisch karibisches Örtchen, die Hänge der Umgebung sind dicht bewaldet, und Scharen von Pelikanen stürzen sich senkrecht zum Fischfang ins Wasser. Bei einem kleinen Landgang entdecken wir neben bunten karibischen 
    Holzhäusern die bunte artenreiche Pflanzenvielfalt der Karibik.

     

    Die Früchte des Brotfruchtbaums

    Es gibt Mangobäume mit noch nicht reifen Früchten zu bewundern, ein großer Brotfruchtbaum mit seinen männlichen und weiblichen Früchten zieht uns in seinen Bann, auch einen Guavenbaum sehen wir in dem kleinen Ort. Alle möglichen Arten von Palmen wachsen hier und es blüht an allen Enden und Ecken.

    Der Strand ist gut bevölkert, und um das kleine strandnahe Riff mit seinen bunten Fischen ziehen viele Menschen schnorchelnd ihre Bahn. Auch wir waren dort. Man sieht Fächerkorallen, Röhrenkorallen, Hornhechte, Drückerfische, Zebrafische und viele andere Fischarten, die wir erst im Internet raussuchen müssen.

    Die kleine Kirche

    Im Ortsmittelpunkt steht eine kleine Kirche mit einem blauen Holzdeckengewölbe, das an das tiefe blau des atlantischen Ozeans erinnert.

    Die Grundversorgung für die Einheimischen und die Touristen wird durch zwei Minisupermärkte, einen Metzger-Marktwagen, eine kleine Markthalle, in der Locals ihr selbstangebautes Obst und Gemüse feilbieten, sowie einen Bäcker gesichert.

    Tagsüber bevölkern zahlreiche Tagesausflugsschiffe mit Gästen an Bord die Bucht. Nachts ist es himmlisch ruhig und nur die Grillen zirpen. Ein besonders beeindruckendes Spektakel bieten die in Massen umherfliegenden Fledermäuse, die im Widerschein der Taschenlampe sichtbar werden.

    Jetzt noch ein paar Reparaturhighlights:

    Bei der Arbeit

    Wir mussten die Membrane des Wassermachers mit der tatkräftigen und geistigen Unterstützung von Bernhard tauschen, da zu viele messbare Teilchen, sogenannte Parts per Million, in unserem Trinkwasser waren. Zum Glück gibt es alle Ersatzteile in Le Marin im Caraibe Shop, einem technischen Zubehörhandel, der alle großen Zubehörmarken vertritt. Zudem haben wir die lose Schraube am vorderen Beam wieder fest angezogen und noch einen Bypass fürs Abwasser der Toilette erstellt, damit kann der Fäkalientank nie wieder zum Problemfall werden. Leider mussten wir auch feststellen, dass der originale Hydraulikautopilot eine undichte Stelle und sich das ganze Hydrauliköl in die Motorbilge ergossen hat. Der wird dann morgen ausgebaut, und am Dienstag geben wir das defekte Teil zur Überholung, bei Caraibe in Le Marin.

    Das Fahrtenseglerleben ist ein bunter Mix aus Unterhalt am Boot, Freunde treffen und kennenlernen, die Umgebung erkunden und den immer wieder anfallenden notwendigen Reparaturen an Schiff und Zubehör.

  • Nachtrag

    Der erste Regenbogen

    Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Darum will ich mich nochmal an eine kurze Zusammenfassung unserer Atlantiküberquerung wagen und einen Ausblick geben, wie unsere Segelreise weitergehen soll. Zum besseren Überblick will ich das gerne in mehrere Bereiche aufteilen, die unser persönliches Empfinden, das Boot und den Atlantik umfassen sollen.

    Unsere Betten im Salon

    Uns persönlich haben die Tage auf See sehr gut gefallen, wir haben die Zweisamkeit sehr genossen. Auch der Wachrhythmus, die Arbeit mit dem Boot und der Einklang mit unserer atlantischen Umgebung waren sehr schöne Erfahrungen und wir sind sehr froh, dass wir endlich diesen seglerischen Schritt gewagt haben. Langweilig war es uns zu keinem Zeitpunkt. Wir sind aktiv gesegelt, das Einholen der Wetterberichte, Essen kochen, Blogschreiben, den Atlantik beobachten, ein paar Telefonate und Zeit zum Schlafen, all das lässt wirklich keine Langeweile aufkommen. Und der digitale Enthaltsamkeit, wegen fehlenden Internets, hatte keine Entzugserscheinungen zur Folge, weder bei mir noch bei Cornelia.

    Kleine Reparatur unterwegs

    Der Katamaran passt perfekt zu uns. Wir haben uns zu jedem Zeitpunkt der Reise sicher und geborgen an Bord unserer Hexe gefühlt. Auch wenn es manchmal, windbedingt, etwas ruppiger zur Sache ging.

    Ein Bad im Atlantik bei Flaute

    Durch die gelungene Anordnung sämtlicher Beschläge und Winschen  bei der Outremer sind die  großen Segelflächen gut zu zweit zu händeln.

    Mit den  erreichten 7, 2 Knoten als durchschnittliche Reisegeschwindigkeit sind wir mehr als zufrieden. Der Topspeed des Bootes lag bei 18, 3 Knoten, die maximale Windgeschwindigkeit in einer Böe betrug 32 Knoten, die größte Wellenhöhe ca. 3 Meter

    Guten-Morgen-Sonne

    Wir  haben zweimal Delfine gesehen, den Buckel von einem Wal, sowie endlos viele fliegende Fische. Der Atlantik hat es gut mit uns gemeint. Wenn die Richtung der atlantischen Dünung und die Richtung der Windwelle übereinstimmen, ist dieser Ozean der perfekte Platz für Segelboote.

    Allgemein:

    Volker beim Kochen

    Alles eingekaufte Obst und Gemüse war am letzten Segeltag aufgebraucht, wir haben 40 Dosen alkoholfreies und 3 Dosen normales Bier während der Überfahrt getrunken. Uns sind keine anderen Segelboote in Sichtweite auf der nördlichen Route begegnet. Wir haben zum ersten Mal in unserem Leben unsere Sternzeichen am Nachthimmel gesehen.

    Bis April werden wir das karibische Meer erkunden und dann über die Bahamas nach Amerika weiter segeln.

    Die wildesten Wolkenbilder:

    und hier eine Auswahl der schönsten Sonnenuntergänge:

  • Sonntagsruhe

    Aussichten vom Ankerplatz

    Friedlich läuten die Glocken der kleinen Dorfkirchen von Saint Anne zu unserem Ankerplatz. Früher als die Glocken dringt das Gekrähe mehrerer Hähne zu uns hinüber, die bereits um 5 Uhr 30 den neuen Tag, eingeläutet haben . Es ist Sonntag, unser erster Sonntag in der Karibik, unser fünfter Tag nach unserer Ankunft.

    Wir haben uns eingelebt, auch wenn uns das Boot, bzw. das Zubehör auf Trab hält, und die Tage mal wieder nur so dahinfliegen. Am Morgen nach der Ankunft haben wir unser kleines Beiboot klargemacht, den Außenborder drangehangen, um pflichtgemäß die Einklarierungsprozedur zu erledigen. Doch das Motörchen wollte nicht so wie wir es wollten. Denn es lief nur langsam und verhalten und nur mit permanenten Choke. Wir sind bei Sverre, dem sympathischen Norweger von der Segelyacht Horizon, gestrandet. Sverre hat uns dann mit seinem super Beiboot nach Le Marin kutschiert, dort hat Cornelia, drei Minuten vor der behördlichen Mittagspause, in Rekordzeit alles Administrative erledigt. Dann ging es zum Lunch in eine kleine Hafenbar, und wir genossen neben dem Essen und dem ersten frisch gezapften Bier die gute Unterhaltung mit Sverre.

    Dann war der Tag auch schon so gut wie vorbei, denn bereits um 19 Uhr überkam uns eine bleierne Müdigkeit, und wir fielen in einen 11 -stündigen Schlaf, den man schon fast als komatös bezeichnen kann. Pünktlich zum Sonnenaufgang, um 6 Uhr, am nächsten Morgen, waren wir endlich ausgeschlafen und munter, bereit für neue Taten.

    Ich macht mich über unseren Tohatsu Außenborder her, wechselte die Zündkerze, schmierte die Gasmechanik, kontrollierte den Zündkerzenstecker, füllte frischen Sprit ein, lies den Sprit über die Ablasschraube an der Vergaserkammer ab, doch nix half, wenn ich den Cjhoke wegnahm, ging der Motor aus.  Ralf meinte, dass ich nun doch denn Vergaser ausbauen müsste und gab mir dazu ein paar Tips.

    Nach einem Rundblick übers Ankerfeld entdeckte Cornelia die Katamarane, Alamea und Vast mit unseren Freunden an Bord, die in der vorhergehenden Nacht ebenfalls erfolgreich ihre Atlantiküberquerung beendet haben. Bernhard und Beate, die Crew der Alamea, kamen sogleich mit dem Beiboot zum Frühstück rüber, und wir schnackten stundenlang über die zurückliegende Passage.

    Atlantiküberquerer bei der Feier

    Nachdem ich das Motorproblem angeschnitten hatte, meinte Bernhard, dass das nun kein Problem mehr ist, da sein Freund Wolfgang in der Formel 1, als Motorenmechaniker gearbeitet habe, und der nun zufällig mit seinem Boot ganz in der Nähe ankert. Kurze Zeit später erschien der fröhliche blondgelockte Bayer. In Windeseile war der Vergaser ausgebaut und gereinigt, und der Außenborder lief wieder wie am Schnürchen. Abends gab es dann eine große Feier bei uns an Bord, mit den Crews der Vast, der Alamea, der Wild Thing und Wolfgang, unser neuer bayrischer  Freund von der Segelyacht Hubbert.

    Es war eine sehr fröhliche und sehr feuchte Zusammenkunft. Am gestrigen Morgen sind wir dann etwas verknittert erwacht und mussten leider, feststellen, dass der Fäkalientank über die Belüftung am überlaufen war, was nix anderes bedeutet, als dass es irgendwo eine Verstopfung gibt. Sensible Geister hören an dieser Stelle besser mit dem Lesen des Bloqbeitrages auf, für den Rest geht es jetzt ans Eingemachte.

    Wir haben also gleich in der Früh versucht, das Problem zu lösen. Zuerst ging es auf einen kurzen Tauchgang mit Schraubenzieher, um zu schauen, ob das Auslassventil unter dem Rumpf verstopft ist, war es aber nicht. Danach haben wir drinnen den Auslassschlauch vom Fäkalientank am Seeventil abgezogen und 2-3 Liter braune Fäkalbrühe hat sich in den bereitgestellten Eimer ergossen, mehr nicht. Im Fäkalientank selbst ist Platz für 80 Liter. Dann haben wir mit mehreren Dingen im Schlauch versucht, bis zur Verstopfung vorzudringen. Alle Versuche scheiterten, nach 2zwei Metern war Schluss. Also Motoren an, ankerauf, und ab mit Kat nach Le Marin zur Tankstelle, denn die haben eine Absaugstation für die Fäkalientanks.

    Da wir schon mal dort waren, wollten wir auch tanken, der Platz am Absauger war noch belegt. Nachdem die ersten Liter im Tank waren, hatte die Tankstation einen kompletten Blackout. Herbei gerufene Techniker versuchten das Problem zu lösen, die Stunden gingen ins Land. Die Zapfsäulen liessen sich nicht freischalten. Irgendwann war dann Platz am Absauger frei, um dorthin zu kommen musste ich nochmal ablegen. Dabei warf der Tankwart zu früh die Leine lose, der Bug der Hexe, bewegte sich und drehte zum Steg hin. Es knallte kurz und schon hatten wir unsere erste größere Macke am Bug, eine fünf cm große Gelcoatabplatzung, oh Ärger grrrr.

    Irgendwann, war die braune Brühe abgesaugt, und wir sind dann zu unserem Ankerplatz zurück getuckert. Cornelia hat noch den Durchfluss vom Fäkalientank geprüft, indem sie Wasser von oben in den Fäkalientank füllte und ich unterm Rumpf tauchend geschaut habe, ob das dort wieder rauskommt. Kurzes Fazit, die Verstopfung ist beseitigt. Was sie verursacht hat? Keine Ahnung, wir werfen  kein Toilettenpapier ins Klo, eventuell ist was von dem nicht funktionierend Füllstandsmesser abgebrochen, oder ein Stück Kalk hat sich am Auslass niedergelassen.  Es gibt ein generelles Outremer Einbauproblem, weil die Inspektionsluke für den Tank genau an einem Schott liegt und komplett unerreichbar ist.

    Sundowner

    Abends waren wir dann mit Freunden zum Sundowner in einer kleinen Bar in Saint Anne, mit herrlichem Blick über die ganze Bucht und der Ärger war fast schon wieder vergessen. Gerade wehen vom Ufer die pentatonischen Klänge einer Steeldrum zu uns rüber. Es gefällt uns hier.

  • Roter Sand

    Sand auf dem ganzen Boot

    Die Calima ist keine Schwester von Kalinka, dem berühmten russischen Volkslied, bei uns bekannt durch die Interpretation von Ivan Rebroff, und auch keine bezaubernde Schönheit aus den Märchen aus 1001 Nacht. Die Calima ist ein Wetterlage speziell auf den Kanaren, die bei südöstlichen Winden feinen roten Sandstaub aus der Sahara zu den Inseln bringt. Die Luft wird getrübt wie bei uns bei schweren Novembernebeln, die Sonne ist nur noch schemenhaft zu erkennen, und die ansonsten so klare wunderbare Weitsicht reduziert sich auf wenige Kilometer und manchmal nur noch auf ein paar hundert Meter.

    Roter Sand auf den Stufen …

    Solch eine Wetterlage ist bei entsprechender Windrichtung nichts
    ungewöhnliches auf Lanzarote. Aber die Calima, die sich seit ein paar Tagen hartnäckig hält, wird laut Zeitungsberichten von den Meteorologen
    als eine der stärksten je gemessenen bezeichnet. Ausgerechnet dann, wenn
    wir mit unserem frisch geputzten, gewachsten und abfahrbereiten weißen
    Boot hier im Hafen liegen!

    Nach unserem Ärger über den ganz verdreckt von der Reparatur aus der
    Werft wiedergekehrten Katamaran, der mehrtägige Putzorgien brauchte, um
    wieder in alter Pracht zu erstrahlen, war die Hexe herausgeputzt, alle
    Gelcoatflächen poliert und mit Wachs als Schutz überzogen, die
    Relingstäbe geputzt, alle Persenninge vom Dreck befreit – sie war wieder
    eine weiße Schönheit. Und dann kam diese Calima.

    … auf dem Vorschiff

    Am Wochenende hatte es begonnen, zuerst – das kennen wir schon länger – nur ein bisschen, kein Grund zur Aufregung. Mit der Zeit wurde es immer
    schlimmer, die Nachbarinsel Fuerteventura versank im Dunst, der nächste Ort mit seinen kleinen weißen Häusern war nicht mehr zu sehen, manchen
    Menschen fällt das Atmen schwer, der feine rote Sandstaub ist überall, in der Luft, auf den Straßenschildern, auf den Möbeln und eben auch auf
    den Booten im Hafen. Für Montag war deshalb wieder eine gründliche Bootsreinigung vorgesehen.

    Am Morgen werden wir kurz nach Sonnenaufgang durch ein nicht ganz rhythmisches Schlagen auf Metall aufgeschreckt: Ein Marinero hatte wohl
    den Auftrag bekommen, am letzten Steg in der Marina, unserem Liegeplatz, Rost zu klopfen an den großen Pfählen, die den Steg gezeitenunabhängig an seinem Platz halten. Und das in Luv von unserem weißen Boot! Die kleinen Rostkrümel machen üble Flecken auf dem Gelcoat und das darin enthaltene Eisen frisst sich, wenn es nicht sofort entfernt wird, in helle Kunststoffflächen ein. Nicht auszudenken, wie das Boot ausgesehen hätte, wären wir nicht an Bord gewesen!

    Strömender Regen in Puerto Calero

    Also hat Volker am Montag Vormittag über vier Stunden geschrubbt, gewienert, die Fenster geputzt. In weiser Voraussicht hatten wir die hellen Polster im Cockpit schon am Tag davor in die Gästekajüte gepackt. Die ehemals weißen Trampolinnetze sahen aus wie Tennisplätze. Glücklicherweise begann es, üppig zu regnen, so wurde auch der Rote Staub vom Mast gewaschen. Am Abend wehte der Südost immer noch, dazu begann es, in Strömen, wirklich in Strömen, nicht in Bächen, zu regnen. Erst heute Morgen hat der Wind auf Süd gedreht, und der Regen nachgelassen, sodass nach einer erneuten Grundreinigung, die Volker zähneknirschend aber natürlich mit der ihm eigenen Sorgfalt ausführt, die Hexe wieder im alten Glanz erstrahlt.

  • Test, Test, Test …

    Zur Zeit wühlt ein kräftiger Südostwind das Wasser direkt  vor der Hafenausfahrt spektakulär auf.  Aus einigen Clips hat die Capitania mit einem neuen Schnittprogramm ein kleines Video von dem Naturereignis gemacht.

    Nix Spektakuläres, nur mal zum Ausprobieren.

    Denn ab jetzt können wir kleinere Videos direkt in unsere Bloqbeiträge  einbetten und das wollen wir in Zukunft auch gerne öfter tun.

  • Good News

    Endlich gibt es mal eine Reihe guter Nachrichten von Bord, bevor wir wieder über den fehlenden Passatwind meckern.

    Der neue Türverschluss war der letzte Punkt auf der Liste

    Das Schiff – und wir sowieso – sind reiseklar, alle Fehlerpunkte aus dem letzten Bericht sind behoben, ein externes Schließsystem für unsere Haustür ist eingebaut.

    Auch die verloren geglaubten gesegelten Meilen sind wieder da

    Sogar die verloren gegangenen gesegelten Gesamtmeilen im Datenprotokoll sind wieder, nach dem Einbau der neuen Logge aufgetaucht.

    Neu: Wassertemperatur

    Neben den gesegelten Seemeilen und der Wassertiefe zeigt der neue Loggeber, ein „Triducer“, nun sogar die Wassertemperatur an. Die ist in einem halben Meter Wassertiefe immerhin noch angenehme 19 Grad und für Mitte Januar ein Grad über dem üblichen Jahresdurchschnitt auf den Kanaren.

    Aber bleiben wir noch ein bisschen beim Boot. Weil jetzt wirklich alle abfahrtsrelevanten Punkte auf der To-Do-Liste abgehakt sind, können wir auch mal wieder kleinere kosmetische Unterhalts- bzw. Reinigungsarbeiten angehen.

    • Die Gemüsekiste wartet auf die letzten Einkäufe

      Die Backskisten im Cockpit haben wir leer geräumt, die darin befindlichen Stauboxen einer Kernreinigung unterzogen und alles darin Befindliche wurde neu sortiert.

    • Der komplette Decksaufbau mit seinen glatten Gelcoatflächen ist frisch mit einem UV-Schutzwachs gepflegt, sodass die intensive karibische Sonne die Oberflächen nicht auskreiden kann.

     

    • Antirutsch-Streifen

      Die alten Antirutsch-Klebestreifen auf den Decksluken waren mir schon länger ein kosmetischer Dorn im Auge und wurden jetzt mit Hilfe von Aceton und Olivenöl rückstandslos entfernt. Das Olivenöl hat den Vorteil, das es selbst hartnäckige alte Kleberänder schön aufweicht und diese dann besser zu entfernen sind. Neue Antirutschstreifen werden wir erst mal nicht kleben,  ich bekomme eh schon eine kleine Krise, wenn jemand auf die durchsichtigen Makrolon-Decksluken tritt und wer nicht darauf tritt, kann auf den glatten Oberflächen auch nicht ausrutschen, so einfach ist das.

    Nun liegt die Hexe bereit – sogar am neuen alten Liegeplatz

    Ansonsten ist es in den letzten acht Tagen im Hafen von Puerto Calero etwas ruhiger geworden, die Haupt-Abreisezeit in die Karibik scheint vorbei zu sein, und es kommen deutlich weniger Boote, die auf der Durchreise sind.

    Schön für uns ist, dass wir auf Lanzarote viele liebe Menschen kennen, sodass die eine oder andere kleine Feier an Bord, ein Bier im Upperdeck, oder ein gemeinsames Abendessen in geselliger Runde unseren Segleralltag rundherum positiv prägen. Wir Menschen sind soziale Wesen und nur bedingt zum Alleinsein fähig, daran wird auch diese Pandemie nichts ändern.

    Der Wetterbericht hat keine guten Nachrichten

    So, jetzt habe ich doch soviel geschrieben, eigentlich wollte ich mich ja noch über das Wetter und unsere mögliche Abreise auslassen. So versuche ich, mich kurz zu fassen, weil es so eine vertrackte (Wetter)-Situation auf dem Atlantik ist. Es gibt also entweder zu viel Wind, zu wenig bis kein Wind in der Mitte, unnötig hohe Wellen, Gegenwind auf gut 10 Prozent derStrecke. Zusammengefasst: Das entspricht nicht unserem Traum vom atlanischen Segeln und endlosen Surfs – wir warten ab.

  • Verschoben

    aber nicht aufgehoben, ist unsere Atlantiküberquerung fürs Erste.

    Die ganze letzte Woche waren wir noch mittendrin in den Vorbereitungen. Weitere Reparaturen sind dazugekommen, die Logge ging kaputt und wurde bestellt, der Temperatursensor am Backbordmotor war auf magische Weise abgebrochen und sorgte für einen Daueralarmton beim Motorlauf und das Schloss von der Salontür weigerte sich plötzlich, dieselbe zu verschließen. Dazu kamen Wes und der Kran, und das ehemalig delaminierte und jetzt reparierte Schwert wurde wieder eingebaut. Auch die ausstehenden Opferanoden für die Kielkühlung der Kühlschränke kamen endlich an und wurden von mir bei einem Tauchgang unter den Rümpfen an ihren vorgesehenen Plätzen angeschraubt.

    Unsere Treibstofftanks sind bis oben hin gefüllt, und noch 180 Liter Diesel fanden ihren Weg in diverse Reservekanister. Cornelia hat mit Irene und Peter von der Zapoli noch Gastlandflaggen für einige karibische Inseln gekauft und schlussendlich haben wir uns für Martinique, als erste Anlaufstelle, entschieden. Heute wollten wir bei der Policia Frontera ausklarieren und für den Sonntag war die Abfahrt geplant.

    Cornelia checkt das Wetter…

    Gestern war in Spanien ein Feiertag, Heilige drei Könige, und für uns ebenfalls so eine Art  Ruhetag und endlich Zeit, damit wir uns eingehend mit der aktuellen und zukünftigen Wettersituation auf dem Atlantik befassen konnten. Was ich da sah, lies mich zuerst staunend und dann zunehmend wütend zurück. Da geht doch tatsächlich ab der kommenden Woche, dem ewig treuen Passatwind die Puste aus und zwar nicht nur lokal beschränkt, sondern auf einigen tausend Quadratkilometern.

    … Windfinder hat keinen Wind …

    Und damit nicht genug. Wir reden hier nicht nur von einer kleinen Flaute für ein paar Tage. Diese ungewöhnliche Wetterlage soll mindesten für den ganzen Vorhersagezeitraum von 7 Tagen andauern und erstreckt sich fast gänzlich über die 3000 Seemeilen bis nach Martinique.

    … und bei Passage Weather sieht es auch nicht besser aus

    Es hat schon eine Weile gedauert, bis ich mich abgeregt habe und die Enttäuschung abgeebbt ist. Wir haben nochmals unsere maximale Reichweite unter Motor kalkuliert, die neuesten Wetterberichte von heute gecheckt und dann schweren Herzens die Entscheidung getroffen, die Abfahrt auf zunächst unbestimmte Zeit zu verschieben.

    Wir wollen in die Karibik, aber nicht motorend, wir wollen segeln und nicht bei 3-5 Knoten Wind,  der zudem noch aus der falsche Richtung kommt, dahindümpeln. Wir wollen das typische Passatwetter, 15-20 Knoten Wind aus der richtigen Richtung und schöne Surfs im endlos-blauen atlantischen Ozean.

    Das werden wir irgendwann bekommen und darauf werden wir warten, zur Not auch länger. Und was kann es schöneres geben, als auf unserer Lieblingsinsel Lanzarote auf ein geeignetes Wetterfenster zu warten.

  • Angekommen

    Der schwerste Abschied …

    Nachdem wir Anfang Dezember für eine Weihnachtspause zurück nach Deutschland geflogen sind, war für den gestrigen Tag der Rückflug zu unserer Lieblingsinsel angesagt. Von unseren Freunden und von der gesamten Familie haben wir uns gebührend und zum Teil rührend verabschiedet. Das Reisefieberthermometer hat in den letzten Tagen vorm Abflug neue Höchststände erreicht.

    Schnee auf den Bergen von Spanien

    In Lanzarote gelandet, wurden wir von Ulrike, mit Hund Nelly, vom Flughafen abgeholt und sie überraschte uns zudem noch mit einer frischgemachten leckeren Tortilla. Vielen Dank dafür!

    Während unserer Abwesenheit in Deutschland gingen die geplanten Arbeiten an unserer Hexe unter der bewährten Leitung von Wes weiter. Die Hexe stand für 14 Tage ausgekrant und trocken in Arrecife an Land. Der Antifoulinganstrich wurde dort, ebenso wie alle Anoden, erneuert und der schon oft besprochene Reserveautopilot zusammen mit Jan final eingebaut.

    Das Schwert wird neu laminiert …

    Die außerplanmäßige Reparatur unseres delaminierten Backbord-Schwertes ist im vollen Gange und steht kurz vorm Abschluss. Die mitgebrachte GPS-Antenne haben wir direkt nach der Ankunft an Bord installiert, das Vorgängermodell war nicht mehr wasserdicht und das eingedrungene Seewasser hat die Elektronik zerstört.

    … und die leere Hülle wartet darauf

    Mit dem Vorratsapp „Pantrist“ erfasst Cornelia aktuell alle Ersatzteile und Lebensmittel, die sich an Bord befinden. So wie es aussieht, haben wir ausreichend  Vorräte für mindestens vier Wochen dabei. Jetzt müssen wir nur noch frisches Obst und Gemüse unmittelbar vor der Abfahrt einkaufen.

    Die (An)-Spannung bei uns steigt doch sehr, je näher der Tag der Abfahrt rückt, wir checken Wetterdaten, erstellen neue To-Do-Listen und überprüfen das Boot mit allen seinen technischen Einrichtungen-und Funktionen.

    Jetzt sind wir schon so viele tausend Meilen gesegelt, doch stehen die knapp 3000 Seemeilen bis in die Karibik wie ein hoher Berg vor uns. Vor jeder unserer bisherigen Seepassagen hatten wir einen gewissen Respekt, besonders vor den Elementen und den Unbilden der Natur, die daraus resultieren können. Aber die bevorstehende, ca. 20-tägige Atlantikpassage, sorgt jetzt im Vorfeld für eine gewisse Nervosität, die manchmal zu nächtlichen „Wachmomenten“  führt.

    In den nächsten Tagen wird Cornelia einen weiteren Blogbeitrag veröffentlichen und erklären, wie Ihr uns auf unserer atlantischen Überfahrt folgen könnt.

    Bis dahin wüschen wir allen, einen guten Start ins neue Jahr 2022

  • Hexenbriefe

    Ulrikes Hündin Nelly ist immer dabei

    nennt Ulrike unsere Blogbeiträge und verfolgt diese seit mehreren Jahren regelmäßig. Wir verfolgen Ulrike auch, natürlich nicht auf Schritt und Tritt, zumindest nicht im negativen Sinne. Ulrike ist unsere Freundin, unsere Anlaufstelle, sobald es sich um Lanzarote oder die Kanaren dreht  oder handelt. Ulrike kennt viele und vieles, und viele kennen Ulrike. Dadurch lernen wir u.a. auch immer neue nette Menschen auf der Vulkaninsel kennen. Aber auch, ich nenne es mal das soziale Umfeld in Puerto Calero, könnte besser nicht sein

    Mit ein paar lieben Menschen aus dem Hafen hat sich seit unserer Rückkehr eine echte Freundschaft entwickelt, und viel Zeit wird miteinander verbracht.

    Drei Kapitäne, der vierte fotografiert

    So waren wir vor drei Tagen mit vier Skippern (Freunden) auf einem kleinen Herren-Tagestörn seglerisch unterwegs. Für mich neu war, dass es einen sogenannten Parasailor, also einen Spinnaker mit „Lüftungsklappe“ gab. Dieses Vorwindsegel soll einige positive Eigenschaften vereinen und deshalb war ich doch sehr gespannt, wie es funktioniert, und ob es auch das tut, was es soll.

    Der Parasailor steht

    Mit Rainers schlanker und schöner X-Yacht  ging es morgens raus aufs Meer, dank sorgfältiger Vorbereitung ging das Vorwindsegel schnell am hohen Mast nach oben. Ich schreib jetzt einfach mal ein paar Punkte auf – wertungsfrei – die mir beim Parasailor aufgefallen sind.

    • Dieser Spinnaker wird ohne das Großsegel gesetzt, und hat einen Bergeschlauch mit aufblasbarem Kragen, der für freundlichere Stauraummasse sorgt, als Segel mit einem festen Bergekragen.
    • Der Spi kommt ohne Spibaum aus und wird mit doppelten Spischoten gefahren, wobei eine der beiden Leinen als Niederholerleine benutzt wird.
    • Der Spi steht extrem ruhig und hat keine Tendenz zum Wandern oder „Tanzen“.
    • Man muss es richtiggehend provozieren, den Spi durch falsche Steuermanöver oder Kursänderungen zum Einfallen zu bringen. Geht man auf den Ursprungskurs zurück, entfaltet sich das Vorwindsegeli unspektakulär, also ohne dass das Segel knallt.
    • Wir konnten bis zu wahren 100 Grad an den Wind anluven.
    • Das Bergemanöver ist simpel.
    • Ein weiterer Vorteil soll sein, dass der Bug entlastet und durch diese Art von Spi nach oben gezogen wird, was ein Abtauchen in die vorauslaufenden Wellen verhindern soll.
    • Das Segel kostet fast das Doppelte eines normalen Spinnakers.
    Das Boot segelt ja schief!

    Nachdemwir an Los Lobos vorbei waren, ging der Spinnaker runter, die Amwind-Garderobe nach oben und die X-Yacht tat genau das, wofür das Schiff konstruiert ist: Wie an einem Lineal gezogen,geht es hoch am Wind zurück nach Puerto Calero, ein wahres Segelvergnügen. Leider war es auf den letzten Meilen so ein bisschen wie mit den vielen Köchen, die den Brei verderben, auch mit den vier Kapitänen an Bord. Trotz der geballten Kompetenz hatten wir nicht bemerkt, dass ein Salonluk leicht offen stand, und der übers Deck waschende Seegang seinen  Weg nach innen gefunden hatte und dort für salznasse Polster und Möbel im Salon gesorgt hatte. Des Skippers Frau nahm es gelassen auf, dass wir ihr schwimmendes Zuhause ein bisschen eingenässt hatten. Schwein gehabt!

    Die Konstruktionszeichnung

    Unser Reserveautopilot geht nach der Planung in die nächste Stufe der Realisierung, wir sehen dem mit Spannung und Neugierde entgegen. Nächste Woche soll der Einbau stattfinden, Fingers crossed!

    Dave at work

    Vielleicht können wir noch vor unserem Weihnachts-Rückflug nach Deutschland, einen kleinen Testschlag zum ausprobieren machen, das wäre klasse!